Nachdenkzeilen – Über soziale Medien

13.01.2019 at 17:53
nachdenkzeilen

.

Solange wir uns in sozialen Netzwerken bewegen (Twitter, Facebook, Instagram etc.) geben wir unsere Daten an gewinnorientierte Unternehmen weiter. Wollen wir das? Jüngst hat der Grüne-Politiker Habeck angekündigt, seine Twitter und Facebook-Accounts zu löschen. NB.: Das ist natürlich nicht wirklich möglich, die Unternehmen behalten alle Daten und Aktivitäten von ihm in ihren riesigen Datenspeichern.

Habeck hat erkannt, dass die sozialen Medien die Sprache, die eigene Haltung und Reflexe normieren. Sie konditionieren die Nutzer, damit diese die maximale Resonanz erreichen. Die Betreiber dieser Plattformen sind Unternehmen, die mit einem hochprofessionellen Anreizsystem so viel Interaktion wie möglich erzeugen. Das dient ihrem Geschäftsmodell. Ihr Ziel: möglichst komplexe Nutzerprofile zu erstellen, um diesen ihre maßgeschneiderte Online-Werbung übermitteln zu können. Das unterscheidet sie grundsätzlich von öffentlich-rechtlichen Anbietern, die ohne Gewinninteressen Nachrichten verbreiten.

Die Betreiber der Social-Media-Kanäle haben mit aufwändigen Studien belegt, dass Zwischentöne die geringsten und Extrempositionen die höchsten Interaktionsraten generieren, also für sie die interessantesten sind. Was folgt daraus? Wir haben Debattenkanäle, die für Debatten ungeeignet sind, denn Hysterie wird mit Resonanz belohnt, während Moderates gefiltert wird. Deshalb sind Populisten so erfolgreich in den sozialen Medien. Und der einzelne Nutzer lernt mit der Zeit, was performt und was nicht. Das hat Habeck richtig erkannt, wenn er sein eigenes Verhalten beschreibt:

Twitter desorientiert mich, macht mich unkonzentriert, praktisch, wenn man in Sitzungen verstohlen aufs Handy schaut. Grundsätzlich, weil ich mich dabei ertappt habe, wie ich nach Talkshows oder Parteitagen gierig nachgeschaut habe, wie die Twitter-Welt mich denn gefunden hat. Und das ist die Schere im Kopf. Als wäre Politik eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Dass man so redet, wie es das Medium will. Ich möchte gern wieder konzentrierter sein, fokussierter und auf die lange Distanz geeicht, nicht auf den kurzfristigen Geländegewinn.

Habeck zu seinem Rückzug von Twitter und Facebook

Man sollte den Konflikt zwischen den Gewinninteressen von Social-Media-Services und den Ansprüchen der Demokratie in den Blick nehmen. Und unter diesem Blickwinkel diskutieren, ob ein Abgeordneter Kommunikationskanäle nutzen darf, die ihr Geld mit der gezielten Förderung von Extrempositionen verdienen. Eventuell könnte man damit auch das Anwachsen des Rechtspopulismus eindämmen.

Von den Kriegsgräuel zu den Menschenrechten

18.11.2018 at 14:57
Vielfalt auf dem Volkstrauertag

.

 

Es fängt erwartungsgemäß an: ein getragenes Stück vom Bläserchor des Musikvereins Münchingen erfüllt die Aussegnungshalle auf dem Münchinger Friedhof. Volkstrauertag 18. November 2018. Ein Tag des Innehaltens und des Gedenkens an die Toten der zwei großen Kriege. Die helle Morgensonne vertreibt finstere Gedanken an Krieg und Tod. Herbstlaub liegt auf den Gräbern. Die Millionen Tote der zwei Weltkriege liegen verstreut europaweit und ihnen wird gedacht an diesem Tag. Das Massensterben veränderte Europa, wie Dr. Otto Koblinger vom VdK in seiner Ansprache ausführt. Das Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkrieges wach zu halten und die Verpflichtung daraus zu lernen war der Auftrag bei der Gründung des Vereins der Kriegsopfer vor 70 Jahren.

Am 11. November vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandes zu Ende. (Es war die erste Zivilregierung, die diesen Waffenstillstand in Compiègne unterzeichnete. Das Militär, das den Krieg angezettelt hatte, war zu feige, zu ihrer Verantwortung zu stehen.)

Vor siebzig Jahren wurden aus den schmerzhaften Erfahrungen des fürchterlichen zweiten großen Krieges im 20. Jahrhundert die Menschenrechte formuliert. Sie sollten eine Richtschnur geben für das Zusammenleben der Menschen weltweit. Einige Artikel der Erklärung der Menschrechte nehmen die Schülerinnen und Schüler der Werkrealschule Münchingen an diesem Morgen in den Blick, zitieren sie und stellen sie ins Verhältnis zu ihren eigenen Schicksalen:

Artikel 1: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.

Artikel 2: Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse*, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Artikel 3 : Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Artikel 12 :Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden.

Artikel 14: Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.

u.e.a.m

Es sind junge Menschen mit sehr verschiedenen kulturellen Hintergründen. Obwohl größtenteils in Deutschland geboren, so haben sie kulturelle und sprachliche Wurzeln in der Türkei, Bosnien, Kroatien, Syrien. Sie stellen sich namentlich vor, halten ihre unterschiedlichen Pässe hoch, nicht ihre Nationen. Sie sind Teil einer universellen Menschheit. Die Menschrechte beschreiben, wie das Zusammenleben in Freiheit und Würde vonstatten gehen kann.

Bei der Einarbeitung in dieses so wichtige Thema begleitete die Schülerinnen und Schüler ihre engagierte Ethiklehrerin Dagmar Müller-Buchalik, der es immer wieder gelingt, aktuelle politische und ethische Themen altersgerecht umzusetzten. Für die visuelle Umsetzung stand ihnen die katholische Religionslehrerin und Künstlerin Eva Rogale tatkräftig zur Seite.

Die Jugendlichen verweisen mit ihrem Beitrag zu den Menschrechten auf die Aktion „Vielfalt“, die in diesen Tagen in Stuttgart angelaufen ist. Über zweihundertzwanzig Organisationen beteiligen sich mit Vorträgen, Theaterstücken, Musikaufführungen an dieser Aktion. Die Schülerinnen und Schüler der Flattichschule haben gezeigt, dass sie ein Teil dieses Netzwerkes sind, das Respekt und Toleranz in Vielfalt postuliert.

Schriftstellerhaus unterstützt die Aktion Vielfalt

10.11.2018 at 15:06
Vielfalt wird vom Schriftstellerhaus unterstützt

:

 

Das Schriftstellerhaus hat sich der von den Anstifter und der Stiftung Geißstraße 7 initiierten Aktion Vielfalt – 0711 für Menschenrechte angeschlossen. So gut wie alle Kultureinrichtungen der Stadt unterstützen diese Aktion, die mit Veranstaltungen, Lesungen, Diskussionsabende, Filmvorführungen etc. auf die Formulierung der Menschenrechte vor siebzig Jahren hinweisen will.

.

Mittlerweile sind 226 Organisationen dem Bündnis beigetreten. Einen Monat lang werden die Menschrechte in den Blick der Zivilgesellschaft gerückt.

Die Auftaktveranstaltung wird am 14. November um 19 Uhr im Rathaus stattfinden. Den Abschluss bildet der Festvortrag der diesjährigen Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Frau Prof. Aleida Assmann, im Stadtpalais Stuttgart.

Alle Veranstaltungen sind auf der Webseite www.0711menschenrechte.de veröffentlicht.

Stuttgart für Menschrechte – zwei Partner in Aktion

27.07.2018 at 21:19
Logo Vielfalt

.

 

Die AnStifter und die Stiftung Geißstraße 7 haben sich vor einigen Monaten zusammengetan, um die Menschrechte in der Stadtgesellschaft breit zu diskutieren. Sie nennen ihre Aktion Vielfalt: 0711 Menschrechte. Denn vor 70 Jahren verkündete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

Derzeit sind in Europa und weltweit Tendenzen wahrzunehmen, dass Menschenrechte missachtet oder gar abgeschafft werden. Angesichts dieser Entwicklungen halten es die Initiatoren für ihre Pflicht, sich verstärkt für die Menschenrechte in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens einzusetzen. Sie sind der Überzeugung, nur auf der Grundlage der Respektierung der Rechte anderer kann sich das gesellschaftliche Zusammenleben entwickeln. Ebenso sind die Menschrechte bedeutungsvoll für den Respekt der Staaten untereinander.

30 Tage – 30 Artikel der Menschenrechte

In 30 Tagen vor dem historischen Datum der Verkündigung (10. Dezember 1948) wollen die Initiatoren mit einem breiten Bündnis von Initiativen und Kulturschaffenden die 30 Artikel der Menschrechte in die Öffentlichkeit bringen. Flankiert werden die Aktionen schon im Herbst von Vorträgen und Diskussionen in diversen Bildungseinrichtungen. So beginnt das Evangelische Bildungszentrum Hospitalhof seine Reihe „Auf den Spuren der Menschrecht und ihre aktuellen Bedeutung“ bereits am 21. September.

Über 220 Gruppen und Initiativen der Zivilgesellschaft, Medien, Theater, Galerien und Kinos, öffentliche Einrichtungen unterschiedlichster Art, tragen dieses vielfältige Gemeinschaftsprojekt. Sie alle werden die Bedeutung von Menschenrechten aus ihrer Sicht thematisieren.

Zur Zeit laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Eine Webseite wurde bereits veröffentlicht. Eine Zeitung zum Thema soll Ende Oktober fertig gestellt sein. Banner, Postkarten , Flyer und Buttons werden derzeit entworfen und die an der Aktion Beteiligten konzipieren vielfältige Veranstaltungen.

Die Anstifter laden zum Neujahrsempfang auf die Kulturinsel

31.01.2018 at 19:36
Peter Grohmann Neujahrsansprache

.

Die Kulturinsel beherbergt eine ganze Reihe von Initiativen und ist der ideale Ort, an dem DieAnstifter (InterCulturelle Initiativen)  ihren Neujahresempfang am vergangenen Sonntag ausrichten konnten. Schon in den vergangenen Jahren hatten sie ein kulturelles Ereignis mit ihrem Empfang verbunden. Siehe hier.

Noch vor dem offiziellen Beginn des Empfanges gab es Gelegenheit, die Ausstellung „Kessel unter Druck“ des vis-á-vis beheimateten Stadtarchivs zu besichtigen. Sie hat die Protestkultur der Stadt Stuttgart in Zeitdokumenten nachgezeichnet, von den Anfängen der jungen Republik bis zur Wiedervereinigung 1989. Die Ausstellung zeigt ein mannigfaltiges politisches Engagement in Stuttgart, wobei DieAnstifter stolz sind, fester Bestandteil dieser Protestbewegung zu sein.

Parallel dazu konnten die Gäste sich durch das Gelände führen lassen und die vielfältigen Aktivitäten auf diesem Kulturflecken in Bad Cannstatt bewundern. Hier arbeiten Künstler, werden Ideen geschmiedet, Begegnungen und Vernetzung zwischen Kultur und Industrie ermöglicht. Auch Urban Gardening wird hier gepflegt. Leider besteht der Mietvertrag nur bis Ende 2018. Eine Machbarkeitsstudie soll Auskunft geben, wie es danach mit dem Areal weitergehen kann. Die Initiatoren möchten die Stadtentwicklung in Bad Cannstatt positiv beeinflussen und  präsentieren ein nachhaltiges Konzept für ein kulturelles Zentrum – eine Mischung aus Subkultur und Industrie für ein innovatives Quartier. Der Geschäftsführer, Joachim Petzold, stellte die Idee der Kulturinsel den AnStiftern vor und beschreib die schwierigen Verhandlungen mit der Stadt zur dauerhaften Nutzung des Geländes.

Peter Mielert, Bezirksbeirat der Grünen in Bad Cannstatt gab einen Überblick über die Historie des gesamten Geländes rund um den ehemaligen Güterbahnhof  und die Ideen der Nutzung (die Stadt hatte das Gelände vor Jahren gekauft, wollte 2003 für seine Olympiabewerbung hier Sportstätten errichten). Mittlerweile haben sich Großinvestoren auf dem Gelände breit gemacht. Die Kulturinsel ist ein letzter Fleck, der noch „öffentlichen Interessen“ dient.

Wie jedes Jahr servierte Peter Großmann seine indische Linsensuppe, flankiert von veganen Bratlingen und Kartoffelsalat. Viel Raum gab es für das Gespräch untereinander. Musikalisch untermalten Capella Rebella und der Akkordionvirtuose Frank Eisele das Programm. Eine Rede von Peter Großmann krönte es abschließend.