Verneigung vor Christoph Lippelt

18.12.2016 at 12:05

 

Christoph Lippelt Gedächtnislesung

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Kolleginnen und Kollegen aus dem Schriftstellerhaus verneigten sich am 13. Dezember 2016 im Schriftstellerhaus vor Christoph Lippelt mit einer Gedenklesung.

Vieles erinnert bei dieser Lesung an den Abend vor 2 Jahren, als Christoph Lippelt seinen letzten Roman im Schriftstellerhaus vorstellte. Damals wie heute ist der kleine Saal des Schriftstellerhauses bis auf den letzten Platz besetzt. Von schwerer Krankheit gezeichnet, fehlte Christoph Lippelt bereits die Kraft, eine lange Lesung zu bestreiten. Kurz nach der Lesung im Dezember 2014 verstarb der geschätzte Autor. Seine Weggefährten aus dem Schriftstellerhaus lesen, wie vor zwei Jahren Passagen aus seinen Werken und erinnern an ihn. Ein Bild über den Lesenden zeigt den letzten öffentlichen Auftritt von Christoph Lippelt. Wiewohl absehbar, hat uns sein Tod erschüttert. Carmen Kortaski erinnert sich an die letzten Worte, die Christoph an sie richtete. Er war fest davon überzeugt, dass trotz der Anfeindungen der Menschen untereinander und des gegenseitigen aufeinander Einschlagens, vier Dinge Bestand haben werden: „Liebe, Kunst, Religion und Natur, das bleibt!“

So beginnt Carmen Kotarski auch die Lesung mit einem Langgedicht, das Christoph Lippelt, der Hautarzt und Christ, als Dankesrede 1983 anlässlich der Verleihung des Literaturpreises der Bundesärztekammer hielt. Es ist ein sehr politisches Gedicht in dem aber auch sein christlicher Glaube durchschimmert. Er, der Hautarzt, schreibt angesichts militärischer Bedrohungen, das wir dünnhäutiger werden müssten, nicht dickfellig. Es war die Zeit, als der NATO-Doppelbeschluss um die Stationierung der Pershing II Raketen und die damit einhergehenden atomare Hochrüstung, die außen- und innenpolitischen Debatten bestimmten und die Menschen auf die Straßen gingen.

Rainer Wochele liest an diesem Abend aus dem ersten Kapitel des 2008 erschienen Romans Engelsbühl. Die auf dem Buchumschlag abgebildeten Papageien erinnern ihn immer an die Gelbkopfamazonen, die er beim Schreiben in seiner Schriftstellerklause in Bad Cannstatt hört. In dieser Passage kommt die Bildkraft der Sprache Christoph Lippelts gut zum Ausdruck.

Usch Pfaffinger, langjährige Geschäftsführerin des Schriftstellerhauses, verantwortete lange Zeit die Herausgabe der Anthologien des Hauses. Für die Ausgabe zum zwanzigjährigen Jubiläum hat sie Texte von Christoph Lippelt aufgenommen und sie liest einen Text von ihm aus dieser Anthologie. Sie erinnert sich gut, wie sie mit ihm vor der Veröffentlichung darüber diskutierte.

Eleonore Lindemann hat in ihrer Zeit als Sekretärin von Thaddäus Troll viele Schriftsteller persönlich kennen gelernt, auch Christoph Lippelt. Sie lässt es sie es sich nicht nehmen, an diesem Abend ebenfalls in die Gruppe der Lesenden einzureihen. Den Abschluss der Lesung bestreitet der Lyriker Gilbert Fels, der, wie könnte es anders sein, das lyrische Werk des Christoph Lippelt zum Gegenstand seiner Lesung macht. Ähnlich wie am Abend vor zwei Jahren, kommen Lesende und Zuhörer nach der Lesung bei einem Glas Wein ins Gespräch.

Carmen Kotarski im Schriftstellerhaus

01.09.2016 at 22:25
Lebhafte Diskussion mit Carmen Kotarski im Schriftstellerhaus

Lebhafte Diskussion mit Carmen Kotarski im Schriftstellerhaus

Die Lyrikerin Carmen Kotarski stellte im Rahmen des Forums der Autoren am 1. September im Schriftstellerhaus neuere Gedichte ihren Schriftstellerkolleginnen und -kollegen vor. Darin knüpft sie teilweise an ihren Zyklus Wedding-Blues an. Dieser hatte die Großstadt Berlin in den Blick genommen. Viele der vorgestellten Gedichte kreisen wieder um das Thema Großstadt, diesmal ist es Stuttgart. Die Autorin, die sich aktiv am Widerstand gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 beteiligt hat, lässt auch dieses Engagement in ihre Stadtgedichte einfließen. Sie hatte vor einiger Zeit im Rosensteinpark bei einer Kulturveranstaltung der Parkschützer Gedichte zur Natur- und Stadtzerstörung vorgetragen.

Carmen Kotarskis Gedichte bewegen sich auf hohem sprachlichem Niveau. Sie wendet unterschiedliche lyrische Verfahren an, um ihre Bilder in Sprache zu bringen. Besonders herausstechend ist ihre Cut-Technik, die sie in einigen Gedichten angewendet hat: Sie schneidet Textstellen ab. Wie im Film muss nicht der ganze Zusammenhang genannt werden, der Geschichte im Film läuft im Kopf des Zuschauers auch ab, auch wenn die Szene geschnitten wurde. Durch die Cut-Technik entstehen beim Zuhörer eigene Assoziationen, ohne dass der Zusammenhang verloren geht.

Ein großer Teil der Gedichte lag den Zuhörern in Kopie vor, so dass sich im anschließenden Werkstattgespräch eine fruchtbare Diskussion entfalten konnte. Carmen Kotarski war dieses Jahr mit ihren Gedichten im oberschwäbischen Wangen beim „Literarische Forum Oberschwaben“ eingeladen. Dort stellten sich zehn Autoren zur Diskussion, mit noch unveröffentlichten Texten. Mal Lyrik, mal Prosa. Jeder Text wurde gelesen und gleich anschließend kritisiert. Der Beitrag von Carmen Kotarski wurde im SWR2 übertragen, hier nachzuhören.

Carolin Callies erhält Thaddäus-Troll-Preis

05.12.2015 at 7:24
Carolin Callies und Ingrid Bussmann

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Am 30. November 2015 wurde im Max-Bense-Saal der Stadtbibliothek Stuttgart die Lyrikerin Carolin Callies mit dem Thaddäus-Troll-Preis 2015 ausgezeichnet. Sie erhielt den mit 10.000 € dotierten Literaturpreis für ihren Gedichtzyklus fünf sinne & nur ein besteckkasten, der im Frühjahr bei Schöffling & Co verlegt wurde.

Ingrid Bussmann vom Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg

Ingrid Bussmann

Ingrid Bussmann, Vorsitzende des Vereins „Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg e. V“, stellte die Preisträgerin als eine junge Lyrikerin vor, die sich in kurzer Zeit einen Namen in der Lyrik gemacht hat. Sie war Teilnehmerin des 17. open mike 2009, hat in wichtigen Zeitschriften veröffentlicht (Bella Triste, Allmende, POET, Neue Rundschau) und ihre Gedichte wurden 2011 und 2013 im Jahrbuch der Lyrik abgedruckt. Ihr Laudator, Richard Kämmerlings, schrieb über sie in der Zeitung Die Welt: „Carolin Callies schreibt das wichtigste lyrische Debüt der Saison.“ So verwundert es nicht, dass Richard Kämmerlings ihr Wunschkandidat für die Laudatio war.

Carolin Callies und das Besteck von Thaddäus Troll

Carolin Callies bezog sich in ihrer Lesung auf Thaddäus Troll. Wie Hans Beyer nahm sie einen neuen Namen an, wählte allerdings kein Pseudonym. Ihr Namenswechsel war das Ergebnis ihrer Heirat. Aus Dabrowski wurde Callies. Zu Beginn ihrer Lesung präsentierte sie den kleinen Werbe-Band „Schöner Essen“ von Thaddäus Troll, den er im Auftrag der Besteckindustrie geschrieben hatte. Eine gute Überleitung zu ihren eigenen Gedichten aus dem Band fünf sinne & nur ein besteckkasten, den sie in einer kleinen Auswahl präsentierte. (Ein kurzer Videoausschnitt hier.) Darin untersucht sie den menschlichen Körper. Den Blick auf die Schönheit des Körpers überlässt sie anderen. Sie seziert den Körper, untersucht die Ausscheidung in ihren Gedichten. Die Zeitlichkeit und Fragilität des menschlichen Körpers ist ein durchgehendes Thema in ihren Gedichten. Ein wohliges Gefühl will sich beim Hören der Gedichte nicht einstellen.

Fortwährende Sezierung

Richard Kämmerlings hält die Laudatio auf Carolin Callies

Richard Kämmerlings, Leitender Feuilletonredakteur der Welt, hält die Laudatio

Es schien, als müsse Richard Kämmerlings sich seines eigenen Körpers bei der Laudatio immer wieder vergewissern: ständig in Bewegung, mit kleinen Schritten vor und zurück, seitwärts, hielt er seine Rede, in der er die lyrischen Feinheiten der Carolin Callies unter das Seziermesser seiner Überlegungen legte. Seine Bewunderung für das Werk der jungen Autorin schwang stets in seinen Worten mit. Richard Kämmerlings las bei Carolin Callis, dass der Körper kein keimfreies, geruchsloses Hochglanzprodukt ist, wie es uns die Schönheitsindustrie verkaufen will. Vielmehr werden die Körper in den Gedichten als wandelnde Wunden, die nässen, die urinieren, die schwitzen und spucken beschrieben. Somit sind die Körper-Grenzen durchlässig zur Welt, in der sie sich bewegen. Die Grenze zwischen innen und außen hebt sie auf. Ihre Verse verbindet sie gerne mit dem Kaufmanns-Und, das sie stilistisch immer wieder einsetzt:

„die lippen sind ein seltsamer lappen // & dort, wo sie öffnen, da liegn sie heut noch / & setzen flüssigkeiten frei“

Noch eine Zerlegung/Sezierung an diesem Abend bot der Pianist Andreas Bennend. Gewohnte Hörgewohnheiten stellte er mit den Kompositionen von Georg Crump und eigenen, modernen Kompositionen am Flügel des Festsaals in Frage.

carolin_callies_04Die Lyrikerin Carmen Kotarski begründete das Urteil der Jury, den diesjährigen Thaddäus-Troll-Preis an Carolin Callies zu vergeben. Sie ist selber Mitglied der Jury und eine gewisse Freude, den Preis an eine Kollegin zu vergeben, konnte man aus ihrer Rede heraushören.

fünf sinne & nur ein besteckkasten
Umschlagcollage von Ror Wolf
112 Seiten, in Leinen gebunden, mit Lesebändchen
Schöffling &Co, Preis: 18,95 €

zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Christoph Lippelt und „Ein halb versunkener Hund“

15.12.2014 at 12:54
Christop Lippelt und Rainer Wochele

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Ein halb versunkener Hund ist der letzte Roman des Stuttgarter Literaturpreisträgers Christoph Lippelt, den er in einer eindrücklichen Lesung am 11. Dezember im überfüllten Schriftstellerhaus vorstellte. Begleitet wurde er dabei von seinen beiden langjährigen Weggefährten Carmen Kotarski und Rainer Wochele. Sie lasen gemeinsam mit dem Autor das erste Kapitel dieses ungewöhnlichen Künstlerromans. Eindringlich schildert Lippelt das Schicksal des hochbegabten Malers Ludger von Freyenfeld, genannt Lude Frey, der als schizophrener Patient in der „Heilanstalt“ Schloss Fürstenau einsitzt. Der Autor stellt im ersten Kapitel die Schlüsselfiguren der Anstalt vor und es drängt sich der Eindruck auf, wie bei vielen anderen Romanen, die in solchen Einrichtungen angesiedelt sind, ob die Grenze zwischen Patienten und Personal nicht längst zur Unkenntlichkeit verwischt ist.

Christoph Lippelt kennt sich in der Medizinwelt gut aus, in seinem Brotberuf war er Arzt, ebenso wie seine berühmten Kollegen Alfred Döblin, Anton Tschechow und Gottfried Benn. Als Hautarzt erkennt Lippelt hinter der Oberfläche das krankmachende System dem der Maler Lude Frey ausgeliefert ist und beschreibt dieses in metaphernreicher, bildmächtiger Sprache. Obwohl alle in der Anstalt Beschäftigten, einschließlich des Direktors Strähle und der Hausmutter Kolumschik, in der Zeit nach der Euthanasie geboren, gibt es den Zusammenhang mit den fürchterlichen Tötungen im Faschismus, den Christoph Lippelt in seinem Roman durch die Verknüpfung zweier Künstlerschicksale herstellt. Das Grauen dringt in die Lebenden ein, doch die Pflegerinnen vom evangelischen Bund der Barmherzigen Schwestern halten eisern ihr Mitleid durch. Da bringt Ludmilla, eine polnische Hilfskraft, mit ihrer praktischen Fröhlichkeit Menschlichkeit in die Anstalt. Sie geht mit Lude Frey natürlich um, frei von Vorurteilen und gibt ihm dadurch seine Würde zurück.

Christoph Lippelt: Würdigung durch Carmen KotarskiCarmen Kotarski lobte in ihrer Rede am Ende der Lesung Christoph Lippelts umfangreiches lyrisches Werk. Als Lyriker hat er sich immer wieder in den literarischen Diskurs eingebracht, hat mit Rat und Tat jungen Kolleginnen und Kollegen zur Seite gestanden. Auch sie hatte er kollegial unterstützt, als sie als junge Lyrikerin nach Stuttgart kam. Dabei kam es oft vor, wie Carmen berichtete, dass er in seinen Anmerkungen zu den ihm vorgelegten Texten nicht nur auf den Text selber einging, sondern poetologische Bemerkungen anfügte. Einmal schrieb er ihr zu einem ihrer Gedichte:
„Die Realität ist die Kette, Poesie der Schuss und aus beidem entsteht etwas Neues, das Gedicht.“

Christoph Lippelt bedankte und verabschiedete sich bei den Zuhörerinnen und Zuhöreren an diesem Abend mit einigen Zeilen aus dem Gedicht „An die Nachgeborenen“ des Lyrikers Bertold Brecht:

Ihr aber, wenn es soweit sein wird
Dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
Gedenkt unsrer
Mit Nachsicht.

 

Ein halb versunkener Hund
192 Seiten, gebunden, mit Lesebändchen
INFO Verlag, Preis 19,95 €
in der Reihe: Lindemanns Bibliothek, Band 226
zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Katrin Zipse – Thaddäus Troll Preisträgerin 2014

27.11.2014 at 17:34
katrin_zipse

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Wo anders sollte ein Preis für den schriftstellerischen Nachwuchs in Baden-Württemberg übergeben werden, wenn nicht in einem „Tempel der Literatur“? So fand die Ehrung der Preisträgerin Katrin Zipse im Café LesBar der Stadtbibliothek Stuttgart vor großem Publikum statt. Es musste kurzfristig aufgestuhlt werden, so groß war der Andrang am 25. November.

Ingrid Bussmann

Ingrid Bussmann

Das freute die Vorsitzende des Vereins „Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg e. V“, Ingrid Bussmann und die Freude konnte man ihr deutlich ansehen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Preisverleihung (immerhin wird der Preis seit 1981 verliehen) wird eine Jugendbuchautorin für ihren Jugendroman geehrt.

Katrin Zipse wurde in 1964 Stuttgart geboren, wuchs in Bad Dürrheim auf, studierte in Berlin Theaterwissenschaft und Germanistik und arbeitete mehrere Jahre lang als Dramaturgin. Seit 1993 arbeitet sie als Redakteurin bei SWR2, schreibt Hörspiele und Radio-Features. Ihren ersten Roman „Glücksdrachenzeit“ schrieb sie in ihrer Freizeit und konnte ihn beim Magellan Verlag veröffentlichen. Dieser noch junge Verlag ist ganz auf Kinder- und Jugendliteratur ausgerichtet.

Die Autorin las an diesem Abend einige Passagen aus ihrem Roman, von dem die Jury sagt: „Eine Geschichte, die zugleich witzig und berührend, auf unkonventionelle Weise verschiedene Generationen miteinander in Berührung bringt“. Zu Beginn erläuterte sie den Zuhörern die Verwendung und die Bedeutung unterschiedlicher Schrifttypen, die die verschiedenen Ebenen der Geschichte optisch trennt und in der Lesung natürlich nicht erkennbar sind.

Katrin Zipse führte die Zuhörer in die Geschichte von Nellie und ihrem Bruder Kolja ein, die als unzertrennlich gelten. Der ältere Bruder gerät immer weiter auf die schiefe Bahn, greift zu Drogen und verlässt schließlich das Elternhaus, trampt nach Südfrankreich. Nelle folgt ihm, will ihn finden und wieder auf die „richtige Spur bringen“. Dabei erlebt sie, begleitet von ihrem Hund Jackson, so manches Abenteuer und lüftet bisher ungeahnte Familiengeheimnisse.

Und da es ein Roman für Jugendliche ist und er sich in weiten Teilen der Jugendsprache bedient, hatten die Veranstalter die Idee, zwei jugendliche Leserinnen auf die Bühne zu bitten und ihre Eindrücke zu diesem Buch zu schildern. Beide lobten die frische Sprache des Romans, die so gar nichts mit den Pflichtlektüren ihres Schulalltags zu tun hat.

Stefanie Groß, Redaktionsleiterin beim SWR und Kollegin von Frau Zipse, lobte in ihrer Laudatio den einfühlsamen und humorvollen Erzählton, den der Roman anschlägt. Die 15jährige Nelli dieser Coming of Age Geschichte verbindet eine tiefe Geschwisterliebe zu ihrem drei Jahre älteren Bruder Kolja. Der, nachdem er in Rauschgiftgeschäfte verstrickt war, einfach abhaut, Richtung Süden, weit weg von allen Problemen, die in der Familie begründet sind. Die Eltern erstarrten nach dem Tod des jüngsten Kindes und Kolja war für Nellie existenziell wichtig, als ihre Eltern in Depressionen verfielen. Diese Familientragödie bietet die Leinwand, auf der sich der Roman entfaltet, der eine Ansprache der Ich-Erzählerin Nelli an ihren verstorbenen Bruder ist.

Carmen Kotarski

Carmen Kotarski

Carmen Kotarski vom Schriftstellerhaus erhellte in ihrer Rede, die Diskussionsstränge und Kriterien, nach denen die Jury die Preisentscheidung gefällt hatte. Die Vielschichtigkeit dieses Romans, in einer für Jugendlichen verständlichen Sprache, war für die Jury ausschlaggebend, den mit 10.000 € dotierten Thaddäus Troll Preis an Katrin Zipse zu geben.

Musikalisch untermalten die Preisverleihung Jenny Thiele und Laura Rajtschan mit ihren klassischen Gitarren.

 

Thaddäus Troll Preis

Die glückliche Preisträgerin mit der Vorsitzenden des Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg e. V und Carmen Kotarski

Glücksdrachenzeit
270 Seiten, gebunden
Magellan Verlag, 16,95 €
zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Der Lyriker Gilbert Fels im Schriftstellerhaus

13.11.2014 at 15:50

gilbert_felsLeser, die nicht regelmäßig zu Besuch im Schriftstellerhaus in der Kanalstraße 4 in Stuttgart zu Besuch sind, werden mit dem Namen Gilbert Fels nicht viel anzufangen wissen. Im Internet finden sich nur vereinzelt Einträge, wenige Hinweise auf einige Publikationen von ihm. Die Mitglieder des Schriftstellerhauses kennen Gilbert jedoch aus vielen Veranstaltungen sehr gut. Wer ist dieser Autor, der am 11. November im Schriftstellerhaus las? Carmen Kotarski stellte ihn kurz vor:

Gilbert Fels ist Lyriker und Prosaautor. Er hat Geschichte und Philosophie in Mannheim studiert. Sein Studienpunkt „Analytische Philosophie“ schimmert in der Genauigkeit seiner Texte immer wieder durch. Er hielt sich längere Zeit in Florenz, im Wallis und an der Ardèche auf. Was er dort trieb, verriet uns die Moderatorin nicht.

Carmen KotarskiCarmen Kotarski, mit Gilbert Fels in langjährige Freundschaft und Kollegenschaft verbunden, legte den Kern seines neuen Buches, Titel „Zwischenakt“, im Gespräch mit ihm frei: Die Kneipe.

Die Gedichte sind Beschreibungen unterschiedlicher Kneipenbesuche des Autors, der dort nicht nur sein Bier getrunken hat, sondern mit Block und Bleistift die Atmosphäre, die Gegebenheiten, die Menschen festgehalten und in Verse gegossen hat. Es sind Gedichte in langen Zeilen, rhythmisiert durch sein bevorzugtes Satzzeichen, die Virgel. Dieses Zeichen an Stelle des Kommas war bis ins 19. Jahrhundert hinein verbreitet:

Zum Wohl! / für dies Bier bist du hier / und für die Lust / auf
die Eskapade / der Ruhe, des Innehaltens / dem Straßengesche-
hen entronnen / an den zeitlosen Ort dieser Halböffentlichkeit /
frequentiert, zu dieser Stunde, nur von drei, vier Deinesgleichen /
durch denselben Impuls regiert / du nickst ihnen zu / mildes
Frühsommerabendlicht / füllt durch die offenstehenden Fenster
ein / Stimmen der Stadt / die eine eigene Akustik aus leiser Mu-
sik und Stille dämpft, überlagert / dir / hier / angekommen /
jenseits von Pflicht, diesseits von Zuhause / du siehst erwar-
tungsvoll zu, wie sie der Halben die Krone aufsetzt / und blond,
betaut, überschäumend steht sie vor dir /

Wie er das liest, mit eindringlicher, klarer Stimme, kann man in diesem Video erfahren. Zu Anfang erklärt er den Namen seines Werkes: „Zwischenakt“. Es handelt sich dabei um eine Mannheimer Theaterkneipe, in der auch schon Schiller verkehrte. In den Pausen tranken die Schauspieler schnell mal ein Bier.

Hier sind die Einführung, sowie Teil 3 der Lesung  und Teil 4 der Lesung abrufbar.

schlackNach fünfzehnjähriger Pause hat der Verleger Peter Schlack seine verlegerische Tätigkeit wieder aufgenommen und mit Gilbert einen wunderschönen, bibliophilen Band in einer Auflage von 200 Stück herausgebracht, jedes Exemplar nummeriert und vom Autor signiert. Ich erwarb an diesem Abend das 119. Exemplar. Wenn der Verkauf so weiter geht, wird Peter Schlack eine weitere Auflage in Auftrag geben müssen.

Die Lyrikreihe des Schriftstellerhauses wird am 18. November fortgesetzt. Es liest Jürgen-Peter Stössel aus seinem Werk “Mit dem Rücken zur Luft” (moderiert von Günter Guben) Der 4. Teil wird bestritten von Mathias Jeschke mit “Der Fisch ist mein Messer”. Diesen Teil wird der Verleger Peter Schlack am 9. Dezember 2014 moderieren. Beginn jeweils um 19.30 Uhr.

Zwischenakt
Edition Peter Schlack, 24 Seiten, fadengebunden
Nummerierte und signiert vom Autor, Preis 10 €