Schriftstellerhaus unterstützt die Aktion Vielfalt

10.11.2018 at 15:06
Vielfalt wird vom Schriftstellerhaus unterstützt

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Das Schriftstellerhaus hat sich der von den Anstifter und der Stiftung Geißstraße 7 initiierten Aktion Vielfalt – 0711 für Menschenrechte angeschlossen. So gut wie alle Kultureinrichtungen der Stadt unterstützen diese Aktion, die mit Veranstaltungen, Lesungen, Diskussionsabende, Filmvorführungen etc. auf die Formulierung der Menschenrechte vor siebzig Jahren hinweisen will.

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Mittlerweile sind 226 Organisationen dem Bündnis beigetreten. Einen Monat lang werden die Menschrechte in den Blick der Zivilgesellschaft gerückt.

Die Auftaktveranstaltung wird am 14. November um 19 Uhr im Rathaus stattfinden. Den Abschluss bildet der Festvortrag der diesjährigen Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Frau Prof. Aleida Assmann, im Stadtpalais Stuttgart.

Alle Veranstaltungen sind auf der Webseite www.0711menschenrechte.de veröffentlicht.

Stuttgart für Menschrechte – zwei Partner in Aktion

27.07.2018 at 21:19
Logo Vielfalt

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Die AnStifter und die Stiftung Geißstraße 7 haben sich vor einigen Monaten zusammengetan, um die Menschrechte in der Stadtgesellschaft breit zu diskutieren. Sie nennen ihre Aktion Vielfalt: 0711 Menschrechte. Denn vor 70 Jahren verkündete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

Derzeit sind in Europa und weltweit Tendenzen wahrzunehmen, dass Menschenrechte missachtet oder gar abgeschafft werden. Angesichts dieser Entwicklungen halten es die Initiatoren für ihre Pflicht, sich verstärkt für die Menschenrechte in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens einzusetzen. Sie sind der Überzeugung, nur auf der Grundlage der Respektierung der Rechte anderer kann sich das gesellschaftliche Zusammenleben entwickeln. Ebenso sind die Menschrechte bedeutungsvoll für den Respekt der Staaten untereinander.

30 Tage – 30 Artikel der Menschenrechte

In 30 Tagen vor dem historischen Datum der Verkündigung (10. Dezember 1948) wollen die Initiatoren mit einem breiten Bündnis von Initiativen und Kulturschaffenden die 30 Artikel der Menschrechte in die Öffentlichkeit bringen. Flankiert werden die Aktionen schon im Herbst von Vorträgen und Diskussionen in diversen Bildungseinrichtungen. So beginnt das Evangelische Bildungszentrum Hospitalhof seine Reihe „Auf den Spuren der Menschrecht und ihre aktuellen Bedeutung“ bereits am 21. September.

Über 220 Gruppen und Initiativen der Zivilgesellschaft, Medien, Theater, Galerien und Kinos, öffentliche Einrichtungen unterschiedlichster Art, tragen dieses vielfältige Gemeinschaftsprojekt. Sie alle werden die Bedeutung von Menschenrechten aus ihrer Sicht thematisieren.

Zur Zeit laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Eine Webseite wurde bereits veröffentlicht. Eine Zeitung zum Thema soll Ende Oktober fertig gestellt sein. Banner, Postkarten , Flyer und Buttons werden derzeit entworfen und die an der Aktion Beteiligten konzipieren vielfältige Veranstaltungen.

Die Wucht der Worte

15.03.2017 at 23:30
Daniel Pascal Zorn in der Stiftung Geißstraße, Stuttgart

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So heißt eine neue Reihe, die in der Stiftung Geißstraße am 14. März 2017 mit dem Philosophen Dr. Daniel-Pascal Zorn begann. Ein Motto von Hugo Hofmannsthal steht über dieser Veranstaltungsreihe, die von den Anstiftern, dem Schriftstellerhaus, der Universität Stuttgart, dem Verband der Schriftsteller und vielen anderen Institutionen unterstützt wird: „Manche Worte gibt’s, die treffen wie Keulen. Doch manche schluckst du wie Angeln und schwimmst weiter und weißt es noch nicht.“

Dr. Michael Kienzle, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Geißstraße, umreißt in seinen einleitenden Worten die Intention der Veranstaltungsreihe: Sowohl die direkte als auch die parlamentarische Demokratie beruhen gleichermaßen auf dem freien Wort. Auf dem Austausch von Meinungen, Erkenntnissen und Interessenbekundungen. Meinungs- und Pressefreiheit waren die zentralen Forderungen des Liberalismus. Sie fanden Eingang auch ins Grundgesetze der Bundesrepublik Deutschland. Wie Aristoteles vor mehr als 2000 Jahren bemerkte, entwickeln sich Staat und Gesellschaft zwar im Streit, jedoch nur dann, wenn er zivilisiert ausgetragen wird. Das Projekt „Die Wucht der Worte“ möchte dazu eine Debatte anzetteln. Es möchte mit Medienschaffenden, Kulturschaffenden und politisch Interessierten das Bewusstsein in der Stadt dafür schärfen, dass der zivilisierte Diskurs die Grundlage jeder sozialen Gemeinschaft ist.

Dr. Daniel-Pascal Zorn hat seine Thesen bei Klett-Cotta veröffentlicht

Dr. Daniel-Pascal Zorn hat gerade sein Buch Logik für Demokraten im Klett Cotta Verlag vorgelegt. An diesem Abend in der Geißstraße stellt er es zum ersten Mal dem interessierten Publikum vor. Darin beschreibt er, dass demokratisches Handeln und Denken nur Bedeutung hat, wenn es immer wieder eingeübt wird. Er will uns Denkwerkzeuge an die Hand geben, um sich den Gegnern und Feinden demokratischen Denkens entgegenzustellen. Ein gewagtes Experiment, bei dem er sich auf Aristoteles beruft, der dem zivilisieren Streit eine Lanze gebrochen hat. Der Diskurs, den Platon auf dem Marktplatz von Athen führte, so Dr. Zorn, wird heute in den sozialen Medien, allen voran Facebook, geführt. Und er hat sich eingemischt. Hat Diskussionen auf rechten Internetseiten und denen der AfD geführt. Hat mit philosophischen Methoden den Diskurs bestritten und dabei die Logik angewendet, die sich aus zwei Quellen speist:
zum einen logos (der Rede) und zum anderen téchne, dem Verständnis von Kunst, Wissenschaft und Technik.

Dr. Daniel-Pascal Zorn spricht sich dagegen aus, rhetorische Tricks in Debatten anzuwenden, wiewohl diese Art zu Reden zu unserer Debattenkultur dazugehört. Aber sie ist eben nicht die einzige und meistens auch nicht die, die auf das Gemeinsame zielt. Wer sie als die einzig legitime setzt, darf sich nicht wundern, wenn das Gespräch im geistigen Bürgerkrieg endet, so seine These. Er vertritt den Anspruch einer allgemeinen Bildung. Das bedeutet, es ist notwendig, die Ausbildung der eigenen Urteilskraft zu fördern. Politische Glaubensbekenntnisse vor sich herzutragen, sollte tunlichst vermieden werden. Wir müssen einfach wieder damit anfangen, miteinander statt gegeneinander zu reden. Er spricht sich dafür aus, die Reflexionslogik anzuwenden, die untersucht, was gilt und die um einen Nachweis dessen bemüht ist. Dabei ist zwischen Person und Argument zu trennen. Die deskriptive Logik verhandelt das Argument und ist nicht mit Psychologie zu verwechseln, die den Sprechenden zu verstehen trachtet.

In den sozialen Netzwerken im Selbstversuch unterwegs

Dr. Daniel-Pascal Zorn analysiert populistischer Argumentation und totalitärer Denkweisen. Der Populist beginnt häufig mit der Festlegung: „Ich spreche für das Volk (die schweigende Mehrheit)“. Damit setzt er sich ins Recht. Im nächsten Schritt werden häufig Verschwörungstheorien aufgerufen und Argumente werden extrem überhöht. Es wird eine Einheit derer hergestellt, die dagegen sind. Vage Begriffe wie: Volk, Kultur, Natur werden in den Diskurs eingeführt. Provokationen werden als Mittel der Rhetorik aufgerufen. Fatal: Der Diskurs wird durch „Gewohnheiten“ zementiert. Er fordert dagegen auf, kritisch zu bleiben und zu erkennen, dass es vernünftig ist, demokratisch zu denken. Und er postuliert, in allen Debatten sollen wir authentisch bleiben, will sagen, so zu handeln wie wir sprechen, mit uns überein zu stimmen.

Dies hat er im Selbstversuch ausprobiert, indem er sich auf Facebook in Diskussionen eingeklinkt hat. Und er hat, wie er berichtet, Erfolge erzielt, hat mit Argumenten überzeugt. Seine Erkenntnisse sind auch in den Diskurs mit Schülern eingegangen. Mittlerweile gibt es Projekte an verschiedenen Schulen, die anhand seiner „Anleitungen“ Diskussionsstränge auf Facebook analysieren und daraus Erkenntnisse generieren. Auf seinem Blog „Die Kunst der Rechtfertigung“ berichtet Dr. Daniel-Pascal Zorn regelmäßig über seine Versuche, sich in Diskussionen philosophisch einzumischen.

Im Anschluss an die Veranstaltung führte der Klett-Cotta-Verlag für seinen Blog ein Interview mit dem Autor, das man hier ansehen kann.

Logik für Demokraten
Eine Anleitung
314 Seiten, gebunden
Klett-Cotta, Preis 20 €

zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Querfront – eine verquere Welt

17.07.2016 at 17:37
Ivo Bozic spricht in der Stiftung Geißstraße Stuttgart über das Phänomen Querfront

Ivo Bozic spricht in der Stiftung Geißstraße Stuttgart über das Phänomen Querfront

 

Die Stiftung Geißstraße in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Emanzipation und Frieden e.V. und der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg hatten am 14. Juli 2016 Ivo Bozic eingeladen, um über das Querfront-Phänomen zu referieren. Antiwestlich, national und sozial: Ist das eigentlich rechts oder links – oder beides? In Deutschland ist seit den Erfolgen der neuen völkischen Bewegungen wie den Montagsmahnwachen, Pegida und der AfD oft von einer neuen Querfront die Rede. Ist es sinnvoll an den klassischen Zuschreibungen „links“ und „rechts“ festzuhalten, obwohl es mit dem völkischen Nationalismus und dem antiwestlichen und antizionistischen Antiimperialismus große Schnittmengen zwischen beiden gibt? Was eint so unterschiedliche Akteure wie Wladimir Putin, den „Islamischen Staat“, den Iran, Le Pen, Verschwörungstheoretiker, Teile der Linkspartei und Pegida? Das versuchte Ivo Bozic an diesem Abend zu klären. Vorab als Fazit: Er hat einen wichtigen Schritt zur Aufklärung beigetragen.

Die Montagsdemonstrationen für den Frieden

Wo sind die ideologischen Schnittmengen zwischen rechts und links? Als der Ukraine-Konflikt sich zuspitzte, gingen viele Menschen Montag für Montag auf die Straße: Seit 2014 gibt es die Mahnwachen für den Frieden. Die Demonstranten setzen sich aus allen politischen Strömungen zusammen. Alle verbindet der „Hass auf das Schweinesystem“. Sie eint die Ablehnung von Dekadenz und der Bourgeoisie. Neonazis und Autonome marschieren Hand in Hand. Jürgen Elsässer, Herausgeber des rechtspopulistischen Magazins Compact, ist einer der treibenden Akteure neben Ken Jebsen und Lars Mährholz. Elsässer war Mitglied des Kommunistischen Bundes (KB). Elsässer gilt als einer der ursprünglichen Protagonisten der Antideutschen. Er arbeitete für die Monatszeitschrift konkret. Bis 2002 war er auch Redakteur bei der Zeitung Junge Welt. Aus dieser Zeit kennen sich Ivo Bozic und Jürgen Elsässer.

In der Weimarer Republik wurde der Grundstein gelegt

Das Konzept der Querfront hat seine Wurzeln unter anderem in der sogenannten Konservativen Revolution der Weimarer Zeit. Es sollte keine Linken und Rechten mehr geben, sondern nur noch deutsche Volksgenossen. Die Brüder Gregor und Otto Strasser gehörten dazu. Schon 1923 forderte der Vordenker Arthur Moeller van den Bruck den Nationalismus und Sozialismus völkisch miteinander zu verknüpfen. Und weiter: Deutschland solle sich nach Osten, zur Sowjetunion hin orientieren, gegen den liberalen Westen, vor allem die USA. Daran knüpfen die neuen Montagsdemonstrationen an, allerdings hat es in der jüngeren Geschichte eine unübersehbare Zahl von Querfronten gegeben, von Überschneidungen linker und rechter Positionen, ohne dass sich deren Vertreter selbst immer als Querfront definiert hätten.

Verschwörungstheorien gehören immer dazu

Wo immer die Querfront auftaucht sind die Verschwörungstheoretiker nicht weit. (9/11 ist vom CIA selber inszeniert worden). Die Bilderberg-Konferenz gilt als eine Gruppe, die den globalen Eliten untersteht. Angeblich streben die Bilderberger eine neue Weltordnung an, mit der Spitze von Militär, Weltbank und der Hilfe von gesteuerten Medien.

Die Querfront als weltpolitisches Phänomen

Zu denkwürdigen Allianzen zwischen Linken und Rechten kam es auch im Zuge des Irak-Kriegs 2003. Linke wie rechte Antiimperialisten bezogen sich positiv auf den Ba’athismus und Saddam Hussein und unterstützten den irakischen Terrorismus als „legitimen Widerstand“ gegen die US-Truppen, sammelten sogar Geld für die terroristischen Gruppen. Der IS von heute hat in seiner obersten Führungsschicht etliche Offiziere aus Saddams Armee. Der von Slobodan Milošević protegierte rechtsextreme Anführer der Serbischen Radikalen Partei (SRS), Vojislav Šešelj, feierte seinen alten Freund Saddam Hussein als „Waffenbruder“ und als „Symbol des Widerstands gegen die neofaschistischen US-Barbaren“.

Wenn es um Sympathiebekundungen mit Diktatoren geht, seien es Saddam, Gaddafi, Ahmadinejad oder jetzt Assad, stehen linke Antiimperialisten und Neonazis meist Seite an Seite. Im Hass auf die USA und Israel zeigt man sich vereint. Gemeinsamer Bezugspunkt sind immer wieder der Antizionismus und die Solidarität mit den Palästinensern. 2010 nehmen an der Free-Gaza-Flottille Linke, Faschisten und Islamisten gemeinsam teil. Hier sitzt die rot-braun-grüne Querfront auch ganz praktisch zusammen in einem Boot.

Ein aktuelles und besonders beeindruckendes Beispiel einer Querfront ist in Griechenland zu beobachten. Die ultrarechte Partei „Morgenröte“ koaliert mit der linkssozialistischen Syriza-Partei. Rechtspopulisten wie der Front National von Marie Le Pen kooperieren mit Russlands Putin. Putin gilt sowohl Linken wie auch Rechten als Gegenmodell zur USA. Ideologisch wird die Querfront in Deutschland vor allem von dem Internetkanal „Russia Today“ unterstützt. Sie zeigen im Gegensatz zur „Lügenpresse“ was verschwiegen oder weggeschnitten wird. Sie bezeichnen sich als der „Fehlende Part“ in der deutschsprachigen Medienlandschaft. Kaum verwunderlich, dass sie mit ihrem Programm vor allem die Wähler der Linkspartei, die Nichtwähler und die AfD erreichen. Pikant: Die Nachdenkseiten verlinken sowohl auf den Kanal von Ken Jebsen als auch auf Russia Today.

Eine schillernde Persönlichkeit der Querfront

Wie eine Querfront sowohl ideologisch als auch personell funktioniert, zeichnet Ivo Bozic an diesem Abend am Beispiel des Schweizer Bankiers François Genoud nach. Dieser reist als jugendlicher Hitler-Fan 1936 in den Nahen Osten, wo er in den arabischen Aufstand gerät. Er sieht Parallelen zum Kampf seiner deutschen NS-Idole, denn es gehe jeweils um die Bekämpfung des „internationalen Judentums“. Er wird zum Partner des Muftis von Jerusalem, der wiederum mit NS-Deutschland zusammenarbeitet. Für Genoud sind der arabische Nationalismus und die antikoloniale Bewegung Teil desselben Kampfes. Er unterstützt die algerische Befreiungsfront und trifft dabei jede Menge Linke. Später unterstützt er die RAF, den Terroristen Carlos und viele andere Linke wie Rechte. Für den amerikanischen Geheimdienst hat er auch gearbeitet.

Ivo Bozic macht deutlich, wie dehnbar die Begriffe „links“ und „rechts“ sind. Diese Erfahrung machen umgekehrt auch antideutsche Linke zuweilen, wenn sie sich in außenpolitischen Fragen, etwa in Sachen Israel, Syrien oder Iran, häufiger an der Seite rechter Think Tanks wiederfinden als an der Seite der vermeintlichen Linken.

Am Ende des Abends steht die Frage: Worum geht es? Es geht um die Gleichheit und Freiheit aller Menschen. Autoritäre, nationalste, sexistische, rassistische, antisemitische, menschenfeindliche Lösungsangebote sind zurück zu weisen.

Den Vortrag nachhören hier.
Weiterführende Links: Die links-jihadistische Querfront und: Historischer Abriss der Querfront

Spuren nach Syrien – Suleman Taufiq und Basilius Alawad

19.11.2015 at 7:00
Suleman Taufiq und Basilius Alawad

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Der deutsch-syrische Schriftsteller Suleman Taufiq und der syrische Cellist Basilius Alawad waren am 17. November zu Gast in der Stiftung Geißstraße 7, eine Institution, die sich mit der Stadt Stuttgart, ihren demokratischen Traditionen und dem friedlichen Zusammenleben ihrer Bürger befasst.

Das syrisches Sprichwort „Jeder Mensch hat zwei Heimaten: Syrien und seine eigene“, trifft für den Autor Suleman Taufiq ebenso zu wie für Basilius Alawad. Erst vor kurzem ist er vor Krieg und Terror fliehend nach Deutschland gekommen und wird hier seine musikalische Ausbildung fortsetzten. Er spielte Stücke auf dem Cello, die sowohl in der syrischen Musik als auch in der europäischen Klassik verortet sind.

Suleman Taufiq wollte an diesem Abend nicht über die in Syrien gegenwärtig herrschende Philosophie des Tötens und der Zerstörung sprechen, er wollte seine Lyrik sprechen lassen und seinen neuen Roman vorstellen, der demnächst erscheinen wird. Obwohl er 1971 zum Studium der Philosophie und Komparatistik nach Deutschland gekommen ist, bewegt er sich nach wie vor in beiden Welten, der deutschen wie der arabischen. Viele Gedichte von ihm erscheinen in zwei Sprachen: Deutsch und Arabisch. Einige Gedichte trägt er auf Arabisch und Deutsch vor. Hört man ihm auf Arabisch zu, bekommt man einen Eindruck von dem Wohlklang dieser Sprache. Zwei Gedichte auf Deutsch hier und hier.

Seine Kindheit verbrachte er in Damaskus. Seine Mutter lebt noch dort. Die meisten ihrer neun Kinder sind weltweit verstreut. Damaskus setzt er mit seinem neuen Roman ein Denkmal, ein Roman, der nur an einem einzigen Tag spielt. Ein Projekt, das ihm schon seit langem vorschwebt. Nun hat er es verwirklicht, liest daraus eine längere Textpassage. Leider ist es aus drucktechnischen Gründen an diesem Abend noch nicht erhältlich. Wir sind auf seine Veröffentlichung gespannt.

Im Gespräch erklärte der Autor, dass er alle Texte auf Deutsch schreibe. Deutsch sei die Sprache seiner intellektuellen Ausbildung. An sein erstes deutsches Wort erinnert er sich immer noch: Wunderbar. Die Übersetzung ins Arabische nimmt er jedoch selber vor. Er hat nicht nur zwei Heimaten, er hat auch zwei Sprachwelten.

Café Dunya – Ein Tag in Damaskus
Erscheint demnächst und ist dann erhältlich in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauen.