Das „Bohnenviertel“ erblickt das Licht der Welt

19.03.2015 at 12:04
bohnenviertelbuch

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Ein Ort mit geheimnisvollem Namen wurde ausgesucht: „Der Zauberlehrling“. Hier präsentierte die Autorin Monika Lange-Tetzlaff und ihr Verlag Theiss am 18. März das Buch „Bohnenviertel – Streifzüge im Herzen von Stuttgart“.

Der Zauberlehrling liegt wie das Antiquariat von Monika Lange-Tetzlaff in dem beschriebenen Bohnenviertel und die Autorin und der Besitzer vom Restaurant und Hotel „Der Zauberlehrling“ kennen sich gut über die gemeinsame Arbeit im Handels- und Gewerbeverein Bohnenviertel. So wunderte es nicht, dass auch die einführenden Worte ein Vertreter des HGV sprach, Rudolf Reutter von der Weinstube Schellenturm. Dort veranstaltet Monika Lange-Tetzlaff zusammen mit ihrem Mann regelmäßig in den Sommermonaten Lesungen. Mit den Bewohnerinnen und Bewohnern und den Gewerbetreibenden des Viertels hat Monika Lange-Tetzlaff viele Gespräche geführt, die in das Buch eingeflossen sind. Natürlich greift sie auch auf historische Begebenheiten und Schilderungen zurück. Darin haben sie und ihr Mann große Erfahrung, immer wieder laden sie zu Spaziergängen durch das Viertel ein, um die Geschichte und die Geschichten aus Stuttgarts schönstem Quartier den Besuchern nahe zu bringen. Ein Viertel, das wie aus der Zeit gefallen zu sein scheint aber nicht altmodisch ist. Sie gehen dabei weit in die Vergangenheit zurück, als das Viertel noch vor den Toren der Stadt Stuttgart lag und Leonardsvorstadt hieß.

Woher das Bohnenviertel seinen Namen bekam

Früher bewohnten das Viertel Tagelöhner, die sich bei den Wengertern der umliegenden Weinberge verdingten. Die Bezahlung war miserabel, sie zogen in ihren kleinen Hinterhöfen Bohnen. Eine bekanntlich platzsparende Gemüsesorte mit hohem Sättigungswert. Die überall wachsenden Bohnen gaben dem Viertel seinen Namen.

Im Bohnenviertel wohnt Privatdetektiv Dengler, der Protagonist der Kriminalromane von Wolfgang Schorlau. Bereits sieben Kriminalromanen hat er ihm gewidmet. Dengler wohnt in den Romanen über dem Restaurant Basta, das gleich neben dem Antiquariat Buch & Plakat der Tetzlaffs liegt. Monika Lange-Tetzlaff konnte Wolfgang Schorlau überzeugen, einige Episoden für das Buch beizusteuern.

Robert Tetzlaff und seine Frau Monika lasen aus dem Buch einige Kapitel und luden ein, die im Buch enthaltenen Anregungen für eigene Entdeckungstouren zu nutzen. Ein Gedicht und eine Grafik steuerte der mit den Tetzlaffs verbundene Schriftsteller und Grafiker Günter Guben zur Buchpräsentation bei. Dieses Bohnenviertel-Gedicht trug er dem Publikum vor.

Leider schließen die Tezlaffs ihr Antiquariat Buch & Plakat Mitte April. Bis dahin kann das Buch noch bei ihnen erworben werden oder in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens:

Bohnenviertel
Streifzüge im Herzen von Stuttgart
208 Seiten mit 40 s/w-Abbildungen, gebunden
Theiss-Verlag, Preis 19,95 €

Selbst eine lange Nacht geht mal zu ende

21.10.2014 at 9:00
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SCHAUSPIEL „SORUNLU İNSAN KAYNAĞı“

Im Rathaus spielte Theater Lokstoff zusammen mit der Gruppe Sonra Tiyatrosu aus Istanbul. Sie präsentieren Auszüge aus ihrer neuen Gemeinschaftsproduktion SORUNLU İNSAN KAYNAĞı in türkischer Sprache. Ein Mitarbeiter des Theaterhauses übersetzte simultan

