Odile Kennel mit Lyrik im Stuttgarter Schriftstellerhaus

16.03.2014 at 11:20

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Lyrik las die derzeitige Stipendiatin im Schriftstellerhaus, Odile Kennel, am 13. März 2014. Ich hatte sie schon bei ihrer Antrittslesung mit ihrer Prosa kennen gelernt. Odile Kennel hatte den Mut, einige ihrer in Stuttgart entstandenen Texte zu lesen. Mutig deshalb, weil sie als Lyrikerin Texte immer und immer wieder überarbeitet und bis zur Veröffentlichung eine lange Zeit verstreicht. So sind es gewissermaßen Rohdiamanten, die sie uns vortrug.

Das titelgebenden Gedicht „oder wie heißt diese interplanetare Luft“ aus ihrem bei dtv erschienen Band und einige andere mehr, las sie an diesem Abend.

Odile Kennel hat sich einen Namen als Lyrikübersetzerin aus dem Französischen, dem Portugiesischen und Spanischen gemacht. Sie ist zweisprachig aufgewachsen, Französisch und Deutsch als Mutter- und Vatersprache. Deutsch sei ihre Kopfsprache, erklärte sie, Französische ihre Körpersprache, Portugiesisch die Sprache ihres Herzens. Sie brachte unter anderem die Brasilianerin Angélica Freitas und deren Landsmann Ricardo Domeneck auf eindrucksvolle Weise ins Deutsche.

Aus dem wunderschön gestalteten Lyrikband des Brasilianers Ricardo Domeneck las sie einige Gedichte, eines in ihrer Übersetzung und im Original. Um von der portugiesischen Fassung zur deutschen zu gelangen, muss man das Buch einmal kippen. Eine reizvolle Art der Zweisprachigkeit. Ricardo Domeneck ist 1977 in São Paulo geboren, lebt seit 2002 in Berlin. Er ist Repräsentant einer neuen brasilianischen Lyrik, die Lesung und Performance verbindet. Odile hat ihn auf einem Poesiefestival kennen gelernt auf dem sie als Übersetzerin gearbeitet hat.

Ende März packt Odile Kennel ihre Koffer und räumt das Schriftstellerhaus für Paul Jeute aus Leipzig, der von April bis Juni im Schriftstellerhaus „schaffen“ wird. Wir können gespannt auf das Ergebnis ihrer Arbeit in Stuttgart sein.

oder wie heißt diese interplanetare Luft
120 Seiten, Preis: 14,90 €
dtv premium
zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Odile Kennel bewohnt das Stuttgarter Schriftstellerhaus

07.02.2014 at 11:23

odile_kennelOdile Kennel ist die erste von vier Stipendiaten, die für ein viertel Jahr mit ihren schriftstellerischen Ambitionen 2014 ins Haus „Kanalstraße 4″ einzieht. Am 4. Februar stellte sie sich mit einer Lesung dem literarisch interessierten Publikum vor.

Sie hat französisch-deutsche Wurzeln, ist das Kind einer Städtepartnerschaft, wie sie humorvoll erklärte. An diesem Abend las sie sowohl aus dem Text, mit dem sie sich um das Stipendium beworben hatte und den sie hier weiter schreiben will, als auch aus ihrem bei DTV erschienen Roman „Was Ida sagt“. Ort der Handlung dieses Romans: die Normandie.

Eine komplizierte Geschichte, die aus drei verschiedenen Frauenperspektiven erzählt wird: Ida, Paulette und Louise. Was taugen Erinnerungen und wer steht in wessen Schuld? Alles beginnt in den achtziger Jahren, als die jüngste Protagonistin Louise zur Beerdigung ihrer Großtante in die Heimat reist. Nach elf Jahren der Abwesenheit. Sie hatte nach dem Tod ihres Vaters 18-jährig ihre französische Heimat verlassen und zog nach Berlin, um Geschichte zu studieren. Nun trifft sie auf ihre Mutter Paulette und deren Cousine Ida, die ihr bis dahin vollkommen unbekannt war.

Die Geschichte geht zurück in die Zeit der deutschen Besatzung und beschreibt die Folgen einer Liebe zwischen Menschen aus verfeindeten Völkern. Liebe kennt keine Grenzen und schert sich nicht um Nationalitäten. Damals nannte man diese Liebe „horizontalen Kollaboration“.

Welche Folgen, hier auf familiärer Ebene, hat der Krieg? Wie lange wirken Verletzungen der Seele nach? Das sind Fragen, die dieser Roman stellt, die heute immer noch aktuell sind. In diesem Jahr jährt sich zum hundertsten Mal der Ausbruch des ersten Weltkriegs. Wir blicken auf den Ausbruch des 2. Weltkriegs vor 75 Jahren zurück, der für diese Geschichte so prägend ist. Und in diesen Tagen fährt unsere Verteidigungsministerin nach Afghanistan und Mali, um den deutschen Soldaten zu vermitteln, wie „wertvoll“ ihr Einsatz dort ist. Wenn Krieg schon in der kleinsten gesellschaftlichen Einheit, der Familie, so schmerzhafte Spuren hinterlässt, wie schlimm sind sie dann erst die im kollektiven Gedächtnis?

Es ist sicher kein Antikriegsbuch, das Odile Kennel geschrieben hat. Es sind die Bilder, die sie im Text durchscheinen lässt, die die Fragen nach Freund und Feind aufwerfen. Es ist das Buch einer Autorin, deren Eltern die Vorurteile und den Hass auf die Menschen einer anderen Nation überwunden haben und die Liebe in den Mittelpunkt gerückt haben. Wir können heute glücklich sein, dass diese Völkerverständigung auf so fruchtbaren Boden gefallen ist.

Das Thema „Nie wieder Krieg“ ist aktueller denn je, nicht nur im Jahr des Gedenkens des Ausbruchs des ersten Weltkriegs. Ich bin bei den Anstiftern in einer Gruppe, die dieses Datum in den Blick nimmt und die Linien zwischen 1914 – 1939 – 2014 aufzeichnen will. Es wird Artikel hier im Elsternest dazu geben, versprochen!

Odile Kennel schreibt neben Prosa auch Lyrik. Wir werden Gelegenheit haben, ihre lyrische Seite am 13. März im Schriftstellerhaus kennen zu lernen.