Dr. Nest – eine verrückte Welt

31.03.2019 at 15:11
Szenenbild aus Dr. Nest von Familie Flöz

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Eine anrührende wie skurrile Familie ist das, die „aus dem dunklen Bauch der Erde durch einen tiefen Schacht zum ersten Mal ans Licht kommt“. Dieses Bild hat die Familie Flöz 1996 in der internationalen Theaterszene geprägt und bekannt gemacht.

Jedes Stück wird in einem kollektiven Arbeitsprozess entwickelt und erweckt einen eigenen Kosmos zum Leben, bevölkert von Figuren und Geschichten, die sich den Weg aus dem Verborgenen ins Licht gebahnt haben. Ihr neues Stück „Dr. Nest“ wird derzeit im Theaterhaus aufgeführt. Am 30. März hatten wir Gelegenheit diese Stück dort zu sehen. Familie Flöz wirft darin einen Blick auf die rätselhafte Kartografie des Gehirns und in die Tiefen der Seele.

Inhalt:
Dr. Nest wird am frühen Morgen von Stimmen geweckt. Doch als er auf der Station in der abgelegenen Heilanstalt „Villa Blanca“ langsam zu sich kommt, ist er allein. Unruhe beschleicht ihn. So vertraut ihm die bekannte Umgebung, die eintreffenden Patienten und die Schwester im Dienst sind, so fremd erscheint er sich selbst. Was hat er hier verloren?

weiter …

Music is Inclusion

07.12.2018 at 20:00
Music is inclusion

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Am Tag der Inklusion lud der Rotary-Club Stuttgart Rosenstein am 3. Dezember 2018 zu einem Benefizkonzert der besonderen Art ins Theaterhaus Stuttgart ein.

Zwei großartige Inklusionsbands – Groove Inclusion und Social Inclusion Band (Dreams Academy, Istanbul) – stehen an diesem Abend auf der Bühne. Matthias Berg als Moderator führt humorvoll durch den Abend. Er ist selber Rotarier und einer der erfolgreichsten Behindertensportler der Welt, kennt also das Thema Inklusion gut.

Groove lnclusion – das sind 28 Musiker/innen mit und ohne Behinderung im Alter von 20-76 Jahren. Sie spielen Soul & Jazz-Hits der 60er bis heute. Ihrer Spielfreude lassen sie an diesem Abend freien Lauf und stecken das Publikum mit ihrer lebensbejahenden Art regelrecht an. Geleitet wird die Bigband von Hans Fickelscher aus Fellbach und Arne Meerwein.

Arne Meerwein ist in Stuttgart kein Unbekannter: er war am Aufbau diverser Amateurbigbands beteiligt, unter anderem die Mitte-BIG-Band, die schon seit 30 Jahren existiert. Hans Fickelscher ist Mitbegründer von Groove Inclusion und der Überzeugung, dass es immer um die Musik geht, und dass jeder und jede dabei sein kann, egal, welcher Einschränkung seine Bandmitglieder haben.
Nachdem die Bigband das Publikum so richtig eingeheizt haben, kommen zwei Tänzer auf die Bühne, die unterschiedlicher nicht sein können:

Music is inclusion Károly Tóth und Anna Süheyla

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Károly Tóth aus Ungarn wurde für seine Rollstuhl-Tanzperformances preisgekrönt. An seiner Seite tanzt die ebenfalls preisgekrönte Anna Süheyla (Faust Preis 2011 in der Kategorie „beste Tänzerin“). Sie hat lange Zeit in den Produktionen der Gauthier Dance Company getanzt und ist dem Stuttgarter Publikum keine Unbekannte. Die Tanzperformance der beiden verwischt die Grenze zwischen Behinderung und Nichtbehinderung.

Den dritten Teil des Abends bestreiten die Musiker der Dreams Academy aus Istanbul. Wie die Groove lnclusion Band integrieren sie seit Jahren in ihrer Social Inclusion Band Menschen mit Behinderung. An diesem Abendstehen drei blinde, stimmgewaltige Menschen auf der Bühne, die sich mit vollem Elan der Interpretation türkischen Liedguts mit deutlichen Soul/Jazz Einflüssen hingeben.

Für Vollblutmusiker ist es ein Leichtes, zusammen zu spielen und so verwundert es nicht, dass sich alle Musiker gegen Ende des Konzerts zum gemeinsamen Musizieren auf der Bühne einfinden. Und weil es sich um eine Benefizveranstaltung handelt, kann der Rotary Club Rosenstein an diesem Abend den Bandleadern beider Formationen je einen Scheck in Höhe von 2.000 € überreichen.

Leonard Cohen – Seine Lieder in akustischem Gewand

30.11.2018 at 13:33
Leonard-Cohen-Project

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Die Musik von Leonard Cohen ist eine Synthese aus Melodie und Lyrik. Damit stand der im letzten Jahr verstorbene Musiker in der Tradition der antiken Dichter, die ihre Lyrik gesungen haben. Die drei Musiker des „Leonard-Cohn-Projects“ interpretierten seine frühen Lieder am 28. November 2018 auf geniale Weise im Theaterhaus Stuttgart.

Auf der Bühne nur drei Stühle und drei Notenständer, sparsam gesetztes Licht. Mehr brauchen die Gitarristen Manuel Dempfle, Thomas Schmolz und Jürgen Gutmann nicht, um das musikalische Erbe des großen Songwriters im ausverkauften großen Saal dem Publikum darzubieten.

Gitarrenmusik in perfektem Zusammenspiel

Sie nehmen Platz auf diesen Stühlen, die an Barhocker erinnern. Jürgen Gutmann eröffnet den Abend mit der Rezitation eines Cohen Gedichts. Seine sonore Stimme bringt das Publikum zum Schweigen und in die Stille hinein erklingt das erste Lied. Sechs Hände, achtzehn Seiten erschaffen einen ganz eigenen Sound. Ihr Zusammenspiel ist perfekt und auf technisch sehr hohen Niveau. Manuel Dempfe und Thomas Schmolz spielen Stahlseitengitarren. Jürgen Gutmann spielt halbakustische Nylonsaitengitarre und schafft es mit seiner Stimme die Wärme und Ausgewogenheit der Stimme von Cohen lebendig werden zu lassen.

Jürgen Gutmann streut immer wieder biografische Details aus dem Leben des Sängers ein und erklärt Hintergründe zur Entstehung der Songs. So wird das vielseitige Universums dieses Lyrikers, Schriftstellers und Sänges aufgeschlossen.

Leonard Cohen wird von Peter Grohmann übersetzt

Lyrik Flügel verleihen

Lyrik Flügel verleihen

Die drei Musiker habe zur Interpretation der Cohen Lieder Peter Grohmann von den Anstiftern mitgebracht. Er trägt die deutsche Übersetzungen vor. Peter Grohmann wäre nicht Peter Grohmann, wenn er nicht hier und da eigene Einschübe in den Texten unterbringen würde. So ersetzt er zum Beispiel beim Lied „First we take Manhatten, than we take Berlin“ in der letzten Zeile Berlin durch „Villa Reizenstein“.

Leonard Cohen hatte den einzelnen Menschen im Blick

Da Cohen immer wieder die Zerbrechlichkeit des Menschen in seinen Liedern in den Mittelpunkt stellt, ist es nur konsequent, dass dieses Konzert in die Veranstaltungen zu den Aktionswochen zum Gedenken an die Verkündigung der Menschrechte vor 70 Jahren eingereiht wurde. Ein großes Plakat mit dem Logo der Aktion Vielfalt 0711 für Menschrechte hängt vor der Bühne. Peter Grohmann hat diese Aktion maßgeblich angeschoben. Über 220 Organisationen haben sich dem Bündnis angeschlossen, die ihrerseits Veranstaltungen in diesem Rahmen machen. Das Theaterhaus hat sich – wie alle namhaften Theater und Kultureinrichtungen der Stadt – ebenfalls dem Bündnis angeschlossen.

Im zweiten Teil des Konzerts spielen die drei Musiker neben den Cohen-Songs einige Stücke anderer Musiker, die sie genauso gekonnt interpretieren: Dylen darf da ebenso nicht fehlen wie Simon&Garfunkel. Und sie bringen eine Uraufführung zusammen mit Peter Grohmann auf die Bühne: Die Gedanken sind frei. Dieses Lied wurde schon bei der Eröffnungsveranstaltung der Aktionswochen im Rathaus interpretiert und es scheint zu einer Art Hymne der Aktion Vielfalt 0711 für Menschrechte zu werden.

