Künstlerpaare: Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle

15.10.2015 at 18:31
Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle

Beate Rygiert im Gespräch mit Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle Foto: Robert Thiele

 

Die GEDOK Stuttgart startet eine neue Reihe unter dem Namen „Künstlerpaare“. Beate Rygiert wird Paare vorstellen, die künstlerisch tätig sind. Am 14. Oktober waren Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle bei ihr zu Gast.

Die Tests der Jutta Weber-Bock

Wie sie denn zum Schreiben gekommen seien, wollte Beate Rygiert zu Beginn von ihnen wissen. Schon bei dieser Frage wurden die Unterschiede der beiden Schriftsteller deutlich. Jutta Weber-Bock wollte immer schon schreiben, der Anfang wollte ihr nicht so recht gelingen, bis sie sich in einen Schreibkurs der Universität Stuttgart einschrieb und dort ihre ersten Schritte machte. Das war Anfang der achtziger Jahre. Heute leitet sie seit vielen Jahren selber diese Schreiblehrgänge im Studium Generale. Auch Wolfgang Haenle kam über das Studium Generale zum Schreiben, allerdings viele Jahre später, als er bereits in Rente gegangen war. Zwischen einigen lyrischen Zeilen in der Jugend und heutigen Gedichten liegen Welten. Er setzte sich nicht nur in Juttas Lyrikwerkstatt sondern kurze Zeit später auch in ihre Küche. Davon berichtete wiederum Jutta Weber-Bock. Sie hätte mit ihm den „Küchentest“ gemacht: Kommen sie gemeinsam in ihrer kleinen Küche zurecht? Auch den Schreibtischtest (kann man gemeinsam an einem Tisch schreiben?) hat er mit Bravour bestanden.

Der Lyriker Werner Dürrson gab den Anstoß

Den letzten Anstoß, mit dem Schreiben zu beginnen, gab der 2008 verstorbene Lyriker Werner Dürrson. Er sagte in Gespräch mit Wolfgang Haenle, er wolle sich eigentlich nur noch mit Menschen unterhalten, die selber schreiben. Das war der Auslöser für Wolfgang, nicht nur Lyrik zu lesen, sondern auch mit dem Verfassen von Gedichten zu beginnen. Mittlerweile blickt Wolfgang auf eine Reihe von Veröffentlichungen zurück: Zwei Lyrikbände hat er im Stuttgarter Schweikert-Bonn-Verlag veröffentlicht, seine Gedichte erscheinen in Zeitschriften und Anthologien.

Jutta Weber-Bock schreibt nur gelegentlich Lyrik. Sie erzählt ihre Geschichten vor allem in Kurzprosaform. In kleinen Verlagen hat sie zwei Bände mit Kurztexten veröffentlicht. Weil diese kleinen Verlage heute nicht mehr existieren, hat sie diese Texte im Schweikert-Bonn-Verlag neu herausgebracht. Dem Publikum stehen sie wieder zur Verfügung. Eine Geschichte aus diesem Band las sie in Ausschnitten vor, denn sie würde ein besonderes Licht auf die Beziehung zu ihrem Mann werfen: „Feigenküsse“. Ihre Texte sind stark autobiografisch geprägt, wie auch ihr Roman „Liebesprobe“, den sie im Demand Verlag veröffentlichte.

Unter einem Dach

Seit vielen Jahren arbeite sie an einem Romanprojekt, ein historischer Stoff, der viel Recherche erfordere. Schmunzelnd berichtete Jutta Weber-Bock, ertrüge Wolfgang ihre Wohnungsokkupation mit Textauszügen, Mindmappings und Stadtplänen. Zudem sei er ihr erster Leser. Er sieht, wo im Text Bilder fehlen. Natürlich ärgert Kritik, aber wenn sie berechtigt ist, sei sie hilfreich. Sie wiederum brächte Struktur in seine Gedichtentwürfe.

Sie haben in ihrer Wohnung nicht nur zwei Schreibtische. Jeder Tisch sei letztendlich zum Schreiben geeignet. Wolfgang Haenle braucht viele Lyrikbände um sich herum, die ihn immer wieder zu eigenen Gedichten inspirieren. Er schreibt nur mit dem Laptop. Vielleicht die einzige Verbindung zu seiner beruflichen Laufbahn, er ist ausgebildeter Maschinenbauingenieur. Was er in seinem Beruf nie so recht gehabt hat, hat er nun gefunden: die Liebe zu seinem Schaffen. Aus seinen beiden Gedichtbänden trug er in der GEDOK vor.

