Familienaufstellung nach Hellinger

21.04.2014 at 18:40

hellinger

Seit Jahren wird diese Form der Therapie genutzt, um ungeklärte Konflikte, die ihren Ursprung in der Herkunftsfamilie haben, zu lösen. Der Proband stellt seine Familie mit Personen aus der Therapiegruppe. Wenn es richtig gestellt ist, spüren sich die Teilnehmer in die Rolle der Mutter, des Vaters, der Geschwister ein. Auch in verstorbene Personen wir sich eingefühlt und es wird versucht, gemeinsam mit dem Stellenden das Problem zu ergründen. Erstaunlich, wie genau die Teilnehmer sich in die von ihnen verkörperten Personen einfühlen können.

Einen revolutionär neuen Ansatz entwickelte die Diplom Psychologin Herta Stein: sie nimmt zur „Aufstellung“ unbehauene Steine. Der Proband versucht, die völlig unregelmäßigen Steine trotz schwieriger geometrischer Formen zu stellen. Wenn alle „Stein-Familienmitglieder aufgestellt sind, kommt es zu einer Interpretation. Dabei fühlt sich der Proband nun in diese Stellung der Steine ein, wie sie zueinander gedreht sind und welche Beziehung sie zueinander haben. Dabei hat die Fragilität der Aufstellung aufgrund der unebenen Standflächen die entscheidende Interpretationshoheit.

Kurse in Familienstellen nach Herta Stein gibt es regelmäßig im esoterischen Zentrum Altmühle (EZA) im Neumühlental. Anfrage nimmt gerne der Betreiber dieses Blogs entgegen, Kontaktdaten siehe Impressum.

Zynismus in der Politik

21.04.2014 at 18:39

grueneDer Zynismus und die politische Satire waren bis vor kurzem vor allem dem engagierten Kabarett vorbehalten. Eine Realsatire der besonderen Art betreibt die Partei „Die Grünen“ im Kommunalwahlkampf in Stuttgart. Wir erinnern uns: jahrelang kämpfte ein nicht unerheblicher Teil der Stuttgarter Bürger für den Erhalt des Kopfbahnhofes und damit verbunden für den Erhalt des Schlossparks, die grüne Lunge der Innenstadt. Die Bürger schlossen sich als Parkschützer zusammen, um die Pläne der Deutschen Bahn zur Abholzung der teils über 100 Jahre alten Bäume zu verhindern. Auch die Grünen haben diesen Protest befeuert und mitgetragen. Doch seit sie an die Macht gekommen sind, haben sie sich von der Verhinderung des Projektes verabschiedet. Wichtiger wurde für sie, die Schalthebel der Macht zusammen mit der SPD zu erhalten. Das ging nur, indem sie sich mit dieser Befürworterpartei des Tunnelbahnhofes verständigten, eine Volksabstimmung durchführten, die nicht zu gewinnen war. Es war bekannt, dass Baden Württemberg tiefschwarz ist (die Bundestagswahlen haben es deutliche gemacht, die CDU hat alle Direktmandate gewonnen), dass die CDU diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen konnte, der neuen Landesregierung eine Retourkutsche zu bescheren. Ganz ähnlich wie die Rechte in Frankreich gegen das Gleichstellungsgesetz der Sozialisten massiv mobilisierten, erstes Gesetz, erster Widerstand. All das hätten die Grünen wissen müssen und wussten es auch, haben die engagierten Bürger ins offene Messer laufen lassen.

Ihre Wahlplakate, die einen alten Baum zeigen, sind ein Schlag ins Gesicht all der Bürger, die sie in der Bewegung gegen Stuttgart 21 unterstützt haben und all derer, die unter Feinstaub in Stuttgart leiden. Zur Beseitigung dieses Problems haben die Grünen bislang keine effektiven Konzepte durchgesetzt. Die Grünen werden bei den Kommunalwahlen in Stuttgart nicht an die guten Wahlergebnisse der Vergangenheit anknüpfen können.

Es gibt eine Liste, deren Mitglieder sich nicht haben einspannen lassen und weiter gegen das Bahnprojekt opponieren: SÖS. Peter Dübbers, Dr. Annette Ohme-Reinicke, Guntrun Müller-Ensslin und viele andere bekannte Aktivistinnen und Aktivisten stehen zur Wahl.

Frühling ist da …

21.04.2014 at 14:09

verknallt

Die Neumühle – Eine Oase der Ruhe

17.04.2014 at 11:14
Europäisches Zentrum für Meditation und Begegnung

Europäisches Zentrum für Meditation und Begegnung

 

Im westlichsten Zipfel des Saarlandes liegt das europäische Zentrum für Meditation „Die Neumühle“. Gegründet Anfang der achtziger Jahre, bietet sie Kurse und Seminare für interreligiöse Erfahrungen und Meditation an.

Der Mühlbach rauscht vorbei, ein Wasserfall lädt zum Verweilen ein, der Mühlensee verströmt Ruhe und Gelassenheit. Die Köchin bereitet leckere vegetarische Speisen zu, die den Meditierenden stärken.

v. o. n. u.: Der Mühlbach, Wirtschaftsgebäude und Mühlenhaus (i. Vordergrund), Michael von Brück mit Eleonore Gottfried-Massa

v. o. n. u.: Der Mühlbach, Wirtschaftsgebäude und Mühlenhaus (i. Vordergrund), Michael von Brück mit Eleonore Gottfried-Massa

Viermal im Jahr bietet Prof. Dr. Michael von Brück einwöchige Kurse in Zazen und Yoga an. Striktes Schweigen und klösterliche Zeiteinteilung bringen den Meditierenden zu tiefen Erfahrungen. Der erfahrene Zen-Lehrer Michael von Brück begleitet die Kursteilnehmer durch kurze Einzelgespräche (3-5 Minuten), sogenannte Dokusans, um Probleme in den Blick zu nehmen. Seine humorvolle, heitere Art hilft den Teilnehmern, auch schwierige Phasen des Sesshins zu durchleben.
Überhaupt erstrahlt die heitere Seite dieser gemeinsamen Woche der Meditation, wenn die Teilnehmer in der Abschlussrunde über ihre Eindrücke während dieser intensiven Phase des Schweigens und Meditierens berichten. Viele kommen seit Jahren an diesen außergewöhnlichen Ort.

Eleonore Gottfried-Massa feierte letztes Jahr ihren 75. Geburtstag und ist nach wie vor Leiterin und organisatorischer Mittelpunkt der Neumühle.

Ich hoffe, noch lange kommt die geschwätzige Welt an diesem Ort zur Ruhe, lässt Raum dem Rauschen des Mühlbaches, der die Gedanken der Meditierenden trägt.

Die Neumühle
Europäisches Zentrum für Meditation und Begegnung
66693 Mettlach-Tünsdorf
Telefon            (0 68 68) 91 03 – 0
Telefax            (0 68 68) 91 03 – 91
E-Mail              info@meditation-saar.de

Ahoj dobrý večer Stuttgart!

10.04.2014 at 16:29
Jaroslav Rudiš, Dr. Zuzana Jürgens

Jaroslav Rudiš, Dr. Zuzana Jürgens

Er ist wieder da, mit seinem neuen Roman Vom Ende des Punks in Helsinki: Jaroslav Rudiš. Am 8. April las er auf Einladung des Schriftstellerhauses und der Stadtbibliothek im Café LesBar. In ihrer Begrüßungsansprache unterstrich Meike Jung von der Stadtbibliothek, dass, laut Wikipedia, Jaroslav Rudiš 2007 gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft in die Reihe der dreißig wichtigsten Persönlichkeiten Tschechiens gewählt wurde. Bescheiden wie er ist, entgegnete Jaroslav, die Tschechien sei ein kleines Land. Da schimmerte sein Humor zum ersten Mal auf, an dem er an diesem Abend seine Zuhörerschaft in den Bann schlug.

Ahoj dobrý večer – Hallo, guten Abend, so begrüßte er sein Publikum und man spürte, er fühlte sich wohl hier auf der Bühne, in dieser Stadt, in der er Ende letzten Jahres für drei Monate als Stipendiat im Schriftstellerhaus weilte. Meike Jung hatte aus ihrem Plattenschrank eine Platte der Toten Hosen mitgebracht, die Jaroslav hocherfreut auf der Bühne drappierte, spielt doch diese Platte eine wichtige Rolle in seinem jüngsten Roman. Punk ist nicht nur in seinem Roman ein wichtiges Thema. Jaroslav spielt mit seinem Freund Jaromir99 in einer Band mit Punk-Wurzeln. Mit der Vertonung der Kafka-Erzählung „Das Schloss“ trat er schon im Literaturhaus auf, ich berichtete drüber.

Romane, Musikprojekte, Filmdrehbücher, Theaterstücke. Es scheint als wechsle dieser Künstler seine  Schwerpunkte wie das Schlabber-T-Shirt mit seinem Anzug. Dabei sind die Romanprojekte eindeutig sein Schwerpunkt. Fünf Romane hat er seit 2002 vorgelegt und sich nicht nur in die Herzen der Tschechen geschrieben sondern eine Leserschaft in ganz Europa begeistert. Warum ausgerechnet sein Helsinki-Roman in Finnland ein Flop war, kann weder er sich erklären noch die schöne finnische Lektorin, die ihm gesagt hatte, nach der Lektüre nur einer Seite: „Das machen wir auf Finnisch“. Sie sei leider nicht mehr im Verlagswesen, fügte er traurig an.

Ganz und gar kein Flop seien die vielen Auszeichnungen, die Jaroslav erhalten hat, wie die Moderatorin Dr. Zuzana Jürgens ausführte. Als letzte Auszeichnung erhält Jaroslav am kommenden Sonntag den Usedomer Literaturpreis, der neben dem Preisgeld von 5.000 € mit einem einmonatigen Arbeitsaufenthalt auf der Insel Usedom dotiert ist, bei freier Kost und Logis.

Zur Lesung aus seinem Roman stand er auf, klemmte sich wie ein Sänger hinter das Mikrofon und las Passagen in klarer, direkter Sprache aus seinem Roman. Der ausladende Roman ist nicht nur inhaltlich auf unterschiedlichen Ebenen angelegt, auch optisch sind diese Ebenen voneinander unterscheidbar durch Schriftbild und Papierfarbe getrennt. Auf grauem Papier breitet die Punkerin Nancy ihre Jugend aus, als sie, von der sozialistischen Gesellschaft verachtet, um ihren Stolz als Punkerin kämpft.

Jaroslav Rudiš mit seinem neuen RomanDer unschmelzbare Kern des Romans ist ein grotesk anmutendes Konzert, das am 15. September 1987 in Pilsen für den Erhalt des damals so fragilen Weltfriedens veranstaltet wurde. Disco in Moskau ist der Tote-Hosen-Song auf dem Konzert, der zur Hymne wird. Neben den Toten Hosen als Götter der tschechischen Punks traten tschechische Showstars mit umgehängten Keyboards auf, wurden gnadenlos ausgebuht. Hier treffen auch Ohle, heute Betreiber der Kneipe Helsinki, und Nancy aufeinander. Boy meets Girl im Punkgewand, zwei Jahre vor dem für so unvorstellbar gehaltenen großen Sprung über die Zeitmauer: Zwischen Ole aus Leipzig und Nancy aus dem tschechischen Altvatergebirge entwickelt sich eine Amour fou, die, so schnell sie zu lodern begonnen hat, an der eisenharten Realität scheitert. Ein Vierteljahrhundert später beobachten wir, wie der Kneipenwirt die Gespenster seiner Vergangenheit klein hält, wie er seinen tristen Alltag bewältigt und wie er den untergründigen Bedrohungen seines selbst gewählten Einsamkeits-Daseins zu entrinnen versucht.

Durch diese von Schuld und Liebe geprägte Geschichte führte uns Jaroslav Rudiš  mit seiner Lesung. Auch wir gingen mit ihm, wie sein Protagonist Ole, im Anschluss in die Kneipe, um die Schwärze der Nacht mit ein paar Bieren zu vertreiben.

Vom Ende des Punks in Helsinki
Aus dem Tschechischen von Eva Profousová
Deutsche Erstausgabe. Erschienen im Luchterhand Literaturverlag
Paperback, Klappenbroschur, 352 Seiten. Preis: 14,99 €
zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens.

