Elsternest

Für den Frieden auf die Straße

© Timo Kabel
© Timo Kabel

Seit 1958 gehen die Menschen in den Tagen vor Ostern auf die Straße, um gegen Krieg und Rüstung Position zu beziehen. Die Bewegung hat Hochs und Tiefs erlebt. Die Wiederbewaffnung der alten Bundesrepublik war der Ausgangspunkt dieses Protestes. Adenauers Pläne, Atomwaffen auf deutschem Boden zu stationieren, trieben bis zu 120.000 Menschen auf die Straßen.

Wir können uns glücklich schätzen, dass der kalte Krieg in Europa nie in eine heiße Phase getreten ist. Allerdings hält die Abwesenheit von Krieg in Westeuropa die Rüstungsindustrie nicht davon ab, mit ihren Produkten Kriege in vielen Ländern anzufachen. Dabei spielen die deutschen Rüstungskonzerne eine Schlüsselrolle im Wettlauf um die „Absatzmärkte“. Deutschland ist weltweit nach den USA und Russland der drittgrößte Waffenexporteur. Siehe hierzu »Schwarzbuch Waffenhandel. Wie Deutschland am Krieg verdient« von Jürgen Grässlin.

Die amerikanischen Streitkräfte koordinieren von Stuttgart aus ihren Drohnenkrieg in Afrika. In den Kasernen in Stuttgart haben AFRICOM und EUCOM ihren Sitz. Das US-Militär hat die Welt in sechs Regionen aufgeteilt, in denen jeweils ein Kommando zuständig ist. Vier dieser Kommandos sitzen in den USA und zwei in Europa, genauer in Stuttgart. Das für Europa zuständige Kommando EUCOM operiert seit langem von den „Patch Barracks“ in Vaihingen aus. Seit Oktober 2008 hat auch das Afrika-Kommando seinen Sitz in Stuttgart, in den Möhringer „Kelley Barracks“.

Die Entscheidung, ob ein vermeintlicher Terrorist getötet werden soll, trifft der amerikanische Präsident. An der Aufklärung und Analyse, wer auf die Todesliste soll (Joint Prioritized Target List), wo er zu finden und wie er zu töten ist, wirkt AFRICOM wie viele andere Militär- und Geheimdienstorganisationen der USA mit. Der Friedensnobelpreisträger Barack Obama hat seit seinem Amtsantritt im Januar 2009 über 200 Todesurteile gegen Staatsfeinde der USA unterzeichnet, mit seiner Unterschrift ihren Abschuss mittels Drohnen in ihren Heimatländern freigegeben.

Die Bundesregierung stoppt dieses gezielte Töten nicht. Darum begann der diesjährige Ostermarsch an den „Kelly Barracks“, der Schaltstelle des Todes. Längst haben sich die Armeen des demokratischen Westens vom Auftrag der Landesverteidigung verabschiedet. Sie haben die Rolle von Interventionsarmeen zur Rohstoffsicherung übernommen und führen Bestrafungsaktionen an unliebsame Staaten und Einzelpersonen durch. Flankiert werden die Operationen durch eine propagandistische Offensive, die ihresgleichen sucht. Wie heißt es doch: Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst.

1969 ging ich zum ersten Mal auf eine Demonstration, es war ein Ostermarsch. 45 Jahre später laufe ich wieder, diesmal ganz vorne, das Banner tragend und wohl überlegt. Die Lösung von Konflikten mit friedlichen Mitteln bleibt ein Anliegen von mir.

Das Titelfoto zeigt mich am Banner. Timo Kabel stellte es mir freundlicher Weise zur Verfügung. Timo Kabel veröffentlich seit einiger Zeit beeindruckende Portraits von Menschen, die sich an Aktionen der Zivilgesellschaft aktiv beteiligen. Zu finden hier.