Auf der Suche nach einer sicheren Stadt …

20.05.2014 at 13:25

snowden
… ist Edward Snowden, dessen Asyl in Russland bald abläuft. Unsere Kanzlererin will es sich mit den Amerikanern nicht verscherzen.

nsa

Einen sehr interessanten Beitrag hat Sigmar Gabriel in der F.A.Z. zur Google-Debatte veröffentlicht. Es besteht die Hoffnung, dass der SPD-Chef seine Denkrichtung ändert gemäß dem Motto von Francis Picabia: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“.

Als er im Juli 2013 in ebendieser Zeitung die Machenschaften der westlichen Geheimdienste gebrandmarkt hatte, wurde er noch von der Kanzlerin durch ihren Regierungssprecher mit den Worten „Das Vorgehen des SPD-Vorsitzenden sei angesichts berechtigter Sorgen vieler Menschen um den Schutz ihrer Privatsphäre zynisch“ zurückgepfiffen. Aber damals saßen sie ja auch noch nicht auf der gleichen Regierungsbank.

Gedanken aus Amerika

10.05.2014 at 17:38

lit_diskussion

Am 7. Mai veranstaltete das Literaturhaus einen Diskussionsabend mit dem Schriftsteller Jonathan Lethem und Ronald Grigor Suny, Leiter des Eisenberg Institude of Historical Studies an der Universität of Michigan. Beide, der Schriftsteller und der Historiker, sind derzeit Fellow an der American Academy in Berlin.

helmut_mooshammer

 

 

Jonathan Lethem hat gerade mit seinem neunten Roman Der Garten der Dissidenten einen interessanten Beitrag zur sowohl jüdischen als auch politischen Familienbiografie vorgelegt. Er blättert darin die linke Gegenkultur im 20. Jahrhundert aus der Perspektive einer jüdischen Familie über drei Generationen hinweg auf, begleitet seine Protagonisten über acht Jahrzehnte. Bevor die beiden in die Diskussion einstiegen, las der Schauspieler Helmuth Mooshammer vom Deutschen Theater in Berlin ausdruckstark einen Auszug aus dem Roman.jonathan_lethem

Beide diskutieren an diesem Abend den Moment, in welchem politischen Idealismus mit persönlichen Träumen und Enttäuschungen kollidieren. Sie stellen die Frage, ob Individuen in diesem Spannungsfeld in der Lage sind, ihren Traum von einer besseren Welt zu realisieren.
Eine Diskussion zwischen zwei wortgewaltigen Intellektuellen, die an diesem Abend auf hohem Niveau von der Konferenzdolmetscherin Johanna Roose-Stähle übersetzt wurde.

Underground – Ein Kunstprojekt

08.05.2014 at 22:29

undergound

Der Kontur Kunstverein Stuttgart e. V. hat eine beachtenswerte Ausstellung in den Bunkeranlagen des Fort Schoenenbourg in Zusammenarbeit mit der Association des Amis de la Linge Maginot d’Alsace, dem Verein Kunsthalle Wil und dem Centre Européen d’Action Artistiques Contemporaires zusammengestellt. Die Vernissage fand am 1. Mai 2014 statt. Dieser Ort, den sich Kontur Stuttgart für seine Ausstellung mit Werken internationaler Künstler ausgesucht hat, passt perfekt zum Thema:

Unter einem Buchenwald versteckt sich – als Teil der Maginot-Linie – in bis zu 30 Metern Tiefe eine riesige Bunkeranlage, mit der sich Frankreich im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland verteidigte. Schon der Besuch dieser Bunkeranlage vermittelt einen bedrückenden Eindruck des militärischen Komplexes des 2. Weltkrieges. Dieser Ort berührt durch seine Enge, Kälte und Feuchtigkeit, seine Abschottung von der Außenwelt.

Die Ligne Maginot wurde in den dreißiger Jahren zur Abwehr der deutschen Aggression aus dem Osten errichtet, vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Ersten Weltkrieges. Genützt hat diese Verteidigungslinie nichts. Die deutschen Truppen sind einfach um sie herum gelaufen und über Belgien nach Frankreich eingefallen.

Marc Halter, Dr. Raimund Menges

Marc Halter, Dr. Raimund Menges

Zur Eröffnung sprachen unter anderem der Präsident der Association des Amis de la Ligne Maginot d’Alsace und der Vorsitzende des Vereins Kontur, Dr. Raimund Menges.

Die Anstifter zusammen mit dem Bündnis „Die Waffen nieder! Jetzt!“, das Stuttgarter Netzwerk „100 Jahre Erster Weltkrieg“, organisieren bis Ende September monatliche Exkursionen zur Ausstellung in die Bunkeranlage. Die erste Exkursion findet am Samstag, den 31. Mai, statt.

100 Jahre Ausbruch 1. Weltkrieg, 75 Jahre Ausbruch 2. Weltkrieg. Zeit, der Ursache von Krieg auf die Spur zu kommen. Die beteiligten Künstler versuchen es auf ihre Weise. Arbeiten von vierunddreißig Künstlern sind in der weit verzweigten Bunkeranlage ausgestellt und sie berühren in dieser Umgebung viel stärker als es in einer normalen Galerie.
Drei Kunstwerke möchte ich, stellvertretend für die ausgestellten Arbeiten, vorstellen.

Glaser/Glunz "Aton & Amen"

Glaser/Glunz
„Aton & Amen“

Aton und Amen: Zwei Flüchtlinge ihren Öljacken. Sind es Bootsflüchtlinge, sind es Obdachlose? Sie sitzen auf großen Plastiktüren und unterhalten sich. Daniel Glaser und Magdalena Kunz haben eine besondere Form der animierten Plastik entwickelt: Auf den Gesichtern ist die Videoprojektion aufgebracht. Die beiden Figuren unterhalten sich. Aton, eine altägyptische Gottheit, die in ihrer Erscheinung als Sonnenscheibe verehrt wurde und Amen, das in der Bibel so viel wie „so sei es“ bedeutet.

Rainer Ganahl zeigt eine Gasmasken-Marmorskulptur. Das nebenstehende Schild verweist auf Fritz Haber, der Senfgas entwickelte.

Rainer Ganahl "DADALENIN HABER C. IMMERWAHR"

Rainer Ganahl
„DADALENIN HABER C. IMMERWAHR“

Es wurde als fürchterliche Waffe im ersten Weltkrieg eingesetzt. Die Zahl der Toten durch diese Waffe erreichte die 100.000, eine halbe Millionen wurde verletzt. Habers Frau Clara Immerwahr, ebenfalls Chemikerin und eine engagierte Frauenrechtlerin wie Kriegsgegnerin, protestierte gegen die Arbeit ihres Mannes und wählte 1915 den Freitod, wenige Tage nach dem ersten Einsatz des Gases.

Auf der Stirnwand eines mit Wasser gefüllten Bassins, ein Löschwasser-Reservoir, tauchen als Projektion die Köpfe von Tauchern auf. Die Köpfe schließen mit der Wasseroberfläche ab, so dass der Eindruck entsteht, die Personen würden aus dem realen Wasser auftauchen. Die glucksenden Geräusche unterstreichen die Illusion:

Anna Anders "Submarines"

Anna Anders
„Submarines“

Wenn die Taucher auftauchen ohne dass das Wasser auch nur eine Welle schlägt, stockt dem Betrachter der Atem.

Kunstwerke im Bunker, dreißig Meter unter der Erde. Sie bringen Erkenntnisse an die Oberfläche.

 

Manchmal antworten Philosophen kurz …

07.05.2014 at 8:45

adorno

Stadtbeherrschende Tätigkeiten

06.05.2014 at 17:46

bagger_wuetenDerzeit gibt es zwei stadtbeherrschende Tätigkeiten: Abriss und Baumfällen.
Wo sie nicht sägen reißen sie ab. Immer im Tandem:
Stadt und Investor. Dies gesehen beim Beuninger. Ich frage mich, wie viele Einkaufzentren wollen die noch bauen?

Ja was nu?

06.05.2014 at 17:26

wurst

Beim Anblick der Schaufensterreklame frage ich mich schon: Gibt es hier nun Blumen oder Wurst?

Paul Jeute – der Neue im Schriftstellerhaus

04.05.2014 at 16:57

paul_jeute

Seit April arbeitet Paul Jeute im Schriftstellerhaus. Der aus Dresden stammende, 33jährige Autor hat ein Stipendium bekommen, das je zur Hälfte von dem Lions-Club im Literaturhaus und zur Hälfte vom Johannes-Poethen-Stipendium finanziert wird. Am 30. April stellte er sich dem Publikum im Schriftstellerhaus vor. Paul Jeute ist mehr in der Realität unterwegs als im Internet. Die Einträge sind überschaubar, mal tritt er unter seinem richtigen Namen auf, mal unter einem Pseudonym, Micul Dejun, was so viel wie Frühstück auf Rumänisch heißt. Rumänien ist ein von ihm immer wieder bereistes Land, längere Aufenthalte haben ihn wohl zur Wahl dieses Namens veranlasst. Auch sein Studium der Kunstgeschichte absolvierte er an vielen Städten: Dresden, Halle, Prag und wieder Rumänien, in Sibiu, früher Hermannstadt. Der Protagonist seines Textes, ein Zimmermann, ist ebenfalls auf der Walz in Osteuropa. Sein Text changiert von der personalen Perspektive des Protagonisten zur Ich-Perspektive. „Man sagt, so schön wie Beton“ ist ein direkter Text, der unverblümt ausspricht, was Sache ist, in einer Sprache der nichtsesshaften Menschen. Viele Zuhörer hatten sich an diesem Abend ins Schriftstellerhaus eingefunden, um dem neuen Stipendiaten zuzuhören.