Fährt sie mir davon?

03.06.2017 at 18:42
e-mobilität

.

 

M. wundert sich: seine Frau kaufte sich ein E-Bike. Die Berge in K.-M. waren ihr zu steil. Sie wollte nicht auf das Fahrradfahren verzichten. Deshalb erwarb sie sich bei Velo Lebensart ein neues Fahrrad. Eines, das von einem Motor „vom Bosch“ zusätzlich Schub bekommt, wenn man in die Pedale tritt. M. wird sehen, ob er seiner Frau auch in Zukunft noch davon radeln kann.

Nachtrag: Ein erster Pfingstausflug zeigte: Am steilen Berg hat M. Schwierigkeiten, seiner Frau hinterher zu radeln. Bei allen anderen Gegebenheiten schlägt der Wadenmuskel den Boschmotor.

 

Wunde.r.punkte – Anarchisten im Wendland

28.05.2017 at 22:45
Anarchisten im Wendland

.

 

Der Gasthof in Meuchefitz ist Treffpunkt von anarchistischen Zirkeln im Wendland. Hier in Meuchfitz versuchen anarchistisch orientierte Menschen ein Leben in Selbstbestimmung.

Der alte Landgasthof wurde der nach der Räumung des Bohrplatzes 1004 in Gorleben zu einem Treffpunkt des Widerstandes gegen das Atomprojekt Gorleben. 1984 brannte er völlig nieder und wurde über 2 Jahre hinweg im alten Fachwerkstil neu aufgebaut. Bei der diesjährigen Landpartie zeigen die Bewohner ein Ausstellung über Kurden in der Türkei und in den autonomen Kurdengebiete im Norden Syriens, mit deren Bewohnern sie sich solidarisieren.

Wunde.r.punkte – Rundlingsdorf

27.05.2017 at 7:21
Der Dorfvorsteher erklärt das Rundlingsdorf

Der Dorfvorsteher erklärt das Rundlingsdorf

Vor dreißig bis vierzig Jahren standen viele Dörfer vor dem Problem der Überalterung. Der Erwerb alter Bauernhäuser durch Städter aus Hamburg oder Berlin führte zwar zum Erhalt der alten Häuser aber das Dorfleben erneuerte sich nicht durch diese „Wochenendbewohner“.

In Diahren ging man einen anderen Weg. Familien zogen hierher, die ihre Kinder in ländlicher Umgebung aufwachen sehen wollten. Sie schafften es, nach und nach ein lebendiges Leben im Dorf zu initiieren. Die Dorfbewohner bringen sich aktiv ein. Einer betreibt zum Beispiel Schafzucht, er verkauft in einem Dorfladen die daraus entstandenen Produkte. Gero kocht aus den Gemüsen seines Gartens einmal pro Woche ein Vier-Gänge-Menü und lädt zur gemeinsamen „Dorfspeisung“ ein. Ein Schauspieler und Sprecher bringt sich in die regionale Theatergruppe ein usw, usf. Die harte Arbeit verschwindet fast hinter der Idylle, die der „Dorfvorsteher“ (der erste der neu Hierhergezogen) während seines Rundgangs erzählt.

Wunde.r.punkt im Wendland

26.05.2017 at 22:16
Der Widerstand gegen das Atomlager ist ein bäuerlicher

Der Widerstand gegen das Atomlager ist ein bäuerlicher

 

M. fährt mit Freunden in die norddeutsche Tiefebene. Ihr Ziel das Wendland. Bekannt durch seinen beharrlichen Widerstand gegen die Endlagerung des Atommülls in einem Salzstock in Gorleben. Seit Jahren veranstalten die Dorfbewohner hier die „kulturelle Landpartie“. Privatleute bieten in ihren Scheunen und Höfen ein buntes Programm von Yoga- Workshops über Konzerte auf kleinsten Bühnen bis hin zu Theateraufführungen an. Töpferwaren, Schmuck, gewebte Textilien werden an vielen Orten angeboten und auch Führungen zu ganz unterschiedlichen Themen.

Der Widerstand gegen das Endlager für atomaren Müll in einem Salzstock, der angeblich super dafür geeignet ist, hat die Partei der Grünen groß gemacht. Heute, 40 Jahre nach den Anfängen des Widerstandes gegen das Endlager, hat sich die Partei der Grünen weit von ihren Wurzeln entfernt. Aber die bäuerlich geprägte Bevölkerung lehnt weiterhin die Endlagerung im Salzstock von Gorleben ab. Aus der Ablehnung sind mannigfaltige Ideen zur ökologischen Umgestaltung der Gesellschaft entstanden.

Für ein freies, demokratisches, friedliches und sozial gerechtes Europa

25.05.2017 at 7:00
Frank Ackermann hält die Festrede. Foto: © Hermann Zoller

Frank Ackermann hält die Festrede.
Foto: © Hermann Zoller

Ein Bericht von Hermann Zoller

Die Feierstunde am 24. Mai 2017 im Stuttgarter Rathaus aus Anlass des 200. Geburtstags von Georg Herwegh, zu der die Stadt Stuttgart zusammen mit den Stuttgarter AnStiftern eingeladen hatte, wurde zu einer lehrreichen und lebendigen Veranstaltung. Dazu beigetragen haben die Rezitationen der Schauspielerin Barbara Stoll und dem Wortkünstler Timo Brunke. Sie trugen Gedichte von Herwegh so engagiert vor, dass sie mit Leben erfüllt und vom Publikum, das den Großen Sitzungssaal des Rathauses füllte, mit Begeisterung aufgenommen wurden. Nicht weniger Beifall erntete der Chor Avanti Comuna Kanti mit seinen Vorträgen bekannter Herwegh-Lieder. Die Festrede hielt der Leiter des Philosophischen Cafés, Frank Ackermann. Weiterlesen …

Wo man singt, da lass dich nieder …

23.05.2017 at 23:21
Die Koje

.

