Hannes Wader ist wieder „Heute hier, morgen dort“

14.02.2017 at 23:00
Hannes Wader im Theaterhaus Stuttgart

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Wieder einmal ist Hannes Wader auf Tournee gegangen. Am 12. Februar trat er im Theaterhaus in Stuttgart auf. Keine Schwierigkeit für ihn, den größten Saal im Haus zu füllen.

Mit Heute hier, morgen dort beginnt er den Abend. Ganz allein im Scheinwerferlicht steht der baumlange Sänger mit seiner Gitarre und singt mit seiner sonoren Stimme und zieht augenblicklich das Publikum auf seine Seite. Wenn Hannes Wader mit einem Lied identifiziert wird, so ist es dieser Titel. Seit 1972 eröffnet er jedes seiner Konzerte damit. Das Lied erschien auf der legendären Platte 7 Lieder. Die Leadgitarre spielte, wie auch auf der Vorgängerplatte, der Ausnahmegitarrist Werner Lämmerhirt. Alle, die der Folkmusik verbunden sind und eine Gitarre halten können, werden wohl dieses Lied im Repertoire haben.

Auf der Straße fing alles an

Einen Rückblick auf seine Anfänge als Straßenmusiker drückt er in dem Lied Damals (1985) aus. Darin heißt es:

Schrieb meine allerersten Lieder, die ich auf der Straße sang
Und trug einen Ring im Ohr, auf dem ein Name stand
Der Name eines Mädchens, eingeritzt mit eigener Hand

Hannes Wader ist bekannt dafür, dass er verschiedene Musikstile verwendet: Vom klassischen Folk-Fingerpicking (immer wieder setzt er sich bei druckvollen Liedern seine Fingerpicks auf), wechselt er zu traditionellen Volksliedern, mischt Tangomelodien in seine Lieder und greift auf griechische Weisen zurück wie bei dem Song Griechisches Lied. Es entstand, wie er verrät, in besseren Zeiten Griechenlands, keine Übersetzung, sondern eine Übertragung mit eigener Intention. Geschrieben lange vor den dramatischen Ereignissen, die hunderttausende vor Krieg aus ihren Ländern übers Mittelmehr nach Griechenland fiehen ließen.

Hannes Wader schlägt den Bogen vom lyrischen Lied zum Politsong

Er schlägt einen Bogen zu Liedern, die er vor über fünfzig Jahren geschrieben hat, ganz am Anfang seiner Laufbahn als Sänger, nachdem er seinen handwerklichen Beruf, den des Dekorateurs, an den Nagel gehängt hatte. Begegnung erschien auf seiner ersten Platte, die Knut Kiesewetter produzierte. Es war die Hochzeit der Studentenbewegung. Wader kam mit seinen lyrischen Liedern in dieser politisierten Zeit nicht gut an. Er politisierte sich und seine Lieder griffen mehr und mehr gesellschaftliche Zustände auf. Er wurde im wahrsten Sinne des Wortes Volkssänger. Die Moorsoldaten spielt er auch an diesem Abend und erzählt, dass er vor zehn Jahren auf einer Demonstration gegen Rechts in Leipzig den letzten Überlebenden aus dem KZ Börgermoor bei Papenburg im Emsland getroffen hatte. Mit 98 Jahren verstarb dieser Moorsoldat.

Volkssänger Hanes Wader

Das Bürgerlied von Adalbert Harnisch aus der Revolution von 1845 darf da natürlich nicht fehlen. Wader weist auf die Kraft der Volkslieder hin und gesteht, er verdanke ihnen viel. Ohne sie stünde er nicht hier. Seine Mutter sang gerne das westpreußische Volks- und Antikriegslied Zogen einst fünf wilde Schwäne. Er hat es seit 1977 in seinem Repertoire. Dem Lied Trotz alledem hat er einen eigenen Text verpasst und greift die Tradition dieses kraftvollen Liedes aus der 48er Revolution auf. Entstanden ist dabei ein Mutmacher, zumal Opposition in Zeiten des Turbokapitalismus immer „trotzdem“ geschehen muss. Da ist er wieder, der politische Sänger, der die herrschenden Zustände beschreibt. Und so schließt sich der Kreis, von den frühen Liebesliedern über anarchistischen Talking-Blues-Gesängen, Volks- und Arbeiterliedern zum politischen Lied. Sein Schlusslied bei der Zugabe bildet da eine Synthese aus allen Elementen: Sag mir, wo die Blumen sind.

Ein letztes Mal

In diesem Jahr wird Hannes Wader 75 und er verrät, nächstes Jahr will er sein aktives Tourneeleben beenden. Einmal noch will er nach Stuttgart kommen, dann ist Schluss. Besorgen wir uns rechtzeitig Karten, um diesen Ausnahmekünstler ein letztes Mal live auf der Bühne erleben zu können.