Vers trifft Pinsel

09.07.2017 at 23:23
Moritz Heger

Dichter unter Dichterinnen

 

Am 7. Juli 2017 eröffneten die beiden Künstler Moritz Heger und Christian Lang ihre Ausstellung mit Gedichten und Tuschezeichnungen im Schriftstellerhaus in der Kanalstraße.

Die beiden kennen sich vom Heidehofgymnasium, an dem sie als Lehrer arbeiten. Beide sind ungefähr gleich alt, Moritz Heger ist Jahrgang 1971, Christan Lang Jahrgang 1972. Kollegial arbeiten die beiden auch an diesem Abend zusammen. Während Moritz Heger seine Gedichte vorträgt, projiziert Christian Lang seine – die Gedichte illustrierenden – Zeichnungen an die Wand. Zwei Künste stehen in Beziehung. Es wird deutlich, die Texte von Moritz Heger sind für Christian Lang ein Sprungbrett, um sich auf seine ganz spezielle Art mit dem Gedicht auseinander zu setzen. Dazu bedient er sich der Technik der chinesischen Reibetusche. Zur Illustration dieser These sei das Gedicht Die Rückenschwimmerin sieht den Himmel zitiert:

Stumm auf der letzten halben Bahn
bloß fünfundzwanzig Meter
von der Zeitnahme ließt du
die Schaufelarme sinken

Die Stopuhr los der Strömung
überantwortet glänzt dein Nabel
leicht treibst du Schaumgeburt
als wärs das Tote Meer

Deine Zeit mein Silberfisch
wies auf Weltrecord
die Besten jung die Beeiltesten
sterben just in time

Christian Lang mit Schwimmerin

Christian Lang mit Schwimmerin

 

Die knapp 20 Zuhörerrinnen und Zuhörer leiden unter dem heißen Wetter an diesem Abend. Es sind zum großen Teil Freunde und Kollegen, die den Weg an diesem Juliabend ins Schriftstellerhaus gefunden haben. Die wenigen Regentropfen, die fallen, lassen eher aufatmen, als dass sie ihnen die Laune verderben. Mit einem Glas Wein in der Hand und ein paar Knabbereien werden die gehörten Texte diskutiert.

Der Gedichtband Lichtgrau von Moritz Heger
mit Zeichnungen von Christian Lang ist in der Edition Kanalstraße 4 erschienen.

43 Seiten, Preis 12 €
zu erwerben im Schriftstellerhaus

Drei Frauen – drei starke Stimmen

21.05.2017 at 11:52
Drei Frauen: Claudia Michelsen vor den großen Frauen Else Lasker-Schüler, Bettina von Arnim und Erika Mann

Karoline Eichhorn, Gesine Cukrowski und Claudia Michelsen vor den großen Frauen Else Lasker-Schüler, Bettina von Arnim und Erika Mann

 

Das Projekt Drei Frauen aus Deutschland stellte die Schriftstellerinnen Bettina von Arnim, Else Lasker-Schüler und Erika Mann am 19. Mai 2017 im Theaterhaus in den Mittelpunkt. Es sind die Schauspielerinnen Claudia Michelsen, Gesine Cukrowski und Karoline Eichhorn die diese bedeutenden Schriftstellerinnen aus dem Randfigurendasein einer von Männern beherrschten Welt herausholten. Die Schauspielerinnen erzählten zweihundertjährige Geschichte über die Biografien dieser drei spannenden Frauen.

Bettina von Arnim, die am 4. April 1785 in Frankfurt am Main als Bettina Brentano zur Welt kam, provozierte das bürgerliche und aristokratische Establishment bis zu ihrem Tod am 20. Januar 1859 mit ihren liberalen Gedanken. Ähnlich provozierend waren die Auftritte der großen Lyrikerin Else Lasker-Schüler (1869 – 1945). Und Erika Mann entwickelte sich im Laufe ihres Lebens von einer vergnügungssüchtigen Bohemienne zu einer politisch denkenden, engagierten Frau.

Diese drei Frauen waren lange vor der Frauenbewegung Streiterinnen für ein selbstbestimmtes Leben

Diese drei Frauen waren Vorreiterinnen für ein selbstbestimmtes Leben – ironischerweise: nicht nur für Frauen. Denn wie sagte schon Bettina von Arnim: „Selbstdenken ist der höchste Mut. Wer wagt, selbst zu denken, der wird auch selbst handeln, und wer nicht selbst denkt, nicht aufs freie, uferlose Meer steuert mit seinem Geist, der wird die Gottheit nicht selbst erreichen. Handeln ist Selbstsein. Denn wir bauen selbst den Himmel, sonst kommt er nicht zur Welt.“

Ein schlichtes Bühnenbild lässt das gesprochene Wort erstrahlen

Das schlichte Bühnenbild dieser literarischen Revue zeigt die Portraits auf durchschimmernden Stoff überlebensgroß. Die Schauspielerinnen konnten dahinter sitzend biografische Details der jeweiligen Schriftstellerin lesen. Dann wieder traten sie ins Rampenlicht vor die Portraits und lasen aus den Werken der Frauen, die ihre Zeit mit wachen Augen beobachtet und mitgestaltet haben. Leidenschaftlich gelebte Leben, ineinander verwoben. Claudia Michelsen, Gesine Cukrowski und Karoline Eichhorn liehen den drei Schriftstellerinnen ihre Stimmen und gaben ihnen damit eine Stimme.

Wolf Biermann stellt seine Biografie im Hospitalhof vor

16.05.2017 at 14:16
Wolf Biermann

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In der Reihe „Köpfe der Zeit“ war Wolf Biermann am Sonntag, 14. Mai 2017 im Hospitalhof. Das Literaturhaus Stuttgart richtet diese Veranstaltung im großen Saal aus und dieser war bis auf den letzten Platz besetzt, um dem begnadeten Liedermacher zuzuhören.

Dem Moderator Wieland Backes fällt es an diesem sonnigen Sonntagvormittag sichtlich schwer, das Gespräch mit dem „Erzähler“ Wolf Biermann in durch Moderation eingehegten Bahnen zu halten. Wolf Biermann ist nicht zu bremsen, wenn es darum geht, Geschichten aus seinem schillernden Leben zu erzählen. Sein Ziehsohn Manuel übernimmt die Lesung aus der Biermanns Autobiografie, die der achtzigjährige gerade unter dem Titel Warte nicht auf bessere Zeiten! vorgelegt hat. Die Mutter von Manuel, Brigitte Soubeyran, siedelte mit Manuel als Baby 1958 aus Frankreich in die DDR über, aus politischer Überzeugung und weil es in der DDR aus ihrer Sicht das bessere Theater gab. Am Berliner Ensemble (BE) traf sie einen jungen Regieassistenten. Das war Wolf Biermann. Sie wurden ein Liebespaar, aber auch ein Theaterkunstpaar. 1961 gründeten sie zusammen das Berliner Arbeiter- und Studententheater, das heute noch als Studiotheater der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ bekannt ist. Zu der Zeit war Wolf noch nicht der Biermann. Sie hat ihn zum Liedermachen und Singen ermuntert und auch seinen Bart kreiert, weil sie wollte, dass er ein bisschen so aussieht wie der französische Chansonnier Georges Brassens. Den Bart trägt er heute noch, wenn dieser auch ergraut ist.

Wolf Biermann eine Symbolfigur aus dem zweigeteilten Deutschland

Wolf Biermann zählt zu den großen Symbolfiguren aus der Zeit des zweigeteilten Deutschland. Seine Lieder wurden im Westen zu Hymnen, im Osten waren sie untersagt, ihr Schöpfer wurde mit Auftrittsverboten belegt. Nach einer Konzerttour in den Westen verweigerte ihm das DDR-Regime 1976 die Wiedereinreise.

Aber an diesem Morgen beginnt er mit seiner Zeitreise durch sein bewegtes Leben als kleiner Knirps in Hamburg. Nur von seiner kommunistischen Mutter aufgezogen. Sein Vater saß im Lager, den er dort besuchte und den die Faschisten ermordeten. Sein Ziehsohn liest von dem Feuersturm über Hamburg, den Biermann als Junge erlebte. Er wuchs mit dem Auftrag auf, die Menschheit zu retten, seinen Vater zu rächen und nebenbei den Kommunismus aufzubauen. Und weil er seiner Mutter diesen kleinen Gefallen tun wollte, ging er eben mit sechzehn Jahren 1953 nach Osten und wurde ein DDR-Bürger. Und noch heute meint er darüber, das es das Beste war, was er in seinem ganzen Leben gemacht hat. „Ich musste die Lektion lernen, im Vaterland aller Werktätigen, im Arbeiter- und Bauernparadies wirklich zu leben, und nicht nur als Revolutionstourist mal eben vorbeischnuppern. Und wenn ich das nicht gemacht hätte, wäre ich ja gar nicht der Biermann geworden.“

Schon in der Schule ein Widerspruchsgeist

Wie es ihm dort erging, erfahren wir wieder durch einen kleinen Textauszug: Einige evangelische Jugendliche an seiner Schule in Gadebusch bei Schwerin sollen der „Neuen Gemeinde“ abschwören und er erlebt, wie ein junges Mädchen standhaft für ihren Glauben eintritt. Dieser Widerspruchsgeist, dieser aufrechte Gang, hat ihm sehr imponiert.

In Berlin studierte er zuerst Politische Ökonomie an der Humboldt-Universität (auf Anraten seiner Mutter, die meinte, die Regierung in der DDR bräuchte hier kluge Köpfe). Dieses Studium brach er jedoch ab, um als Regieassistent am Berliner Ensemble tätig zu sein. Danach studierte er bis 1963 an der Humboldt-Universität Philosophie und Mathematik.

Sein Weg als Lyriker und Sänger

Wolf Biermann begann Gedichte und Lieder zu schreiben. 1961 gründete er in Ost-Berlin das Berliner Arbeiter-Theater. Seine Inszenierung des Stückes Berliner Brautgang, wurde verboten, das Thema Mauerbau war zu brisant und noch vor der Premiere 1963 musste das Theater geschlossen werden. Seit dieser Zeit stand er immerzu unter Beobachtung der STASI. Wie die ihn überwachten, beschreibt er in eindrucksvollen Bildern.

1976 wird Biermann von der IG Metall zu einer Konzertreise in die Bundesrepublik Deutschland eingeladen, wofür ihm die Behörden der DDR eine Reisegenehmigung erteilten. Dieses Konzert diente dem Politbüro der SED als Vorwand für die Ausbürgerung „wegen grober Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten“. Eine breite Solidaritätskampagne setzte daraufhin für ihn ein. Viele, auch prominente Personen, in Ost und West protestierten gegen Biermanns Ausbürgerung. Zwölf namhafte DDR-Schriftsteller, unterzeichneten einen von Stephan Hermlin initiierten offenen Brief an die DDR-Führung, in dem sie an diese appellierten, die Ausbürgerung Biermanns zurückzunehmen. Es half nichts.

Wolf Biermann bricht spät mit dem Kommunismus

Sein Bruch mit dem Kommunismus kam jedoch erst viele später. Er wollte die Idee, für die sein Vater und so viele Genossen in den Tod gegangen sind, nicht verraten. Erst die Begegnung mit dem Schriftsteller, Sozialpsychologen und Philosophen Manès Sperber in Paris, brachte ihn zu dem Schritt mit dem Kommunismus zu brechen. Sperber hatte ihm „wie ein guter Zahnarzt mit Betäubungsspritze den kommunistischen Backenzahn gezogen, der schon vergammelt war“, wie Biermann beschreibt. „Er hat mich ermutigt, den Bruch zu wagen, ohne meinen toten Vater zu ermorden. Endlich begriff ich im Herzen, was ich im Kopf schon wusste.“

Was ist für Wolf Biermann an die Stelle der kommunistischen Idee getreten, fragt man sich und es scheint diese „hoffnungslose Hoffnung auf die Vernunft des Menschen“ zu sein, lautet seine Antwort. Sein Leben fasst er zum Schluss in dem Gedicht Bilanzballade im achtzigsten Jahr aus seinem neuen Band Im Bernstein der Balladen: Lieder und Gedichte zusammen. Damit schließt sich der Kreis zu seinem Gedicht „An die alten Genossen“, mit dem er die Funktionäre der SED in der Ost-Berliner Akademie der Künste am 11. Dezember 1962 aufgebracht hatte. (Einspielung siehe hier.)

Warte nicht auf bessere Zeiten!
Die Autobiografie

576 Seiten, geb. mit Schutzumschlag
Propyläen Verlag, Preis 28,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Max Goldt mit neuen Texten im Merlin

29.04.2017 at 10:25
Max Goldt im Merlin

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Es ist immer ein Genuss, Max Goldt bei einer Lesung zu erleben, auch am 23. April 2017 im Kulturzentrum Merlin. Nur ein Mikrofon  und eine große Karaffe mit Wasser. Mehr braucht dieser Wortminimalist nicht, um bei seiner Lesung Funken aus seinen Texten zu schlagen.  Er beherrscht die Kunst der absichtsvollen Ab- und Ausschweifung, das lässige Lustwandeln von Pontius zu Pilatus wie kaum ein anderer. Gerade hat er den Sammelband Lippen abwischen und lächeln – Die prachtvollsten Texte 2003 bis 2014 im Rowohlt Verlag veröffentlicht aus dem er liest. Doch er greift auch auf einige ältere Texte zurück. Seine kurzen Prosaminiaturen sind voller Witz und Humor und beschreiben Alltagssituationen aufs trefflichste.

Max Goldt legt nach etwa einer Stunde eine Pause ein. Damit die Zuhörer sehen, dass sie sich anschließend im zweiten Teil der Lesung befinden, weist Max Goldt darauf hin, dass er nun mit Brille liest. Der Qualität der Texte tut das keinen Abbruch.

Verneigung vor Christoph Lippelt

18.12.2016 at 12:05

 

Christoph Lippelt Gedächtnislesung

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Kolleginnen und Kollegen aus dem Schriftstellerhaus verneigten sich am 13. Dezember 2016 im Schriftstellerhaus vor Christoph Lippelt mit einer Gedenklesung.

Vieles erinnert bei dieser Lesung an den Abend vor 2 Jahren, als Christoph Lippelt seinen letzten Roman im Schriftstellerhaus vorstellte. Damals wie heute ist der kleine Saal des Schriftstellerhauses bis auf den letzten Platz besetzt. Von schwerer Krankheit gezeichnet, fehlte Christoph Lippelt bereits die Kraft, eine lange Lesung zu bestreiten. Kurz nach der Lesung im Dezember 2014 verstarb der geschätzte Autor. Seine Weggefährten aus dem Schriftstellerhaus lesen, wie vor zwei Jahren Passagen aus seinen Werken und erinnern an ihn. Ein Bild über den Lesenden zeigt den letzten öffentlichen Auftritt von Christoph Lippelt. Wiewohl absehbar, hat uns sein Tod erschüttert. Carmen Kortaski erinnert sich an die letzten Worte, die Christoph an sie richtete. Er war fest davon überzeugt, dass trotz der Anfeindungen der Menschen untereinander und des gegenseitigen aufeinander Einschlagens, vier Dinge Bestand haben werden: „Liebe, Kunst, Religion und Natur, das bleibt!“

So beginnt Carmen Kotarski auch die Lesung mit einem Langgedicht, das Christoph Lippelt, der Hautarzt und Christ, als Dankesrede 1983 anlässlich der Verleihung des Literaturpreises der Bundesärztekammer hielt. Es ist ein sehr politisches Gedicht in dem aber auch sein christlicher Glaube durchschimmert. Er, der Hautarzt, schreibt angesichts militärischer Bedrohungen, das wir dünnhäutiger werden müssten, nicht dickfellig. Es war die Zeit, als der NATO-Doppelbeschluss um die Stationierung der Pershing II Raketen und die damit einhergehenden atomare Hochrüstung, die außen- und innenpolitischen Debatten bestimmten und die Menschen auf die Straßen gingen.

Rainer Wochele liest an diesem Abend aus dem ersten Kapitel des 2008 erschienen Romans Engelsbühl. Die auf dem Buchumschlag abgebildeten Papageien erinnern ihn immer an die Gelbkopfamazonen, die er beim Schreiben in seiner Schriftstellerklause in Bad Cannstatt hört. In dieser Passage kommt die Bildkraft der Sprache Christoph Lippelts gut zum Ausdruck.

Usch Pfaffinger, langjährige Geschäftsführerin des Schriftstellerhauses, verantwortete lange Zeit die Herausgabe der Anthologien des Hauses. Für die Ausgabe zum zwanzigjährigen Jubiläum hat sie Texte von Christoph Lippelt aufgenommen und sie liest einen Text von ihm aus dieser Anthologie. Sie erinnert sich gut, wie sie mit ihm vor der Veröffentlichung darüber diskutierte.

Eleonore Lindemann hat in ihrer Zeit als Sekretärin von Thaddäus Troll viele Schriftsteller persönlich kennen gelernt, auch Christoph Lippelt. Sie lässt es sie es sich nicht nehmen, an diesem Abend ebenfalls in die Gruppe der Lesenden einzureihen. Den Abschluss der Lesung bestreitet der Lyriker Gilbert Fels, der, wie könnte es anders sein, das lyrische Werk des Christoph Lippelt zum Gegenstand seiner Lesung macht. Ähnlich wie am Abend vor zwei Jahren, kommen Lesende und Zuhörer nach der Lesung bei einem Glas Wein ins Gespräch.

Eine Wasserglaslesung von Thommie Bayer

27.11.2016 at 11:11
Thommie Bayer auf den Stuttgarter Buchwochen

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Einer der meistgelesenen Autoren Deutschlands. Mit dieser Beschreibung Thommie Bayers eröffnet die Moderatorin vom Börsenverein im Literaturcafé der Stuttgarter Buchwochen an einem trüben Novemberabend diesen Jahres die Lesung von Thommie Bayer. Warum immer diese Superlativen? Sie erhöhen nur die Fallhöhe.

Immer von Anfang an

Thommie Bayer fängt seine Lesung dort an, wo er immer seine Lesungen anfangen lässt: Am Anfang des Buches. Seite um Seite liest er mit rauer Stimme und streicht nach dem Umblättern einer jeden Seite akkurat über die Seite. Am Ende seiner Lesung hat er 43 Seiten aus dem Buch gelesen. Diese Angabe macht die Moderatorin, so dass „faule Leser“ sich das Lesen eines Fünftel des Buches sparen können.

Es ist eine dieser berühmt-berüchtigten Wasserglaslesungen. Nur greift Thommie Bayer zwischendurch nicht zu einem Wasserglas sondern zu einem langstieligen Rotweinglas. In Esslingen geboren, lebt Thommie Bayer heute in Staufen im Breisgau. Da ist es verständlich, dass er den Rotwein dem Wasser vorzieht. Wasserlesungen ist eine Art der Literaturvermittlung, bei der ein Autor eine zeitlang liest und anschließend das Publikum mehr oder minder schlaue Fragen stellt. Exakt das passierte an diesem Abend.

Thommie Bayer gibt einen wichtigen Hinweis

In seinem neuen Roman Seltene Affären erzählt Thommie Bayer von Peter Vorden, der von Montag bis Donnerstag ein Feinschmecker-Restaurant in dem kleinen Badeort Luxeuil-les-Bains in Lothringen führt. Danach beginnt sein richtiges Leben. Denn dann zieht Vorden sich zurück in seine Wohnung in Deutschland und schreibt Kurzgeschichten. Er tut es für seinen erfolgreichen Bruder Paul, den Schriftsteller, dem er damit immer wieder aus der Klemme hilft. Paul ist sein Zwillingsbruder und hat vor vielen Jahren Anne geheiratet, die einzige Frau, die für Peter je infrage kam. Geldsorgen hat Peter Vorden nicht. Aufgrund einer Erbschaft ist Arbeit für ihn eher eine Beschäftigung denn eine Notwendigkeit.

Während seiner Abwesenheit kommt seine Putzfrau und kümmert sich um die Wohnung. Kleinste Zeichen, die sie in seiner pedantischen Ordnung hinterlässt, einerseits, andererseits sein Angebot an sie, seine Texte zu lesen, die er als Ausdruck offen liegen lässt, lassen so etwas wie ein gegenseitiges Interesse der beiden aneinander durchschimmern. Thommie Bayer verrät in der anschließenden Fragerunde, dass dieses Buch eine Fortsetzung seines Romans Weißer Zug nach Süden ist. Diesen Roman hat er aus der Sicht der Putzfrau geschildert, die bei Peter Vorden putzt, ihn aber nie zu Gesicht bekommt, ihm nur durch das Lesen seiner Kurzgeschichten näher kommt. Damit hat der Autor an diesem Abend einen wichtigen Hinweis gegeben: Lest erst „den weißen Zug“ und dann Seltene Affären

Seltene Affären
192 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Piper Verlag, Preis 18,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Als Blogger auf den Stuttgarter Buchwochen

27.11.2016 at 9:00
Gastland Norwegen auf den Stuttgarter Buchwochen

Gastland Norwegen auf den Stuttgarter Buchwochen

 

Der Börsenverein hatte Literatur-Blogger eingeladen, einen Blick hinter die Kulissen der Stuttgarter Buchwochen zu werfen. Die Elster vom Elsternest war dabei.

Blick auf die Stuttgarter Buchwochen

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Es sind die 66. Stuttgarter Buchwochen, die dieses Jahr vom 10. November bis zum 4. Dezember stattfinden. Veranstalter ist der Landesverband Baden-Württemberg des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden Württembergs.

Begonnen hatte alles mit einer Ausstellung im Nachkriegsjahr 1949. Damals war es noch eine reine Leistungsschau für Verlage. Mittlerweile sind die Buchwochen ein Fest der Kultur für die Region Stuttgart und weit darüber hinaus geworden. Die professionelle Präsentation von rund 25.000 Büchern aus etwa 330 Verlagen, Lesungen namhafter Autoren aus dem In- und Ausland sowie viele andere Veranstaltungs-Höhepunkte bilden jene gute Mischung, die jedes Jahr an die 100.000 Besucher anzieht. Innerhalb von wenigen Tagen baute das Team des Landesverbandes Baden-Württemberg des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels die von den Verlagen in vielen Kisten angelieferten Bücher in ansprechenden Buchständern auf.

Diverse Sonderausstellungen im Rahmen der Buchwochen komplettieren die Ausstellung:

  • Kaufkalender 2017
  • Die schönsten deutschen Bücher
  • Graphic Novels, Comics & Mangas
  • Ihre Buchhändler empfehlen

Besonderes Glanzlicht jedes Jahr ist die Präsentation eines Gastlandes. Dieses Jahr ist es Norwegen, das allein mit 600 Titeln vertreten ist. In diesem Jahr hat den gestalterischen Rahmen eine Werbeagentur übernommen, die den Buchwochen ein ansprechendes, einheitliches Aussehen verliehen hat.

Im Anschluss an den Rundgang und den Einblick hinter die Kulissen las die Autorin Julia Zange aus ihrem neuen Roman Realistätsgewitter exklusiv für die Blogger.

Heinrich Steinfests Spatz ist ein träumender

26.11.2016 at 18:55
Heinrich Steinfest in der Stadtbibliothek Bad Cannstatt

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Heinrich Steinfest ins Elsternest zu tragen ist ein ähnliches Unterfangen, wie Eulen nach Athen zu tragen. Das Team der Stadtbibliothek in Bad Cannstatt hat es am 24. November 2016 gemacht und es ihm auf charmante Art gelungen. In Bad Cannstatt war er zu Gast, las aus seinem neuesten Roman: Das Leben und Sterben der Flugzeuge, der bereits auf die Shortlist für den Bayerischen Buchpreis 2016 gekommen ist.

Heinrich Steinfest wurde 1961 in Albury /Australien geboren. Aufgewachsen in Wien kam er in den neunziger Jahren nach Stuttgart, wo er heute als Autor und bildender Künstler lebt. Er erfand den einarmigen Detektiv Cheng. Heinrich Steinfest wurde mehrfach mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. Sein Roman Der Allesforscher schaffte es sogar auf die renommierte Shortlist des Deutschen Buchpreises. Im Jahr 2010 erhielt er den Heimito von Doderer-Literaturpreis. Nicht abschließend geklärt werden konnte an diesem Abend in der Stadtteilbibliothek Stuttgart Bad Cannstatt die Frage, wie viele Romane und Erzählungen sein Œuvre umfasst, 23 oder 25.

Heinrich Steinfest hat sein äußeres Erscheinungsbild verändert. Nach wie vor tritt er elegant-gepflegt, ganz in schwarz gekleidet, mit Anzug und Polohemd auf, aber sein Gesicht umrahmt seit neuestem ein Vollbart. Unverändert ist seine Fabulierkunst und sein Hang zu philosophischen Betrachtungen in seiner Geschichte. Wer die Romane Heinrich Steinfests kennt, weiß: In seinen Welten ist alles ein Leichtes. Seine Gratwanderung zwischen Phantastischem und Realität gerät ihm auch diesmal wieder zu einem hochliterarischen Drahtseilakt. Schon nach wenigen Minuten gelingt Heinrich Steinfest das Meisterstück, uns in eine Welt zu entführen, in der man keine Sekunde daran zweifelt, dass alles auch wirklich passiert.

Der komplizierte Plot von Heinrich Steinfest lebendig erzählt

In groben Zügen skizziert er den Plot seines neuen Romans: Der Spatz Quimp lebt im Pariser Bahnhof Montparnasse und ernährt sich von den Krümeln der Reisenden. Tatsächlich gab es für Heinrich Steinfest eine solche Begebenheit in Paris, die den Anfang seines Romanprojektes evozierte. Immer wieder sind philosophischen Betrachtungen des Spatzes eingeflochten, der lieber Fast-Food-Reste isst, als selber zu jagen und zu töten. Er wird mit seiner eigenen Unfähigkeit, sich artgerecht zu ernähren, konfrontiert, er versinkt in trotziger Scham, als er es versucht und versagt. Ein folgenschwerer Zusammenstoß mit einem explodierenden Sperling, schickt ihn auf eine geheime Mission nach Wien. Dort soll er einen uralten Sperling aufsuchen, den legendären Pinesits. Heinrich Steinfest kappt die Grenzen jenseits der Vorstellungen des Zuhörers. Es ist eine bizarre Welt, in die er uns eintauchen lässt. Jedoch verlässt er diese Welt immer wieder an diesem Leseabend, um aus seiner realen Welt zu erzählen, wie er beim Schreiben auf die Vögel vor seinem Fenster aufmerksam geworden ist und wie er sie gefüttert hat. Mit Bionüssen, das sei doch klar, er würde sich doch auch gesund ernähren. Im Gegensatz zu den Spatzen vor seinem Fenster ist Quimp aber keineswegs ein normaler Vogel. Wenn er träumt, verwandelt er sich in einen Kommissar, Blind mit Namen, der in dem Roman den vermeintlichen Unfalltod einer jungen Frau aufklären muss. Blind seinerseits träumt, er sei ein Vogel, der Spatz Quimp. So erschafft Steinfest zwei Ich-Erzählstimmen, die er miteinander verschränkt.

Heinrich Steinfest manipuliert die „bekannte“ Realität

Steinfest geht unabhängig von seinem alles überstrahlenden Humor durchaus ernst an seinen Weltentwurf heran. Mit seinem sympathischen wienerisch gefärbten Sprachstiel verrät Heinrich Steinfest, dass die Realität nur bedingt greift, das Träume höheres Gewicht erhalten können als nackte Fakten. Er klärt uns Zuhörer auf, dass beide Hauptdarsteller, die eigentlich nur einer sind, je auf ihre Weise die Dinge ganz anders angehen und dennoch zu ihrem Ziel gelangen werden. Die Welten sind verschränkt, durchdringen einander. Dabei achtetet Steinfest darauf, dass seine phantasierte Welt eine in sich schlüssige bleibt. Er bezeichnet die doppelte Struktur seines Romans, in dem das Fantastische und das Gewöhnliche untrennbar miteinander verwoben sind, als Spiel zweier Leben. Und immer hat man als Zuhörer an diesem Abend das Gefühl, dass Steinfest seinem „Personal“ liebevoll zugewandt ist.

Wegen seiner ungebremsten Fabulierkunst und seinen bildkräftigen Formulierungen kann man Heinrich Steinfest durchaus mit dem großen amerikanischen Autor John Irving vergleichen. Der hielt sich durch Ringen fit, Steinfest hat in seiner Küche ein Laufband aufgestellt, auf dem er sich schon in der Frühe des herannahenden Tages ertüchtigt und den Vögeln zuschaut.

Ein gastlicher Ort für eine gelungene Lesung

Als perfekte Gastgeber erweist sich das Team der Stadtteilbibliothek Bad Cannstatt als es dem Autor zum Abschluss ein Geschenk überreicht: Ein aufgeblättertes Buch, auf eine stabile Unterlage aufgeklebt. Darin kann er seine vielen neuen Ideen sammeln, die er auf Zettel aufgeschrieben hat. Heinrich Steinfest schaut überrascht bei der Überreichung des Geschenkes. So aufmerksam wurde er wohl noch nicht bei einer Lesung beschenkt. Aber auch für ihn gilt es an diesem Abend, eine neue Welt zu entdecken. Eine, die ihm wohlgesonnen ist, in der nicht geheime Mächte miteinander kämpfen: die der Stadtteilbibliothek in Bad Cannstatt.

Das Leben und Sterben der Flugzeuge
608 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit Zeichnungen des Autors
Piper Verlag, Preis 25,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens, die in Bad Cannstatt die Buchhandlung „Wagner“ in der Marktstraße 34 sein könnte

Ein Strauß voller Texte

17.07.2016 at 15:18
Schreibwerkstatt von Simone Regina Adams - Lesung

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Das Schriftstellerhaus Stuttgart hat in Zusammenarbeit seiner ehemaligen Stipendiatin und Autorin Simone Regina Adams eine fortlaufende Schreibwerkstatt aus der Taufe gehoben. Während des Kurses sind unterschiedliche Werke entstanden. Einmal im Jahr stellen die Mitglieder der Schreibwerkstatt ihre Texte der Öffentlichkeit vor. Am 12. Juli war es wieder so weit, das kleine Haus in der Kanalstraße 4 war bis auf den letzten Platz besetzt. Was ist im letzten Jahr entstanden?

Brigitte Liebe beginnt den Abend mit einem Auszug aus ihrem Romanprojekt. Er ist in den fünfziger Jahren angesiedet und berichtet von einer sich anbahnenden Ehe, aus einer, wie man heute sagen würde, Long Distance Relationship.

Romanauszüge und Kurzgeschichten aus der Schreibwerkstatt

Ursula Gangl lässt in ihrer Kurzgeschichte „Begegnung“ im Gegensatz dazu den kurzen Moment einer Begegnung zwischen einer Frau und einem Vogel aufscheinen. Eine Frau im Bahnhofscafé beobachtet einen Spatz, der sich frech an ihren Kuchenteller setzt. Ob die Autorin nur sporadisch Bahn fährt? Sonst hätte sie nicht die Pointe der Geschichte schreiben können, dass die Icherzählerin zum ICE hetzt aber die Tür, nachdem sie verschlossen ist, noch öffnen kann. Ich war schon öfters in einer solchen Situation und hätte mir die Zauberkraft dieser Geschichte gewünscht.

David Paulitschek beweist mit seiner Kurzgeschichte, dass Humor immer gut ist bei einer Textlesung. Sein spritziger Text funktioniert wunderbar im mündlichen Vortrag. Auch zeigt sich an seinem Text, die Zuhörer werden eher mitgenommen bei einer abgeschlossenen Geschichte denn bei einem Romanausschnitt, wie ihn auch Ingrid Reinhard präsentiert.

Tobias Niethammer liest allerdings auch einen Romanausschnitt. Er ist auf die Zielgruppe der jugendlichen Leser ausgerichtet. Und was Tobias Niethammer an diesem Abend präsentiert ist überlegt und gut formuliert und zieht den Zuhörer sofort in die Geschichte hinein. Das mag auch daran liegen, dass der gelesene Ausschnitt mit wenig Personen auskommt und aus der Ich-Perspektive des jugendlichen Protagonisten gelesen ist. Der Zuhörer gerät dadurch nicht in Verwirrung, wie es passiert, wenn viele Personen in dem zu lesenden Romanausschnitt auftauchen, deren Rollen sich erst im Gesamttext erschließen.

Brigitte Maria Jacob liest über einen Küchenschrank, der dem Abend auch seinen Titel gegeben hat: Ich bin 45 Jahre alt und fürchte mich vor meinem Küchenschrank. Darin beschwört sie die Geister des Schankes. Der letzte Text des Abends von Katharina Harter kommt in Form einer Reisegeschichte daher. Auch hier verzaubert der feine Humor das Publikum, ähnlich wie der Text von David Paulitschek.

Es ist zu hoffen, dass die Mitglieder der Schreibgruppe von Simone Regina Adams weiter an ihren Texten arbeiten und wir im nächsten Jahr in einer Lesung Zeugen des weiter fortschreitenden Arbeitsprozesses werden können. Da wird wieder viel zu entdecken sein, denn, so Frau Adams, es wird in der Schreibwerkstatt hart um jedes Wort gekämpft.

Ungewöhnlich: Eugen Drewermann liest

07.07.2016 at 22:06
Eugen Drewermann stellt im Hospitalhof sein aktuelles Buch vor

Eugen Drewermann spricht im Hospitalhof über Rebellen, Frevler und Heroen in antiken Mythen

 

Professor Dr. Eugen Drewermann kam auf Einladung des Hospitalhofs am 5. Juli 2016 nach Stuttgart und stellte im Vortrag sein im letzten Jahr erschienenes Buch Grenzgänger: Rebellen, Frevler und Heroen in antiken Mythen vor. Kaum ein Jahr, in dem Eugen Drewermann nicht ein neues Buch veröffentlicht. Er hat als Theologe ein umfangreiches theologisches Werk vorgelegt. Sein Beruf als Psychotherapeut ist ebenso in sein Werk eingeflossen, das er vor allem der menschlichen Sehnsucht nach Liebe und wahrer Menschlichkeit gewidmet hat. Er hat unzähligen Menschen geholfen, ihren Glauben an Gott neu zu verstehen und sich von ihrer Angst zu befreien. Er ist ein ausgewiesener Kapitalismuskritiker. In diesem Jahr legte er ein zweibändiges Werk über Kapital und Christentum vor. Es gibt kaum ein Gebiet für ihn, das – wenn ihn das Thema einmal gepackt hat – er nicht bearbeitet hat. Über achtzig Titel sind bis heute von ihm erschienen.

Eugen Drewermann sprengt den Zeitrahmen

Pfarrerin Monika Renninger, Leiterin des Evangelischen Bildungszentrums, kündigte den ZuhörerInnen im gut gefüllten großen Saal des Hospitalhofes an, dass Eugen Drewermann ca. eine Stunde referieren wolle und dann nach einer Pause eine Aussprache stattfinden solle. Den skizzierten Rahmen sprengte Eugen Drewermann mit seinem Vortrag, den er, wie üblich, völlig frei hielt. Ohne Manuskript redete er mehr als eineinhalb Stunden. Er führte in die komplexe Götterwelt ein, rezitierte Hölderlin und schlug immer wieder einen Bogen zu aktuellen politischen Zuständen. Wenn er den Krieg und die Raffgier des kapitalistischen Systems anprangert, wurde aus ihm ein anklagender Intellektueller. Ein sehr seltener Moment in seinen Vorträgen: im Hospitalhof griff er zum Schluss zu seinem Buch und las daraus ein kurze Passage vor.

Die Rebellen der griechischen Antike

Er erläuterte in seinem Vortrag das Schicksal der Rebellen: Sisyphos, Tantalos, Damokles und andere rebellische Heldinnen und Helden der griechischen Sagen. Sie bestrafen die Götter grausam in der Unterwelt. Diese Sagen des klassischen Altertums mit ihren rachsüchtigen Göttern prägen die Vorstellungen vieler Menschen bis heute, erläuterte Drewermann. „Wir sind die Guten, und das sind die Bösen.“ Wenn es dabei bleibt, ist die Spaltung perfekt. „Diese verstehen nur die Sprache der Gewalt“. Also bleibt auch uns selbst, wie dem griechischen Zeus, einzig der Griff zur Waffe, als äußerste Maßnahme der Vernunft, die, natürlich, wir selber repräsentieren. Es heißt, stark zu sein und dem Recht, der Moral und der Menschlichkeit notfalls mit allen zu Gebote stehenden militärischen Mitteln zur Durchsetzung zu verhelfen. Die USA haben im Nahen Osten in ihren Kriegen 2 Millionen Tote hinterlassen (die Islamisten etwa 10.000).

Eugen Drewermann vermittelt das versöhnliche Christentum

Dagegen vermittelt das Christentum ein heilsames Gegenbild. Denn der Gott Jesu ist wie ein barmherziger Vater, er verlockt zur Freiheit. Eugen Drewermann zeigte mit tiefenpsychologischen Mitteln, wie sich durch Vertrauen in diesen barmherzigen Gott die Angst in der menschlichen Seele überwinden lässt. In der Bergpredigt wird eine Abkehr von der Trennung von Gut und Böse das Wort geredet. Es wird unmöglich, zu Gericht zu sitzen, so endet dieses wichtige 5. Kapitel des Matthäusevangeliums.

Wenn man diesem – im klassischen Sinne – Intellektuellen zuhört, werden Zusammenhänge klar, wird deutlich, dass sich in der Geschichte der Menschheit die Verhaltensweisen seit tausenden von Jahren nicht wesentliche geändert haben. Die Religionen haben sie nur in unterschiedlichen Bildern beschrieben, die Philosophen haben sie unterschiedlich interpretiert. Eugen Drewermann schafft es immer, wieder Brücken zu bauen: zwischen der Mystik, den Religionen, den Naturwissenschaften, der politischen Analyse und der Psychologie. Es bleibt zu hoffen, dass Eugen Drewermann noch häufig im Hospitalhof zu hören sein wird.

Grenzgänger
Rebellen, Frevler und Heroen in antiken Mythen
Hardcover mit Schutzumschlag, 488 Seiten
mit zahlreichen s/w- und farbigen Abbildungen
Patmos Verlag, Preis 44,00€

zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens