Für ein Europa, frei von nationalen Egoismen

21.05.2019 at 20:00
Frontbanner in Stuttgart

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Am Sonntag, den 19. Mai 2019, gingen in Stuttgart viele tausend Menschen auf die Straße, um für ein Europa zu demonstrieren. Unter dem Motto: „Ein Europa für Alle – Deine Stimme gegen Nationalismus!“ hatte ein breites Bündnis zu dieser Demonstration aufgerufen, die parallel in 7 deutschen Großstädten stattfand ebenso wie in über 40 anderen europäischen Großstädten.

Die beiden AnStifter Barbara Stoll und Peter Grohmann moderieren die Veranstaltung. Und man merkt es diesen beiden Profis an, wie sie mit ihrer literarisch-lyrischen Moderation die Menschen in ihren Bann ziehen und eine harmonische Bindung zwischen Reden und musikalischen Darbietungen.

Der Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat es sich nicht nehmen lassen, selber das Grußwort der Stadt Stuttgart zu sprechen. Er betont, dass Stuttgart sich als europäische und internationale Stadt verstehe. Er warb für eine hohe Wahlbeteiligung für die Europawahl am kommenden Sonntag.

Redebeträge wechseln sich ab mit musikalischen Darbietungen: Den Auftakt macht das Orchester vom Forum der Kulturen „Ziryab“. Rainer von Vielen steuert einige Songs bei ebenso die stadtbekannten Rapper Toba &Pheel.

Als prominente Redner stehen Damian Ludewig von Campact – die die Demonstrationen koordiniert haben – und Martin Kunzmann vom DGB sowie Sarah Händel von „Mehr Demokratie“ auf der Bühne. Sie fordert unter anderem europäische Volksabstimmungen.
Im Anschluss an die Auftaktveranstaltung geht es einmal rund um die Innenstadt. Auf kreativen Plakaten wurde postuliert: „Vielfalt macht nur den Einfältigen Angst.“ – „Es lebe die Europäische Republik“ – „Omas gegen rechts! – „Gegen Ausgrenzung und Rassismus“.

Bei der Rückkehr der Demonstranten heizt Cris Cosmo mit seiner Band die Stimmung vor der Bühne auf. Sein Markenzeichen sind deutsche und lateinamerikanische Texte, die Akustikgitarre als tragendes Element und ein Mix aus Reggae, lateinamerikanischen Rhythmen und clubbigen Beats. Das animiert bei strahlendem Sonnenschein zum Tanz.

Die emotionale Rede von Julian Pahlke von dem Projekt „Jugend rettet“ fasst den Spirit der Demonstration zum Schluss gut zusammen. Erfreulich, wie viele junge Leute unter den Demonstranten sich zu einem Europa jenseits von Rassismus und Ausgrenzung bekennen. Das stimmt zuversichtlich.

Günter Guben ist nicht zu stoppen

08.03.2019 at 10:06
Günter Guben

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Wieder einmal luden die Anstifter Günter Guben ein, der im Hegelhaus seine legendäre Faschingsdienstagslesung präsentierte. Die Anstifter nutzen regelmäßig das Hegelhaus für ihre ernsthaften Vorträge im Rahmen des Philosophischen Cafés. Dieser Faschingsdienstagabend steht allerdings ganz im Zeichen des subtilen, hintersinnigen Humors, den die Texte des Schriftstellers, Fotografen und Grafikers Günter Guben auszeichnen.

Das schenkelklopfende Reimgewitter der landauf landab besuchten Faschingssitzungen ist nicht die Domäne von Günter Guben. Vielmehr mischt er Alltagsgeschichten mit skurrilen Einfällen, die den Zuhörer zum Schmunzeln bringen. Immer mit einem liebevollen Blick auf die beschriebenen Figuren, nie bloßstellend. Da werden schon mal russische Wanderlärchen beschrieben, die mittels tieffrequenter Töne zum Verlassen ihrer Standorte gebracht werden können und sich so als „mobiles Baumaterial“ eigenen. Oder er spielt mit dem Begriff „Transzendenz“, den er in eine Tendenz umdeutet, die völlig „trans“ ist. Dass der achtzigjährige Gentleman hierbei nicht auf den ausgetretenen Pfaden der Genderdiskussion wandelt, versteht sich (fast) von selber. In einem anderen Text sinniert der Autor darüber nach, wie man Perlen weichkochen kann, um sie für eine Kreation mit Namen „Perlen auf Aspik“ einsetzten zu können.

