Der Sound des Franz Dobler

27.03.2017 at 23:55
Franz Dobler im Gespräch mit Thomas Klingenmaier

Franz Dobler im Gespräch mit Thomas Klingenmaier

 

Am 25. März 2017 las Franz Dobler im Rahmen der 8. Stuttgarter Kriminächte in Bad Cannstatt. Im hellen Deckenlicht stehend begrüßt die Leiterin der Stadtteilbibliothek, Alexandra Kirchner, die zahlreichen Gäste dieses Abends und Frau Eva Hosemann vom Vorstand des Vereins Stuttgarter Kriminächte e. V. lobt die herzliche Atmosphäre in dieser kleinen Stadtteilbibliothek am Ufer des Neckars. Das Deckenlicht wird ausgeschaltet und von nur zwei Tischlampen beleuchtet beginnen der Moderator, Thomas Klingenmaier, und sein Gast in verhaltenem Ton miteinander ins Gespräch zu kommen. Das ist am Anfang für den Redakteur im Kulturressort der Stuttgarter Zeitung nicht ganz einfach, er hat es mit einem introvertierten Autor zu tun, der sich im Gespräch eher verhalten denn in ausufernden Sätzen äußert. Darin scheint eine große Übereinkunft zwischen Autor und Werk zu bestehen, auch die Sätze in dem Roman Ein Schlag ins Gesicht sind kurz, knapp und präzise, hängen schon mal mit offenem Ende wie kalter Rauch in einer Kneipe im Raum.

Auf dem Buchdeckel steht als Gattungsbezeichnung Kriminalroman

Auf dem Buchdeckel steht zwar Kriminalroman aber Franz Dobler weiß nicht so recht, ob es der passende Gattungsbegriff ist. Es ist auch ein psychologischer Roman und ein Milieuroman. Heute wird ja der größte Teil der Mainstreamliteratur der Gattung Krimi zugeordnet: Die anderen Literaturarten würden wie Fachliteratur auf speziellen Tischen in den Buchhandlungen präsentiert, beschreibt Thomas Klingenmaier die Ordnung in den Buchläden.

Als Franz Dobler seinen ersten Krimi zu schreiben begann, war ihm noch nicht klar, ob es eine Fortsetzung geben würde aber schon bevor er das Manuskript beendet hatte, stand für ihn fest, sein Ermittler Robert Fallner würde ihn weiter beschäftigen. Franz Doblers Freundschaft mit einem Regisseur, mit dem er häufig während des Schreibprozesses diskutierte, trug dazu bei, dass er seine Romane eng an die Schnitttechnik im Film anlehnte.

Am Ende des ersten Fallner Krimis, Ein Bulle im Zug, der seinen Helden auf eine schier endlos lange Zugfahrt quer durch die Republik schickt, stand dessen Entlassung aus dem Polizeidienst. Diese Vorgeschichte zu Ein Schlag ins Gesicht wurde 2015 mit dem ersten Platz beim Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Für die Fortsetzung bekam Franz Dobler 2016 den dritten Platz beim Deutschen Krimipreis.

Nach zwanzig Bullenjahren ist Faller Ex

Zwanzig Jahre war Fallner Polizist, dann hat er hingeschmissen. Er hatte im Dienst einen kriminellen Jugendlichen erschossen, der die Waffe auf ihn gerichtet hatte. Der Ex-Bulle Robert Fallner heuert bei der Securityfirma seines Bruders an und sucht nach dem Stalker eine Ex-Schauspielerin in seinem Ex-Revier. Sie hat den Auftrag an seinen Bruder gegeben, ihr den fiesen Stalker vom Hals zu halten. Die ehemalige Sex-Darstellerin Simone Thomas hat schon einiges hinter sich: zwei Ehemänner, dreiundvierzig Jahre Showgeschäft, dutzende Nacktfotos, diverse Filmproduktionen, Drogenexzesse, Yellow-Press-Skandale. Franz Dobler schickt seinen Held Robert Fallner gefährlich nahe heran an diese exzentrische Diva, deren Stalker unberechenbar ist, eben wie „Ein Schlag ins Gesicht“.

