Elsternest

Peter Grohmanns 500. Bürgerbrief

Seid die Proteste gegen die Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofes begonnen haben, hat Peter Grohmann, der Gründer der AnStifter seinen Bürgerbrief unters Volk gebracht. Heute verteilt er seinen 500. Bürgerbrief. Immer mit klugen Gedanken, Anregungen und natürlich auch mit Terminen, die für die Stuttgarter Zivilgesellschaft von Relevanz sind. Und mit einem Witz, Peters Montagswitz. Der alte Kämpe weiß, mit Humor sind die herrschenden Verhältnisse besser zu verändern. Hier sein Text:

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

Peter Grohmann Neujahrsansprache
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wir alle haben unsere Träume. Sie sind ganz verschieden, doch in diesen Zeiten werden es öfter mal Albträume: ‚Am Tag, als kein Regen kam‘ (Dalida, 1961). Und immer mehr und immer wieder enttäuscht uns die Politik – 500 Bürgerbriefe lang – eine Politik, die zuschaut, die sich nichts zutraut, die zögert, zappelt, die andere stoppt und die sich mehr und mehr von den Menschen entfernt und entfremdet, ihre Hoffnungen enttäuscht und sie resigniert zurücklässt bei denen von gestern.

In allen Träumen reift auch der Wunsch, rechtzeitig wach zu werden, damit man sich auf den Weg machen kann und gemeinsam bessere Wege findet, weg von den ausgetrampelten Pfaden. Nein, nicht in die verlorenen Paradiese, nicht ins Gerber von Grünen, SPD und den anderen – ins Milaneo für den Endverbrauch der Erde, sondern in die Realität. Denn wir müssen jetzt beginnen, eine bessere Geschichte zu erzählen, und doch die von damals bedenkend, als wir unterwegs waren. Es soll die Geschichte über die Zukunft sein – über morgen hinaus. Denn die alten Geschichten von gestern haben zu viele Löcher in der Hose. Wir wissen doch, welche Zukunft wir haben könnten und welche Gesellschaft wir sein wollen – welche Möglichkeiten wir haben, die Welt zu verändern. Erzählen wir von einer Zukunft, die erreichbar scheint, die lebenswert und schön ist und doch realistisch genug ist, um andere mitzunehmen auf die Reise. Denn „Wir sind‘s, wir! Wir haben unsere Lust daran, uns in die Nacht des Unbekannten, in die Fremde irgendeiner andern Welt zu stürzen. Und wär‘ es möglich, wir verließen der Sonne Gebiet und stürmten über des Irrsterns Grenzen hinaus.“ (Wessen Hölderlin? – Unser Hölderlin!) Aufbruch! Aufbruch in ein noch nicht bekanntes, ja überhaupt noch nicht existierendes Land, das aber im Heraufziehen begriffen ist, zu dem alles drängt und treibt, die Logik und Lust, die drohenden Katastrophen auch.

Kapitalismus tötet, sagt Franziskus. Auch wenn‘s sehr katholisch daherkommt vom heiligen Stuhl: Fratelli tutti wär‘ ein tolles Programm, mit und ohne Beten, wie man es mögen mag, aber allemal mit Denken und Machen. Manches wissen wir besser, anderes gar nicht, vieles bleibt verborgen.Eins wissen wir sicher: Diese Welt wird‘s so nicht mehr lange machen. Hoffnung? Ja, immer! Doch sie ist nur überzeugend mit der scharfen Kritik des Bestehenden.

Ich freue mich auf die weiteren Wege mit Euch, auf die Suche. Glück auf!

Der Kopf bleibt oben!

Herzlich: Ihr Peter Grohmann

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