Gerhard Breidenstein auf spirituellen Pfaden

10.11.2018 at 14:05
Gerhard Breidenstein diskutiert über Mystik

Gerhard Breidenstein diskutiert über Mystik

 

In der Reihe „Vita contemplativa“ läd der Hospitalhof regelmäßig ein zu einer Begegnung mit berühmten Texten, Meditationen und geistlichen Übungen. Am 6. November 2018 hielt Gerhard Breidenstein im Rahmen dieser Reihe einen Vortrag zum Thema „Spiritualität ohne Religion?“

Gerhard Breidenstein hat evangelische Theologie studiert und promovierte in Sozialethik. Zeit seines Lebens (er ist Jahrgang 1936) hat er sich politisch engagiert: Als Studentenpfarrer in Dortmund, in der Umwelt- und Anti AKW-Bewegung, in der Friedensbewegung. In einer schweren Lebenskrise hat er sich auf frühe Meditationserfahrungen besonnen und hat erneut den Zen-Weg beschritten. Seit dreißig Jahren folgt er diesem und hat darüber auch ein sehr persönliches Buch geschrieben. (Siehe Besprechung auf diesem Blog.)

Mystische Spiritualität ist Weltzuwendung

In seiner letzten Publikation „Brennende Kerze im Sturm“ nimmt er die mystische Spiritualität in den Blick. Sie bedeutet für ihn Weltzuwendung bis in den persönlichen Alltag und in die globale Situation hinein. Er zitiert aus dem Gedicht Es gibt so wunderweiße Nächte von Rilke. Dort schreibt Rilke:

… und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.

Diesem kapellenlosen Glauben redet Gerhard Breidenstein das Wort. Die Säkularisierung als Teil der Aufklärung hat ihren Anteil daran, dass die Menschen sich von den Kirchen abgewendet haben.

In der modernen Welt stehen materiellen Dinge an erster Stelle. Trotz dieses modernen Materialismus sind sehr viele Menschen auf der Suche nach Spiritualität. Allerdings profitieren die großen christlichen Kirchen nicht davon. Er kann gut nachvollziehen, dass die von den Kirchen gelehrten Glaubensinhalte nicht mehr von den Menschen verstanden werden. Auch er kann das 1700 Jahre alte Glaubensbekenntnis nicht mehr sprechen. Es drückt nicht seine Erfahrungen aus und vor allem ist es nicht in seiner Sprache verfasst. Er verweist auf den Theologen Jörg Zink und die Theologin Dorothea Sölle, denen es gelungen ist, den christlichen Glauben in moderner Sprach zu vermitteln. Für ihn ist es kein Zufall, dass Dorothea Sölle sich in einem ihrer letzten großen Werke der Mystik zugewendet hat. Mystische Spiritualität verlangt nicht, Dogmen zu glauben. Es geht vielmehr um unmittelbare Erfahrungen.

Moderne physikalische Modelle und Spiritualität stehen nicht im Widerspruch

Auch die moderne Physik, die geprägt ist von Max Planck, Einstein und Heisenberg, hat das duale, alte Weltbild nachhaltig infrage gestellt. Wie die moderne Physik kennt ein mystisches Weltbild nur eine Wirklichkeit. Es gibt keine Trennung zwischen Oben und Unten, Göttlichem und Menschlichen, zwischen Geist und Materie. Alles ist mit allem verbunden. Das Weltbild der Mystik ist nichtdual. Und der mystische Mensch erfährt die Nondualität der Wirklichkeit.

Mystik in den verschiedenen Religionen

In allen Weltreligionen gibt es mystische Ausprägungen: Im Christentum vertraten das z. B. Meister Eckhart, Hildegard von Bingen oder Teresa von Ávila. Die Sufis vertreten die Mystik im Islam, Zen ist die mystische Ausprägung im Buddhismus und im Judentum vertreten die Kabbalisten den mystischen Zweig.

In den monotheistischen Religionen (Christentum, Judentum und Islam) ist die mystische Erfahrung als Gotteserfahrung bzw. Glaubenserfahrung auf die göttliche Wirklichkeit bezogen.

Nichttheistische Traditionen wie Buddhismus, Jainismus und Daoismus bringen mystische Erfahrungen zum Ausdruck, ohne sich auf eine göttliche Person oder Wesenheit zu beziehen. Auch Vertreter des Hinduismus berichten von mystischen Erlebnissen.

Glauben in transreligiöser Sprache

Wie kann nun Glauben in transreligiöser Sprache ausgedrückt werden? Diese Frage gingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem Abend anhand eines von Gerhard Breidenstein verfassten Thesenpapiers erst in stiller Zurückgezogenheit nach, um sich im Anschluss daran im Gespräch darüber auszutauschen. Teils wurde den Ansichten des Referenten heftig widersprochen und auf die christliche Offenbarung verwiesen. Aber auch der Bezug auf die Theorien der modernen Physik wurde hergestellt. Einigend war der Gedanke, dass die Welt Kraft materieller und geistiger Evolution lebensfreundlicher werden kann und werden wird.

Wer sich mit den Thesen von Gerhard Breidenstein näher beschäftigen will, dem sei sein Buch empfohlen:

Brennende Kerze im Sturm
Mystische Spiritualität inmitten unsere Welt

144 Seiten, Taschenbuch
Verlag: Publik-Forum, Preis: 14,90 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

 

So schnell kann es gehen

28.10.2018 at 15:10
Kirchberg im Herbst

Kirchberg im Herbst

 

Gerade noch in herbstlicher Atmosphäre Laub gerecht doch dann kam der Wintereinbruch und die Klostergebäude liegen unter einer weißen Decke.

Der Winter hat das Kloster mit einer weißen Schicht überzogen

Der Winter hat das Kloster mit einer weißen Schicht überzogen

Der Lichtzauberer Günter Guben

29.04.2017 at 11:57
Günter Guben erklärt seine Fototechnik

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Detalliert erklärt Günter Guben bei der Eröffnung seiner Ausstellung „Graphein – Panta Rhei“ wie er bei den Aufnahmen dieser Lichtbilder vorgegangen ist.

Ein Streichertrio hatte die Vernissage am 28. April 2017 um 20 Uhr in der Galerie InterArt musikalisch eröffnet. Die drei Ausstellungsräume der Galerie sind bis auf den letzten Platz besetzt. Günter Guben ist ein gern gesehener Gast in der InterArt. Länge Zeit hat er im Vorstand des Trägervereins gearbeitet.

Günter Guben ist nicht nur Fotograf und Zeichner sondern auch Schriftsteller. Er liest einen seiner sehr dichten und humorvollen Texte. Diese handelt von der Verwandlung einer Fotografie und dem Verlust der als real angenommenen Wirklichkeit. Damit erweitert er seine fotografischen Kunstwerke aufs Vortrefflichste.

Mit Licht gemalt

Mit Licht gemalt

Die Ausstellung ist bis zum 27. Mai 2017 zu sehen, jeweils Mi, Do, Fr, von 16 – 19 Uhr und Samstags von 12 – 18 Uhr.

Christa Lippelt in der Stadtbibliothek Bad Cannstatt

17.01.2017 at 15:34
Christa Lippelt

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Wieder einmal stelle ich fest, ich sehe nur das, was mir bekannt ist. Die Bilder von Christa Lippelt hängen schon seit Oktober in der Stadtteilbibliothek und ich habe sie nie wahr genommen. Erst als mich die Künstlerin auf ihre Ausstellung aufmerksam machte, schaute ich mir die Bilder genauer an.

Christa Lippelt, die in Königsberg geborene, ging in Bremen zur Schule und arbeitete als medizinisch-technische Assistentin in Stuttgart, wo sie auch wohnt. Seit ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben hat sie sich ganz der Malerei gewidmet, besuchte verschiedene Kunstakademien und stellt seit 2000 in Einzel- und Gruppenausstellungen ihre Werke dem Publikum vor.

Collagen, Acryl und Ölkreide

Zuerst fiel mir eine Collage auf, in die sie ein Bild ihres vor einiger Zeit verstorbenen Mannes zentral eingebunden hat. Das Bild ist von 2016, entstanden kurz nach dem Tod ihres Mannes. Das Schriftstellerhaus hatte im Dezember 2014 noch eine Lesung mit bereits schwer erkranken Christoph Lippelt veranstaltet und jeder der Anwesenden konnte sich ein Bild von dem feinsinnigen Schriftsteller und Arzt machen, den hier seine Frau in ihrem Bild verewigt hat.

Die hier ausgestellten Bilder stammen aus der Zeit von 2006 bis 2016, viele in kräftigen Acrylfarben gemalt aber auch Ölkreide setzt Christa Lippelt gerne ein, um Akzente zu setzten. Und immer wieder Collagentechnik wie die fünf Tulpenbilder, bei denen sie mit Acryl und Ölkreide Fotos übermalte und einen völlig neuen visuellen Ausdruck schaffte. Schicht für Schicht muss sich der Betrachter diese Bilder erschließen und setzt sie doch anschließend ganz individuell in seinem Kopf wieder zusammen.

Portraits von Romanfiguren aus dem Jahr 2007 öffnen den Blick auf die Chrakterinterpretation der Künstlerin, die man mit seinen eigenen Vorstellungen von Leyla, Yasmin und Sevgi abgleichen kann, so man den Roman von Feridun Zaimoglu gelesen hat, in dem sie vorkommen. Wenn nicht, kann man ihn gleich an Ort und Stelle ausleihen.

Es ist die gekonnte Verteilung von Form und Farben auf dem Papier, die die gemalten Porträts der literarischen Figuren auch hier im Kopf des Betrachters neu entstehen lässt und somit einen anderen Blick auf die vermeintliche Wirklichkeit erlauben, die ja nur eine literarische ist.

Ausruhen nach dem Streifzug in der besucherfreundlichen Stadtteilbibliothek

Neben den vielen „Portraitbildern“ entdeckt man beim Streifzug durch die Stadtbibliothek großflächige Landschaftsbilder der Künstlerin von nächtlichen Inseln oder den Monte Baldo, diesem imposanten Bergmassiv am Gardasees. Hat man sich an all den Farben und Formen der Künstlerin Christa Lippelt satt gesehen, so bietet die Stadtbibliothek dem Besucher in der Leseecke einen Kaffee oder Espresso an, bei dessen Genuss die Eindrücke nachwirken können.

Die im Oktober 2016 eröffnete Ausstellung ist noch bis Anfang April diesen Jahres in der Stadtteilbibliothek Bad Cannstatt, Überkinger Str. 15 in Stuttgart zu sehen.

„Einfach mal den Schnabel halten!“,

19.11.2016 at 15:48
Schnabel halten

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zwitschert die Lerche.
„Wieso denn det?“, keckert die Elster.

Kirchberg im Herbst

Kirchberg im Herbst

 

Rückwärtiges Samu

Rückwärtiges Samu