Bob Dylan beim Jazz Open in Stuttgart

14.07.2019 at 18:18

 

Es ist der erste Auftritt, den ich von dem heute achtundsiebzigjährigen Ausnahmemusiker erlebt habe. Lange hatte ich gezaudert, ob ich den Eintrittspreis von 80 € für einen Stehplatz zahlen sollte. Aber um 17 Uhr, 15 Minuten vor Einlass habe ich online eine Karte beim Veranstalter erstanden, für nur noch 35 €. Robert Allen Zimmerman, alias Bob Dylan, bleibt mit diesem Konzert seinem chamäleonhaften Weg treu, erfindet sich immer wieder neu.

Die Bühne, ausgestattet mit riesigen Scheinwerfern, die aus einem alten Hollywoodstudio stammen könnten, illuminieren die Bühne. Auf einem Gitarrenverstärker sein Oscar, den er 2001 für den besten Filmsong erhalten hatte (aus dem Film Wonder Boys). Rechts am Rand steht eine Frauenbüste auf einer korinthischen Säule. Ein Statement gegen die europäische Flüchtlingspolitik? Viel zu weit gedacht. Es handelt sich um eine Figur aus dem Pallas-Athene-Brunnen vor dem österreichischen Parlament. Die Frau symbolisiert die Moldau und sie verleiht der zweistündigen Show einen würdigen Rahmen.

Die Musik aus einem Guss

„Things Have Changed“. Ein typisches Dylan-Motto. Bei ihm ist immer alles anders. Er hat seine Lieder in ein völlig anderes Soundgewand gekleidet. Und das ist an diesem Abend aus einem Guss. Wobei es im Grunde zu trivial wäre, diese Sonette als Songs zu bezeichnen. Für diese kunstvolle Lyrik hat er vor zwei Jahren zu Recht den Nobelpreis für Literatur erhalten.

Seine allseits bekannten Songs erkenne ich häufig nur an einigen wunderbaren Textpassagen wieder so auch meinen Liebslingssong „It Ain’t Me Babe“. Die Musik ist an diesem Abend aus einem Guss: mal hart bluesig, mal fast orchestral, arbeitet sich dagegen am Original ab. Wobei ich mir die Frage stelle: Was ist denn das Original? Die Version, die vor 55 Jahren auf Platte gepresst wurde oder das Lied im heutigen Gewand, immer wieder neu bearbeitet, umgeschrieben und optimiert?

Dylan arbeitet seit Jahren mit hervorragenden Musikern

Hervorzuheben ist die exquisite Begleitband, die Bob Dylan mit auf die Bühne gebracht hat: Der Bassist Tony Garnier webt einen satten Rhythmus mit seinem akustischen Bass, greift auch mal zum Bogen oder tauscht ihn gegen einen E-Bass ein. Mit dem Schlagzeuger George Recile – mit feschem schmalkrempigen Hut, im Gegensatz zu Bob Dylan, der einen sehr breitkrempigen trägt -bildet Tony Garnier das rhythmische Fundament.

Gitarrist Charlie Sexton steht seit 1999 immer wieder an der Seite von Bob Dylan auf der Bühne und treibt mit seinem virtuosen Spiel die Songs voran. Donnie Herron glänzt an vielen Instrumenten: Pedalsteel Gitarre, Lapsteel Gitarre, Mandoline, Banjo und Violine. Bob Dylan sitzt meist am Flügel, schnappt sich manchmal einen Mikrofonständer und singt ohne Instrument. Wenn er so auf der Bühne steht, sieht man ihm sein Alter an: an seiner leicht gebückten Haltung, an seinen verknöcherten Händen. Die Gitarre, früher sein Markenzeichen, hat er nicht mitgebracht, aber seine Mundharmonika.

Eine Zugabe lässt sich der Meister abringen, dann gehen er und seine Band von der Bühne. Seine „Never Ending Tour“ wird in den nächsten Tagen weiter gehen, wie seit 30 Jahren.

Ausnahmsweise habe ich keine Aufnahmen von dem Konzert gemacht, obwohl ich trotz strenger Taschenkontrolle meine Kamera dabei hatte. Aber Bob Dylan verbittet sich alle Aufnahmen. Er hat auch schon mal ein Konzert wegen Missachtung dieser Bitte abgebrochen.

Der Vollständigkeit halber hier die Setlist:

  • Ballad of a Thin Man
  • It Ain’t Me, Babe
  • Highway 61 Revisited
  • Simple Twist of Fate
  • Can’t Wait
  • When I Paint My Masterpiece
  • Honest with Me
  • Tryin’ to Get to Heaven
  • Scarlet Town
  • Make You Feel My Love
  • Pay in Blood
  • Like a Rolling Stone
  • Early Roman Kings
  • Girl of the North Country
  • Love Sick
  • Thunder on the Mountain
  • Soon After Midnight
  • Gotta Serve Somebody
  • Blowin’ in the Wind

Rudolstadt 2019 – Ein Rückblick (2)

10.07.2019 at 17:49
Die Cafémafia ist mobil unterwegs

Die Cafémafia ist mobil unterwegs

 

Die Versorgung der Besucher auf dem Festival ist gesichert. Überall kann man an diversen Ständen leckere Speisen erwerben. Selbst qualitativ hochwertige, aufwändig gekelterte, alkoholhaltige Traubengetränke werden ausgeschenkt. Daneben die obligatorischen Bierstände, hier aus der Region: Köstritzer. Wer müde wird, gönnt sich eine Tasse Kaffee.

 

30 Bühnen und auf den Straßen die fahrenden Musikanten

Selbst nach einem Teilstriptease noch ganz in Rot

Selbst nach einem Teilstriptease noch ganz in Rot

 

Rudolstadt präsentiert das Festival auf insgesamt 30 Bühnen. Dazu kommen noch die diversen Straßenmusiker, die in der Fußgängerzone ihren Gig aufführen. Manchmal wird ein kleiner Gig zu einem wundervollen Erlebnis, wie bei diesem „roten“ Diabolospieler, der auf eigene Kosten aus Berlin angereist ist und am Schluss das Publikum bittet, ihn mit einer Spende in seine Dose zu unterstützen. Das macht er auf derartig sympathische Art, dass die Zuschauer gerne bereit sind, auch Scheinein die Dose zu werfen.

 

Große Bandbreite an künsterischem Ausdruck

Die handwerkliche und künstlerische Bandbreite der Künstler ist erwartungsgemäß bei einem solchen Festival erwartungsgemäß groß. Ein Brüderpaar aus Berlin spielte im Skulpturenhof ihre selbstkomponierten Songs.

Tildemore aus Berlin

Tildemore aus Berlin

 

Eine Taylor-Gitarre kann hilfreich sein, kann aber auch die Qualität der Songs nicht wesentlich erhöhen, egal, wie gut sie gespielt wird. Ihrem eigenen Anspruch, große Gefühle zu bedienen und dabei nie trivial zu sein, erfüllen sie nur bedingt.

 

Keine eigenen Songs, aber exzellente Interpretationen von Preston Foster, Dylan, Town van Zandt, Johnny Cash (wunderschön sein Song Man In A Long Black Coat)
und viele andere Größen der Folk- und Countrymusik spielten Grey Wolf & Alex Wurlitzer auf kleiner Bühne.

 

Alex Wurlitzer und Grey Wolf

Alex Wurlitzer und Grey Wolf

 

 

Ich höre immer wieder gerne 12saitige Gitarre, die Grey Wolf auch spielte. Alex Wurlitzer spielte ein halbes Dutzend Gitarren und die bei Countrymusik gern gespielte Pedal-Steel-Gitarre.

Der Rudolstädter RUT-Preis in 4 Kategorien

Beim Rudolstadt-Festival ist es üblich, Künstler mit dem „Ruth“ zu ehren, einer 30 cm hohen Porzellanfigur. Dieses Jahr zum 17. Mal!

Rudi Zapf am Hackbrett mit seiner Band Zapf'nstreich

Rudi Zapf am Hackbrett mit seiner Band Zapf’nstreich

 

Rudi Zapf erhielt die Auszeichnung verdientermaßen für sein Lebenswerk: In seinen 60 Lebensjahren hat er an verschiedenen Stellschrauben das Rad des Hackbretts in Bayern und darüber hinaus weitergedreht und sich unschätzbare Verdienste um die Popularisierung des Instruments erworben.

In einem beeidruckenden Konzert auf der Bühne der Burg Heideck, ließ er die Klöppel über sein Hackbrett tanzen und scheute sich auch nicht davor, Dave Brubecks „Take Five“ mit einer Tanzmelodie aus seiner bayerischen Heimat zu vermischen. Begleitet wurde er von großartigen Musikern: Gerhard Wagner (sax, cl, fl), Andreas Seifinger (g) und Steffen Müller am Kontrabass. Ein echter bayerischer Zapf’streich!

Den Förder-Preis erhielt die Gruppe Sephardics. Sie spielen, kaum verwunderlich, sefardische Lieder, allerdings in einem aufregend jazz-rockigen Gewand. Ich konnte mit der Musik nicht allzu viel anfangen. Unbekannt war mir bis dahin auch Siegfried Maeker, der den Ehrenpreis für seine Verdienste als Musikeragent erhielt, unter anderem förderte er über Jahrzehnte Künstler wie Zupfgeigenhansel, JAMS, die Sands Family oder Exprompt und brachte immer wieder die Musik der Sinti und Roma in diesem Land an einen Agenten.

Den Festival-Preis erhielt die Gruppe Gankino Circus. Ist es Weltmusik, Volksmusik, Musikkabarett oder Zirkus? Von allem ein bisschen. Und deswegen so besonders.

Mit der Bohrmaschine an einem Tag in einem Athener Studio eingespielt: Die gesamte in den griechischen Lokalen in Deutschland gespielte Bouzouki Musik

Mit der Bohrmaschine an einem Tag in einem Athener Studio eingespielt: Die gesamte in den griechischen Lokalen in Deutschland gespielte Bouzouki Musik

 

Bei Gankino Circus sind Musiker, Kreativköpfe am Werk, die wissen was sie tun. Dramaturgisch perfekt inszeniert, hochgradig versiert, abgebrüht und gleichzeitig mit direktem Draht zum Publikum, agierten die Vier als hätten sie nie etwas Anderes getan. Ihre Musik geht ans Herz und in die Beine, ihr schwarzer Humor hat Biss, das ist einzigartig und bewegend für Körper und Geist. Gankino Circus sind hervorragende Geschichtenerzähler und Musiker in einem. Und deswegen ein wahrhaft bravouröser Weltmusikexport aus Deutschland.

Das Knochenxylophon (aus den Knochen des verstorbenen Lieblingswirtes)

Das Knochenxylophon (aus den Knochen des verstorbenen Lieblingswirtes)

 

Ihr Konzert hielt keinen auf seinem Sitz, ihre Spielfreude und Show mit perfektem Storyboard lässt bei mir den Wunsch aufkommen, sie bald wieder zu sehen. Gelegenheit wird es am 11.08.2019, 19:00 Uhr in Stuttgart im Renitenz-Theater geben.

Schaut euch den Trailer zu ihrer Show an und bekommt jetzt schon gute Laune!

Anarchistische Songs von Hasenscheisse

Ähnlich schrill aber mit einer deftigen Portion anarchistischen Humors spielte die Berliner Gruppe Hasenscheisse am Abend auf der freien Bühne im Heinepark. Sie bezeichnen ihre Musik selber als Acoustic Guitar Trash Balladen. Es scheint, als seine sie die Wiedergänger der legendären berliner Rock-Band Ton Steine Scherben.

Anarchistische Spielfreude aus Berlin

Anarchistische Spielfreude aus Berlin

 

Nur brechen sie die gesellschaftlichen Verhältnisse auf den Alltag der kleinen Leute runter. Seit mehr als elf Jahren verbreiten die fünf Musiker von Hasenscheisse ihre eigenwillige Mixtur aus delikat gezupften Leckerbissen fürs Ohr und wild tanzbarem, herrlich trivialem Gegröle für die Beine. Humorvolle deutsche Texte, meist vorgetragen mit einer großen Portion Berliner Mundart, schlingern sich, mal Bossa, mal Walzer, mal Rockabilly, durch jede Menge kurzweilige Songs. Sympathisch: Gegen Ende lief einer mit dem Hut durchs Publikum und sammelte für die Initiative von Heinz Ratz „1 Million gegen Rechts“, die Hasenscheisse uneingeschränkt unterstützt.

Ruhiger Ausklang des Tages

Nach den voller Drive vorgetragenen Songs von Hasenscheisse kamen die drei Musiker der Gruppe COBARIO gerade recht, mit ihren ruhigen Kompositionen, in spärlich beleuchtetem Ambiente, den Abend ausklingen zu lassen.

Zum Ausklang Musik aus Wien

Zum Ausklang Musik aus Wien

 

 

Rudolstadt 2019 – Ein Rückblick (1)

10.07.2019 at 9:57
Herbert Pixner Projekt aus Norditalien (Tirol)

Herbert Pixner Projekt aus Norditalien (Tirol)

 

Für mich war es das erste Mal, dass ich beim „Roots, Folk, Weltmusik“ Festival dabei sein konnte. Untergebracht in einer Ferienwohnung im 18 km entfernt gelegenen Blankenhain, fuhren wir jeden Tag problemlos über eine gut ausgebaute Bundesstraße nach Rudolstadt.

Ein hervorragendes Zusammenspiel zwischen Herbert Pixner und dem Gitarristen Manuel Randi

Ein hervorragendes Zusammenspiel zwischen Herbert Pixner und dem Gitarristen Manuel Randi

Das „Herbert Pixner Projekt“ war für mich das absolute Highlight des Festivals: Er spielte am Freitag, 5. Juli, auf der Konzertbühne im Heinepark. Eine nicht allzu große Bühne unter Bäumen (wichtig bei der Hitze, die in Rudolstadt herrschte) mit einer exzellenten Tonanlage. Oft ist es bei großen Bühnen zu laut oder der Sound kommt nur als Brei beim Zuhörer an. Hier nicht. Die Band um den Namensgeber Herbert Pixner spielt „finest handicrafted music from the alps“ und ist hochkarätig besetzt.

Herbert Pixner ist ein begnadeter Harmonikaspieler

Herbert Pixner ist ein begnadeter Harmonikaspieler

Der Multiinstrumentalist Pixner spielt diatonische Harmonika, Klarinette, Saxophon, Trompete und Percussion, seine Schwester Heidi Harfe und Werner Unterlercher spielt den Kontrabass. Ihre Musik ist elegant und entfesselt, sanft, sexy, erdig oder sphärisch.

Herbt Pixner hat einen Ausnahmegitarristen an seiner Seite: Manuel Randi zeigt großes Können und eine ungemein ansteckende Spiellust. Er hat die ganze Bandbreite der Gitarrenmusik drauf, vom Flamenco, Tango, Blues, Gypsy-Jazz bis hin zu rockige Riffs. Eine eklektische Mischung, die doch authentisch ist. Manuel Randi spielt auch mit Heidi Pixner in eigenen Produktionen. Eine eingespielte Gruppe und das merkt man ihr während des gesamten Konzertes an. Der 44jährige Pixner stammt aus dem Meran, verbrachte, wie er selber sagte, ein paar Sommer als Senner im Hochgebirge und holt sich dort immer noch Inspriation für seine Musik.

... und beherrscht auch diverse Blasinstrumente.

… und beherrscht auch diverse Blasinstrumente.

Er ist ein Tausendsassa, arbeitet als Musiklehrer, Rundfunk- und Fernsehmoderator, kuratierte Festivals, spielte als Barmusiker in Colorado, gründete eine eigene Platten- und TV-Produktionsfirma. Seine Stücke, die er mit seiner hochkarätigen Band spielt sind aggressiv und zart, hart und elegisch, fröhlich und voller Blues, schmutzig und kristallklar. Alle Nuancen, alle Klangfarben stecken in seiner Musik.

Desmadre Orkesta Balkan spielte im Handwerkerhof

Pure Spiefreude

Pure Spiefreude

Im Handwerkerhof hörte ich das Desmadre Orkesta Balkan aus Buenos Aires. Die Blaskapelle aus Argentinien spielt eine energetische Mischung aus Populärem, Traditionellem und eigenen Stücken: Balkan-Fetzer, Klezmer Tunes, Cumbia, Swing aus New Orleans und Milongas aus der Heimat. Sie laufen mit ihren Instrumenten durchs biertrinkende Publikum und verströmen gute Laune.

Music is Inclusion

07.12.2018 at 20:00
Music is inclusion

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Am Tag der Inklusion lud der Rotary-Club Stuttgart Rosenstein am 3. Dezember 2018 zu einem Benefizkonzert der besonderen Art ins Theaterhaus Stuttgart ein.

Zwei großartige Inklusionsbands – Groove Inclusion und Social Inclusion Band (Dreams Academy, Istanbul) – stehen an diesem Abend auf der Bühne. Matthias Berg als Moderator führt humorvoll durch den Abend. Er ist selber Rotarier und einer der erfolgreichsten Behindertensportler der Welt, kennt also das Thema Inklusion gut.

Groove lnclusion – das sind 28 Musiker/innen mit und ohne Behinderung im Alter von 20-76 Jahren. Sie spielen Soul & Jazz-Hits der 60er bis heute. Ihrer Spielfreude lassen sie an diesem Abend freien Lauf und stecken das Publikum mit ihrer lebensbejahenden Art regelrecht an. Geleitet wird die Bigband von Hans Fickelscher aus Fellbach und Arne Meerwein.

Arne Meerwein ist in Stuttgart kein Unbekannter: er war am Aufbau diverser Amateurbigbands beteiligt, unter anderem die Mitte-BIG-Band, die schon seit 30 Jahren existiert. Hans Fickelscher ist Mitbegründer von Groove Inclusion und der Überzeugung, dass es immer um die Musik geht, und dass jeder und jede dabei sein kann, egal, welcher Einschränkung seine Bandmitglieder haben.
Nachdem die Bigband das Publikum so richtig eingeheizt haben, kommen zwei Tänzer auf die Bühne, die unterschiedlicher nicht sein können:

Music is inclusion Károly Tóth und Anna Süheyla

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Károly Tóth aus Ungarn wurde für seine Rollstuhl-Tanzperformances preisgekrönt. An seiner Seite tanzt die ebenfalls preisgekrönte Anna Süheyla (Faust Preis 2011 in der Kategorie „beste Tänzerin“). Sie hat lange Zeit in den Produktionen der Gauthier Dance Company getanzt und ist dem Stuttgarter Publikum keine Unbekannte. Die Tanzperformance der beiden verwischt die Grenze zwischen Behinderung und Nichtbehinderung.

Den dritten Teil des Abends bestreiten die Musiker der Dreams Academy aus Istanbul. Wie die Groove lnclusion Band integrieren sie seit Jahren in ihrer Social Inclusion Band Menschen mit Behinderung. An diesem Abendstehen drei blinde, stimmgewaltige Menschen auf der Bühne, die sich mit vollem Elan der Interpretation türkischen Liedguts mit deutlichen Soul/Jazz Einflüssen hingeben.

Für Vollblutmusiker ist es ein Leichtes, zusammen zu spielen und so verwundert es nicht, dass sich alle Musiker gegen Ende des Konzerts zum gemeinsamen Musizieren auf der Bühne einfinden. Und weil es sich um eine Benefizveranstaltung handelt, kann der Rotary Club Rosenstein an diesem Abend den Bandleadern beider Formationen je einen Scheck in Höhe von 2.000 € überreichen.

Leonard Cohen – Seine Lieder in akustischem Gewand

30.11.2018 at 13:33
Leonard-Cohen-Project

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Die Musik von Leonard Cohen ist eine Synthese aus Melodie und Lyrik. Damit stand der im letzten Jahr verstorbene Musiker in der Tradition der antiken Dichter, die ihre Lyrik gesungen haben. Die drei Musiker des „Leonard-Cohn-Projects“ interpretierten seine frühen Lieder am 28. November 2018 auf geniale Weise im Theaterhaus Stuttgart.

Auf der Bühne nur drei Stühle und drei Notenständer, sparsam gesetztes Licht. Mehr brauchen die Gitarristen Manuel Dempfle, Thomas Schmolz und Jürgen Gutmann nicht, um das musikalische Erbe des großen Songwriters im ausverkauften großen Saal dem Publikum darzubieten.

Gitarrenmusik in perfektem Zusammenspiel

Sie nehmen Platz auf diesen Stühlen, die an Barhocker erinnern. Jürgen Gutmann eröffnet den Abend mit der Rezitation eines Cohen Gedichts. Seine sonore Stimme bringt das Publikum zum Schweigen und in die Stille hinein erklingt das erste Lied. Sechs Hände, achtzehn Seiten erschaffen einen ganz eigenen Sound. Ihr Zusammenspiel ist perfekt und auf technisch sehr hohen Niveau. Manuel Dempfe und Thomas Schmolz spielen Stahlseitengitarren. Jürgen Gutmann spielt halbakustische Nylonsaitengitarre und schafft es mit seiner Stimme die Wärme und Ausgewogenheit der Stimme von Cohen lebendig werden zu lassen.

Jürgen Gutmann streut immer wieder biografische Details aus dem Leben des Sängers ein und erklärt Hintergründe zur Entstehung der Songs. So wird das vielseitige Universums dieses Lyrikers, Schriftstellers und Sänges aufgeschlossen.

Leonard Cohen wird von Peter Grohmann übersetzt

Lyrik Flügel verleihen

Lyrik Flügel verleihen

Die drei Musiker habe zur Interpretation der Cohen Lieder Peter Grohmann von den Anstiftern mitgebracht. Er trägt die deutsche Übersetzungen vor. Peter Grohmann wäre nicht Peter Grohmann, wenn er nicht hier und da eigene Einschübe in den Texten unterbringen würde. So ersetzt er zum Beispiel beim Lied „First we take Manhatten, than we take Berlin“ in der letzten Zeile Berlin durch „Villa Reizenstein“.

Leonard Cohen hatte den einzelnen Menschen im Blick

Da Cohen immer wieder die Zerbrechlichkeit des Menschen in seinen Liedern in den Mittelpunkt stellt, ist es nur konsequent, dass dieses Konzert in die Veranstaltungen zu den Aktionswochen zum Gedenken an die Verkündigung der Menschrechte vor 70 Jahren eingereiht wurde. Ein großes Plakat mit dem Logo der Aktion Vielfalt 0711 für Menschrechte hängt vor der Bühne. Peter Grohmann hat diese Aktion maßgeblich angeschoben. Über 220 Organisationen haben sich dem Bündnis angeschlossen, die ihrerseits Veranstaltungen in diesem Rahmen machen. Das Theaterhaus hat sich – wie alle namhaften Theater und Kultureinrichtungen der Stadt – ebenfalls dem Bündnis angeschlossen.

Im zweiten Teil des Konzerts spielen die drei Musiker neben den Cohen-Songs einige Stücke anderer Musiker, die sie genauso gekonnt interpretieren: Dylen darf da ebenso nicht fehlen wie Simon&Garfunkel. Und sie bringen eine Uraufführung zusammen mit Peter Grohmann auf die Bühne: Die Gedanken sind frei. Dieses Lied wurde schon bei der Eröffnungsveranstaltung der Aktionswochen im Rathaus interpretiert und es scheint zu einer Art Hymne der Aktion Vielfalt 0711 für Menschrechte zu werden.

Yael Deckelbaum bringt politischen Botschaften auf die Bühne

20.07.2018 at 19:46

 

Yael Deckelbaum

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Die Position Israels auf der Weltbühne ist derzeit nicht die einfachste. Daher war es besonders beeindruckend, dass die preisgekrönte israelisch / kanadische Singer-Songwritering Yael Deckelbaum am 19.7.2018 zu Gast beim Sommerfest der Kulturen in Stuttgart auftrat.

Unterstützt von fünf musikalischen Powerfrauen bringt Yael Deckelbaum ihre politische Botschaft in griffigen Songs voller Empathie unters Volk. Yael Deckelbaum ist nicht nur Musikerin sondern auch Aktivistin. Ihre Berufung als Aktivistin fand sie in den Jahren 2015 – 2016. Sie initiierte die soziale, musikalische Reise „The Road Home“ zusammen mit der Protestführerin Daphni Leef. Die beiden Frauen fuhren mit einer Crew von 20 Personen für 45 Tage durchs ganze Land, um die Stimmen der guten Leute von Israel zu dokumentieren. Sie steht mit der Organisation „Frauen wagen den Frieden“ an der Spitze einer Friedensbewegung, die sich über die ethnischen Grenzen hinweg für den Frieden unter alle Menschen in der Region Palästina einsetzt.

Angesichts der Botschaften der Versöhnung und des Ausgleichs aller in Palästina lebenden Menschen und ihrem Ziel, Konflikte zu entschärfen, aufeinander zuzugehen, mutet eine Gruppe Frauen auf dem Marktplatz fast schon anachonistisch an. Auf ihren roten T-Shirts fordern sie den Boykott Israels. Diese Forderung widerspricht den Ansichten der sechs Musikerinnen auf der Bühne und ist sicher auch nicht im Sinne des Veranstalters, der Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen bringen und nicht ausgrenzen will.

Kinder und Frauen sind die Hauptleidtragenden von Krieg, davon singt Yael Deckelbaum

Immer wieder rücken die Musikerinnen die Mütter und die Kinder ins Zentrum ihrer Lieder. Sie sind es, die die Hauptlast der Kriege zu tragen haben, die unter Hass, Gewalt und Ausgrenzung besonders leiden nicht nur in Palästina und Israel sondern weltweit.

Den Song „Prayer of The Mothers“ schrieb Yael Deckelbaum für den „March of Hope“: Tausende von jüdischen und arabischen Frauen marschierten aus dem Norden Israels nach Jerusalem mit der Forderung nach Frieden. Das Lied hat die Botschaft des „Marsches der Hoffnung“ in die ganze Welt getragen und hat viele universelle Frauenbewegungen inspiriert. Diese Hoffnung ist dieses Jahr auch in Stuttgart angekommen.

Die Gruppe La Gâpette eröffnet furios das Festival der Kulturen

19.07.2018 at 15:49
La Gâpette auf dem Festival der Kulturen in Stuttgart

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Am 17. Juli 2018 begann das diesjährige Festival der Kulturen. Der Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart Fritz Kuhn hielt keine lange Begrüßungsrede, alle warten auf den ersten Gig dieses Festivals, das dieses Jahr sein zwanzigjähriges Jubiläum feiert.

Die Band La Gâpette kommt aus der Betagne: Gâpette bezeichnet im Französischen eine kleine Schirmmütze. Sie ist das Markenzeichen der sechs Bretonen und sie spielen eine furiose Mischung aus Musette, Ska und Balkan-Pop. Sie nennen ihren Stil Chanson Muzouche, eine ganz eigene Mischung aus fröhlicher Musette und Manouche (Gypsymusik) mit Texten von Liebe aber auch frechen politischen Aussagen.

La Gâpette bringt das Bistrot auf die Bühne

Auf der Bühne haben die Künstler – wie bei jedem ihrer Konzerte – einen echten Tresen aufgebaut und so die Atmosphäre eines Bistros nachempfunden. Für sie der Inbegriff der Komplizenschaft, Menschlichkeit und Großzügigkeit. Eben genau das, was das Festival der Kulturen auszeichnet. Sie erzeugen dabei eine unverwechselbare Energie, die sich auf das Publikum überträgt. Dabei verstoßen sie mit Vorliebe gegen die Regeln des Chansons und die Gesetze des Akkordeons. Der Kontrabass schlägt voll den Takt, das Akkordeon legt sich in die temperamentvoll melancholischen Melodien, dazu das Banjo, die halbakustische Gitarre, das Schlagzeug, das Saxofon. Die Akkordeonistin mit ihren fünf Begleitern bringen das Publikum vor der Bühne im Handumdrehen zum Tanzen.

Red Baraat aus New York verbindet orientalische Melodien mit Jazzelementen

Nach kurzer Umbaupause kommen Red Baraat aus New York auf die Bühne. Wild werden Trommeln geschlagen, alles wiegt sich, orientalische Melodien kreuzen jazzig traditionelle indische Klänge, gepaart mit modernen Elementen von Funk, Hip-Hop, Jazz und Rock. Sie kreieren verschlungene Rhythmen. Die indische Trommel Dhol wird vom Sänger Sunny Jain gespielt, er wird unterstützt von seinen Bandmitgliedern an Sousaphon, Trompete, Gitarre und Schlagzeug. Eine indisch-amerikanische Gruppe, die ihre Heimat in New York hat. Doch an die unbeschwingte Herzlichkeit der Gruppe La Gâpette können diese sechs Musiker nicht anknüpfen.

Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt

Wer auf dem Festival Hunger bekommt, kann sich durch den Duft der Küchen aus aller Welt zu einem Imbiss inspirieren lassen und bei einem kühlen Bier sich der ungezwungenen Atmosphäre hingeben. Bis einschließlich Sonntag hat man die Gelegenheit, diese kulturelle, kulinarische und musikalische Vielfalt zu erleben.

Ein großer Sänger: Tom Petty

04.10.2017 at 13:22
Tom Petty

Von Takahiro Kyono from Tokyo, Japan – Tom Petty, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=58170118.

Tom Petty starb am 2. Oktober 2017 in Santa Monica, Kalifornien. Wir trauen um diesen großen Musiker.

Im April 2008 erschien Tom Pettys letztes Album, ein Reunionsalbum seiner ehemaligen Band Mudcrutch. Die Zeitschrift Rolling Stone listet Tom Petty auf Rang 91 der 100 größten Musiker sowie auf Rang 59 der 100 besten Songwriter aller Zeiten.

Hier das Video eines seiner ganz großen Hits, kurz vor seinem Tod am 25. September diesen Jahres

Zusammen mit seinen Kollegen Bob Dylan, George Harrison († 2001), Jeff Lynne und Roy Orbison († 1988) wirkte er auf den zwei Alben der Traveling Wilburys mit. Mit Georges Harrison und Roy Orbison wird er sicher im Musikerhimmel weiter spielen …

Herzlichen Glückwunsch Carlos!

20.07.2017 at 12:13
Carlos Santana

Foto: CC BY-SA 2.0

Die Elster und die Lerche gratulieren Carlos Santana zu seinem ziebzigsten Geburtstag. Sie erinnern sich: Carlos Santana, geboren am 20. Juli 1947 in Autlán de Navarro, Jalisco, Mexiko, war einer, der Weltmusik spielte, als es diesen Begriff noch gar nicht gab. Seinen auf dem genialen Album Abraxas veröffentlichen Song Oye Como Va wurde in den 70ziger Jahren in allen Wohngemeinschaften rauf und runter gespielt. Er beschrieb mit dieser Coververion des Latinjazz- und Mambomusiker Tito Puente das Lebensgefühl einer ganzen Generation.

Carlos Santana bei einem Konzert mit diesem Song in einer von vielen Improvisationen geprägten Fassung

Hannes Wader: Schon so lang …

23.06.2017 at 10:30
Hannes Wader im Theaterhaus Stuttgart

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Heute wird Hannes Wader 75 Jahre alt. Die Lerche und die Elster gratulieren diesem großen Sänger!

Der WDR hat dazu ein hörenswertes Zeitzeichen veröffentlicht (Autorin: Ariane Hoffmann ).