Kanibalismus im Straßenverkehr

22.03.2017 at 16:55
Motorradkaniabalen

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Bei einem Kurzbesuch in Bremen entdeckte M. dieses Motorrad. Er fragte sich, ob es von einem Kanibalen gefahren wird. Ansonsten war für M. der Besuch in Bremen mal wieder sehr entspannt. Der Bremer ist ein freundlicher Zeitgenosse. Überall wird M. freundlich empfangen und er hat keinerlei Angst, unter die Messer zu kommen. Fahrradfahren ist absolut angesagt. Ein weiterer Punkt, der M. für diese Stadt einnimmt.

Dieser Kleinwagen passt in die kleinste Lücke

21.03.2017 at 16:54
Kleinwagen

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Herkömmliche Kleinwagen nehmen ja schon mal Dimensionen eines Mittelklassewagens von vor 20 Jahren an. So z. B. der aktuelle Mini (heute von BMW hergestellt) oder der aktuelle Fiat 500. Wo sich früher zwei Personen reinquetschten, passt heute locker eine ganze Familie hinein. Da ist dieser in Holland zugelassene Wagen eine absolute Ausnahme. Locker kann M. seinen Arm auf dem Dach ablegen. Wenn man einsteigen will, muss man (im Winter) die Tür erst druch das Öffenen eines Reißverschlusses am Dach „entriegeln“. Ob dieses Fahrzeug bei Feinstaubalarm gefahren werden darf, ist eher unwahrscheinlich.

Kauf dich glücklich

21.03.2017 at 16:29
Kauf dich glücklich?

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M. misstraut von Jugend an den Versprechungen der Werbeindustrie. Als er von einer Kollegin von einem alternativen Kaufhaus hörte, sucht er das Kaufhaus auf, um die Versprechen an der Realität zu überprüfen. Er scheitert schon beim Kauf: Von all den Dingen, die in diesem kleinen Kaufhaus in Stuttgart zum Verkauf angeboten werden, braucht er nichts. Für ihn sind das Dinge aus der Kategorie „Stehrümchen“. Und an Klamotten ist er auch nur sehr begrenzt interessiert. Mit nichts in der Hand verlässt er das Kaufhaus.

Als er am Abend mit seinem Rad vorbeifährt, kommt ihm folgender Gedanke beim Anblick der Abfallsäcke vor dem Geschäft in den Sinn: Haben die Kundinnen und Kunden Dinge eingekauft, die sie nicht benötigen und haben sich ihrer schnell entledigt? Das wäre dann Turborecycling.

Die Wucht der Worte

15.03.2017 at 23:30
Daniel Pascal Zorn in der Stiftung Geißstraße, Stuttgart

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So heißt eine neue Reihe, die in der Stiftung Geißstraße am 14. März 2017 mit dem Philosophen Dr. Daniel-Pascal Zorn begann. Ein Motto von Hugo Hofmannsthal steht über dieser Veranstaltungsreihe, die von den Anstiftern, dem Schriftstellerhaus, der Universität Stuttgart, dem Verband der Schriftsteller und vielen anderen Institutionen unterstützt wird: „Manche Worte gibt’s, die treffen wie Keulen. Doch manche schluckst du wie Angeln und schwimmst weiter und weißt es noch nicht.“

Dr. Michael Kienzle, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Geißstraße, umreißt in seinen einleitenden Worten die Intention der Veranstaltungsreihe: Sowohl die direkte als auch die parlamentarische Demokratie beruhen gleichermaßen auf dem freien Wort. Auf dem Austausch von Meinungen, Erkenntnissen und Interessenbekundungen. Meinungs- und Pressefreiheit waren die zentralen Forderungen des Liberalismus. Sie fanden Eingang auch ins Grundgesetze der Bundesrepublik Deutschland. Wie Aristoteles vor mehr als 2000 Jahren bemerkte, entwickeln sich Staat und Gesellschaft zwar im Streit, jedoch nur dann, wenn er zivilisiert ausgetragen wird. Das Projekt „Die Wucht der Worte“ möchte dazu eine Debatte anzetteln. Es möchte mit Medienschaffenden, Kulturschaffenden und politisch Interessierten das Bewusstsein in der Stadt dafür schärfen, dass der zivilisierte Diskurs die Grundlage jeder sozialen Gemeinschaft ist.

Dr. Daniel-Pascal Zorn hat seine Thesen bei Klett-Cotta veröffentlicht

Dr. Daniel-Pascal Zorn hat gerade sein Buch Logik für Demokraten im Klett Cotta Verlag vorgelegt. An diesem Abend in der Geißstraße stellt er es zum ersten Mal dem interessierten Publikum vor. Darin beschreibt er, dass demokratisches Handeln und Denken nur Bedeutung hat, wenn es immer wieder eingeübt wird. Er will uns Denkwerkzeuge an die Hand geben, um sich den Gegnern und Feinden demokratischen Denkens entgegenzustellen. Ein gewagtes Experiment, bei dem er sich auf Aristoteles beruft, der dem zivilisieren Streit eine Lanze gebrochen hat. Der Diskurs, den Platon auf dem Marktplatz von Athen führte, so Dr. Zorn, wird heute in den sozialen Medien, allen voran Facebook, geführt. Und er hat sich eingemischt. Hat Diskussionen auf rechten Internetseiten und denen der AfD geführt. Hat mit philosophischen Methoden den Diskurs bestritten und dabei die Logik angewendet, die sich aus zwei Quellen speist:
zum einen logos (der Rede) und zum anderen téchne, dem Verständnis von Kunst, Wissenschaft und Technik.

Dr. Daniel-Pascal Zorn spricht sich dagegen aus, rhetorische Tricks in Debatten anzuwenden, wiewohl diese Art zu Reden zu unserer Debattenkultur dazugehört. Aber sie ist eben nicht die einzige und meistens auch nicht die, die auf das Gemeinsame zielt. Wer sie als die einzig legitime setzt, darf sich nicht wundern, wenn das Gespräch im geistigen Bürgerkrieg endet, so seine These. Er vertritt den Anspruch einer allgemeinen Bildung. Das bedeutet, es ist notwendig, die Ausbildung der eigenen Urteilskraft zu fördern. Politische Glaubensbekenntnisse vor sich herzutragen, sollte tunlichst vermieden werden. Wir müssen einfach wieder damit anfangen, miteinander statt gegeneinander zu reden. Er spricht sich dafür aus, die Reflexionslogik anzuwenden, die untersucht, was gilt und die um einen Nachweis dessen bemüht ist. Dabei ist zwischen Person und Argument zu trennen. Die deskriptive Logik verhandelt das Argument und ist nicht mit Psychologie zu verwechseln, die den Sprechenden zu verstehen trachtet.

In den sozialen Netzwerken im Selbstversuch unterwegs

Dr. Daniel-Pascal Zorn analysiert populistischer Argumentation und totalitärer Denkweisen. Der Populist beginnt häufig mit der Festlegung: „Ich spreche für das Volk (die schweigende Mehrheit)“. Damit setzt er sich ins Recht. Im nächsten Schritt werden häufig Verschwörungstheorien aufgerufen und Argumente werden extrem überhöht. Es wird eine Einheit derer hergestellt, die dagegen sind. Vage Begriffe wie: Volk, Kultur, Natur werden in den Diskurs eingeführt. Provokationen werden als Mittel der Rhetorik aufgerufen. Fatal: Der Diskurs wird durch „Gewohnheiten“ zementiert. Er fordert dagegen auf, kritisch zu bleiben und zu erkennen, dass es vernünftig ist, demokratisch zu denken. Und er postuliert, in allen Debatten sollen wir authentisch bleiben, will sagen, so zu handeln wie wir sprechen, mit uns überein zu stimmen.

Dies hat er im Selbstversuch ausprobiert, indem er sich auf Facebook in Diskussionen eingeklinkt hat. Und er hat, wie er berichtet, Erfolge erzielt, hat mit Argumenten überzeugt. Seine Erkenntnisse sind auch in den Diskurs mit Schülern eingegangen. Mittlerweile gibt es Projekte an verschiedenen Schulen, die anhand seiner „Anleitungen“ Diskussionsstränge auf Facebook analysieren und daraus Erkenntnisse generieren. Auf seinem Blog „Die Kunst der Rechtfertigung“ berichtet Dr. Daniel-Pascal Zorn regelmäßig über seine Versuche, sich in Diskussionen philosophisch einzumischen.

Im Anschluss an die Veranstaltung führte der Klett-Cotta-Verlag für seinen Blog ein Interview mit dem Autor, das man hier ansehen kann.

Logik für Demokraten
Eine Anleitung
314 Seiten, gebunden
Klett-Cotta, Preis 20 €

zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Stuttgart liest ein Buch mit Shida Bazyar

11.03.2017 at 9:07
Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar

Im Schriftstellerhaus haben die Vorbereitungen zu Stuttgart liest ein Buch begonnen. Foto: © S. Martin

 

Im Oktober ist es wieder soweit. Stuttgart liest ein Buch. Zum dritten Mal veranstaltet das Schriftstellerhaus dieses literarische Festival, bei dem ein Buch im Mittelpunkt steht. Dieses Jahr ist es Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar. Die junge Autorin mit iranischen Familienwurzeln las in der Reihe Literatur im Salon im Sommer letzten Jahres aus ihrem Debütroman und eroberte im Sturm die Herzen der Vorsitzenden des Schriftstellerhaus-Vereins und dessen Geschäftsführerin. Es war leicht, mit diesem Erlebnis die an dem Projekt beteiligten Kooperationspartner für das Buch und das Thema des Buches zu begeistern, das uns seit vielen Monaten beschäftigt: Flucht, Vertreibung, Integration in eine fremde Kultur.

Shida Bazyar verwendet vier Erzählstimmen

Dies alles erzählt Shida Bazyar mit leichter Hand, humorvoll und voller Empathie für ihre vier Protagonisten, die in jeweils einem Abschnitt des Buches ihre Lebenswirklichkeit erzählen. Da ist der Vater, der mit seiner Frau 1979 aus dem Iran fliehen musste, da er als kommunistischer Aktivist den bei den Mullahs in Ungnade fiel. Er erzählt von seinen politischen Aktionen und wie er seine Frau kennen lernte mit der er dann aus dem Iran nach Deutschland flieht. In einer Kleinstadt finden er, seine Frau und seine kleinen Kinder Zuflucht. Zehn Jahre später erzählt seine Frau von den Bemühungen der Familie, sich in Deutschland zu integrieren. Über 4 Jahrzehnte erstreckt sich der erzählerische Bogen, den Shida Bazyar aufspannt, bis hin zur grünen Revolution von 2009. Ausführliche Rezensionen hier und hier.

Das Projekt Stuttgart liest ein Buch nimmt Form an

Die Vorbereitungsgruppe, bestehend aus den VertreterInnen der Projektpartner, hat ihre Arbeit aufgenommen, um ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm für die Zeit zwischen dem 17. Oktober und dem 27. Oktober 2017 zusammen zu stellen. Im Einzelnen sind dies:

  • das Schriftstellerhaus
  • das Literaturhaus Stuttgart,
  • die Stadtbibliothek Stuttgart
  • die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart
  • die Schiller Buchhandlung
  • das Evangelische Bildungswerk Hospitalhof Stuttgart
  • der Börsenverein des Deutschen Buchhandels
  • die Volkshochschule Stuttgart

Die Projektleitung hat die Geschäftsführerin des Schriftstellerhauses, Astrid Braun, inne. Das Schriftstellerhaus hat für das Projekt bereits einen Internetauftritt gestaltet, siehe hier. Alle Neuigkeiten werden auch über Facebook und Twitter verbreitet.