Peter Grohmann feierte seinen Geburtstag auf ganz großer Bühne

27.10.2013 at 20:32

lesung_grohmann

Heute wird Peter Grohmann 76 Jahre und er ist aufrührerisch wie eh und je. Schon im letzten Jahr, zu seinem 75. Geburtstag, lud er seine Freunde zu einem Fest im Theaterhaus ein und zu seinem diesjährigen Geburtstag ebenfalls. Er schenkte uns sein Buch, sprach darüber mit seinem langjährigen Weggefährten Ebbe Kögel und las ausgewählte Passagen. Er, der Pendler zwischen Ost und West, der Mitbegründer des Theaterhauses und Gründer der Anstifter, der humorvolle Streiter gegen das Unrecht, Verfasser des legendären Bürgerbriefes zum Größenwahnsinns der Schwaben (sie wollen ihren Bahnhof unter die Erde legen, so wie wir alle unter die Erde kommen, früher oder später), den ihm die Montagsdemonstranten schon über 160 Mal aus der Hand gerissen haben, zeigt in seiner Autobiografie auch seine privatesten Seiten. Ungeschönt und ehrlich. Und so heißt sie auch:

alles_luege„Alles Lüge außer ich“
Sie ist im kleinen, lokal verankerten Silberburg-Verlag erschienen.

Mühelos gelang es Peter Grohmann mit seiner Lesung, den großen Saal im Theaterhaus mit 400 Zuhörer zu füllen.

Musikalisch untermalt wurde die Matinee durch den virtuosen Akkordeonisten Ernst Kies. Ernst Kies stammt aus Kasachstan und ist mit einer göttlichen Tenor-Stimme gesegnet. Wunderbar, wie er die Stimmungen des Buches in Stimmungen auf dem Akkordeon übersetzt.

Als Peter zum Schluss die Danksagung aus seinem Buch an die vielen Menschen vorlas, die das Buch ermöglicht haben, war er sichtlich gerührt. Von der Bühne verabschiedet wurde er von seinem engen Freund Werner Schretzmeier, Leiter des Theaterhauses, mit einem riesigen Blumenstrauß. Hoffentlich bleibt der unruhige Geist von Peter Grohmann der Stadt Stuttgart noch lange erhalten, auf dass er noch viele Aktionen anstiftet.

Wieder ein erfolgreicher Stipendiat des Schriftstellerhauses im Literaturhaus

15.10.2013 at 21:25

geltinger

Am 14. September las der Schriftsteller Gunther Geltinger im Literaturhaus aus seinem gerade im Suhrkamp-Verlag erschienenen Roman „Moor“. Moderiert wurde der Abend von dem ehemaligen Leiter des Literaturhauses Köln, Thomas Böhm. Beide kennen sich gut, Geltinger wohnt heute in Köln. Dieses gegenseitige Kennen und Respektieren war die Basis für ein gelungenes Gespräch, in dem beide brillante Punkte setzten.

Der Roman „Moor“ erzählt die Geschichte des dreizehnjährigen Dion am Ende der Kindheit. Dion stottert und wächst ohne Vater auf. Er ist voller Sehnsucht nach einer intakten Sprache. Das Moor ist sein Revier. Geltinger lässt keinen allwissenden Erzähler auftreten, dafür gibt er dem Moor eine Stimme. Das Moor erzählt die Geschichte des Verhältnis des Sohnes zu seiner Mutter, einer erfolglosen Malerin, die ihr Scheitern in der Kunst und im Leben mit ihrer grenzüberschreitenden Liebe zum Sohn kompensiert.

Dion ist ein Kenner des Moores und sammelt Libellen. So verwundert es nicht, dass eine Libelle zentrales Motiv der Gestaltung des Buchumschlages ist. Im Gespräch mit Thomas Böhm erklärte Gunter Geltinger die Lebenswelt der Libelle. Der Schlüpfen der Libelle ist für ihn Metapher für die Phase zwischen Jugend und dem Erwachsensein.

Gunter Geltinger sprach an diesem Abend ganz offen über das Stottern. Als Kind stotterte er selber. Ganze Synonymwörterbücher entstanden in seinem Kopf, um die sprachlichen Klippen umschiffen zu können. Diese aus der Kindheit herrührende Sprachaneignung schlägt sich in seinen Texten nieder.

In der freien Rede spürt man nichts von diesem Handicap. Aber wenn Geltinger liest, kommt es zu Stockungen. Seine zartgliedrigen Hände unterstreichen seine Lesung in weit ausholenden Gesten. Der Text kommt dadurch in Fluss. Für einen Stotterer, so erklärt Geltinger, ist der Nachname des Jungen ein Verhängnis: Katthusen. Mit diesem harten Konsonant am Anfang ist er gestraft und mit dem „t“ in der Mitte doppelt. Am Ende seiner Kindheit erzählt Dion seine Geschichte: von der Sehnsucht nach einer intakten Sprache, die nicht voller Löcher und Spalten ist wie der morastige Boden am Rand des norddeutschen Dorfes, in dem er aufwächst.

Die Mutter braucht sein Stottern, um mit ihrem eigenen Leben klar zu kommen (sie ist nicht nur Malerin sondern arbeitet auch als Prostituierte). Würde Dion nicht stottern, müsste sie ihn in die Welt entlassen. So aber bindet sie ihren Sohn an sich und wird übergriffig. Das alles hat Geltinger in vier große Kapitel gegossen, die nach den vier Jahreszeiten benannt sind.

Was Menschen tun, um der Einsamkeit zu entkommen, wie sie andere verletzen, um die eigene Versehrtheit an Körper und Seele auszuhalten und was sie dabei der Liebe zumuten und abverlangen, davon erzählt dieser Roman in einer Sprache voller lyrischer Bilder. Als ich Gunther Geltinger zum ersten Mal Entwürfe zu diesem Roman lesen hörte, war er Stipendiat des Schriftstellerhauses. Nun liegt das fertige Werk vor und wartet auf seine Leser.

Schwierige Koalitionsverhandlungen

12.10.2013 at 19:41

rad_03Die CDU hat knapp die absolute Mehrheit bei der letzten Bundestagswahl im September verfehlt. Nun sucht sie einen Regierungspartner und das im Wahlkampf geschmiedete Bündnis zwischen SPD und Grüne rennt der CDU hinterher um an die Macht zu gelangen. Beide haben es im Tandem nicht geschafft, die Bundesregierung unter Merkel abzulösen.

Umso kurioser scheint es nun, wie die beiden Parteien um die Gunst der starken Kanzlerin buhlen. Einer will den anderen überholen. Aber nach der krachenden Niederlage scheint mir das ehemalige Tandem doch arg gebeutelt.

Friedenspreis der Anstifter – Ein Jahr danach

02.10.2013 at 20:41

Vor einem Jahr erhielt die „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“, den Friedenspreis der Anstifter. Ich hatte die Bewerbung unterstützt und die Wahl begrüßt. Seit meiner frühen Jugend bin ich davon überzeugt, dass zwischenstaatliche Konflikte nicht mit Gewalt gelöst werden können. Den Dienst an der Waffe habe ich konserquenter Weise verweigert.

Wenn ich mir die zwischenstaatlichen Konflikte heute anschaue, so hat sich gegenüber den sechziger Jahren eine Komponente verändert: Die militärischen Blöcke von damals existieren nicht mehr. Der Zusammenbruch der sozialistischen Gesellschaftsmodelle im „Ostblock“ hat das Lagerdenken pulverisiert. Aber das Morden geht weiter. Vor allem mit deutschen Waffen. Unsere Industrie verdient an dem Export von Waffen – selbst in Krisengebieten – gut. Das muss ein Ende haben. Ein eindrucksvolles Video hat die Gruppe „Silly“ zu dem Thema gemacht:

Jede Aktion, die die Herstellung und den Export von Waffen anprangert, ist unterstützenswert. Am DI 08.10.13, 19:00 – 21:30 Uhr präsentiert Jürgen Grässlin im Katholischen Bildungswerk (KBW) Stuttgart das Schwarzbuch zum Waffenhandel. Aus der Ankündigung im Programm des KBW:

schwarzbuch_waffenhandel„Politik, Industrie, Banken – wer profitiert vom Krieg? Unsere Politiker beschwören den Frieden und betreiben den Krieg: Deutschland ist der weltweit drittgrößte Waffenexporteur – und schreckt vor Lieferungen an verbrecherische Regime und Diktatoren nicht zurück. Jürgen Grässlin deckt auf, wer die Profiteure dieser Kriegswirtschaft sind, er nennt Industrieunternehmen beim Namen, er zeigt, wer in der Politik die Exporte genehmigt und wie die Banken das alles finanzieren. Hochbrisante Fakten, profund recherchiert – ein Augenöffner, wie tief unser Land in die globale Tötungsmaschinerie verstrickt ist.“

Jürgen Grässlin hat letztes Jahr als Sprecher der Kampagne “Aktion Aufschrei: Stoppt den Waffenhandel!” den Friedenspreis der Anstifter entgegen genommen.

Unterstützt wird die Veranstaltung von:
Internationale Katholische Friedensbewegung Pax Christi, DFG-VK, aktion hoffnung e.V. Rottenburg-Stuttgart, Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart, Ohne Rüstung Leben, Die AnStifter

Ein seltsam‘ Ding

02.10.2013 at 15:01

fruWas die Elster hier in ihrem Nest gefunden hat, ist schon sehr merkwürdig:

Eine Frucht, die wie ein Gesicht aussieht aber natürlich keines ist. Es scheint, als habe ein Tier an ihm genagt. Wenn es dämmrig wird, kann es sich in eine Maske verwandeln. Eine, die Elfen und Zwerge tragen, um uns Menschen zum Nachdenken zu bringen, nicht um uns zu ängstigen. Das Ding erinnert auch an das menschliche Hirn. Was denken wir?