Eine Todesspur zieht sich durch Deutschland

17.03.2015 at 19:22
Terror des NSU

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10 Opfer hinterließ der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) auf seiner Spur, die sich durch die ganze Bundesrepublik zieht. Mit dem Mord an Enver Şimşek, einem selbständigen Blumenhändler, begann die Mordserie im Jahr 2000 in Nürnberg und endete 2007 mit dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter aus Heilbronn. Acht türkischstämmige Männer und ein Grieche wurden Opfer in Nürnberg (3), München (2), Kassel (1), Rostock (1), Hamburg (1), Dortmund (1) und in Heilbronn die deutsche Polizistin.

Grohmann und Kuhn

Die Anstifter zu Gast im Rathaus

Die Ausstellung über den Terror des NSU im Stuttgarter Rathaus, die am 16. März eröffnet wurde, gibt diesen Menschen ein Gesicht. Jedem Opfer ist eine ausführliche Schautafel gewidmet. Es geht um das Gedenken an diese Menschen, wie Ingrid Bauz in ihren einleitenden Worten betonte. Sie spricht für die Organisatoren dieser Ausstellung, ein breites Bündnis aus Initiativen der Zivilgesellschaft, Bildungseinrichtungen und der Gewerkschaft GEW sowie dem kirchlichen Umfeld.

Der Oberbürgermeister Fritz Kuhn hatte sich spontan entschlossen, die Ausstellung in den Rathausräumen zu zeigen und sprach zur Eröffnung. Begriffe wie „Döner-Morde“ und Sonderkommission „Bosporus“ und SoKo „Halbmond“ zeugten von der rassistischen Grundeinstellung, so Kuhn. Die ersten Ermittlungsansätze gingen von rivalisierenden türkischstämmigen Banden aus. Dass es sich bei den Opfern um gut integrierte, selbständig arbeitende Kleinunternehmer handelte, wurde nicht zum Ausgangspunkt der Ermittlungen gemacht.

Referat zum Nagelbomben-Attentat des NSU

Gabriele Metzner von der Initiative „Keupstraße ist überall“ berichtet über das Nagelbomben-Attentat des NSU

„Keupstraße ist überall.“

Am 9. Juni 2004 explodierte eine Nagelbombe in der Keupstraße in Köln. Diese Straße war im Stadtteil Mülheim als Zentrum des türkischen Geschäftslebens bekannt. 22 Menschen wurden bei diesem perfiden Verbrechen verletzt, vier davon schwer. Ziel des Attentats: Die Zerstörung er Lebensgrundlage von erfolgreichen, türkischen Kleinunternehmer: Ein Friseursalon wurde vollständig verwüstet, mehrere weitere Ladenlokale und zahlreiche parkende Autos wurden durch die Explosion der mit Zimmermannsnägeln gefüllten, ferngezündeten Bombe erheblich beschädigt. Die aus Köln angereiste Referentin berichtete über diesen Anschlag und über die Initiative „Keupstraße ist überall.“ Erst 2011 konnte das Attentat der rechtsterroristischen Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ zugeordnet werden.

Den Opfern des NSU gedenken

Janka Kluge von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregims stellte alle 10 Opfer vor und brachte sie so wieder ins Gedächtnis. Männer, die an ihren Arbeitsplätzen umgebracht worden waren: in seiner Schneiderei hingerichtet, in seinem Schlüsseldienst-Geschäft ermordet oder in seinem Imbiss erschossen, um nur einige der auf den Exponaten gezeigten Opfern zu beschreiben. Das ist das Ziel der Ausstellung: Ihrer zu gedenken und Lehren aus diesen rassistisch motivierten Taten zu ziehen. Die Tafeln erinnern aber auch an die Ermittlungspannen bei der Aufklärung der unheimlichen Mordserie. Die Wanderausstellung von Birgit Mair im Auftrag des Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) konzipiert, wurde schon in 66 Städten gezeigt.

Die Ausstellung ist geöffnet bis zum 24. April

Veranstalter: Initiative NSU-Aufklärung
Unterstützer: Die Anstifter, Evangelisches Bildungswerk Hospitalhof Stuttgart, Initiative Lern- und Gedenkort “Hotel Silber”, Gegen Vergessen – Für Demokratie, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg, Katholisches Bildungswerk Stuttgart, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Stadtjugendring Stuttgart, Landeshauptstadt Stuttgart, Türkische Gemeinde Baden-Württemberg, VVN-BdA Stuttgart