Just Mercy – Ein grandioser Justizthriller

04.03.2020 at 17:32
Verteidigung des zum Tode verurteilten Walter McMillin (Jamie Foxx) © Warner Bros.

Anwalt Brian Stevenson (Michael B. Jordan, links) vertritt den zum Tode verurteilten Walter McMillin (Jamie Foxx) vor Gericht                                                                                                        © Warner Bros.

 

Wer in den Jahren der Präsidentschaft von Donald Trump über Amerika den Kopf schüttelt, der wie kaum ein anderer Präsident vor ihm in jüngster Zeit das Land spaltet, sollte sich den Justizthriller „Just Mercy“ anschauen. Hier wird gezeigt, wie gespalten dieses Land schon immer war und wie Menschen, die an die amerikanische Verfassung glauben, den Kampf für Gerechtigkeit aufnehmen. Die daran scheitern können, aber auch Gerechtigkeit mit Hilfe der Gesetze wieder herstellen können. Der Film „Just Mercy“ konzentriert sich ganz auf seine beiden Protagonisten, den schwarzen Anwalt Brian Stevenson (hervorragend: Michael B. Jordan) und den zum Tode verurteilten Schwarzen Walter McMillian, alias „Johnny D.“, (Jamie Foxx). Er sitzt als Todeskandidat im Gefängnis und ringt um seine Würde.

Trailer zum Film

Wenn wir uns selbst betrachten, können wir die Welt besser machen

Nach Abschluss seines Studiums in Harvard hätte sich Bryan lukrative Jobs aussuchen können. Stattdessen geht er gegen den Willen seiner Familie nach Monroeville, Alabama, um zusammen mit der ortsansässigen Anwältin Eva Ansley (Brie Larson) Menschen zu verteidigen, die zu Unrecht zum Tode verurteilt wurden oder sich keine angemessene Verteidigung leisten können. Einer seiner ersten und Fälle ist der von Walter McMillian, der 1987 für den berüchtigten Mord an einer Achtzehnjährigen zum Tode verurteilt wurde. Das obwohl die meisten Indizien seine Unschuld bewiesen und die einzige Zeugenaussage gegen ihn von einem Kriminellen stammte, der ein Motiv hatte zu lügen. In den folgenden Jahren verwickelt Bryan Stevensons Kampf für „Johnny D.“und viele andere ihn in ein Labyrinth aus juristischen und politischen Manövern. Konfrontiert wird er mit offenem und ungeniertem Rassismus, während die Gewinnchancen – und das System – gegen seine Mandanten stehen.

Der Film ist so anders als das Filmdrama über Rassismus und Gerechtigkeit nach der Romanvorlage „Wer die Nachtigall stört“ von der Purlizer-Preisträgerin Harper Lee. Dieser Film zeigt den weißen, gutbürgerlichen Anwalt Atticus Finch (Gregory Peck) der in seiner Verteidigung eines zu Unrecht des Mordes angeklagten Afroamerikaners den institutionellen Rassismus des „Deep South“ der USA offen legt.

Fast 30 Jahre später, im Sommer 1987, mag das Nachtigallen-Museum zwar eine Sehenswürdigkeit für Touristen sein, am Schicksal der schwarzen Bevölkerung Alabamas hat sich offenbar nicht viel geändert.

Durch die konsequente „schwarze Sichtweise“ entfaltet der Film „Just Mercy“, der auf einem Buch des realen Anwalts Brian Stevenson beruht, eine viel größere Wucht als der 1962 mit Georgery Peck verfilmte Roman und wird damit zu einem Lehrstück über die ungleiche Behandlung von Personen mit unterschiedlicher Hautfarbe in Amerika. Es zeigt ein ungerechtes Justizsystem, das sich seit Jahren manifestiert hat und das nur allzu empfindlich auf das Infragestellen eines zweifelhaften Falls reagiert.

Wir alle brauchen Güte, wir alle brauchen Gnade

Der hawaiianische Regisseur Destin Daniel Cretton zeigt die Auswirkungen, die ein falsches Urteil auf die Betroffenen, auf ihre Familie und Freunde hat. Es sind betörende und zugleich schockierende Bilder, die der Regisseur in Szene gesetzt hat. Doch auch die Sichtweise des weißen Staatsanwalts, der seinen Fall dahinschwimmen sieht und damit hadert, auf welcher Seite der Geschichte er stehen will, nimmt er in den Blick.

„Just Mercy“ ist ein gewaltiges Justizdrama, das den unerschütterlichen Glauben seines Protagonisten an ein Rechtssystem, das für alle Menschen, egal welcher Hautfarbe, Gültigkeit besitzt, fulminant in Szene setzt. Dafür muss der Film die literarische Vorlage (die im Abspann ausführlich zitiert wird) nicht großartig verdichten. Er erzeugt beim Zuschauer ein Gefühl tiefer Betroffenheit. Verantwortlich dafür ist unter anderem die von Empathie getragene Ausarbeitung der Charaktere, deren Motive offen gelegt werden. „Just Mercy“ lässt einen sprachlos zurück und stellt eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit in den Mittelpunkt.

75 Jahre Befreiung Auschwitz-Birkenau

27.01.2020 at 23:04
Auschwitz-Appell

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Am 27. Januar 2020, dem Holocaust-Gedanktag, hat das Stuttgarter Bürgerprojekt Die AnStifter mit einem Auschwitz-Appell eine Aktion gestartet, die zum dauerhaften Unterhalt und Ausbau der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau aufruft. „Kein anderer Ort symbolisiert den Terror der Nationalsozialisten und den Holocaust so sehr wie das ehemalige deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau“, heißt es in dem Aufruf.

Zum Appell alle Hintergrundinformationen hier.
Eine Möglichkeit, sich dem Appell anzuschließen, bieten die AnStifter über ihr Onlineformular.

Am 3. Advent: Sea-Watch erhält Friedenspreis der AnStifter

14.12.2019 at 21:02
Sea Watch

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Sea-Watch e.V. erhält den Stuttgarter Friedenspreis 2019 der AnStifter. Damit wird ein gemeinnützige Initiative ausgezeichnet, die durch zivile Seenotrettung Flüchtende vor dem Ertrinken bewahrt und damit eine Menschenpflicht erfüllt.

Die festliche Gala mit Preisverleihung im Theaterhaus beginnt um 11 Uhr. Nach der Gala ist Gelegenheit, mit den AnStiftern über ihre Arbeit und den Friedenspreis zu sprechen. In locker Atmosphäre im und vor dem Theaterhaus.

Folgende Köstlichkeiten könnten das Mittagessen ersetzen:

Belegten Brötchen
– Panini (Schinken/Käse, Tomate-Mozzarella)
– Suppe (vegane Kürbiscremesuppe)
– Saitenwürstchen
– ab ca. 13 Uhr Rote Wurst vom Grill und Germknödel
(am Glühweinwagen vor dem Theaterhaus)

Am Tag der Menschenrechte – KONTEXT

13.12.2019 at 19:33
Peter Grohmann im Gespräch mit Johannes Rauschenberger

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War im letzten Jahr zum 70. Jahrestags der Verkündigung der Menschenrechte der Terminkalender mit Veranstaltungen prall gefüllt, so gestalteten die AnStifter, als damaliger Mitorganisator der Aktion Vielfalt – 0711 Menschrechte, dieses Jahr zusammen mit KONTEXT eine Veranstaltung zur Pressefreiheit. Es war die einzige unter dem Motto „Menschrechte“ in Stuttgart. Wiewohl das Thema brisant, war die Resonanz auf die Veranstaltung im Theater am Olgaeck verhalten.

Etwa zwanzig Besucher wollten sich über die Causa KONTEXT informieren. Wir erinnern uns: KONTEXT hatte in mehreren, sehr gut recherchierten Artikeln, den faschistoiden Hintergrund eines persönlichen Referenten dargelegt, der für die baden-württembergischen AfD-Abgeordneten Heiner Merz und Christina Baum arbeitet. Er fungiert als Redenschreiber, als „Ideen“geber, als Rechercheur und arbeitet als Netzwerker in der politischen Arbeit für die Partei bzw. ihrer Abgeordneten. Seit eineinhalb Jahren liegt KONTEXT mit dem Neonazi im Rechtsstreit. Er zerrt KONTEXT erneut vor Gericht, nachdem er die ersten Prozesse verloren hat. Nun für KONTEXT mit sechsstelligem Kostenrisiko. Wo seit Jahren Journalisten bundesweit attackiert werden und Hassparolen durchs Land, selbst aus den Parlamenten, tönen, nennt KONTEXT Ross und Reiter.

Peter Grohmann kam mit Johannes Rauschenberger, Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater der KONTEXT ins Gespräch. Johannes Rauschenberger berichtete, dass das Ziel, nahe ist, im Streit mit dem AfD-Mitarbeiter die Prozesskosten durch Spenden abgedeckt zu bekommen.

KONTEXT ist überwältigt von dieser Spendenbereitschaft, von der Großzügigkeit ihrer Leserinnen und Leser, die damit die Berichterstattung dieser kleinen Online-Zeitung unterstützen. Und das bundesweit! Diese Spender wissen, eine Demokratie braucht Wachhunde, die sich nicht fürchten, die Dinge beim Namen zu nennen.

Musikalisch umrahmt wurde dieser informative Abend von dem Akkordeonisten Frank Eisele.

Pressefreiheit – Keule gegen KONTEXT

02.12.2019 at 15:41
Keule gegen Kontext

Karrikatur: © Oliver Stenzel

BRENNPUNKT MENSCHENRECHTE

Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit verständigten sich am
10. Dezember 1948 die UN-Mitgliedstaaten auf Rechte, die für alle Menschen gelten
sollten – über alle Grenzen und Kulturen hinweg. Jeder hat Anspruch auf alle in
dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten.

Doch was geschieht gerade der Wochenzeitung Kontext

Seit 1 1/2 Jahren liegt Kontext mit einem Neonazi im Rechtsstreit. Dieser ist
für zwei AfD-Abgeordnete im Landtag tätig , zerrt KONTEXT erneut vor Gericht –
mit sechsstelligem Kostenrisiko. Seit Jahren werden Journalisten bundesweit
attackiert, tönen Hassparolen durchs Land, selbst aus den Parlamenten.

Zum Internationalen Tag der Menschenrechte:
Meinungsfreiheit, Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit
(Art. 18 und 19 der Menschenrechte) informiert KONTEXT in Zusammenarbeit mit den AnStiftern über diesen Fall und laden zur Debatte ein:

Dienstag, 10. Dezember 2019, 20 h, Theater am Olgaeck
Charlottenstraße 44
Stuttgart

Mitwirkende:  Frank Eisele (Akkordeon), Johannes Rauschenberger (Kontext) und Peter Grohmann (Die AnStifter)

Aktion zur Lobbyparty der Autoindustrie

26.10.2019 at 0:15
Protest gegen Autogipfel

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Anlässlich des vom Handelsblatt ausgerichteten Auto-Gipfels am 25.10.19 haben rund etwa 200 Klimaaktivisten am Porsche-Museum gegen die Autoindustrie demonstriert. Das Aktionsbündnis Kesselbambule hatte unter dem Motto „Die Lobbyparty der Automobilkonzerne crashen – Klimagerechtigkeit statt Greenwashing!“ zu Blockaden des Auto-Gipfels aufgerufen.

Robin Wood unterstütz die Aktion mit seinen Kletterern

Als der Demonstrationszug vom S-Bahnhof Zuffenhausen am Porscheplatz eintrifft, klettern Umweltaktivisten der Gruppe Robin Wood auf zwei Laternenmasten, spannen ein Seil und enthüllen ein Transparent mit der Aufschrift „Saubere Autos sind eine dreckige Lüge“. Die Demonstranten kritisieren die Automobilbranche dafür, Treibhausemissionen nicht ausreichend zu reduzieren und weiterhin Autos mit hohem Ausstoß zu produzieren.

Den ganzen Artikel hier lesen …

Congo Calling – Ein Film, der unter die Haut geht

12.09.2019 at 11:30
Der Deutsche Peter Merten fühlt sich in Goma wohl und will auch mit 65 Jahren nicht aufhören.

Der Deutsche Peter Merten fühlt sich in Goma wohl und will auch mit 65 Jahren nicht aufhören.

 

Hunderte westliche Entwicklungshelfer sind in der Krisenregion Ost-Kongo tätig, um Infrastrukturvorhaben anzuschieben oder Feldforschung zu betreiben. Jeder Aufbruch, und sei er noch so kleinteilig, ist von Rückschlägen bedroht. Sei es, weil schlecht ausgebildete Polizisten durchdrehen oder einheimische Mitarbeiter ein Entwicklungsprojekt, man muss es so offen sagen, als Selbstbedienungsladen betrachten.

In dem Film Congo Calling (Trailer hier ansehen) portraitiert Stephan Hilpert drei eigenwillige Entwicklungshelfer in der Demokratischen Republik Kongo. Alle drei arbeiten in der Provinz Nord-Kivu, im Osten der Republik. Goma, deren Provinzhauptstadt, ist hinlänglich durch die Berichterstattung während des blutigen Bürgerkrieges bekannt. Ich kenne die Region gut, war in Mitte der achtziger Jahre selbst 14 Monate im Kongo (damals hieß er noch Zaire) tätig, baute damals einen Rundfunksender in Goma auf. Seit dieser Zeit hat sich offensichtlich nicht viel verändert. Das Verhalten der portraitierten Kongolesen ist mit dem, was ich kennen gelernt hatte, immer noch vergleichbar. Verändert hat sich vor allem die Technik, die die Menschen ganz selbstverständlich nutzen: Smartphones und Tablets.

Die von Stephan Hilpert in einer Langzeitstudie portraitierten „Helfer“ kommen aus ganz unterschiedlichen Ländern und arbeiten in unterschiedlichen Projekten. Es sind der Spanier Raúl Sánchez de la Sierra, die Belgierin Anne-Laure Van der Wielen und der Deutsche Peter Merten. Alle drei eint der Wunsch, Entwicklungshilfe zu leisten, und macht zugleich die Ambivalenzen der Helferrolle sichtbar. Dabei verzichtet der Film auf konventionelle Dramaturgien und zeigt Momente aus dem Alltag der drei Protagonisten. Dadurch entsteht ein komplexes Bild der Widersprüche von Entwicklungspolitik.

Anne-Laure, eine junge Belgierin

Anne-Laure, eine junge Belgierin

 

Anne-Laure hat ihrem Job resigniert den Rücken gekehrt, ist jedoch in Afrika geblieben. Vor allem wegen der Liebe zu einem Kongolesen. Mit diesem organisiert sie in der Stadt Goma ein gigantisches Musikfestival. Die junge Belgierin wirkt entspannt wie im Urlaub. Erst ein Zwischenfall, bei dem einer der Festivalhelfer in einem Handgemenge von einem Polizisten erschossen wird verdeutlicht, wie chaotisch und instabil die Situation im krisengeschüttelten Osten des Landes ist. Am Ende des Films kehrt Anne-Laure zurück nach Belgien, von wo aus sie mit ihrem Freund telefoniert, der eine zeitlang im Gefängnis saß, weil er einen opposionellen Politiker unterstützte.

Die politische Lage im Kongo wird im Film nur angedeutet. Es dauert eine Weile, bis sich die Geschichten der einzelnen Protagonisten herausschälen. Der Film erzählt die Geschichten seiner Protagonisten nicht geradlinig, eher verschlungen, aber genau das macht den Reiz dieses Filmes aus. Und in dieser Erzählweise schimmert immer auch die gegenwärtige Situation in der Demokratischen Republik Kongo angemessen durch.

Am ehesten spiegelt sich dieses herrschende Chaos in der Situation des Entwicklungshelfers Peter wider. Ein 65jähriger Idealist, der schon in Entwicklungshelfereinsätzen in Lateinamerika die Sandinisten unterstützt hat. Doch jetzt erhält er von seinem Arbeitgeber nach 30 Jahren in Afrika keinen Anschlussvertrag mehr. Er hat das Rentenalter erreicht und steht plötzlich mittellos da. Sein Mittelunkt ist Afrika. Hier hat er mit seiner Frau 4 Kinder großgezogen. Von der Anmutung her verkörpert Peter den hilflosen Helfer. Er kämpft um einen Anschlussvertrag und um sein Haus, das er nicht mehr bezahlten kann ohne das Salär seiner Entsendeorganisation. Er kehrt zusammen mit seinem erwachsenen Sohn in seine Berliner Heimat zurück, wo seine Frau schon auf ihn wartet.

Der Deutsche Peter Merten mit seinem Sohn betrachten alte Bilder, kurz vor ihrer Abreise.

Der Deutsche Peter Merten mit seinem Sohn betrachten alte Bilder, kurz vor ihrer Abreise.

 

Am straffsten organisiert ist der Spanier Raúl. Er kommt gerade mit einem frisch erworbenen Doktortitel nach Goma zurück. Hier hat er Feldstudien für seine Doktorarbeit gemacht. Mit universitären Forschungsgeldern finanziert der Sozialwissenschaftler eine Gruppe kongolesischer Assistenten. Sein Projekt: die Erforschung einer paramilitärischen Rebellengruppe, die „RDC Rénové“. Deren Mitglieder erklären vor der Kamera, wie sie Menschen mit Peitschenhieben und Musik zum Aufbau einer Landwirtschaft zwingen. Raúls Projekt droht schließlich das Scheitern: Mit veruntreuten Geldern hat einer seiner kongolesischen Mitarbeiter ein Auto gekauft, das er an die Forschungsgruppe vermietete.

Der Spanier Raúl

Der Spanier Raúl

 

Hilperts Film wurde in Kooperation mit dem ZDF produziert. Somit kann der Film sicher demnächst im ZDF angeschaut werden.

Derzeit läuft der Film noch in den Innenstadtkinos. Meine Empfehlung: Unbedingt anschauen!