Corona – Wider die Demogogen in der Krise

17.07.2020 at 17:02
Ken Jebsen

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Wer glaubt, dass die „alternativen Medien“ zur Realität zurückkehren werden, der hat sich getäuscht. Es ist wenig wahrscheinlich. So hat sich für Ken Jebsen die Corona-Pandemie als Goldgrube erwiesen. Er selbst spricht davon, dass die Zugriffszahlen auf KenFM explodiert sind. Viele der von der Krise Gebeutelten sind zur leichten Beute seiner Demagogie geworden: z.B. die in ihrer Existenz bedrohten Selbständigen und Gewerbetreibenden, die von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit Betroffenen und Eltern, die von Schul- und Kitaschließungen betroffen waren. Und diese Vielen bringen Geld!

Das Geschäftsmodell von KenFM hat sich in der Krise verändert: Antiimperialistische Texte sind dort selten geworden, an ihre Stelle sind Beiträge von Libertären, Esoterikern, Anthroposophen und Impfgegnern getreten. Selbst ein Artikel über die „weibliche Ejakulation“ findet man inzwischen dort. Gebracht wird, was Klicks verspricht. Ein solcher Erfolg bringt Geld ein:

Ken-FM betreibt eine App, mit der das Unter­neh­men auf zwei Wegen Geld verdient: Nutzern wird entwe­der Werbung ange­zeigt, oder sie zahlen 4,99 Euro im Monat, um ein Abo abzu­schlie­ßen. Ein Modell, das für Nach­rich­ten-Apps durch­aus üblich ist. Ken-FM nutzt dabei vor allem Produk­te des Konzerns Google. Über dessen Video­platt­form Youtube dürfte Ken-FM zwar kaum Geld verdie­nen, weil vor oder in den Videos keine Anzei­gen geschal­tet sind. Doch wenn ein Video viral geht, kreiert das Aufmerk­sam­keit, Nutzer landen auf der KenFM-Home­page, oder sie laden sich die App herun­ter. Auch das war in der Corona-Krise erfolg­reich: Vor dem Start der Pande­mie wurde die Andro­id-Versi­on, dem Smart­pho­ne-Betriebs­sys­tem von Google, monat­lich knapp 8.000 Mal herun­ter­ge­la­den, im April schnell­te der Wert auf 36.000 hoch, wie Daten des App-Analy­se­tools Simi­lar­web nahelegen. Die App-Zugrif­fe macht Ken-FM mit Hilfe von Google Admob zu Geld, so steht es in den Daten­schutz­an­ga­ben. Admob steht für ‚Mobile Adver­ti­sing‘ und ist ein Google-Dienst, der Werbe­an­zei­gen inner­halb von Apps anzeigt und einen Teil der Einnah­men an die App-Betrei­ber auszahlt.

PcP: Podcast-Perlen Folge 2

30.04.2020 at 1:13
Podcast Perlen

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„Mein Name ist Sascha Lobo und das ist der Debatten-Podcast. Jeden Mittwoch erscheint meine Kolumne im Spiegel. Die Redaktion sucht mir dann eine Handvoll Kommentare – vor allem aus dem Spiegel-Forum – und hier im Debatten-Podcast reagiere ich darauf.“

Mit diesen Sätzen beginnt jede Folge von Sascha Lobos Debatten- und Reflexionscast. Wie er auf die Anmerkungen zu seiner Kolumne reagiert, ist ganz großes Kopfkino. In brillanter Art und Weise setzt sich der Blogger, Buchautor, Journalist und Werbetexter mit den Kommentatoren auseinander und oft hat man den Eindruck, die Funken der Argumentation würden direkt aus dem Kopfhörer sprühen.

Sasha Lobo Debattenpodcast

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Sascha Lobo studierte zunächst Publizistik an der Freien Universität Berlin und anschließend Biotechnologie an der Technischen Universität Berlin. Ein 1998 begonnenes Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste Berlin schloss er 2013 mit dem Diplom ab. Kommunikation ist eine seiner herausragenden Stärken, das merkt man, hört man die Folgen an, die jeden Sonntag erscheinen. Lässt man sich nicht von seiner exaltierten Sprechweise abschrecken (die man goutieren oder hassen kann), bekommt man Argumentationsherleitungen, Rede und Gegenrede auf die Ohren, wie man es in parlamentarischen Debatten in Great Britain erleben kann.

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Corona – Gedanken eines Freundes

11.04.2020 at 17:10
Corona

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Mein Freund Henry schickte mir vor einer Woche folgenden Brief. Er beginnt mit einem Zitat aus einem Schriftwechsels mit ihm:

Ich empfinde … großes Unbehagen. Ich fühle mich überschüttet mit Zahlen und Aussagen mit denen ich nichts anfangen kann und die auch keinen Referenzrahmen haben. Die Nachrichtenflut, die vielen Sondersendungen erscheinen mir wie eine Gehirnwäsche.
Demokratische Rechte werden massiv ausgehebelt (!) und es gibt kaum Protest dagegen. An der Legitimation der Überwachung der Bevölkerung wird gebastelt, als scheinbar vernünftige Unausweichlichkeit, um Tote zu vermeiden. Ebenso wie die Digitalisierung (mit den Folgen: Vereinzelung von Menschen, Einsparmöglichkeiten von menschlicher Arbeitskraft und gleichzeitige gute Kontrollmöglichkeit der Kommunikation und des Verhaltens von Menschen, Abschaffung von Bargeld wird auch akzeptabler…) voran getrieben wird. Das Coronavirus bietet also ganz wunderbare Möglichkeiten, um die Bevölkerung zu manipulieren und sie noch kompatibler für eine digitalisierte kapitalistische Wirtschaft zu machen.

Dann schreibt er weiter:

„Dies schrieb mir eine Freundin. Ja, auch ich finde es schwierig, meine Gefühle von Unsicherheit und Angst zu integrieren, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Ja, auch ich halte die kapitalistische Wirtschaftsordnung für destruktiv, ungerecht und nicht zukunftsfähig. Ich bin gegen die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Ja, auch ich fürchte mich vor staatlicher Überwachung und Kontrolle.

Die Dauerberichterstattung in allen Medien wird mir auch immer wieder zu viel. Trotzdem versuche ich, auf dem Laufenden zu bleiben und die Informationen zu gewichten und zu durchdenken. Dabei suche in seriöse Medien (NDR, SZ) und schaue, was kluge Menschen wie Harald Welzer auf Youtube dazu meinen.

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PcP: Podcast-Perlen – Folge 1

06.04.2020 at 16:09
Podcast Perlen

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Die Produktion der Podcasts ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen, Zeit, nach Perlen zu suchen und sie ins Nest der Elster zu legen. Immer wieder stoße ich auf Podcasts, die mich sehr beeindrucken. Entweder durch ihre Machart oder durch ihren Inhalt.

180° gegen den Hass

Ich will mit einer NDR-Produktion beginnen. Der Journalist Bastian Berbner zeigt in der siebenteiligen Reihe auf, wie Menschen, die aufgrund der Spaltung und Entsolidarisierung der Gesellschaft nicht mehr miteinander reden. Die sich nur noch beleidigen. Wie sie einen Prozess durchlaufen und wieder aufeinander zugehen. Bastian Berber hat in vielen Studien etwas erstaunliches gefunden: Wenn Menschen sich kennen lernen, ändert sich was. Von diesem mächtigen Instrument erzählt er seiner (kritischen) Gesprächspartnerin Alexandra Rojkov.

Podcast Logo 180° Gegen den Hass

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Ich bin gleich mit der 4. Folge eingestiegen. Selten hat mich eine Geschichte so bewegt, dass es mir die Tränen in die Augen getrieben hat. Nach dieser Folge war ich förmlich elektrisiert. Zwei weitere Folgen habe ich bereits gehört und ich bin jetzt schon süchtig nach diesen wunderbaren Reportagen.
Hier geht’s zu den sieben Folgen.

Nachdenkzeilen – #maskeauf

06.04.2020 at 15:26
Nachdenkzeilen 1

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Als M. von seinem Freund Henry eine Mail bekam, in der er schrieb, er trage nun eine Maske, wenn er zum Einkaufen geht, hat M. noch mit dem Kopf geschüttelt. Das war am 1. April und er hielt es für einen Scherz. Doch in Zeiten von Corona ändern sich die Einsichten innerhalb von wenigen Tagen, man lernt immer wieder dazu und kommt zu neuen Erkenntnissen. Deshalb: maskeauf

Weiter Infos zu der Aktion hier

Just Mercy – Ein grandioser Justizthriller

04.03.2020 at 17:32
Verteidigung des zum Tode verurteilten Walter McMillin (Jamie Foxx) © Warner Bros.

Anwalt Brian Stevenson (Michael B. Jordan, links) vertritt den zum Tode verurteilten Walter McMillin (Jamie Foxx) vor Gericht                                                                                                        © Warner Bros.

 

Wer in den Jahren der Präsidentschaft von Donald Trump über Amerika den Kopf schüttelt, der wie kaum ein anderer Präsident vor ihm in jüngster Zeit das Land spaltet, sollte sich den Justizthriller „Just Mercy“ anschauen. Hier wird gezeigt, wie gespalten dieses Land schon immer war und wie Menschen, die an die amerikanische Verfassung glauben, den Kampf für Gerechtigkeit aufnehmen. Die daran scheitern können, aber auch Gerechtigkeit mit Hilfe der Gesetze wieder herstellen können. Der Film „Just Mercy“ konzentriert sich ganz auf seine beiden Protagonisten, den schwarzen Anwalt Brian Stevenson (hervorragend: Michael B. Jordan) und den zum Tode verurteilten Schwarzen Walter McMillian, alias „Johnny D.“, (Jamie Foxx). Er sitzt als Todeskandidat im Gefängnis und ringt um seine Würde.

Trailer zum Film

Wenn wir uns selbst betrachten, können wir die Welt besser machen

Nach Abschluss seines Studiums in Harvard hätte sich Bryan lukrative Jobs aussuchen können. Stattdessen geht er gegen den Willen seiner Familie nach Monroeville, Alabama, um zusammen mit der ortsansässigen Anwältin Eva Ansley (Brie Larson) Menschen zu verteidigen, die zu Unrecht zum Tode verurteilt wurden oder sich keine angemessene Verteidigung leisten können. Einer seiner ersten und Fälle ist der von Walter McMillian, der 1987 für den berüchtigten Mord an einer Achtzehnjährigen zum Tode verurteilt wurde. Das obwohl die meisten Indizien seine Unschuld bewiesen und die einzige Zeugenaussage gegen ihn von einem Kriminellen stammte, der ein Motiv hatte zu lügen. In den folgenden Jahren verwickelt Bryan Stevensons Kampf für „Johnny D.“und viele andere ihn in ein Labyrinth aus juristischen und politischen Manövern. Konfrontiert wird er mit offenem und ungeniertem Rassismus, während die Gewinnchancen – und das System – gegen seine Mandanten stehen.

Der Film ist so anders als das Filmdrama über Rassismus und Gerechtigkeit nach der Romanvorlage „Wer die Nachtigall stört“ von der Purlizer-Preisträgerin Harper Lee. Dieser Film zeigt den weißen, gutbürgerlichen Anwalt Atticus Finch (Gregory Peck) der in seiner Verteidigung eines zu Unrecht des Mordes angeklagten Afroamerikaners den institutionellen Rassismus des „Deep South“ der USA offen legt.

Fast 30 Jahre später, im Sommer 1987, mag das Nachtigallen-Museum zwar eine Sehenswürdigkeit für Touristen sein, am Schicksal der schwarzen Bevölkerung Alabamas hat sich offenbar nicht viel geändert.

Durch die konsequente „schwarze Sichtweise“ entfaltet der Film „Just Mercy“, der auf einem Buch des realen Anwalts Brian Stevenson beruht, eine viel größere Wucht als der 1962 mit Georgery Peck verfilmte Roman und wird damit zu einem Lehrstück über die ungleiche Behandlung von Personen mit unterschiedlicher Hautfarbe in Amerika. Es zeigt ein ungerechtes Justizsystem, das sich seit Jahren manifestiert hat und das nur allzu empfindlich auf das Infragestellen eines zweifelhaften Falls reagiert.

Wir alle brauchen Güte, wir alle brauchen Gnade

Der hawaiianische Regisseur Destin Daniel Cretton zeigt die Auswirkungen, die ein falsches Urteil auf die Betroffenen, auf ihre Familie und Freunde hat. Es sind betörende und zugleich schockierende Bilder, die der Regisseur in Szene gesetzt hat. Doch auch die Sichtweise des weißen Staatsanwalts, der seinen Fall dahinschwimmen sieht und damit hadert, auf welcher Seite der Geschichte er stehen will, nimmt er in den Blick.

„Just Mercy“ ist ein gewaltiges Justizdrama, das den unerschütterlichen Glauben seines Protagonisten an ein Rechtssystem, das für alle Menschen, egal welcher Hautfarbe, Gültigkeit besitzt, fulminant in Szene setzt. Dafür muss der Film die literarische Vorlage (die im Abspann ausführlich zitiert wird) nicht großartig verdichten. Er erzeugt beim Zuschauer ein Gefühl tiefer Betroffenheit. Verantwortlich dafür ist unter anderem die von Empathie getragene Ausarbeitung der Charaktere, deren Motive offen gelegt werden. „Just Mercy“ lässt einen sprachlos zurück und stellt eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit in den Mittelpunkt.

75 Jahre Befreiung Auschwitz-Birkenau

27.01.2020 at 23:04
Auschwitz-Appell

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Am 27. Januar 2020, dem Holocaust-Gedanktag, hat das Stuttgarter Bürgerprojekt Die AnStifter mit einem Auschwitz-Appell eine Aktion gestartet, die zum dauerhaften Unterhalt und Ausbau der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau aufruft. „Kein anderer Ort symbolisiert den Terror der Nationalsozialisten und den Holocaust so sehr wie das ehemalige deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau“, heißt es in dem Aufruf.

Zum Appell alle Hintergrundinformationen hier.
Eine Möglichkeit, sich dem Appell anzuschließen, bieten die AnStifter über ihr Onlineformular.