Peter Grohmann feiert seinen achtzigsten Geburtstag

29.10.2017 at 12:50
Peter Grohmann 80 Jahre

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Der Gründer der AnStifter, Peter Grohmann, feierte am 27. Oktober 2017 ein rauschendes Fest im Theaterhaus anlässlich seines achtzigsten Geburtstages. Thema des Abends, wie kann es anders sein bei diesem immerzu ruhelosen Anstifters, „Zeit zum Aufstehn!“

Einen ausführlichen Bericht dazu, mit vielen Bildern habe ich hier veröffentlicht.

Drei Frauen – drei starke Stimmen

21.05.2017 at 11:52
Drei Frauen: Claudia Michelsen vor den großen Frauen Else Lasker-Schüler, Bettina von Arnim und Erika Mann

Karoline Eichhorn, Gesine Cukrowski und Claudia Michelsen vor den großen Frauen Else Lasker-Schüler, Bettina von Arnim und Erika Mann

 

Das Projekt Drei Frauen aus Deutschland stellte die Schriftstellerinnen Bettina von Arnim, Else Lasker-Schüler und Erika Mann am 19. Mai 2017 im Theaterhaus in den Mittelpunkt. Es sind die Schauspielerinnen Claudia Michelsen, Gesine Cukrowski und Karoline Eichhorn die diese bedeutenden Schriftstellerinnen aus dem Randfigurendasein einer von Männern beherrschten Welt herausholten. Die Schauspielerinnen erzählten zweihundertjährige Geschichte über die Biografien dieser drei spannenden Frauen.

Bettina von Arnim, die am 4. April 1785 in Frankfurt am Main als Bettina Brentano zur Welt kam, provozierte das bürgerliche und aristokratische Establishment bis zu ihrem Tod am 20. Januar 1859 mit ihren liberalen Gedanken. Ähnlich provozierend waren die Auftritte der großen Lyrikerin Else Lasker-Schüler (1869 – 1945). Und Erika Mann entwickelte sich im Laufe ihres Lebens von einer vergnügungssüchtigen Bohemienne zu einer politisch denkenden, engagierten Frau.

Diese drei Frauen waren lange vor der Frauenbewegung Streiterinnen für ein selbstbestimmtes Leben

Diese drei Frauen waren Vorreiterinnen für ein selbstbestimmtes Leben – ironischerweise: nicht nur für Frauen. Denn wie sagte schon Bettina von Arnim: „Selbstdenken ist der höchste Mut. Wer wagt, selbst zu denken, der wird auch selbst handeln, und wer nicht selbst denkt, nicht aufs freie, uferlose Meer steuert mit seinem Geist, der wird die Gottheit nicht selbst erreichen. Handeln ist Selbstsein. Denn wir bauen selbst den Himmel, sonst kommt er nicht zur Welt.“

Ein schlichtes Bühnenbild lässt das gesprochene Wort erstrahlen

Das schlichte Bühnenbild dieser literarischen Revue zeigt die Portraits auf durchschimmernden Stoff überlebensgroß. Die Schauspielerinnen konnten dahinter sitzend biografische Details der jeweiligen Schriftstellerin lesen. Dann wieder traten sie ins Rampenlicht vor die Portraits und lasen aus den Werken der Frauen, die ihre Zeit mit wachen Augen beobachtet und mitgestaltet haben. Leidenschaftlich gelebte Leben, ineinander verwoben. Claudia Michelsen, Gesine Cukrowski und Karoline Eichhorn liehen den drei Schriftstellerinnen ihre Stimmen und gaben ihnen damit eine Stimme.

