Manchmal trifft man IHN am Wegesrand

14.06.2019 at 18:52
Begegnung mit Gott

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Das bedichtete Schriftstellerhaus

14.06.2019 at 18:42
Schriftstellerhaus mit Lyrik

Gedicht von Katharina Ferner

Intimitäten im Badezimmer

10.06.2019 at 9:57
Neulich im Bad

Neulich im Bad

Wenn zwei sich küssen, schaut die Dritte verschämt zur Seite.

Populäre Kunst aus dem Kongo: Congo Stars

03.06.2019 at 20:24
Cheri-Cherin

Artist: Cheri-Cherin

 

Noch bis zum 30.06.2019 ist in der Tübinger Kunsthalle die wunderbare Ausstellung CONGO STARS zu sehen. Sie zeigt populäre Malerei von den 1960er-Jahren bis heute, Seite an Seite mit zeitgenössischer Kunst, die sich anderer Medien bedient. Alle, die die Demokratische Republik Kongo (früher Zaire) kennen, werden viele Motive wieder erkennen, aber auch die, die andere westafrikanische Staaten bereist haben. 150 Werke von etwa 70 kongolesischen Künstlerinnen und Künstlern werden präsentiert, die in Kinshasa, Lubumbashi, Brüssel oder Paris leben.

Congo Stars ist alles andere als eine „nationale“ Leistungsschau der Demokratischen Republik Kongo. Vielmehr vermischen sich reale Erfahrungen, Projektionen, Träume und Sehnsüchte von Künstlerinnen, die im Kongo und in Europa leben. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Königlichen Museum für Zentralafrika Tervuren, dem Kunsthaus Graz, dem Iwalewahaus in Bayreuth und PICHA in Lubumbashi. Einen kleinen Einblick in die Ausstellung versuche ich mit meiner Fotodokumentation zu geben:

weiterlesen, zu den Bildern

Schreibwettbewerb: 3 Gewinner – Sechs Textlesungen

01.06.2019 at 10:16
v.l.r.: Christian Reimann, Moritz Heger, Hannah Schraven, Simon Sailer

v.l.r.: Christian Reimann, Moritz Heger, Hannah Schraven, Simon Sailer

 

Am 27.05.2019 begrüßte Meike Jung von der Stadtbibliothek Stuttgart die drei Preisträger des Drei-Länder-Schreibwettbewerbs im hauseigenen Café LesBar. Dieser Preis wurde erstmals vom Literaturmagazin Narr, der Literaare, vom Stuttgarter Schriftstellerhaus und Literatur Vorarlberg für Nachwuchsautorinnen und Autoren ausgeschrieben. Moritz Heger, Vorstandsvorsitzende des Schriftstellerhauses, moderierte den Abend. Er saß selber in der Auswahljury.

Zu Beginn der Lesung erläutert Moritz Heger, dass die Jury die drei Gewinner aus 305 Texten ausgewählt hat. Voraussetzung zur Teilnahme an dem Schreibwettbewerb für den literarischen Nachwuchs war, dass noch keine Buchveröffentlichung vorlag. Eine Altersbeschränkung gab es ebenso wenig wie die Vorgabe eines Genres. Es setzten sich Hannah Schraven (Lyrik), Simon Sailer (Prosa) und Christian Reimann (Prosa) bei diesem Wettbewerb durch.

Hannah Schraven, geboren 1992, studierte am Institut für Literarisches Schreiben in Hildesheim und arbeitet vor allem mit Klang-Text-Collagen. Das klang auch deutlich in ihrem Gedicht über Tiere und Menschen an.

Der Wiener Simon Sailer, geboren 1984, studierte Philosophie und Kunst. Seit 2017 veröffentlicht er in literarischen Zeitschriften und Anthologien. Sein im März erschienener Debütroman Menschenfisch lag zum Zeitpunkt des Wettbewerbs noch nicht vor, somit erfüllte er die Kriterien. Simon Sailer entfaltet in Origamien fantasievolle Gedankengeschichten, die sein Protagonist beim Falten von Papierfiguren entwickelt.

