Die Anstifter laden zum Neujahrsempfang auf die Kulturinsel

31.01.2018 at 19:36
Peter Grohmann Neujahrsansprache

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Die Kulturinsel beherbergt eine ganze Reihe von Initiativen und ist der ideale Ort, an dem DieAnstifter (InterCulturelle Initiativen)  ihren Neujahresempfang am vergangenen Sonntag ausrichten konnten. Schon in den vergangenen Jahren hatten sie ein kulturelles Ereignis mit ihrem Empfang verbunden. Siehe hier.

Noch vor dem offiziellen Beginn des Empfanges gab es Gelegenheit, die Ausstellung „Kessel unter Druck“ des vis-á-vis beheimateten Stadtarchivs zu besichtigen. Sie hat die Protestkultur der Stadt Stuttgart in Zeitdokumenten nachgezeichnet, von den Anfängen der jungen Republik bis zur Wiedervereinigung 1989. Die Ausstellung zeigt ein mannigfaltiges politisches Engagement in Stuttgart, wobei DieAnstifter stolz sind, fester Bestandteil dieser Protestbewegung zu sein.

Parallel dazu konnten die Gäste sich durch das Gelände führen lassen und die vielfältigen Aktivitäten auf diesem Kulturflecken in Bad Cannstatt bewundern. Hier arbeiten Künstler, werden Ideen geschmiedet, Begegnungen und Vernetzung zwischen Kultur und Industrie ermöglicht. Auch Urban Gardening wird hier gepflegt. Leider besteht der Mietvertrag nur bis Ende 2018. Eine Machbarkeitsstudie soll Auskunft geben, wie es danach mit dem Areal weitergehen kann. Die Initiatoren möchten die Stadtentwicklung in Bad Cannstatt positiv beeinflussen und  präsentieren ein nachhaltiges Konzept für ein kulturelles Zentrum – eine Mischung aus Subkultur und Industrie für ein innovatives Quartier. Der Geschäftsführer, Joachim Petzold, stellte die Idee der Kulturinsel den AnStiftern vor und beschreib die schwierigen Verhandlungen mit der Stadt zur dauerhaften Nutzung des Geländes.

Peter Mielert, Bezirksbeirat der Grünen in Bad Cannstatt gab einen Überblick über die Historie des gesamten Geländes rund um den ehemaligen Güterbahnhof  und die Ideen der Nutzung (die Stadt hatte das Gelände vor Jahren gekauft, wollte 2003 für seine Olympiabewerbung hier Sportstätten errichten). Mittlerweile haben sich Großinvestoren auf dem Gelände breit gemacht. Die Kulturinsel ist ein letzter Fleck, der noch „öffentlichen Interessen“ dient.

Wie jedes Jahr servierte Peter Großmann seine indische Linsensuppe, flankiert von veganen Bratlingen und Kartoffelsalat. Viel Raum gab es für das Gespräch untereinander. Musikalisch untermalten Capella Rebella und der Akkordionvirtuose Frank Eisele das Programm. Eine Rede von Peter Großmann krönte es abschließend.

Frauen (nicht nur) der Feder

20.01.2018 at 16:45

 

Vernissage

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Am frühen Abend des 18. Januars lud die Cannstatter Stadteilbibliothek zur Ausstellungseröffnung ein. Die Ausstellung umfasst Portraits und Hinterlassenschaften von 15 in Cannstatt ehemals beheimateten Schriftstellerinnen. Alexandra Kirchner, Leiterin der Stadtbibliothek, führt in diesen Abend ein und lobt die Kooperation mit dem Stadtmuseum Bad Cannstatt und dem Verein Pro Alt-Cannstatt. Noch während der Mittagsstunden hatten Frau Kirchner und der Vereinsvorsitzende Olaf Schulze Hand an die Vitrinen und großflächigen Fahnen gelegt, auf denen die Geschichten der ausgestellten Frauen gezeigt werden.

Die Ausstellung ist Teil einer Gesamtshow von 50 Frauenportraits, die in mühevoller Kleinarbeit zusammen getragen worden sind. Im Laufe der Zeit ist das Biografie-Projekt immer größer geworden, führt Herr Schulze in seiner Begrüßungsansprache aus. Das Projekt wurde durch ein Patenmodel finanziell unterstützt. Mittlerweile liegen ca. 60 Biografien vor von denen 50 gezeigt werden, ein erster Teil wurde und wird bereits im Stadtmuseum Bad Cannstatt ausgestellt. Die Ausstellung in der Stadtteilbibliothek bildet den zweiten Teil. Ein dritter Ausstellungszyklus wird sich Frauen in der Kunst widmen und wird ab 25. Januar 2018 in der Galerie Wiedmann zu sehen sein.

Die Historikerin Claudia Weinschenk führt in die Schicksale einiger der in der Stadteilbibliothek vertretenen Schriftstellerinnen sachkundig ein. Schon an diesen wenigen Beispielen wird klar, es ist etwas besonderes, wie diese Frauen ihr Leben gefunden haben.

Im nächsten Jahr wird der hunderste Jahrestages der Einführung des Frauenwahlrechtes begangen. Das hatten die AusstellungsmacherInnen im Blick, als sie diese Gesamtausstellung konzipierten. Denn die Frauen standen mit ihren sehr spannenden Lebensgeschichten wenig im Mittelpunkt der Forschung. Das hat sich erst mit der in den siebziger Jahren aufkommenden Frauenbewegung geändert. Hier in diesem Stadtteil gilt: „Bis zum 15. April 2018 ist Cannstatt weiblich“. So lange werden die Biografien der Frauen im Stadtmuseum Bad Cannstatt, in der Stadtteilbücherei und in der Galerie Wiedmann zu sehen sein. Am Internationalen Frauentag, 8. März, wird für die Austellungsmacherinnen noch einmal ein Höhepunkt sein, dann soll eine ausführliche Broschüre erscheinen, die die Ausstellung zusammen fasst.

Einen Ehrengast präsentiert Olaf Schulze am Ende der Vernissage: Die Schwiegertochter der Heimatdichterin Else Schlieter ist gekommen und trägt einige Verse ihrer Schwiegermutter vor. Die Geschichte wird somit an diesem Abend auch auf diesem Weg lebendig.

Zum Jahreswechsel

01.01.2018 at 0:10
Kleiner Träumer

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Den Blick in die Zukunft gerichtet, die heute schon anbricht. Kinder träumen mit ihren Bären und sie richten den Blick nach innen und nach außen. Wir Erwachsenen sollten träumen wie die Kleinen. Auch im neunen Jahr gibt es wieder spannende Begegnungen, gibt es Ereignisse denen wir uns staunend und träumend nähern können. Ich freue mich auf bereichende Begegnungen mit Menschen, die ich heute noch nicht kenne aber auch vertiefende Begegnungen mit Freunden, die mich durch die letzten Jahre getragen haben, lassen mich hoffen, dass meine Träume Realität werden. Ich wünsche allen Lesern des Elsternests, dass ihr träumend und mit unverstelltem Blick die Gegenwart betrachtet und die Begegnungen zulasst, die sich ergeben.

In diesem Sinn wünsche ich euch ein glückliches neues Jahr!

Ich distanziere mich von allem (und jetzt gut’ Nacht)

22.12.2017 at 16:00
Rachel Behringer im Stück von Kat Kaufmann

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Die Schriftstellerin und Komponistin Kat Kaufmann hat für die Schauspielerin Rachel Behringer einen Monolog geschrieben. Am 20.12.2017 sah ich dieses Theaterstück in der Rampe.

In diesem Einpersonenstück schwingt sich eine Frau aus ihrem Alltag ins Weltgeschehen, vernetzt sich über Do-It-Yourself-Videos mit Gestalten der Gegenwart und über das Erinnern mit Vertrauten der eigenen Vergangenheit. Sie streift durch die Stadt und das Land, einer fragwürdigen Freiheit auf der Spur. Das Bühnenbild, ein Glaskasten.

Es ist die Rede von Auflehnung gegen Normierungen aller Art und Geschlechterzuschreibung im Besonderen. Text, Bilder und Musik tragen durch die Aufführung. Es geht um das Schöne und das Verrottete. Um Schmerz in der Poesie um Wut, diffuse Angst und Coolness.

Kat Kaufmann schreibt rasant wie ihre Figur, die zwischen Selbstinszenierung und kosmischem Überblick und Überforderung schlingert. Die Erinnerung an das Vertraute in der eigenen Vergangenheit schleicht sich in die Gegenwart.

Das Theaterstück ist ein Solo für ein Energiebündel. Rachel Behringer wirft sich mit aller Macht in diesen Text, hat ihn bis zur Perfektion verinnerlicht. Mich fasziniert, wie Rachel Behringer mit Stimmfarben, mit Stimmungen, Lautstärke jongliert.

Das Theater ist eine weitere Annäherung an die vielseitige Autorin Kat Kaufmann. Aufmerksam wurde ich auf diese Aufführung durch die Lesung von Kat Kaufmann in der Stadtbibliothek Stuttgart.

Launige Durchsagen

21.12.2017 at 16:00
Erreichen wir Bochum

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Nachdem M. den Kölner Bahnhof verlassen hatte, erreichte der Zug Duisburg. Der Schaffner machte folgende launige Durchsage: „Wir haben Duisburg Hauptbahnhof erreicht. Dort können Sie mit der Regionalbahn nach Duisburg Entenfang weiterfahren, wo immer das auch liegt. Allen aussteigenden Reisenden wünschen wir noch einen schönen Tach. Machet‘s gut!“

Kurz vor seinem Ziel Dortmund dann dieses: „In wenigen Minuten erreich wir Bochum, die Perle des Ruhrgebietes.“

Angekommen in Bochum wurde folgender Hinweis gegeben: „Ich wiederhole: Das Sitzen auf den Geländern ist verboten“

Schön, wenn Schaffner mit Humor den Zug begleiten.