 

Das könnte als Motto über diesem Liederabend in der Koje dienen und: Musik braucht Raum. Diesen stellen Konstanze Miehlich-Fuhr und Jens Fuhr in ihrer „Koje“ zur Verfügung.

Die beiden Profimusiker bringen einen ganzen Chor auf die Bühne und singen sich durch ein frühlingshafte Programm, angefangen mit einem Liedgedicht von Heinrich Heine, Liedern aus der Romantik von Brahms und Schumann über die Harmoniegesänge der Comedian Harmonists bis hin zu Reinhard Mey und den Beatles. Man kennt einen Teil diese Lieder aus dem frühen 19. Jahrhundert, als bürgerliche Kreise zu Salonabenden einluden und Musiker diese Lieder darboten. Das romantische Lied hat eine besondere Phrasierung, die die Sopranistin Konstanze Miehlich-Fuhr gut zum Ausdruck bringt, von ihrem Mann Jens Fuhr an dem auf Hochglanz polierten Flügel, der die „Bühne“ beherrscht. Die beiden Profi-Musiker haben den Anspruch, mit ihren Hauskonzerten – unter dem Motto Musik in der Koje – an die Wurzeln der am Anfang des 19. Jahrhunderts entstandenen Konzertkultur im privaten Rahmen anzuknüpfen.

Mit ca. 50 Zuhörern könnte man behaupten, dass ihnen das an diesem lauen Samstagabend des 20. Mai gelungen ist. Mit der Musik endet dieser Abend nicht. Einige Gäste hatten Salate mitgebracht und die Eheleute luden die Zuhörer ein, sich in ihrem Garten um den aufgestellten Grill zu versammeln, ein gebratenes Stück vom Rind und vom Schwein zu verzehren und dabei bei einem Glas Wein über Musik zu plaudern. So konnte man entdecken, dass der Miehlich-Fuhr-Clan weit verzweigt ist und zur Bereicherung der Musikszene in Korntal beiträgt.

Wer an dieser Musiktradition interessiert ist, kann sich in einen Newsletter auf der Homepage der Musiker eintragen und wird über die Veranstaltungen informiert.

Bet und arbeit, ruft die Welt!

21.05.2017 at 19:04

Georg Herwegh zum 200. GeburtstagEin Gastbeitrag von Peter Grohmann

Der Stuttgarter, dem in diesen Tagen eine späte Referenz erwiesen wird, war Revolutionär, radikaler Demokrat und Europäer: Das ist viel in revolutionsfreien Zeiten, in denen Demokraten untertauchen und aus Europäern Nationalisten werden. Georg Herwegh war einer der wichtigsten Vertreter des Vormärz und neben Heine und Freiligrath einer der populärsten deutschsprachigen Dichter seiner Zeit. Georg Herwegh wurde am 31. Mai 1817 in Stuttgart geboren, er starb 1875 in der Schweiz. Am 24. Mai feiern wir mit Euch seinen 200.Geburtstag, denn: 2017, an seinem 200. Geburtstag, ist er weitestgehend unbekannt. Heute ist in der politischen Kultur die Balance verlorengegangen. Die Balance der Debatten mit falschen und richtigen Fakten. Herwegh agierte zu seiner Zeit, frech und verfolgt, offen und frei als parteiergreifender Dichter und Journalist, trifft Karl Marx und Ludwig Feuerbach, Heinrich Heine und Victor Hugo, Iwan Turgenjew und Michail Bakunin, Franz Liszt, Richard Wagner, Gottfried Semper und zahlreiche aufsässige und querdenkende Zeitgenossen, die den Traum der Freien und Gleichen träumten – gegen den aufkeimenden Nationalismus.

Europa hat eine Verfassung aber die Bürger haben darüber nicht abgestimmt

200 Jahre später hat sich das von Herwegh geträumte Europa nur unter großen Geburtswehen zu einer Verfassung durchgerungen, dem Vertrag von Lissabon. Darüber wird freilich nicht von den Bürgern abgestimmt, wie es für eine Verfassung gut und eigentlich notwendig wäre, wenn es die Verfassung der Bürger werden soll. Auch eine lesbare Form der Entwürfe stand nicht zur Verfügung, als der Bundestag und der Bundesrat darüber abstimmten. Schade.

Heute streiten auf den Straßen viele Bürgerinnen und Bürger für ihr Europa, auf dass es eines der Citoyens werden mag: Für ein Europa, das in der Tradition der Freiheit steht, auch wenn die Revolution von 1848 scheiterte, ein Europa, dessen Begriffe von Freiheit, Gleichheit und Solidarität noch nicht auf den Hund gekommen sind.

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gegen ein Denken von rechts und links

Das Europa von heute driftet auseinander und eher nach rechts, es mauert sich ein. Der Stuttgarter Georg Herwegh, der am 24. Mai im Ratsaal der Stadt gewürdigt wird, setzte dem – doch wohl kaum vorausahnend? – entgegen: „Und durch Europa brechen wir der Freiheit eine Gasse!“ (Herwegh 1841). Er hoffte, dass Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit durch Aufklärung befördert werden. Voltaire sah im Jahr 1767 „mit Vergnügen, wie sich in Europa eine große Republik der kultivierten Geister bildet.“ Und 1773 hoffte Rousseau: „Es gibt heute keine Franzosen mehr, keine Deutschen, keine Spanier, nicht einmal Engländer, man sage mir, was man wolle: Es gibt nur noch Europäer.“ Was für alte Träume!

Gern sing‘ ich abends zu dem Reigen,
Vor Thronen spiel‘ ich niemals auf;
Ich lernte Berge wohl ersteigen,
Paläste komm‘ ich nicht hinauf… Georg Herwegh

Die Geburtstagsfeier für Georg Herwegh, ausgerichtet von der Landeshauptstadt Stuttgart und dem Bürgerprojekt AnStifter, findet am 24. Mai um 19 h im Großen Saal des Stuttgarter Rathauses statt.

Drei Frauen – drei starke Stimmen

21.05.2017 at 11:52
Drei Frauen: Claudia Michelsen vor den großen Frauen Else Lasker-Schüler, Bettina von Arnim und Erika Mann

Karoline Eichhorn, Gesine Cukrowski und Claudia Michelsen vor den großen Frauen Else Lasker-Schüler, Bettina von Arnim und Erika Mann

 

Das Projekt Drei Frauen aus Deutschland stellte die Schriftstellerinnen Bettina von Arnim, Else Lasker-Schüler und Erika Mann am 19. Mai 2017 im Theaterhaus in den Mittelpunkt. Es sind die Schauspielerinnen Claudia Michelsen, Gesine Cukrowski und Karoline Eichhorn die diese bedeutenden Schriftstellerinnen aus dem Randfigurendasein einer von Männern beherrschten Welt herausholten. Die Schauspielerinnen erzählten zweihundertjährige Geschichte über die Biografien dieser drei spannenden Frauen.

Bettina von Arnim, die am 4. April 1785 in Frankfurt am Main als Bettina Brentano zur Welt kam, provozierte das bürgerliche und aristokratische Establishment bis zu ihrem Tod am 20. Januar 1859 mit ihren liberalen Gedanken. Ähnlich provozierend waren die Auftritte der großen Lyrikerin Else Lasker-Schüler (1869 – 1945). Und Erika Mann entwickelte sich im Laufe ihres Lebens von einer vergnügungssüchtigen Bohemienne zu einer politisch denkenden, engagierten Frau.

Diese drei Frauen waren lange vor der Frauenbewegung Streiterinnen für ein selbstbestimmtes Leben

Diese drei Frauen waren Vorreiterinnen für ein selbstbestimmtes Leben – ironischerweise: nicht nur für Frauen. Denn wie sagte schon Bettina von Arnim: „Selbstdenken ist der höchste Mut. Wer wagt, selbst zu denken, der wird auch selbst handeln, und wer nicht selbst denkt, nicht aufs freie, uferlose Meer steuert mit seinem Geist, der wird die Gottheit nicht selbst erreichen. Handeln ist Selbstsein. Denn wir bauen selbst den Himmel, sonst kommt er nicht zur Welt.“

Ein schlichtes Bühnenbild lässt das gesprochene Wort erstrahlen

Das schlichte Bühnenbild dieser literarischen Revue zeigt die Portraits auf durchschimmernden Stoff überlebensgroß. Die Schauspielerinnen konnten dahinter sitzend biografische Details der jeweiligen Schriftstellerin lesen. Dann wieder traten sie ins Rampenlicht vor die Portraits und lasen aus den Werken der Frauen, die ihre Zeit mit wachen Augen beobachtet und mitgestaltet haben. Leidenschaftlich gelebte Leben, ineinander verwoben. Claudia Michelsen, Gesine Cukrowski und Karoline Eichhorn liehen den drei Schriftstellerinnen ihre Stimmen und gaben ihnen damit eine Stimme.

Hans Theessink – Blues im Laboratorium

21.05.2017 at 10:25
Hans Theessink

.

 

Hans Theessink in Town heißt, the blues is in town. Den Blues zu spielen braucht es bei Hans Theessink nicht viel: vier Gitarren, ein paar Mikrofone, einen alten Gitarrenverstärker. Als Schlagzeug setzt er seine Füße ein, die den Rhythmus zusätzlich treiben und die Mundharmonika ersetzt bei einigen Stücken die Begleitmusiker. Zwei Sets à 50 und 40 Minuten spielte er am 18. Mai 2017 im Laboratorium. Vor vielen Jahren war er hier zu Gast und nun, nach mehr als 7500 Konzerten seiner bewegten Karriere sitzt er zur Freude des Veranstalters wieder mit seinen Gitarren auf der Bühne des ältesten Liveclubs Stuttgarts. Das Lab, wie es liebevoll genannt wird, residiert seit seiner Gründung 1972 im ehemaligen Lindensaal in der Wagenburgstraße im Stuttgarter Ostend.

Von der Lagerfeuerklampfe zur Bluesgitarre

Hans Theessink, der aus Enschede, Holland, stammende und heute in Wien lebende Musiker ist mit seinen 69 Jahren ein Urgestein der europäischen Bluesszene und kann es mit seinem virtuosen Saitenspiel und seiner sonoren Stimme mit den Bluesgrößen aus den Vereinigten Staaten aufnehmen. Die Musik aus dem schwarzen Süden hat es ihm seit frühester Kindheit angetan und schnell hat er die Lagerfeuermusik, die er als Jugendlicher auf der Gitarre spielte, gegen die Bluesmusik ausgetauscht. Das und das er sich das Gitarrenspiel selber beigebracht hat, erzählt er mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

Heute spielt er den Delta-Blues ursprünglich und unverfälscht. Wenn er auf seiner zwölfsaitigen Gitarre mit dem Bottleneck Leadbelly-Songs spielt, dann ist das seine Verneigung vor diesem großen Künstler, der verschiedene Instrumente wie Akkordeon, Mandoline, Klavier und Mundharmonika spielte aber die zwölfsaitige Gitarre war sein Lieblingsinstrument.

