Polnische Spuren – Die polnische Gewerkschaftsbewegung

24.08.2017 at 22:17
Denkmal Danzig

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Nur wenige Wolken sind am Himmel. Gestern noch sah es mehrmals nach Regen aus, davon ist heute keine Rede mehr. Wir fahren mit der Straßenbahn zum  Gelände der ehemaligen Lenin Werft. Straßenbahn fahren  ist preiswert in Danzig. Eine Fahrt kostet ca. 0,80 €. Das Denkmal vor dem Solidaritätsgelände reckt sich majestätisch in den stahlblauen Himmel.

Die Arbeiter der Lenin Werft haben in den achtziger Jahren die mächtige Gewerkschaft Solidarność gegründet, aus folgendem Grund: Eigentlich sollte nur an die 1970 von der Staatskanzlei umgebrachten Kumpel erinnert werden. 1970 waren die Werftarbeiter in den Küstenregionen gegen die vom Staat neu festgelegten, höheren Lebensmittelpreise in den Streik getreten, den man blutig nieder geschlagen hat. Das heute noch weithin sichtbare Denkmal der Solidarität (3 Anker) wurde von Solidarność der Staatsmacht abgetrotzt.

Zum Zeitpunkt der Ereignisse war ich weit weg in Westafrika und staunend verfolgte ich die Auseinandersetzungen zwischen Arbeiter und Regierung. Bruchstückhaft. Meine Wirklichkeit war eine andere, die einer afrikanischen Industriestadt, das Wort Streik war hier gänzlich unbekannt. Beides: die afrikanische Realität, in der ich lebte und die Ereignisse in Polen erschütterten nachhaltig mein idealistischen Weltbild. als Gorbashow, etwa zehn Jahre später, die Perestroika zuließ, kamen weltweit die Blöcke ins Wanken. Heute ist Polen in der EU und ich genieße die Freiheit, nach Osteuropa reisen zu können. Günter Grass hat den Menschen in Danzig und Umgebung (den Kaschuben) mit seinen Romanen ein Denkmal gesetzt und sie liebevoll beschriebenen. Es ist an der Zeit, wieder Grass zu lesen.

Polnische Spuren – Die Stadt ein Pulverfass

23.08.2017 at 18:49
Minerva, Göttin des Krieges, der Weisheit und Künste

Minerva, Göttin des Krieges, der Weisheit und Künste

Ein paar Regentropfen beim Verlassen der Unterkunft veranlassen uns, einen Schirm einzustecken, der wie eine Standartenstange aus dem Rucksack ragt. Der Himmel hat mit seinen Regenwolken nur geblufft. Geblufft haben die Danziger nicht, als sie das Große Zeughaus errichten ließen. Es war der Niederländer Antonia van Openbergen, der dieses wunderschöne Gebäude 1602-1605 bauen ließ. Er war schon als Architekt des Hamlet-Schlosses in Helsingör in Dänemark zu Ruhm und Ehre gekommen. Warum er das Gebäude mit einer Figur der Minerva verzierte, erschließt sich mir nicht. Ist doch diese römische Göttin die des Krieges, der Weisheit und Künste. Das Große Zeughaus hat nur den Zweck, den Krieg zu nähren. Mit Pulver, Kugeln und allerlei Kriegsgerät. Es sollte als Zeichen der Abschreckung dienen, als Mahnung, die Freiheit der Stadt nicht anzugreifen. Einige Polenkönige, die Schweden war Danzig als freie Handelsstadt ein Dorn im Auge.

Polnische Spuren – Freundliche Menschen

23.08.2017 at 18:43
Ankommen

In Polen angekommen

Den Flughafen von Danzig überspannt ein  Himmel, der Regen verspricht. Wir verlassen das Flughafen Terminal mit einem Vorstadtzug. Schon der Fahrkartenautomat stellt eine Herausforderung für uns da, wir sind des Polnischen nicht mächtig. Freundliche Menschen helfen uns, die Fahrkarten dem Automaten abzutrotzen. Von unserer Vermieterin haben wir die Umsteigebahnhöfe per SMS geschickt bekommen. Aussprechen kann ich keinen. Die Bahn fährt an der berühmten Danziger Werft vorbei, hier geriet der Sozialismus durch die Arbeiterbewegung ins Wanken, als die unabhängige Gewerkschaft Solidarność dem Kriegsrecht trotzte und 1989 die Wende einleitete. Als ich die einfahrende Bahn beim Umstieg von der einen Bahn auf die nächste sehe, stehen im Hintergrund die Kräne der Danziger Werft. Ein Gefühl von Heimat stellt sich bei mir ein. Es ist diese Mischung aus Freundlichkeit der Menschen und Unvollkommenheit der Stadt, die mich sofort für Danzig einnimmt.