Der Peter-Huchel-Preis-Träger Henning Ziebritzki im Schriftstellerhaus

17.02.2020 at 20:02
Hennig Ziebritzki

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Wir hatten Henning Ziebritzki schon eingeladen, bevor er den diesjährigen Peter-Huchel-Preis zugesprochen bekam. Am 6. Februar 2020 las er im Schriftstellerhaus aus seinem prämierten Band Vogelwerk. Die Geschäftsführerin Astrid Braun kennt den Autor aus gemeinsamer Juryarbeit und er war auch schon Gast im Haus in der Kanalstraße 4.

Der 1961 in Wunstorf/Niedersachsen geborene Autor wollte als Jugendlicher Biologie studieren. Aber er entschied sich für die Evangelische Theologie. Nach Stationen in Tübingen, München und Mainz, promovierte er 1992 mit einer Dissertation über den Mittel- und Neuplatonismus. Anschließend arbeitete er sechs Jahre als Pfarrer im Harz. Heute leitet er den Wissenschaftsverlag Mohr Siebeck. Ein Schwerpunkt des Verlags: Theologie, (einschließlich Judaistik & Religionswissenschaft).

Henning Ziebritzki ist ein sorgfältiger, langsam arbeitender Lyriker, wie er selbst betont. Vor Vogelwerk sind in unterschiedlichen Verlagen drei Gedichtbände erschienen. Vogelwerk erschien im Wallstein-Verlag und Henning Ziebritzki lobt die Zusammenarbeit mit diesem Verlag.

Vogelwerk umfasst 52 Gedichte. Das Gedicht Amsel eröffnet den Gedichtband und den ersten Lesezyklus an diesem Abend. Die Amsel war auch der erste Vogel, mit dem der Autor die Arbeit für diesen Gedichtband begann. Die Gedichte sind, bis auf eines (Singdrossel), in elf Zeilen aufgeteilt, „pendeln quasi um eine Mittelzeile“.

Zu jedem Vogel gibt Henning Ziebritzki einige Informationen, wo er sie beobachtet habe, warum er über sie geschrieb. Wiewohl die meisten, überwiegend einheimischen Vögel, den Zuhörern bekannt sind, hilft es, sich das beschriebene Tier vom Autor vor Augen führen zu lassen. Andere Vögel sind eher unbekannt, wie der Hadeda Ibis aus Südafrika oder der Sanderling, der an der Nordsee rastlos an der Wasserkante entlang läuft und nach Futter sucht.

Die Gedichte beschreiben sehr komplexe Situationen und manche können in ihrer Beschaffenheit als sprachliche Miniaturen gelesen werden. Es gibt Gedichte in dem Band, die nur vom Gegenstand des Vogels ausgehen, andere wieder haben ein lyrisches Ich, das zum Leser spricht. Warum er zum Gegenstand seiner Betrachtung gerade die Vögel genommen habe, wird Henning Ziebritzki gefragt. Er hätte auch über Insekten schreiben können aber die Vögel sind allgegenwärtig. Immer und überall sind sie im Alltag in ihren unterschiedlichen Gattungen zu beobachten. Die Natur böte uns Schönheit und Form, mehr als jedes Kunstwerk und die Schönheit der Tiere habe ihn besonders gereizt. Man könne von einer Feier der Schöpfung sprechen, wenn man sich in die Beobachtung der Vögel vertiefe.

Persönlich freut mich, dass er seine Gedichte über die Lerche und über Elster an diesem Abend vorträgt. Über die Feldlerche schreibt er:
… Quer schraubt ihr Liedpropeller / himmelwärts, Gesang, der bleibt, als sie im Rüttelflug / kaum mehr zu sehen ist, ein Punkt in klarer Höhe,

Und über die Elster:
Elsterwippe. Drück ich den Schnabel auf das Papier nieder, dass es / klackt, steht sie wieder auf und nickt. Steck ich ihr die Spitze / meines Bleistifts ins Gefieder, verschlingt sie ihn. Die Mechanik / ihres Knöchelchen, zerbrech ich sie, das Fleisch, das passt / …

Vogelwerk – Gedichte
Wallstein-Verlag, Göttingen 2019
64 Seiten, 18 Euro

zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens