Elsternest

Frauen im Rock (XVIII) – Tina Turner

Tina Turner zum Abspielen des Videos bitte aufs Bild klicken (Screenshot YouTube)

Was wäre eine Serien über Frauen im Rock, im Rock’n’Roll, im Blues und all den anderen Musikstilen ohne Tina Turner, diese Ikone der schwarzen Musik?

Tina Turner wurde am 26. November 1939 als Anna Mae Bullock in Brownsville, Tennessee, geboren. Sie gehört mit über 180 Millionen verkauften Tonträgern zu den weltweit erfolgreichsten Sängerinnen. Aber nicht nur die Zahl ihrer verkauften Tonträger ist beeindruckend. Ihr Leben ist es auch.

Anna Mae Bullock ist die jüngere von zwei Töchtern des afroamerikanischen Ehepaars Floyd Richard Bullock und Zelma Bullock, einer Arbeiterin mit indianischer Herkunft. Sie wurde im Untergeschoss des Haywood Memorial Hospital in Brownsville geboren. Das Untergeschoss war zum Zweck der Rassentrennung für Afroamerikaner bestimmt. Die ersten Erfahrungen als Sängerin sammelte die kleine Anna Mae im Chor der baptistischen Kirche in Nutbush (Tennessee). Der Gospelgesang und dessen Ursprung hat sie ihr Leben lang begleitet.

Die erfolgreichen Jahre mit Ike Turner

Mit neunzehn Jahren lernte sie Ike Turner kennen und wurde in seiner Band Kings of Rhythm Backgroundsängerin. Das Lied A Fool in Love wurde mit ihr erfolgreich, als sie kurzfristig als Solosängerin einsprang. Aus Gründen der Promotion gab Ike ihr daraufhin den Künstlernamen Tina und benannte seine Band in Ike & Tina Turner um. Tina und Ike, die inzwischen auch eine Liebesbeziehung verband, gingen in der Folge mit der Ike & Tina Turner Revue auf Tournee, zunächst in den USA, später auch durch Europa und Australien. 1962 heirateten die beiden.

Mit Ike Tuner erlebte Tina Turner die Hölle

1972 erhielten Ike und Tina Turner einen Grammy Award für den Song Proud Mary (Coverversion von John Cameron Fogerty, Songwriter und musikalischer Kopf der Rockgruppe Creedence Clearwater Revival). Hier ein Video mit dem Titel, den sie als Solokünsterin performt. Man beachte: sie ist bei dieser Show 61 Jahre alt!

Parallel zu ihrem zunehmenden musikalischen Erfolg häuften sich Probleme in ihrem Privatleben mit ihrem Mann Ike Turner, der sie immer wieder misshandelte und erniedrigte. 1976 schließlich verließ sie ihren Mann und beantragte die Scheidung. In der endgültigen Scheidungsverordnung übernahm Tina Turner die Verantwortung für versäumte Konzerttermine sowie ausstehende Steuerschulden (!). Tina Turner behielt die Autorenlizenzen für die eigenen Songs. Sie behielt auch ihre zwei Autos, Pelze und Schmuck zusammen mit ihrem Künstlernamen. Noch 1991 wurden Ike und Tina Turner in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Der Erfolg als Solokünstlerin stellte sich erst langsam ein

Tina Turner konnte nach der Scheidung als Solokünstlerin nicht direkt an die Erfolge mit ihrem Mann anknüpfen. Sie verdiente ihr Geld durch verschiedene Tourneen, deren Konzerte allerdings meist in kleinen Räumlichkeiten vor oft nur wenigen hundert Zuschauern stattfanden. Erst mit den Ausflüge in die Disco-Musik und ihrem beeindruckenden Bühnenprogrammen, insbesondere den Nice-’n’-Rough-Konzerten der frühen 1980er Jahre, konnte sich Tina Turner allmählich nach oben arbeiten. Doch die großen Plattenfirmen betrachteten Tina Turner zunächst noch als einen kaum vermarktbaren Altstar.

Mit Privat Dancer kam der große Erfolg

Erst mit dem Album Private Dancer (1984) wurde sie als Solokünstlerin wahr genommen. Gleich die erste Single-Auskopplung What’s Love Got to Do with It kletterte auf Platz eins der Billboard-Charts. Im Februar 1985 erhielt Tina Turner drei Grammy Awards für die beste weibliche Gesangsdarbietung, für die Schallplatte des Jahres (jeweils What’s Love Got to Do with It) und für die beste weibliche Rockgesangsdarbietung (Better Be Good to Me).

Tina Turner als Schauspielerin

1985 spielte Tina Turner die Rolle der Aunty Entity im Film Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel. Schon Jahre zuvor hatte sie sich als großen Fan der Mad-Max-Reihe bezeichnet (auch ich bin ein großer Fan dieser Filmreihe.) Mit dem Titelsong We Don’t Need Another Hero hatte sie 1985 einen Nummer-eins-Hit in Deutschland.

… und als Schriftstellerin und Buddhistin

Mittlerweile liegen zwei Autobiografien von ihr vor: My Love Story: Die Autobiografie (2018) und Happiness: Mein spiritueller Weg (2020). Darin sagt sie:

Der Buddhismus hat mir buchstäblich das Leben gerettet.

Mit Mitte dreißig begann sie mit dem Chanting, dem Singen buddhistischer Gebete. Das half ihr, sich aus der Hölle ihrer Ehe zu befreien. Ihre wichtigste Botschaft lautet:

Jeder soll wissen, dass in ihm eine Quelle innerer Kraft sprudelt. Egal, wie schwierig die Umstände sind. Wir können zwar nicht immer beeinflussen, was im Leben passiert, aber wir können steuern, wie wir damit umgehen. Das ist der entscheidende Punkt. Denn unsere Reaktionen – in Gedanken, Worten und Taten – bestimmen unser Glück. Wir haben immer eine Wahl, auch wenn es vielleicht nicht immer danach aussieht. Nicht zuletzt können wir uns stets für den positiveren Gedanken entscheiden. Es liegt an uns, wie wir Widrigkeiten wahrnehmen und was wir daraus machen. Wenn wir dies erkennen, können wir ein glückliches Leben führen, einen unerschütterlichen Zustand inneren Friedens und Freude erlangen, unabhängig von Alter und Lebensumständen. Ich habe es geschafft, und ich bin überzeugt, jeder kann es schaffen.

Heute lebt Tina Turner in der Schweiz, 2013 nahm sie die Schweizer Staatsbürgerschaft an.

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