Türkischer Honig – 15 Abrahams Erben

24.09.2015 at 14:21
Schlachten in der Tradition Abrahams

Schlachten in der Tradition Abrahams

 

Drei große Weltreligionen berufen sich auf den Stammvater Abraham: Das Judentum, das Christentum und der Islam. Am 23. September wird dieses Jahr das traditionelle Opferfest der Muslime gefeiert.

M. beobachtete schon seit Tagen, wie Hammel zu den Häusern gebracht wurden. Blökend standen sie da und harrten ihrem Schicksal entgegen. Am 24. ging es ihnen an den Kragen oder besser gesagt an die Gurgel. M. streifte durch den Ort, um die Schlachtstätte zu finden. Er fand sie nicht. Als er sah, wie seine Nachbarin ihren Hammel wegführte, ging er ihr nach und traf auf eine Gruppe, die einem „Schlachter“ zusah, wie er einem Hammel das Fell abzog (der Kopf war schon abgetrennt, deswegen konnte man dem Tier nicht das Fell über die Ohren ziehen). So gedenken die Menschen in den muslimischen Ländern Abraham, der auf Geheiß Gottes, anstatt seines Sohnes, einen Hammel schlachtete.

M. und seine Begleiterinnen bekamen von ihrem Nachbarn ein Stück Hammel als Geschenk. Er denkt an die Flüchtlinge aus Syrien. Beschenken wir sie auch, die wir sehr viel reicher sind als der Nachbar von M. in Kas?

Türkischer Honig – 14 Pfannkuchen

18.09.2015 at 21:00
Pfannkuchen: gerollt und gefaltet

Pfannkuchen: gerollt und gefaltet

 

Auf dem Markt in Kas fand M. und seine Begleiterinnen nicht nur die köstlichsten Gemüse und süßes Obst, von der Sonne verwöhnt, sondern auch diese Pfannkuchenproduktion. Immer drei Frauen arbeiten zusammen: eine, die den Teig ausrollt, auf einem großen kreisrunden Brett, eine, die den Teig mit Kräutern und Käse füllt und die dritte, die ihn ausbäckt. Dazu einen Chai – einfach herrlich!

Türkischer Honig – 13 Autos

17.09.2015 at 21:00
Geschützt!

Geschützt!

 

Autos sind weltweit für ihre Besitzer Statussymbole. Ob in Deutschland, der Türkei oder in China (M. war noch nie dort, kennt allerdings den rasanten Zuwachs an Fahrzeugen, auch der Luxusklasse).

Wenn M. von seiner Ferienwohnung zum Ortskern schlendert, begegnet er diesem eingepackten Auto. In einigen Pflastersteinen rings um den Wagen hat sein Besitzer Halteringe verankert. So kann der Stoff einfach mit Kordeln befestigt werden, der das Fahrzeug gegen Sonne und Staub schützen soll.

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Der Besitzer dieses Statussymbole hat den Schutz seines Wagens gänzlich aufgegebenen. Am Strand von Demre rostet es vor sich hin, lose Teile der Karosserie hat er mit Strick festgebunden. Für Fahrten in den Ort taugt es.

Türkischer Honig – 12 Gräber

16.09.2015 at 21:00
Felsengräber in Myra

Felsengräber in Myra

 

M. schlendert gerne über Friedhöfe, geben sie doch Einblicke in die Traditionen des Umganges mit den Toten. In diesen Tagen, da das Sterben im Nahen Osten so deutlich zutage tritt, unterstreichen die Felsengräber von Myra ihre Botschaft an die Lebenden: Ehret die Toten! In Myra wie auch an anderen Stätten des lykischen Reiches hat man die Toten prunkvoll bestattet, hat ihnen „Häuser“ in den Fels geschlagen. Damit nicht genug. Einige der Gräber wurden außen überdies mit kunstvollen Reliefs verziert.

Wie anders geht man mit den Toten um, die auf der Flucht aus den Bürgerkriegsregionen des Nahen Ostens an den Küsten Europas stranden, deren Boote bei der Überfahrt gekentert sind. Sie bekommen einen Leichensack, manchmal nicht mal das. Europa muss eine Willkommenskultur entwickeln, die den Lebenden aber auch den Toten Respekt zollt.

Türkischer Honig – 11 Patara: Ruinen im Sand

15.09.2015 at 22:00
Das erste demokratische Parlament der Welt

Das erste demokratische Parlament der Welt

 

Auch die heute teils hitzig geführte Diskussion um „Wirtschaftsflüchtlinge“ wird an der antiken Stadt Patara ins Licht der Geschichte getaucht. Patara, seit dem 7. Jh. v. Christus besiedelt, gehörte zum Lyrischen Bund. Das Parlamentsgebäude, in dem der Lykische Bund tagte, umfasste 1455 Sitze! Es war das erste demokratische Parlament der Welt. Der Untergang der Stadt wurde durch den Sand besiegelt, der stetig vom Xanthosfluss zur Flussmündung geschwemmt wurde und den Hafen und die Stadt allmählich versanden ließ. Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt aufgegeben.

Auch heute bedroht der Sand und die Versteppung die Bevölkerung in weiten Teilen der Welt, so dass sie kein Auskommen mehr haben und ihre Heimat verlassen müssen. Häufig werden sie abfällig „Wirtschaftsflüchtlinge“ genannt. Ein Blick in die Geschichte zeigt, es ist ein ewiger Kreislauf, der auch hochentwickelte Kulturen treffen kann und in Armut stürzen kann. Der Unterschied zu vergangenen Jahrhunderten ist der, dass der „moderne“ Mensch den Turbo bei der Beherrschung der Natur eingelegt hat, mit immer dramatischsten Folgen für Mensch und Natur.