Dengler ermittelt wieder – Steinkopf hilft ihm dabei

26.01.2014 at 11:39

schorlau

Am 23. Januar las der Stuttgarter Kriminalschriftsteller Wolfgang Schorlau aus seinem neuen Dengler-Krimi in der Buchhandlung Steinkopf. Ein Heimspiel: Wolfgang Schorlau verortet den Lebensmittelpunkt seines Privatermittlers Dengler nur einen Steinwurf von der Buchhandlung entfernt im Bohnenviertel, im Haus der Weinstube „Basta“.

Nicht nur den Namen seiner Stammkneipe übernahm Schorlau in seinen Krimi, wie er anfänglich ausführlich darlegte, auch der Wirt hat eine kleine Nebenrolle. Er serviert seinem „Hausbewohner“ immer wieder einen doppelten Espresso und seinen Lieblingswein, den Grauburgunder. Ebendiesen bot der Gastgeber Reiner Steegmüller im Anschluss an die Lesung seinen etwa 90 Gästen an.

Über alle sieben Folgen hinweg bleibt der Wirt Markus stumm. Mittlerweile hat der reale Markus aber den Wunsch geäußert, zumindest einen Satz im Kriminalroman zu erhalten. Schorlau räumte ein, dieser Wunsch würde ihm großes Kopfzerbrechen bereiten:
Einen Satz – der muss aber dann auch sitzen!

Über sein Personal, den Privatdetektiv Dengler und seine ihm mittlerweile nahestehende Nachbarin Olga, plaudert der Autor, als seien es gute Bekannte und nicht erfundene Romanfiguren.

Wie immer greift der Autor brisante gesellschaftliche Themen auf. In dieser Folge sind es die Fleischindustrie, Massentierhaltung und die katastrophalen Arbeitsbedingungen der osteuropäischen Arbeiter. Geschickt verknüpft er den Fall mit der persönlichen Betroffenheit Denglers. Sein Sohn ist in die Hände der „Fleischmafia“ gefallen. Er hat sich einer Aktivistengruppe angeschlossen, die die Massentierhaltung verurteilen. Nicht wie üblich in den Privat-Eye-Krimis ist es eine hübsche Unbekannte, die den Auftrag an den Privatermittler vergibt sondern seine geschiedene Ehefrau heuert ihn an. Sie hat Angst um ihren Sohn, den sie in Barcelona vermutet, der sich aber telefonisch nicht meldet.

Mithilfe seiner Lebensgefährtin Olga gelingt es Dengler, sich nach zwölf Tagen einen Weg zu seinem Sohn und seinen Freunden durch das Dickicht der kriminellen Machenschaften der Fleischindustrie zu schlagen. Olga hat sich im Laufe der Serie von einer professionellen Taschendiebin zur Computerspezialistin mit Schwerpunkt Computerhacken „umgeschult“. Sie gibt Dengler, durch das Knacken der Festplatte des Sohnes, die entscheidenden Hinweise.

Schorlau legte den Krimi multiperspektivisch an. Wie diese Handlungsstränge am Ende zusammen finden, verriet er an diesem Abend natürlich nicht. Ich kaufte mir den Krimi, damit ich die ausgelegten Puzzelteile zusammen fügen kann.

Ein großes Lob möchte ich Herrn Steegmüller und seinen Kolleginnen aussprechen, die in ihrer Buchhandlung den perfekten Rahmen für eine Lesung gaben und damit das literarische Leben in Stuttgart beflügeln. Diese Nähe zum Buch und seinem Autor können die Online-Portale nicht herstellen. Ich werde auf jeden Fall weiterhin meine Bücher in kleinen Buchhandlungen kaufen, um diese kulturelle Vielfalt zu unterstützen.

Am zwölften Tag: Denglers siebter Fall
352 Seiten, Verlag: KiWi-Taschenbuch, Preis: 9,99 €
zu erwerben in der Buchhandlung Steinkopf oder in jeder anderen Buchhandlung Ihres Vertrauens.

Lesen in Zeiten von Corona

12.04.2020 at 16:37
Ausgestorbene Plätze - geschlossene Bibliotheken

Ausgestorbene Plätze – geschlossene Bibliotheken

 

M. fährt manchmal zur geschlossenen Stadtbibliothek. Dort – in der „Bibliothek der Schlaflosen“ – kann er noch einige Bücher ausleihen. Das ist immer ein Vabanquespiel. In 30 Fächern liegen je zwei Bücher oder andere Medien. Gut, dass es noch lokale Buchhandlungen gibt, die durch eine Buchklappe verkaufen. So z.B. die Buchhandlung Steinkopf. Ihr Besitzer, Reiner Steegmüller, hat auch schon Privatdetektiv Dengeler geholfen.

Rainer Wochele mit einer neuen Erzählung

01.03.2015 at 9:37
rainer_wochele

Rainer Wochele stellt seinen neues Buch „Der Katzenkönig“ in der Stadtbibliothek Stuttgart vor

 

Rainer Wochele nennt sein neues Buch, „Der Katzenkönig“, eine Erzählung. Am 26. Februar stellte er diese in der Stadtbibliothek Stuttgart vor. Über 850 Titel mit dem Stichwort Katze befinden sich im Bestand der Bibliothek, wie die Direktorin, Frau Brunner, in ihrer Einleitung zur Lesung ausführte. Hubert Klöpfer, sein Verleger, meinte, Rainer Wochele an diesem Ort vorzustellen, sei überflüssig, tat es dann aber doch in einem Schnelldurchlauf, um anschließend das Wort an die Moderatorin des Abends, Lerke von Saalfeld, abzugeben.

Sie wollte wissen, wie Rainer Wochele zu seinem Thema gekommen ist. R. Wochele, der in Bad Cannstatt lebt, fand immer wieder auf seinen Spaziergängen durch Straßen und Kurpark Aushänge, die dem Finder vermisster Katzen hohe Belohnung versprachen. Die Tierliebe treibe tolle Blüten, bis zu 500 € würden als Finderlohn geboten, erzählte er. Dieses Thema hat ihn förmlich angesprungen. Noch dazu, als er ein Thema nie erzwingen könne, es ihm, wie hier, zufliegen muss. Dann befinde er sich in einem Zustand zwischen Blindheit und Bewusstsein und ein erster Satz, der Anfang einer Geschichte kann von ihm geschrieben werden.

Rainer Wochele führt durch Bad Cannstatt

Lerke von Saalfeld kann die Erzählung auch als einen Führer durch Bad Cannstatt lesen. Die Geschichte setzt ein mit dem Katzenkönig, der den Kater „Sauerbruch“ in die Taubenheimstraße zu Frau Doktor Schmückle-Bräuchle bringt. Entlang des Neckars fährt er mit seinem klapprigen Damenfahrrad. Obwohl der Kater nicht der von der Doktorin ist, bringt er ihn zu ihr. Er weiß sehr wohl, ein „frisiertes“ Tier, wenn es sich denn nur einschmeichelnd verhält, wird von der vermeintlichen Besitzerin angenommen. König hat den Kater mit Hilfe seiner Bekannten, einer Frisörin, dem Fahndungsfoto entsprechend herausgeputzt und koloriert. Ihm gelingt, die sehr beschäftigte Frau Dr. Schmückle-Bräuchle zu täuschen, die den Kater Sauerbruch als ihren verlorengeglaubten „Räuber“ annimmt.

Im Gespräch erläutert Rainer Wochele den Plot seiner Erzählung: Der Protagonist, der arbeitslose und sich in ziemlich prekärer Lebenslage befindliche Tierarzt Dr. Karlheinz König, hat sich auf die Rückführung entlaufener Katzen spezialisiert, nachdem er seinen Job aufgegeben hat mit dem er zusehends in Konflikt geraten war. Er wollte nicht weiter in der Forschung arbeiten, die mittels Tierversuchen neue Erkenntnisse zu Tage fördert. Obwohl das Buch ausschließlich in Bad Cannstatt spielt, ist sein Thema alles andere als gemütlich und provinziell. Die Erzählung stellt eine der großen, hochaktuellen ethischen Fragen, die nach der Verantwortbarkeit von Tierversuchen in der medizinischen Forschung. Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit Rainer Wochele über solch ein schwergewichtiges Thema zu schreiben vermag. Streckenweise erzählt er aus der Perspektive der Katzen, die den Untergang der Menschen herbeifabulieren. Dabei schreibt er sich in die Nähe von E.T.A. Hoffmann, der in seiner Erzählung „Die Lebensansichten des Kater Murr“ ebenfalls die Katze zu Wort kommen lässt. Die Tiere gewinnen auch bei Wochele eine Eigenmächtigkeit. Das unterstreicht der Autor, indem er den von Dr. König eingefangenen Katzen Namen berühmter Ärzte und Wissenschaftler gibt: Hyppokrates, Pasteur, Röntgen, Semmelweis und eben Sauerbruch. Dabei war es ihm wichtig, den Katzen ihre Tierhaftigkeit zu belassen. Er zeigt, was die moderne Wissenschaft in ihren Laboratorien mit den Tieren anstellt. So ist diese Erzählung auch ein Ausdruck des Protests dagegen. Für Rainer Wochele haben die Tiere eine Seele und er hält die Quälerei der Tiere für ein dunkles Kapitel der Wissenschaft. Wolfgang Schorlau, der Krimiautor aus Stuttgart, ist mit einem Zitat auf dem Buchrücken abgedruckt. Auch er hat sich in seinem letzten Roman der Frage des Umgangs mit Tieren – bei ihm in der Massentierhaltung – angenommen. Zwei Bücher zur Frage nach dem Verhältnis zu den Tieren, zwei ganz unterschiedliche Werke.

Der Katzenkönig
164 Seiten, geb. mit Schutzumschlag und farbigem Vorsatzblatt
Klöpfer & Meyer, Preis: 20,00 €
zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Immer mehr

19.02.2014 at 10:11

Als ich im Januar die Lesung von Wolfgang Schorlau besuchte, zeigte er im Kleid des Kriminalromans die Abgründe der Massentierhaltung auf. Vor ein paar Tagen lief eine Meldung über die Nachrichtenticker: „Russland stoppt Import von EU-Schweinefleisch“. Grund sei die mangelnde Qualität des Fleisches. Interessant ist das dabei genannte Volumen. Der EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg benennt dies: „Die Europäische Union exportiert jeden Tag Schweinefleisch im Wert von fünf Millionen Euro in die Russische Föderation.“ Insgesamt gehe etwa ein Fünftel der EU-Schweinefleischexporte nach Russland, jedes Jahr mehr als 700 000 Tonnen. Rechnen wir mal kurz: Ein durchschnittliches europäisches Hausschwein wiegt 130 kg. Somit werden jährlich ca. 54 Millionen Tiere aus der EU über die Grenze der Russischen Föderation verschoben.
Die Massentierhaltung in Deutschland steht weltweit mit an der Spitze. Das nachfolgende Video bekam ich von den Anstiftern. Es zeigt, die Chinesen kopieren auch auf dem Gebiet der Tötung fleißig: