Die ganze Welt auf einer kleinen Bühne bei Loretta

19.07.2016 at 23:30
Auf der Bühne des Alimentari Loretta: Petra Hilser und Nataša Rikanović!

Auf der Bühne des Alimentari Loretta: Petra Hilser und Nataša Rikanović!

 

Eine winzig kleine Bühne reicht den beiden Musikerinnen für ihr Programm. Das Alimentari von Loretta Petti in der Römerstraße 8 in Stuttgart bietet Nataša Rikanović Petra Hilser diesen kleinen Raum, um ihr Programm geografisch weiträumig aufzuspannen.

Nataša Rikanović schlüpft in viele Rollen im Alimentari Loretta

Nataša Rikanović schlüpft in viele Rollen

Petra Hilser am Akkordeon begleitet Nataša Rikanović auf ihrer musikalischen Reise nach Rumänien, Argentinien, Sizilien und zu den Völkern Osteuropas, die noch den Kehlgesang beherrschen. Unterwegs biegt Nataša Rikanović ganz spontan in die Taiga ab und besucht nebenbei die skandinavischen Länder. Dabei schlüpft sie in landesspezifische Rollen. Besonders die mafiosen Gestalten aus Sizilien, die sie auf die Bühne zaubert, beglücken das Publikum.

Es ist offensichtlich, die beiden lieben es, auf der Bühne zu stehen. Wobei Petra Hilser mit ihrem Akkordeon eher als „Sidekick“ für Nataša Rikanović erscheint. Mit „Petruschka“ wird sie von Nataša Rikanović oft von oben herab angeredet. Doch wenn Petra Hilser schalkhaft lacht, ist dem Zuschauer nicht so ganz klar, wer von den beiden Musikerinnen die Fäden in der Hand hält. Ein in einer Decke eingewickeltes Gewehr hält Nataša Rikanović drohend als sizilianischer Mafiosi in den Händen, um gleich darauf ein wunderbares süditalienisches Volkslied zum Besten zu geben. Dann wieder schlüpft sie in die Rolle einer Argentinierin, die von ihrer Liebschaft mit einem leidenschaftlichen Tangotänzer berichtet. Sie gibt sich als Neffe von Astor Piazzolla aus und am Ende schwinden dem Publikum die Sinne von all den Rollenwechseln, die die beiden Musikerinnen auf der Minibühne von Loretta vollführen.

Petra Hilser im Alimentari Loretta

Petra Hilser

Nach einer Pause, in der der Nachtisch von Loretta und ihren Frauen serviert wird (diesmal Salbei-Eis, eine Delicatesse!), kehren die beiden Musikerinnen auf die Bühne zurück und grüßen das gerade frisch eingetroffene Bier eines Gastes mit den Worten: „Da kommt noch ein Bier“. Eine bulgarische Hochzeit wird gefeiert und nahtlos geht es von den Bulgaren über Ungarn in die Pusta. Mit gestrickten roten und grünen Mützen auf den Köpfen entführen sie die Zuhörerinnen und Zuhörer zu Onkel Janosch in die finnische Taiga. Eine Hütte wird zum Familienschloss, in dem überschwänglich mit Obertongesang gefeiert wird.

Am Ende des Abends „zwingt“ ein tosender Applaus Petra Hilser und Nataša Rikanović zur Zugabe. Lange noch diskutieren die Gäste bei einem Espresso die Darbietung der beiden Künstlerinnen.

Bei Loretta „Jazzen und Schmazzen“

09.07.2016 at 16:28
Martin Wiedmann, Markus Bodenseh und Roland Weber jazzen bei Loretta

Martin Wiedmann, Markus Bodenseh und Roland Weber jazzen bei Loretta

 

Biegt man von der Tübinger Straße, vom Marienplatz kommend, rechts in die Römerstraße ein, sieht man nach ein paar Metern ein angerostetes Ladenschild: „Alimentari da Loretta“. Nun ist die Gegend um den Marienplatz kein Nobelviertel und man denkt sich nicht viel bei dem Anblick des in die Jahre gekommenen Schildes. Tritt man jedoch in der Römerstraße 8 bei Loretta über die Schwelle, fühlt man sich in ein kleines Restaurant irgendwo in der Toskana versetzt und gleich wird man hineingezogen in eine verträumte Welt. Die Fassade verdeckt einen Kleinod, dessen Entdeckung sich lohnt. Loretta Petti, eine freundliche, resolute Köchin, die in ihrem Laden nicht nur erstklassige italienische Speisen zubereitet sondern Kultur als Geschmacksverstärker geschickt einsetzt. Am 8.7.2016 standen im Alimentari da Loretta zum 49. Mal drei Jazzmusiker auf der Bühne und unterhielten nach dem wohlschmeckenden Essen die Gäste mit Jazzstandarts. Loretta bietet an ihren Abenden neben der Musik auch Lesungen, Rezitationen manchmal auch Vorträge und Diskussionen zu speziellen Themen.

Im Speiseraum von Loretta schweben Düfte und Klänge

In den kleinen Speiseraum von Loretta entsandte die halbakustische Fendergitarre von Martin Wiedmann einen warmen, runden Ton, dessen Wärme er dem wunderbaren Röhrenverstärker „Mesa Boogi“ zu verdanken hat. Markus Bodenseh am Kontrabass bildete das rhythmische Fundament, auf dem sich Roland Weber am Vibraphon und Martin Wiedemann sicher bewegen konnten.

Es wippten die Füße der Gäste, der Swing ging in die Beine, als das Trio bei sommerlichen Temperaturen ein Potbourri aus Samba-Rhythmen den Abend einläutete. Wie eine angedeutete Phrase huschte das Girl von Ipanema immer wieder durch den Sommersamba. Das Trio nahm sich mit viel Spielfreude neben Jazz-Standards auch seltener gehörten Stücken an, auch Musik eines längst vergessenen Films oder Musicals. Kurz vor Ende des ersten Sets kam der Überraschungsgast auf die Bühne. An diesem Abend war es der Stuttgarter Saxophonist Jürgen Bothner. (Über seinen druckvollen Bigband-Sound mit der Band des Helene-Lange-Gymnasiums habe ich hier berichtet.)

Das Dolce von Loretta: raffiniert!

In der Pause versorgte Loretta ihre Gäste mit Dolce: Eissorbet. Die rote Kugel ist kein Himbeereis sondern hergestellt aus Blutorangen. Die weiße Kugel ist Parmesaneis. An der Seite der beiden Kugeln frittierte Früchte, alles auf eine Spur Honig drapiert. Es sind die einfachen Gerichte, die, wenn sie mit Liebe zum Detail hergestellt sind, nicht nur satt machen sondern glücklich.

Der Nachtisch ist gegessen und im zweiten Set spielten die drei Musiker, unterstützt von dem Gast-Saxophonisten, Jazzoriginals und abwechslungsreich bearbeitete Standards. Straight ahead Jazz eben. Mit schwebenden Vibraphonklängen und virtuosen Gitarrensoli auf gut gebautem Bassfundament, wie im ersten Teil. Eine Verbindung zur Fußballeuropameisterschaft wurde hergestellt, als Roland Weber ein Potbourri einer bekannten Popgruppe ankündigte, die bei ihren ersten Auftritten ähnliche Frisuren wie der Bundestrainer Jogi Löw trugen. Nach wenigen Takten war klar, um wen es sich handelte: Die Beatles.

Die Veranstaltung Jazzen und Schmazzen findet normalerweise einmal im Monat donnerstags statt. Aufgrund des Halbfinales hatte Loretta kurzfristig die angemeldeten Gäste über die Verschiebung informiert. Informationen zu den Kultur- und Genuss-Veranstaltungen von Loretta gibt es auf ihrem Blog.

Liebste(r) Marie(enplatz)

02.10.2013 at 13:55

marienplatzEine Liebe aus der Jugendzeit verbindet mich mit Marie, genauer Eva-Marie. Damals nicht erwidert, schenkt mir heute der Platz seine Zuneigung.

In Stuttgart entwickelt sich der Marienplatz immer mehr zu einem Anziehungspunkt für Nachtschwärmer und Erlebnishungrige. Apropos Hunger:

Folkmusik von den Inseln

22.09.2013 at 14:44

galao01Von tiefer Melancholie geprägt ist die Musik der vier Jungs von den Färöer-Inseln. Zu erleben letzten Samstag im Café Galào. Knapp 50.000 Menschen leben auf diesen Dänischen Inseln, viele leben vom Fischfang, manche wie die Musiker um den Gitarristen Marius Ziska von der Musik. Ihre Musik schwebt, immer am emotionalen Abgrund entlang. Mir gefällt’s. Und dem Publikum im Galào offensichtlich auch, das Café war brechend voll und die Band kam erst nach einigen Zugaben von der Bühne.