Am 3. Advent: Sea-Watch erhält Friedenspreis der AnStifter

14.12.2019 at 21:02
Sea Watch

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Sea-Watch e.V. erhält den Stuttgarter Friedenspreis 2019 der AnStifter. Damit wird ein gemeinnützige Initiative ausgezeichnet, die durch zivile Seenotrettung Flüchtende vor dem Ertrinken bewahrt und damit eine Menschenpflicht erfüllt.

Die festliche Gala mit Preisverleihung im Theaterhaus beginnt um 11 Uhr. Nach der Gala ist Gelegenheit, mit den AnStiftern über ihre Arbeit und den Friedenspreis zu sprechen. In locker Atmosphäre im und vor dem Theaterhaus.

Folgende Köstlichkeiten könnten das Mittagessen ersetzen:

Belegten Brötchen
– Panini (Schinken/Käse, Tomate-Mozzarella)
– Suppe (vegane Kürbiscremesuppe)
– Saitenwürstchen
– ab ca. 13 Uhr Rote Wurst vom Grill und Germknödel
(am Glühweinwagen vor dem Theaterhaus)

Hader spielt Hader ist Hader

25.10.2019 at 19:34
Josef Hader

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Am 18. Oktober 2019 stand der österreichische Kabarettist mit seinem Stück „Hader spielt Hader“ wieder auf der Bühne des großen Saals des Theaterhauses. Es ist eine Quintessenz seiner letzten fünf Programme, aber trotzdem irgendwie ein neues Programm, denn authentischer geht es wahrscheinlich gar nicht mehr. Aus seinen geschlossenen Theaterabenden hat er Monologe geformt, die Josef Hader zeigen wie er ist. Die Figuren aus den verschiedenen Programmen Haders erleben auf einmal ganz andere Geschichten und Zusammenhänge werden klar, die man so vorher nie erwartet hätte. Der Kabarettist Josef Hader performt vor vollen Rängen ein Programm, das vor subtiler Bösartigkeit nur so strotzt.

Manche kommen jedes Jahr

Es kommen immer wieder Zuschauer, die behaupten, sie hätten es nach Jahren noch einmal gesehen, und es sei ein völlig anderes, neues Programm gewesen. Josef Hader sagt dagegen, er erfindet gar nichts neu, er muss das Programm nur jedes Jahr kürzen, weil es automatisch immer länger wird. Ist es Regenwurm unter den Kabarettprogrammen, der immer nachwächst, wenn man ihm die Hälfte wegschneidet?

Der Humanismus und die anständige, wohlsaturierte Mittelschicht

Hader kommt auf die Bühne, zieht einen Zettel aus der Tasche und liest dem Publikum vor, worüber er heute Abend reden will. Als erstes Thema des Abends über Humanismus, also die Epoche der Geburt des modernen europäischen Geistes. Schließlich sind die Zuschauer ja extra dafür aus ihren „Rucola-Bezirken“ in bescheidenen Geländewägen, die sonst zur Fahrt zum lokalen Weinbauer dienen, her gekommen. Sein Publikum ist zu einem guten Teil genau jene wohlstandsverwöhnte Gesellschaft, der Hader mit seinen Betrachtungen über den Humanismus immer wieder in die Rippen haut. Bei einem „bisserl biologischen Olivenöl, Trüffel und einem Flascherl Barolo aus dem Piemont“ gedeiht dann etwa diese Erkenntnis: „Humanismus ist zirka, dass ma sogt: Jo, passt!“

In keine Schublade zu stecken

Hader widersetzt sich jeder plakativen kabarettistischen Gewissheit, die aus politischer Überzeugung kommt. Er gibt den Zweifler: „Ich weiß immer weniger, wer schuld ist.“ Serben oder Kroaten? Ukrainer oder Russen? Politiker oder Rentner? Frauen oder Katzen? Er fordert „Mut zum Klischee“ und ergießt genüsslich eine Kaskade miesester Vorurteile in den Saal, steigert sich von der „österreichischen Unfreundlichkeit“ über die „tschechischen Schweinsaugen“ bis zu den Kurden, die „null Ironie haben“. Typisch deutsch? fragt er rhetorisch und antwortet: „Hitler.“ Typisch österreichisch? „Beethoven.“ Helle Begeisterung im Saal.

Zwei Stunden führt er einen Monolog, nur mal unterbrochen von einem Disput mit seinem Ton- und Lichttechniker. Das ist ganz großes Kabarett. Hader hat sich mit seinen Programmen ganz nach oben in die erste Liga der Kabarettisten gespielt.

Dr. Nest – eine verrückte Welt

31.03.2019 at 15:11
Szenenbild aus Dr. Nest von Familie Flöz

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Eine anrührende wie skurrile Familie ist das, die „aus dem dunklen Bauch der Erde durch einen tiefen Schacht zum ersten Mal ans Licht kommt“. Dieses Bild hat die Familie Flöz 1996 in der internationalen Theaterszene geprägt und bekannt gemacht.

Jedes Stück wird in einem kollektiven Arbeitsprozess entwickelt und erweckt einen eigenen Kosmos zum Leben, bevölkert von Figuren und Geschichten, die sich den Weg aus dem Verborgenen ins Licht gebahnt haben. Ihr neues Stück „Dr. Nest“ wird derzeit im Theaterhaus aufgeführt. Am 30. März hatten wir Gelegenheit diese Stück dort zu sehen. Familie Flöz wirft darin einen Blick auf die rätselhafte Kartografie des Gehirns und in die Tiefen der Seele.

Inhalt:
Dr. Nest wird am frühen Morgen von Stimmen geweckt. Doch als er auf der Station in der abgelegenen Heilanstalt „Villa Blanca“ langsam zu sich kommt, ist er allein. Unruhe beschleicht ihn. So vertraut ihm die bekannte Umgebung, die eintreffenden Patienten und die Schwester im Dienst sind, so fremd erscheint er sich selbst. Was hat er hier verloren?

weiter …

Music is Inclusion

07.12.2018 at 20:00
Music is inclusion

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Am Tag der Inklusion lud der Rotary-Club Stuttgart Rosenstein am 3. Dezember 2018 zu einem Benefizkonzert der besonderen Art ins Theaterhaus Stuttgart ein.

Zwei großartige Inklusionsbands – Groove Inclusion und Social Inclusion Band (Dreams Academy, Istanbul) – stehen an diesem Abend auf der Bühne. Matthias Berg als Moderator führt humorvoll durch den Abend. Er ist selber Rotarier und einer der erfolgreichsten Behindertensportler der Welt, kennt also das Thema Inklusion gut.

Groove lnclusion – das sind 28 Musiker/innen mit und ohne Behinderung im Alter von 20-76 Jahren. Sie spielen Soul & Jazz-Hits der 60er bis heute. Ihrer Spielfreude lassen sie an diesem Abend freien Lauf und stecken das Publikum mit ihrer lebensbejahenden Art regelrecht an. Geleitet wird die Bigband von Hans Fickelscher aus Fellbach und Arne Meerwein.

Arne Meerwein ist in Stuttgart kein Unbekannter: er war am Aufbau diverser Amateurbigbands beteiligt, unter anderem die Mitte-BIG-Band, die schon seit 30 Jahren existiert. Hans Fickelscher ist Mitbegründer von Groove Inclusion und der Überzeugung, dass es immer um die Musik geht, und dass jeder und jede dabei sein kann, egal, welcher Einschränkung seine Bandmitglieder haben.
Nachdem die Bigband das Publikum so richtig eingeheizt haben, kommen zwei Tänzer auf die Bühne, die unterschiedlicher nicht sein können:

Music is inclusion Károly Tóth und Anna Süheyla

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Károly Tóth aus Ungarn wurde für seine Rollstuhl-Tanzperformances preisgekrönt. An seiner Seite tanzt die ebenfalls preisgekrönte Anna Süheyla (Faust Preis 2011 in der Kategorie „beste Tänzerin“). Sie hat lange Zeit in den Produktionen der Gauthier Dance Company getanzt und ist dem Stuttgarter Publikum keine Unbekannte. Die Tanzperformance der beiden verwischt die Grenze zwischen Behinderung und Nichtbehinderung.

Den dritten Teil des Abends bestreiten die Musiker der Dreams Academy aus Istanbul. Wie die Groove lnclusion Band integrieren sie seit Jahren in ihrer Social Inclusion Band Menschen mit Behinderung. An diesem Abendstehen drei blinde, stimmgewaltige Menschen auf der Bühne, die sich mit vollem Elan der Interpretation türkischen Liedguts mit deutlichen Soul/Jazz Einflüssen hingeben.

Für Vollblutmusiker ist es ein Leichtes, zusammen zu spielen und so verwundert es nicht, dass sich alle Musiker gegen Ende des Konzerts zum gemeinsamen Musizieren auf der Bühne einfinden. Und weil es sich um eine Benefizveranstaltung handelt, kann der Rotary Club Rosenstein an diesem Abend den Bandleadern beider Formationen je einen Scheck in Höhe von 2.000 € überreichen.

Leonard Cohen – Seine Lieder in akustischem Gewand

30.11.2018 at 13:33
Leonard-Cohen-Project

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Die Musik von Leonard Cohen ist eine Synthese aus Melodie und Lyrik. Damit stand der im letzten Jahr verstorbene Musiker in der Tradition der antiken Dichter, die ihre Lyrik gesungen haben. Die drei Musiker des „Leonard-Cohn-Projects“ interpretierten seine frühen Lieder am 28. November 2018 auf geniale Weise im Theaterhaus Stuttgart.

Auf der Bühne nur drei Stühle und drei Notenständer, sparsam gesetztes Licht. Mehr brauchen die Gitarristen Manuel Dempfle, Thomas Schmolz und Jürgen Gutmann nicht, um das musikalische Erbe des großen Songwriters im ausverkauften großen Saal dem Publikum darzubieten.

Gitarrenmusik in perfektem Zusammenspiel

Sie nehmen Platz auf diesen Stühlen, die an Barhocker erinnern. Jürgen Gutmann eröffnet den Abend mit der Rezitation eines Cohen Gedichts. Seine sonore Stimme bringt das Publikum zum Schweigen und in die Stille hinein erklingt das erste Lied. Sechs Hände, achtzehn Seiten erschaffen einen ganz eigenen Sound. Ihr Zusammenspiel ist perfekt und auf technisch sehr hohen Niveau. Manuel Dempfe und Thomas Schmolz spielen Stahlseitengitarren. Jürgen Gutmann spielt halbakustische Nylonsaitengitarre und schafft es mit seiner Stimme die Wärme und Ausgewogenheit der Stimme von Cohen lebendig werden zu lassen.

Jürgen Gutmann streut immer wieder biografische Details aus dem Leben des Sängers ein und erklärt Hintergründe zur Entstehung der Songs. So wird das vielseitige Universums dieses Lyrikers, Schriftstellers und Sänges aufgeschlossen.

Leonard Cohen wird von Peter Grohmann übersetzt

Lyrik Flügel verleihen

Lyrik Flügel verleihen

Die drei Musiker habe zur Interpretation der Cohen Lieder Peter Grohmann von den Anstiftern mitgebracht. Er trägt die deutsche Übersetzungen vor. Peter Grohmann wäre nicht Peter Grohmann, wenn er nicht hier und da eigene Einschübe in den Texten unterbringen würde. So ersetzt er zum Beispiel beim Lied „First we take Manhatten, than we take Berlin“ in der letzten Zeile Berlin durch „Villa Reizenstein“.

Leonard Cohen hatte den einzelnen Menschen im Blick

Da Cohen immer wieder die Zerbrechlichkeit des Menschen in seinen Liedern in den Mittelpunkt stellt, ist es nur konsequent, dass dieses Konzert in die Veranstaltungen zu den Aktionswochen zum Gedenken an die Verkündigung der Menschrechte vor 70 Jahren eingereiht wurde. Ein großes Plakat mit dem Logo der Aktion Vielfalt 0711 für Menschrechte hängt vor der Bühne. Peter Grohmann hat diese Aktion maßgeblich angeschoben. Über 220 Organisationen haben sich dem Bündnis angeschlossen, die ihrerseits Veranstaltungen in diesem Rahmen machen. Das Theaterhaus hat sich – wie alle namhaften Theater und Kultureinrichtungen der Stadt – ebenfalls dem Bündnis angeschlossen.

Im zweiten Teil des Konzerts spielen die drei Musiker neben den Cohen-Songs einige Stücke anderer Musiker, die sie genauso gekonnt interpretieren: Dylen darf da ebenso nicht fehlen wie Simon&Garfunkel. Und sie bringen eine Uraufführung zusammen mit Peter Grohmann auf die Bühne: Die Gedanken sind frei. Dieses Lied wurde schon bei der Eröffnungsveranstaltung der Aktionswochen im Rathaus interpretiert und es scheint zu einer Art Hymne der Aktion Vielfalt 0711 für Menschrechte zu werden.

Peter Grohmann feiert seinen achtzigsten Geburtstag

29.10.2017 at 12:50
Peter Grohmann 80 Jahre

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Der Gründer der AnStifter, Peter Grohmann, feierte am 27. Oktober 2017 ein rauschendes Fest im Theaterhaus anlässlich seines achtzigsten Geburtstages. Thema des Abends, wie kann es anders sein bei diesem immerzu ruhelosen Anstifters, „Zeit zum Aufstehn!“

Einen ausführlichen Bericht dazu, mit vielen Bildern habe ich hier veröffentlicht.

Drei Frauen – drei starke Stimmen

21.05.2017 at 11:52
Drei Frauen: Claudia Michelsen vor den großen Frauen Else Lasker-Schüler, Bettina von Arnim und Erika Mann

Karoline Eichhorn, Gesine Cukrowski und Claudia Michelsen vor den großen Frauen Else Lasker-Schüler, Bettina von Arnim und Erika Mann

 

Das Projekt Drei Frauen aus Deutschland stellte die Schriftstellerinnen Bettina von Arnim, Else Lasker-Schüler und Erika Mann am 19. Mai 2017 im Theaterhaus in den Mittelpunkt. Es sind die Schauspielerinnen Claudia Michelsen, Gesine Cukrowski und Karoline Eichhorn die diese bedeutenden Schriftstellerinnen aus dem Randfigurendasein einer von Männern beherrschten Welt herausholten. Die Schauspielerinnen erzählten zweihundertjährige Geschichte über die Biografien dieser drei spannenden Frauen.

Bettina von Arnim, die am 4. April 1785 in Frankfurt am Main als Bettina Brentano zur Welt kam, provozierte das bürgerliche und aristokratische Establishment bis zu ihrem Tod am 20. Januar 1859 mit ihren liberalen Gedanken. Ähnlich provozierend waren die Auftritte der großen Lyrikerin Else Lasker-Schüler (1869 – 1945). Und Erika Mann entwickelte sich im Laufe ihres Lebens von einer vergnügungssüchtigen Bohemienne zu einer politisch denkenden, engagierten Frau.

Diese drei Frauen waren lange vor der Frauenbewegung Streiterinnen für ein selbstbestimmtes Leben

Diese drei Frauen waren Vorreiterinnen für ein selbstbestimmtes Leben – ironischerweise: nicht nur für Frauen. Denn wie sagte schon Bettina von Arnim: „Selbstdenken ist der höchste Mut. Wer wagt, selbst zu denken, der wird auch selbst handeln, und wer nicht selbst denkt, nicht aufs freie, uferlose Meer steuert mit seinem Geist, der wird die Gottheit nicht selbst erreichen. Handeln ist Selbstsein. Denn wir bauen selbst den Himmel, sonst kommt er nicht zur Welt.“

Ein schlichtes Bühnenbild lässt das gesprochene Wort erstrahlen

Das schlichte Bühnenbild dieser literarischen Revue zeigt die Portraits auf durchschimmernden Stoff überlebensgroß. Die Schauspielerinnen konnten dahinter sitzend biografische Details der jeweiligen Schriftstellerin lesen. Dann wieder traten sie ins Rampenlicht vor die Portraits und lasen aus den Werken der Frauen, die ihre Zeit mit wachen Augen beobachtet und mitgestaltet haben. Leidenschaftlich gelebte Leben, ineinander verwoben. Claudia Michelsen, Gesine Cukrowski und Karoline Eichhorn liehen den drei Schriftstellerinnen ihre Stimmen und gaben ihnen damit eine Stimme.