Lust auf Kunst?

05.04.2016 at 16:37
Lust auf Kunst in der GEDOK

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Dies fragten 5 Künstlerinnen der GEDOK am 2. April während der „Langen Nacht der Museen“ ihre Besucher in der Galerie der GEDOK. Dort hatten die Textilkünstlerin Tiina Kirsi Kern, Monika Kurz-Werner (Fotografie und Druck), die Gestalterin für Schmuck und Alltagsobjekte Nicole Eitel, Bettina Kohlen (Bildhauerei und Kunstkeramik) und die Filzkünstlerin Tatjana Seehoff ihre Schätze aufgebaut. In langen Diskusionen hatten sie überlegt: Wie präsentieren wir unsere Werke? Welche Präsentation macht Lust auf den Inhalt? Wie wichtig darf sich die Präsentation nehmen ohne den Inhalt zu verdrängen? Gibt die Wertigkeit der Verpackung Aufschluss über den Wert des Inhalts? Müssen die Werke zum Betrachter kommen? Wie viele Betrachter dürfen ein Werk sehen? Ihre Antwort auf all diese Fragen packten sie in Weinkisten. Ein ganzes Raumobjekt aus diversen Holzkisten, die normalerweise edle Tropfen beherbergen, hatten die fünf Künstlerinnen zu einem Gesamt-Kunstobjekte arrangiert. Staunend näherten sich die BesucherInnen und entdeckten Schätze aus den Schaffensprozessen der Künstlerinnen.

Einblicke und Ausblicke in der GEDOK

Lose in der GEDOK

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Um einen anderen Blick auf die Kunst zu werfen, gab es für die BesucherInnen diverse „Sehhilfen“: Vom Opernglas über Prismenröhren bis hin zu Gitterblenden, die je nach Anwendung neue Einsichten und Aussichten ermöglichten. Eine besondere Annäherung an die Kunst bot die große Los-Installation. Dort konnte sich jeder eine Losrolle abschneiden und eine Skizze, einen Druck, ein Gedicht oder ein Stück Stoff mit nach Hause nehmen. Erstaunte Gesichter immer wieder bei dem Hinweis, die Lose seien kostenlos. Ein kleiner Hinweis darauf, dass sich der Wert von Kunst oft nicht in Geld ausdrücken lässt, wiewohl die Künstlerinnen mit dem Verkauf ihrer Werke ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen.

Einblicke in die Werke der Künstlerinnen finden sich auf diesen Webseiten:
Bettina Kohlen
Monika Kurz-Werner
Nicole Eitel
Tatjana Seehoff
Tiina Kirsi Kern

Künstlerpaare: Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle

15.10.2015 at 18:31
Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle

Beate Rygiert im Gespräch mit Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle Foto: Robert Thiele

 

Die GEDOK Stuttgart startet eine neue Reihe unter dem Namen „Künstlerpaare“. Beate Rygiert wird Paare vorstellen, die künstlerisch tätig sind. Am 14. Oktober waren Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle bei ihr zu Gast.

Die Tests der Jutta Weber-Bock

Wie sie denn zum Schreiben gekommen seien, wollte Beate Rygiert zu Beginn von ihnen wissen. Schon bei dieser Frage wurden die Unterschiede der beiden Schriftsteller deutlich. Jutta Weber-Bock wollte immer schon schreiben, der Anfang wollte ihr nicht so recht gelingen, bis sie sich in einen Schreibkurs der Universität Stuttgart einschrieb und dort ihre ersten Schritte machte. Das war Anfang der achtziger Jahre. Heute leitet sie seit vielen Jahren selber diese Schreiblehrgänge im Studium Generale. Auch Wolfgang Haenle kam über das Studium Generale zum Schreiben, allerdings viele Jahre später, als er bereits in Rente gegangen war. Zwischen einigen lyrischen Zeilen in der Jugend und heutigen Gedichten liegen Welten. Er setzte sich nicht nur in Juttas Lyrikwerkstatt sondern kurze Zeit später auch in ihre Küche. Davon berichtete wiederum Jutta Weber-Bock. Sie hätte mit ihm den „Küchentest“ gemacht: Kommen sie gemeinsam in ihrer kleinen Küche zurecht? Auch den Schreibtischtest (kann man gemeinsam an einem Tisch schreiben?) hat er mit Bravour bestanden.

Der Lyriker Werner Dürrson gab den Anstoß

Den letzten Anstoß, mit dem Schreiben zu beginnen, gab der 2008 verstorbene Lyriker Werner Dürrson. Er sagte in Gespräch mit Wolfgang Haenle, er wolle sich eigentlich nur noch mit Menschen unterhalten, die selber schreiben. Das war der Auslöser für Wolfgang, nicht nur Lyrik zu lesen, sondern auch mit dem Verfassen von Gedichten zu beginnen. Mittlerweile blickt Wolfgang auf eine Reihe von Veröffentlichungen zurück: Zwei Lyrikbände hat er im Stuttgarter Schweikert-Bonn-Verlag veröffentlicht, seine Gedichte erscheinen in Zeitschriften und Anthologien.

Jutta Weber-Bock schreibt nur gelegentlich Lyrik. Sie erzählt ihre Geschichten vor allem in Kurzprosaform. In kleinen Verlagen hat sie zwei Bände mit Kurztexten veröffentlicht. Weil diese kleinen Verlage heute nicht mehr existieren, hat sie diese Texte im Schweikert-Bonn-Verlag neu herausgebracht. Dem Publikum stehen sie wieder zur Verfügung. Eine Geschichte aus diesem Band las sie in Ausschnitten vor, denn sie würde ein besonderes Licht auf die Beziehung zu ihrem Mann werfen: „Feigenküsse“. Ihre Texte sind stark autobiografisch geprägt, wie auch ihr Roman „Liebesprobe“, den sie im Demand Verlag veröffentlichte.

Unter einem Dach

Seit vielen Jahren arbeite sie an einem Romanprojekt, ein historischer Stoff, der viel Recherche erfordere. Schmunzelnd berichtete Jutta Weber-Bock, ertrüge Wolfgang ihre Wohnungsokkupation mit Textauszügen, Mindmappings und Stadtplänen. Zudem sei er ihr erster Leser. Er sieht, wo im Text Bilder fehlen. Natürlich ärgert Kritik, aber wenn sie berechtigt ist, sei sie hilfreich. Sie wiederum brächte Struktur in seine Gedichtentwürfe.

Sie haben in ihrer Wohnung nicht nur zwei Schreibtische. Jeder Tisch sei letztendlich zum Schreiben geeignet. Wolfgang Haenle braucht viele Lyrikbände um sich herum, die ihn immer wieder zu eigenen Gedichten inspirieren. Er schreibt nur mit dem Laptop. Vielleicht die einzige Verbindung zu seiner beruflichen Laufbahn, er ist ausgebildeter Maschinenbauingenieur. Was er in seinem Beruf nie so recht gehabt hat, hat er nun gefunden: die Liebe zu seinem Schaffen. Aus seinen beiden Gedichtbänden trug er in der GEDOK vor.

Ein wirklich gemeinsames Projekt haben sie am Anfang ihrer Liebebeziehung begonnen. Über acht Wochen hinweg haben sie sich E-Mails in Haiku-Form geschrieben. Über 1.100 Haiku sind dabei entstanden, die sie in ein gemeinsames Buchprojekt einbringen wollen. Einige lasen sie an diesem Abend im Wechsel vor. Musikalisch untermalt wurde die Lesung  von Daniel Oliver Bachmann, Lebenspartner von Beate Rygiert.

Jutta Weber-Bock wird am 8. November 2015 im Rahmen des Poetischen Cafés wieder in der GEDOK lesen. Schriftstellerinnen der GEDOK lesen, parallel stellen Künstlerinnen ihre Werke aus, meine Frau Tatjana Seehoff wird ihre Filzkunst präsentieren.