Wo die Neurosen wuchern will ich Landschaftsgärtner sein

08.04.2014 at 10:13

A. nahm eine scharfe Klinge zur Hand und schnitt ein Stück Isolierfolie entlang der Betonwand ab, die über das Beet hinausragte und als noppiges Etwas sein ästhetisches Empfinden störte. Er könne diese Landschaftspornografie nicht ertragen, kommentierte er sein Tun. Ein Song der Gruppe Element of Crime aus dem Jahr 2005 begann in meinem Kopf zu klingen. Ich widme diesen wundervollen Song A., der den Begriff „Landschaftspornografie“ prägte.

Gefahr riecht nie nach Tränen

28.03.2014 at 17:16

sasa_stanisic

Saša Stanišić gewann am 13. März den renommierten Leipziger Belletristik-Preis und las am 24. März 2014 im Literaturhaus Stuttgart. Uwe Kossak zeigte sich begeistert: „So viele Preisträger haben in diesem Saal schon gelesen“, womit er dem Haus einen guten Riecher für gehobene Literatur bescheinigte.

Vor dem Fest ist Stanišics zweiter Roman. Schon mit seinem Erstling: Wie der Soldat das Grammofon repariert, hatte er international Erfolg. Konzentrierte er sich in seinem letzten Roman auf seine Heimat, er wurde 1978 in Višegrad, Bosnien/Herzegowina, geboren, löst er sich in seinem neuen Werk ganz von dieser Region. Er erzählt von einem Dorf in der Uckermark, erzählt aus wechselnden Perspektiven mit wechselnden Erzählstimmen von der Nacht vor dem Annenfest. Er begibt sich in die Tiefe der Zeit und beschreibt anhand alter Überlieferungen Dorfgeschichte bis ins 16. Jahrhundert: das aber gleichfalls fiktiv, mitunter als Parodie, in altem Sprachsound. Das Dorf als Kollektiv spricht in Wir-Form, eine Kunstsprache, an der Stanišić lange herumgefeilt hat.

Saša Stanišić erzählt, dass er sich ein Dorf sprachlich erschaffen wollte, wie andere Häuser bauen. Bevor er in ein reales Dorf fuhr, hatte er es bereits in seiner Fantasie hergestellt, die Topologie festgelegt, wusste, dass es einen Weg zärtlich zwischen zwei Seen geben würde. Eine Freundin brachte ihn auf das Dorf Fürstenwerder in der Feldberger Seenlandschaft. Vieles, was er dort vorfand, hatte er längst zu Papier gebracht. So verband er bei seinem langen Aufenthalt dort die Realität mit seiner Fiktion, vergrub sich in die Dorfchronik, fragte die Bewohner nach ihren Geschichten und rang der Realität die Ingredienzien seines Romans ab.

Er erzählt von einer nachtblinden Malerin, die das Dorf bei Nacht malen möchte, von einem früheren Offizier der Nationalen Volksarmee, der den Zigarettenautomaten erschießt und von dem ehemaligen Briefträger Dietmar Dietz, von allen nur Ditsche genannt. Er war früher Briefträger und von allen als Spitzel verachtet. Heute hegt er sechzehn Hühner und bietet jeden Tag den Dorfbewohnern 10 Eier für unglaubliche 2 Euro an, präsentiert in einer rosa Box an der Pforte seiners Grundstücks. Von den Eiern angezogen wird auch eine Fähe, die im Dorf Futter für ihre Jungen sucht. Eine Passage aus der Sicht eben dieser Füchsin liest Saša Stanišić an diesem Abend Es wird seine ihm zur Verfügung stehende sprachliche Bandbreite deutlich mit der er uns in diese Geschichte zieht. Und er erzählt von der jahrhundertlangen Vergangenheit des Dorfes. Mit all seinen Geschichten, Mythen und Märchen, er erzählt von Menschen, ihren Schicksalen und Träumen. Der Text hat eine Lebendigkeit und Biegsamkeit, die einen verzaubert.

Vor dem Fest
320 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Luchterhand, Preis: 19,99 €
zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens