Was für die Spinne normal ist, ist für die Fliege das Chaos

14.06.2017 at 23:09

Wie Jason Bartsch das Normale mit dem „Anormalen“ ins Verhältnis setzt, sich dabei über Frau Merkel, die Flüchtlingspolitik und was das alles mit uns zu tun hat auslässt, ist schon ziemlich gut.

Er erinnert mich an meinen Lieblingskabarettisten Hans Dieter Hüsch,
der – stets den Mensch im Blick – sang:

Ich sing für die Verrückten, die seitlich Umgeknickten
Die eines Tags nach vorne fallen und unbemerkt von allen
An ihrem Tisch in Küchen sitzen und keiner Weltanschauung nützen
Die tagelang durch Städte streifen und die Geschichte nicht begreifen …

Alle weiteren Strophen hier

Für ein freies, demokratisches, friedliches und sozial gerechtes Europa

25.05.2017 at 7:00
Frank Ackermann hält die Festrede. Foto: © Hermann Zoller

Frank Ackermann hält die Festrede.
Foto: © Hermann Zoller

Ein Bericht von Hermann Zoller

Die Feierstunde am 24. Mai 2017 im Stuttgarter Rathaus aus Anlass des 200. Geburtstags von Georg Herwegh, zu der die Stadt Stuttgart zusammen mit den Stuttgarter AnStiftern eingeladen hatte, wurde zu einer lehrreichen und lebendigen Veranstaltung. Dazu beigetragen haben die Rezitationen der Schauspielerin Barbara Stoll und dem Wortkünstler Timo Brunke. Sie trugen Gedichte von Herwegh so engagiert vor, dass sie mit Leben erfüllt und vom Publikum, das den Großen Sitzungssaal des Rathauses füllte, mit Begeisterung aufgenommen wurden. Nicht weniger Beifall erntete der Chor Avanti Comuna Kanti mit seinen Vorträgen bekannter Herwegh-Lieder. Die Festrede hielt der Leiter des Philosophischen Cafés, Frank Ackermann. Weiterlesen …

Bet und arbeit, ruft die Welt!

21.05.2017 at 19:04

Georg Herwegh zum 200. GeburtstagEin Gastbeitrag von Peter Grohmann

Der Stuttgarter, dem in diesen Tagen eine späte Referenz erwiesen wird, war Revolutionär, radikaler Demokrat und Europäer: Das ist viel in revolutionsfreien Zeiten, in denen Demokraten untertauchen und aus Europäern Nationalisten werden. Georg Herwegh war einer der wichtigsten Vertreter des Vormärz und neben Heine und Freiligrath einer der populärsten deutschsprachigen Dichter seiner Zeit. Georg Herwegh wurde am 31. Mai 1817 in Stuttgart geboren, er starb 1875 in der Schweiz. Am 24. Mai feiern wir mit Euch seinen 200.Geburtstag, denn: 2017, an seinem 200. Geburtstag, ist er weitestgehend unbekannt. Heute ist in der politischen Kultur die Balance verlorengegangen. Die Balance der Debatten mit falschen und richtigen Fakten. Herwegh agierte zu seiner Zeit, frech und verfolgt, offen und frei als parteiergreifender Dichter und Journalist, trifft Karl Marx und Ludwig Feuerbach, Heinrich Heine und Victor Hugo, Iwan Turgenjew und Michail Bakunin, Franz Liszt, Richard Wagner, Gottfried Semper und zahlreiche aufsässige und querdenkende Zeitgenossen, die den Traum der Freien und Gleichen träumten – gegen den aufkeimenden Nationalismus.

Europa hat eine Verfassung aber die Bürger haben darüber nicht abgestimmt

200 Jahre später hat sich das von Herwegh geträumte Europa nur unter großen Geburtswehen zu einer Verfassung durchgerungen, dem Vertrag von Lissabon. Darüber wird freilich nicht von den Bürgern abgestimmt, wie es für eine Verfassung gut und eigentlich notwendig wäre, wenn es die Verfassung der Bürger werden soll. Auch eine lesbare Form der Entwürfe stand nicht zur Verfügung, als der Bundestag und der Bundesrat darüber abstimmten. Schade.

Heute streiten auf den Straßen viele Bürgerinnen und Bürger für ihr Europa, auf dass es eines der Citoyens werden mag: Für ein Europa, das in der Tradition der Freiheit steht, auch wenn die Revolution von 1848 scheiterte, ein Europa, dessen Begriffe von Freiheit, Gleichheit und Solidarität noch nicht auf den Hund gekommen sind.

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gegen ein Denken von rechts und links

Das Europa von heute driftet auseinander und eher nach rechts, es mauert sich ein. Der Stuttgarter Georg Herwegh, der am 24. Mai im Ratsaal der Stadt gewürdigt wird, setzte dem – doch wohl kaum vorausahnend? – entgegen: „Und durch Europa brechen wir der Freiheit eine Gasse!“ (Herwegh 1841). Er hoffte, dass Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit durch Aufklärung befördert werden. Voltaire sah im Jahr 1767 „mit Vergnügen, wie sich in Europa eine große Republik der kultivierten Geister bildet.“ Und 1773 hoffte Rousseau: „Es gibt heute keine Franzosen mehr, keine Deutschen, keine Spanier, nicht einmal Engländer, man sage mir, was man wolle: Es gibt nur noch Europäer.“ Was für alte Träume!

Gern sing‘ ich abends zu dem Reigen,
Vor Thronen spiel‘ ich niemals auf;
Ich lernte Berge wohl ersteigen,
Paläste komm‘ ich nicht hinauf… Georg Herwegh

Die Geburtstagsfeier für Georg Herwegh, ausgerichtet von der Landeshauptstadt Stuttgart und dem Bürgerprojekt AnStifter, findet am 24. Mai um 19 h im Großen Saal des Stuttgarter Rathauses statt.

Drei Frauen – drei starke Stimmen

21.05.2017 at 11:52
Drei Frauen: Claudia Michelsen vor den großen Frauen Else Lasker-Schüler, Bettina von Arnim und Erika Mann

Karoline Eichhorn, Gesine Cukrowski und Claudia Michelsen vor den großen Frauen Else Lasker-Schüler, Bettina von Arnim und Erika Mann

 

Das Projekt Drei Frauen aus Deutschland stellte die Schriftstellerinnen Bettina von Arnim, Else Lasker-Schüler und Erika Mann am 19. Mai 2017 im Theaterhaus in den Mittelpunkt. Es sind die Schauspielerinnen Claudia Michelsen, Gesine Cukrowski und Karoline Eichhorn die diese bedeutenden Schriftstellerinnen aus dem Randfigurendasein einer von Männern beherrschten Welt herausholten. Die Schauspielerinnen erzählten zweihundertjährige Geschichte über die Biografien dieser drei spannenden Frauen.

Bettina von Arnim, die am 4. April 1785 in Frankfurt am Main als Bettina Brentano zur Welt kam, provozierte das bürgerliche und aristokratische Establishment bis zu ihrem Tod am 20. Januar 1859 mit ihren liberalen Gedanken. Ähnlich provozierend waren die Auftritte der großen Lyrikerin Else Lasker-Schüler (1869 – 1945). Und Erika Mann entwickelte sich im Laufe ihres Lebens von einer vergnügungssüchtigen Bohemienne zu einer politisch denkenden, engagierten Frau.

Diese drei Frauen waren lange vor der Frauenbewegung Streiterinnen für ein selbstbestimmtes Leben

Diese drei Frauen waren Vorreiterinnen für ein selbstbestimmtes Leben – ironischerweise: nicht nur für Frauen. Denn wie sagte schon Bettina von Arnim: „Selbstdenken ist der höchste Mut. Wer wagt, selbst zu denken, der wird auch selbst handeln, und wer nicht selbst denkt, nicht aufs freie, uferlose Meer steuert mit seinem Geist, der wird die Gottheit nicht selbst erreichen. Handeln ist Selbstsein. Denn wir bauen selbst den Himmel, sonst kommt er nicht zur Welt.“

Ein schlichtes Bühnenbild lässt das gesprochene Wort erstrahlen

Das schlichte Bühnenbild dieser literarischen Revue zeigt die Portraits auf durchschimmernden Stoff überlebensgroß. Die Schauspielerinnen konnten dahinter sitzend biografische Details der jeweiligen Schriftstellerin lesen. Dann wieder traten sie ins Rampenlicht vor die Portraits und lasen aus den Werken der Frauen, die ihre Zeit mit wachen Augen beobachtet und mitgestaltet haben. Leidenschaftlich gelebte Leben, ineinander verwoben. Claudia Michelsen, Gesine Cukrowski und Karoline Eichhorn liehen den drei Schriftstellerinnen ihre Stimmen und gaben ihnen damit eine Stimme.

Wolf Biermann stellt seine Biografie im Hospitalhof vor

16.05.2017 at 14:16
Wolf Biermann

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In der Reihe „Köpfe der Zeit“ war Wolf Biermann am Sonntag, 14. Mai 2017 im Hospitalhof. Das Literaturhaus Stuttgart richtet diese Veranstaltung im großen Saal aus und dieser war bis auf den letzten Platz besetzt, um dem begnadeten Liedermacher zuzuhören.

Dem Moderator Wieland Backes fällt es an diesem sonnigen Sonntagvormittag sichtlich schwer, das Gespräch mit dem „Erzähler“ Wolf Biermann in durch Moderation eingehegten Bahnen zu halten. Wolf Biermann ist nicht zu bremsen, wenn es darum geht, Geschichten aus seinem schillernden Leben zu erzählen. Sein Ziehsohn Manuel übernimmt die Lesung aus der Biermanns Autobiografie, die der achtzigjährige gerade unter dem Titel Warte nicht auf bessere Zeiten! vorgelegt hat. Die Mutter von Manuel, Brigitte Soubeyran, siedelte mit Manuel als Baby 1958 aus Frankreich in die DDR über, aus politischer Überzeugung und weil es in der DDR aus ihrer Sicht das bessere Theater gab. Am Berliner Ensemble (BE) traf sie einen jungen Regieassistenten. Das war Wolf Biermann. Sie wurden ein Liebespaar, aber auch ein Theaterkunstpaar. 1961 gründeten sie zusammen das Berliner Arbeiter- und Studententheater, das heute noch als Studiotheater der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ bekannt ist. Zu der Zeit war Wolf noch nicht der Biermann. Sie hat ihn zum Liedermachen und Singen ermuntert und auch seinen Bart kreiert, weil sie wollte, dass er ein bisschen so aussieht wie der französische Chansonnier Georges Brassens. Den Bart trägt er heute noch, wenn dieser auch ergraut ist.

Wolf Biermann eine Symbolfigur aus dem zweigeteilten Deutschland

Wolf Biermann zählt zu den großen Symbolfiguren aus der Zeit des zweigeteilten Deutschland. Seine Lieder wurden im Westen zu Hymnen, im Osten waren sie untersagt, ihr Schöpfer wurde mit Auftrittsverboten belegt. Nach einer Konzerttour in den Westen verweigerte ihm das DDR-Regime 1976 die Wiedereinreise.

Aber an diesem Morgen beginnt er mit seiner Zeitreise durch sein bewegtes Leben als kleiner Knirps in Hamburg. Nur von seiner kommunistischen Mutter aufgezogen. Sein Vater saß im Lager, den er dort besuchte und den die Faschisten ermordeten. Sein Ziehsohn liest von dem Feuersturm über Hamburg, den Biermann als Junge erlebte. Er wuchs mit dem Auftrag auf, die Menschheit zu retten, seinen Vater zu rächen und nebenbei den Kommunismus aufzubauen. Und weil er seiner Mutter diesen kleinen Gefallen tun wollte, ging er eben mit sechzehn Jahren 1953 nach Osten und wurde ein DDR-Bürger. Und noch heute meint er darüber, das es das Beste war, was er in seinem ganzen Leben gemacht hat. „Ich musste die Lektion lernen, im Vaterland aller Werktätigen, im Arbeiter- und Bauernparadies wirklich zu leben, und nicht nur als Revolutionstourist mal eben vorbeischnuppern. Und wenn ich das nicht gemacht hätte, wäre ich ja gar nicht der Biermann geworden.“

Schon in der Schule ein Widerspruchsgeist

Wie es ihm dort erging, erfahren wir wieder durch einen kleinen Textauszug: Einige evangelische Jugendliche an seiner Schule in Gadebusch bei Schwerin sollen der „Neuen Gemeinde“ abschwören und er erlebt, wie ein junges Mädchen standhaft für ihren Glauben eintritt. Dieser Widerspruchsgeist, dieser aufrechte Gang, hat ihm sehr imponiert.

In Berlin studierte er zuerst Politische Ökonomie an der Humboldt-Universität (auf Anraten seiner Mutter, die meinte, die Regierung in der DDR bräuchte hier kluge Köpfe). Dieses Studium brach er jedoch ab, um als Regieassistent am Berliner Ensemble tätig zu sein. Danach studierte er bis 1963 an der Humboldt-Universität Philosophie und Mathematik.

Sein Weg als Lyriker und Sänger

Wolf Biermann begann Gedichte und Lieder zu schreiben. 1961 gründete er in Ost-Berlin das Berliner Arbeiter-Theater. Seine Inszenierung des Stückes Berliner Brautgang, wurde verboten, das Thema Mauerbau war zu brisant und noch vor der Premiere 1963 musste das Theater geschlossen werden. Seit dieser Zeit stand er immerzu unter Beobachtung der STASI. Wie die ihn überwachten, beschreibt er in eindrucksvollen Bildern.

1976 wird Biermann von der IG Metall zu einer Konzertreise in die Bundesrepublik Deutschland eingeladen, wofür ihm die Behörden der DDR eine Reisegenehmigung erteilten. Dieses Konzert diente dem Politbüro der SED als Vorwand für die Ausbürgerung „wegen grober Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten“. Eine breite Solidaritätskampagne setzte daraufhin für ihn ein. Viele, auch prominente Personen, in Ost und West protestierten gegen Biermanns Ausbürgerung. Zwölf namhafte DDR-Schriftsteller, unterzeichneten einen von Stephan Hermlin initiierten offenen Brief an die DDR-Führung, in dem sie an diese appellierten, die Ausbürgerung Biermanns zurückzunehmen. Es half nichts.

Wolf Biermann bricht spät mit dem Kommunismus

Sein Bruch mit dem Kommunismus kam jedoch erst viele später. Er wollte die Idee, für die sein Vater und so viele Genossen in den Tod gegangen sind, nicht verraten. Erst die Begegnung mit dem Schriftsteller, Sozialpsychologen und Philosophen Manès Sperber in Paris, brachte ihn zu dem Schritt mit dem Kommunismus zu brechen. Sperber hatte ihm „wie ein guter Zahnarzt mit Betäubungsspritze den kommunistischen Backenzahn gezogen, der schon vergammelt war“, wie Biermann beschreibt. „Er hat mich ermutigt, den Bruch zu wagen, ohne meinen toten Vater zu ermorden. Endlich begriff ich im Herzen, was ich im Kopf schon wusste.“

Was ist für Wolf Biermann an die Stelle der kommunistischen Idee getreten, fragt man sich und es scheint diese „hoffnungslose Hoffnung auf die Vernunft des Menschen“ zu sein, lautet seine Antwort. Sein Leben fasst er zum Schluss in dem Gedicht Bilanzballade im achtzigsten Jahr aus seinem neuen Band Im Bernstein der Balladen: Lieder und Gedichte zusammen. Damit schließt sich der Kreis zu seinem Gedicht „An die alten Genossen“, mit dem er die Funktionäre der SED in der Ost-Berliner Akademie der Künste am 11. Dezember 1962 aufgebracht hatte. (Einspielung siehe hier.)

Warte nicht auf bessere Zeiten!
Die Autobiografie

576 Seiten, geb. mit Schutzumschlag
Propyläen Verlag, Preis 28,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Max Goldt mit neuen Texten im Merlin

29.04.2017 at 10:25
Max Goldt im Merlin

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Es ist immer ein Genuss, Max Goldt bei einer Lesung zu erleben, auch am 23. April 2017 im Kulturzentrum Merlin. Nur ein Mikrofon  und eine große Karaffe mit Wasser. Mehr braucht dieser Wortminimalist nicht, um bei seiner Lesung Funken aus seinen Texten zu schlagen.  Er beherrscht die Kunst der absichtsvollen Ab- und Ausschweifung, das lässige Lustwandeln von Pontius zu Pilatus wie kaum ein anderer. Gerade hat er den Sammelband Lippen abwischen und lächeln – Die prachtvollsten Texte 2003 bis 2014 im Rowohlt Verlag veröffentlicht aus dem er liest. Doch er greift auch auf einige ältere Texte zurück. Seine kurzen Prosaminiaturen sind voller Witz und Humor und beschreiben Alltagssituationen aufs trefflichste.

Max Goldt legt nach etwa einer Stunde eine Pause ein. Damit die Zuhörer sehen, dass sie sich anschließend im zweiten Teil der Lesung befinden, weist Max Goldt darauf hin, dass er nun mit Brille liest. Der Qualität der Texte tut das keinen Abbruch.

Zum 200. Geburtstag von Georg Herwegh (1817 – 1875)

24.04.2017 at 11:30
Georg Herwegh zum 200. GeburtstagEine Festveranstaltung der AnStifter und der Landeshauptstadt Stuttgart am

Mi, 24. Mai 2017, 19:00 Uhr im Rathaus Stuttgart
Marktplatz 1,
70173 Stuttgart
Eintritt frei

Alle Räder stehen still,
Wenn Dein starker Arm es will

Jeder kennt diese Verse aus dem „Bundeslied“, das Ferdinand Lassalle anlässlich der Gründung der SPD in Auftrag gegeben hat. Kaum einer weiß, dass die Verse von Georg Herwegh stammen, dem bedeutendsten Lyriker den Stuttgart hervorgebracht hat.

Herwegh, geboren am 31. Mai 1817, ist im Alter von 22 Jahren aus Stuttgart geflüchtet und lebte danach als Exilant in der Schweiz und in Frankreich, wo er engen Umgang hatte mit Heinrich Heine, Karl Marx, Ludwig Feuerbach, Victor Hugo, Iwan Turgenjew, Michail Bakunin, Franz Liszt, Richard Wagner…

Heinrich Heine schrieb folgendes Gedicht auf ihn:

An Georg Herwegh

Herwegh, du eiserne Lerche,
Mit klirrendem Jubel steigst du empor
Zum heiligen Sonnenlichte!
Ward wirklich der Winter zunichte?
Steht wirklich Deutschland im Frühlingsflor?

Herwegh, du eiserne Lerche,
eil du so himmelhoch dich schwingst,
Hast du die Erde aus dem Gesichte
Verloren – Nur in deinem Gedichte
Lebt jener Lenz, den du besingst.

Diese Veranstaltung findet anlässlich seines 200. Geburtstags statt und erinnert an sein bewegtes Leben: Vom umjubelten Dichter des Vormärz und viel geschmähten Akteur der 48er-Revolution bis zu dem im Alter Vereinsamten, der mit scharfen Versen den Chauvinismus des Kaiserreichs geißelte.

  • Grußwort: Oberbürgermeister Fritz Kuhn
  • Geburtstagsrede: Frank Ackermann
  • Barbara Stoll (Schauspielerin) und Timo Brunke (Wortkünstler) rezitieren Gedichte von Georg Herwegh und Heinrich Heine
  • Der Chor Avanti Comuna Kanti singt Herwegh-Lieder.
  • Moderation: Dr. Wolfgang Niess (Leitender Redakteur beim SWR)

Die Veranstaltung findet im Großen Sitzungssaal des Rathauses statt. Im Anschluss wird es einen kleinen Geburtstag-Umtrunk zu Ehren von Georg Herwegh auf der Dachterrasse geben.

Kontur.Kunstverein übt sich bei Grenzgängen in Kunst und Gesellschaft

10.04.2017 at 23:17

 

Dr. Heißenbüttel an der akustischen Grenze bei Kontur.Kunstverein

Dr. Heißenbüttel an der akustischen Grenze

Am 9. April 2017 stellte der Kontur.Kunstverein  im Theaterhaus das Buch in_visible limits vor. Der Untertitel benennt sein Thema in knappen Worten mit: Grenzgänge in Kunst und Gesellschaft. Es steht der Ausstellung gleichen Namens zur Seite. Sie ist derzeit im Kunst(Zeug)Haus in Rapperswil (Schweiz) zu sehen. Es entsprang dem Wunsch, die dort ausgestellten Werke nicht unsichtbar werden zu lassen, sondern ihre Visibilität zu erhalten (was streng genommen ja nicht geht). Durch Texte, durch Reflexionen. Auch ein Museum baut ja hohe Hürden auf und grenzt sogar aus: mit Eintrittsgeldern, die für manche nicht bezahlbar sind, durch Anschlagen eines intellektuellen Tons, den oft nur in die Kunst eingeführte Betrachter verstehen. Ob die Autoren dieses Bandes es besser machen, ist eine Erkundung wert.

Der Band enthält neben einer Einführung zu den ausgestellten Kunstwerken vom Direktor des Kunstzeughauses Rapperswil, Peter Stohler, Texte von Jan Janssen (evangelischer Bischof in Oldenburg und Vorsitzender des evangelischen Literaturportals). Er schreibt über die unsichtbaren Grenzen in unserem Leben. Ein Text findet sich in dem Band von der emeritierten Philosophieprofessorin an den Universitäten Basel und München, Annemarie Pieper: Sie schreibt über das Risiko der Freiheit, über die Rolle von Katastrophen in unserem Leben und über die Gefahren, die von den aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen ausgehen.

Weitere Texte steuerten Adrienne Braun, Anja Gubelmann, Michael Matthias, Raimund Menges, Wiebke Trunk, Nina Wolfensberger und Dietrich Heißenbüttel bei, der auch bei der Buchvorstellung an diesem Sonntag über die Nationalstaaten und ihre Grenzen referierte, die die Staatsterritorien umgeben und sie einhegen. Dieses mit leiser Stimme, so dass die Grenze zur Unverständlichkeit oft überschritten wurde, bis man ihm ein Mikrofon reichte, was den Vortrag leidlich verständlicher machte, zumindest was die Akustik anging.

Wer sich am Schluss seines Vortrages ein Buch kaufte, konnte es sich von ihm oder von dem anwesenden Direktor des Kunstzeughauses Rapperswil, Peter Stohler oder vom Vorsitzenden des Kontur.Kunstverein Stuttgart e.V., Raimund Menges, signieren lassen. Konnte glücklich die Mauern hinter sich lassen, die das Theaterhaus umgeben und begrenzen.

in_visible limits. Grenzgänge in Kunst und Gesellschaft
2017. Herausgegeben von Kontur.Kunstverein Stuttgart und Kunst(Zeug)Haus Rapperswil-Jona
144 Seiten, Flexcover, Fadenheftung, 90 Abbildungen, 17 x 23,5 cm,
Verlag: modo Verlag GmbH, Preis 24 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Reporter: Regens Wagner und die Lebenshilfe Gunzenhausen organisierten Werkstatt

07.04.2017 at 12:49
Reporter unterwegs

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Nach zwei erfolgreichen Schreibwerkstätten bot das Gespann Regens Wagner / Lebenshilfe Gunzenhausen e. V. eine neue Kreativwerkstatt zum Thema Reporter an. Die Schreibwerkstatt wurde mit der Präsentation der Ergebnisse aus den Schreibwerkstätten im Jahr 2015 verbunden und auf Freitag 24. / 25. März 2017 gelegt. Dabei diente die Vernissage am 24. März in der Schalterhalle der Stadtsparkasse Gunzenhausen gleich als erstes Betätigungsfeld.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden am Freitagnachmittag auf ihren „Einsatz“ vorbereitet. Zunächst erfolgte eine Einführung in die Grundfragen der Reportage. In vier Kleingruppen wurden die Vorbereitungen für die Materialsammlung vorbereitet. Für Tonaufnahmen standen zwei hochwertige Digitalaufnahmegeräte zur Verfügung. Die Fotoreporter wurden mit zwei Kameras vertraut gemacht. Eine Gruppe bereitete sich auf klassische Interviews vor, überlegte sich Fragen, besorgte sich Block und Bleistift. Die atmosphärische Erkundung wurde nicht vergessen. Das sollte durch Sammeln von Gegenständen erfolgen.

Bei der Vernissage am Freitagabend hatten die Werkstattteilnehmer alle Hände voll zu tun, um die ihnen gestellten Aufgaben zu erfüllen. Dabei trafen sie auf freundliche Besucher, die ihnen ausführlich Antworten auf ihre Fragen gaben. Die Aktion war ansteckend: Am Samstag gab es einen neugierig gewordenen Besucher, der zum Workshop dazu stieß.

Im ersten Schritt wurde das mitgebrachte Material gesichtet, anschließend bewertet und sortiert. Anschließend wurde das ausgesuchte Material für die „Sonderausgabe“ einer Zeitung bearbeitet. Dies geschah mit kreativen Methoden wie Verfremdung von Bildmaterial durch Übermalen oder Collagieren, so dass am Ende das Rohmaterial für eine ansprechende Illustrierte zusammen gestellt war und eine Redaktionskonferenz die eigentliche Reportage absegnen konnte. Regens Wagner wird jedem Reporter ein Exemplar dieser bunten Zeitung zur Verfügung stellen.

Vernissage „Das Abenteuer beginnt im Kopf“

04.04.2017 at 15:29
Workshopleiter Michael Seehoff und Thomas Thill von der Lebenshilfe e. V. mit einem Teil der TeilnehmerInnen der Workshops vor ihren Werken.

Workshopleiter Michael Seehoff und Thomas Thill von der Lebenshilfe e. V. mit einem Teil der TeilnehmerInnen der Workshops vor ihren Werken. Foto: Michael Ploog

 

In der Schalterhalle der Stadtsparkasse Gunzenhausen ist auch nach Schalterschluss am Abend des 14. März 2017 Hochbetrieb. Dicht gedrängt sitzen die Gäste auf den bereitgestellten Stühlen und lauschen den Reden zur Eröffnung der Ausstellung „Das Abenteuer beginnt im Kopf“. Hier stellen Menschen mit und ohne Behinderung ihren kreativen Schaffensprozess einem breiten Publikum vor. In zwei Workshops haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Einrichtungen von Regens Wagner und der Lebenshilfe Gunzenhausen e. V. sich auf den Weg gemacht, mittels ihrer Phantasie die Welt neu zu betrachten. Am Ende der zweiteiligen Textwerkstatt standen Texte, Textschnipsel und Gedichte, die in einem weiteren Transformationsprozess auf Fahnen aufgeschrieben wurden und kalligrafisch ansprechend gestaltet wurden. Der Entstehungsprozess dieser Texte, von einfachen Schreibübungen, ausgehend von sinnlichen Erfahrungen über Mind Mapping und Clustertechnik bis hin zum fertigen Text, ist in der Ausstellung nachzuempfinden durch entsprechende Exponate.

Der Hausherr, Dieter Riehl, stellv. Vorstand Sparkasse, begrüßt im Namen der Sparkasse die Gäste. Thomas Thill, 1. Vorsitzender der Lebenshilfe e. V., lobt das Engagement der Stadtsparkasse, die nicht nur ihre Räume zur Verfügung gestellt hat sondern die Ausstellung auch finanziell gesponsert hat.

Ein Prozess der Transformation

Michael Seehoff leitete die Schreibwerkstätten und stellt in seiner Rede die mehrfache Transformation der Arbeiten in den Mittelpunkt: erste Schreibübungen, Verdichtung und Überarbeitung des Geschriebenen und anschließend eine weitere künstlerische Transformation zu Plakattexten. Diese Transformation erfolgte vom Wort zur Darstellung. Er selbst fügt einen weiteren Umwandlungsprozess an, indem er, ausgehend von den Teilnehmertexten, diese in neuem Gewand vorstellt und so das Abenteuer im Kopf auch bei den Besuchern der Vernissage entstehen lässt.

In seinem Schlusswort schlägt Dr. Hubert Soyer, der Gesamtleiter der Einrichtungen Regens Wagner einen gewagten Bogen von dem Tun der Workshopteilnehmer zu Wolfgang Goethe und seinen Faust, ohne dabei ins Stolpern zu geraten.

Reporter unterwegs

Das Schreibabenteuer geht auch an diesem Abend weiter: Teilnehmerinnen und Teilnehmer des gerade angelaufenen Workshops „Reporter“ mischen sich unter die Festgäste, führen Interviews mit Block und Bleistift, mit digitalen Aufnahmegeräten und fotografieren. Um „Atmosphäre“ einzusammeln, nehmen sie Kleinigkeiten mit. Sektkorken, Ausstellungsflyer und Servietten wandern in einen Stoffbeutel. Geldbeträge gingen der Sparkasse auf Nachfrage an diesem Abend nicht verlustig.

Noch bis zum 7. April können Besucher der Stadtsparkasse Gunzenhausen die Ausstellung besuchen und haben Gelegenheit, die Texte der Autoren und ihre Arbeitstechniken kennen zu lernen. Die Ausstellung ist zu den regulären Öffnungszeiten der Stadtsparkasse zu sehen.