Die Anstifter zum neuen Jahr

11.01.2017 at 21:24
Dr. Annette Ohme-Reinicke

Dr. Annette Ohme-Reinicke

 

Mit einer Ausstellung politischer Plakate haben die Anstifter das neue Jahr eingeleitet. Die Plakate spiegeln die internationalen Debatten um Fluchtursachen und Fremdenhass. Das ist ein zentrales Thema der Anstifter in diesem Jahr. Dr. Annette Ohme-Reinicke, die neue Vorsitzende der Anstifter, hielt die diesjährige Eröffnungsrede. Darin stellt sie die Frage nach dem, was wir von dem neuen Jahr erwarten und was wir erhoffen dürfen. Sie führt aus:

„Ziemlich sicher ist: Es wird gewählt werden. Die Bundestagswahl im September wird wahrscheinlich – wieder einmal – die Frage nach dem geringsten Übel stellen. Es ist zu befürchten, dass wieder einmal der Streit für Mehrheiten als wichtiger erklärt wird, als eine Auseinandersetzung um die Wahrheit. Gerade in solchen Zeiten braucht es ein Anstiften zum Selber-Denken.“

Sie weist geschickt auf die nächste Veranstaltung „ihres“ Institutes, des Hannah Arendt Instituts hin, indem sie das Thema des Abstands zwischen Arm und Reich erwähnt, der sicher noch größer werden wird. Diese passiven Zuschauer (die Armen) , die Zuschauer des eigenen Lebens, bleiben stets irgendwie im Dunkeln. Man sieht sie nicht, sie sind nicht öffentlich, sie sind arm dran. Dazu führt sie mit Hannah Arendt aus: „Armut liegt nicht nur in materieller Not, sondern auch in der Dunkelheit des Nicht-Gesehen-Werdens, des Nicht-Teil-der-Öffentlichkeit-Seins“. Sie fordert auf, sich der Aufgabe anzunehmen, gesellschaftliche Ausgrenzung, Hierarchien und soziale Ungerechtigkeit ins Licht der Öffentlichkeit zu holen, zu handeln und zum Handeln anzustiften. Denn, die Hopi-Indianer sagen: „Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben.“

Die Ausstellung geht weiter

Noch bis zum 28. Januar sind im Foyer des Willi-Bleicher-Hauses (DGB) eine Auswahl der von einer internationalen Jury ausgezeichneten, eindrucksvollen politischen Plakate zu sehen. Sie sind ein Spiegelbild der internationalen Debatten um Fluchtursachen und Fremdenhass, Terror, Krieg und sozialen Abstieg. Die jurierten Unikate aus 27 Ländern sind Ergebnis der VI. Biennale des Internationalen Jugendbegegnungszentrums Auschwitz. An dieser Arbeit beteiligen sich Die AnStifter seit zehn Jahren.

Speak up for those who cannot – Geben wir jenen eine Stimme, die nicht sprechen können!

An der Finissage am 24. Januar um 17.00 Uhr werden Leszek Schuster, Direktor der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim, und Maria Anna Potocka, Kunsttheoretikerin und Chefin des Museums für Gegenwartskunst in Krakau, teilnehmen – zwei Persönlichkeiten, die auch über die aktuellen Entwicklungen in Polen Auskunft geben können.