Wolfgang Haenle mit neuen Texten

15.05.2016 at 17:35
Wolfgang Haenle im Schriftstellerhaus

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Wolfgang Haenle stellte am 12. Mai im Schriftstellerhaus Stuttgart neue Texte in der Reihe „Forum der Autoren“ vor. Es sind unveröffentlichte Texte, die er dem Publikum präsentierte. Dankenswerter Weise hatte er für die ZuhörerInnen einen großen Teil der Gedichte kopiert, so dass sich eine rege Diskussion über die Texte entwickeln konnte.

Wolfgang Haenle ist ein „spätberufener Lyriker“. 1945 in Altötting geboren, aufgewachsen in Göppingen, studierte er Maschinenbau und Technische Fotografie in Stuttgart. Auf seiner Homepage gewährt er Einblick in sein fotografisches Schaffen. Aber erst gegen Ende seines aktiven Berufslebens begann er sich intensiv mit der Lyrik auseinander zu setzen. 2011 veröffentlichte er seinen ersten Lyrikband mit Liebesgedichten: „eine hand voll du“. Regelmäßig veröffentlichte er in Gedichtanthologien. Die achtzehn Gedichte, die er an diesem Abend mit ins Schriftstellerhaus brachte, sind noch nirgendwo erschienen.  Seine Geburtsstadt Altötting, eine berühmte Pilgerstadt fand Eingang in eines seiner Gedichte. Wir wissen, welche bekannte Persönlichkeit aus der Gegend kam: Papst Benedikt VI., der „Joseph Aloisius“.

Wolfgang Haenle hat sich konsequent der Kleinschreibung in seinen Gedichten verschrieben. Aber auch sonst ist er formal streng, mal verwendet er die Form des Sonetts, dann wieder die der Sestine. Wobei er dem Reim und dem Jambus elegant ausweicht. Er kennt die Formen, folgt ihnen aber nicht streng. Wie viele moderne Lyriker lässt er den Reim links liegen. Und doch ist seine Lyrik von formaler Eleganz. Seine Themen findet er überall: die „Schnapp“-Schildkröte Lotti, die in der Bild-Zeitung Überschrift wurde:  „Ente in die Tiefe gezogen: Alligator-Schildkröte Lotti wieder da“. Oder bei Edgar Degas, dem impressionistischen Maler, dem er ein Gedicht unter dem Namen „leidenschaft“ widmet.

Für Wolfgang Haenle ist die Natur eine Fundgrube

Betrachtungen der Natur wurden bereits von dem von ihm hochgeschätzten Dichterkollegen Jan Wagner zu Lyrik verdichtet. Auch Wolfgang Haenle schreibt Gedichte, die sich diesem Genre verpflichtet fühlt. Ob er den in den in den offenen Savannenlandschaften und bewaldete Flussgebiete des Tief- und Hochlands des südlichen Afrikas beheimateten Kaffernbüffel oder den Kormoran beschreibt, immer findet er eindrucksvolle Bilder. Im Gedicht Kormoran blitzt eine andere Leidenschaft des Autors auf: die Fotografie. Darin heißt es:
... schlaff hängt die sony
ein griff. dann ist sie ganz oben. der gurt zurrt an der schulter

Aber auch eine Wanderung ist es ihm wert, zu Lyrik verdichtet zu werden. Wieder erwähnt er darin die Kamera, die ihm ein ständiger Begleiter scheint. Humorvoll blickt er auf die Esoterikszene, wenn er über „gruppentherapie“ schreibt, und sie dort verortet, wo Bachblüten dreizehn Feen treffen, der Meister ein biegsamer ist.

Immer wieder unterbrach Wolfgang Haenle seinen Vortrag und gab Raum für die Diskussion mit dem Publikum. So entstand fast schon so etwas wie schriftstellerische Arbeitsatmosphäre im Schriftstellerhaus, das mit diesem Format „Forum der Autoren“ genau das beabsichtigt.

Wolfgang Haneles beiden Lyrikbände sind beim Stuttgarter Schweikert-Bonn-Verlag erschienen:

eine hand voll du
Broschiert, 140 Seiten, Preis: 11,50 €

b.antwortet
Gebunden, 136 Seiten, Preis: 17,00 €

zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

 

Künstlerpaare: Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle

15.10.2015 at 18:31
Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle

Beate Rygiert im Gespräch mit Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle Foto: Robert Thiele

 

Die GEDOK Stuttgart startet eine neue Reihe unter dem Namen „Künstlerpaare“. Beate Rygiert wird Paare vorstellen, die künstlerisch tätig sind. Am 14. Oktober waren Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle bei ihr zu Gast.

Die Tests der Jutta Weber-Bock

Wie sie denn zum Schreiben gekommen seien, wollte Beate Rygiert zu Beginn von ihnen wissen. Schon bei dieser Frage wurden die Unterschiede der beiden Schriftsteller deutlich. Jutta Weber-Bock wollte immer schon schreiben, der Anfang wollte ihr nicht so recht gelingen, bis sie sich in einen Schreibkurs der Universität Stuttgart einschrieb und dort ihre ersten Schritte machte. Das war Anfang der achtziger Jahre. Heute leitet sie seit vielen Jahren selber diese Schreiblehrgänge im Studium Generale. Auch Wolfgang Haenle kam über das Studium Generale zum Schreiben, allerdings viele Jahre später, als er bereits in Rente gegangen war. Zwischen einigen lyrischen Zeilen in der Jugend und heutigen Gedichten liegen Welten. Er setzte sich nicht nur in Juttas Lyrikwerkstatt sondern kurze Zeit später auch in ihre Küche. Davon berichtete wiederum Jutta Weber-Bock. Sie hätte mit ihm den „Küchentest“ gemacht: Kommen sie gemeinsam in ihrer kleinen Küche zurecht? Auch den Schreibtischtest (kann man gemeinsam an einem Tisch schreiben?) hat er mit Bravour bestanden.

Der Lyriker Werner Dürrson gab den Anstoß

Den letzten Anstoß, mit dem Schreiben zu beginnen, gab der 2008 verstorbene Lyriker Werner Dürrson. Er sagte in Gespräch mit Wolfgang Haenle, er wolle sich eigentlich nur noch mit Menschen unterhalten, die selber schreiben. Das war der Auslöser für Wolfgang, nicht nur Lyrik zu lesen, sondern auch mit dem Verfassen von Gedichten zu beginnen. Mittlerweile blickt Wolfgang auf eine Reihe von Veröffentlichungen zurück: Zwei Lyrikbände hat er im Stuttgarter Schweikert-Bonn-Verlag veröffentlicht, seine Gedichte erscheinen in Zeitschriften und Anthologien.

Jutta Weber-Bock schreibt nur gelegentlich Lyrik. Sie erzählt ihre Geschichten vor allem in Kurzprosaform. In kleinen Verlagen hat sie zwei Bände mit Kurztexten veröffentlicht. Weil diese kleinen Verlage heute nicht mehr existieren, hat sie diese Texte im Schweikert-Bonn-Verlag neu herausgebracht. Dem Publikum stehen sie wieder zur Verfügung. Eine Geschichte aus diesem Band las sie in Ausschnitten vor, denn sie würde ein besonderes Licht auf die Beziehung zu ihrem Mann werfen: „Feigenküsse“. Ihre Texte sind stark autobiografisch geprägt, wie auch ihr Roman „Liebesprobe“, den sie im Demand Verlag veröffentlichte.

Unter einem Dach

Seit vielen Jahren arbeite sie an einem Romanprojekt, ein historischer Stoff, der viel Recherche erfordere. Schmunzelnd berichtete Jutta Weber-Bock, ertrüge Wolfgang ihre Wohnungsokkupation mit Textauszügen, Mindmappings und Stadtplänen. Zudem sei er ihr erster Leser. Er sieht, wo im Text Bilder fehlen. Natürlich ärgert Kritik, aber wenn sie berechtigt ist, sei sie hilfreich. Sie wiederum brächte Struktur in seine Gedichtentwürfe.

Sie haben in ihrer Wohnung nicht nur zwei Schreibtische. Jeder Tisch sei letztendlich zum Schreiben geeignet. Wolfgang Haenle braucht viele Lyrikbände um sich herum, die ihn immer wieder zu eigenen Gedichten inspirieren. Er schreibt nur mit dem Laptop. Vielleicht die einzige Verbindung zu seiner beruflichen Laufbahn, er ist ausgebildeter Maschinenbauingenieur. Was er in seinem Beruf nie so recht gehabt hat, hat er nun gefunden: die Liebe zu seinem Schaffen. Aus seinen beiden Gedichtbänden trug er in der GEDOK vor.

Ein wirklich gemeinsames Projekt haben sie am Anfang ihrer Liebebeziehung begonnen. Über acht Wochen hinweg haben sie sich E-Mails in Haiku-Form geschrieben. Über 1.100 Haiku sind dabei entstanden, die sie in ein gemeinsames Buchprojekt einbringen wollen. Einige lasen sie an diesem Abend im Wechsel vor. Musikalisch untermalt wurde die Lesung  von Daniel Oliver Bachmann, Lebenspartner von Beate Rygiert.

Jutta Weber-Bock wird am 8. November 2015 im Rahmen des Poetischen Cafés wieder in der GEDOK lesen. Schriftstellerinnen der GEDOK lesen, parallel stellen Künstlerinnen ihre Werke aus, meine Frau Tatjana Seehoff wird ihre Filzkunst präsentieren.

Ein gemischtes Doppel …

30.01.2015 at 15:05
Lyriklesung Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle

Lesung des lyrischen Paares in der alten Spinnerei in Esslingen

 

… trat in Rosens Lyrik-Salon in der Spinnerei in Esslingen am 28. Januar auf die Bühne, die mehr als einen halben Meter über den Köpfen der Zuhörer gezimmert ist. Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle trugen einzeln und gemeinsam ihre Lyrik vor.

Jutta Weber-BockDen Anfang machte Jutta Weber-Bock, die im Gespräch mit dem Moderator und Organisator des Lyrik-Salons, Andreas Roos, bereitwillig Auskunft gab über ihre diversen literarischen Tätigkeiten und ihre Publikationen. Gerade hat sie im Schweikert Verlag den Kurzgeschichtenband „Electronic Harem“ veröffentlicht, eine Wiederveröffentlichung von Geschichten vom Reisen und Lieben – Joggen und Leben.

Besonders beeindruckten mich Juttas Gedichte, inspiriert von einer Reise nach Namibia. Familiäre Wurzeln führten sie in diese ehemaligen deutschen Kolonie, ein Onkel von ihr wohnt heute noch in Namibia. Die Verwendung namibischer Sprach-Klänge gemischt mit der deutschen Sprache auf formal hohem Niveau überzeugten.

Am Ende ihrer Lesung stand die vom Moderator angekündigte Überraschung: Eine Doppellesung von Jutta und Wolfgang. Sie lasen Haiku aus den Anfängen ihrer Liebesbeziehung. Über Wochen hatte sie sich mittels Haiku ausgetauscht, sich ihrer Gefühle versichert und den „Dichterofen“ angeheizt. Diese lyrische Seelenverwandtschaft führte die beiden 2011 zum Traualtar. Heute dichten sie im Duett und geben ihre Erkenntnisse in Seminaren weiter, betreiben zusammen die Heusteigakademie. Eine eigene Web-Seite (neben den Autorenseiten) informiert über die Kurse und Angebote.

Wolfgang HaenleWolfgang Haenle begann seine Lesung mit dem Gedicht „epitaph für einen vogel greif“ aus der Anthologie „HAB DEN DER DIE DAS – Die Königin der Poesie“, die zum 90. Geburtstag von Friederike Mayröcker erschienen ist. Die Aufforderung aus Österreich, hierzu ein Gedicht einzureichen, erfüllte Wolfgang sichtlich mit Stolz. 165 DichterInnen und KünstlerInnen sind in dieser Anthologie vertreten, die in der Edition Art Science in schöner Aufmachung erschienen ist.

Dann griff er zu seinem gerade erschienen neuen Lyrikband „b.antwortet“ und las Gedichte, die überwiegend um Straßen und Orte kreisten, in denen Wolfgang gelebt hat. Seine Gedichte seien geschult an den amerikanischen Lyrikern und an den Werken des von ihm bewunderten diesjährigen Mörikepreisträges Jan Wagner, verriet er im Gespräch mit Andreas Roos. „b.antwortet“ ist der zweite Lyrikband von Wolfgang Haenle, wieder im Schweikert-Verlag erschienen, in dem er auch schon den Band „eine hand voll du“ veröffentlichte.

Electronic Harem: Erzählungen
160 Seiten, Taschenbuch
Schweikert-Bonn-Verlag, Preis 12,00 €

b.antwortet: Gedichte
136 Seiten, gebunden
Schweikert-Bonn-Verlag, Preis 17,00 €

zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens