Christine Lehmann kennt Hasskommentare und trotzt dem Twittergewitter

12.05.2017 at 23:13
Christine Lehmann, wie sie sich selber sieht

Christine Lehmann, wie sie sich selber sieht

„Hass ist die Rache des Feiglings dafür, dass er eingeschüchtert ist.“ Mit diesem Zitat von Georg Bernhard Shaw überschreibt die Kimi-Autorin und Bloggerin Christine Lehmann ihren Vortrag am 10. Mai 2017. Sie schreibt über die Situation der Radfahrer in Stuttgart in ihrem Fahrrad-Blog. Darüber hinaus bloggt die Krimi-Autorin auf Herland, einem Blog zu feministischem Realismus in der Kriminalliteratur.

Die Stiftung Geißstraße hatte sie eingeladen, im Rahmen der Reihe Die Wucht der Worte über ihre Erfahrungen mit Hasskommentare zu referieren.

Sie hat auf allen ihren Blogs die Kommentatorenfunktion frei geschaltet und betreibt zusätzlich eine Facebook-Seite, auf der alle Blogbeiträge zu Fahrradfahren in Stuttgart verlinkt sind. Damit will sie eine breite Öffentlichkeit für ihr Anliegen herstellen.

In ihrem Vortrag erläutert sie, wie sie mit unqualifizierten Kommentaren umgeht: zuerst gibt es eine Ermahnung. Wenn das nichts hilft, sperrt sie auch schon mal Schreiber aus.

Die in der normalen Kommunikation wichtigen Informationskanäle wie Mimik, Gestik, entfallen in der schriftlichen Kommunikation vollkommen. Die im Tierreich vorherrschende Körpersprache fällt bei den sozialen Medien komplett weg.

Gegen Hetze im Netz hat sich eine Initiative unter dem Hashtag #Ichbinhier etabliert. Ihr Gründer Hannes Ley will mit seiner Gruppe für einen besseren Umgangston im Netz sorgen. Der Zulauf ist riesig. Auch auf ihren Blogs tauchen Kommentare dieser Gruppe auf.

Christine Lehmann hat für sich Formen entwickelt, mit negativen Kommentaren umzugehen. Ihre Strategien sind angelehnt an die der gewaltlosen Kommunikation:

  • Formuliere Ich-Botschaften, mache dich selber zum Menschen
  • Lass dir von den anderen nicht den Ton und die Wortwahl vorgeben (nicht im Affekt anworten)
  • Ziehe eine rote Linie

Damit hat sie auf ihren Blogs gute Erfahrung gemacht. Es ist aber auch klar, diese Art der Kommunikation erfordert sehr viel Einsatz. Aber Christine Lehmann schätzt diese Form der Kommunikation über Themen, die ihr wichtig sind, wie sie in der Diskussion im Anschluss an ihren Vortrag darlegt.

Zum 200. Geburtstag von Georg Herwegh (1817 – 1875)

24.04.2017 at 11:30
Georg Herwegh zum 200. GeburtstagEine Festveranstaltung der AnStifter und der Landeshauptstadt Stuttgart am

Mi, 24. Mai 2017, 19:00 Uhr im Rathaus Stuttgart
Marktplatz 1,
70173 Stuttgart
Eintritt frei

Alle Räder stehen still,
Wenn Dein starker Arm es will

Jeder kennt diese Verse aus dem „Bundeslied“, das Ferdinand Lassalle anlässlich der Gründung der SPD in Auftrag gegeben hat. Kaum einer weiß, dass die Verse von Georg Herwegh stammen, dem bedeutendsten Lyriker den Stuttgart hervorgebracht hat.

Herwegh, geboren am 31. Mai 1817, ist im Alter von 22 Jahren aus Stuttgart geflüchtet und lebte danach als Exilant in der Schweiz und in Frankreich, wo er engen Umgang hatte mit Heinrich Heine, Karl Marx, Ludwig Feuerbach, Victor Hugo, Iwan Turgenjew, Michail Bakunin, Franz Liszt, Richard Wagner…

Heinrich Heine schrieb folgendes Gedicht auf ihn:

An Georg Herwegh

Herwegh, du eiserne Lerche,
Mit klirrendem Jubel steigst du empor
Zum heiligen Sonnenlichte!
Ward wirklich der Winter zunichte?
Steht wirklich Deutschland im Frühlingsflor?

Herwegh, du eiserne Lerche,
eil du so himmelhoch dich schwingst,
Hast du die Erde aus dem Gesichte
Verloren – Nur in deinem Gedichte
Lebt jener Lenz, den du besingst.

Diese Veranstaltung findet anlässlich seines 200. Geburtstags statt und erinnert an sein bewegtes Leben: Vom umjubelten Dichter des Vormärz und viel geschmähten Akteur der 48er-Revolution bis zu dem im Alter Vereinsamten, der mit scharfen Versen den Chauvinismus des Kaiserreichs geißelte.

  • Grußwort: Oberbürgermeister Fritz Kuhn
  • Geburtstagsrede: Frank Ackermann
  • Barbara Stoll (Schauspielerin) und Timo Brunke (Wortkünstler) rezitieren Gedichte von Georg Herwegh und Heinrich Heine
  • Der Chor Avanti Comuna Kanti singt Herwegh-Lieder.
  • Moderation: Dr. Wolfgang Niess (Leitender Redakteur beim SWR)

Die Veranstaltung findet im Großen Sitzungssaal des Rathauses statt. Im Anschluss wird es einen kleinen Geburtstag-Umtrunk zu Ehren von Georg Herwegh auf der Dachterrasse geben.

Neulich, auf dem Weg zu den Gleisen

16.04.2017 at 21:43
Sprechende Waren Kapseln von Dallmayr

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Neulich fuhr M. aus Stuttgart in seine Heimatstadt Dortmund, zog in den frühen Morgenstunden seinen Koffer hinter sich her. Dort, wo normalerweise großflächige Plakate über die Zukunft der Transporttechnologie informieren, sprach ihn an diesem Morgen eine Kapsel an. Sie stellte sich keck vor: „Ich bin Capsa“. M. hatte sie nicht gefragt, trotzdem laberte sie ihn an. Was soll das, dachte M. Ist die Espressokapsel schizophren geworden? Oder ist M. es selbst? Weshalb spricht eine Kapsel zu ihm?

Er würde sich nie und nimmer eine Kaffeemaschine kaufen, die tagtäglich Aluminiummüll produzierte und ihm für ein Kilo Kaffee ca. 30 € abverlangen würde. Leider ist das der neue Trend: Alle wollen Kaffee in Kapseln.

Ziemlich laut geht es auf der Webetafel her: Kapseln können jetzt sprechen. Wo bisher nur Produkte über farbige Verpackungen, also visuelle Reize auf M. wirkten, sprechen sie M. nun direkt an.

„Wackaging“ heißt die neue Mode der persönlichen Werbeansprache auf Verpackungen. Es ist der allerneueste Versuch, aus Kunden konsumfreudige Kinder zu machen. Wackaging ist eine Wortkreation aus wacky und packaging, also etwa bekloppte Verpackung. Auch wenn Produkte ohne Scherze auskommen, lässt sich mittlerweile kaum mehr unterscheiden, ob sie sich an M., einen Erwachsenen, richten oder an Kinder. Geprägt wurde der Begriff Wackaging von der Guardian-Journalistin Rebecca Nicholson, die auf Tumblr einen Blog zum Thema startete, der den Slogan führte: „I blame Innocent“. Die englische Fruchtsaft-Marke, die mittlerweile Coca-Cola gehört, ist der Urheber dieses sehr britischen Trends.

M. wollte sich nicht mit der Kapsel unterhalten und zog stoisch seinen Koffer zum Zug, der im Stuttgarter Kopfbahnhof auf ihn wartete.

Bukahara eröffnet das Festival der Kulturen

14.07.2016 at 15:22
Bärte plus Locken: Daniel Avi Schneider, Max von Einem, Soufian Zoghlami und Ahmed Eid sind Bukahara (v. l. n. r.)

Bärte plus Locken: Daniel Avi Schneider, Max von Einem, Soufian Zoghlami und Ahmed Eid sind Bukahara (v. l. n. r.)

 

Am 12. Juli 2016 eröffnete die Band Bukahara mit ihrer Mischung aus Balkansound, Folk und arabischen Einflüssen das diesjährige Sommerfestival der Kulturen auf dem Markplatz in Stuttgart. (12. Juli bis 17. Juli). Auf dem Festival präsentieren sich die Migrantenvereine mit ihren Ständen und sorgen mit ihrem Essensangebot für kulinarische Vielfalt. Sie bieten schöne Dinge wie Kunsthandwerk und Schmuck, Kleidung, Taschen, Tee und Gewürze aus verschiedenen Ländern an. Das musikalische Rahmenprogramm bietet eine breite Musik-Mischung aus aller Welt, ganz im Sinne von: Musik verbindet.

Die vier Freunde von Bukahara spielen Musik aus allen Teilen der Welt

Soufian Zoghlami von Bukaharam

Soufian Zoghlami

Die Band Bukahra hat sich über das Studium der Musik in der Fachgruppe Jazz der Kölner Musikhochschule kennen gelernt. Sie wissen um den Einsatz von Stilen und Harmonien. Und sie gehen geschickt damit um.

Viele Instrumente, viele Stile – das macht die Gruppe aus. Alle bringen ihre Einflüsse ein, die sehr verschieden sind. Soufian Zoghlami, der Halbtunesier ist, kommt eher aus der Singer-Songwriter-Ecke.

Der in Syrien geborene und in Palästina aufgewachsene Ahmed Eid lernte zunächst arabische Percussion. Als er 18 war kam er mit einem Stipendium von Ramallah nach Lübeck, um Kontrabass zu studieren. Drei Jahre Klassik waren dem mittlerweile jazzbegeisterten Musiker genug – er ging zum Studieren nach Köln.

Daniel Avi Schneider ist jüdisch-schweizerischer Herkunft und hat als Kind Geige gelernt. Einen Schlagzeuger hat die Gruppe nicht aber einen Posaunisten, Max von Einem.

Ahmed Eid von Bukaharam

Ahmed Eid

Er spielt Tuba beziehungsweise Susaphon, was eine wunderbare Ergänzung für den energetischen Bukahara-Klang ist. Das mit dem Schlagzeug kriegen die vier Multiinstrumentalisten auch so hin. Auf der Bühne tritt Gitarrist und Sänger Zoghlami eine Bassdrum, von Einem schlägt eine Snare und Eid wechselt manchmal an die Darbuka.

Die Spielfreude der Multiinstrumentalisten übertrug sich nach wenigen Minuten auf die ZuhörerInnen auf dem Markplatz in Stuttgart und sie sorgten für einen gelungenen Auftakt für das 16. Festival der Kulturen.

Das auf Deutsch gesungene Vogellied versetzte den Rezensenten in Glücksgefühle.

Die Gier, der Politiker…

18.07.2014 at 13:06

…fand die Elster im Schaufenster der Buchhandlung Wittwer in Stuttgart.

gier_politiker