Beeindruckend die Aufführung im FITZ

„UND PLÖTZLICH STAND DIE SONNE STILL“

„UND PLÖTZLICH STAND DIE SONNE STILL“

Eine Frau auf der Bühne, auf ihrem weißen Kostüm Lichtprojektionen. Wir wurden ins Weltall entführt, als sie mit einem Ball auf der Bühne jonglierte, auf dem der blaue Planet projiziert war. Es zeigt, wie vor 500 Jahren der Mensch in Bewegung geraten ist. Plötzlich befand sich der Mensch nicht mehr in der behaglichen Mitte des Seins, wurde in die Umlaufbahn der Sonne gestoßen, unablässig den Mittelpunkt des eigenen Planeten umkreisend und Teil einer so zeitlupenhaften wie rasenden Expansion weg vom Zentrum des Urknalls geworfen.

Lange Stuttgartnacht: Michael Seehoff und Hans Thill in "Buch und Plakat"

Letzte Vorbereitungen von Hans und mir für unsere Lesungen

Im Antiquariat Buch & Plakat war ich an den Lesungen beteiligt, die jeweils zu vollen Stunde begannen. Ich las Kurzgeschichten und Lyrik, die auf meiner Irlandreise entstanden ist.

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LIVE-CROSSOVER “SIDNEY BECHET UND FLEURE BLEUE”

In der Kiste, einem der kleinsten aber traditionsreichsten Liveclubs Stuttgarts spielte eine Jazzband, dessen Pianist, Benedikt Moser, der Sohn meines Hausarztes ist . Tom Waits, Sidney Bechet und Jeanne Moreau wundern sich, dass sie hier und heute im Mittelpunkt der Band um den Saxophonisten Manni Schütt standen. Die Band wagt ein Rendezvous der besonderen Art: Amerikanischer Abgrund trifft französische Chansons und kreolischen Swing.

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ETHIO-JAZZ „ARAT KILO“

Die Pariser Ethno-Jazz-Gruppe Arat Kilo eroberte das Publikum im Institute Francaise mit ihrem groovigen Sound und ließ Einflüsse aus Jazz und Funk einfließen.

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Der Saxofonist Michaël Havard

Die fünfköpfige Gruppe fühlt sich musikalisch in Äthiopien zu Hause, bedient sich klassischer Instrumente wie Trompete, Klarinette, Saxofon und Bass. Die ausgefallenen Klänge aus ihrem neuen Programm „12 days in Addis“ waren voller Elan und Tempo.

Lesung: „stuttgartnacht 2014“

01.10.2014 at 14:59
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Anlässlich der stuttgartnacht 2014 lese ich am 18. Oktober zusammen mit Olivia Wallner, Monika Lange-Tetzlaff & Robert Tetzlaff, Günter Guben und Hans Martin Thill in der Buchhandlung Buch und Plakat.

19 Uhr            Die 10. Muse- Unsinns-Poesie vom Feinsten!
Olivia Wallner präsentiert als die 10. Muse ein Sammelsurium an gereimten Ungereimtheiten, unsinnigem Widersinn und anderem netten Unsinn.

20 Uhr            Von der Wahrheit bis zum Wahn
Der Schriftsteller, Maler und Photograph Günter Guben liest eigene Texte, die mit der Wahrheit beginnen und bis zum Wahn gehen

21 Uhr            Texte INARBEIT
Michael Seehoff, Blogger und Mitglied im Schriftstellerhaus, liest eigene Prosatexte und Impressionen aus Irland in lyrischer Form. Einen Blick in seine Textwerkstatt gewährt der Autor auf seiner Homepage.

22 Uhr              Hans Martin Thill liest
Hans Martin Thill, Amateurschauspieler und Mitglied im Schriftstellerhaus Stuttgart, liest eine eigene Kurzgeschichte aus der Theaterwelt sowie einen ironischen Text aus dem Krankenhausalltag.

23 Uhr            Vom Küssen, Lieben und Muscheln
Monika Lange-Tetzlaff und Robert Tetzlaff lesen erotische und frivole Gedichte von Celander bis Tucholsky

Dauer der einzelnen Programmpunkte: ca. 20 Minuten.

Parallel dazu bietet Buch&Plakat jeweils um 19 Uhr, 20 Uhr, 21 Uhr und 22 Uhr einen Quartiersspaziergang an:
„Vom guten Essen und Trinken im Bohnenviertel“

Robert Tetzlaff führt durchs Bohnenviertel und stellt jeweils unterschiedliche Lokale/Kneipen und ihre kurzweilige Geschichte vor. Anhand der „Lokalgeschichten“ wird auch ein Stückchen Stadtgeschichte lebendig und regt zu eigenen Entdeckungen im Quartier an
Dauer: ca. 20 bis 30 Minuten

Treffpunkt: vor dem Laden von Buch & Plakat, Wagnerstr. 43, 70182 Stuttgart (Bohnenviertel)

Buch & Plakat – Antiquariat ist mehr als ein Antiquariat, versteht sich als Treffpunkt für Kulturinteressierte und Leseratten, bieten Vorträge und Stadtspaziergänge zu unterschiedlichsten Themen an. Dabei steht das Bohnenviertel, ein Kleinod Stuttgarts, im Mittelpunkt.

Von rechts nach links – Aus dem Tagebuch eines Inselreisenden XIX

11.09.2014 at 8:09

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M. hatte in seinem Lieblingsantiquariat „Buch & Plakat“ bei einer Weinprobe (!) von der Reiseorganisation „People to People“ gehört. Was dahinter steckte, erfuhr M. bei seinen Internet-Recherchen: die MLPD, eine linksradikale Splitterpartei, die, obwohl politisch unbedeutend, bei den Demos gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 immer mit den größten Transparenten auftritt. Eine Reiseorganisation, die sich die Völkerverständigung auf die Fahnen geschrieben hat, das gefiel M.

6 Wohnungen stehen in dem lang gestreckten Ferienhaus in Colònia de Sant Pere zur Verfügung und M. staunte nicht schlecht, als in der zweiten Woche in die Wohnung nebenan der große Vorsitzende der MLPD mit seiner Lebensgefährtin einzog.

M. kam aus dem Staunen nicht mehr raus, als er gestern den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten, Roland Koch, erst auf dem Markt von Seneu und später am Abend an der Hafenmole in Colònia de Sant Pere begegnete. Erholen wollen sie sich halt alle, egal, in welchem politischen Lager man steht, dachte M. und schlenderte lächelnd, den Mittelweg nehmend, nach Hause.

Afrika im Bohnenviertel

18.08.2014 at 23:18

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Das Antiquariat Buch & Plakat veranstaltet auch hin diesem Jahr wieder ihre Lesungen im Garten der Weinstube Schellenturm im Bohnenviertel. Am Samstag den 16. August lasen Robert und Monika aus Werken afrikanischer Autoren.

Die afrikanischen Schriftsteller sehen sich mannigfaltigen Herausforderungen gegenüber. Robert Tezlaff verdeutlichte das am Beispiel der nigerianischen Literatur. Nigeria ist mit 152 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land des afrikanischen Kontinents. Jährlich erscheinen dort 500 bis 600 Titel. (Im Vergleich zur Bundesrepublik ist das verschwindend gering. Hier kommen auf 82 Millionen Einwohner ca. 93.000 Neuerscheinungen pro Jahr.) Hinzu kommt eine hoher Anteil von Analphabeten und eine Sprachenvielfalt (514 verschiedene Sprachen). Die Amtsprache Englisch können nur 53 % lesen. Die Schriftsteller können so gut wie nie vom Schreiben leben, arbeiten häufig an Schulen und Universitäten. Umso mehr Respekt verdient der nigerianische Schriftsteller Akinwande Oluwole Soyinka, der 1986 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Der Senegalese Léopold Sédar Senghor erhielt 1968 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Nicht ganz unumstritten: In Frankfurt kam es zu öffentlichen Protesten, die Studentenbewegung bezichtigte ihn, ein „afrikanischer Ideologe des Kolonialismus und Neokolonialismus“ zu sein. Senghor war der erste Staatspräsident des jungen senegalesischen Staates und damit auch für die Niederschlagung eines Generalstreikes 1968 verantwortlich. Ein führender Vertreter der Studentenbewegung, Daniel Cohn-Bendit, wurde in diesem Zusammenhang zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt.

