Bruce Springsteen wird heute 70 – Herzlichen Glückwunsch von der Lerche

23.09.2019 at 13:13
The Boss Bruce Springsteen

He is „The Boss“

Der in Long Branch, New Jersey, geborene Rockmusiker ist einer der ganz Großen im amerikanischen Rockbusiness. Mit seinen legendären E Street Band spielt er seit 1974 bodenständigen Rock. Wer hätte das dem „Problemkind“ zugetraut, das in einer von Franziskanerinnen geleiteten Schule die Schulbank drückte.

Ein Leben wie das seiner Eltern erschien Bruce Springsteen als Sackgasse

Er war in ständigem Konflikt zu den Lehrern, zog sich zunehmend in sich selbst zurück. Er entwickelte ein Gespür für Isolation, das ihn bis weit ins Erwachsenenleben hinein begleiten sollte. Schon in seiner Jugend empfand Springsteen die sich ihm als Arbeiterkind bietenden Zukunftsperspektiven als bedrückend. Das Leben seiner Eltern erschien ihm als Sackgasse. Mit seiner Musik hat er, der nie in seinem Leben länger als 5 Tage bei einem Arbeitgeber war, Millionen verdient, seit er 1973 er seine erste Platte: Greetings from Asbury Park, N.J. veröffentlichte.

Bruce Springsteen begleitet seine „Helden“ in seinen Songs

Bruce Springsteen gilt als aufmerksamer Beobachter und Chronist des US-amerikanischen Alltags. Er porträtiert in seinen Songs das Leben des „kleinen Mannes“ mit all seinen Träumen, Sehnsüchten und Freuden, aber auch seinem Scheitern an der Realität. Dabei begleitet er die Figuren auf ihrem Lebensweg: Auf seinen ersten Platten sind dies vor allem Jugendliche, die sich die Hörner abstoßen und von einer glücklichen Zukunft träumen. Springsteen besingt die Helden seiner frühen Lieder in geradezu überschwänglich romantischer Weise und neigt zu ausufernden Wortkaskaden im Stile des stream of consciousness. Herausragend sein Album Born in the USA von 1984.

In seinen Konzerten vermittelt er seinem Publikum die Gefühle, die er selbst als Jugendlicher beim Hören und Spielen von Musik empfunden hat. Seine Konzerte haben eine fast kathartische Wirkung auf seine Zuhörer. Sie werden daher sogar oft mit Gottesdiensten verglichen, weil er in der Vergangenheit zu fast jedem Lied eine fesselnde, unterhaltsame und oft auch sehr persönliche Geschichte zu erzählen hatte.

In dem Film Blinded by the Light liebt ein Pakistaner in England die Springsteen-Songs und wird durch die Songs von Bruce Springsteen ermutigt, seinen eigenen Weg als Lyriker zu gehen und sich gegen die Anfeindungen seiner ausländerfeindlichen Umwelt zu behaupten.

Ein Alterswerk von Bruce Springsteen im Jahre seines 75. Geburtstages

In diesem Jahr beglückte er mich mit seiner Platte Western Stars. Er komponiert einfühlsame Rockballaden und trägt sie mit seiner markanten Stimme vor. Ein akustisches Album. Ich wünsche Bruce, dass er mir noch viele Jahre so wunderbare Songs schenkt!

Vor 50 Jahren – Woodstock Festival in der Dorfgemeinde White Lake

16.08.2019 at 0:04
Originalplakat Woodstook Festival

Originalplakat

Auf den Maisfeldern in White Lake, NY fand vom 15. bis 17. August 1969 das legendäre Woodstock Music and Art Festival statt. (70 km von Woodstock entfernt!) Ein Jahr zuvor, am 4. April wurde Martin Luther King auf dem Balkon seines Motels in Memphis, Tennessee erschossen. Ein Welle der Gewalt erschütterte die USA. 39 Menschen kommen ums Leben. Kurze Zeit später, am 5. Juni 1968, wird der demokratische Senator Robert Kennedy, Hoffnungsträger eines liberaleren und gerechteren Amerika, ermordet. Der Vietnamkrieg tobte und das Land steckte in eine tiefe Krise – die bis heute andauert.

