Schreibwettbewerb: 3 Gewinner – Sechs Textlesungen

01.06.2019 at 10:16
v.l.r.: Christian Reimann, Moritz Heger, Hannah Schraven, Simon Sailer

v.l.r.: Christian Reimann, Moritz Heger, Hannah Schraven, Simon Sailer

 

Am 27.05.2019 begrüßte Meike Jung von der Stadtbibliothek Stuttgart die drei Preisträger des Drei-Länder-Schreibwettbewerbs im hauseigenen Café LesBar. Dieser Preis wurde erstmals vom Literaturmagazin Narr, der Literaare, vom Stuttgarter Schriftstellerhaus und Literatur Vorarlberg für Nachwuchsautorinnen und Autoren ausgeschrieben. Moritz Heger, Vorstandsvorsitzende des Schriftstellerhauses, moderierte den Abend. Er saß selber in der Auswahljury.

Zu Beginn der Lesung erläutert Moritz Heger, dass die Jury die drei Gewinner aus 305 Texten ausgewählt hat. Voraussetzung zur Teilnahme an dem Schreibwettbewerb für den literarischen Nachwuchs war, dass noch keine Buchveröffentlichung vorlag. Eine Altersbeschränkung gab es ebenso wenig wie die Vorgabe eines Genres. Es setzten sich Hannah Schraven (Lyrik), Simon Sailer (Prosa) und Christian Reimann (Prosa) bei diesem Wettbewerb durch.

Hannah Schraven, geboren 1992, studierte am Institut für Literarisches Schreiben in Hildesheim und arbeitet vor allem mit Klang-Text-Collagen. Das klang auch deutlich in ihrem Gedicht über Tiere und Menschen an.

Der Wiener Simon Sailer, geboren 1984, studierte Philosophie und Kunst. Seit 2017 veröffentlicht er in literarischen Zeitschriften und Anthologien. Sein im März erschienener Debütroman Menschenfisch lag zum Zeitpunkt des Wettbewerbs noch nicht vor, somit erfüllte er die Kriterien. Simon Sailer entfaltet in Origamien fantasievolle Gedankengeschichten, die sein Protagonist beim Falten von Papierfiguren entwickelt.

Der in der Nähe von Berlin lebende Christian Reimann liest seine Geschichte Einzelzimmer. Er zieht darin den Leser in ein Altersheim und beschreibt die Tristesse, die dort eben herrscht. Er hatte mit seinem Text auch den Publikumspreis beim Literaare-Festival gewonnen.

Unterschiedliche Arbeitsweisen

Im Gespräch mit Moritz Heger erzählen die drei, wie sie arbeiten: Hannah Schraven eher „Old School“: morgens im Bett schreibt sie von Hand, sortiert ihre ersten Einfälle. Doch daraus entwickelt sich bei ihr ein architektonischer Schreibprozess.

Christian Reimann „schreibt so vor sich hin“. Den größten Teil des Tages beschäftigt er sich mit dem Lesen von Romanen. Dabei geht es ihm nicht um die Quantität sondern um die Qualität. Bis zu acht Stunden jeden Tag liest er immer die gleichen Romane, um das Handwerk großer Autoren zu studieren. James Joyces Ulysses muss man einfach dutzendmal lesen, um ihn ganz zu durchdringen. Kafkas Schloss hat er mindestens zwanzig Mal gelesen, Camus viele Male, den Roman Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann zehnmal und er würde diese wenigen Werke auch immer wieder lesen. „Unterhaltungsliteratur“ würde ihn nicht interessieren. Der Frage, wann er seinen Lebensunterhalt verdient, weicht er aus. Er hätte keine großen Bedürfnisse.

Simon Sailer hat es geschafft, mit kontinuierlichem Arbeiten seinen ersten Roman zu schreiben.

Es bleibt abzuwarten, ob diese drei jungen Menschen weiter die literarische Bühne bespielen. Christian Reimann hatte ja schon beim Erhalt der Nachricht, dass er ausgewählt worden sei, skeptisch reagiert und eine Fälschung vermutet. Mit je einem zweiten Text verabschiedeten sich alle drei an diesem Abend vom Publikum. (Hannah Schraven siehe hier)