Kontur.Kunstverein übt sich bei Grenzgängen in Kunst und Gesellschaft

10.04.2017 at 23:17

 

Dr. Heißenbüttel an der akustischen Grenze bei Kontur.Kunstverein

Dr. Heißenbüttel an der akustischen Grenze

Am 9. April 2017 stellte der Kontur.Kunstverein  im Theaterhaus das Buch in_visible limits vor. Der Untertitel benennt sein Thema in knappen Worten mit: Grenzgänge in Kunst und Gesellschaft. Es steht der Ausstellung gleichen Namens zur Seite. Sie ist derzeit im Kunst(Zeug)Haus in Rapperswil (Schweiz) zu sehen. Es entsprang dem Wunsch, die dort ausgestellten Werke nicht unsichtbar werden zu lassen, sondern ihre Visibilität zu erhalten (was streng genommen ja nicht geht). Durch Texte, durch Reflexionen. Auch ein Museum baut ja hohe Hürden auf und grenzt sogar aus: mit Eintrittsgeldern, die für manche nicht bezahlbar sind, durch Anschlagen eines intellektuellen Tons, den oft nur in die Kunst eingeführte Betrachter verstehen. Ob die Autoren dieses Bandes es besser machen, ist eine Erkundung wert.

Der Band enthält neben einer Einführung zu den ausgestellten Kunstwerken vom Direktor des Kunstzeughauses Rapperswil, Peter Stohler, Texte von Jan Janssen (evangelischer Bischof in Oldenburg und Vorsitzender des evangelischen Literaturportals). Er schreibt über die unsichtbaren Grenzen in unserem Leben. Ein Text findet sich in dem Band von der emeritierten Philosophieprofessorin an den Universitäten Basel und München, Annemarie Pieper: Sie schreibt über das Risiko der Freiheit, über die Rolle von Katastrophen in unserem Leben und über die Gefahren, die von den aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen ausgehen.

Weitere Texte steuerten Adrienne Braun, Anja Gubelmann, Michael Matthias, Raimund Menges, Wiebke Trunk, Nina Wolfensberger und Dietrich Heißenbüttel bei, der auch bei der Buchvorstellung an diesem Sonntag über die Nationalstaaten und ihre Grenzen referierte, die die Staatsterritorien umgeben und sie einhegen. Dieses mit leiser Stimme, so dass die Grenze zur Unverständlichkeit oft überschritten wurde, bis man ihm ein Mikrofon reichte, was den Vortrag leidlich verständlicher machte, zumindest was die Akustik anging.

Wer sich am Schluss seines Vortrages ein Buch kaufte, konnte es sich von ihm oder von dem anwesenden Direktor des Kunstzeughauses Rapperswil, Peter Stohler oder vom Vorsitzenden des Kontur.Kunstverein Stuttgart e.V., Raimund Menges, signieren lassen. Konnte glücklich die Mauern hinter sich lassen, die das Theaterhaus umgeben und begrenzen.

in_visible limits. Grenzgänge in Kunst und Gesellschaft
2017. Herausgegeben von Kontur.Kunstverein Stuttgart und Kunst(Zeug)Haus Rapperswil-Jona
144 Seiten, Flexcover, Fadenheftung, 90 Abbildungen, 17 x 23,5 cm,
Verlag: modo Verlag GmbH, Preis 24 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Autoren unterstützen Künstler bei der Erfahrung von Grenzen

03.04.2017 at 13:00
in_visible_limits Plakat der Ausstellung

Plakat der Ausstellung

Der Mensch ist seiner ganzen Natur nach ein begrenztes Wesen. Jeder von uns lebt in und mit seinen Grenzen und wir pflegen mit Hingabe die Barriere in unseren Köpfen, die uns das Sortieren der Welt in Gut und Böse scheinbar so viel einfacher machen. Das Thema Grenzen erfuhr in den letzten zwei Jahren eine ungeheure Aktualität. Die sogenannte „Flüchtlingskrise“ hat es in kurzer Zeit geschafft, die politischen Landschaften spürbar zu verändern und wird dies wohl weiter tun. Und mit den geflüchteten Menschen kamen die Zäune zurück: drinnen – draußen, ein klarer Strich. Abschottung ist das neue Thema. Der Kunstverein Kontur zeigt in seinem Projekt „in_visible limits“ Werke von vier Schweizer und vier deutschen Kuntsschaffenden, aktuell im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil.

Aus dem Projekt heraus entstand der Impuls, interessante Autoren einzuladen, die das Thema „Grenzen“ aus ihrer Sicht beleuchten. Das Ergebnis ist das Lese- und Bilderbuch, das hier vorgestellt wird. Lassen Sie sich ermuntern, selbst die eine oder andere innere oder äußere Grenze zu überwinden.

Vorgestellt wird dieses Autorenprojekt am Sonntag, 9. April 2017 durch die Präsentation ihres Buches im Theaterhaus Stuttgart. Beginn 17 Uhr, Eintritt frei.

Der Damenwal ein Fall von Aquativ

07.03.2017 at 17:21
Damenwal von Faltsch Wagoni

Der Tanz um den Damenwal

 

Das Künstlerduo Faltsch Wagoni, Silvana und Thomas Prosperi, verunsichern seit vielen Jahren deutsche Bühnen mit ihren Texten, ihren Songs und ihren kleinen, lustvollen Streitigkeiten. Am 3. März waren sie wieder einmal im Theaterhaus in Stuttgart mit ihrem Programm „Der Damenwal“ zu Gast.

Schon über den Titel kommen die beiden sich in die Haare: heißt es nun die Damenwal oder der Damenwal? Mit welchem Geschlecht werden welche Tiergattungen bezeichnet? Hat schon mal einer im Publikum darüber nachgedacht? Warum heißt es die Seekuh, der Löwe, die Elster (aber hallo!)?

Ein Dichter ohne Wasser braucht keine Dichtung

Nachgedacht über Sprache wird viel im Programm von Faltsch Wagoni. Neben den vier geläufigen Fällen kreieren sie für ihr Programm einen fünften: einen grammatikalischen Wasserfall, den Aquativ. Wassersüchtig jonglieren sie sich durch den Abend und laden immer wieder ein, mit Worten zu jonglieren und einen poetischen Kopfsprung ins feuchte Element zu wagen. Dabei begießen sie ihre Wortakrobatik mit Sounds. Silvana Prosperi an der (Damen)-Wal-Conga und ihr Mann an der akustischen Gitarre. Silvana als schöner Damenwal und Thomas als origineller Wasserdichter kommen aus der Tierart der Wortwale. Sie wirft ihm schnippisch zu, ein Dichter ohne Wasser bräuche keine Dichtung.

Die beiden stellen die ernsthaften Fragen dieser Welt: Kann Wasser schwimmen? Und wenn nein, geht es dann unter und ertrinkt im eigenen Saft? Können Fische weinen? Und wenn ja, wird das Wasser dann nass? Ist der Mensch eine gesättigte, wässrige Lösung, bestehend aus 80 % Haha-Zwei-O? Dabei führen sie die Zuschauer in die Untiefen des Nonsens ohne sie ertrinken zu lassen.

Auch ernsthafte Themen haben sie im Gepäck, wenn sie fein ziseliert Kritik am Lebensmittelkonzern Nestle üben, der bekanntlich das Wasser in Flaschen abfüllt und teuer an die Dürstenden verkauft. Oder wenn sie fragen, ob es neue, ausbeutbare Wasserreserven auf dem Mars gibt und wenn ja, wem gehört die? Nestle?

Worte schaukeln wie blauäugige Kreuzschiffreisende

Sie begeben sich auf Kreuzfahrt mit der Blauäugigkeit von Reisenden, die auf der Suche nach dem ewigen Süden nicht mehr wissen, wo sie gerade sind. Die Reling des Kreuzfahrtschiffes wird durch eine Sonnenschirmstange angedeutet, an den die beiden sich festhalten, im Rhythmus der Wellen hin und her schaukeln. Nach zwei Stunden ist das Publikum völlig durchgeschaukelt von Wortkaskaden und Soundwellen. So mancher schüttelt beim Hinausgehen den Kopf ob all der Wortverdrehungen und lauscht den Worten nach, die in seiner Hirnschale leise vor sich hinschaukeln, wie auf Wasserwellen.

Hannes Wader ist wieder „Heute hier, morgen dort“

14.02.2017 at 23:00
Hannes Wader im Theaterhaus Stuttgart

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Wieder einmal ist Hannes Wader auf Tournee gegangen. Am 12. Februar trat er im Theaterhaus in Stuttgart auf. Keine Schwierigkeit für ihn, den größten Saal im Haus zu füllen.

Mit Heute hier, morgen dort beginnt er den Abend. Ganz allein im Scheinwerferlicht steht der baumlange Sänger mit seiner Gitarre und singt mit seiner sonoren Stimme und zieht augenblicklich das Publikum auf seine Seite. Wenn Hannes Wader mit einem Lied identifiziert wird, so ist es dieser Titel. Seit 1972 eröffnet er jedes seiner Konzerte damit. Das Lied erschien auf der legendären Platte 7 Lieder. Die Leadgitarre spielte, wie auch auf der Vorgängerplatte, der Ausnahmegitarrist Werner Lämmerhirt. Alle, die der Folkmusik verbunden sind und eine Gitarre halten können, werden wohl dieses Lied im Repertoire haben.

Auf der Straße fing alles an

Einen Rückblick auf seine Anfänge als Straßenmusiker drückt er in dem Lied Damals (1985) aus. Darin heißt es:

Schrieb meine allerersten Lieder, die ich auf der Straße sang
Und trug einen Ring im Ohr, auf dem ein Name stand
Der Name eines Mädchens, eingeritzt mit eigener Hand

Hannes Wader ist bekannt dafür, dass er verschiedene Musikstile verwendet: Vom klassischen Folk-Fingerpicking (immer wieder setzt er sich bei druckvollen Liedern seine Fingerpicks auf), wechselt er zu traditionellen Volksliedern, mischt Tangomelodien in seine Lieder und greift auf griechische Weisen zurück wie bei dem Song Griechisches Lied. Es entstand, wie er verrät, in besseren Zeiten Griechenlands, keine Übersetzung, sondern eine Übertragung mit eigener Intention. Geschrieben lange vor den dramatischen Ereignissen, die hunderttausende vor Krieg aus ihren Ländern übers Mittelmehr nach Griechenland fiehen ließen.

Hannes Wader schlägt den Bogen vom lyrischen Lied zum Politsong

Er schlägt einen Bogen zu Liedern, die er vor über fünfzig Jahren geschrieben hat, ganz am Anfang seiner Laufbahn als Sänger, nachdem er seinen handwerklichen Beruf, den des Dekorateurs, an den Nagel gehängt hatte. Begegnung erschien auf seiner ersten Platte, die Knut Kiesewetter produzierte. Es war die Hochzeit der Studentenbewegung. Wader kam mit seinen lyrischen Liedern in dieser politisierten Zeit nicht gut an. Er politisierte sich und seine Lieder griffen mehr und mehr gesellschaftliche Zustände auf. Er wurde im wahrsten Sinne des Wortes Volkssänger. Die Moorsoldaten spielt er auch an diesem Abend und erzählt, dass er vor zehn Jahren auf einer Demonstration gegen Rechts in Leipzig den letzten Überlebenden aus dem KZ Börgermoor bei Papenburg im Emsland getroffen hatte. Mit 98 Jahren verstarb dieser Moorsoldat.

Volkssänger Hanes Wader

Das Bürgerlied von Adalbert Harnisch aus der Revolution von 1845 darf da natürlich nicht fehlen. Wader weist auf die Kraft der Volkslieder hin und gesteht, er verdanke ihnen viel. Ohne sie stünde er nicht hier. Seine Mutter sang gerne das westpreußische Volks- und Antikriegslied Zogen einst fünf wilde Schwäne. Er hat es seit 1977 in seinem Repertoire. Dem Lied Trotz alledem hat er einen eigenen Text verpasst und greift die Tradition dieses kraftvollen Liedes aus der 48er Revolution auf. Entstanden ist dabei ein Mutmacher, zumal Opposition in Zeiten des Turbokapitalismus immer „trotzdem“ geschehen muss. Da ist er wieder, der politische Sänger, der die herrschenden Zustände beschreibt. Und so schließt sich der Kreis, von den frühen Liebesliedern über anarchistischen Talking-Blues-Gesängen, Volks- und Arbeiterliedern zum politischen Lied. Sein Schlusslied bei der Zugabe bildet da eine Synthese aus allen Elementen: Sag mir, wo die Blumen sind.

Ein letztes Mal

In diesem Jahr wird Hannes Wader 75 und er verrät, nächstes Jahr will er sein aktives Tourneeleben beenden. Einmal noch will er nach Stuttgart kommen, dann ist Schluss. Besorgen wir uns rechtzeitig Karten, um diesen Ausnahmekünstler ein letztes Mal live auf der Bühne erleben zu können.

Jürgen Grässlin erhält Friedenspreis

17.05.2016 at 22:30
Jürgen Grässlin

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Jürgen Grässlin erhält diese Jahr den mit 5000 Euro dotierten Stuttgarter Friedenspreis der AnStifter. Damit erhält der Rüstungsgegner und Aufklärer Rückenwind für sein Engagement gegen menschenverachtende Rüstungsexportpolitik. Seit über 30 Jahren klärt Jürgen Grässlin die Öffentlichkeit über die Waffenexporte der Bundesrepublik Deutschland auf. Er ist Verfasser des Buches Schwarzbuch Waffenhandel, ein Standartwerk zum Thema.

Jürgen Grässlin, geboren 1957 in Lörrach, ist von Beruf Lehrer und Friedensaktivist. Im Rahmen seiner politischen Tätigkeit veröffentlichte er neben dem Schwarzbuch zahlreiche Sachbücher zu Rüstungsindustrie und Bundeswehr. Jürgen Grässlin ist Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und anderer rüstungskritischer Organisationen. 2012 erhielt die von ihm mit initiierte Aktion „Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ den Friedenspreis für ihr Engagement gegen Rüstungsexporte. Jürgen Grässlin ist ihr Sprecher.

Jürgen Grässlin ist Aufklärer auf vielfältige Weise

Jürgen Grässlins Engagement gegen die illegalen Waffenlieferungen des Unternehmens Heckler & Koch brachte ihm eine beachtliche mediale Aufmerksamkeit. Erst vor kurzem hat er eine Fernsehdokumentation zum Thema illegale G36-Waffendeal mit Mexiko seitens Heckler & Koch (H&K) unterstützt. Darin werden die kriminellen Verflechtungen und die Zusammenarbeit von H&K mit dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) und dem Bundesausfuhramt umfassend aufgezeigt. Der Staatsanwaltschaft Stuttgart wurden zahlreiche Dokumente zur Verfügung gestellt. Doch diese ermittelte nicht gegen die Firma und die Mitverantwortlichen des BMWi und der BAFA sondern leitete wenige Monate nach Erscheinen des Buches „Netzwerk des Todes“ (auf dem der Fernsehbericht beruht) Vorermittlungen gegen die drei Buchautor/innen ein. Die Staatsanwaltschaft München begann daraufhin mit Ermittlungen gegen die Autoren. Der Vorwurf lautet auf Verdacht der Veröffentlichung verbotener Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen gemäß § 353d Strafgesetzbuch.

Den Kriminalautor Oliver Bottini hat er bei den Recherchen zu seinem Buch Ein paar Tage Licht, in dem es um Waffenexporte nach Algerien geht, beraten. Ebenso hat er den Regisseur und den Drehbuchautor des Fernseh-Thrillers Meister des Todes fachtechnisch beraten. Damit ist das Thema Waffenexporte aus Baden-Württemberg auch in der Kriminalliteratur und im Film angekommen.

Jürgen Grässlin konnte sich im zweiten Wahlgang gegen den Zeitzeugen Theodor Bergmann , die Seenotrettungsorganisation Seawatch (Geflüchtete in Seenot), Ärzte ohne Grenzen und die kurdische Menschenrechtsaktivistin Leyla Zana durchsetzen. Die Verleihung des Friedenspreises 2016 findet im Rahmen der Friedensgala der AnStifter am 10. Dezember 2016, 17.00 Uhr, im Theaterhaus Stuttgart statt.

schwarzbuch_waffenhandel

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Schwarzbuch Waffenhandel: Wie Deutschland am Krieg verdient
Taschenbuch, 624 Seiten
Heyne, Preis: 14,99 €

 

Jürgen Grässlin, Daniel M. Harrich, Danuta Harrich-Zandberg
Netzwerk des Todes: Die kriminellen Verflechtungen von Waffenindustrie und Behörden
Broschiert, 384 Seiten
Heyne, Preis: 16,99 €

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