Wenn der Postmann nicht mehr klingelt …

29.06.2017 at 15:56
Rabe

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… dann kann es an der Krähe liegen. Eine besonders intelligente Krähe (wie die Elster zu den Rabenvögeln gehörend) mit Namen Canuck brachte in einer Straße im kanadischen Vancouver den Zustellbetrieb zum Erliegen. Canuck war schon vor der Attacke auf den Postboten, der sich daraufhin weigerte, die Post in der Straße auszutragen, kein Unbekanntes Federvieh:

„Im Januar 2016 fuhr die Krähe mehrere Stationen mit der Hochbahn der Stadt (wahrscheinlich schwarz). Kurze Zeit später tauchte Canuck an einem Tatort auf, schnappte sich vor den Augen der Polizisten ein Messer und flog davon. In letzter Zeit verkehrte Canuck gerne in einem örtlichen McDonald’s und fraß Pommes von Tabletts.“

Die Elstern schmunzelte über ihren Cousin als sie den Bericht über Canuck in „Süddeutsche Zeitung“ las.

Hannes Wader: Schon so lang …

23.06.2017 at 10:30
Hannes Wader im Theaterhaus Stuttgart

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Heute wird Hannes Wader 75 Jahre alt. Die Lerche und die Elster gratulieren diesem großen Sänger!

Der WDR hat dazu ein hörenswertes Zeitzeichen veröffentlicht (Autorin: Ariane Hoffmann ).

Nachdenkzeilen – Kontaktanzeigen

16.06.2017 at 15:35
nachdenkzeilen

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M. fand folgende Kontaktanzeige in der der Wochenezeitschrift „Die Zeit“:

„Suche erfolgreichen Astrophysiker um die 50 Jahre, der in seiner Freizeit gerne werkelt, Tennis spielt und einen Anfängertanzkurs belegen würde. Geschmackvoller Wohnungsstil, Offenheit für Kultur und das Schöne werden vorausgesetzt. Raum Bonn. Chiffre. 4711“

M. versuchte, seine Chancen einzuschätzen und entwickelte ein Punktesystem:

 

Punkte M. Punkte
Erfolgreicher Astrophysiker 10 0
Alter ca. 50 Jahre 10 2
Anfänger Tanzkurs belegen 10 4
Geschmackvolle Wohnungseinrichtung 10 4
Offenheit für Kultur 10 10
Offenheit für „Das Schöne“ 10 2
 Raum Bonn  10  0
Summe 70 22

 

M. schätzte seine Chancen sehr gering ein, antwortete nicht und ging stattdessen ein kühles Bier trinken.

Was für die Spinne normal ist, ist für die Fliege das Chaos

14.06.2017 at 23:09

Wie Jason Bartsch das Normale mit dem „Anormalen“ ins Verhältnis setzt, sich dabei über Frau Merkel, die Flüchtlingspolitik und was das alles mit uns zu tun hat auslässt, ist schon ziemlich gut.

Er erinnert mich an meinen Lieblingskabarettisten Hans Dieter Hüsch,
der – stets den Mensch im Blick – sang:

Ich sing für die Verrückten, die seitlich Umgeknickten
Die eines Tags nach vorne fallen und unbemerkt von allen
An ihrem Tisch in Küchen sitzen und keiner Weltanschauung nützen
Die tagelang durch Städte streifen und die Geschichte nicht begreifen …

Alle weiteren Strophen hier

Die Linie – geschlossen: Grenzen überwunden! Räume zu eng

11.06.2017 at 12:27
theater.prekariat

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Das theater.prekariat hat innerhalb von sechs Monaten ein Theaterstück erarbeitet und es am 9. Juni 2017 auf die Bühne des Stuttgarter Schauspiel Nord gebracht. Das Stück Linien.Grenzen.Räume wurde von der Regisseurin Adelheid Schulz, der bildenden Künstlerin Victoria Turnbull und der Dramaturgin Anna Haas zusammen mit jungen deutschen Darstellern und hierher Geflüchteten erarbeitet. Die Leitung der Produktion lag bei Felix Heimbach.

Auch ohne Bühnenbild werden die Lebensräume erfahrbar

Es braucht kein Bühnenbild, um die Situation der zu uns Geflüchteten erlebbar zu machen. Die 15 Darstellerinnen und Darstellern rennen mit Koffern über die kleine Studiobühne des Schauspielhauses Nord und augenblicklich ist man in die Fluchtsituation hineingezogen, die ein Teil der Darsteller so oder so ähnlich erlebt haben: Immer in Bewegung, nur das Nötigste aus der Heimat gerettet. Wer auf der Flucht ist, hat keine Privatsphäre, in die sie oder er sich zurückziehen kann. Die Betten der Sammelunterkünfte sind oft genug nur durch Stoffbahnen getrennt. Alles spielt sich vor den Augen der Anderen ab. Die Enge in den provisorischen Unterkünften wird dargestellt, indem die Akteure sich auf ihre Koffer legen. Nicht in Betten oder auf Matratzen. Die Wirklichkeit ist hart. Die Geflüchteten in der Truppe von Adelheid Schulz haben allesamt diese Erfahrung gemacht. Ein ganzer Tagesablauf wird erlebbar, im Zweistundenrhythmus wir eine Wanduhr gestellt. Aufstehen, Zähne putzen, die fremde Sprache lernen. Genervt von dem Sprachenlärm um ihn herum schreit der in ein Deutschbuch Vertiefte seine Heimbewohner an, ob sie nicht endlich mal Ruhe geben könnten, er müsse lernen. An solchen kleinen Szenen macht die Gruppe theater.prekariat klar, was es bedeuten kann, wenn Innenminister de Maizière die zu uns gekommenen Menschen auffordert, unsere Sprache zu lernen.

Sich Zeit lassen. Den Ort aufschreiben

theater.prekariat

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Adelheid Schulz hat mit ihrem Ensemble das Projekt auf Grundlage eines Textes des französischen Schriftstellers Georges Perec entwickelt. „Von Zeit zu Zeit eine Straße beobachten, vielleicht mit etwas systematischer Aufmerksamkeit. Sich dieser Beschäftigung hingeben. Sich Zeit lassen. Den Ort aufschreiben. Das Datum aufschreiben.“ So beginnt sein Text. In mehreren „Try Outs“ hat sie ihre Idee überprüft, ist mit Zuschauern ins Gespräch gekommen. (Im Elsternest ist eine der Begegnungen beschrieben.)

Am Rande der Bühne eine Schreibmaschine. Darauf wird immer wieder geschrieben. Das Protokoll des Tages, projektiert an die Wand. Hat die Videokamera noch gerade die sich füllenden Seiten der Schreibmaschine den Zuschauern an die Wand geworfen, ist es in der nächsten Szene eine Weltkarte, auf der zu sehen ist, aus welchen Ecken der Welt die Menschen zu uns flüchten und wie weit die Entfernungen sind, die sie zurückgelegt haben. Im dritten „Try Out“ waren die Gäste gebeten worden, anzugeben, wo sie geboren wurden. Dann schritt man eine definierte Distanz ab und die Schrittzahl vom Geburtsort nach Stuttgart wurde errechnet und in eine Tabelle eingetragen. Hier wird deutlich, ein Flüchtling aus Syrien hat um ein Vielfaches höhere Schrittzahl benötigt, um zu uns zu kommen. Er kommt müde und erschöpft hier an. Er sucht Schutz.

Wie war es in der Heimat?

Die Geflüchteten blicken in ihr zurück gelassenes Leben, beschreiben den intimen Raum ihrer Kindheit: Wie sah mein Zimmer aus, wo stand mein Bett? Die Schriftstellerin Sudabeh Mohafez hat mit dem Ensemble die Texte in Schreibwerkstätten erarbeitet. Darin ist sie geübt. Schon mehrfach hat sie im Rahmen des Forums der Kulturen fürs Theater Schreibwerkstätten geleitet.

Als die letzten Sätze der Performance gesprochen sind und die fünfzehn Darstellerinnen und Darsteller sich an die Hand nehmen und vor dem Publikum verbeugen, fällt die Anspannung von ihnen ab, die sie auf der Bühne erlebt haben, die für einige von ihnen mit ihrem realen Leben übereinstimmt. Den Geflüchteten aus der Theatergruppe ist zu wünschen, dass sie in unserer Gesellschaft ihren Raum finden, dass sie zukünftig keine Linien der Ausgrenzung mehr überwinden müssen.

Fährt sie mir davon?

03.06.2017 at 18:42
e-mobilität

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M. wundert sich: seine Frau kaufte sich ein E-Bike. Die Berge in K.-M. waren ihr zu steil. Sie wollte nicht auf das Fahrradfahren verzichten. Deshalb erwarb sie sich bei Velo Lebensart ein neues Fahrrad. Eines, das von einem Motor „vom Bosch“ zusätzlich Schub bekommt, wenn man in die Pedale tritt. M. wird sehen, ob er seiner Frau auch in Zukunft noch davon radeln kann.

Nachtrag: Ein erster Pfingstausflug zeigte: Am steilen Berg hat M. Schwierigkeiten, seiner Frau hinterher zu radeln. Bei allen anderen Gegebenheiten schlägt der Wadenmuskel den Boschmotor.

 

Wunde.r.punkte – Anarchisten im Wendland

28.05.2017 at 22:45
Anarchisten im Wendland

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Der Gasthof in Meuchefitz ist Treffpunkt von anarchistischen Zirkeln im Wendland. Hier in Meuchfitz versuchen anarchistisch orientierte Menschen ein Leben in Selbstbestimmung.

Der alte Landgasthof wurde der nach der Räumung des Bohrplatzes 1004 in Gorleben zu einem Treffpunkt des Widerstandes gegen das Atomprojekt Gorleben. 1984 brannte er völlig nieder und wurde über 2 Jahre hinweg im alten Fachwerkstil neu aufgebaut. Bei der diesjährigen Landpartie zeigen die Bewohner ein Ausstellung über Kurden in der Türkei und in den autonomen Kurdengebiete im Norden Syriens, mit deren Bewohnern sie sich solidarisieren.

Wunde.r.punkte – Rundlingsdorf

27.05.2017 at 7:21
Der Dorfvorsteher erklärt das Rundlingsdorf

Der Dorfvorsteher erklärt das Rundlingsdorf

Vor dreißig bis vierzig Jahren standen viele Dörfer vor dem Problem der Überalterung. Der Erwerb alter Bauernhäuser durch Städter aus Hamburg oder Berlin führte zwar zum Erhalt der alten Häuser aber das Dorfleben erneuerte sich nicht durch diese „Wochenendbewohner“.

In Diahren ging man einen anderen Weg. Familien zogen hierher, die ihre Kinder in ländlicher Umgebung aufwachen sehen wollten. Sie schafften es, nach und nach ein lebendiges Leben im Dorf zu initiieren. Die Dorfbewohner bringen sich aktiv ein. Einer betreibt zum Beispiel Schafzucht, er verkauft in einem Dorfladen die daraus entstandenen Produkte. Gero kocht aus den Gemüsen seines Gartens einmal pro Woche ein Vier-Gänge-Menü und lädt zur gemeinsamen „Dorfspeisung“ ein. Ein Schauspieler und Sprecher bringt sich in die regionale Theatergruppe ein usw, usf. Die harte Arbeit verschwindet fast hinter der Idylle, die der „Dorfvorsteher“ (der erste der neu Hierhergezogen) während seines Rundgangs erzählt.

Wunde.r.punkt im Wendland

26.05.2017 at 22:16
Der Widerstand gegen das Atomlager ist ein bäuerlicher

Der Widerstand gegen das Atomlager ist ein bäuerlicher

 

M. fährt mit Freunden in die norddeutsche Tiefebene. Ihr Ziel das Wendland. Bekannt durch seinen beharrlichen Widerstand gegen die Endlagerung des Atommülls in einem Salzstock in Gorleben. Seit Jahren veranstalten die Dorfbewohner hier die „kulturelle Landpartie“. Privatleute bieten in ihren Scheunen und Höfen ein buntes Programm von Yoga- Workshops über Konzerte auf kleinsten Bühnen bis hin zu Theateraufführungen an. Töpferwaren, Schmuck, gewebte Textilien werden an vielen Orten angeboten und auch Führungen zu ganz unterschiedlichen Themen.

Der Widerstand gegen das Endlager für atomaren Müll in einem Salzstock, der angeblich super dafür geeignet ist, hat die Partei der Grünen groß gemacht. Heute, 40 Jahre nach den Anfängen des Widerstandes gegen das Endlager, hat sich die Partei der Grünen weit von ihren Wurzeln entfernt. Aber die bäuerlich geprägte Bevölkerung lehnt weiterhin die Endlagerung im Salzstock von Gorleben ab. Aus der Ablehnung sind mannigfaltige Ideen zur ökologischen Umgestaltung der Gesellschaft entstanden.

Für ein freies, demokratisches, friedliches und sozial gerechtes Europa

25.05.2017 at 7:00
Frank Ackermann hält die Festrede. Foto: © Hermann Zoller

Frank Ackermann hält die Festrede.
Foto: © Hermann Zoller

Ein Bericht von Hermann Zoller

Die Feierstunde am 24. Mai 2017 im Stuttgarter Rathaus aus Anlass des 200. Geburtstags von Georg Herwegh, zu der die Stadt Stuttgart zusammen mit den Stuttgarter AnStiftern eingeladen hatte, wurde zu einer lehrreichen und lebendigen Veranstaltung. Dazu beigetragen haben die Rezitationen der Schauspielerin Barbara Stoll und dem Wortkünstler Timo Brunke. Sie trugen Gedichte von Herwegh so engagiert vor, dass sie mit Leben erfüllt und vom Publikum, das den Großen Sitzungssaal des Rathauses füllte, mit Begeisterung aufgenommen wurden. Nicht weniger Beifall erntete der Chor Avanti Comuna Kanti mit seinen Vorträgen bekannter Herwegh-Lieder. Die Festrede hielt der Leiter des Philosophischen Cafés, Frank Ackermann. Weiterlesen …