Elsternest

B wie Bruce Springsteen – Nebraska, Teil 2 der Top 10

 

The Boss Bruce Springsteen
He is „The Boss“

Bruce Springsteen, am 23. September 1949 in Freehold, New Jersey, geboren, verkörpert die romantischen Mythen, die er in seinen Liedern besingt: ein Jedermann aus der Arbeiterklasse. Ein aussichtsloser Liebhaber aus der Großstadt. Einer, der den Geist des Rock ’n‘ Roll atmet. Die meisten seiner Alben sind in der puren Rockmusik verortet, doch schimmern seine Singer-Songwriterqualitäten überall den seinen Songzeilen hervor.

Ein besonderes Juwel ist ihm mit dem Album Nebraska gelungen. Veröffentlicht 1982, nach Rockalben wie Greetings from Asbury Park (1973). The Wild, the Innocent and the E-Street Shuffle (1974), Darkness on the Edge of Town (1978) und The River (1980).

Die Platte wurde auf einem TEAC-Vierspur-Kassettenrecorder in seiner Wohnung aufgenommen. Bruce Springsteen singt solo und begleitet sich auf der Gitarre und der Mundharmonika. Damit knüpft er an die Folk-Balladen eines Woody Guthries und an Lieder des frühen Bob Dylan an.

Seine Protagonisten kennen Fabrik und Gefängnis

Das Titelstück ist der innere Monolog des Massenmörders Charles Starkweather, der zehn Menschen umbrachte und 1958 hingerichtet wurde. Und die Melodie ist unerbittlich traurig, eine überzeugende Ballade. Springsteen erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive. Die Kaltblütigkeit mit der der Mörder in der Gerichtsverhandlung von seinen Taten berichtet, lässt den Zuhörer erschaudern. Die Töne der Mundharmonika unterstreichen die düstere Stimmung des Songs.

Bruce Springsteen (The Boss) kennt, wovon er singt

Da er aus der Arbeiterklasse stammt und die Folgen der Fabrikarbeit kennt, schreibt Bruce Springsteen wortgewandt über verlorene Leben. In Johnny 99 wird die Ergreifung eines Mannes, der seinen Job verliert und daraufhin bei einem verpfuschten Raubüberfall einen Nachtangestellten erschießt, in einem hochgestimmten Rausch der Verzweiflung gesungen.

Außenseiter und Outlaws bevölkern die Lieder von Bruce Springsteen

Immer wieder geht es in seinen Songs um Außenseiter und Ausgestoßene, Outcasts, wie sie in Amerika genannt werden. Sie behandeln Schicksale von Kleinkriminellen (Atlantic City), Familiendramen (Highway Patrolman), Einsamkeit (State Trooper) oder Kindheitserinnerungen (Mansion on the Hill, Used Cars). Auch das Verhältnis Springsteens zu seinem Vater, das des Öfteren eine Rolle in seinen Texten spielt, wird in My Father’s House thematisiert. Es ist die Erinnerung an einen Traum und als solcher voller Ungereimtheiten der geträumten Ereignisse. Das Lied funktioniert auf vielen Ebenen, sowohl als Aufzeichnung der Entfremdung zwischen Vater und Sohn, als auch als Metapher für die schwierige Beziehung des Menschen zu Gott. Das Lied hat fast hymnischen Charakter, aber es ist eine Hymne ohne die Möglichkeit der Erlösung oder Versöhnung. Die Schlusszeilen gehören zu den schönsten und verstörendsten, die Springsteen je geschrieben hat:

Bruce Springsteen My father's houseZum Abspielen des Songs bitte auf das Bild klicken (YouTube-Video mit Texteinblendung)

My father’s house shines hard and bright
It stands like a beacon calling me in the night
Calling and calling so cold and alone
Shining cross this dark highway where our sins lie unatoned

Das Haus meines Vaters leuchtet abweisend und hell
Es steht wie ein Leuchtfeuer und ruft mich in der Nacht
Ruft und ruft so kalt und allein
Strahlt über diese dunkle Straße, wo unsere Sünden ungesühnt ruhen

Mit diesem Text erreicht Springsteen den Gipfel des Songwritings: eine Lyrik von höchster poetischer Qualität, perfekt abgestimmt auf eine Melodie, die das schmerzhaft tiefe Bewusstsein für die höchste Herausforderung des Lebens unterstützt.

Zerplatzt der amerikanische Traum an der Realität?

Bruce Springsteen glaubt, dass der amerikanische Traum für viele eine Lüge ist. Optisch unterstreicht das die Gestaltung des Albums: Das Cover ist in Schwarz-Weiß gehalten, die Schrift in Blutrot getränkt. Springsteens Gesang ist auf dieser Platte düster, dunkel und wild. Das Nebraska-Album ist eine Hommage an die Unterdrückten Amerikas, und es ist eines, das tief zu Herzen geht. Nach diesem Maßstab ist es ein Werk, das noch Jahrzehnte überdauern wird.

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