Neulich in der Stadt …

19.02.2014 at 10:13

wesenIch stand vor einem Schaufenster. Plötzlich hörte ich ein Rauschen wie von einem einsetzenden Herbststurm. In der Scheibe sah ich undeutlich ein silbrig schimmerndes Metallteil, groß wie ein Kleiderschrank. Ein Geräusch, als würde ein ganzes Regal schwerer Kochtöpfe neben mir abgeladen, ließ mich zusammenzucken. Das Metallteil verwandelte sich in einen apokalyptischen, glänzenden Krieger. Mit einem Ruck drehte sich die Gestalt zu mir, hinterließ dabei tiefe Kratzspuren auf der glatten Oberfläche der Gehwegplatte. Sie fuhr ihren Arm aus und zeigte auf mich:
„Das hier hast du alles nicht gesehen, ist das klar?!“
Ich nickte verängstigt.
„Dreh dich von mir weg!“, sprach sie weiter. „Hasta la vista, Baby.“
Ich befolgte den Befehl. Wieder hörte ich ein Rauschen. Als ich vorsichtig über die Schulter blickte, war nichts mehr da.

Immer mehr

19.02.2014 at 10:11

Als ich im Januar die Lesung von Wolfgang Schorlau besuchte, zeigte er im Kleid des Kriminalromans die Abgründe der Massentierhaltung auf. Vor ein paar Tagen lief eine Meldung über die Nachrichtenticker: „Russland stoppt Import von EU-Schweinefleisch“. Grund sei die mangelnde Qualität des Fleisches. Interessant ist das dabei genannte Volumen. Der EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg benennt dies: „Die Europäische Union exportiert jeden Tag Schweinefleisch im Wert von fünf Millionen Euro in die Russische Föderation.“ Insgesamt gehe etwa ein Fünftel der EU-Schweinefleischexporte nach Russland, jedes Jahr mehr als 700 000 Tonnen. Rechnen wir mal kurz: Ein durchschnittliches europäisches Hausschwein wiegt 130 kg. Somit werden jährlich ca. 54 Millionen Tiere aus der EU über die Grenze der Russischen Föderation verschoben.
Die Massentierhaltung in Deutschland steht weltweit mit an der Spitze. Das nachfolgende Video bekam ich von den Anstiftern. Es zeigt, die Chinesen kopieren auch auf dem Gebiet der Tötung fleißig:

Aus der Reihe „Ein wundersamer Ort“

19.02.2014 at 9:00

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Heinrich Steinfest bei Eva Zippel

15.02.2014 at 21:52
Steinfest in der GEDOK

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Die GEDOK Stuttgart stellt die Tierzeichnungen von Eva Zippel in ihrer Galerie aus. Jahrelang hatte Eva Zippel die Tiere für die Firma Schleich entworfen. Bis zu ihrem Tod im letzten Jahr bewohnte sie im Haus der GEDOK ein Wohnatelier.

Heinrich Steinfest ist über seinen Sohn mit den Schleich-Tieren in Berührung gekommen. Sie sammeln die Tiere mit großer Leidenschaft. Häufig sind seine Bücher mit Tierfiguren verziert. Auf dem Schutzumschlag für „Das himmlische Kind“ schaut ein Zebra vom Betrachter weg in die Ferne. Aus diesem Buch las der Autor am 12. Februar inmitten der wunderbaren Tierzeichnungen von Eva Zippel.

Zu Anfang baute er eine kleine Zebrafamilie vor sich auf und erzählte, wie bei einem Spaziergang sein Sohn stürzte und ihm das Zebra aus der Hand gefallen ist. Dabei brach dem Zebra ein Bein ab, das sie, trotz intensiven Suchens, nicht wieder finden konnten. So blieb das Tier dreibeinig. Das ist umso erstaunlicher, da die Schleichfiguren für ihre Robustheit berühmt sind.

Nachdem er die Zuhörer mit dem Tischschmuck bekannt gemacht hat, begann Heinrich Steinfest die Geschichte in groben Zügen zu skizzieren. Zwei Kinder, mutterseelenallein wie Hänsel und Gretel. Die zwölfjährige Miriam fühlt sich für ihren kleinen Bruder verantwortlich. Die beiden haben den absichtlich herbeigeführten Unfall ihrer Mutter wie durch ein Wunder überlebt. Gemeinsam kämpfen sie in einer Hütte im Wald ums Überleben.

Sie ernähren sich von Pilzen und Tannennadeln, scheuen sich auch nicht, eine tote Amsel zu kochen. Miriam erhält darüber hinaus mit einer weiter und weiter erzählten Geschichte den Lebensmut ihres schwer kranken Bruder Elias aufrecht. Heinrich Steinfest erklärt, wie eine Geschichte funktioniert, was es braucht, um sie spannend und anschaulich werden zu lassen. All das muss in seinem Buch das Mädchen als Geschichtenerzählerin für ihren Bruder leisten. Wieder einmal geht Heinrich Steinfests Fabulierlust mit ihm durch.

Ich weiß, dass der Autor mühelos zwischen dem Krimi- und dem Sience-Fiction-Genre zu wechseln vermag. Daher wundere ich mich nicht über die Beschreibung einer Welt mit zwei Monden am Himmel, in der Erwachsene und Kinder auf unerklärliche Weise getrennt werden. Miriam erzählt ihrem Bruder von der wundersamen Rettung einer Truppe buchhalterisch begabter Außerirdischer, von „Spinks“, Higgs-Teilchen und einem bemitleidenswerten Drachen, der angekettet in einem Vulkan lebt. Sie weiß sehr wohl, welche Faszination Drachen auf ihren sechsjährigen Bruder ausüben.

Wir werden an diesem Abend nicht nur mit in Auszügen mit einer spannenden Geschichte unterhalten sondern erfahren ganz nebenbei was es braucht, eine spannende Geschichte zu erzählen.

Der neue Roman von Heinrich Steinfest „Der Allesforscher“ erscheint am 10. März 2014. Am selben Tag wird es mit einer Lesung und im Gespräch mit Denis Scheck im Literaturhaus Stuttgart vorgestellt. In der GEDOK las Heinrich Steinfest einen kurzen Text daraus vor und erweckte meine Neugierde.

Entwürfe von Eva Zippel für die Firma Schleich

Entwürfe von Eva Zippel für die Firma Schleich

Es ist angestiftet!

11.02.2014 at 22:30
© Gerald Gunzenhäuser

© Gerald Gunzenhäuser

Die Anstifter richteten ihren traditionellen Neujahrsempfang wie auch in den letzten Jahren im Kulturzentrum Merlin aus. Ebenfalls eine Tradition: die wunderbare, scharfe, hinterindische Linsensuppe mit frischem Koriander.

Es war mir eine große Ehre, von Peter Grohmann gebeten worden zu sein, einen Text von B. Traven zu lesen. Der Roman „Die weiße Rose“ wurde 1929 zum ersten Mal veröffentlicht und beschreibt mit bedrückender Aktualität das Vorgehen der amerikanischen Ölkonzerne in Mexiko in den zwanziger Jahren. Die peruanische Musikerin Yingrid untermalte mit Klaviermusik meine Lesung einiger prägnanter Ausschnitte aus diesem Roman.

Schon die ersten Sätze ziehen den Leser in die Geschichte hinein. Es sind Sätze, nach denen Romanschriftsteller lange suchen und die wir Leser so sehr lieben:

Die Condor Oil Company war unter den amerikanischen Ölkompanien, die ihre Unternehmungen auf Mexiko ausgedehnt hatten, durchaus nicht die mächtigste.
Aber sie hatte den stärksten Appetit.

© Herbert Grammatikopoulos

© Herbert Grammatikopoulos

Es ist die Geschichte eines Interessenskonflikts. Auf der einen Seite die rücksichtslose Ausbeutung der Erde durch die Ölkonzerne, um an Rohstoffe zu kommen auf der anderen Seite der Indio Jacinto Yañez, der die Ländereien der Hacienda als Erbe, als Gabe ansieht und die Verantwortung für zukünftige Generation übernimmt, die ebenfalls von den Früchten der Erde leben müssen.

Die Ausbeutung der Erde geht weiter. Immer noch werden Kriege um Rohstoffe geführt. Selbst die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen werden in den Blick genommen. Nicht für die dort lebende Bevölkerung sondern für z. B. Reisanbau der Chinesen oder zur Erzeugung von Lebensmittel für die Produktion von Biokraftstoff. „Landgrabbing“ ist ein fast harmloses Wort für diese brutale Aneignung fremden, fruchtbaren Bodens.

Peter Grohmann fächerte in seinen anschließenden Reden die vielfältigen Themen auf, bei denen sich Anstifter engagieren. Angefangen bei der Ausgrenzung von Minderheiten über die Bekämpfung von Rechtsradikalismus, Erinnerungskultur an die Verbrechen des Nazi-Regimes bis hin zur Unterstützung von Initiativen, die durch unseren Friedenspreis ausgezeichnet werden, der alljährlich verliehen wird. Der letzte ging an ein ganzes Dorf: Sant’Anna di Stazzema. Ich berichtete darüber. Ich wünsche uns Anstiftern weiterhin einen langen Atem und den unbändigen Humor von Peter, mit dem er den oft schwierigen Verhältnissen begegnet.