Von den Kriegsgräuel zu den Menschenrechten

18.11.2018 at 14:57
Vielfalt auf dem Volkstrauertag

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Es fängt erwartungsgemäß an: ein getragenes Stück vom Bläserchor des Musikvereins Münchingen erfüllt die Aussegnungshalle auf dem Münchinger Friedhof. Volkstrauertag 18. November 2018. Ein Tag des Innehaltens und des Gedenkens an die Toten der zwei großen Kriege. Die helle Morgensonne vertreibt finstere Gedanken an Krieg und Tod. Herbstlaub liegt auf den Gräbern. Die Millionen Tote der zwei Weltkriege liegen verstreut europaweit und ihnen wird gedacht an diesem Tag. Das Massensterben veränderte Europa, wie Dr. Otto Koblinger vom VdK in seiner Ansprache ausführt. Das Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkrieges wach zu halten und die Verpflichtung daraus zu lernen war der Auftrag bei der Gründung des Vereins der Kriegsopfer vor 70 Jahren.

Am 11. November vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandes zu Ende. (Es war die erste Zivilregierung, die diesen Waffenstillstand in Compiègne unterzeichnete. Das Militär, das den Krieg angezettelt hatte, war zu feige, zu ihrer Verantwortung zu stehen.)

Vor siebzig Jahren wurden aus den schmerzhaften Erfahrungen des fürchterlichen zweiten großen Krieges im 20. Jahrhundert die Menschenrechte formuliert. Sie sollten eine Richtschnur geben für das Zusammenleben der Menschen weltweit. Einige Artikel der Erklärung der Menschrechte nehmen die Schülerinnen und Schüler der Werkrealschule Münchingen an diesem Morgen in den Blick, zitieren sie und stellen sie ins Verhältnis zu ihren eigenen Schicksalen:

Artikel 1: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.

Artikel 2: Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse*, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Artikel 3 : Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Artikel 12 :Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden.

Artikel 14: Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.

u.e.a.m

Es sind junge Menschen mit sehr verschiedenen kulturellen Hintergründen. Obwohl größtenteils in Deutschland geboren, so haben sie kulturelle und sprachliche Wurzeln in der Türkei, Bosnien, Kroatien, Syrien. Sie stellen sich namentlich vor, halten ihre unterschiedlichen Pässe hoch, nicht ihre Nationen. Sie sind Teil einer universellen Menschheit. Die Menschrechte beschreiben, wie das Zusammenleben in Freiheit und Würde vonstatten gehen kann.

Bei der Einarbeitung in dieses so wichtige Thema begleitete die Schülerinnen und Schüler ihre engagierte Ethiklehrerin Dagmar Müller-Buchalik, der es immer wieder gelingt, aktuelle politische und ethische Themen altersgerecht umzusetzten. Für die visuelle Umsetzung stand ihnen die katholische Religionslehrerin und Künstlerin Eva Rogale tatkräftig zur Seite.

Die Jugendlichen verweisen mit ihrem Beitrag zu den Menschrechten auf die Aktion „Vielfalt“, die in diesen Tagen in Stuttgart angelaufen ist. Über zweihundertzwanzig Organisationen beteiligen sich mit Vorträgen, Theaterstücken, Musikaufführungen an dieser Aktion. Die Schülerinnen und Schüler der Flattichschule haben gezeigt, dass sie ein Teil dieses Netzwerkes sind, das Respekt und Toleranz in Vielfalt postuliert.

In eigener Sache

16.11.2018 at 17:34
Apfelwunder

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Es gibt Zeiten der Aktivität und Zeiten der Stille. Der Wechsel ist oft ein schleichender Prozess und manchmal denke ich mir, wann hat das angefangen. Oft ist es nicht nur ein Auslöser sondern die Verquickung verschiedener Einflüsse.

Und dann gibt es auch immer wieder überraschende Momente: Etwas Unerwartete tritt ein. Ich beginne zu staunen. Staunen ist nur möglich in der Gegenwart. Gegenwart wird erfahrbar, wenn man sich auf den Augenblick einlässt. Nur eine kurze Zeit bot sich mir der Anblick dieses Herbst-Winterüberganges auf einem Spaziergang rund um das Kloster Kirchberg, in das ich mich zurück gezogen hatte, um in der Stille die Gegenwart zu spüren.

Der trockene Sommer und Herbst in diesem Jahr haben die Vegetation verlangsamt. Der Winter schaute plötzlich um die Ecke und brach in die herbstliche Stimmung ein. Und so kamen die rotbäckigen Äpfel zu ihrer weißen Mützen.

Lars Hauschild schwebt im Kunstverein

10.11.2018 at 15:45
Lars Hauschild ist mit vier seiner Werke vertreten

Lars Hauschild ist mit vier seiner Werke vertreten

 

Mein Freund Lars Hauschild arbeitet seit vielen Jahren auf künstlerischem Gebiet. Seit einigen Jahren hat er sich der Konkreten Kunst zugewandt. Dazu betreibt er auch einen Blog unter dem Namen: www. arte-concreta.com. Hier definiert er diese Kunstart wie folgt:

Konkrete Kunst – auf portugiesisch oder italienisch: Arte Concreta – ist weder abstrakt noch gegenständlich. Konkrete Kunst ist eben konkret: meistens geordnet und strukturiert, fast immer mit klaren Linien, überwiegend mit wenigen Farben, mit definierten Farbfeldern und oft geometrisch. 

Seit kurzem ist er Mitglied im Kunstverein Korntal. Gleich im ersten Jahr seiner Mitgliedschaft stellt er im Rahmen der Jahresausstellung in der Stadthalle Korntal (Titel der Ausstellung: „Schwebend“) vier seiner Werke aus. Meinen herzlichen Glückwunsch dazu!

Schriftstellerhaus unterstützt die Aktion Vielfalt

10.11.2018 at 15:06
Vielfalt wird vom Schriftstellerhaus unterstützt

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Das Schriftstellerhaus hat sich der von den Anstifter und der Stiftung Geißstraße 7 initiierten Aktion Vielfalt – 0711 für Menschenrechte angeschlossen. So gut wie alle Kultureinrichtungen der Stadt unterstützen diese Aktion, die mit Veranstaltungen, Lesungen, Diskussionsabende, Filmvorführungen etc. auf die Formulierung der Menschenrechte vor siebzig Jahren hinweisen will.

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Mittlerweile sind 226 Organisationen dem Bündnis beigetreten. Einen Monat lang werden die Menschrechte in den Blick der Zivilgesellschaft gerückt.

Die Auftaktveranstaltung wird am 14. November um 19 Uhr im Rathaus stattfinden. Den Abschluss bildet der Festvortrag der diesjährigen Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Frau Prof. Aleida Assmann, im Stadtpalais Stuttgart.

Alle Veranstaltungen sind auf der Webseite www.0711menschenrechte.de veröffentlicht.

Gerhard Breidenstein auf spirituellen Pfaden

10.11.2018 at 14:05
Gerhard Breidenstein diskutiert über Mystik

Gerhard Breidenstein diskutiert über Mystik

 

In der Reihe „Vita contemplativa“ läd der Hospitalhof regelmäßig ein zu einer Begegnung mit berühmten Texten, Meditationen und geistlichen Übungen. Am 6. November 2018 hielt Gerhard Breidenstein im Rahmen dieser Reihe einen Vortrag zum Thema „Spiritualität ohne Religion?“

Gerhard Breidenstein hat evangelische Theologie studiert und promovierte in Sozialethik. Zeit seines Lebens (er ist Jahrgang 1936) hat er sich politisch engagiert: Als Studentenpfarrer in Dortmund, in der Umwelt- und Anti AKW-Bewegung, in der Friedensbewegung. In einer schweren Lebenskrise hat er sich auf frühe Meditationserfahrungen besonnen und hat erneut den Zen-Weg beschritten. Seit dreißig Jahren folgt er diesem und hat darüber auch ein sehr persönliches Buch geschrieben. (Siehe Besprechung auf diesem Blog.)

Mystische Spiritualität ist Weltzuwendung

In seiner letzten Publikation „Brennende Kerze im Sturm“ nimmt er die mystische Spiritualität in den Blick. Sie bedeutet für ihn Weltzuwendung bis in den persönlichen Alltag und in die globale Situation hinein. Er zitiert aus dem Gedicht Es gibt so wunderweiße Nächte von Rilke. Dort schreibt Rilke:

… und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.

Diesem kapellenlosen Glauben redet Gerhard Breidenstein das Wort. Die Säkularisierung als Teil der Aufklärung hat ihren Anteil daran, dass die Menschen sich von den Kirchen abgewendet haben.

In der modernen Welt stehen materiellen Dinge an erster Stelle. Trotz dieses modernen Materialismus sind sehr viele Menschen auf der Suche nach Spiritualität. Allerdings profitieren die großen christlichen Kirchen nicht davon. Er kann gut nachvollziehen, dass die von den Kirchen gelehrten Glaubensinhalte nicht mehr von den Menschen verstanden werden. Auch er kann das 1700 Jahre alte Glaubensbekenntnis nicht mehr sprechen. Es drückt nicht seine Erfahrungen aus und vor allem ist es nicht in seiner Sprache verfasst. Er verweist auf den Theologen Jörg Zink und die Theologin Dorothea Sölle, denen es gelungen ist, den christlichen Glauben in moderner Sprach zu vermitteln. Für ihn ist es kein Zufall, dass Dorothea Sölle sich in einem ihrer letzten großen Werke der Mystik zugewendet hat. Mystische Spiritualität verlangt nicht, Dogmen zu glauben. Es geht vielmehr um unmittelbare Erfahrungen.

Moderne physikalische Modelle und Spiritualität stehen nicht im Widerspruch

Auch die moderne Physik, die geprägt ist von Max Planck, Einstein und Heisenberg, hat das duale, alte Weltbild nachhaltig infrage gestellt. Wie die moderne Physik kennt ein mystisches Weltbild nur eine Wirklichkeit. Es gibt keine Trennung zwischen Oben und Unten, Göttlichem und Menschlichen, zwischen Geist und Materie. Alles ist mit allem verbunden. Das Weltbild der Mystik ist nichtdual. Und der mystische Mensch erfährt die Nondualität der Wirklichkeit.

Mystik in den verschiedenen Religionen

In allen Weltreligionen gibt es mystische Ausprägungen: Im Christentum vertraten das z. B. Meister Eckhart, Hildegard von Bingen oder Teresa von Ávila. Die Sufis vertreten die Mystik im Islam, Zen ist die mystische Ausprägung im Buddhismus und im Judentum vertreten die Kabbalisten den mystischen Zweig.

In den monotheistischen Religionen (Christentum, Judentum und Islam) ist die mystische Erfahrung als Gotteserfahrung bzw. Glaubenserfahrung auf die göttliche Wirklichkeit bezogen.

Nichttheistische Traditionen wie Buddhismus, Jainismus und Daoismus bringen mystische Erfahrungen zum Ausdruck, ohne sich auf eine göttliche Person oder Wesenheit zu beziehen. Auch Vertreter des Hinduismus berichten von mystischen Erlebnissen.

Glauben in transreligiöser Sprache

Wie kann nun Glauben in transreligiöser Sprache ausgedrückt werden? Diese Frage gingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem Abend anhand eines von Gerhard Breidenstein verfassten Thesenpapiers erst in stiller Zurückgezogenheit nach, um sich im Anschluss daran im Gespräch darüber auszutauschen. Teils wurde den Ansichten des Referenten heftig widersprochen und auf die christliche Offenbarung verwiesen. Aber auch der Bezug auf die Theorien der modernen Physik wurde hergestellt. Einigend war der Gedanke, dass die Welt Kraft materieller und geistiger Evolution lebensfreundlicher werden kann und werden wird.

Wer sich mit den Thesen von Gerhard Breidenstein näher beschäftigen will, dem sei sein Buch empfohlen:

Brennende Kerze im Sturm
Mystische Spiritualität inmitten unsere Welt

144 Seiten, Taschenbuch
Verlag: Publik-Forum, Preis: 14,90 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens