Auf den Spuren von Jack London bei minus 40°

04.12.2016 at 19:52
Wolfgang Tischer liest Jack London

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Die winterlichen Temperaturen in Stuttgart sind weit entfernt von denen in Kanada im Februar diesen Jahres, als Wolfgang Tischer auf den Spuren des Schriftstellers Jack London durch den Norden Kanadas reiste und in Dawson City, der legendäre Goldgräberstadt im Yukon das Blockhaus, in dem Jack London seinerzeit lebte, aufsuchte. Bei der Lesung „Ein Feuer machen“ am 1. Dezember 2016 berichtete er davon im gut geheizten Buchcafé der Stuttgarter Buchwochen.

Zum 100. Todestag von Jack London hat Wolfgang Tischer eine bewegende Erzählungen von Jack London in einer Neuübersetzung als E-Book herausgebracht und mit seinen Erlebnissen im kanadischen Yukon ergänzt. Anhand von Bildern erläutert der Gründer des Onlineportals Literaturcafé.de seine Reise mit Propellermaschine, dem Auto und per Hundeschlitten. Das alles bei Temperaturen von minus 40 Grad Celsius. Aber auch aus dem Leben des Abenteurers und Schriftstellers Jack London, der selbst als Goldgräber in den Norden Kanadas gezogen ist. Reich ist er nicht geworden, gerade mal für 4,50 Dollar hat er Gold geschürft in dem einen Winter 1897/98. Aber Erfahrungen und Eindrücke hat Jack London von seiner Reise mitgebracht, die er in ein Stück aufregende Literatur verwandelt hat.

Auf der Jagd nach dem Eishai

04.12.2016 at 18:39
Morten A. Strøksnes

Mark Waschke, Morten A. Strøksnes und Wolfgang Tischer (v.l.n.r)

 

Das Gastland Norwegen präsentierte einmal mehr am Mittwoch, 30. November im Buchcafé auf den Buchwochen in Stuttgart. Der norwegische Sachbuchautor Morten A. Strøksnes saß neben seiner „deutschen Stimme“, Mark Waschke, und dem Moderator des Abends, Wolfgang Tischer vom Literaturcafé.de, auf dem Podium um sein neues Werk Das Buch vom Meer vorzustellen. Da Morten A. Strøksnes kein Deutsch spricht und das Publikum mit wenigen Ausnahmen des Norwegischen nicht mächtig ist, unterhält sich Wolfgang Tischer an diesem Abend mit dem Autor auf Englisch und übersetzt ins Deutsche.

Morten A. Strøksnes wurde 1965 in Kirkenes an der Barentssee geboren. Das ist zwischen Norwegen und Russland, ganz im Norden. Er hat Philosophie, Literaturwissenschaft und Geschichte in Oslo und Cambridge studiert. Heute lebt er als Journalist und Autor in Oslo. Das Buch vom Meer wurde zum Bestseller in seinem Heimatland und ist sein neuntes Buch. Mittlerweile liegt das Buch in 20 Übersetzungen vor und erreicht somit nicht nur 5 Millionen Norweger sondern Leser in aller Welt.

Morten A. Strøksnes liest zu Beginn eine kurze Passage aus seinem Buch und man bekommt ein Gefühl für den ungewöhnlichen Sound der norwegischen Sprache. Als anschließend der Schauspieler Mark Waschke den Text liest, überrascht auch hier der dem Buch eigene Sound, der so gar nichts mit einem trockenen Sachbuch zu tun hat.

Mit Morten A. Strøksnes im Schlauchboot auf Eishaifang

Es geht um zwei Freunde in einem kleinen Boot, der Autor und sein Künstlerfreund Hugo, die sich einen Traum erfüllen: Aus den Tiefen des Nordatlantiks wollen sie einen Eishai ziehen. Eine salzige Abenteuergeschichte über das Glück, den Naturgewalten zu trotzen und die unergründlichen Geheimnisse des Meeres wird vor dem Leser ausgerollt. „Das Buch vom Meer“ ist eine Mischung aus Erzählung und Sachbuch in höchst lyrischer Sprache. Es stellt die Sehnsucht nach Meer, nach Norwegen, nach den Lofoten und Vesterålen in den Mittelpunkt und natürlich das abenteuerliche Unterfangen, den Eishai zu fangen.

