Das Sterben der inhabergeführten Buchhandlungen geht weiter

09.11.2019 at 0:33
Buchhandlung Wagner

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Nun hat es „meine Buchhandlung in Bad Cannstatt“ getroffen. Die kleine, sympathische Buchhandlung des Herrn Wagner.
Mitte 2014 hatte Herr Stehn sich in den Ruhestand verabschiedet. 132 Jahre Buchhandel in der Bahnhofstraße ging damit zu Ende. Eine Nachfolge wurde nicht gefunden.

Anfang September ging Herr Wagner in den Ruhestand. Aus Bücher Wagner wurde OSIANDER, gleich gegenüber in der Marktstraße 33. Glücklicherweise wurde das gesamte Team übernommen, das ich von vielen Büchertischen bei Lesungen in der Stadtteilbibliothek Bad Cannstatt kenne.

„Einfach mal den Schnabel halten!“,

28.10.2019 at 12:00
Schnabel halten

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zwitschert die Lerche.
„Wieso denn det?“, keckert die Elster.

Kirchberg im Herbst

Kirchberg im Herbst

 

Rückwärtiges Samu

Rückwärtiges Samu

 

Wassermangel – Antworten

26.10.2019 at 17:24
wasserrationierung

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Ein Neuer Untersetzer

26.10.2019 at 0:26
Der Alte (rechts im Bild) begrüßt den Neuen

Der Alte (rechts im Bild) begrüßt den Neuen

 

Über eine Anzeige beim Edeka kam ich an diesen neuen Bürostuhl. Die nette Vorbesitzerin, eine ehemalige Lehrerin, gab mir den Stuhl und wünschte mir viele kreative Stunden auf dem Stuhl.

Aktion zur Lobbyparty der Autoindustrie

26.10.2019 at 0:15
Protest gegen Autogipfel

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Anlässlich des vom Handelsblatt ausgerichteten Auto-Gipfels am 25.10.19 haben rund etwa 200 Klimaaktivisten am Porsche-Museum gegen die Autoindustrie demonstriert. Das Aktionsbündnis Kesselbambule hatte unter dem Motto „Die Lobbyparty der Automobilkonzerne crashen – Klimagerechtigkeit statt Greenwashing!“ zu Blockaden des Auto-Gipfels aufgerufen.

Robin Wood unterstütz die Aktion mit seinen Kletterern

Als der Demonstrationszug vom S-Bahnhof Zuffenhausen am Porscheplatz eintrifft, klettern Umweltaktivisten der Gruppe Robin Wood auf zwei Laternenmasten, spannen ein Seil und enthüllen ein Transparent mit der Aufschrift „Saubere Autos sind eine dreckige Lüge“. Die Demonstranten kritisieren die Automobilbranche dafür, Treibhausemissionen nicht ausreichend zu reduzieren und weiterhin Autos mit hohem Ausstoß zu produzieren.

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Hader spielt Hader ist Hader

25.10.2019 at 19:34
Josef Hader

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Am 18. Oktober 2019 stand der österreichische Kabarettist mit seinem Stück „Hader spielt Hader“ wieder auf der Bühne des großen Saals des Theaterhauses. Es ist eine Quintessenz seiner letzten fünf Programme, aber trotzdem irgendwie ein neues Programm, denn authentischer geht es wahrscheinlich gar nicht mehr. Aus seinen geschlossenen Theaterabenden hat er Monologe geformt, die Josef Hader zeigen wie er ist. Die Figuren aus den verschiedenen Programmen Haders erleben auf einmal ganz andere Geschichten und Zusammenhänge werden klar, die man so vorher nie erwartet hätte. Der Kabarettist Josef Hader performt vor vollen Rängen ein Programm, das vor subtiler Bösartigkeit nur so strotzt.

Manche kommen jedes Jahr

Es kommen immer wieder Zuschauer, die behaupten, sie hätten es nach Jahren noch einmal gesehen, und es sei ein völlig anderes, neues Programm gewesen. Josef Hader sagt dagegen, er erfindet gar nichts neu, er muss das Programm nur jedes Jahr kürzen, weil es automatisch immer länger wird. Ist es Regenwurm unter den Kabarettprogrammen, der immer nachwächst, wenn man ihm die Hälfte wegschneidet?

Der Humanismus und die anständige, wohlsaturierte Mittelschicht

Hader kommt auf die Bühne, zieht einen Zettel aus der Tasche und liest dem Publikum vor, worüber er heute Abend reden will. Als erstes Thema des Abends über Humanismus, also die Epoche der Geburt des modernen europäischen Geistes. Schließlich sind die Zuschauer ja extra dafür aus ihren „Rucola-Bezirken“ in bescheidenen Geländewägen, die sonst zur Fahrt zum lokalen Weinbauer dienen, her gekommen. Sein Publikum ist zu einem guten Teil genau jene wohlstandsverwöhnte Gesellschaft, der Hader mit seinen Betrachtungen über den Humanismus immer wieder in die Rippen haut. Bei einem „bisserl biologischen Olivenöl, Trüffel und einem Flascherl Barolo aus dem Piemont“ gedeiht dann etwa diese Erkenntnis: „Humanismus ist zirka, dass ma sogt: Jo, passt!“

In keine Schublade zu stecken

Hader widersetzt sich jeder plakativen kabarettistischen Gewissheit, die aus politischer Überzeugung kommt. Er gibt den Zweifler: „Ich weiß immer weniger, wer schuld ist.“ Serben oder Kroaten? Ukrainer oder Russen? Politiker oder Rentner? Frauen oder Katzen? Er fordert „Mut zum Klischee“ und ergießt genüsslich eine Kaskade miesester Vorurteile in den Saal, steigert sich von der „österreichischen Unfreundlichkeit“ über die „tschechischen Schweinsaugen“ bis zu den Kurden, die „null Ironie haben“. Typisch deutsch? fragt er rhetorisch und antwortet: „Hitler.“ Typisch österreichisch? „Beethoven.“ Helle Begeisterung im Saal.

Zwei Stunden führt er einen Monolog, nur mal unterbrochen von einem Disput mit seinem Ton- und Lichttechniker. Das ist ganz großes Kabarett. Hader hat sich mit seinen Programmen ganz nach oben in die erste Liga der Kabarettisten gespielt.

Die neue Literaturnobelpreisträgerin in Stuttgart

20.10.2019 at 14:48
Prof. Dr. Schamma Schahadat, Olga Tokarczuk, Literaturnobelpreisträgerin, Stefan Heck (v.l.n.r.)

Prof. Dr. Schamma Schahadat, Olga Tokarczuk, Literaturnobelpreisträgerin, Stefan Heck (v.l.n.r.)

 

Olga Tokarczuk las und diskutierte am 15. Oktober 2019 im Beethovensaal der Liederhalle auf Einladung des Literaturhauses Stuttgart. Dass Stefanie Stegmann im Juni den Lesetermin mit der 57jährigen Autorin festgemacht hat, hatte nichts mit dem Literaturnobelpreis zu tun sondern ist der profunden Kenntnis des internationalen Literaturbetriebs geschuldet, die sie und ihr Team immer wieder an den Tag legen.

Der Platz im Literaturhaus reichte nicht aus

Schon im September 2014 las Olga Tokarczuk im Literaturhaus, damals in Deutschland noch eine weitgehend unbekannte Autorin aus ihrem mittlerweile auch verfilmten Roman Der Gesang der Fledermäuse. Heute wäre der Platz im Literaturhaus sicher auch ausreichend gewesen, hätte Olga Tokarczuk nicht vor fünf Tagen den Nobelpreis für Literatur erhalten.

Im Mittelpunkt des Abends steht das Opus Magnum der Autorin, Die Jakobsbücher. Ein Buchklotz von knapp 1200 Seiten, an dem Olga Tokarczuk neun Jahre gearbeitet hat. Dieser Roman ist schon 2015 in Polen erschienen und hat den wichtigsten polnischen Literaturpreis, den Nike-Preis, erhalten. Am 1. Oktober erschien er in dem kleinen, erst seit 2018 auf dem Markt befindlichen Kampa-Verlag.

Eine Professorin für Slavische Literatur diskutiert mit der Autorin

Kenntnisreich diskutiert Prof. Dr. Schamma Schahadat, Professorin für Slavische Literatur- und Kulturwissenschaft am philosophischen Institut in Tübingen mit der Autorin diesen historischen Roman. Schamma Schahadat hat ihren dicken Lesestapel dabei, sie las das Buch quasi in der Verlagsrohfassung.

Ein metaphysischer wie lebenspraller Roman

Roman Die Jakobsbücher ist ein metaphysischer wie lebenspraller Roman auf den Spuren einer der bedeutenden Figuren des 18. Jahrhunderts: Jakob Frank galt den einen als Weiser und Messias, den anderen als Scharlatan und Ketzer. 1726 im polnischen Korolówka geboren, 1791 in Offenbach am Main gestorben, war er als Anführer einer mystischen Bewegung, der Frankisten, fest entschlossen, sein Volk, die Juden Osteuropas, für die Moderne zu öffnen. Im wesentlichen umfass der Roman diesen Zeitraum, wobei Olga Tokarczuk noch einige Jahr über den Tod von Jakob Frank hinausgeht und der Roman mit dem Tod der Tochter, 1816, enden lässt. Zeit seines Lebens setzte er sich für ihre Rechte ein, für Freiheit, Gleichheit und Emanzipation.

Jakob Frank war ein aschkenasischer Jude, der sich als Sabbatianer, Rabbiner und Kabbalist verstand. Die Juden warten bekanntlich immer noch auf den Messias und Frank ernannte sich selber zum Messias. Nach seiner Überzeugung war der Weg zur Erlösung mit dem Durchgang durch verschiedene Religionen verbunden. Und so trat er mit seinen 10.000 – 15.000 Jüngern vom Judentum erst zum Islam, dann zum Katholizismus über. Die katholische Kirche war über die Konversion zuerst hoch erfreut. Da er aber auch in ihren Reihen ein unangepasster Quergeist war, wurde er für 13 Jahre ins Gefängnis geworfen. Im Roman erzählen Bewunderer wie Gegner die Lebensgeschichte dieses Grenzgängers. Olga Tokarczuk zeichnet mit dem schillernden Porträt einer kontroversen Figur zugleich das Panorama einer krisenhaften Welt an der Schwelle zur Moderne.

Max-Walter Weise ist die deutsche Stimme von Olga Tokarczuk an diesem Abend

Immer wieder wird die Diskussion zwischen Schamma Schahadat und Olga Tokarczuk, die von Stefan Heck in beide Sprachen übersetzt wird, von kurzen Lesungen aus dem Roman unterbrochen. Dabei gelingt es Max-Walter Weise einen eigenen Lesesound zu etablieren, der die Dramatik des schillernden Lebens von Frank hervorragend transportiert.

Feminismus und mystische Realismus

Die Literatur der studierten Psychologin Olga Tokarczuk ist voller Türen und Überschreitungen. Eines ihrer wichtigen Themen, den Feminismus, breitet Olga Tokarczuk auch in diesem Roman anhand vieler Frauenfiguren aus, denen sie auf ganz moderne Schreibweise, eine eigenen Stimme gibt und dadurch einen anderen Blick auf diese Frauen ermöglicht unter Respektierung der historischen Fakten. Weil Männer die Geschichte geschrieben haben, gibt es gibt historisch wenig Informationen über die Frauen im 18. Jahrhundert. Schamma Schahadat und Olga Tokarczuk sprechen sehr ausführlich über diese historischen Frauenfiguren und auch – typisch im Werk der Autorin – über eine „lebende Tote“, die mit eigener Stimme erzählt. Diese Frau, Jenta, habe ihr geholfen, das Buch überhaupt zuende bringen zu können. Jenta schaut zu, wie ihre Mutter vergewaltigt wird und möchte diesen Tag, nur den, verändern. Da ist er wieder, der mystische Realismus, für den die Autorin so bekannt ist.

In Polen eine umstrittene Autorin

In Polen wird die mit den höchsten Preisen des Landes ausgezeichnete Autorin wegen ihres anderen Geschichtsbildes und weil sie sich für die LGBT-Community und Flüchtlinge einsetzt, hart angegangen. Das geht bis zu Morddrohungen. Die regierende PiS-Partei ist seit Jahren dabei, ein verklärendes Geschichtsbild zu etablieren, das vom heldenhaften, polnischen Volk handelt, wie es auch von dem polnischen Literaturnobelpreisträger Henryk Sienkiewicz (1846-1916) gezeichnet wird. Seine Romane verklären die polnische Geschichte und werden derzeit in Polen von Konservativen als Stärkung des Herzens viel gelesen. In den Jakobsbüchern kommen dagegen viele Sprachen, sehr viele Völker und Religionen vor, nicht nur die in Polen alles dominierende katholische Religion. Somit ist das Buch auch eine Demontage der heilen polnischen Geschichte.

Olga Tokarczuk ist die sechste polnische Literaturnobelpreisträgerin

Olga Tokarczuk sagt zur Verleihung des Literaturnobelpreises an sie: Es war ein großer Tag für die polnische Literatur. Die Polen hätten nie eine Fußballweltmeisterschaft errungen, hätten nie eine Rakete in den Weltraum geschossen. Nun aber haben sie zum sechsten Mal den Nobelpreis für Literatur erhalten und das sei etwas ganz besonderes. Bei diesen Worten brandete wieder, wie schon mehrfach an diesem Abend, der Applaus in zwei Wellen auf: zuerst applaudierten die zahlreich im Publikum vertretenen, der polnischen Sprache mächtigen, Zuhörer, dann applaudiert das deutsche Publikum, nachdem es die Übersetzung von Stefan Heck gehört hat.

Zum Schluss bildet sich eine lange Schlange vor dem Tisch, an dem Olga Tokarczuk signiert. In den Stuttgarter Buchhandlungen gab es das Werk der Autorin in den letzten Tagen nicht zu kaufen, mit Ausnahme der Buchhandlung im Literaturhaus, wo ich auch ein Exemplar mit Kurzgeschichten von ihr erwarb.