Heinrich Steinfest bei Eva Zippel

15.02.2014 at 21:52
Steinfest in der GEDOK

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Die GEDOK Stuttgart stellt die Tierzeichnungen von Eva Zippel in ihrer Galerie aus. Jahrelang hatte Eva Zippel die Tiere für die Firma Schleich entworfen. Bis zu ihrem Tod im letzten Jahr bewohnte sie im Haus der GEDOK ein Wohnatelier.

Heinrich Steinfest ist über seinen Sohn mit den Schleich-Tieren in Berührung gekommen. Sie sammeln die Tiere mit großer Leidenschaft. Häufig sind seine Bücher mit Tierfiguren verziert. Auf dem Schutzumschlag für „Das himmlische Kind“ schaut ein Zebra vom Betrachter weg in die Ferne. Aus diesem Buch las der Autor am 12. Februar inmitten der wunderbaren Tierzeichnungen von Eva Zippel.

Zu Anfang baute er eine kleine Zebrafamilie vor sich auf und erzählte, wie bei einem Spaziergang sein Sohn stürzte und ihm das Zebra aus der Hand gefallen ist. Dabei brach dem Zebra ein Bein ab, das sie, trotz intensiven Suchens, nicht wieder finden konnten. So blieb das Tier dreibeinig. Das ist umso erstaunlicher, da die Schleichfiguren für ihre Robustheit berühmt sind.

Nachdem er die Zuhörer mit dem Tischschmuck bekannt gemacht hat, begann Heinrich Steinfest die Geschichte in groben Zügen zu skizzieren. Zwei Kinder, mutterseelenallein wie Hänsel und Gretel. Die zwölfjährige Miriam fühlt sich für ihren kleinen Bruder verantwortlich. Die beiden haben den absichtlich herbeigeführten Unfall ihrer Mutter wie durch ein Wunder überlebt. Gemeinsam kämpfen sie in einer Hütte im Wald ums Überleben.

Sie ernähren sich von Pilzen und Tannennadeln, scheuen sich auch nicht, eine tote Amsel zu kochen. Miriam erhält darüber hinaus mit einer weiter und weiter erzählten Geschichte den Lebensmut ihres schwer kranken Bruder Elias aufrecht. Heinrich Steinfest erklärt, wie eine Geschichte funktioniert, was es braucht, um sie spannend und anschaulich werden zu lassen. All das muss in seinem Buch das Mädchen als Geschichtenerzählerin für ihren Bruder leisten. Wieder einmal geht Heinrich Steinfests Fabulierlust mit ihm durch.

Ich weiß, dass der Autor mühelos zwischen dem Krimi- und dem Sience-Fiction-Genre zu wechseln vermag. Daher wundere ich mich nicht über die Beschreibung einer Welt mit zwei Monden am Himmel, in der Erwachsene und Kinder auf unerklärliche Weise getrennt werden. Miriam erzählt ihrem Bruder von der wundersamen Rettung einer Truppe buchhalterisch begabter Außerirdischer, von „Spinks“, Higgs-Teilchen und einem bemitleidenswerten Drachen, der angekettet in einem Vulkan lebt. Sie weiß sehr wohl, welche Faszination Drachen auf ihren sechsjährigen Bruder ausüben.

Wir werden an diesem Abend nicht nur mit in Auszügen mit einer spannenden Geschichte unterhalten sondern erfahren ganz nebenbei was es braucht, eine spannende Geschichte zu erzählen.

Der neue Roman von Heinrich Steinfest „Der Allesforscher“ erscheint am 10. März 2014. Am selben Tag wird es mit einer Lesung und im Gespräch mit Denis Scheck im Literaturhaus Stuttgart vorgestellt. In der GEDOK las Heinrich Steinfest einen kurzen Text daraus vor und erweckte meine Neugierde.

Entwürfe von Eva Zippel für die Firma Schleich

Entwürfe von Eva Zippel für die Firma Schleich