Bei Loretta „Jazzen und Schmazzen“

09.07.2016 at 16:28
Martin Wiedmann, Markus Bodenseh und Roland Weber jazzen bei Loretta

Martin Wiedmann, Markus Bodenseh und Roland Weber jazzen bei Loretta

 

Biegt man von der Tübinger Straße, vom Marienplatz kommend, rechts in die Römerstraße ein, sieht man nach ein paar Metern ein angerostetes Ladenschild: „Alimentari da Loretta“. Nun ist die Gegend um den Marienplatz kein Nobelviertel und man denkt sich nicht viel bei dem Anblick des in die Jahre gekommenen Schildes. Tritt man jedoch in der Römerstraße 8 bei Loretta über die Schwelle, fühlt man sich in ein kleines Restaurant irgendwo in der Toskana versetzt und gleich wird man hineingezogen in eine verträumte Welt. Die Fassade verdeckt einen Kleinod, dessen Entdeckung sich lohnt. Loretta Petti, eine freundliche, resolute Köchin, die in ihrem Laden nicht nur erstklassige italienische Speisen zubereitet sondern Kultur als Geschmacksverstärker geschickt einsetzt. Am 8.7.2016 standen im Alimentari da Loretta zum 49. Mal drei Jazzmusiker auf der Bühne und unterhielten nach dem wohlschmeckenden Essen die Gäste mit Jazzstandarts. Loretta bietet an ihren Abenden neben der Musik auch Lesungen, Rezitationen manchmal auch Vorträge und Diskussionen zu speziellen Themen.

Im Speiseraum von Loretta schweben Düfte und Klänge

In den kleinen Speiseraum von Loretta entsandte die halbakustische Fendergitarre von Martin Wiedmann einen warmen, runden Ton, dessen Wärme er dem wunderbaren Röhrenverstärker „Mesa Boogi“ zu verdanken hat. Markus Bodenseh am Kontrabass bildete das rhythmische Fundament, auf dem sich Roland Weber am Vibraphon und Martin Wiedemann sicher bewegen konnten.

Es wippten die Füße der Gäste, der Swing ging in die Beine, als das Trio bei sommerlichen Temperaturen ein Potbourri aus Samba-Rhythmen den Abend einläutete. Wie eine angedeutete Phrase huschte das Girl von Ipanema immer wieder durch den Sommersamba. Das Trio nahm sich mit viel Spielfreude neben Jazz-Standards auch seltener gehörten Stücken an, auch Musik eines längst vergessenen Films oder Musicals. Kurz vor Ende des ersten Sets kam der Überraschungsgast auf die Bühne. An diesem Abend war es der Stuttgarter Saxophonist Jürgen Bothner. (Über seinen druckvollen Bigband-Sound mit der Band des Helene-Lange-Gymnasiums habe ich hier berichtet.)

Das Dolce von Loretta: raffiniert!

In der Pause versorgte Loretta ihre Gäste mit Dolce: Eissorbet. Die rote Kugel ist kein Himbeereis sondern hergestellt aus Blutorangen. Die weiße Kugel ist Parmesaneis. An der Seite der beiden Kugeln frittierte Früchte, alles auf eine Spur Honig drapiert. Es sind die einfachen Gerichte, die, wenn sie mit Liebe zum Detail hergestellt sind, nicht nur satt machen sondern glücklich.

Der Nachtisch ist gegessen und im zweiten Set spielten die drei Musiker, unterstützt von dem Gast-Saxophonisten, Jazzoriginals und abwechslungsreich bearbeitete Standards. Straight ahead Jazz eben. Mit schwebenden Vibraphonklängen und virtuosen Gitarrensoli auf gut gebautem Bassfundament, wie im ersten Teil. Eine Verbindung zur Fußballeuropameisterschaft wurde hergestellt, als Roland Weber ein Potbourri einer bekannten Popgruppe ankündigte, die bei ihren ersten Auftritten ähnliche Frisuren wie der Bundestrainer Jogi Löw trugen. Nach wenigen Takten war klar, um wen es sich handelte: Die Beatles.

Die Veranstaltung Jazzen und Schmazzen findet normalerweise einmal im Monat donnerstags statt. Aufgrund des Halbfinales hatte Loretta kurzfristig die angemeldeten Gäste über die Verschiebung informiert. Informationen zu den Kultur- und Genuss-Veranstaltungen von Loretta gibt es auf ihrem Blog.