Als ich ein kleiner Junge war

29.12.2016 at 14:43
Erich Kästner als Junge vor der Villa

Der Junge Erich auf der Mauer vor dem Museum

 

So heißt ein bekanntes Buch von Erich Kästner. Zu besichtigen in der Villa Augustin, ein paar Schritte vom Albertplatz entfernt. Hier, in der ehemaligen Villa seines Onkels Franz Augustin, in seiner Geburtsstadt Dresden, wurde anlässlich des 101. Geburtstages des Schriftstellers das Erich Kästner Museum eröffnet.

Ein ungewöhnliches Architekturprojekt

Der irischer Architekt Ruairí O’Brien hat ein ungewöhnliches Museumskonzept umgesetzt. In zwölf beweglichen Stehlen um einen zentralen Kern sind in vielen Schubladen die Exponate untergebracht, die die Besucher herausnehmen und anschauen können. Sie sind in vier Gruppen farblich geordnet.

In den grünen Schubladen findet man Exponate zu „Erich Kästner, ein Deutscher aus Sachsen: Biografie und Heimat“.

In den roten Schubladen findet man Stücke zu dem Themenkomplex: „… der Mann zwischen den Stühlen. Kästner – ein Außenseiter wider Willen“.

„Sie müssen wieder wie Kinder werden … Kästners Utopien“, finden sich in den gelben Schubladen. Und schließlich in den blauen Schubfächern „Erich Kästner und die Medien“.

Die 13. Säule, der Kern, beinhaltet neben einer multimedialen Ausrüstung Originale (Briefe, seinen Anzug, seinen Hut, seine Schreibmaschine etc.), die sein Leben symbolisieren. Wie der Museumsbau selber, fügen sich die einzelnen Facetten zu einer Gesamtheit zusammen. So kann sich jeder Besucher seine eigenen Schwerpunkte setzten.

Die Bücher von Erich Kästner wurde von den Faschisten verbrannt

Kästner gehörte zu den im Dritten Reich verbrannten Schriftstellern. Während der Nazidiktatur hatte er Schreibverbot. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog Kästner nach München, wo er bis 1948 das Feuilleton der Neuen Zeitung leitete. Er engagierte sich gegen die Wiederbewaffnung und setzte sich für die von der SPD propagierten Schulreformen ein, die er für Kinder förderlicher fand, als das geltende Schulsystem.

Das Literaturhaus Dresden ist bei Erich Kästner in guter Gesellschaft

Über dem Erich Kästner Museum, im ersten Stock, ist ein Café eingerichtet. An den Wänden Bücherregale mit seinen Werken und Büchern Dresdener Autoren bzw. Autoren, die in Dresden leben. In dem Café finden auch die Veranstaltungen des Literaturhauses Dresden statt, das vor sechzehn Jahren gegründet wurde.

Ein neues Diensthandy

21.12.2016 at 20:00
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M. bekam, passend zu Weihnachten, von seinem Arbeitgeber ein neues Diensthandy. Freudig packte er es aus. Ein kleines Gerät, das gut in der Hand liegt. Die Tasten sind ein wenig zu klein geraten, findet M.

Dafür wartet das Handy mit Strahlungswerten auf, die derzeit wohl einzigartig auf dem Markt sind. Spitzengeräte erreichen schon mal SAR-Werte von 0,21 W/kg. Allerdings kommen einige Smartphones mit 1,64 W/kg schon sehr nahe an den Grenzwert. Generell gilt: Um gesundheitliche Schäden auszuschließen, sollte die spezifische Absorptionsrate eines Handys (SAR-Wert) nicht mehr als 2 Watt pro Kilogramm betragen. Das ist die Leistung, die ein Handy während eines Telefonats am Ohr bei maximaler Sendeleistung höchstens in den menschlichen Kopf einstrahlen darf.

Das neue Diensthandy von M. schlägt sie alle. Es hat Strahlungswert von sage und schreibe 0,00 W/kg! Dafür wartet es allerding mit einem Nachteil auf, der zukünftig näher zu betrachten sein wird: Die WSW des Ohres (Wäremestrahlungswerte) können zu einer Beeinträchtigung des Gerätes führen. Einen Tod muss man halt sterben. Entscheiden Sie, ob es den User oder das Gerät erwischen soll.

 

Ein Song kann den Tag beflügeln

21.12.2016 at 13:06

M. hört morgens Deutschlandradio Kultur. Neben den guten Wortbeiträgen bekommt M. auch immer wieder Musik zu hören, die ihn neugierig macht und manchmal entdeckt er darüber Künstler, die ihm die Seele laben. Wie heute, als er die Gruppe „Family of the Year“ hört, die so wunderbar den amerikanischen Traum in diesem Song gegen den Strich bügeln:
 

Let me go
I don’t wanna be your hero
I don’t wanna be your big man
I just wanna fight with everyone else

Den vollständigen Text gibt es hier.

Heinrich Steinfest hat den Bayerischen Buchpreis erhalten

18.12.2016 at 18:17
Heinrich Steinfest

Zeichnung: Heinrich Steinfest

 

Der Schöpfer des kleinen Quimp hat den Bayerischen Buchpreis erhalten. Diese Nachricht übermittelte uns die Leiterin der Bibliothek in Cannstatt. Dort las Heinrich Steinfest vor kurzem.

Die Jury, bestehend aus dem TV-Literaturkritiker Denis Scheck, der Journalistin Franziska Augstein und der Friedenspreisträgerin Carolin Emcke zeichneten damit einen Autor aus, der in seiner Surrealität einer der realistischen Autoren der Gegenwart sei, der in seinen ganz und gar unberechenbaren Romanen der Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts seinen geistreichen Spiegel vorhalte.

Die Elster und die Lerche können sich diesem Urteil voll und ganz anschließen, freuen sich von Herzen und gratulieren dem Kollegen Quimp und seinem Schöpfer für diese Auszeichnung.

Buchcover

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Das Leben und Sterben der Flugzeuge
608 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag,
mit Zeichnungen des Autors
Piper Verlag, Preis 25,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Felicitas Andresen erhält für „Sex mit Hermann Hesse“ Thaddäus-Troll-Preis

18.12.2016 at 14:41
Felicitas Andresen erhält von Ingrid Bussmann den Thaddäus-Troll-Preis

Felicitas Andresen erhält von Ingrid Bussmann den Thaddäus-Troll-Preis

 

Felicitas Andresen erhält den diesjährigen mit 10.000 Euro dotierten Thaddäus-Troll-Preis für ihren Roman Sex mit Hermann Hesse. Am 14. Dezember 2016 wurde ihr der Preis in der Stadtbibliothek der Stadt Stuttgart verliehen.

Frau Christine Brunner, die Leiterin der Stadtbibliothek, erinnert in ihrem Grußwort daran, dass alle Thaddäus-Troll-Preisträgerinnen und -Preisträger einen Platz in der Abteilung Literaturszene Stuttgart und Region in der Stadtbibliothek am Mailänder Platz erhalten. Die diesjährige Preisträgerin wird ganz am Anfang der Werkausstellung stehen und damit zusätzlich geehrt.

Ein Literaturprofessor hält die Laudatio

Peter Blicke hält die Laudatio auf Felicitas Andresen

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Großer Bahnhof für die Preisträgerin: der in den Vereinigten Staaten lehrende Peter Blickle hält die Laudatio auf die 1939 geborene Flelictas Andresen. Der aus dem Schwäbischen stammenden Professor und Autor lobt die direkte Art, über Sex zu schreiben und das in Zusammenhang mit einer Ikone der deutschen Literatur. Peter Blickle lehrt German and Gender and Women’s Studies an der Western Michigan University und ist sicher auch unter diesem Gesichtspunkt eine gute Wahl für die Laudatio. Sex sei ein unzuverlässiger Führer durchs Leben, meint der Professor. Hesse sähe man jenseits von Sex. Und doch hat Felicitas Andresen diese beiden Pole zusammen gebracht und spielt mit zwei Feuern: dem „heiligen Sex“ und dem „Heiligen der Literatur“ Hermann Hesse. Die fiktiver Erzählerin weiß zu gut, was es heißt, wenn Hermann Hesse zum „Sexobjekt“ wird. Wie sie lebt Felicitas Andresen in Gaienhofen, Kultstätte für Hesse-Fans, und arbeitet wie diese im örtlichen Hesse-Museum (als Kassiererin). Und dort kann man erleben, wie weit der Hesse-Kult bei manchen Anhängerinnen gehen kann.

Peter Blickle möchte den Roman nicht auf ein Genre festlegen, zu vielfältig sei er angelegt, als Schelmenroman geht er aber sicher durch. Felicitas Andresen habe ein feines Gespür für Worte, weiß genau um die Wirkung ordinärer Ausdrücke und feinsinniger Beschreibungen, die sie gezielt einsetzt. Und immer bleibt sie eine „Picara“, eine die stichelt und piekst.

Und im realen Leben? Da hat Felicitas Andresen ein „Slut-Shaming“ erlebt. Slut-Shaming fände immer da statt, wenn Frauen öffentlich oder privat eine Frau beleidigten, weil diese ihre Sexualität auf eine Weise ausgedrückt, die nicht mit den patriarchalischen Erwartungen an Frauen übereinstimmt. In Amerika ein weit verbreitetes Phänomen. Felicitas Andresen wurde in Leserbriefen wegen ihrer frechen Literatur attackiert.

Felicitas Andresen liest aus ihrem Roman und gibt damit Einblicke in ihr Schaffen

Felicitas Andresen

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Einen kurzen Einblick erhält das Festaktpublikum durch die Lesung von Felicitas Andresen im Anschluss an die Laudatio. Dabei werden die Erwartungen der Zuhörer aufs eindrücklichste unterlaufen, als die 77jährige Autorin, in klassischem Kostüm gekleidet, in ihrer frechen Sprache liest. Das Buch erzählt von einer ältere Hausfrau, die ja eigentlich nur auf das Hermann-Hesse-Haus in Gaienhofen auf der Höri aufpassen soll, weil sie mit der Museumsarbeit ihr Budget aufstocken will, obwohl sie von Hesse wenig Ahnung hat. Doch zunehmend stellt sie plötzlich Fragen – an sich und andere: Wer war dieser Hermann Hesse, der gesunden Sauerampferpudding aß, aber ständig brieflich seinen bevorstehenden Selbstmord ankündigte? Der drei Frauen und drei Kinder hatte, aber doch Ekel vor der Wollust? Die geistige Anwesenheit dieses jungen alten Herrn wirkt sich immer mehr auf den Alltag der staunenden Betreuerin aus.

Felicitas Andresen arbeit immer noch im Hermann Hesse Museum. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis (aus Mittel des Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg bereit gestellt) wird ihr mehr Spielraum für ihre schriftstellerischen Ambitionen ermöglichen. Und dann erfährt sie an diesem Abend, dass ihr Verleger, Hubert Klöpfer, ihr anbietet, auch ihr neues Manuskript im neuen Jahr in seinem Verlag heraus zu bringen.

Die Begründung der Jury

Die Begründung der Jury für den Roman trägt die Vorsitzende des Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg vor. Darin heißt es:

„Die Jury hat beeindruckt, dass Felicitas Andresen mit ihrem Roman „Sex mit Hermann Hesse“ die nicht gerade umfangreiche deutsche Literatur humoristischen Charakters bereichert. Ihr Buch, das mit viel Understatement daherkommt und sich auf den ersten Blick nur wie das Tagebuch einer subalternen Museumsangestellten liest, ist ein Schelmenroman, der in einem schnoddrig-respektlosen Ton aus der Dienstbotenperspektive auf den großen Dichterhelden Hermann Hesse schaut und dessen menschlich, allzu menschlichen Seiten besser aufspürt als die meisten akademischen Abhandlungen. Gleichzeitig beleuchtet der Roman auf satirische und selbstironische Weise die Gepflogenheiten des bürgerlichen Literaturbetriebs und seiner Dichterverehrung in Geschichte und Gegenwart.“

Dann überreicht sie Felicitas Andresen den Preis. Die bedankt sich mit herzlich und blickt in ihrer Dankesrede noch einmal auf das, was sie mit diesem Roman losgetreten hat. Hören und sehen Sie selbst:

Sex mit Hermann Hesse
Roman
220 Seiten, geb. mit Schutzumschlag
Klöpfer & Meyer, Preis: 20,00 €

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