Mit Miriam Bâ wurde eine große senegalesische Schriftstellerin vorgestellt. Ihr Roman „Ein so langer Brief“ erregte auch in Europa Aufsehen. Aus diesem fiktiven Briefwechsel las Monika Lange-Tetzlaff einen Ausschnitt, den eine Witwe an ihre Freundin verfasst und darin die Stellung der Frauen in einer polygamen Ehe beschreibt. Ihr zum Zeitpunkt der Niederschrift verstorbene Mann hatte sich eine Schulfreundin ihrer Tochter zur zweiten Frau genommen. Dieser Roman war Anfang der achtziger Jahre „Pflichtlektüre“ für uns, nach Westafrika entsandte, Entwicklungshelfer.

Aus dem Kampf gegen den portugiesischen Kolonialismus ging António Agostinho Neto als erster Präsident Angolas 1975 hervor. Er war der Führer der Befreiungsbewegung gegen die Portugiesen: MPLA. In Portugal studierte er Medizin. Dass er ausgerechnet die Amerikaner um Hilfe gegen die Kolonialmacht ersuchte, erscheint wie ein Witz. Allerdings gibt es in Angola Erdöl. Wenn es um Rohstoffe geht, waren und sind die Industriestaaten immer interessiert. Unterstützung bekam er schließlich aus Kuba und der Sowjetunion. Zeitweise Kämpfte Che Guevara an der der Seite der Aufständischen. Der Arzt und Schriftsteller Neto wurde mit einem Gedicht vorgestellt.

Ein grausiges Schicksal erlitt der erste Staatspräsident des unabhängigen Kongo (ehemals belgische Kolonie): Er wurde im Auftrag der CIA erschossen. Sein vorgetragenes Gedicht zeigt einen sensiblen Kämpfer.

Als ich im Kongo arbeitete, damals hieß er Zaire, erzählte man mir noch Geschichten aus der blutigen Kolonialzeit der Belgier. Die Kongolesen zahlten einen hohen Blutzoll. Die Kolonialherren dezimierten die Bevölkerung zwischen 1895 und 1907 (als die Kolonie vom königlichen Privatbesitz König Leopold II in staatliches Eigentum umgewandelt wurde) von 25 Millionen auf 15 Millionen Einwohner.

Der Nachmittag im Schellenturm bot einen interessanten Einblick in die vielfältige Literatur Afrikas und vermittelte wertvolle Hintergrundinformationen. Die nächsten Veranstaltungen von Buch & Plakat kann man auf ihrer Homepage einsehen.

Viele der vorgestellten Texte sind nur noch antiquarisch erhältlich. Ein guter Grund, bei Buch & Plakat vorbei zu schauen. Dieses Stuttgarter Antiquariat finden Sie in der Wagnerstrasse 43, natürlich im Bohnenviertel.

Welttag des Buches …

29.04.2014 at 14:35

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… ja so einen Tag gibt es: Es ist ein von der UNESCO weltweit eingerichteter Feiertag für das Lesen, für Bücher, für die Kultur des geschriebenen Wortes und auch für die Rechte ihrer Autoren. Er fällt zusammen mit dem Tag des Deutschen Bieres, denn am 23. April 1516 wurde das deutsche Reinheitsgebot proklamiert. Diese zwei Produkte wurden maßgeblich in Deutschland entwickelt. Gutenberg begann um 1450 mit beweglichen Lettern zu drucken,  die Lutherbibel druckte er zwischen 1450 und 1452. Die Bierherstellung praktizierten Mönche schon im Mittelalter.