Wie ein Wirbelwind fährt Frank Eisele über die Tasten seines Akkordeons

Tastenzauber von Frank Eisele

Wie ein Wirbelwind fährt Frank Eisele über die Tasten seines Akkordeons

Unterbrochen werden die Lesungen der Kurztexte durch das leichthändige Akkordeonspiel von Frank Eisele. Seine Musette-Interpretationen schweben durch den trutzigen Gewölbekeller des Hegelhauses, in dem bei diesem Ohrenschmaus leider viel zu wenig Zuschauer Platz nehmen können. Die feuerpolizeilichen Auflagen lassen nur eine Höchstzahl von dreißig Personen zu. Guben und Eisele könnten spielend die doppelte Zuhörerzahl in Bann ziehen, wenn die Wände nicht so eng gebaut wären. Zur künstlerischen Darbietung wird eine Rotwein-Cuvée „Georg Herwegh“ angeboten, den sich die Anstifter zum zweihundertsten Geburtstag des Dichtes von einem Bio-Weingut haben abfüllen lassen. Auch die traditionellen Fastnachtsküchle fehlen an diesem Abend nicht.

Von den Kriegsgräuel zu den Menschenrechten

18.11.2018 at 14:57
Vielfalt auf dem Volkstrauertag

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Es fängt erwartungsgemäß an: ein getragenes Stück vom Bläserchor des Musikvereins Münchingen erfüllt die Aussegnungshalle auf dem Münchinger Friedhof. Volkstrauertag 18. November 2018. Ein Tag des Innehaltens und des Gedenkens an die Toten der zwei großen Kriege. Die helle Morgensonne vertreibt finstere Gedanken an Krieg und Tod. Herbstlaub liegt auf den Gräbern. Die Millionen Tote der zwei Weltkriege liegen verstreut europaweit und ihnen wird gedacht an diesem Tag. Das Massensterben veränderte Europa, wie Dr. Otto Koblinger vom VdK in seiner Ansprache ausführt. Das Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkrieges wach zu halten und die Verpflichtung daraus zu lernen war der Auftrag bei der Gründung des Vereins der Kriegsopfer vor 70 Jahren.

Am 11. November vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandes zu Ende. (Es war die erste Zivilregierung, die diesen Waffenstillstand in Compiègne unterzeichnete. Das Militär, das den Krieg angezettelt hatte, war zu feige, zu ihrer Verantwortung zu stehen.)

Vor siebzig Jahren wurden aus den schmerzhaften Erfahrungen des fürchterlichen zweiten großen Krieges im 20. Jahrhundert die Menschenrechte formuliert. Sie sollten eine Richtschnur geben für das Zusammenleben der Menschen weltweit. Einige Artikel der Erklärung der Menschrechte nehmen die Schülerinnen und Schüler der Werkrealschule Münchingen an diesem Morgen in den Blick, zitieren sie und stellen sie ins Verhältnis zu ihren eigenen Schicksalen:

Artikel 1: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.

Artikel 2: Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse*, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Artikel 3 : Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Artikel 12 :Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden.

Artikel 14: Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.

u.e.a.m

Es sind junge Menschen mit sehr verschiedenen kulturellen Hintergründen. Obwohl größtenteils in Deutschland geboren, so haben sie kulturelle und sprachliche Wurzeln in der Türkei, Bosnien, Kroatien, Syrien. Sie stellen sich namentlich vor, halten ihre unterschiedlichen Pässe hoch, nicht ihre Nationen. Sie sind Teil einer universellen Menschheit. Die Menschrechte beschreiben, wie das Zusammenleben in Freiheit und Würde vonstatten gehen kann.

