Svenja Gräfen – Noch einmal eine Stipendiatin!

09.11.2019 at 22:57
Svenja Gräfen

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Svenja Gräfen hat Anfang Oktober das dritte Stipendium im Schriftstellerhaus angetreten, nach Katharina J. Ferner im ersten und Kathrin Schmidt im zweiten Qurtal. Svenja Gräfen stellte sich am 6. November 2019 im Schriftstellerhaus vor. Sie hatte sich mit einem Prosatext im letzten Jahr für dieses Stipendium beworben. Svenja Gräfen stellte uns im Schriftstellerhaus diesen Text vor. Ihr Verlag, Ullstein, hat ihn bereit in diesem Herbst als Hardcover herausgebracht.

Svenja Gräfen wurde 1990 in Rheinland-Pfalz geboren und ist auch dort aufgewachsen. Stuttgart kennt sie gut, immerhin hatte sie drei Jahre in der Hauptstätter Straße in einer WG gewohnt. Eine WG auf dem Lande ist auch in ihrem Roman Freiraum der Schauplatz, auf dem sich die Geschichte entwickelt.

Svenja Gräfen sieht sich als feministische Autorin

Svenja Gräfen steht mit Texten auf der Bühne, hält Vorträge und leitet Workshops. Sie bezeichnet sich als feministische Aktivistin, was sich an diesem Abend in ihrer gewöhnungsbedürftigen Gendersprache manifestiert. Ihre Prosa ist davon unberührt. Sie stellt ein lesbisches Paar mit Kinderwunsch in den Mittelpunkt ihrer Geschichte, das aus der Stadt in eine WG in eine Kleinstadt zieht,  nahe zur Großstadt gelegenen. Alle Bilder von ländlichen Wohngemeinschaften werden sofort abgerufen: gemeinsames Kochen, ökologische Gemüsezucht im eignen Garten zur Selbstversorgung, ausgiebige Gespräche am großen Küchentisch. Dabei erzählt sie die Geschichte der beiden wohnungssuchenden Frauen nicht chronologisch, sondern erzählt die Geschichte von Vela und Maren, die in der Stadt in prekären Verhältnissen leben, im Rückblick, eingeschoben in die WG-Gegenwart. Ihre Sprache ist frisch und geprägt von dialogischem Erzählen.

Schwierige Verlagssituation

Neben der Lesung stehen Fragen zu ihren Erfahrungen mit ihrem Verlag im Mittelpunkt der Diskussion. Während der Buchentwicklung ist Svenja Gräfen ihre Lektorin abhanden gekommen, die den Ullstein Verlag verlassen hat. Daher hat nicht ein Lektorat in der Qualität stattgefunden, wie Svenja Gräfen es sich gewünscht hätte. Auch die von Ullstein neu gegründete Reihe Ullstein fünf hat der Verlag mittlerweile wieder eingestellt, so dass sie von dieser Seite in Sachen Werbung wenig bis keine Unterstützung erhält. Ullstein fünf wollte Belletristik und Sachbücher veröffentlichen, in denen es um die Gegenwart geht. Die Autorinnen und Autoren sollten einzigartige Erzähler sein, die vertraute Lebenswelten erschließen und gegebenenfalls neue Perspektiven auf das Leben ermöglichen. Da passte der Roman Freiraum gut zum Ansatz der Reihe.

Svenja Gräfen will die Zeit ihres Stipendiums nutzen, neue Ideen zu entwickeln und erste Skizze dazu zu entwickeln.