Verkehrswende in Stuttgart – Jetzt!

20.09.2020 at 21:43
Robin Wood Aktivisten erklimen vor dem Verkehrsministerium Fahnenstangen und hängen ein Transparent auf.

Robin Wood Aktivisten erklimmen die Fahnenstangen vor dem Verkehrsministerium und hängen ein Transparent auf.

 

Ein breites Aktionsbündnis demonstrierte am 18. September 2020 in Stuttgart für eine radikale Verkehrswende in der Stadt. Eine Fußgängerdemo, vom Bopser kommend und Radfahrer vom Erwin-Schöttleplatz kommend, trafen sich auf der Dorotheenstraße. Ohne eine Verkehrswende, so die Einschätzung der Demonstranten, sind die Klimaziele nicht zu erreichen.

Vor der Abschlusskundgebung entrollten Aktivisten der Stuttgarter ROBIN WOOD-Regionalgruppe vor dem baden-württembergischen Verkehrsministerium ein Banner mit dem Slogan „Wie lange noch? Autos raus aus unseren Städten!“

Auszug aus der Moderation von Michael Seehoff:

„Die Europäische Kommission bietet seit 2002 den Kommunen aus ganz Europa die Möglichkeit, im Rahmen der Mobilitätswoche, ihren Bürgerinnen und Bürgern die komplette Bandbreite nachhaltiger Mobilität vor Ort näher zu bringen. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Wir haben uns zu einem breiten Bündnis zusammengeschlossen und fordern eine autofreie Stadt! Wir wünschen uns eine Stadt für Menschen statt für Autos.

Wie kommen die Aktivisten von KUS, FUSS e.V., VCD Stuttgart, ADFC Stgt., Critical Mass Stgt., Naturfreunde Stgt. und deren Radgruppe, Verkehrswende-Jetzt!, Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21, PRO BAHN Stgt., Die AnStifter, F4F, attac Stgt., Greenpeace Stgt., Robin Wood Stgt. zu so einer Maximalforderung? Geht’s auch eine Nummer kleiner? Mal erst das Neckartor entstauben? Wir meinen NEIN!!

In der Klimafrage ist es 5 vor Zwölf. Die Erde erhizt sich stetig. Die Auswirkungen bekommen wir direkt zu spüren. Das hat nichts mehr mit etwas mehr kuscheliger Wärme zu tun, wie der Begriff „Erderwärmung“ versucht zu suggerieren. Meine Tochter in den USA kann aufgrund der Waldbrände an der Westküste in Seattle ihre täglichen, langen Spaziergänge mit ihren Hunden nicht mehr machen.Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müssten wir bei linearer Absenkung bis zum Jahre 2038 klima­neutral sein.

Deshalb brauchen wir eine sofortige radikale Verkehrswende, in deren Mittelpunkt die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs zugunsten der umweltfreundlichen Alternativen ÖPNV, Fuß- und Radverkehr steht. Konkret heißt dies: Die Produktion von Fahrzeugen mit CO2erzeu­genden Verbrennungsmotoren muss eingestellt werden, jährlich müssen von diesen über fünfzig Millio­nen Fahrzeugen mehr als drei Millionen aus dem Verkehr gezogen werden. Die Ausgestaltung dieser neuen, nachhaltigen Mobilität erfordert eine gesellschaftliche Diskussion, die schnellstens geführt werden muss. Heute fangen wir mit euch diese Diskussion an …“

Diese Diskussion wurde auf der Kundgebung durch den Redebeitrag von Barbara Metz, stellvertretende Bundesgeschäftsführerin im Verband der Deutschen Umwelthilfe, eröffnet. Ihre Rede wurde von Friederike Votteler von den Naturfreunden Stuttgart vorgelesen, denn das Bündnis wollte nicht mit der Reise von Frau Metz die Umwelt mit einem CO2-Ausstoß von 260 kg belasten.

Anschließend sprach Christoph Ozasek. Er ist Stadtrat der Partei DIE LINKE und Sprecher für Mobilität, Strukturpolitik und Inklusion und vertritt die Fraktionsgemeinschaft von SÖS, Die Linke, Tierschutzpartei und Piraten im Stadtparlament und beim Verband Region Stuttgart. Schon 2017 hat diese Fraktion mit einem breiten Bündnis von Einzelinitiativen unter dem Namen „Lauft nei“ die Idee entwickelt, einen zusammenhängenden Raum zu schaffen – ein Paradies für Fußgänger und Radfahrer im Herzen der Landeshauptstadt.

Auch die christlichen Kirchen hatten die Gelegenheit, ihre Sichtweise zum Erhalt der Schöpfung beizutragen: Romeo Edel ist als  Wirtschafts- und Sozialpfarrer in der Prälatur Stuttgart aktiv und im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt Baden-Württemberg. Darüber hinaus engagiert er sich in der Allianz „Mobilitätswende für Baden-Württemberg“. Er pädierte für ein neues Narrativ in der Verkehrspolitik. Nicht die Industrie mit ihrer Autoproduktion sei das ursächliche Probelm sondern die Einstellung der Käufer dieser Autos. Das Narrativ „Freie Fahrt für freie Bürger!“ sei veraltet, es ist aus dem letzten Jahrhundert. Eine neue Erzählung würde von Städten und Ortschaften erzählen, wo man sich frei bewegen kann. Würde Bilder aufrufen von Innenstädten, in denen die Alten auf einer Bank sitzen und den Vögeln lauschen, statt von Verkehrslärm zugedröhnt zu werden. Das ist Freiheit!

Zum Schluss der Kundgebung malte Michael Seehoff noch einmal die Vision der Akteure, die sie inspiriert hat, wochenlang diese Demonstration vorzubereiten:

Wie sähe eine Stadt der kurzen Wegen aus? Es wäre eine Stadt ohne Autolärm, ohne Luftbelastung, ohne Gefährdung. Eine grüne, lebenswerte Stadt, in der Fußgänger, Radfahrer Vorrang haben und weite Wege mit einem at­traktiven ÖPNV zurückgelegt werden können, der benutzerfreundlich ist. Einen ÖPNV, der konfortabel für ältere Menschen und für Menschen mit Beeinträchtigungen ist? Wenn diese Vision Realität wird, dann rücken die Pariser Klimaziele ein ganzes Stück näher.

Europäische Mobilitätswoche: Klimaziele einhalten – Verkehrswende jetzt!

11.09.2020 at 19:17

Stadt für Menschen statt für Autos

Im Rahmen der EUROPÄISCHEN MOBILITÄTSWOCHE, die jährlich vom 16. Bis 22. September stattfin­det, fordert ein breites Bündnis für Stuttgart und die Region eine nachhaltige Mobilität. Das Bündnis wird unterstützt von:
KUS • FUSS e.V. • VCD Stuttgart • ADFC Stgt. • Critical Mass Stgt. • Naturfreunde Stgt. • Naturfreunde Radgruppe Stgt. • Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 • PRO BAHN Stgt. • Die AnStifter • F4F • attac Stgt. • Greenpeace Stgt. • Robin Wood Stgt. • Verkehrswende-Jetzt!

Der Hintergrund:

Der Kfz-Verkehr verursacht Lärm, Feinstaub, Stickoxid, Mikroplastik, Unfälle mit Toten und Verletzten. Für ihn werden Flächen versiegelt, öffentliche Räume entzogen, Lebensräume vernichtet. Und: Der Verkehr ist in Baden-Württemberg für 28 % der CO2-Emissionen verantwortlich. Im Gegen­satz zu allen anderen bedeutenden CO2-emittierenden Sektoren sind hier die CO2-Emissionen in den letzten Jahren nicht gesunken, sondern sogar an gestiegen.

Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müssen wir bei linearer Absenkung bis zum Jahre 2038 klima­neutral sein. Deshalb brauchen wir eine sofortige radikale Verkehrswende, in deren Mittelpunkt die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs zugunsten der umweltfreundlichen Alternativen ÖPNV, Fuß- und Radverkehr steht. Konkret heißt dies: Die Produktion von Fahrzeugen mit CO2erzeu­genden Verbrennungsmotoren muss eingestellt werden, jährlich müssen von diesen über 50 Millio­nen Fahrzeugen mehr als 3 Millionen aus dem Verkehr genommen werden. Die Ausgestaltung dieser neuen nachhaltigen Mobilität erfordert eine gesellschaftliche Diskussion, die schnellstens geführt werden muss.

Die Katastrophe

ist schon da: Wir haben teilweise schon eine um 1,5 Grad erhöhte Durchschnittstemperatur. 40 % der Wälder in Baden-Württemberg sind durch Trockenheit und Hitze geschädigt – auch in Stuttgart ver­trocknen Grünflächen und sterben massenhaft Bäume. Weltweit ist mit einer beschleunigenden Ket­tenreaktion durch Auftauen des Polareises und der Permafrostböden zu rechnen.

Unser Ziel:

Wir möchten eine Stadt der kurzen Wege, ohne Autolärm, ohne Luftbelastung, ohne Gefährdung, eine grüne, lebenswerte Stadt. Wir treten ein für eine Stadt, in der Fußgänger, Radfahrer und ein at­traktiver ÖPNV Vorrang haben. Und wir fordern, die Pariser Klimaziele im Verkehrsbereich in Stutt­gart sofort und konkret umzusetzen.

Demonstration und Kundgebung siehe hier

Corona – Wider die Demogogen in der Krise

17.07.2020 at 17:02
Ken Jebsen

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Wer glaubt, dass die „alternativen Medien“ zur Realität zurückkehren werden, der hat sich getäuscht. Es ist wenig wahrscheinlich. So hat sich für Ken Jebsen die Corona-Pandemie als Goldgrube erwiesen. Er selbst spricht davon, dass die Zugriffszahlen auf KenFM explodiert sind. Viele der von der Krise Gebeutelten sind zur leichten Beute seiner Demagogie geworden: z.B. die in ihrer Existenz bedrohten Selbständigen und Gewerbetreibenden, die von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit Betroffenen und Eltern, die von Schul- und Kitaschließungen betroffen waren. Und diese Vielen bringen Geld!

Das Geschäftsmodell von KenFM hat sich in der Krise verändert: Antiimperialistische Texte sind dort selten geworden, an ihre Stelle sind Beiträge von Libertären, Esoterikern, Anthroposophen und Impfgegnern getreten. Selbst ein Artikel über die „weibliche Ejakulation“ findet man inzwischen dort. Gebracht wird, was Klicks verspricht. Ein solcher Erfolg bringt Geld ein:

Ken-FM betreibt eine App, mit der das Unter­neh­men auf zwei Wegen Geld verdient: Nutzern wird entwe­der Werbung ange­zeigt, oder sie zahlen 4,99 Euro im Monat, um ein Abo abzu­schlie­ßen. Ein Modell, das für Nach­rich­ten-Apps durch­aus üblich ist. Ken-FM nutzt dabei vor allem Produk­te des Konzerns Google. Über dessen Video­platt­form Youtube dürfte Ken-FM zwar kaum Geld verdie­nen, weil vor oder in den Videos keine Anzei­gen geschal­tet sind. Doch wenn ein Video viral geht, kreiert das Aufmerk­sam­keit, Nutzer landen auf der KenFM-Home­page, oder sie laden sich die App herun­ter. Auch das war in der Corona-Krise erfolg­reich: Vor dem Start der Pande­mie wurde die Andro­id-Versi­on, dem Smart­pho­ne-Betriebs­sys­tem von Google, monat­lich knapp 8.000 Mal herun­ter­ge­la­den, im April schnell­te der Wert auf 36.000 hoch, wie Daten des App-Analy­se­tools Simi­lar­web nahelegen. Die App-Zugrif­fe macht Ken-FM mit Hilfe von Google Admob zu Geld, so steht es in den Daten­schutz­an­ga­ben. Admob steht für ‚Mobile Adver­ti­sing‘ und ist ein Google-Dienst, der Werbe­an­zei­gen inner­halb von Apps anzeigt und einen Teil der Einnah­men an die App-Betrei­ber auszahlt.

PcP: Podcast-Perlen Folge 2

30.04.2020 at 1:13
Podcast Perlen

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„Mein Name ist Sascha Lobo und das ist der Debatten-Podcast. Jeden Mittwoch erscheint meine Kolumne im Spiegel. Die Redaktion sucht mir dann eine Handvoll Kommentare – vor allem aus dem Spiegel-Forum – und hier im Debatten-Podcast reagiere ich darauf.“

Mit diesen Sätzen beginnt jede Folge von Sascha Lobos Debatten- und Reflexionscast. Wie er auf die Anmerkungen zu seiner Kolumne reagiert, ist ganz großes Kopfkino. In brillanter Art und Weise setzt sich der Blogger, Buchautor, Journalist und Werbetexter mit den Kommentatoren auseinander und oft hat man den Eindruck, die Funken der Argumentation würden direkt aus dem Kopfhörer sprühen.

Sasha Lobo Debattenpodcast

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Sascha Lobo studierte zunächst Publizistik an der Freien Universität Berlin und anschließend Biotechnologie an der Technischen Universität Berlin. Ein 1998 begonnenes Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste Berlin schloss er 2013 mit dem Diplom ab. Kommunikation ist eine seiner herausragenden Stärken, das merkt man, hört man die Folgen an, die jeden Sonntag erscheinen. Lässt man sich nicht von seiner exaltierten Sprechweise abschrecken (die man goutieren oder hassen kann), bekommt man Argumentationsherleitungen, Rede und Gegenrede auf die Ohren, wie man es in parlamentarischen Debatten in Great Britain erleben kann.

RSS-Link des Podcast

Corona – Gedanken eines Freundes

11.04.2020 at 17:10
Corona

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Mein Freund Henry schickte mir vor einer Woche folgenden Brief. Er beginnt mit einem Zitat aus einem Schriftwechsels mit ihm:

Ich empfinde … großes Unbehagen. Ich fühle mich überschüttet mit Zahlen und Aussagen mit denen ich nichts anfangen kann und die auch keinen Referenzrahmen haben. Die Nachrichtenflut, die vielen Sondersendungen erscheinen mir wie eine Gehirnwäsche.
Demokratische Rechte werden massiv ausgehebelt (!) und es gibt kaum Protest dagegen. An der Legitimation der Überwachung der Bevölkerung wird gebastelt, als scheinbar vernünftige Unausweichlichkeit, um Tote zu vermeiden. Ebenso wie die Digitalisierung (mit den Folgen: Vereinzelung von Menschen, Einsparmöglichkeiten von menschlicher Arbeitskraft und gleichzeitige gute Kontrollmöglichkeit der Kommunikation und des Verhaltens von Menschen, Abschaffung von Bargeld wird auch akzeptabler…) voran getrieben wird. Das Coronavirus bietet also ganz wunderbare Möglichkeiten, um die Bevölkerung zu manipulieren und sie noch kompatibler für eine digitalisierte kapitalistische Wirtschaft zu machen.

Dann schreibt er weiter:

„Dies schrieb mir eine Freundin. Ja, auch ich finde es schwierig, meine Gefühle von Unsicherheit und Angst zu integrieren, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Ja, auch ich halte die kapitalistische Wirtschaftsordnung für destruktiv, ungerecht und nicht zukunftsfähig. Ich bin gegen die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Ja, auch ich fürchte mich vor staatlicher Überwachung und Kontrolle.

Die Dauerberichterstattung in allen Medien wird mir auch immer wieder zu viel. Trotzdem versuche ich, auf dem Laufenden zu bleiben und die Informationen zu gewichten und zu durchdenken. Dabei suche in seriöse Medien (NDR, SZ) und schaue, was kluge Menschen wie Harald Welzer auf Youtube dazu meinen.

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PcP: Podcast-Perlen – Folge 1

06.04.2020 at 16:09
Podcast Perlen

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Die Produktion der Podcasts ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen, Zeit, nach Perlen zu suchen und sie ins Nest der Elster zu legen. Immer wieder stoße ich auf Podcasts, die mich sehr beeindrucken. Entweder durch ihre Machart oder durch ihren Inhalt.

180° gegen den Hass

Ich will mit einer NDR-Produktion beginnen. Der Journalist Bastian Berbner zeigt in der siebenteiligen Reihe auf, wie Menschen, die aufgrund der Spaltung und Entsolidarisierung der Gesellschaft nicht mehr miteinander reden. Die sich nur noch beleidigen. Wie sie einen Prozess durchlaufen und wieder aufeinander zugehen. Bastian Berber hat in vielen Studien etwas erstaunliches gefunden: Wenn Menschen sich kennen lernen, ändert sich was. Von diesem mächtigen Instrument erzählt er seiner (kritischen) Gesprächspartnerin Alexandra Rojkov.

Podcast Logo 180° Gegen den Hass

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Ich bin gleich mit der 4. Folge eingestiegen. Selten hat mich eine Geschichte so bewegt, dass es mir die Tränen in die Augen getrieben hat. Nach dieser Folge war ich förmlich elektrisiert. Zwei weitere Folgen habe ich bereits gehört und ich bin jetzt schon süchtig nach diesen wunderbaren Reportagen.
Hier geht’s zu den sieben Folgen.

Nachdenkzeilen – #maskeauf

06.04.2020 at 15:26
Nachdenkzeilen 1

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Als M. von seinem Freund Henry eine Mail bekam, in der er schrieb, er trage nun eine Maske, wenn er zum Einkaufen geht, hat M. noch mit dem Kopf geschüttelt. Das war am 1. April und er hielt es für einen Scherz. Doch in Zeiten von Corona ändern sich die Einsichten innerhalb von wenigen Tagen, man lernt immer wieder dazu und kommt zu neuen Erkenntnissen. Deshalb: maskeauf

Weiter Infos zu der Aktion hier