Hans Theessink hat seine Seele an den Blues verloren

Bei einem, der den Blues wie der Teufel spielt, darf der Song Johnny and the Devil nicht fehlen. Das Lied ist ein Uptempo-Bluegrass-Lied über den gescheiterten Versuch des Teufels, die Seele eines jungen Geigenspieles durch einen Packt zu „stehlen“.

Mit einem Chuck-Berry-Song erinnert Theessink an diesem Abend an den vor zwei Monaten verstorbenen König des Rock ’n’ Roll. Aber auch Johny Cash lässt er durch seine Liedern wieder auferstehen.

Seit 47 Jahren veröffentlicht Hans Theessink seine Musik auf Schallplatte

Wer Hanns Theesink an diesem Abend verpasst hat, der kann sich eine seiner Schallplatten kaufen. Über dreißig Alben hat er seit 1970 veröffentlicht. Viele dieser Alben zeichnen sich durch eine überragende Tonqualität aus und haben dafür HiFi-Preise erhalten. Alle Informationen zu seinen Veröffentlichungen gibt es hier.

Wolf Biermann stellt seine Biografie im Hospitalhof vor

16.05.2017 at 14:16
Wolf Biermann

.

 

In der Reihe „Köpfe der Zeit“ war Wolf Biermann am Sonntag, 14. Mai 2017 im Hospitalhof. Das Literaturhaus Stuttgart richtet diese Veranstaltung im großen Saal aus und dieser war bis auf den letzten Platz besetzt, um dem begnadeten Liedermacher zuzuhören.

Dem Moderator Wieland Backes fällt es an diesem sonnigen Sonntagvormittag sichtlich schwer, das Gespräch mit dem „Erzähler“ Wolf Biermann in durch Moderation eingehegten Bahnen zu halten. Wolf Biermann ist nicht zu bremsen, wenn es darum geht, Geschichten aus seinem schillernden Leben zu erzählen. Sein Ziehsohn Manuel übernimmt die Lesung aus der Biermanns Autobiografie, die der achtzigjährige gerade unter dem Titel Warte nicht auf bessere Zeiten! vorgelegt hat. Die Mutter von Manuel, Brigitte Soubeyran, siedelte mit Manuel als Baby 1958 aus Frankreich in die DDR über, aus politischer Überzeugung und weil es in der DDR aus ihrer Sicht das bessere Theater gab. Am Berliner Ensemble (BE) traf sie einen jungen Regieassistenten. Das war Wolf Biermann. Sie wurden ein Liebespaar, aber auch ein Theaterkunstpaar. 1961 gründeten sie zusammen das Berliner Arbeiter- und Studententheater, das heute noch als Studiotheater der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ bekannt ist. Zu der Zeit war Wolf noch nicht der Biermann. Sie hat ihn zum Liedermachen und Singen ermuntert und auch seinen Bart kreiert, weil sie wollte, dass er ein bisschen so aussieht wie der französische Chansonnier Georges Brassens. Den Bart trägt er heute noch, wenn dieser auch ergraut ist.

Wolf Biermann eine Symbolfigur aus dem zweigeteilten Deutschland

Wolf Biermann zählt zu den großen Symbolfiguren aus der Zeit des zweigeteilten Deutschland. Seine Lieder wurden im Westen zu Hymnen, im Osten waren sie untersagt, ihr Schöpfer wurde mit Auftrittsverboten belegt. Nach einer Konzerttour in den Westen verweigerte ihm das DDR-Regime 1976 die Wiedereinreise.

Aber an diesem Morgen beginnt er mit seiner Zeitreise durch sein bewegtes Leben als kleiner Knirps in Hamburg. Nur von seiner kommunistischen Mutter aufgezogen. Sein Vater saß im Lager, den er dort besuchte und den die Faschisten ermordeten. Sein Ziehsohn liest von dem Feuersturm über Hamburg, den Biermann als Junge erlebte. Er wuchs mit dem Auftrag auf, die Menschheit zu retten, seinen Vater zu rächen und nebenbei den Kommunismus aufzubauen. Und weil er seiner Mutter diesen kleinen Gefallen tun wollte, ging er eben mit sechzehn Jahren 1953 nach Osten und wurde ein DDR-Bürger. Und noch heute meint er darüber, das es das Beste war, was er in seinem ganzen Leben gemacht hat. „Ich musste die Lektion lernen, im Vaterland aller Werktätigen, im Arbeiter- und Bauernparadies wirklich zu leben, und nicht nur als Revolutionstourist mal eben vorbeischnuppern. Und wenn ich das nicht gemacht hätte, wäre ich ja gar nicht der Biermann geworden.“

Schon in der Schule ein Widerspruchsgeist

Wie es ihm dort erging, erfahren wir wieder durch einen kleinen Textauszug: Einige evangelische Jugendliche an seiner Schule in Gadebusch bei Schwerin sollen der „Neuen Gemeinde“ abschwören und er erlebt, wie ein junges Mädchen standhaft für ihren Glauben eintritt. Dieser Widerspruchsgeist, dieser aufrechte Gang, hat ihm sehr imponiert.

In Berlin studierte er zuerst Politische Ökonomie an der Humboldt-Universität (auf Anraten seiner Mutter, die meinte, die Regierung in der DDR bräuchte hier kluge Köpfe). Dieses Studium brach er jedoch ab, um als Regieassistent am Berliner Ensemble tätig zu sein. Danach studierte er bis 1963 an der Humboldt-Universität Philosophie und Mathematik.

Sein Weg als Lyriker und Sänger

Wolf Biermann begann Gedichte und Lieder zu schreiben. 1961 gründete er in Ost-Berlin das Berliner Arbeiter-Theater. Seine Inszenierung des Stückes Berliner Brautgang, wurde verboten, das Thema Mauerbau war zu brisant und noch vor der Premiere 1963 musste das Theater geschlossen werden. Seit dieser Zeit stand er immerzu unter Beobachtung der STASI. Wie die ihn überwachten, beschreibt er in eindrucksvollen Bildern.

1976 wird Biermann von der IG Metall zu einer Konzertreise in die Bundesrepublik Deutschland eingeladen, wofür ihm die Behörden der DDR eine Reisegenehmigung erteilten. Dieses Konzert diente dem Politbüro der SED als Vorwand für die Ausbürgerung „wegen grober Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten“. Eine breite Solidaritätskampagne setzte daraufhin für ihn ein. Viele, auch prominente Personen, in Ost und West protestierten gegen Biermanns Ausbürgerung. Zwölf namhafte DDR-Schriftsteller, unterzeichneten einen von Stephan Hermlin initiierten offenen Brief an die DDR-Führung, in dem sie an diese appellierten, die Ausbürgerung Biermanns zurückzunehmen. Es half nichts.

Wolf Biermann bricht spät mit dem Kommunismus

Sein Bruch mit dem Kommunismus kam jedoch erst viele später. Er wollte die Idee, für die sein Vater und so viele Genossen in den Tod gegangen sind, nicht verraten. Erst die Begegnung mit dem Schriftsteller, Sozialpsychologen und Philosophen Manès Sperber in Paris, brachte ihn zu dem Schritt mit dem Kommunismus zu brechen. Sperber hatte ihm „wie ein guter Zahnarzt mit Betäubungsspritze den kommunistischen Backenzahn gezogen, der schon vergammelt war“, wie Biermann beschreibt. „Er hat mich ermutigt, den Bruch zu wagen, ohne meinen toten Vater zu ermorden. Endlich begriff ich im Herzen, was ich im Kopf schon wusste.“

Was ist für Wolf Biermann an die Stelle der kommunistischen Idee getreten, fragt man sich und es scheint diese „hoffnungslose Hoffnung auf die Vernunft des Menschen“ zu sein, lautet seine Antwort. Sein Leben fasst er zum Schluss in dem Gedicht Bilanzballade im achtzigsten Jahr aus seinem neuen Band Im Bernstein der Balladen: Lieder und Gedichte zusammen. Damit schließt sich der Kreis zu seinem Gedicht „An die alten Genossen“, mit dem er die Funktionäre der SED in der Ost-Berliner Akademie der Künste am 11. Dezember 1962 aufgebracht hatte. (Einspielung siehe hier.)

Warte nicht auf bessere Zeiten!
Die Autobiografie

576 Seiten, geb. mit Schutzumschlag
Propyläen Verlag, Preis 28,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Liberté Chérie

13.05.2017 at 0:04

Schaut man sich die weltoffene Kulturszene in Frankreich an, erscheint es unwahrscheinlich, dass Frankreich aufgrund der Präsidentenwahl ins Trudeln gerät. Ein gutes Beispiel dafür ist die Band „Les Yeux de la Tête“, die Sinti-Swing, französischer Chanson, Poetik-Punk und Jazz miteinander vermischen (man kann auch tanzen):

Christine Lehmann kennt Hasskommentare und trotzt dem Twittergewitter

12.05.2017 at 23:13
Christine Lehmann, wie sie sich selber sieht

Christine Lehmann, wie sie sich selber sieht

„Hass ist die Rache des Feiglings dafür, dass er eingeschüchtert ist.“ Mit diesem Zitat von Georg Bernhard Shaw überschreibt die Kimi-Autorin und Bloggerin Christine Lehmann ihren Vortrag am 10. Mai 2017. Sie schreibt über die Situation der Radfahrer in Stuttgart in ihrem Fahrrad-Blog. Darüber hinaus bloggt die Krimi-Autorin auf Herland, einem Blog zu feministischem Realismus in der Kriminalliteratur.

Die Stiftung Geißstraße hatte sie eingeladen, im Rahmen der Reihe Die Wucht der Worte über ihre Erfahrungen mit Hasskommentare zu referieren.

Sie hat auf allen ihren Blogs die Kommentatorenfunktion frei geschaltet und betreibt zusätzlich eine Facebook-Seite, auf der alle Blogbeiträge zu Fahrradfahren in Stuttgart verlinkt sind. Damit will sie eine breite Öffentlichkeit für ihr Anliegen herstellen.

In ihrem Vortrag erläutert sie, wie sie mit unqualifizierten Kommentaren umgeht: zuerst gibt es eine Ermahnung. Wenn das nichts hilft, sperrt sie auch schon mal Schreiber aus.

Die in der normalen Kommunikation wichtigen Informationskanäle wie Mimik, Gestik, entfallen in der schriftlichen Kommunikation vollkommen. Die im Tierreich vorherrschende Körpersprache fällt bei den sozialen Medien komplett weg.

Gegen Hetze im Netz hat sich eine Initiative unter dem Hashtag #Ichbinhier etabliert. Ihr Gründer Hannes Ley will mit seiner Gruppe für einen besseren Umgangston im Netz sorgen. Der Zulauf ist riesig. Auch auf ihren Blogs tauchen Kommentare dieser Gruppe auf.

Christine Lehmann hat für sich Formen entwickelt, mit negativen Kommentaren umzugehen. Ihre Strategien sind angelehnt an die der gewaltlosen Kommunikation:

  • Formuliere Ich-Botschaften, mache dich selber zum Menschen
  • Lass dir von den anderen nicht den Ton und die Wortwahl vorgeben (nicht im Affekt anworten)
  • Ziehe eine rote Linie

Damit hat sie auf ihren Blogs gute Erfahrung gemacht. Es ist aber auch klar, diese Art der Kommunikation erfordert sehr viel Einsatz. Aber Christine Lehmann schätzt diese Form der Kommunikation über Themen, die ihr wichtig sind, wie sie in der Diskussion im Anschluss an ihren Vortrag darlegt.

Volker Weiß bescheibt die autoritäre Revolte

12.05.2017 at 21:52
Volker Weiß

.

 

Der Historiker und Publizist Volker Weiß stellte am 9. Mai 2012 sein neues Buch Die autoritäre Revolte in der Reihe Analysen zum Rechtspopulismus im Hospitalhof vor. Seine Gesprächspartnerin war die Präsidentin des Landtages von Baden-Württemberg, Muhterem Aras.

Der 1972 geborene Historiker und Publizist Volker Weiß hat in Hamburg Literaturwissenschaft, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie Psychologie studiert. Er promovierte 2009 über den völkisch-nationalistischen Publizisten und Staatstheoretiker Arthur Moeller van den Bruck (1876-1925).

Volker Weiß befasst sich vornehmlich mit der extremen Rechten in Vergangenheit und Gegenwart sowie dem Antisemitismus. Er schreibt für die Zeit, die TAZ, den Spiegel und die Jungle World. Seine Buch Die autoritäre Revolte – Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes ist gerade bei Klett-Cotta erschienen und war für den Sachbuchpreis der diesjährigen Leipziger Buchmesse nominiert.

Der Theoretiker Volker Weiß schreibt in verständlicher Sprache

In verständlicher Sprache ist dieses Buch geschrieben, aus dem er an diesem Abend Auszüge liest, darüber immer wieder mit Muhterem Aras ins Gespräch kommt, die sich von dem Buch sehr angetan zeigt. Sie meint, es sei ein wichtiger Beitrag für die aktuelle Debatte über die rechten Strömungen, mit denen sie als Landtagspräsidentin ebenfalls konfrontiert ist: Die AfD sitzt mit 21 Abgeordneten im Landtag von Baden-Württemberg.

Volker Weiß beschreibt in seinem Buch den Aufstieg der Neuen Rechten als einen Prozess, der sich in den vergangenen Jahren verstärkt hat und immer schärfere Konturen angenommen hat. Die Bewegung speist sich aus etlichen Strömungen, Initiativen und Netzwerken. Das reicht von streng-konservativen politischen Kreisen, geht über rechtsextremistische Gruppen bis hin zu studentischen Burschenschaften und Hooligans. Er beginnt seine Lesung mit Auszügen aus dem Kapitel Familienaufstellung. Darin stellt er die Hauptakteure anhand einer 2012 in Berlin veranstalteten Messe mit Namen zwischentag vor. Rund 30 Aussteller zeigten ihre Neuerscheinungen, präsentierten ihre Ideen und warben für ihre Projekte. Die Initiative zum Berliner zwischentag kam von Götz Kubitschek, dem verantwortlichen Redakteur der Zeitschrift Sezession und Inhaber des Verlags Antaios. Er ist darüber hinaus mit seinem Institut für Staatspolitik (IfS) einer der wesentlichen Stichwortgeber der Neuen Rechten. Als Vordenker der Neuen Rechten gilt auch Karlheinz Weißmann. Der Lehrer aus Niedersachsen ist neben Götz Kubitschek Mitbegründer des IfS. Zu diesem Netzwerk gehört ebenso Jürgen Elsässer, Publizist und Chefredakteur des rechtspopulistischen Magazins Compact.

Die Neurechte Bewegung ist auf der Straße und in den Parlamenten

In den fünf Jahren nach dem Berliner zwischentag ist viel passiert: Die Bewegung ist auf der Straße (PEGIDA, LEGIDA) und eine rechtspopulistische Partei hat sich etabliert. Wobei sich die rechten Vordenker über die Bewegung zur Rettung des Abendlandes ein wenig lustig machen. Ihnen geht es nicht um eine Front gegen den Islam. Der Islam ist für sie nicht der Feind, die Globale Moderne ist ihr Feind. Solange die Trägervölker in ihren Räumen bleiben, haben sie mit dem Islam kein Problem. Die rechten Vordenker postulieren: Am Liberalismus gehen die Völker zugrunde.

Volker Weiß erläutert den problematischen Begriff des Abendlandes. Historisch gesehen kann man das Heilige Römische Reich (deutscher Nationen) als gegen das orthodoxe Christentum mit Sitz in Byzanz gerichtet ansehen. Aber der Konflikt mit dem Bolschwismus hat eher eine Achse eben mit diesem orthodox geprägten Christentum in Russland errichtet. Der Zar in Russland war Garant gegen den Bolschewismus. Diese Achse wird heute noch von den Demonstranten in Dresden (die pikanterweise im ehemaligen Einflussgebiet des preußisch-sächsischen Herrschaftsbereiches liegen und somit jenseits des Limes der Heiligen Römischen Reiches) beschworen, wenn sie den „neuen Zaren“ Putin als ihren Freund bezeichnen und ihn um Hilfe bitten. Wer ist der Feind dieser Verteidiger des Abendlandes? Es sind die Einwanderer, die Fremden. Die rechten Vordenker treten dagegen für die Verteidigung des Raumes ein, und pflegen keine grundsätzliche Ablehnung des Islams als Religion.

Die Quellen des rechtsradikalen Denkens

Volker Weiß erklärt, aus welchen intellektuellen Quellen sich das neue, rechtsradikale Denken speist. Neben Heidegger, Carl Schmitt sind es vor allem die Repräsentanten der sogenannten Konservativen Revolution, auf die sich die Vordenker der Neuen Rechten wie Karlheinz Weißmann und Götz Kubitschek beziehen. Unter dem Schlagwort Konservative Revolution fasste der Schweizer Neofaschist Armin Mohler nach dem Zweiten Weltkrieg eine einflussreiche Gruppe republikfeindlicher Intellektueller der zwanziger und dreißiger Jahre zusammen. Der Gruppe gehörten Autoren wie Oswald Spengler, Othmar Spann und die Gebrüder Ernst und F. G. Jünger an, die auf die Herausforderungen der Moderne mit dezidiert antiliberalen, antidemokratischen und antiegalitären Konzepten geantwortet hatten.

Der Liberalismus ist der Hauptfeind

Die Feindbilder der Neuen Rechten sind neben den Gender-Mainstreaming-Beauftragten, Multikulturalisten, AnhängerInnen der Political Correctness und Linken aller Art. Es sind im Grunde genommen die Prinzipien der relativistischen Moderne in ihrer Gesamtheit, also die offene, pluralistische Gesellschaft. Ein Rechtsradikaler, der seine Agenda ernst nimmt, wird mit dem Pluralismus der westlichen Moderne nichts anfangen können. Der sichtbare Gegner, der Islam, ist für die Neue Rechte einfach zu handhaben und es ist einfach dagegen zu mobilisieren, z. B. durch die PEGIDA-Bewegung. Schwierig wird es mit dem Feind, der als Freund auftritt: den Vertretern des Amerikanismus, der sich aus der Moderne speist. Putin mit seinem rückwärts gewandten Weltbild ist ihnen da ein willkommener Rettungsanker.

Dabei ist es der Bewegung wichtig, sich von der alten Rechten und deren martialischen Auftretens abzugrenzen. Man will sich vom Nationalsozialismus fern halten. Die neue Strategie der radikalen Rechten ist die Identitäre Bewegung. Ob die Aktivisten der Identitären mit gelben Fahnen und islamfeindlichen Transparenten durch deutsche Innenstädte marschieren oder in Greenpeace-Manier provokante Banner über dem Brandenburger Tor entrollen: Die rechten Revoluzzer von heute versuchen, rechtsextremem Denken und Handeln einen schicken, rebellischen Anstrich zu geben.

Die liberale, bürgerliche Gesellschaft muss sich die Frage gefallen lassen, warum hat sie dagegen bis heute keine wirksamen Strategien entwickelt? Die Beantwortung dieser Frage hätte den Abend im Hospitalhof gesprengt.

Die autoritäre Revolte – Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes
304 Seiten, geb. mit Schutzumschlag
Klett-Cotta, Preis 20,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Stella is coming

12.05.2017 at 14:05
E-Roller

.

 

An immer mehr Stellen sieht man sie: die blauen Roller der Stadtwerke. Sie fahren leise und geruchsfrei dank Ökostrom. Eine Initiative der Stadtwerke Stuttgart, den Verkehrsproblemen Herr zu werden.

Es gibt kein richtiges Cookie im falschen

11.05.2017 at 12:46
Cookie

.

 

M. ist ein Opfer süßer Verführung. Seine Kollegen haben ihn gewarnt …

Hasstexte – Eine gefährliche Textsorte

09.05.2017 at 15:11
Dr. Michael Kienzle Foto: Stiftung Geißstraße 7

Dr. Michael Kienzle Foto: Stiftung Geißstraße 7

Den folgenden Vortrag hielt Dr. Michael Kienzle, Literaturwissenschaftler und geschäftsführender Vorstand der Stiftung Geißstraße 7, am 3. Mai 2017 in den Räumen der Stiftung Geißstaße im Rahmen der Veranstaltungsreiche „Die Wucht der Worte“. Darin stellte er die Fragen: Warum nimmt der Hass in öffentlichen Debatten stetig zu? Wie unterscheidet sich der zerstörerische Hass vom gerechten Zorn oder der Wut und woher kommt er? Den folgenden Text hat er freundlicher Weise dem Elsternest zur Verfügung gestellt:

Hasserfüllte Rede ist geeignet, die Verständigung zwischen Menschen, Bürgern oder Staaten zu vergiften und zu verhindern. Die hasserfüllte Rede kann nicht nur Verletzungen hervorrufen, sondern sie ist „selbst eine Verletzung und damit unzweideutig eine Form des Verhaltens“, wie Judith Butler schreibt. Durch solches „Verhalten“ hoffen Populisten, demokratische Strukturen zu zerstören. Die AfD spricht konsequent von der „thymotischen Unterversorgung der Deutschen“ – die regen sich angeblich zu wenig auf.

Zu unterscheiden sind zunächst das aufbrausende Schimpfen, die Wut, der Zorn von der Hassrede oder vom Hasskommentar. Erstere sind anlassbezogen. Schimpfen ist nicht unversöhnlich, die Wut kann verrauchen und der gerechte Zorn kann durchaus Gerechtigkeit wieder herstellen. Diese Unterschiede ergeben sich oft erst aus dem Kontext.

Hass aber ist irrational und nicht auf Verständigung angelegt. Er ist, wie oft auch der Stolz, eine versteinertes Gefühl. Er ist auf die Konstruktion eines Gegners und dessen Vernichtung aus. Der hater ist aggressiv oder zynisch, oft auch gegen sich selbst. Er setzt sich absolut, er spricht pathetisch und meist aus einer selbstgesuchten Opferrolle heraus. Die Hassrede trägt dazu bei den „zivilisierten Streit“ über öffentlichen Angelegenheiten zu verzerren und zu entgrenzen. Verletzender Rede muss zuerst auf der Ebene der Zivilgesellschaft entgegengetreten werden.

„Sieg Heil! Stellt alle Juden mit dem Gesicht zur Wand! Ladet eure Gewehre durch und verteilt die Scheiße an der Wand.“ (FAS 28.2.16)
Dieser Post wurde bei Facebook nicht gelöscht, weil er angeblich nicht gegen die Guidelines verstößt: Schon die gewaltige Menge von Hasstexten stellt die Frage, inwieweit sich solche Schreiber auf Art. 5GG berufen können? Die staatliche Strafverfolgung nutzt die vorhandenen Paragrafen des Strafrechts wie Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Öffentliche Aufforderung zu Straftaten, Nötigung und Bedrohung nur gelegentlich.

Der Europarat hat den nachlässigen Umgang Deutschlands mit der Hasskriminalität erst kürzlich gerügt. Und dann stellt sich auch die Frage nach der Verantwortlichkeit der Internetplattformbetreiber.

Justizminister Maas hat den Entwurf eines „Gesetzes zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerden (Netzwerksdurchsetzungsgesetz)“ vorgelegt. Er fordert u.a. eine Beschwerdeberichtspflicht, die Löschung rechtswidriger Inhalte und nationale Rechtsverantwortung. Dieser Entwurf wird kontrovers diskutiert. Abzuwägen ist das hohe Gut der der Meinungsfreiheit, der Parrhesia, der Freiheit, über alles sprechen zu können. Und andererseits der Schutz Einzelner und Menschengruppen vor der Wucht gruppenbezogener Diskriminierung (Ethnophaulismus).

Diese Abwägung muss verantwortlich getroffen werden. Sie muss getroffen werden zwischen dem hohen Ideal des free-speech-absolutism und der nie unberechtigten Furcht vor Zensur. Und den verbalen Verletzungen/Traumatisierungen von Menschen sowie der Zerstörung demokratischer Konsensbildung. Ein Vorbild zivilgesellschaftlicher Counterspeech könnten die Initiativen wie die von Hannes Ley: #Ichbinhier sein.

Die Reihe wird fortgesetzt am Mittwoch, 10. Mai 2017, 20:00 Uhr in der Geißstraße 7. An diesem Abend wird es um Hasskommentare in den Sozialen Medien gehen. Referentin Dr. Christine Lehmann. Als Autorin von Krimis, Hörspielen, Theaterstücken und Jugendromanen ist sie Spezialistin für Sprache und sprachliches Agieren. Sie bloggt seit Jahren über verschiedene Themen.

Wider die nationalistische Engstirnigkeit

07.05.2017 at 23:11
Emmanuel Macron ist der 25. Präsident Frankreichs

.

 

Frankreich hat gewählt und es herrscht eine große Erleichterung, dass Marine Le Pen, die für Abschottung steht, nicht gewonnen hat. Der neue, 25. Präsident der französischen Republik, wird Emmanuel Macron heißen. Ein junger Politiker, der die europäische Idee konsequent verfolgt.

Das Modell der nationalen Abschottung hat in Frankreich einen Dämpfer erhalten. Das Bekenntnis von Emmanuel Macrons für Europa lässt hoffen: nationalstaatlichem Denken kann Einhalt geboten werden. Es gilt, eine Initiative für ein demokratisches Europa zu befördern und den europäischen Gedanken wieder sichtbar und hörbar zu machen.

Lisboetas – Lisboa – Lissabon

05.05.2017 at 16:00

.

Mein Reisetagebuch über Lissabon möchte ich überschreiben mit „Lisboetas“, nach dem gleichnamigen Film.

Die Neuen in Lissabon („Lisboetas“, 2004) R: Sérgio Tréfaut – Der Film zeigt Lissabon aus der Sicht seiner zugewanderten Arbeitsmigranten (dies war 2006 der meistgesehene portugiesische Dokumentarfilm aller Zeiten).

Lisbaoetas – Kunst am Bau

04.05.2017 at 18:18
Kunst am Bau

.

 

Was M. in Lissabon in den Straßen an Kunst sieht, hat so überhaupt nichts mit dem zu tun, was in Deutschland mit „Kunst am Bau“ überschrieben wird und mit öffentlichen Geldern subventioniert wird.

 

.

Lisboetas – Öffentlicher Transport

03.05.2017 at 15:00
Straßenbahnen in Lissabon

.

 

So manches Mal steigt M. in diese wunderbaren Straßenbahnen und rumpelt mit der Linie 28 von seiner  Ferienwohnung hinauf zum Aussichtspunkt in Alfama und wieder zurück. Die Transportkosten sind gering. Als M. in Lissabon ankam lud er sich 10 Euro auf eine Verkehrsmittelkarte und fuhr alle Tage mit diesem Guthaben durch die Stadt. Die schmalen und steilen Gassen Lissabons lassen dieses Transportmittel als ideal erscheinen. Wer es individuellen möchte, mietet sich ein Tuck-Tuck.

 

Tuck-Tuck in Lissabon

.