Ein wirklich gemeinsames Projekt haben sie am Anfang ihrer Liebebeziehung begonnen. Über acht Wochen hinweg haben sie sich E-Mails in Haiku-Form geschrieben. Über 1.100 Haiku sind dabei entstanden, die sie in ein gemeinsames Buchprojekt einbringen wollen. Einige lasen sie an diesem Abend im Wechsel vor. Musikalisch untermalt wurde die Lesung  von Daniel Oliver Bachmann, Lebenspartner von Beate Rygiert.

Jutta Weber-Bock wird am 8. November 2015 im Rahmen des Poetischen Cafés wieder in der GEDOK lesen. Schriftstellerinnen der GEDOK lesen, parallel stellen Künstlerinnen ihre Werke aus, meine Frau Tatjana Seehoff wird ihre Filzkunst präsentieren.

Ein gemischtes Doppel …

30.01.2015 at 15:05
Lyriklesung Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle

Lesung des lyrischen Paares in der alten Spinnerei in Esslingen

 

… trat in Rosens Lyrik-Salon in der Spinnerei in Esslingen am 28. Januar auf die Bühne, die mehr als einen halben Meter über den Köpfen der Zuhörer gezimmert ist. Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle trugen einzeln und gemeinsam ihre Lyrik vor.

Jutta Weber-BockDen Anfang machte Jutta Weber-Bock, die im Gespräch mit dem Moderator und Organisator des Lyrik-Salons, Andreas Roos, bereitwillig Auskunft gab über ihre diversen literarischen Tätigkeiten und ihre Publikationen. Gerade hat sie im Schweikert Verlag den Kurzgeschichtenband „Electronic Harem“ veröffentlicht, eine Wiederveröffentlichung von Geschichten vom Reisen und Lieben – Joggen und Leben.

Besonders beeindruckten mich Juttas Gedichte, inspiriert von einer Reise nach Namibia. Familiäre Wurzeln führten sie in diese ehemaligen deutschen Kolonie, ein Onkel von ihr wohnt heute noch in Namibia. Die Verwendung namibischer Sprach-Klänge gemischt mit der deutschen Sprache auf formal hohem Niveau überzeugten.

Am Ende ihrer Lesung stand die vom Moderator angekündigte Überraschung: Eine Doppellesung von Jutta und Wolfgang. Sie lasen Haiku aus den Anfängen ihrer Liebesbeziehung. Über Wochen hatte sie sich mittels Haiku ausgetauscht, sich ihrer Gefühle versichert und den „Dichterofen“ angeheizt. Diese lyrische Seelenverwandtschaft führte die beiden 2011 zum Traualtar. Heute dichten sie im Duett und geben ihre Erkenntnisse in Seminaren weiter, betreiben zusammen die Heusteigakademie. Eine eigene Web-Seite (neben den Autorenseiten) informiert über die Kurse und Angebote.

Wolfgang HaenleWolfgang Haenle begann seine Lesung mit dem Gedicht „epitaph für einen vogel greif“ aus der Anthologie „HAB DEN DER DIE DAS – Die Königin der Poesie“, die zum 90. Geburtstag von Friederike Mayröcker erschienen ist. Die Aufforderung aus Österreich, hierzu ein Gedicht einzureichen, erfüllte Wolfgang sichtlich mit Stolz. 165 DichterInnen und KünstlerInnen sind in dieser Anthologie vertreten, die in der Edition Art Science in schöner Aufmachung erschienen ist.

Dann griff er zu seinem gerade erschienen neuen Lyrikband „b.antwortet“ und las Gedichte, die überwiegend um Straßen und Orte kreisten, in denen Wolfgang gelebt hat. Seine Gedichte seien geschult an den amerikanischen Lyrikern und an den Werken des von ihm bewunderten diesjährigen Mörikepreisträges Jan Wagner, verriet er im Gespräch mit Andreas Roos. „b.antwortet“ ist der zweite Lyrikband von Wolfgang Haenle, wieder im Schweikert-Verlag erschienen, in dem er auch schon den Band „eine hand voll du“ veröffentlichte.

Electronic Harem: Erzählungen
160 Seiten, Taschenbuch
Schweikert-Bonn-Verlag, Preis 12,00 €

b.antwortet: Gedichte
136 Seiten, gebunden
Schweikert-Bonn-Verlag, Preis 17,00 €

zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens