Liebste(r) Marie(enplatz)

02.10.2013 at 13:55

marienplatzEine Liebe aus der Jugendzeit verbindet mich mit Marie, genauer Eva-Marie. Damals nicht erwidert, schenkt mir heute der Platz seine Zuneigung.

In Stuttgart entwickelt sich der Marienplatz immer mehr zu einem Anziehungspunkt für Nachtschwärmer und Erlebnishungrige. Apropos Hunger:

Jaroslav Rudiš – Zu Gast im Schriftstellerhaus

26.09.2013 at 20:13

Jaroslav RudišJaroslav Rudiš ist derzeit als Stipendiat im Schrifstellerhaus.  Er ist der „Jubiläumsstipendiat“ des Hauses, das bekanntlich im September sein 30jähriges Jubiläum feierte.  Jaroslav Rudiš hat Anfang September die Wohnung im 3. Stock bezogen und wird bis Ende November in Stuttgart bleiben. Gestern las er in der Kulturgemeinschaft Stuttgart aus seinen Werken. Astrid Braun, Geschäftsführerin des Schriftstellerhauses, sprach mit ihm über seine Werke, bevor er aus dem Roman „Die Stille in Prag“ las. Dieser 2012 in deutscher Übersetzung erschienene Roman beschreibt das Leben seiner Protagonisten in kurzen Episoden, die durch das Straßenbahnnetz verbunden sind. Jaroslav Rudiš las einen Ausschnitt von Petr, der mit seiner Hündin Malmö im Cockpit von Straßenbahnen durch Prag fährt und dabei als romantischer Loser von der großen Liebe träumt.

Jaroslav Rudiš ist nicht nur ein Romanschriftsteller. Er arbeitet als Hörspielautor, schreibt Theaterstücke und Kinodrehbücher. Er lebt und arbeitet zwischen Tschechien und Deutschland.

Zusammen mit Jaromír »Jaromir 99« Švejdík hat er die auf drei Bände ausgelegte Graphic Novel um den Fahrdienstleiter Alois Nebel gestaltet. Er sagt über diese Arbeit: „Als wir um die Jahrtausendwende mit Alois Nebel anfingen, war das Punk.“
Punk, das sind die Wurzeln seines Freundes Jaromír, der in Tschechien ein bekannter Rock-Musiker ist. Den ersten Teil haben die beiden bereits verfilmt und sind damit auf vielen Festivals vertreten. Im Dezember kommt der Film auch in die deutschen Kinos. Die „Zeit“ hat einen umfangreichen Artikel über die Gegend geschrieben, in der die Geschichte spielt.

All das erzählt er in sympathischem Plauderton und man möchte ihm noch manche Stunde zuhören. Es wird Gelegenheit dazu sein!

Am 8. November ist er zusammen mit Jaromier99 im Literaturhaus Stuttgart, um die Ausstellung rund um das Werk von Kafka zu eröffnen: K: KafKa in KomiKs. Beginn 21 Uhr.

Ein Buch im Elsternest

24.09.2013 at 18:00

Zen-MediationGerhard Breidenstein ist seit über zwanzig Jahren auf dem Zen Weg. Seine Erfahrungen während der Zen-Sesshins, die er regelmäßig besucht hat, hielt er im Tagebuch fest. Er nimmt den Leser mit auf diesen Weg, den er mit einer Hochgebirgstour vergleicht, wie es schon im Titel aufscheint. Der Titel ist gut gewählt, damit fängt die Schwierigkeit auch schon an: Wer, der im bequemen Sessel sitzt, will sich den Mühen einer Tour im Hochgebirge aussetzen? Kann ich mit dem Versprechen eines wunderbaren Ausblicks diese Menschen motivieren? Ich denke nicht. Zumal in diesem Buch die Schwere der Leichtigkeit überwiegt. Die heiteren Seiten der großen Zen-Lehrer erlangt der Schüler auf dem Sitzkissen eben mal nicht so en passant. Es ist eine anstrenge Reise, auf die uns Gerhard Breidenstein mitnimmt. Das Buch ist eher für Menschen geeignet, die sich auf dem Weg befinden. Ich selber habe mich vor Jahren ebenfalls auf diesen Weg begeben und ich fand viele Stellen in dem Buch, die meine eigenen Erfahrungen widerspiegeln.

Ich bewundere den Mut des Autors, den Leser in seine Tagebücher blicken zu lassen, wenn auch nur in Auszügen. Dabei hat er diese Auszüge nicht chronologisch veröffentlicht sondern geordnet nach Themen. Das erscheint manchmal ein wenig sprunghaft. Es zeig aber immer wieder das Ringen, den Weg weiter zu gehen. Dabei scheut er auch nicht davor zurück, den Leser an persönlichen Abstürzen teilhaben zu lassen.

Das Vorwort hat der bekannte Zen-Lehrer und Professor für Religionswissenschaft, Michael von Brück, geschrieben. Wenn man ihn in einem Sesshin erlebt hat, bekommt man einen Eindruck von dem Ausblick vom Gipfel: Staunend erlebt man ihn, heiter und gelassen. Es wird auf dem Weg eben nicht nur geschwitzt sondern auch herzhaft gelacht.

Michael von Brück ist einer der Zen-Lehrer des Autors. Er hat evangelische Theologie studiert und in langen Aufenthalten in Indien und Südostasien den Buddhismus und den Hinduismus studiert. Der andere, Pater Johannes Kopp, kommt ebenfalls aus dem christlichen Umfeld. So ist dieses Buch auch eine Auseinandersetzung eines christlichen Menschen mit der spirituellen Praxis eines ganz anderen Kulturkreises. Diese Annäherung ist spannend zu lesen.

Noch ein Wort zum Verlag: Das Buch ist im Print-on-Demand Verfahren hergestellt. Gedruckt wird es über TAO.de. Diese Bücher halten die Buchhandlungen in der Regel nicht vor. Der Buchhändler kann es natürlich bestellen. Eine Verbreitung in Kreisen von Menschen auf dem Zen-Weg ist ihm zu wünschen. Einen Einblick in das Buch gibt es hier:
http://www.tao.de/emaillander?books/ID11710/Zen-Meditation—eine-Hochgebirgstour

Der Autor betreibt eine Homepage unter folgender Adresse:
http://www.auf-dem-zen-weg.de

Folkmusik von den Inseln

22.09.2013 at 14:44

galao01Von tiefer Melancholie geprägt ist die Musik der vier Jungs von den Färöer-Inseln. Zu erleben letzten Samstag im Café Galào. Knapp 50.000 Menschen leben auf diesen Dänischen Inseln, viele leben vom Fischfang, manche wie die Musiker um den Gitarristen Marius Ziska von der Musik. Ihre Musik schwebt, immer am emotionalen Abgrund entlang. Mir gefällt’s. Und dem Publikum im Galào offensichtlich auch, das Café war brechend voll und die Band kam erst nach einigen Zugaben von der Bühne.

Das Schriftstellerhaus wird 30 Jahre alt

20.09.2013 at 10:42

30jahre_schriftstellerhaus
Das Schriftstellerhaus feierte sein 30jähriges Bestehen im Max-Bense-Forum. Zugegeben, dieser Raum in Keller der Stadtbibliothek ist nicht gerade einladend und strahlt den Charme einer Kommandozentrale aus. Das schreckte die Freunde des Stuttgarter Schriftstellerhauses nicht ab, den Mitbegründer, Helmuth Pfisterer, gebührend zu feiern. Helmuth Pfisterer, der wortgewandte Dichter in schwäbischer Mundart, verstarb 2010. Er hinterließ einen unveröffentlichten Text, den das Schriftstellerhaus nun zu seinem 30jährigen Jubiläum in der Edition Kanalstraße 4 veröffentlicht hat.

Irene Ferchl, die Vorsitzende des Vereins, sprach die Eingangsworte. Titus Häussermann, Verleger der Schriften von Helmuth Pfisterer, ließ Stationen des Lebens des Schriftstellers aufleuchten, beschrieb den Dichter als liebenswert-dickschädlig, ein schwäbisches Urgestein.

jubiläumsbuchSigne Sellke und Gilbert Fels haben den nachgelassenen Text „Der Pascha sitzt in seinem Ausguck und schaut ein Plätzchen“ editiert und lasen Ausschnitte daraus. Das Langgedicht beschreibt präzise den Platz vor der Pauluskirche, nimmt die Kirchgänger in den lyrischen Blick und philosophiert über das Gesehene. Das alles, nicht wie bei Pfisterer üblich in Mundart, sondern in Hochdeutsch.

Musikalisch untermalten den Abend Katharina Wibmer (Geige) und Frank Eisele (Akkordeon). Helmut Pfisterer hatte oft bei seinen Lesungen auf die Musik der beiden zurück gegriffen.

A Dieu!

16.09.2013 at 18:00

wilhelmspalaisAm Sonntag in den frühen Morgenstunden ging eine wunderbare Zeit zu Ende. Das Wilhelmspalais konnte über 15 Monate für Konzerte, Ausstellungen und Tanzpartys genutzt werden. Ermöglicht haben das die die Stadt Stuttgart und die Betreiber der Wagenhallen. Sie hatten an die Stadt geschrieben und angeboten, in der ehemaligen Stadtbücherei Veranstaltungen auszurichten. Die Stadt gab das Gebäude zur Zwischennutzung frei.  Stefan Mellmann und sein Partner Thorsten Gutbrod präsentierten ein Programm, das es so in Stuttgart noch nicht gegeben hat. Es zeigte sich, wenn man freie Hand hat, gelingt vieles mit Leichtigkeit. Vor allem im Sommer wurden die Konzerte auf der Freitreppe zum Erlebnis vor der „Skyline“ Stuttgarts. Ich berichtetet bereits über das Konzert von Ralf Illenberger und Peter Autschbach, die zwei Hexer auf ihren akustischen Gitarren, die von den Wurzeln des Duos „Kolbe-Illenberger“ kommend, eigene Kompositionen entwickelt haben.

dralexUnvergesslich auch das Konzert von „Dr. Aleks & The Fuckers“:
eine wilde, ungezähmte Balkanpunkband. Ihre Musik ist anarchistisch im besten Sinne des Wortes, die Performance eine sexy, gypsy Balkanaction. Bei ihre Version von „Bella Ciao“ lief es mir kalt und heiß den Rücken runter. Spielfreude pur drücke sich in ihren Songs aus. Hier als Appetitanreger ein Video von ihnen.

Demnächst wird in dem ehrwürdigen Gebäude gehämmert und gemeißelt. Der Umbau für das neue Stadtmuseum beginnt. Ich wünsche mir weiterhin lebendige Kultur in Stuttgart.

Die Elster hat ihr Nest gefunden

11.09.2013 at 11:11

Nachdem ich schon lange die Seite „Lerchenflug“ betreibe, ergänze ich diese durch einen Blog. Hier wird alles gesammelt, was es mir wert erscheint, veröffentlicht zu werden.

Mit der Kamera streife ich durch die Welt und halte fest, was mir besonders ins Auge springt. Bilder verbinden sich mit Texten, Fundstücke werden ins Nest gelegt.

Ein lauer Sommerabend

14.07.2013 at 12:00

kon_13Das Konzert von Illenberger und Autschbach im Wilhelmspalais war im Gebäude geplant. Angesichts des herrlichen Wetters verlegte der Veranstalter das Konzert kurzfristig nach draußen. Eine gute Idee. In der heraufziehenden Sonnenuntergangsstimmung begannen die beiden Ausnahmegitarristen ihr Konzert, langsam fingen sie an und steigerten sich immer mehr.

Stipendiatenlesung

24.06.2013 at 17:29

Die drei mit einelesung_stipendiatenm Stipendium ausgezeichneten SchriftstellerInnen lasen im Café der Stadtbibliothek am 24. Juni 2013 aus ihren Werken.
Astrid Braun, Geschäftsführerin und Mitglied der Jury, führte die Lesenden durch kurze Präsentationen ein.

Matthias Nawrat eröffnete die Lesung mit einem Auszug aus seinem Roman „Wir zwei allein“. Dieser Roman wurde ausgezeichnet mit dem Silberschweinpreis 2012 für das beste Debüt auf der lit.Cologne und dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis 2013. Seine Sprachvirtuosität kam in dem gelesenen Auszug deutlich zum Ausdruck. Bewegungen von Zügen wurden durch rhythmisierte Wortwiederholungen sinnlich zum Ausdruck gebracht.

Gabriele Riedle las in einer lebhaften Performance aus ihrem Buch, der theatralische Vortrag fesselte. Von Astrid Braun wurde sie gelobt als Reisereporterin, die Reisen unternimmt, die nie Spaziergänge sind. Ihre Reisereportagen sind u. a. bei Geo erschienen.
Mit ungewöhnlichem Sound erzählt die Ich-Erzählerin Natalie. Sie führt einen langen inneren Monolog, der mitreißt: mal sarkastisch, mal sehnsüchtig, mit einem Humor, der aus der Verzweiflung kommt.

Albrecht Selge wagte das Experiment einer Lesung aus einem in Arbeit befindlichen Roman, den er mit finanzieller Unterstützung des Stipendiums zu beenden gedenkt. Seine lebhafte Vortragsweise bezauberte die Zuhörer.