Die Wortlupe Robert Tetzlaff freut sich über eine volle Buchhandlung

Die Wortlupe
Robert Tetzlaff freut sich über eine volle Buchhandlung

An diesem Jahrestag, dem 3. April, las ich im Antiquariat „Buch & Plakat“ heitere Prosa- und Lyriktexte. Der Titel der Lesung „Die Wortlupe“ wählte ich, weil ich auch Begriffe aus der Umgangsprache kritisch unter die Lupe nahm. Nach der Ringelnatzlesung ist es schon die zweite Lesung, die ich in diesem sympathischen  Antiquariat bei Monika Lange-Tetzlaff und Robert Tetzlaff gestaltete.

Monika und Robert bieten neben ausgesuchten, aniquarischen Büchern auch Drucke an, besorgen jedes lieferbare Buch und bieten ein interssantes Kulturprogramm an. Dieses ist auf ihrer Homepage einsehbar.

90 Jahre Büchergilde Gutenberg

25.02.2014 at 21:40

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Die Antiquariats-Buchhandlung „Buch & Plakat“ veranstaltete zum 90. Jubiläum der Büchergilde Gutenberg am 21. Februar in ihren Räumen eine Lesung aus Werken dieses Buchclubs und blätterte die Geschichte von 1924 bis heute auf. Anfang des 20. Jahrhunderts gründeten sich eine Reihe von Buchclubs, die oft nach einem rasanten Aufstieg einen steten Verfall hinnehmen mussten. In der Weimarer Republik betrug der Monatsbeitrag 70 Pfennig, etwa die Hälfte des Stundenlohns eines Facharbeiters. Die Mitgliedschaft war verbunden mit der Verpflichtung, in regelmäßigen Abständen ein Buch zu kaufen. 1933 erlitt die Kultur in Deutschland einen schweren Schlag. Wie die Gewerkschaften wurde auch die Büchergilde von den Nazis gleichgeschaltet. Allerdings nur einen Teil, denn der Kern des Verlags ging ins Schweizer Exil und versuchte, das Programm weiterzuführen.

Von den 85 Buchgemeinschaften Ende der fünfziger Jahre gibt es heute nur noch drei: Der Bertelsmann Buchclub, die Wissenschaftliche Buchgesellschaft und die 1924 vom gewerkschaftlichen Bildungsverband der deutschen Buchdrucker gegründete Büchergilde Gutenberg. Immer schon hatte sie den Anspruch, inhaltlich gute Bücher in technisch vollendeter Ausführung und mit nicht alltäglicher Ausstattung zugänglich machen. Diesem Anspruch ist sie bis heute treu geblieben. Kein Verlag hat so viele Preise für außergewöhnliche Buchgestaltung erhalten wie sie. Gerade letztes Jahr wurde von der Stiftung Buchkunst in der Sparte Allgemeine Literatur Katherine Mansfield „In einer deutschen Pension“ mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Hier kann man in den Buch blättern.

Beim Neujahrsempfang der Anstifter las ich aus „Die weiße Rose“ von B. Traven. Er war ein Zugpferd der Büchergilde. Sein erstmals 1926 in der Büchergilde Gutenberg erschienener Roman „Das Totenschiff“ wird bis heute dort verlegt. Zum Jubiläum am 21. Februar las Monika Lange-Tetzlaff Texte der Büchergildeautoren, ihr Mann Robert stellte die wechselhafte Geschichte vor. Das alles in ihrer sympathischen kleinen Buchhandlung, umgeben von Büchern. Die Tezlaffs unterhalten eine enge Kooperation mit der Büchergilde, konnten wertvolle Antiquitäten aus dem Bestand der Büchergilde präsentieren.

Als Bücherfreund in dieser Umgebung mit Literatur konfrontiert zu werden und die Gelegenheit zu haben, die wunderschön gestalteten Bücher in die Hand zu nehmen, macht Freude. Mit einem Glas Karl-Marx-Sekt klang der Abend stilvoll aus.

Ringelnatz – Eine Annäherung

20.12.2013 at 13:25

Lesung Ringelnatz_Buch und Plakat

Am 13. Dezember 2013 las ich Gedichte aus dem Werk von Ringelnatz im Antiquariat
„Buch & Plakat“. Dabei schlug ich einen weiten Bogen von den Anfängen bis hin zu den politisch-anarchistischen Gesängen des Franz Josef Degenhardt. Hintergründe zum Leben von Ringelnatz, seine Verfolgung und Bücherverbrennung durch die Faschisten kamen ebenso zur Sprache wie seine Leidenschaft für die Seefahrt, der er mit seinen Gedichten um den Seefahrer Kuddel Daddeldu ein Denkmal gesetzt hat.

mikrofonSabine Gärttling vom Freien Radio Stuttgart hat einen Mitschnitt der Lesung gemacht. Ausschnitte daraus sind am Samstag, 21.12.2013, ab 15 Uhr in der Sendung Kulturpalast zu hören. Über Antenne ist FRS  auf der Frequenz 99,2 MHz zu empfangen, über Kabel auf der Frequenz 102,1 Mhz. Im Internet wird die Sendung ebenfalls verfügbar sein, über den Lifestream (rechts auf der FRS-Seite).

 

Ausschnitte mit Sprachdateien aus dem Programm gibt es auf meiner Seite Lerchenflug.de unter der Rubrik Prosa.

Im Wein liegt Wahrheit

03.11.2013 at 20:42

Lesung Buch & PlakatEine Weinprobe ganz besonderer Art gestern im Bohnenviertel: Die kleine, sympathische Buchhandlung „Buch und Plakat“ lud zur literarischen Weinverkostung ein. Die Inhaber Monika Lange-Tetzlaff und Robert Tetzlaff lasen heitere, besinnliche und auch hinterlistige Texte zur Verkostung der ökologisch angebauten Weine. Gerrit Brust-Bader von der Agentur „People to People“ hatte eine wunderbare Auswahl von Weiß- und Rotweinen dabei, die er den literarisch interessierten Weinliebhabern ausführlich erklärte. Nicht nur die Frage nach der Bodenbeschaffenheit, die dem Wein seinen spezifischen Geschmack gibt, wurden beantwortet, auch Traubennamen wurden erklärt. Besonders hat die Elster gefreut, dass der Merlot eine Anspielung auf das französischen Wort Merle ist, auf Deutsch Amsel. Ein Verweis auf die Vorliebe der Amseln auf die rote Rebsorte, die besonders früh reift. Die Lerche machte gleich den Vorschlag, ob man nicht die Merle mitnehmen solle, eine Skatrunde wäre zusammen.

Weder die Leche noch die Elster wussten, dass der Österreichische Wein „Tirolinger“ der Großvater ihres geliebten Trollingers ist. Böse Zungen behaupten, Trollinger sei eine Verballhornung des Wortes Tirolinger. Hört man den Schwaben nach dem vierten Glas Trollinger das fünfte Viertele bestellen, erschließt sich einem diese Lautverschiebung.

Auch geschichtlich konnten wir Weintrinker einiges erfahren:
Die Reblaus wurde aus Amerika eingeschleppt und vernichtete im 19. Jahrhundert in Europa große Teile des Weinbaus. Sie wurde in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts durch Rebstöcke von der Ostküste Amerikas über London ins südliche Frankreich eingeschleppt und breitete sich in der Reblausinvasion rasant von dort über sämtliche europäische Weinbaugebiete aus. Damit war sie der zweite Schädling, der den Europäern große Verluste bereitete. Schon die großen Hungersnöte in Irland waren aus Amerika durch die „Kartoffelfäule“, einem Pilz ausgelöst worden. Heute werden wir durch Trojaner und Geheimdienste aus Amerika beschädigt.

Im Bohnenviertel wohnten damals Tagelöhner, die sich in den umliegenden Weinbergen verdingten. Die Bezahlung war miserabel, sie zogen in ihren kleinen Hinterhöfen Bohnen. Eine bekanntlich platzsparende Gemüsesorte mit hohem Sättigungswert. Heute sind die meisten Weinberge der Erschließung lukrativer Immobilien gewichen und die Tagelöhner einer quirligen Szene von kleinen Handwerkern, Kneipen, Galerien und literarischen Kleinoden. T he Times They Are A-Changin“, wie der alte Bob schon vor knapp 50 Jahren sang.