Der in der Nähe von Berlin lebende Christian Reimann liest seine Geschichte Einzelzimmer. Er zieht darin den Leser in ein Altersheim und beschreibt die Tristesse, die dort eben herrscht. Er hatte mit seinem Text auch den Publikumspreis beim Literaare-Festival gewonnen.

Unterschiedliche Arbeitsweisen

Im Gespräch mit Moritz Heger erzählen die drei, wie sie arbeiten: Hannah Schraven eher „Old School“: morgens im Bett schreibt sie von Hand, sortiert ihre ersten Einfälle. Doch daraus entwickelt sich bei ihr ein architektonischer Schreibprozess.

Christian Reimann „schreibt so vor sich hin“. Den größten Teil des Tages beschäftigt er sich mit dem Lesen von Romanen. Dabei geht es ihm nicht um die Quantität sondern um die Qualität. Bis zu acht Stunden jeden Tag liest er immer die gleichen Romane, um das Handwerk großer Autoren zu studieren. James Joyces Ulysses muss man einfach dutzendmal lesen, um ihn ganz zu durchdringen. Kafkas Schloss hat er mindestens zwanzig Mal gelesen, Camus viele Male, den Roman Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann zehnmal und er würde diese wenigen Werke auch immer wieder lesen. „Unterhaltungsliteratur“ würde ihn nicht interessieren. Der Frage, wann er seinen Lebensunterhalt verdient, weicht er aus. Er hätte keine großen Bedürfnisse.

Simon Sailer hat es geschafft, mit kontinuierlichem Arbeiten seinen ersten Roman zu schreiben.

Es bleibt abzuwarten, ob diese drei jungen Menschen weiter die literarische Bühne bespielen. Christian Reimann hatte ja schon beim Erhalt der Nachricht, dass er ausgewählt worden sei, skeptisch reagiert und eine Fälschung vermutet. Mit je einem zweiten Text verabschiedeten sich alle drei an diesem Abend vom Publikum. (Hannah Schraven siehe hier)

Kathrin Schmidt im Schriftstellerhaus

25.05.2019 at 9:53
Katrin Schmidt im Schriftstellerhaus

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Das Schriftstellerhaus in der Kanalstraße stellte am 22. Mai 2019 seine derzeitige Stipendiatin Kathrin Schmidt vor. Astrid Braun begrüßte die Gäste im schmalsten Haus Stuttgarts, das bis auf den letzten Platz besetzt war.

Kathrin Schmidt, 1958 in Gotha geboren, studierte nach dem Abitur Psychologie und arbeitete nach ihrem Diplom als Kinderpsychologin. Sie ist verheiratet und hat selber 5 Kinder. Die haben auch ihr Schreiben strukturiert: immer morgens, wenn alle aus dem Haus waren, setzte sie sich an den Schreibtisch, um Gedichte und Prosa zu schreiben. Seit 1994 ist sie freie Schriftstellerin.

Zwei Gedichte aus dem gerade erschienen Gedichtband waschplatz der kühlen dinge liest sie zu Beginn des Abends. Auch das Gedicht, in dem der Titel aufscheint. Darin heißt es in der dritten Strophe:

denn hier bleibt den sommer über der waschplatz
der kühlen dinge, die ich mitnehmen will, während im zelt
die schuldigkeit langsam dahingeht, kommt herbst,
kommt rat. womöglich in deiner gestalt, mit händen
wie deinen, die den vergehenden durst zum ende
in luft auflösen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Autorinnen und Autoren scheut sich Kathrin Schmidt nicht, auch Gedichte zu lesen, die sie gerade entwickelt und die noch nicht endgültig fertig sind. Die sich, wie sie sagt, „noch in meinem Kopf tummeln“. Sie arbeitet während ihres Stipendiatenaufenthaltes an Lyrik und an einem Roman. Zu Hause, im eigenen Haus am Rande Ostberlins, kommt sie nicht so gut dazu, obwohl mittlerweile alle Kinder aus dem Haus sind. Die Prosaminiaturen, die sie vorliest, sind durchwoben von feinem Humor und sind Ergebnis genauen Hinschauens. Gedichte, so führt sie aus, entstehen in der Regel erst im Kopf, dann bringt sie sie zu Papier. Es sind überwiegend unveröffentlichte Gedichte, die sie an diesem Abend den Zuhörern präsentiert.

Im Gespräch erklärt sie, im nächsten Jahr soll ein neuer Gedichtband und der Roman veröffentlich werden. Sie wird ihre Zeit also gut nutzen und man kann auf das Ergebnis gespannt sein.

waschplatz der kühlen dinge
Gebunden, mit Schutzumschlag, 16 Seiten
Kiepenheuer&Witsch, Preis 16,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Die Tschechin Kateřina Tučková schreibt über ein deutsches Mädchen

25.05.2019 at 7:41
Kateřina Tučková im Gespräch mit Jaroslav Rudiš

Kateřina Tučková im Gespräch mit Jaroslav Rudiš

 

Schon wieder stattete Jaroslav Rudiš Stuttgart einen Besuch ab. Am 21. Mai 2019 moderierte er die Buchvorstellung der tschechischen Autorin Kateřina Tučková. Sie war im Rahmen der Dreiteiligen Reihe Česko des Literaturhauses im Haus der Heimat zu einer Lesung aus ihrem in Deutschland gerade erschienen Roman Greta. Ein deutsches Mädchen eingeladen.

Der Roman einer Vertreibung

Der Roman erzählt die Geschichte von Gerta Schnirch aus Brünn. Nach dem Krieg wird sie als „Halbdeutsche“ aus ihrer Heimatstadt (tschechisch Brno), vertrieben. Brünn ist heute die Partnerstadt Stuttgarts in Tschechien. In diesem Jahr jährt sich diese Partnerschaft zum dreißigsten Mal. Daher verwundert es nicht, dass die Veranstaltung in Kooperation mit dem Land Baden-Württemberg, dem Schauspiel Stuttgart und dem Haus der Heimat ausgetragen wurde.

Kateřina Tučková ist in Tschechien eine Bestsellerautorin

Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Gebieten Böhmen und Mären ist lange Zeit ein tabuisiertes Thema in der Tschechei gewesen. Umso verwunderlicher, dass sich dieses Buch nach seinem Erscheinen in der Tschechei innerhalb kurzer Zeit zu einem Bestseller entwickelt hat. 50.000 Exemplare wurden verkauft und es wurde 2010 mit dem wichtigsten Literaturpreis des Landes, den Magnesia Litera, ausgezeichnet. Ein Werk ab 10.000 Exemplare gilt in der Tschechei bereits als Bestseller, wie Jaroslav Rudiš erläutert. Von ihrem neuesten Roman Das Vermächtnis der Göttinen wurden in Tschechien sogar 150.000 Exemplare verkauft. Kateřina Tučkovás Bücher erschienen auf dem deutschen Büchermarkt in umgekehrter Reihenfolge. Wie es zu diesem Erfolg bei einem Buch mit diesem düsteren Thema kommen konnte, fragt Jaroslav Rudiš Kateřina Tučková. Es scheinen die neuen Perspektiven zu sein, die die Autorin einbringt. Und dass sie sich extrem in ihre Hauptfigur eingefühlt hat und ihr Schicksal einfühlsam erzählt.

Kateřina Tučková fühlt sich in ihre Figuren ein

Anhand des Einzelschicksals der Gerta Schnirch scheint ein Stück tschechisch-deutscher Geschichte auf. Gerta wächst in einer gespaltenen Familie im mährischen Brünn auf: der Vater Deutscher und Anhänger Hitlers, ebenso ihr Bruder, die Mutter aber ist Tschechin. Diese stirbt nach der Errichtung des deutschen Protektorats 1938. Solche gemischten Ehen waren an der Tagesordnung. Die Familie zerfällt in ihren tschechischen und deutschen Teil – ebenso wie die Gesellschaft – und Gerta wird vom eigenen Vater schwanger. Gerta Schnirch wird zum Staatsfeind erklärt und 1945 im sogenannten Brünner Todesmarsch vertrieben. Sie erleidet ein Schicksal wie 27.000 andere Deutsche, die aus Brünn vertrieben wurden. Die Rache der Tschechen an den Deutschen war hart: Allein auf dem Todesmarsch von Brünn über die österreichische Grenze sterben 5.000 Menschen, teils auf drastische Weise. Jahre später kehrt sie mit ihrer Tochter zurück und lebt, stigmatisiert als Deutsche, am Rande der kommunistischen Gesellschaft.

Sprachbarrieren gibt es mit Jaroslav Rudiš nicht

Jaroslav Rudiš hat seinen letzten Roman (Winterbergs letzte Reise) erstmalig auf Deutsch geschrieben. Er spricht beide Sprachen perfekt und übersetzt die Antworten von Kateřina Tučková. Allerdings gibt er zu, dass er den speziellen Brünner Dialekt nicht beherrscht, der viele jüdische Worte enthält. Brünn war bis zum zweiten Weltkrieg geprägt von der jüdischen, deutschen und tschechischen Kultur. Diesen Dialekt beherrscht Kateřina Tučková, sie wohnt in Brünn in der sogenannten Bronx, sehr zentral in einem eher „schwachen Viertel“, vergleichbar vielleicht mit dem Athener Viertel Exarchia.

Isabel Schmier, Studierende des Studiengangs Sprechkunst an der HMDK Stuttgart, liest an diesem Abend eindrücklich einige Passagen aus der deutschen Übersetzung des Romans.

Greta. Das deutsche Mädchen
Übersetzung von Iris Milde
Broschiert, 548 Seiten
KLAK Verlag, Preis 19,90 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Für ein Europa, frei von nationalen Egoismen

21.05.2019 at 20:00
Frontbanner in Stuttgart

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Am Sonntag, den 19. Mai 2019, gingen in Stuttgart viele tausend Menschen auf die Straße, um für ein Europa zu demonstrieren. Unter dem Motto: „Ein Europa für Alle – Deine Stimme gegen Nationalismus!“ hatte ein breites Bündnis zu dieser Demonstration aufgerufen, die parallel in 7 deutschen Großstädten stattfand ebenso wie in über 40 anderen europäischen Großstädten.

Die beiden AnStifter Barbara Stoll und Peter Grohmann moderieren die Veranstaltung. Und man merkt es diesen beiden Profis an, wie sie mit ihrer literarisch-lyrischen Moderation die Menschen in ihren Bann ziehen und eine harmonische Bindung zwischen Reden und musikalischen Darbietungen.

Der Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat es sich nicht nehmen lassen, selber das Grußwort der Stadt Stuttgart zu sprechen. Er betont, dass Stuttgart sich als europäische und internationale Stadt verstehe. Er warb für eine hohe Wahlbeteiligung für die Europawahl am kommenden Sonntag.

Redebeträge wechseln sich ab mit musikalischen Darbietungen: Den Auftakt macht das Orchester vom Forum der Kulturen „Ziryab“. Rainer von Vielen steuert einige Songs bei ebenso die stadtbekannten Rapper Toba &Pheel.

Als prominente Redner stehen Damian Ludewig von Campact – die die Demonstrationen koordiniert haben – und Martin Kunzmann vom DGB sowie Sarah Händel von „Mehr Demokratie“ auf der Bühne. Sie fordert unter anderem europäische Volksabstimmungen.
Im Anschluss an die Auftaktveranstaltung geht es einmal rund um die Innenstadt. Auf kreativen Plakaten wurde postuliert: „Vielfalt macht nur den Einfältigen Angst.“ – „Es lebe die Europäische Republik“ – „Omas gegen rechts! – „Gegen Ausgrenzung und Rassismus“.

Bei der Rückkehr der Demonstranten heizt Cris Cosmo mit seiner Band die Stimmung vor der Bühne auf. Sein Markenzeichen sind deutsche und lateinamerikanische Texte, die Akustikgitarre als tragendes Element und ein Mix aus Reggae, lateinamerikanischen Rhythmen und clubbigen Beats. Das animiert bei strahlendem Sonnenschein zum Tanz.

Die emotionale Rede von Julian Pahlke von dem Projekt „Jugend rettet“ fasst den Spirit der Demonstration zum Schluss gut zusammen. Erfreulich, wie viele junge Leute unter den Demonstranten sich zu einem Europa jenseits von Rassismus und Ausgrenzung bekennen. Das stimmt zuversichtlich.