Elsternest

Sam Rockwell – Ein Schauspieler, den man sich merken sollte

Sam Rockwell in seinen "Nebenrollen": Kenny Waters, Jason Dixon, Watson Bryant (v.l.n.r.)
Sam Rockwell in seinen “Nebenrollen”:
Kenny Waters, Jason Dixon, Watson Bryant (v.l.n.r.)

Sam Rockwell ist in Deutschland ein relativ unbekannter Schauspieler. Das ganz zu unrecht, wurde er doch für seine Rolle des Officer Jason Dixon im Filmdrama Three Billboards Outside Ebbing, Missouri mit dem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.

Ist er der ewige Nebendarsteller? Zuletzt sah ich ihn in dem Drama Betty Anne Waters. Dort war er zwar derjenige, um den sich der ganze Film drehte aber er war kaum zu sehen. Er saß als verurteilter Mörder im Gefängnis. Worum geht es?

2010 die Rolle eines zu Unrecht verurteilten Mörders

Nachdem Kenny Waters (Sam Rockwell) sich überraschend wegen Mordes vor Gericht verantworten muss, zweifeln zunächst die Geschworenen und dann die besten Freunde an seiner Unschuld. Gegen die Mühlen der Justiz hat der Ungebildete keine Chance.

Um die Unschuld ihres Bruders zu beweisen, beginnt Betty Anne ein Jurastudium, das sie als Kellnerin selbst finanziert. Dabei geht ihre Ehe in die Brüche, und sie verliert das Sorgerecht für ihre beiden Söhne. Die Verkörperung dieser Unterschichtfrau, in deren Sorgenfalten die Spuren eines nicht immer einfachen Lebens ablesbar sind, gelingt Hilary Swank als Betty Anne Waters grandios. (Ebenso grandios spielte sie die Hauptrolle in Million Dollar Baby.) Ihre Gegenspielerin ist eine verkniffene Polizistin, die um ihrer Karriere willen Kenny mit manipulierten Beweisen hinter Gitter bringt.

Die Heldin des Films ist keine wirkliche Gegnerin des Systems. Sie verkörpert vielmehr dessen ureigene Stärke: Durchhalten als amerikanische Tugend. Und sie bekommt ihren Bruder am Schluss ihres Kampfes wirklich frei.

Sam Rockwell spielte 2017 einen brutalen Cop und erhält den Oskar für die beste Nebenrolle

Auch in Three Billboards Outside Ebbing, Missouri schleicht er sich dem Zuschauer nur langsam ins Hirn. Lebt doch der Film vor allem durch die starke Darstellung der Mildred Hayes durch die sehr feine, nuancenreiche Darstellung von Frances McDormand. (Die gerade wieder einen Oskar für die Rolle als beste Hauptdarstellerin im Film Nomadland erhalten hat.)

In Three Billboards Outside Ebbing, Missouri erzählt der irische Dramatiker und Regisseur Martin McDonagh von einer Konfrontation zwischen Gesetzesvertretern und einer Frau. Er wählt dazu die Form einer tiefschwarzer Komödie gepaart mit ernstem Drama. Das ist hohe Filmkunst, die profunde Menschlichkeit zeigt. Er wirft den Betrachter in ein Wechselbad der Gefühle, reizt mit messerscharf geschliffenen Dialogen zum Lachen, um schon im nächsten Augenblick mit einer tragischen Volte zu erschüttern, erschreckt mit einem Gewaltausbruch und amüsiert gleich darauf mit Skurrilität.

Wie Phönix aus der Asche

Sam Rockwell spielt einen Cop, der mit Vorliebe Schwarze festnimmt und auch mal misshandelt. Dabei ist er ein typisches Muttersöhnchen. Doch dann steigt dieser rassistische und brutale Cop zum Schluss in einer Szene von exzessiver Symbolik wie Phoenix aus der Asche zu moralischer Größe auf. Zu Recht hat Sam Rockwell dafür den Oskar für die beste Nebenrolle bekommen.

2019 engagierte ihn Clint Eastwood

In dem vorletzten Film von Clint Eastwood, Der Fall Richard Jewell, spielt Sam Rockwell einen Rechtsanwalt, der den einfältigen Hilfspolizisten Richard Jewell (Paul Walter Hauser) vertritt. (Filmbesprechung siehe auch hier.) Jewell verliert Job um Job, weil er in seiner Gesetzestreue übereifrig seinen Aufgaben nachkommt. In den Polizeidienst ist eingetreten, weil er Waffen liebt und am liebsten seine Freizeit im Schießstand verbringt. Nach diversen Rauswürfen ist er als Mitarbeiter einer privaten Wachfirma eingestellt und soll mit seinen Kollegen für die Sicherheit auf dem Olympiagelände sorgen. Ein Unbekannter warnt die Stadionleitung und gibt an, eine Bombe sei auf dem Gelände versteckt. Richard Jewell entdeckt einen verdächtigen Rucksack und beginnt sofort, den Bereich zu räumen.

Vom Held zum Tatverdächtigen

Anfänglich wird der naive, sozial nicht allzu kompetente Jewell, der noch bei seiner Mutter lebt, für sein schnelles Handeln gelobt, durch das er Schlimmeres verhindern konnte. Doch dann ruft sein ehemaliger Chef das FBI an und bringt sein Misstrauen gegenüber Jewell zum Ausdruck. Und das FBI sieht nun Jewell als Hauptverdächtigen. Zu gut pass er in das typische Profil eines einsamen, frustrierten, weißen Einzeltäters. Jetzt braucht er wirklich einen Anwalt. Er wendet sich an seinen alten Arbeitskollegen Watson Bryant (Sam Rockwell). Der hat sich mittlerweile als Anwalt selbständig gemacht, ist allerdings eine ähnlich verkrachte Existenz wie Jewell.

Die Medien mischen in dem Fall gehörig mit

In den Medien wird jeden Tag von dem Fall berichtet. Er wird von der ehrgeizigen Journalistin Weil Scruggs, gespielt von der betörenden Olivia Wilde, als Hauptverdächtiger inszeniert. Sie unterfüttert ihre Story mit Informationen, die sie dem ermittelnden FBI-Mann “entlockt”.

Wie Sam Rockwell als Anwalt Watson Bryant von einem erfolglosen Rechtsanwalt, der anfänglich wenig ausrichten kann, zu Höchstform aufläuft, das ist große Schauspielerleistung. Immer tiefer gräbt er sich in den ihm anvertrauten Fall und er deckt das Zusammenspiel zwischen Presse und FBI auf. Die drangsalieren seinen Mandanten ohne wirkliche Beweise, nur weil er das perfekte Opfer ist.

Ein Stoff, wie geschaffen für Clint Eastwood

Das ist ein Stoff, wie für Clint Eastwood geschaffen. Eastwood nimmt sich in seinen Filmen oft der kleinen, rumgestoßenen Leute an. Die, denen das Schicksal böse mitspielen, weil sie nicht zur bürgerlichen Mitte zählen, die Verzweifelten und seitlich Umgeknickten. Dass er es immer wieder schafft, für seine Figuren die genau passenden Schauspieler zu finden, ist eine Stärke dieser Regielegende.

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