Wenn man die Ebenen nicht trennt

08.11.2016 at 7:00
Eine jahrzente andauernde Freundschaft verbindet den Anstifter Walter Häcker (li) mit Reuven Moskovitz

Eine jahrzente andauernde Freundschaft verbindet den Anstifter Walter Häcker (li) mit Reuven Moskovitz

 

Reuven Moskovitz kam auf Einladung der Anstifter am 7. November 2016 ins Theater am Olgaeck, um über Israel zu sprechen. Reuven Moskovitz ist ein israelischer Friedensaktivist, der seit Jahren Deutschland bereist und für ein friedliches Miteinander von Palästinensern und Israelis eintritt. Er fordert ein „freundliches Machtwort“ von deutscher Seite zugunsten der Palästinenser in dem seit vielen Jahren blutig ausgetragenen Konflikt. Deutschland müsse, so Moskovitz, gegen die verbrecherische Politik Israels Stellung beziehen, weil Deutschland seinerseits mit dem Holocaust Schuld auf sich geladen habe. Er bezeichnet Israel als Schurkenstaat, in dem die Eliten dem Kapital und der Gewalt verpflichtet seien und in dem Lüge, Betrug und Verleumdung die Richtlinien der Politik bestimmen. Trotz dieser klaren Worte von ihm leide er an den Zuständen und da fängt das Dilemma an.

Moralische Verurteilung von staatlichem Handeln

Reuven Moskovitz verurteilt seinen Staat von einem moralischen Standpunkt aus und fordert Mitmenschlichkeit und Empathie für die Palästinenser ein. Die Beschreibung seines Staates trifft auf viele Staaten der Erde zu, selbst auf historisch „alte“ Demokratien wie die USA und daran wird deutlich, wie wenig hilfreich Moralisieren in der Beurteilung von demokratischen Staaten ist. Moskovitz ist gut in der Vermittlung seines Leidens an seinem Land. Aber er liefert keine politische Analyse, warum sein Staat so handelt wie er handelt. Es ist unstrittig, dass Israel in seiner Siedlungspolitik gegenüber den Palästinensern Dinge tut, die im Widerspruch zur UN-Charta stehen. Reuven Moskovitz vertritt moralische Kategorien, wo politische Analyse und Handeln erforderlich wären. Mit seinen moralischen Empörungen kommt er weder bei Politikern in Deutschland an, wie er bedauernd über seinen letzten Besuch bei Abgeordneten des Deutschen Bundestages berichtet, noch dringt er in seiner Heimat in der Friedensbewegung durch.

Interessant in dem Zusammenhang sind die deutlich differenzierteren Aussagen des Schriftstellers und Friedensaktivisten Amos Oz. Hier sind seine Gedanken zu den Militäroperationen gegen die Hamas nachzulesen.

Israel als militärische Weltmacht

Seine Einschätzung, Israel sei eine militärische Weltmacht, macht er an der Tatsache fest, dass Israel über modernste U-Boote (aus deutscher Produktion) und über einen gut ausgebauten Militärapparat verfügt. Überall sieht er „Machtgier, Habgier und Nationalismus in Israel“. Richtig ist, dass Israel in der Nahostregion eine herausragende politisch-militärische Kraft darstellt. Israel allerdings in den Rang einer Weltmacht zu heben, entbehrt jeder Grundlage. Auch seine Analyse des historisch-religiösen Fundaments seines Staates verharrt in Klischees und bleibt hinter der aktuellen Exegese theologischer Texte zurück.

Wenig Erkenntnisgewinn

So bleibt als Erkenntnis dieses Abends, dass es Israelis gibt, die an den Zuständen ihres Landes leiden und dieses Leid mit anderen Menschen teilen wollen. Einsichten, was zu einem von ihm angesprochenen neuen Weltethos führen kann, welche zivilgesellschaftlichen Aktionen zur Überwindung des gegenwärtigen Zustandes möglich sein könnten und wie man moralisierende Wertungen über Bord werfen könnte, erläuterte er leider nicht. Damit verharrt er auf einem Erkenntnisniveau, das er auch in seinem letzten Buch vermittelte. Eine Rezension kann man hier nachlesen.