Ankunft Nirgendwo – Ein ungewöhnlicher Theaterabend

16.07.2019 at 23:57
Ankunft Nirgendwo

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Sechs Schauspielerinnen und Schauspieler bringen ihre Erfahrungen an diesem Abend des 13. Juli 2019 im Studiotheater auf die Bühne. Die Gruppe um den Regisseur Mehdi Mokari gastierte auf Einladung des Katholischen Bildungswerkes (KBW) in Stuttgart.

Die Gruppe kommt aus dem Landkreis Göppingen. Mehdi Mokari flüchtete 2013 mit seiner Familie aus dem Iran. Seine Tochter und sein Sohn teilen mit ihrem Vater die Leidenschaft fürs Theater und stehen an diesem Abend auf der Bühne. Seine Tochter Kimia hat die wesentlichen Szenen geschrieben und trat auch schon im Iran in zahlreichen Theaterstücken und Filmen auf. In Deutschland konnte sie Erfahrungen am Stuttgarter Staatstheater und im Theaterprojekt „Labyrinth“ sammeln.

Bis auf zwei kommen alle aus dem Iran. Mit einfachen Mitteln stellen die jungen Leute Erlebnisse aus ihrer Flucht dar: Die Überfahrt in einem Schlauchboot wird mit einem Seil begreifbar. Die Enge und Einfachheit in der Flüchtlingsunterkunft mit Stühlen. So bringen sie unglaubliche, komische, traurige und kraftvolle Szenen eigener Stationen aus ihrem Leben auf die Bühne. In anschließenden Gespräch mit dem Publikum gehen sie auf ihre Erfahrungen ein und reden darüber, wie sie das Stück entwickelt haben.

Für ein Europa, frei von nationalen Egoismen

21.05.2019 at 20:00
Frontbanner in Stuttgart

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Am Sonntag, den 19. Mai 2019, gingen in Stuttgart viele tausend Menschen auf die Straße, um für ein Europa zu demonstrieren. Unter dem Motto: „Ein Europa für Alle – Deine Stimme gegen Nationalismus!“ hatte ein breites Bündnis zu dieser Demonstration aufgerufen, die parallel in 7 deutschen Großstädten stattfand ebenso wie in über 40 anderen europäischen Großstädten.

Die beiden AnStifter Barbara Stoll und Peter Grohmann moderieren die Veranstaltung. Und man merkt es diesen beiden Profis an, wie sie mit ihrer literarisch-lyrischen Moderation die Menschen in ihren Bann ziehen und eine harmonische Bindung zwischen Reden und musikalischen Darbietungen.

Der Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat es sich nicht nehmen lassen, selber das Grußwort der Stadt Stuttgart zu sprechen. Er betont, dass Stuttgart sich als europäische und internationale Stadt verstehe. Er warb für eine hohe Wahlbeteiligung für die Europawahl am kommenden Sonntag.

Redebeträge wechseln sich ab mit musikalischen Darbietungen: Den Auftakt macht das Orchester vom Forum der Kulturen „Ziryab“. Rainer von Vielen steuert einige Songs bei ebenso die stadtbekannten Rapper Toba &Pheel.

Als prominente Redner stehen Damian Ludewig von Campact – die die Demonstrationen koordiniert haben – und Martin Kunzmann vom DGB sowie Sarah Händel von „Mehr Demokratie“ auf der Bühne. Sie fordert unter anderem europäische Volksabstimmungen.
Im Anschluss an die Auftaktveranstaltung geht es einmal rund um die Innenstadt. Auf kreativen Plakaten wurde postuliert: „Vielfalt macht nur den Einfältigen Angst.“ – „Es lebe die Europäische Republik“ – „Omas gegen rechts! – „Gegen Ausgrenzung und Rassismus“.

Bei der Rückkehr der Demonstranten heizt Cris Cosmo mit seiner Band die Stimmung vor der Bühne auf. Sein Markenzeichen sind deutsche und lateinamerikanische Texte, die Akustikgitarre als tragendes Element und ein Mix aus Reggae, lateinamerikanischen Rhythmen und clubbigen Beats. Das animiert bei strahlendem Sonnenschein zum Tanz.

Die emotionale Rede von Julian Pahlke von dem Projekt „Jugend rettet“ fasst den Spirit der Demonstration zum Schluss gut zusammen. Erfreulich, wie viele junge Leute unter den Demonstranten sich zu einem Europa jenseits von Rassismus und Ausgrenzung bekennen. Das stimmt zuversichtlich.

Katharina Nocun auf ihrer Datenspur

31.03.2019 at 12:05
Katharina Nocun: Amazon, ein besonders datenhungriges Unternehmen

Amazon, ein besonders datenhungriges Unternehmen

 

Die Autorin Katharina Nocun referierte am 28. März 2019 in der StaBi Stuttgart auf Einladung des Chaos-Computer-Clubs über „Datenspuren“. Jeder Internetnutzer hinterlässt Spuren, sobald er Leistungen in Anspruch nimmt. Die Idee zu ihrem Buch kam ihr bei einem Saunabesuch. Dort wurde sie darauf hingewiesen, dass die Umkleidekabinen Videoüberwacht sind. Das war für sie ein Schlüsselerlebnis.

Für die Recherche zu ihrem Buch, Die Daten, die ich rief, forderte Katharina Nocun ihre Daten bei zahlreichen Unternehmen an und ließ diese auswerten. Dabei erfuhr sie mehr über sich selbst, als ihr lieb war. Im Vortrag zeigt sie, wie Banken, Firmen und Behörden Algorithmen nutzen, um unsere Zukunft vorherzusagen und wie Geheimdienste darum wetteifern, wer uns am effektivsten überwacht und durchleuchtet. Weiter…

Nachdenkzeilen – Recht auf Daten

29.03.2019 at 10:35
Recht auf Daten Edward Snowden

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Nachdenkzeilen – Über soziale Medien

13.01.2019 at 17:53
nachdenkzeilen

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Solange wir uns in sozialen Netzwerken bewegen (Twitter, Facebook, Instagram etc.) geben wir unsere Daten an gewinnorientierte Unternehmen weiter. Wollen wir das? Jüngst hat der Grüne-Politiker Habeck angekündigt, seine Twitter und Facebook-Accounts zu löschen. NB.: Das ist natürlich nicht wirklich möglich, die Unternehmen behalten alle Daten und Aktivitäten von ihm in ihren riesigen Datenspeichern.

Habeck hat erkannt, dass die sozialen Medien die Sprache, die eigene Haltung und Reflexe normieren. Sie konditionieren die Nutzer, damit diese die maximale Resonanz erreichen. Die Betreiber dieser Plattformen sind Unternehmen, die mit einem hochprofessionellen Anreizsystem so viel Interaktion wie möglich erzeugen. Das dient ihrem Geschäftsmodell. Ihr Ziel: möglichst komplexe Nutzerprofile zu erstellen, um diesen ihre maßgeschneiderte Online-Werbung übermitteln zu können. Das unterscheidet sie grundsätzlich von öffentlich-rechtlichen Anbietern, die ohne Gewinninteressen Nachrichten verbreiten.

Die Betreiber der Social-Media-Kanäle haben mit aufwändigen Studien belegt, dass Zwischentöne die geringsten und Extrempositionen die höchsten Interaktionsraten generieren, also für sie die interessantesten sind. Was folgt daraus? Wir haben Debattenkanäle, die für Debatten ungeeignet sind, denn Hysterie wird mit Resonanz belohnt, während Moderates gefiltert wird. Deshalb sind Populisten so erfolgreich in den sozialen Medien. Und der einzelne Nutzer lernt mit der Zeit, was performt und was nicht. Das hat Habeck richtig erkannt, wenn er sein eigenes Verhalten beschreibt:

Twitter desorientiert mich, macht mich unkonzentriert, praktisch, wenn man in Sitzungen verstohlen aufs Handy schaut. Grundsätzlich, weil ich mich dabei ertappt habe, wie ich nach Talkshows oder Parteitagen gierig nachgeschaut habe, wie die Twitter-Welt mich denn gefunden hat. Und das ist die Schere im Kopf. Als wäre Politik eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Dass man so redet, wie es das Medium will. Ich möchte gern wieder konzentrierter sein, fokussierter und auf die lange Distanz geeicht, nicht auf den kurzfristigen Geländegewinn.

Habeck zu seinem Rückzug von Twitter und Facebook

Man sollte den Konflikt zwischen den Gewinninteressen von Social-Media-Services und den Ansprüchen der Demokratie in den Blick nehmen. Und unter diesem Blickwinkel diskutieren, ob ein Abgeordneter Kommunikationskanäle nutzen darf, die ihr Geld mit der gezielten Förderung von Extrempositionen verdienen. Eventuell könnte man damit auch das Anwachsen des Rechtspopulismus eindämmen.

Von den Kriegsgräuel zu den Menschenrechten

18.11.2018 at 14:57
Vielfalt auf dem Volkstrauertag

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Es fängt erwartungsgemäß an: ein getragenes Stück vom Bläserchor des Musikvereins Münchingen erfüllt die Aussegnungshalle auf dem Münchinger Friedhof. Volkstrauertag 18. November 2018. Ein Tag des Innehaltens und des Gedenkens an die Toten der zwei großen Kriege. Die helle Morgensonne vertreibt finstere Gedanken an Krieg und Tod. Herbstlaub liegt auf den Gräbern. Die Millionen Tote der zwei Weltkriege liegen verstreut europaweit und ihnen wird gedacht an diesem Tag. Das Massensterben veränderte Europa, wie Dr. Otto Koblinger vom VdK in seiner Ansprache ausführt. Das Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkrieges wach zu halten und die Verpflichtung daraus zu lernen war der Auftrag bei der Gründung des Vereins der Kriegsopfer vor 70 Jahren.

Am 11. November vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandes zu Ende. (Es war die erste Zivilregierung, die diesen Waffenstillstand in Compiègne unterzeichnete. Das Militär, das den Krieg angezettelt hatte, war zu feige, zu ihrer Verantwortung zu stehen.)

Vor siebzig Jahren wurden aus den schmerzhaften Erfahrungen des fürchterlichen zweiten großen Krieges im 20. Jahrhundert die Menschenrechte formuliert. Sie sollten eine Richtschnur geben für das Zusammenleben der Menschen weltweit. Einige Artikel der Erklärung der Menschrechte nehmen die Schülerinnen und Schüler der Werkrealschule Münchingen an diesem Morgen in den Blick, zitieren sie und stellen sie ins Verhältnis zu ihren eigenen Schicksalen:

Artikel 1: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.

Artikel 2: Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse*, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Artikel 3 : Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Artikel 12 :Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden.

Artikel 14: Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.

u.e.a.m

Es sind junge Menschen mit sehr verschiedenen kulturellen Hintergründen. Obwohl größtenteils in Deutschland geboren, so haben sie kulturelle und sprachliche Wurzeln in der Türkei, Bosnien, Kroatien, Syrien. Sie stellen sich namentlich vor, halten ihre unterschiedlichen Pässe hoch, nicht ihre Nationen. Sie sind Teil einer universellen Menschheit. Die Menschrechte beschreiben, wie das Zusammenleben in Freiheit und Würde vonstatten gehen kann.

Bei der Einarbeitung in dieses so wichtige Thema begleitete die Schülerinnen und Schüler ihre engagierte Ethiklehrerin Dagmar Müller-Buchalik, der es immer wieder gelingt, aktuelle politische und ethische Themen altersgerecht umzusetzten. Für die visuelle Umsetzung stand ihnen die katholische Religionslehrerin und Künstlerin Eva Rogale tatkräftig zur Seite.

Die Jugendlichen verweisen mit ihrem Beitrag zu den Menschrechten auf die Aktion „Vielfalt“, die in diesen Tagen in Stuttgart angelaufen ist. Über zweihundertzwanzig Organisationen beteiligen sich mit Vorträgen, Theaterstücken, Musikaufführungen an dieser Aktion. Die Schülerinnen und Schüler der Flattichschule haben gezeigt, dass sie ein Teil dieses Netzwerkes sind, das Respekt und Toleranz in Vielfalt postuliert.

Schriftstellerhaus unterstützt die Aktion Vielfalt

10.11.2018 at 15:06
Vielfalt wird vom Schriftstellerhaus unterstützt

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Das Schriftstellerhaus hat sich der von den Anstifter und der Stiftung Geißstraße 7 initiierten Aktion Vielfalt – 0711 für Menschenrechte angeschlossen. So gut wie alle Kultureinrichtungen der Stadt unterstützen diese Aktion, die mit Veranstaltungen, Lesungen, Diskussionsabende, Filmvorführungen etc. auf die Formulierung der Menschenrechte vor siebzig Jahren hinweisen will.

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Mittlerweile sind 226 Organisationen dem Bündnis beigetreten. Einen Monat lang werden die Menschrechte in den Blick der Zivilgesellschaft gerückt.

Die Auftaktveranstaltung wird am 14. November um 19 Uhr im Rathaus stattfinden. Den Abschluss bildet der Festvortrag der diesjährigen Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Frau Prof. Aleida Assmann, im Stadtpalais Stuttgart.

Alle Veranstaltungen sind auf der Webseite www.0711menschenrechte.de veröffentlicht.