„Der Eishai ist ein Urzeitwesen, das am Grund tiefer norwegischer Fjorde bis hinauf zum Nordpol schwimmt. Er kann größer werden als der weiße Hai und ist damit der größte fleischfressende Hai der Welt“, erklärt Morten A. Strøksnes. Die beiden Freude wollen das Meer mit all ihren Sinnen erfahren. Und Hugo, der Freund des Autors, ist besessen von der Idee, einmal einem seiner gefährlichsten Bewohner Auge in Auge gegenüberstehen. Dazu hat er ausgerechnet ein Schlauchboot ausgesucht, mit der sie auf die Jagd nach dem Urtier gehen. Vielleicht muss man Norweger sein, um auf so eine Idee zu kommen aber man muss keiner sein um den Erzählungen und der Sprache des Autors zu erliegen. Vierhundert Meter Seil, sechs Meter Kette und ein halb verwestes schottisches Hochlandrind nehmen die Freunde Morten und Hugo mit auf das Boot. Das Buch berichtet über das Leben an der rauen Küste, über das Meer und die Fischer aber auch über den Ursprung des Lebens. Die Jagd der zwei Freunde nach dem Eishai rückt immer wieder in den Hintergrund, bildet aber gleichzeitig den roten Faden. Dabei ist dieser Fisch nicht einmal essbar: sein Fleisch ist toxisch, in den Zellen des Fisches ist Aminoxid, auch Angel Dust genannt. Im Krieg hat man das Fleisch in höchster Not gegessen. Der Eishai kann über vierhundert Jahre alt werden. Seine Augen sind von Parasiten zerfressen, und seine Beute erspürt er anhand von elektromagnetischen Schwingungen.

Ein Sachbuch auf hohem sprachlichen Niveau

Die Musikalität des Buches kommt durch die Lesung des Schauspielers Mark Waschke voll zur Geltung. Er erzählt, aufgrund des Titelbildes des Buches hätte er seiner elfjährigen Tochter daraus vorlesen wollen, glaubte es mit einem Kinderbuch zu tun zu haben. Er hat es aber schnell aufgegeben, als er merkte, wie direkt und brutal die beiden Freunde sich mit der Natur konfrontierten. Morten A. Strøksnes liest sich seine Texte immer wieder vor, um ihren Sound zu testen. Er hat drei Jahre an dem Buch geschrieben. Es ist ein Buch ganz ohne Fotos. Die Bilder sollen beim Leser im Kopf entstehen und mit dieser Sprache gelingt das dem Autor.

Der Schutz der Ozeane ist lebenswichtig

Norwegen ist eine Fischfangnation. Früher war der Autor kein Umweltschützer. Aber bei der Arbeit zu diesem Buch ist er dazu geworden. Es hat sich ihm eine völlig unbekannte Welt aufgetan, deren Schutz er für dringend geboten hält. Der Ozean ist ein Klimaregulierer, noch mehr, als es die Urwälder sind und es sei für die Menschheit überlebensnotwendig, diese Ozeane intakt zu halten.

Norwegen würde als „Peace Nation“ tituliert aber leider sei sie keine „Umwelt-Nation“. Der Fischfang in Norwegen sei ein Desaster für die Umwelt. Mit seinem Buch vom Meer will uns Morten A. Strøksnes auch dafür sensibilisieren.

Das Buch vom Meer
Leinen, gebunden, 368 Seiten
Deutsche Verlagsanstalt (DVA), Preis 19,99 €

zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Eine Wasserglaslesung von Thommie Bayer

27.11.2016 at 11:11
Thommie Bayer auf den Stuttgarter Buchwochen

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Einer der meistgelesenen Autoren Deutschlands. Mit dieser Beschreibung Thommie Bayers eröffnet die Moderatorin vom Börsenverein im Literaturcafé der Stuttgarter Buchwochen an einem trüben Novemberabend diesen Jahres die Lesung von Thommie Bayer. Warum immer diese Superlativen? Sie erhöhen nur die Fallhöhe.

Immer von Anfang an

Thommie Bayer fängt seine Lesung dort an, wo er immer seine Lesungen anfangen lässt: Am Anfang des Buches. Seite um Seite liest er mit rauer Stimme und streicht nach dem Umblättern einer jeden Seite akkurat über die Seite. Am Ende seiner Lesung hat er 43 Seiten aus dem Buch gelesen. Diese Angabe macht die Moderatorin, so dass „faule Leser“ sich das Lesen eines Fünftel des Buches sparen können.

Es ist eine dieser berühmt-berüchtigten Wasserglaslesungen. Nur greift Thommie Bayer zwischendurch nicht zu einem Wasserglas sondern zu einem langstieligen Rotweinglas. In Esslingen geboren, lebt Thommie Bayer heute in Staufen im Breisgau. Da ist es verständlich, dass er den Rotwein dem Wasser vorzieht. Wasserlesungen ist eine Art der Literaturvermittlung, bei der ein Autor eine zeitlang liest und anschließend das Publikum mehr oder minder schlaue Fragen stellt. Exakt das passierte an diesem Abend.

Thommie Bayer gibt einen wichtigen Hinweis

In seinem neuen Roman Seltene Affären erzählt Thommie Bayer von Peter Vorden, der von Montag bis Donnerstag ein Feinschmecker-Restaurant in dem kleinen Badeort Luxeuil-les-Bains in Lothringen führt. Danach beginnt sein richtiges Leben. Denn dann zieht Vorden sich zurück in seine Wohnung in Deutschland und schreibt Kurzgeschichten. Er tut es für seinen erfolgreichen Bruder Paul, den Schriftsteller, dem er damit immer wieder aus der Klemme hilft. Paul ist sein Zwillingsbruder und hat vor vielen Jahren Anne geheiratet, die einzige Frau, die für Peter je infrage kam. Geldsorgen hat Peter Vorden nicht. Aufgrund einer Erbschaft ist Arbeit für ihn eher eine Beschäftigung denn eine Notwendigkeit.

Während seiner Abwesenheit kommt seine Putzfrau und kümmert sich um die Wohnung. Kleinste Zeichen, die sie in seiner pedantischen Ordnung hinterlässt, einerseits, andererseits sein Angebot an sie, seine Texte zu lesen, die er als Ausdruck offen liegen lässt, lassen so etwas wie ein gegenseitiges Interesse der beiden aneinander durchschimmern. Thommie Bayer verrät in der anschließenden Fragerunde, dass dieses Buch eine Fortsetzung seines Romans Weißer Zug nach Süden ist. Diesen Roman hat er aus der Sicht der Putzfrau geschildert, die bei Peter Vorden putzt, ihn aber nie zu Gesicht bekommt, ihm nur durch das Lesen seiner Kurzgeschichten näher kommt. Damit hat der Autor an diesem Abend einen wichtigen Hinweis gegeben: Lest erst „den weißen Zug“ und dann Seltene Affären

Seltene Affären
192 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Piper Verlag, Preis 18,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Als Blogger auf den Stuttgarter Buchwochen

27.11.2016 at 9:00
Gastland Norwegen auf den Stuttgarter Buchwochen

Gastland Norwegen auf den Stuttgarter Buchwochen

 

Der Börsenverein hatte Literatur-Blogger eingeladen, einen Blick hinter die Kulissen der Stuttgarter Buchwochen zu werfen. Die Elster vom Elsternest war dabei.

Blick auf die Stuttgarter Buchwochen

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Es sind die 66. Stuttgarter Buchwochen, die dieses Jahr vom 10. November bis zum 4. Dezember stattfinden. Veranstalter ist der Landesverband Baden-Württemberg des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden Württembergs.

Begonnen hatte alles mit einer Ausstellung im Nachkriegsjahr 1949. Damals war es noch eine reine Leistungsschau für Verlage. Mittlerweile sind die Buchwochen ein Fest der Kultur für die Region Stuttgart und weit darüber hinaus geworden. Die professionelle Präsentation von rund 25.000 Büchern aus etwa 330 Verlagen, Lesungen namhafter Autoren aus dem In- und Ausland sowie viele andere Veranstaltungs-Höhepunkte bilden jene gute Mischung, die jedes Jahr an die 100.000 Besucher anzieht. Innerhalb von wenigen Tagen baute das Team des Landesverbandes Baden-Württemberg des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels die von den Verlagen in vielen Kisten angelieferten Bücher in ansprechenden Buchständern auf.

Diverse Sonderausstellungen im Rahmen der Buchwochen komplettieren die Ausstellung:

  • Kaufkalender 2017
  • Die schönsten deutschen Bücher
  • Graphic Novels, Comics & Mangas
  • Ihre Buchhändler empfehlen

Besonderes Glanzlicht jedes Jahr ist die Präsentation eines Gastlandes. Dieses Jahr ist es Norwegen, das allein mit 600 Titeln vertreten ist. In diesem Jahr hat den gestalterischen Rahmen eine Werbeagentur übernommen, die den Buchwochen ein ansprechendes, einheitliches Aussehen verliehen hat.

Im Anschluss an den Rundgang und den Einblick hinter die Kulissen las die Autorin Julia Zange aus ihrem neuen Roman Realistätsgewitter exklusiv für die Blogger.

Sylvia von Keyserling auf den Stuttgarter Buchwochen

22.11.2015 at 7:38

Sylvia von Kayserling las aus ihrem neuen Lyrikband Rosenstein. Der Nikros Verlag in Kooperation mit der Gedok hat die Lesung am 19. November organisiert. Zu Beginn der Lesung zeigte der Verlag die Bilder von Wolfgang Rüter in einer Mulitmedia Projektion. Damit wurde ein guter Eindruck der Parklandschaft im Herzen Stuttgarts vermittelt, die Sylvia von Keyserling in den Mittelpunkt ihrer Gedichte stellte. Eine ausführliche Rezension habe ich bereits an dieser Stelle im Elsternest veröffentlicht.

Mit Zwischentexten erläuterte die Lyrikerin ihre Sicht der Wirklichkeit, die sie poetisch in ihren Gedichten ausbreitet:

Hört man das Gedicht „Lettern“, in dem sie vom „Schattenalphabet der Bäume“ spricht und geht man mit diesen Zeilen im Kopf durch den Rosenstein, sieht man die Bäume mit anderen Augen. Unwillkürlich fragt man sich, warum der Mensch so wenig Ehrfurcht vor der Natur hat und sie rücksichtslos ausbeutet.

Die Sinne der Natur, das unterirdische Wurzelwerk mit seiner Fähigkeit zu riechen, zu schmecken, zu tasten, die murmelnde Kommunikation von Wurzel zu Wurzel beschreibt sie im Gedicht Scrabble. Video dazu auf meinem Kanal „Lerchenflug“.

ROSENSTEIN
Hommage an ein Stuttgarter Kulturdenkmal

64 Seiten, gebunden, mit 45 Fotografien von Wolfgang Rüter
Nikros Verlag, Preis: 16,80 €
zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Robert Seethaler im Buchcafé

01.12.2014 at 9:35
Robert Seethaler

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Das Schriftstellerhaus und der Börsenverein hatten Robert Seethaler am 25. November im Rahmen der Stuttgarter Buchwochen zu einer Lesung ins Buchcafé eingeladen. Astrid Braun, Geschäftsführerin des Schriftstellerhauses, kennt Robert gut, 2008 war er Stipendiat in eben diesem Haus. Es war eines von vielen Stipendien, die er erhielt. Aus den einleitenden Worten von Astrid Braun schwang deutlich Stolz mit, dass das Schriftstellerhaus mal wieder einen Autor am Beginn seines literarischen Weges entdeckt und gefördert hat, der in diesem Jahr seinen 5. Roman vorlegte. Es entstand sofort ein Gespräch in freundschaftlicher Atmosphäre, die den Abend trug.
Robert Seethaler, 1966 in Wien geboren, wurde 2007 für seinen Roman »Die Biene und der Kurt« mit dem Debütpreis des Buddenbrookhauses ausgezeichnet. Als Fernsehschauspieler habe ich Robert Seethaler vor kurzem als Pathologe Dr. Kreissler in der ZDF-Krimiserie „Ein starkes Team“ gesehen. Er hat Bühnenengagements und schreibt Drehbücher. Der Film, nach seinem Drehbuch, „Die zweite Frau“ wurde mehrfach ausgezeichnet und lief auf verschiedenen internationalen Filmfestivals.
An diesem Abend las er aus seinem neuen Roman „Ein ganzes Leben“. Im Mittelpunkt steht Andreas Egger, der in einem einsamen Bergtal in Österreich als Hilfsknecht lebt und den Einzug der Moderne in dieses Tal miterlebt. Robert Seethaler beginnt seine Lesung mit dem ersten Kapitel, in dem er schildert, wie Andreas Egger den zum Tode Geweihten alten Ziegenhirten „Hörnerhannes“ aus seiner Hütte zu retten versucht. Er schnallt ihn sich in einer Kraxe auf den Rücken, will den alten Hirten hinunter ins Dorf schleppen. Bei einer Rast entsteigt der Hörnerhannes dem Traggestell und läuft in den Schneesturm. Obwohl Andreas ihm hinterstapft, erreicht er ihn nicht. Der Alte verschwindet hochsymbolisch im Nebel wie ein Gespenst, ist weg und kommt nicht wieder.
Kapitel um Kapitel las Robert Seethaler in seiner ruhigen und besonnen Art, den Text mit knappen Gesten unterstreichend. Wir erfuhren im Laufe des Abends, wie Andreas Egger eine zarte Liebesgeschichte zu Marie erlebt, die als Bedienung in der Dorfwirtschaft arbeitet und sein aufrichtiges Wesen schätzt. Reden kann der Andreas nicht gut. Kräftig ist er aber er hat auch ein Handicap: er hinkt. Eine Verletzung aus der Kindheit. Die Kinder im Dorf rufen ihn Hinkebein. Marie, die Liebe seines Lebens verliert er. Erst viele Jahre später, als Egger seinen letzten Weg antritt, ist sie noch einmal bei ihm.
Die Moderne kommt durch das Bauunternehmen Bittermann & Söhne ins Tal. Seine Arbeiter errichten eine Seilbahn. Andreas Egger verdingt sich bei der Baufirma als Baumfäller und bejubelt die neue Zeit: die Elektrizität erobert das Tal und Ende der fünfziger Jahre kommt das Fernsehen, zuerst in der Gaststube „Ganser“. All das verändert die Lebenssituationen der Menschen.
Es ist eine einfache und tief bewegende Geschichte. So lautete auch lange der Arbeitstitel: Eine einfache Geschichte. Robert Seethaler berichtete, wie schwer es ihm fällt, zu schreiben. Die Figuren müsse er sich förmlich aus dem Herzen herausschnitzen. Einen Plan, einen Plot hat er zu Anfang seines Schreibprozesses nicht. Er liebt seine Figuren und vertraut darauf, dass sie ihm seine Geschichte anvertrauen. Dabei bleiben Details im Dunklen: Er könne nicht beschreiben, wie Andreas Egger aussieht, ob er dick oder dürr, groß oder klein sei. An Äußerlichkeiten ist Seethaler nicht sonderlich interessiert. Und doch erschienen die Figuren lebendig vor dem geistigen Auge des Zuhörers. Es geht ihm mehr um Charaktere, um zwischenmenschliche Beziehungen und wie die äußere Welt auf die Figuren einwirkt. Seine kleinen Sätze haben große Bedeutung, so wie dieser: „Liebe und schön fallen nicht immer zusammen“.

Robert Seethaler und Astrid Braun im GesprächEin ganzes Leben
gebunden, 160 Seiten, 17,90 €
Verlag: Hanser Berlin
zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens