Dortmunder Lehrlingstheater – Vor 50 Jahren gegründet

22.10.2020 at 12:00
Gitarrist Lehrlingstheater

Der Gitarrist und „Meister Saubold“ auf dem Weg zur Aufführung

Am 21. Oktober 1970 wurde das Dortmunder Lehrlingstheater mit dem sperrigen Namen „Initiative Theater Dortmund / Dortmunder Lehrlingstheater ITD/DL“ gegründet. Die Gründung erfolgte in Berlin. Einige der Gründungsmitglieder hatten am Abend vorher in der Schaubühne die Inszenierung von Bertolt Brechts „Die Mutter“ gesehen. Von dem Regisseur Peter Stein ermuntert, beschlossen sie, selber sozialkritisches Theater zu machen.

Im März 1973 stieß ich zu dieser Gruppe. Sie suchten einen Darsteller, der auch Gitarre spielen konnte. Ich spielte in den Stücken „Der große Beschiss“, „Alle Räder stehen still“, „Da bleibt dem Chef die Spucke weg“. Es waren Stücke aus der Arbeitswelt und oft aus der Sicht von Lehrlingen geschrieben. Damit hatte das Dortmunder Lehrlingtheater großen Erfolg in den Jugendhäusern des Ruhrgebietes.

Weinachten steht vor der Tür?

20.10.2020 at 20:07
Dominosteine

.

 

M. kaufte sich im Oktober (!) das erste Weihnachtsgebäck, eine Packung Marzipan-Domino-Steine. Noch zwei Monate bis Weihnachten. Er traf letztlich eine Kellnerin, die auf ihrem T-Shirt die Aufschrift trug: „I hate Chrismas“. Sie kann den frühen Weihnachtsrummel nicht ertragen, vor allem die Weihnachtslieder in den Kaufhäusern. M. kann das verstehen, liebt aber doch, schon im Oktober seine geliebten Marzipan-Domino-Steine zu essen.

Wandern rund um Nussdorf

12.10.2020 at 18:56
Ralf P.

Ralf P. auf seiner Elektro-Schwalbe

 

Die BUND-Ortsgruppe Korntal hatte mal wieder zu einer Wanderung eingeladen. Am Sonntag traf man sich in Nussdorf im Heckengäu. Gleich zu Anfang, noch im Ort Nussdorf, fanden die BUND-Aktivisten einen „Garten des Grauens“. Diese Form der Gestaltung von Freiflächen rund um das Eigentum hat das Land Baden-Württemberg in seinem neuen Naturschutzgesetz ab Mitte 2020 verboten. Warum sind die Aktivisten vom BUND gegen diese Form der „Gartengestaltung“? Schottergärten fördern aktiv das Insektensterben. Durch die fehlenden Grünflächen werden der Lebensraum und die Nahrungsquellen vieler Tiere und Insekten stark beschränkt. Daher ist es wichtig, dass Gärten nicht zum überwiegenden Teil aus Beton- und Steinflächen bestehen, sondern eine möglichst große Pflanzenvielfalt bieten.

Gärten des Grauens

.

 

Ralf P. aus Aurich organisierte diese Wanderung. Mit seiner „Schwalbe“ war er nach Nussdorf gekommen und traf die Ortsgruppe Korntal des BUND. Wer kennt sie nicht, die „Schwalbe“ von Simson, jenes Kleinkraftrad aus der DDR?

Obwohl die Produktion im thüringischen Suhl 1986 eingestellt wurde, fahren heute dennoch 300.000 Exemplare in Deutschland herum.Natürlich ist dieser Roller kein Zweitakter, so wie es das Urmodell gewesen ist, sondern ein umweltfreundliches Gefährt. Ralf musste sich nicht mehr mühen, das Gefährt „anzutreten“. Stattdessen: ein Knopfdruck von Ralf und das Computerdisplay leuchtete auf. Noch ein Knopfdruck und der Fahrmodus war aktiv. Ein bisschen Gas geben, und los geht’s. Keine stinkende Wolke aus dem dünnen Auspuff (der hier natürlich gar nicht mehr existiert). Die neue Schwalbe ist dabei geräuschlos und abgasfrei. Ralf hat seine Outdoorjacke farblich passend zur blauen Lackierung seines Rollers abgestimmt.

Wie immer konnte Ralf einiges zu der Landschaft rund um Nussdorf erzählen: Nussdorf liegt auf der vom Strudelbach geteilten, mit Löss bedeckten Hochebene. Als Gesteinsformation herrscht der Muschelkalk vor. In der Gemarkung sind noch Reste alter Steinbrüche zu finden. Der Strudelbach, der in Flacht (Gemeinde Weissach) entspringt, mündet in Enzveihingen in die Enz.

Nach der Wanderung stärkte man sich im Café des Kunstmuseums von Nussdorf. Die Fotoausstellung in der Sammlung Klein war einer der Höhepunkte der Wanderung. Das privat finanzierte Museum, das sich in dem von dem Pforzheimer Architekturbüro Folker Rockel entworfenen Museumsbau befindet, wird von der Alison und Peter Klein Stiftung getragen. Sie vergibt unter anderem den seit 2009 „Stiftungspreis für Fotokunst“.

An diesem Sonntag war eine spannende Fotoausstellung zu besichtigen. Besonders beeindruckend die dreidimensionalen (!) Fotografien von Christiane Feser: modularen Strukturen stellt die Künstlerin aus gefalteten Papieren zu modularen Strukturen zusammen, Licht und Schatten den Bildraum auslotend. Der zweidimensionale Foto-Abzug des dreidimensionalen Gefüges wird durch Schneiden und Auffalten erneut plastisch bearbeitet. Dabei schreibt sich das fotografische Bild dem Objekt ein und lassen dessen Betrachtung zu einem Vexierspiel zwischen Fläche und Raum werden.

Fotoausstellung

Dreidimensionale, modularen Strukturen von Christiane Feser betrachtet von Tatjana

Lars Hauschild feiert mit Freunden seine Ausstellung

11.10.2020 at 21:30
Lars Hauschild

Der Künstler der „arte concreta“ wieder in passendem Hemd

 

Ich hatte ja schon hier über die Ausstellung von Lars Hauschild berichtet. Aufgrund der Corona-Vorschriften konnte Lars keine rauschende Vernissage veranstalten, wiewohl er das gerne gemacht hätte. Aber es ließ es sich nicht nehmen, seine Freude zu einem privaten Treffen in der Galerie 4/1 in Korntal einzuladen und mit ihnen ein Glas zu trinken. Seine Töchter hatten sich mächtig ins Zeug gelegt, um die Eingeladenen kulinarisch nicht auf dem Trockenen zu lassen.

Stolz präsentierte er an diesem Abend seine Werke auf zwei Stockwerken. Klicken Sie sich durch eine kleine Auswahl seiner Bilder

Ausnahmegitarrist Eddie Van Halen gestorben

08.10.2020 at 10:49
Eddie van Halen

Eddie Van Helen auf einem Konzert auf der Hollywood-Bowl-Freilichtbühnen 2015 (Bildschirmfoto). Zum Abspielen von „Eruption“ bitte auf das Bild klicken.

Erst heute erfuhr ich vom Tod des Ausnahmegitarristen Eddie Van Halen. Mit „Eruption“ katapultierte sich Eddie Van Halen bereits 1968 in den Rockhimmel. Er spielte schnell, nutzte die sogenannte Tapping-Technik, bei der die Finger der rechten Hand die Saiten auf dem Griffbrett anschlagen, was bis dahin unspielbar schnelle Läufe ermöglichte. Diese Zauberer-Technik bleibt für immer mit Eddie Van Halen verbunden. Und er spielte eine sagenhaft verzerrte Gitarre. Das Dank des exzessiv eingesetzten, merkwürdig verzogenen und verbogenen Vibratohebels, der unter Rockgitarristen auch Jammerhaken genannt wird.
Am 6. Oktober 2020 verstarb Eddie Van Halen an seinem Kehlkopfkrebs. Wir werden seine Konzerte nur noch im Gitarristenhimmel hören können. Ein Videoportät veröffentlichte Die Zeit hier

Kalenderblatt 29. September: Namenstag des Erzengels Michael

29.09.2020 at 14:30
Erzengel Michael

Foto Wikipedia CC-BY-SA 2.0

Der Vorname Michael stammt über das Griechische aus dem Hebräischen (hebräisch מיכאל (Mikha’el)) und bedeutet „Wer ist wie Gott?“. Namensgeber ist der Erzengel Michael, der im Neuen Testament den Bekämpfer des Teufels und Höllendrachens darstellt.

(Aus Wikipedia)

  • Michał (polnisch)
  • Michail (russisch, osteuropäisch)
  • Μιχαήλ (Michail) (griechisch)
  • Mícheál (irisch)
  • Mikaël Michel (französisch)
  • Michele (italienisch)
  • Michiel (niederländisch)
  • Miguel (spanisch, portugiesisch)
  • Mihovil (kroatisch)
  • Miha (slowenisch)
  • Mihail (rumänisch)
  • Mychajlo (ukrainisch)
  • Mihály (ungarisch)
  • Mihkel (estnisch)
  • Miķelis (lettisch)
  • Miikka (finnisch)
  • Mikkel (skandinavisch)
  • Mikail, auch Mika’il, Mikaeel (arabisch ميخائيل, türkisch)
  • Mischa (Миша, russische Koseform, Synonym für Bär)

Michael Wildenhain setzt dem Schriftstellerhaus ein Denkmal

25.09.2020 at 7:00
Michael Wildenhain

.

 

In seinem 60. Lebensjahr weilte der Berliner Autor Michael Wildenhain als Stipendiat im Schriftstellerhaus. In seinem Bewerbungstext schrieb er: er wolle in Stuttgart für seinen neuen Roman recherchieren, in das es seinen Protagonisten getrieben hat. Nun hat vor ein paar Tagen dieser Held den Buchmarkt betreten und Michael Wildenhain stellte am 24. September in der Stadtbibliothek Stuttgart ihn in seinem Roman Die Erfindung der Null vor. Astrid Braun, GF des Schriftstellerhauses, gratulierte dem ehemaligen Stipendiaten zu seinem neuen Roman und freute sich außerordentlich, dass die Premierenlesung in Stuttgart stattfindet, wo Michael Wildenhain intensiv in den drei Monaten seines Aufenthaltes recherchiert hatte.

Michael Wildenheinhat ein umfangreiches Œuvre geschaffen

Moderator Stefan Kister, Kulturredakteur der Stuttgarter Zeitung, nimmt das umfangreiche Œuvre Wildenhains in den Blick: Neben dem Prosawerk entstanden zahlreiche Theatertexte, Gedichte, Kinder- und Jugendbücher, bis hin zu Kriminalromanen und Science Fiction. Den Schwerpunkt aber bilden die Romane. Wildenhains Romanfiguren sind oft durch eine charakteristische Zerrissenheit gekennzeichnet: Sie agieren aus persönlichem Begehren und zugleich als Akteure innerhalb eines gesellschaftlichen Geschehens. Sein Image als hausbesetzender Schriftsteller hat er längst abgelegt.

Das „Häusle“ in der Kanalstraße 4 wird zum Nachhilfe-Institut

In seinem neuen Roman „Die Erfindung der Null“ wird das schmale Schriftstellerhaus am Eingang zum mathematischen Nachhilfeinstitut. In das hat sich der Protagonist, Martin Gödeler, zurückgezogen. Wie es dazu kam, ist einer der Erzählstränge des Romans. Wem bei dem Namen Gödeler an den großen österreichischen Mathematikers Kurt Gödel wegen des gleich klingenden Namens denkt, hat in Mathematik aufgepasst. Man muss zur Mathematik kein besonders intimes Verhältnis pflegen, um ein Lesevergnügen empfinden zu können, das wird durch die Lesungen an diesem Abend klar. Man sollte sich auch von den mathematischen Überschriften: Induktionsannahme, Induktionsschritt, Zwischenergebnis, Gegenprobe, Lemma nicht ins Bockshorn jagen lassen. In weiten Teilen folgt der Roman den Strukturen des klassischen Kriminalromans und in der Tat beginnt der Roman mit einem Verbrechen. Aber auch Gattungen von Ehe-, Wissenschafts-, Gesellschaftsroman werden eingewoben, immer entlang einer mathematischen Beweisführung. Michael Wildenhain kann über mathematische Themen schreiben. Er ist durch sein Studium der Mathematik, Informatik und Philosophie bestens dafür gerüstet.

„Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“ *1)

In Südfrankreich ist ein junge Frau verschollen. Die französische Polizei gibt den Fall an die deutschen Behörden ab. Die Frau hatte mit Martin Gödeler ein Hotelzimmer bewohnt. Schnell gerät Martin Gödeler in den Verdacht, während des Urlaubs in Südfrankreich seine verschollene Geliebte umgebracht zu haben. Ein junge Staatsanwalt macht sich auf die Suche nach der Wahrheit und versucht durch die penible Rekonstruktion des Geschehens Martin Gödeler zu überführen.

Wie so häufig in seinen Romanen arbeitet sich Wildenhain auch in diesem Roman an der Absolutheit der Figuren ab. In diesem Roman ist es die Obsession an die Mathematik. Wie fühlt es sich an, sein Leben in den Dienst einer Sache zu stellen? Der Eros der Zahlen kann nicht lange von Frau und Kind gebändigt werden. Die Affäre mit einer genialen Kollegin eröffnet ihm nicht nur infiniten Lustgewinn, sondern auch Einsichten in den Zusammenhang von Politik und Mathematik. Sie ist Mitglied einer antifaschistischen Widerstandsgruppe gegen die drohende völkische Revolte.

Darüber zerbricht Martin Gödeler und zieht sich in eine schäbige Souterrainwohnung in der Hohenheimer Straße in Stuttgart zurück und gibt in besagtem Haus in der Kanalstraße 4 Nachhilfeunterricht in Mathematik. Dass einige Szenen, die Wildenhain an diesem Abend liest, auch im Klara-Zetkin-Heim spielen, freut mich besonders, vor 25 Jahren feierte ich hier meine Hochzeit.

Ich freue mich auf die Lektüre diese Romans, dessen erste Schritte ich im Schriftstellerhaus begleiten durfte.

Die Erfindung der Null
303 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Klett-Cotta, Preis: 22 €

zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens.

*1) Zitat von Buffalo Bill, als Motto dem Buch vorangestellt