Bei der Einarbeitung in dieses so wichtige Thema begleitete die Schülerinnen und Schüler ihre engagierte Ethiklehrerin Dagmar Müller-Buchalik, der es immer wieder gelingt, aktuelle politische und ethische Themen altersgerecht umzusetzten. Für die visuelle Umsetzung stand ihnen die katholische Religionslehrerin und Künstlerin Eva Rogale tatkräftig zur Seite.

Die Jugendlichen verweisen mit ihrem Beitrag zu den Menschrechten auf die Aktion „Vielfalt“, die in diesen Tagen in Stuttgart angelaufen ist. Über zweihundertzwanzig Organisationen beteiligen sich mit Vorträgen, Theaterstücken, Musikaufführungen an dieser Aktion. Die Schülerinnen und Schüler der Flattichschule haben gezeigt, dass sie ein Teil dieses Netzwerkes sind, das Respekt und Toleranz in Vielfalt postuliert.

Schriftstellerhaus unterstützt die Aktion Vielfalt

10.11.2018 at 15:06
Vielfalt wird vom Schriftstellerhaus unterstützt

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Das Schriftstellerhaus hat sich der von den Anstifter und der Stiftung Geißstraße 7 initiierten Aktion Vielfalt – 0711 für Menschenrechte angeschlossen. So gut wie alle Kultureinrichtungen der Stadt unterstützen diese Aktion, die mit Veranstaltungen, Lesungen, Diskussionsabende, Filmvorführungen etc. auf die Formulierung der Menschenrechte vor siebzig Jahren hinweisen will.

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Mittlerweile sind 226 Organisationen dem Bündnis beigetreten. Einen Monat lang werden die Menschrechte in den Blick der Zivilgesellschaft gerückt.

Die Auftaktveranstaltung wird am 14. November um 19 Uhr im Rathaus stattfinden. Den Abschluss bildet der Festvortrag der diesjährigen Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Frau Prof. Aleida Assmann, im Stadtpalais Stuttgart.

Alle Veranstaltungen sind auf der Webseite www.0711menschenrechte.de veröffentlicht.

Stuttgart für Menschrechte – zwei Partner in Aktion

27.07.2018 at 21:19
Logo Vielfalt

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Die AnStifter und die Stiftung Geißstraße 7 haben sich vor einigen Monaten zusammengetan, um die Menschrechte in der Stadtgesellschaft breit zu diskutieren. Sie nennen ihre Aktion Vielfalt: 0711 Menschrechte. Denn vor 70 Jahren verkündete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

Derzeit sind in Europa und weltweit Tendenzen wahrzunehmen, dass Menschenrechte missachtet oder gar abgeschafft werden. Angesichts dieser Entwicklungen halten es die Initiatoren für ihre Pflicht, sich verstärkt für die Menschenrechte in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens einzusetzen. Sie sind der Überzeugung, nur auf der Grundlage der Respektierung der Rechte anderer kann sich das gesellschaftliche Zusammenleben entwickeln. Ebenso sind die Menschrechte bedeutungsvoll für den Respekt der Staaten untereinander.

30 Tage – 30 Artikel der Menschenrechte

In 30 Tagen vor dem historischen Datum der Verkündigung (10. Dezember 1948) wollen die Initiatoren mit einem breiten Bündnis von Initiativen und Kulturschaffenden die 30 Artikel der Menschrechte in die Öffentlichkeit bringen. Flankiert werden die Aktionen schon im Herbst von Vorträgen und Diskussionen in diversen Bildungseinrichtungen. So beginnt das Evangelische Bildungszentrum Hospitalhof seine Reihe „Auf den Spuren der Menschrecht und ihre aktuellen Bedeutung“ bereits am 21. September.

Über 220 Gruppen und Initiativen der Zivilgesellschaft, Medien, Theater, Galerien und Kinos, öffentliche Einrichtungen unterschiedlichster Art, tragen dieses vielfältige Gemeinschaftsprojekt. Sie alle werden die Bedeutung von Menschenrechten aus ihrer Sicht thematisieren.

Zur Zeit laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Eine Webseite wurde bereits veröffentlicht. Eine Zeitung zum Thema soll Ende Oktober fertig gestellt sein. Banner, Postkarten , Flyer und Buttons werden derzeit entworfen und die an der Aktion Beteiligten konzipieren vielfältige Veranstaltungen.

Die Anstifter laden zum Neujahrsempfang auf die Kulturinsel

31.01.2018 at 19:36
Peter Grohmann Neujahrsansprache

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Die Kulturinsel beherbergt eine ganze Reihe von Initiativen und ist der ideale Ort, an dem DieAnstifter (InterCulturelle Initiativen)  ihren Neujahresempfang am vergangenen Sonntag ausrichten konnten. Schon in den vergangenen Jahren hatten sie ein kulturelles Ereignis mit ihrem Empfang verbunden. Siehe hier.

Noch vor dem offiziellen Beginn des Empfanges gab es Gelegenheit, die Ausstellung „Kessel unter Druck“ des vis-á-vis beheimateten Stadtarchivs zu besichtigen. Sie hat die Protestkultur der Stadt Stuttgart in Zeitdokumenten nachgezeichnet, von den Anfängen der jungen Republik bis zur Wiedervereinigung 1989. Die Ausstellung zeigt ein mannigfaltiges politisches Engagement in Stuttgart, wobei DieAnstifter stolz sind, fester Bestandteil dieser Protestbewegung zu sein.

Parallel dazu konnten die Gäste sich durch das Gelände führen lassen und die vielfältigen Aktivitäten auf diesem Kulturflecken in Bad Cannstatt bewundern. Hier arbeiten Künstler, werden Ideen geschmiedet, Begegnungen und Vernetzung zwischen Kultur und Industrie ermöglicht. Auch Urban Gardening wird hier gepflegt. Leider besteht der Mietvertrag nur bis Ende 2018. Eine Machbarkeitsstudie soll Auskunft geben, wie es danach mit dem Areal weitergehen kann. Die Initiatoren möchten die Stadtentwicklung in Bad Cannstatt positiv beeinflussen und  präsentieren ein nachhaltiges Konzept für ein kulturelles Zentrum – eine Mischung aus Subkultur und Industrie für ein innovatives Quartier. Der Geschäftsführer, Joachim Petzold, stellte die Idee der Kulturinsel den AnStiftern vor und beschreib die schwierigen Verhandlungen mit der Stadt zur dauerhaften Nutzung des Geländes.

Peter Mielert, Bezirksbeirat der Grünen in Bad Cannstatt gab einen Überblick über die Historie des gesamten Geländes rund um den ehemaligen Güterbahnhof  und die Ideen der Nutzung (die Stadt hatte das Gelände vor Jahren gekauft, wollte 2003 für seine Olympiabewerbung hier Sportstätten errichten). Mittlerweile haben sich Großinvestoren auf dem Gelände breit gemacht. Die Kulturinsel ist ein letzter Fleck, der noch „öffentlichen Interessen“ dient.

Wie jedes Jahr servierte Peter Großmann seine indische Linsensuppe, flankiert von veganen Bratlingen und Kartoffelsalat. Viel Raum gab es für das Gespräch untereinander. Musikalisch untermalten Capella Rebella und der Akkordionvirtuose Frank Eisele das Programm. Eine Rede von Peter Großmann krönte es abschließend.

Friedenspreis der AnStifter an Aslı Erdoğan verliehen

12.12.2017 at 14:16
Aslı Erdoğan

Moderatorin Sidar Carman von der DIDF, Wolfgang Ferchl mit dem AnStifter-Preis, Dr. Annette Ohme-Reinicke, Vorsitzende der Anstifter, und Laudatorin Elisabeth Abendroth

 

Die diesjährige Friedensgala der AnStifter ehrt eine mutige Frau aus der Türkei: Aslı Erdoğan. Sidar Carman von der DIDF, die auf deutsch und türkisch durch den Abend führt, bezeichnet diese Schriftstellerin und Kolumnistin als eine, die ihre Meinung äußert und sich nicht einschüchtern lässt. Frau Erdoğan gehört zu den Fürsprechern der kurdischen Minderheit in der Türkei. Als Kolumnistin schrieb sie zunächst für die Zeitung Radikal, anschließend – bis zu ihrem Verbot – für die kurdisch-türkische Zeitung Özgür Gündem. Die Tatsache, dass sie für eine verbotene Zeitung schrieb, ist ihr zum Verhängnis geworden. Im August 2016 wurde sie in Istanbul im Rahmen einer Verhaftungswelle von Journalisten und Mitarbeitern der pro-kurdischen Tageszeitung festgenommen. Über vier Monate saß sie ohne Prozess im Gefängnis. Sie wurde entlassen aber ihr Pass wurde ihr entzogen. Erst Mitte dieses Jahres erhielt sie ihn zurück und sie konnte nach Deutschland reisen. Es war zum Zeitpunkt der Entscheidung, ihr den Friedenspreis der Anstifter zu verleihen, nicht klar, ob sie ihn persönlich entgegen nehmen könnte. Und nun verhinderte ein tragischer Autounfall auf dem Weg zur Friedensgala, dass sie die Ehrung an diesem Abend persönlich übergeben bekommt. Dieses Ereignis überschattet die Feierlichkeiten.

Es scheint, die Musiker um den Tenbûr-Spieler Cemîl Qoçgîrî spielen eine Spur zurückhaltender, die Laudatorin Elisabeth Abendroth muss ihr Redemanuskript auf die Tatsache der Abwesenheit der Geehrten anpassen. Sie spricht von der Ermutigung, die Aslı Erdoğan für uns ist. Sie, die uns daran erinnert, „dass alles, was wir besitzen, zu dem wir gehören, bei dem wir dabei sein oder mittendrin sein wollen – auch wenn alle hegemonialen Mächte dieser Erde etwas anderes sagen – mit einem bestimmten Wort untrennbar verbunden ist: Frieden.“ Dieses Zitat von Aslı Erdoğan im Redemanuskript von Frau Abendroth stammt aus ihrem Essay-Band Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch. Das Buch ist im März diesen Jahres im Albrecht Knaus Verlag erschienen. Der Verlag hat es als deutsch-türkische Ausgabe veröffentlicht. Es sind Texte, die die momentane Stimmung in der Türkei einfangen und die Türkei als ein zwischen Ignoranz und ohnmächtiger Wut gespaltenes Land beschreiben. Ihr Verleger Wolfgang Ferchl ist an diesem Abend für die Geehrte eingesprungen, verleiht ihr mit der Lesung einiger Passagen aus ihrem Buch eine Stimme.

Die Verleihung des Friedenspreises der AnStifter an Aslı Erdoğan rückt nicht nur den Mut dieser Frau in den Blick. Die AnStifter im Saal erinnern mit Schrifttafeln bei der Übergabe des Friedenspreises an die vielen Schriftsteller, Intellektuellen und Oppositionellen, die von den türkischen Machthabern inhaftiert wurden. Durch die Nennung der Namen auf den hochgehaltenen Plakaten werden diese Menschen in die Auszeichnung für das Friedensengagement eingebunden.

 

Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch / Artık Sessizlik Bile Senin Değil
Essays / Denemeler

Deutsch-türkische Ausgabe, 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Knaus, Preis 20,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Flattichschule gestaltet Feier zum Volkstrauertag

19.11.2017 at 16:35
Ethikklasse der Flattichschule

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Dass nie eine Mutter mehr
ihren Sohn beweint

Diese Zeilen aus der Nationalhymne der DDR zitiert Bürgermeister Dr. Joachim Wolf zu Beginn der Feierstunde zum Volkstrauertag in Münchingen. Er fand sie auf einer Gedenktafel bei einem Massengrab auf dem Friedhof Golm an der deutsch-polnischen Grenze auf der Insel Usedom. Noch im März 1945, kurz vor Kriegsende, bombardierten amerikanische Fugzeuge die Insel. Über 20.000 Menschen kamen ums Leben. Sie waren aus den Ostgebieten dorthin geflüchtet und wähnten sich in Sicherheit. Sie wurden anonym auf dem Hügel in Golm begraben. Die Verbindungen mit Polen thematisieren auch Schülerinnen und Schüler der Flattichschule, die im katholischen Religionsunterricht und im Ethikunterricht einen Beitrag zur Gestaltung des Volkstrauertages erarbeiteten.

Die SchülerInnen nähern sich dem Thema über das Essen an: Maultaschen aus dem Schwabenland und Piroggen aus der polnischen Küche sind in ihrer Konsistenz und ihrem Geschmack sehr ähnlich. Über Essen ist schnell eine Verbindung zu fremden Menschen hergestellt. Aber auch im Sport findet die Ethikklasse Spuren nach Polen: der Basketballstar Marcin Gortat wurde in Łódź geboren. Seit vier Jahren steht er bei den Washington Wizards unter Vertrag.

Łódź war die erste Stadt in Osteuropa, mit der Stuttgart 1988 eine Städtepartnerschaft aufbaute. Die SchülerInnen fanden auf ihren Streifzügen durch Stuttgart das Wappen dieser Stadt auf der Königstraße. Was hat die Städtepartnerschaft mit Łódź mit dem Nordbahnhof in Stuttgart zu tun, fragen die Schülerinnen und Schüler. Sie berichten in ihrem Beitrag, dass vom Nordbahnhof Stuttgart die Züge in die Todeslager nach Polen losfuhren. Heute zeugen Gedenktafeln mit den Namen der Ermordeten von diesem Unrecht. Und auch von Łódź aus ließen die Deutschen Züge in die Vernichtungslager fahren.

Damit schließt sich der Kreis, den die Schülerinnen an diesem Volkstrauertag skizzieren. Was aber bleibt als Erkenntnis aus all diesen Beobachtungen? Sie fassen es in einem Satz des Religionsphilosophen Martin Buber zusammen: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“.

Loretta muss bleiben!

18.11.2017 at 15:24
Loretta Petti

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Lyrik, Lieder und die Leidenschaft für eine gute Küche, Jazz und ein guter Espresso, Kleinkunst, Filme, Überlebensmittel: Das ist das Alimentari da Loretta.

In mehr als 30 Jahren ist in der Stuttgarter Römerstraße 8 ein Kleinod entstanden – ein Ort der Kultur, der Kommunikation und kulinarischer Köstlichkeiten, der nun durch die Kündigung der Gewerbe- und Wohnräume in höchster Gefahr ist. Loretta Petti hat diesen Ort 1996 gerettet, gestaltet und große Summen investiert und eine lebendige, interkulturelle Nachbarschaft geschaffen: Die Kulturgarage.

Mit der Kündigung würde nicht nur dieser authentische Ort wegsaniert, sondern auch der Prozeß der Gentrifizierung neue, unangenehme Qualität bekommen.

Die AnStifter appellieren an den Hausbesitzer, an die Stadt, an die Öffentlichkeit: Loretta muss bleiben! Sie haben eine Petion an den Hausbesitzer gestartet (hier dier Link). Ich bitte Sie, unterschreiben Sie diese Petition, mobilisieren Sie Freunde, Bekannte und Kollegenteilen, teilen Sie diese Nachricht über Ihre Netze.

Peter Grohmann feiert seinen achtzigsten Geburtstag

29.10.2017 at 12:50
Peter Grohmann 80 Jahre

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Der Gründer der AnStifter, Peter Grohmann, feierte am 27. Oktober 2017 ein rauschendes Fest im Theaterhaus anlässlich seines achtzigsten Geburtstages. Thema des Abends, wie kann es anders sein bei diesem immerzu ruhelosen Anstifters, „Zeit zum Aufstehn!“

Einen ausführlichen Bericht dazu, mit vielen Bildern habe ich hier veröffentlicht.