Der Name des Festivals steht für einen Höhepunkt der Flowerpower Bewegung in Nordamerika. Was einmal als ein kommerzielles zweitägiges Festival für 50.000 Besucher vom Initiator und Veranstalter Michael Lang geplant war, artete zu einem chaotischen aber friedlichen dreitägigen Riesenereignis mit geschätzt 500.000 Teilnehmern aus. Genaue Teilnehmerzahlen kennt keiner, denn die Absperrungen hielten dem Ansturm irgendwann nicht mehr stand und so kamen Besucher ohne Ticket und ungezählt auf das Gelände der Dorfgemeinde White Lake in der Nähe der kleinen Stadt Bethel im Bundesstaat New York. Eine Millionen hatten sich auf den Weg gemacht. Aufgrund des dadurch entstandenen Verkehrschaos konnten nur die Hälfte von ihnen das dreitägige Festival live erleben. Auch einige Musiker erreichten das Festival nicht, da nicht für alle kurzfristig ein Hubschrauber zur Verfügung gestellt wurde.

Woodstock gilt bis heute als Meilenstein der Festivalgeschichte und als Ur-Festival der Rock’n’Roll-Geschichte. CSN&Y, Joan Beaz, Janis Joplin, Richie Havens, Ravi Shankar, Grateful Dead, CCR, The Who, Joe Cocker, Jimmy Hendrix und viele andere traten hier auf.

Crosby, Stills Nash & Young spielten ein akustisches und ein elektrisches Set. Neil Young übersprang den größten Teil des akustischen Sets. Daher ist er in folgendem Video nicht zu sehen, das ein Meilenstein des Harmoniegesangs ist.

Diesen wunderbaren Song „Suite: Judy Blue Eyes“ schrieb Stephen Stills. Er spielt es auf einer offen gestimmten Gitarre, die auf EBEEBe gestimmt ist. Crosby, Stills & Nash haben das Lied zum ersten Mal beim Woodstock-Festival aufgeführt.

Bis zum 7. September ist auf der Mediathek von Arte ein ausführliches Portrait von David Crosby zu sehen „Remember My Name“

Da wurden neue Saiten aufgezogen

15.08.2019 at 22:12
Gitarren

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Nachdem ich neue Saiten aufgezogen hatte und die Gitarren mit dem neuen elektronischen Stimmgerät gestimmt hatte, kann es losgehen …

Gankino Circus: Balkan-Beats treffen Frankische Volksmusik

15.08.2019 at 21:44
Gankino Circus in Rudolstadt

Gankino Circus bei ihrem Auftritt in Rudolstadt

 

Als wir am letzten Sonntag im Renitenztheater Platz nehmen, um das Konzert von Gankino Circus zu genießen, wissen wir, auf was wir uns hier eingelassen haben. Wir hatten die Gruppe anlässlich der Ruth-Preisverleihung in Rudolstadt mit einem Ausschnitt aus ihrem Konzert gehört und wir bogen uns vor Lachen.

Aber was heißt schon Konzert? Ein Auftritt der vier Musiker ist weniger ein Konzert als vielmehr ein kabarettistisches Spektakel, eine subkulturelle Sensation. Im Renitenz präsentiert die Band aus dem fränkischen Dietenhofen ihr aberwitziges Programm namens „Irrsinn und Idyll“. Mit rasanten Melodien und unbändiger Spielfreude rücken Gankino Circus der Musik ihrer Heimat zu Leibe und machen sie durch ihren einzigartigen Humor dem Publikum zugänglich. Zeitgemäße Volksmusik, anarchischer Slapstick und raffinierter Wortwitz vermengen sich bei Gankino Circus zu einer kuriosen Melange.

Gitarrist Ralf Wieland ist ein genialer Geschichtenerzähler, führt durch das Programm und lässt auf urkomische Weise den Wahnsinn hinter der fränkischen Dorfidylle hervorschimmern. Mit von der Partie sind: der ebenso elegante wie therapiebedürftige Arztsohn Dr. Simon Schorndanner Junior am Saxophon und an der Klarinette. Der launische Akkordeonmeister und leidenschaftliche Landwirt Maximilian Eder aus der traditionsreichen Dynastie der Eders. Und natürlich der lausbübische Percussion-Tausendsassa Johannes Sens, der sich wie wild in die Herzen der Zuschauer trommelt, um sich dann im Moment höchster musikalischer Virtuosität die Kleider vom Leib zu reißen. Dabei fliegen die Drahthaare seiner Schlagzeugbesen im hohen Bogen ins Publikum.

Gankino Circus machen eine Reise durch die Welt der Musik und die Musik der Welt, werfen so ziemlich alles in die Bühne, was sie zwischen die Finger kriegen: Balkan-Beats & Fränkische Volksmusik, Finnische Folklore, Clownerie mit Surf-Attitüde und Punkrock, der nach Django Reinhardt klingt. Sie erzählen Geschichten via franko-bavarian Speed-Rap, über die Liebe & die großen Fragen des Lebens mit absurdem Humor, der das Publikum von Anfang an in seinen Bann zieht. Sie singen, trommeln, tanzen, lachen & musizieren; & all das oft so schnell, filigran & virtuos, dass Auge & Ohr kaum folgen können. Als sie am Ende des Konzerts nach den obligatorischen Zugaben die Zuschauer entlassen, leuchtet der Frohsinn in den Gesichtern vieler Zuschauer nach.

Happy Birthday, Mark Knopfler!

12.08.2019 at 16:58

Der Gitarrist Mark Knopfler wird heute 70! Wie hat er die Musikszene Ende der 70ziger Jahre mit seinem Sound aufgemischt.

Der aus Glasgow /Schottland stammende Mark Knopfler, Sohn eines ungarisch-jüdischer Vaters, gründete 1977 die Rockband Dire Straits. Das leitet sich von „to be in dire straits“ zu Deutsch: „in ernsten Schwierigkeiten sein“ ab. An seiner Seite sein jüngerer Bruder David Knopfler sowie John Illsley und Pick Withers. Mark Knopfler war der kreative Kopf der Band, die 120 Millionen Alben verkaufte und damit zu den erfolgreichsten Gruppen der letzten Jahrzehnte zählte.

Sein Sound ist entspannt

Dieser Mann mag es ruhig. Das schlägt sich auch in vielen seiner Songs durch. Mit Sultans of Swing betrat er 1977 die Bühne und auch mit 70 ist er produktiv wie kaum ein anderer.

Der Durchbruch mit den „Dire Straits“ kam für Mark Knopfler, als er schon Ende 20 war, nach mehreren Jahren als mäßig erfolgreicher Profimusiker und einer wichtigen Entscheidung, wie er in einem Interview verrät:

„Ich wollte wirklich Musiker sein. Aber dann merkte ich, dass in mir Songs sind, die raus müssen. Damit schlägst du dann einen ganz anderen Weg ein und kümmerst dich nicht mehr so sehr um dein Instrument, du übst nicht mehr so viel. Das erste, was darunter leidet, wenn du anfängst Songs zu schreiben, ist deine Fähigkeit am Instrument.“

Mark Knopfler ist ein bescheidener Künstler

Das ist sehr bescheiden, denn Mark Knopfler ist einer der ganz großen lebenden Gitarristen. Sechs Alben hat er mit Dire Straits veröffentlich, neun Soloalben Dazu kommen ein halbes Dutzend Alben, die er mit anderen Musikern einspielte, darunter Chet Atkins, Emmylou Harris und die Supergruppe „The Notting Hillbillies“. Und wir wünschen ihm (und uns), dass noch viele folgen, auf denen er seine wunderbaren Songs veröffentlichen kann. Ganz bescheiden sagt er:
„Eines der Dinge, die ich tun werde, wenn ich mal mit dem Touren aufhöre, ist: Dann hätte ich gern einen Gitarrenlehrer. Ich hatte den nie.“

Yesterday – all my troubles seemed so far away

26.07.2019 at 7:56

Was wäre, wenn es die Beatles nie gegeben hätte, bzw. sie aus dem Gedächtnis der Menschen getilgt wären? Bei allen Menschen? Nein! Einer hat noch Erinnerungen an sie: der erfolglose Singer/Songwriter Jack Malik (Himesh Patel), der seine Kompositionen grundsätzlich vor leeren Rängen und an allen Straßenecken zum Besten gibt!

Auf dieser Prämisse des Drehbuchautors Richard Curtis basiert der neue Film des britischen Regisseurs Danny Boyle (Trainspotting, Slumdog Millionär). Richard Curtis ist durch viele Drehbücher für komödiantische Filme bekannt geworden (u. a. Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Notting Hill, die Bridget-Jones Filme) und prägt mit seinem Wortwitz auch diesen Film.

Die Prämisse ist schnell erzählt:

Bei einem zwölfsekündigem, weltweiten Stromausfall, dessen Umstände der Film zurecht nicht weiter thematisiert, wird Jack Malik (Himesh Patel) von einem Bus angefahren. Danach vermisst der sympathische Loser zwar zwei Schneidezähne, besitzt aber als fast einziger Mensch die Erinnerung an die vielleicht wichtigste Band aller Zeiten. Und als er beim Klimpern von „Yesterday“ merkt, dass seine Freunde den Song noch nie gehört haben, und die Google-Recherche bei den Stichworten „Beatles“ und „John Paul Georges Ringo“ nur Käfer und Päpste anzeigt, beginnt er zögerlich seiner „Karriere“ eine neue Chance zu geben und nimmt die alten Hits in sein Repertoire auf.

Sehr sorgfältig dekliniert der Film diese Entwicklung vom tastenden, unsicheren „Let It Be“ auf dem elterlichen Piano klimpernden Musiker über die ersten Achtungserfolge bei lokalen Auftritten bis hin zur Anfrage des Musikers Ed Sheeran, bei einem seiner Konzerte in Moskau (!) im Vorprogramm zu spielen. Der britische Weltstar Ed Sheeran spielt sich hier sanft und selbstironisch selbst. Den Ritterschlag erhält Jack Malik als er nach dem Konzert von Ed Sheeran Backstage zu einem Songschreiberwettbewerb aufgefordert wird: Beide sollen spontan einen Song komponieren, den sie noch nie gespielt haben. Nachdem Jack mit seinem Song diesen Wettbewerb gewonnen hat, erkennt Ed Sheeran, dass er nur ein Salieri neben Mozart ist und wünscht ihm viel Glück. Die aalglatte Managerin Debra (wunderbar von der Komikerin Kate McKinnon gespielt) dient sich dem aufgehenden Stern gleich an und führt ihn durch die Untiefen des Musikbusiness. Leichthändig nimmt der Film die Mechanismen der zeitgenössischen Musikindustrie aufs Korn, bleibt im Grunde aber stets bei der Frage, wohin geklauter Ruhm und unverdiente Ehren den Helden am Ende eigentlich führen sollen.

Die wunderbare Musik der Beatles

Die Musik der vier Musiker aus Liverpool trägt den gesamten Film, denn es ist eine enorme Lebensfreude in ihrer Musik, egal welchen Song man nimmt und die verzaubert damit die Zuschauer während des gesamten Films. Wie wichtig diese gemeinsame Lebensfreude trotz aller Streitigkeiten für die Beatles war, kann man in vielen Interviews nachlesen. Trotzdem steckt in den Songs stets auch eine gewisse, sehr britische Melancholie. Danny Boyle gelingt es, die Balance zwischen traurig und heiter den ganzen Film über zu halten. Und man fiebert mit dem aufstreben Star mit, wenn er vom Erfolg überrascht wird und dabei die in den Songs der Beatles so oft thematisierte Liebe aus den Augen verliert. Wieder sind es Looser und ein alter weiser Mann, die ihm die entscheidenden Hinweise zur Umkehr geben und das auf dem Höhepunkt seines Ruhmes, als er das Wimmeltonstadion rockt und die Dollar förmlich greifbar werden (vor allem auch für seine diabolische Managerin).

Da wird auch ein Bild von vier kreischenden Mädchen eingeblendet, die den Beatles zujubeln. Und die Botschaft ist klar: Es waren diese kreischenden Mädchen, die den Lauf der Geschichte verändert haben. Sie wurden in den Medien als hysterisch und verrückt verunglimpft. Aber sie waren es, die dafür gesorgt haben, dass die Menschen mit dieser Musik konfrontiert wurden, die die Gesellschaft für immer verändert hat: Die jungen Menschen ließen sich nicht mehr vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben. Sie haben sich geweigert, zur Armee zu gehen. Sie wollten nicht mehr die Jobs machen, die ihre Eltern für sie ausgesucht haben. Sie strebten nach Glück, Liebe und Selbstverwirklichung. Und genau das tut dann auch der Protagonist des Filmes.

Was wünschen wir uns heute nach einem Stromausfall?

Der Regisseur Danny Boyle wurde gefragt, was er gern nach einem globalen Stromausfall aus dem Gedächtnis der Menschheit für immer löschen würde und er antworte darauf:

„Im Moment kann es auf diese Frage für mich nur eine Antwort geben. Wenn es etwas gibt, das die Mehrheit der Briten gern innerhalb von dreißig Sekunden ins Reich des Vergessens schicken würde, dann ist es der Brexit samt Nigel Farage und all den anderen Clowns, die für dieses politische Desaster verantwortlich sind.“

Vielleicht hilft es wirklich manchmal, wie Jack Malik in einer unerwartet drängenden Version, den Song »Help« zu spielen, der angesichts all dieser Probleme folgerichtig eine ganz neue Bedeutung erhält.

Bob Dylan beim Jazz Open in Stuttgart

14.07.2019 at 18:18

 

Es ist der erste Auftritt, den ich von dem heute achtundsiebzigjährigen Ausnahmemusiker erlebt habe. Lange hatte ich gezaudert, ob ich den Eintrittspreis von 80 € für einen Stehplatz zahlen sollte. Aber um 17 Uhr, 15 Minuten vor Einlass habe ich online eine Karte beim Veranstalter erstanden, für nur noch 35 €. Robert Allen Zimmerman, alias Bob Dylan, bleibt mit diesem Konzert seinem chamäleonhaften Weg treu, erfindet sich immer wieder neu.

Die Bühne, ausgestattet mit riesigen Scheinwerfern, die aus einem alten Hollywoodstudio stammen könnten, illuminieren die Bühne. Auf einem Gitarrenverstärker sein Oscar, den er 2001 für den besten Filmsong erhalten hatte (aus dem Film Wonder Boys). Rechts am Rand steht eine Frauenbüste auf einer korinthischen Säule. Ein Statement gegen die europäische Flüchtlingspolitik? Viel zu weit gedacht. Es handelt sich um eine Figur aus dem Pallas-Athene-Brunnen vor dem österreichischen Parlament. Die Frau symbolisiert die Moldau und sie verleiht der zweistündigen Show einen würdigen Rahmen.

Die Musik aus einem Guss

„Things Have Changed“. Ein typisches Dylan-Motto. Bei ihm ist immer alles anders. Er hat seine Lieder in ein völlig anderes Soundgewand gekleidet. Und das ist an diesem Abend aus einem Guss. Wobei es im Grunde zu trivial wäre, diese Sonette als Songs zu bezeichnen. Für diese kunstvolle Lyrik hat er vor zwei Jahren zu Recht den Nobelpreis für Literatur erhalten.

Seine allseits bekannten Songs erkenne ich häufig nur an einigen wunderbaren Textpassagen wieder so auch meinen Liebslingssong „It Ain’t Me Babe“. Die Musik ist an diesem Abend aus einem Guss: mal hart bluesig, mal fast orchestral, arbeitet sich dagegen am Original ab. Wobei ich mir die Frage stelle: Was ist denn das Original? Die Version, die vor 55 Jahren auf Platte gepresst wurde oder das Lied im heutigen Gewand, immer wieder neu bearbeitet, umgeschrieben und optimiert?

Dylan arbeitet seit Jahren mit hervorragenden Musikern

Hervorzuheben ist die exquisite Begleitband, die Bob Dylan mit auf die Bühne gebracht hat: Der Bassist Tony Garnier webt einen satten Rhythmus mit seinem akustischen Bass, greift auch mal zum Bogen oder tauscht ihn gegen einen E-Bass ein. Mit dem Schlagzeuger George Recile – mit feschem schmalkrempigen Hut, im Gegensatz zu Bob Dylan, der einen sehr breitkrempigen trägt -bildet Tony Garnier das rhythmische Fundament.

Gitarrist Charlie Sexton steht seit 1999 immer wieder an der Seite von Bob Dylan auf der Bühne und treibt mit seinem virtuosen Spiel die Songs voran. Donnie Herron glänzt an vielen Instrumenten: Pedalsteel Gitarre, Lapsteel Gitarre, Mandoline, Banjo und Violine. Bob Dylan sitzt meist am Flügel, schnappt sich manchmal einen Mikrofonständer und singt ohne Instrument. Wenn er so auf der Bühne steht, sieht man ihm sein Alter an: an seiner leicht gebückten Haltung, an seinen verknöcherten Händen. Die Gitarre, früher sein Markenzeichen, hat er nicht mitgebracht, aber seine Mundharmonika.

Eine Zugabe lässt sich der Meister abringen, dann gehen er und seine Band von der Bühne. Seine „Never Ending Tour“ wird in den nächsten Tagen weiter gehen, wie seit 30 Jahren.

Ausnahmsweise habe ich keine Aufnahmen von dem Konzert gemacht, obwohl ich trotz strenger Taschenkontrolle meine Kamera dabei hatte. Aber Bob Dylan verbittet sich alle Aufnahmen. Er hat auch schon mal ein Konzert wegen Missachtung dieser Bitte abgebrochen.

Der Vollständigkeit halber hier die Setlist:

  • Ballad of a Thin Man
  • It Ain’t Me, Babe
  • Highway 61 Revisited
  • Simple Twist of Fate
  • Can’t Wait
  • When I Paint My Masterpiece
  • Honest with Me
  • Tryin’ to Get to Heaven
  • Scarlet Town
  • Make You Feel My Love
  • Pay in Blood
  • Like a Rolling Stone
  • Early Roman Kings
  • Girl of the North Country
  • Love Sick
  • Thunder on the Mountain
  • Soon After Midnight
  • Gotta Serve Somebody
  • Blowin’ in the Wind