Robert Fallner ist ein Mann mit Problemen. Mit seinen Kumpel Punkarmin, 55 Jahre, führt er Männergespräche in „Bertls Eck“ und sie spülen den Ärger, den sie an den Hacken haben, mit Bier hinunter.

Die Sprache Franz Doblers an dem Sujet angepasst

Franz Dobler erzählt eher mosaikhaft, episodisch, vermischt Narratives mit inneren Monologen, mit Reflexionen und Anekdotischem in kurzen, knappen Sätzen, an denen er lange überlegt hat, wie er an diesem Abend preisgibt. Mit herrlichen Sprüchen und auf den Punkt genau sitzenden Dialogen beschreibt er seine Helden oder besser gesagt, seine Antihelden in der alten Münchner Kneipenszene rund um den Hauptbahnhof. Er ist stets auf der Suche nach dem richtigen Sound in seiner Sprache, hat einen hohen Sinn fürs Komische, fürs Bizarre und fürs Poetische. Und wenn er Brutales beschreibt, ist seine Sprache ungeschliffen. Da ist er ganz nah dran an den Großen des Kriminalromans wie Elmore Leonard, den er als Vorbild angibt. Der hätte einmal gesagt: „Kümmere dich nicht darum, was deine Mutter von deiner Sprache hält“. Franz Dobler ist nicht an Pathologieberichten interessiert, aus denen seine skandinavischen Kollegen bei der Suche nach Serienkillern so gerne und oft zitieren. Auch sind die Crime-Elemente eher spärlich gesät, und mancher Leser hat schon kritisiert, dass das nicht als Krimi bezeichnet werden sollte.

Damit ist er sehr nah an dem Großmeister des lakonischen Krimis, Friedrich Ani, der seinen Ermittler Tabor Süden auch als einen beschreibt, der sich in Kneipen „bebiert“ und eher schweigt als große Reden schwingt.

Ein Schlag ins Gesicht
Roman
365 Seiten, geb. mit Schutzumschlag
Klett-Cotta, Tropen, Preis 19,95 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens, die in Bad Cannstatt die Buchhandlung „Wagner“ in der Marktstraße 34 sein könnte

Rainer Wochele mit einer neuen Erzählung

01.03.2015 at 9:37
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Rainer Wochele stellt seinen neues Buch „Der Katzenkönig“ in der Stadtbibliothek Stuttgart vor

 

Rainer Wochele nennt sein neues Buch, „Der Katzenkönig“, eine Erzählung. Am 26. Februar stellte er diese in der Stadtbibliothek Stuttgart vor. Über 850 Titel mit dem Stichwort Katze befinden sich im Bestand der Bibliothek, wie die Direktorin, Frau Brunner, in ihrer Einleitung zur Lesung ausführte. Hubert Klöpfer, sein Verleger, meinte, Rainer Wochele an diesem Ort vorzustellen, sei überflüssig, tat es dann aber doch in einem Schnelldurchlauf, um anschließend das Wort an die Moderatorin des Abends, Lerke von Saalfeld, abzugeben.

Sie wollte wissen, wie Rainer Wochele zu seinem Thema gekommen ist. R. Wochele, der in Bad Cannstatt lebt, fand immer wieder auf seinen Spaziergängen durch Straßen und Kurpark Aushänge, die dem Finder vermisster Katzen hohe Belohnung versprachen. Die Tierliebe treibe tolle Blüten, bis zu 500 € würden als Finderlohn geboten, erzählte er. Dieses Thema hat ihn förmlich angesprungen. Noch dazu, als er ein Thema nie erzwingen könne, es ihm, wie hier, zufliegen muss. Dann befinde er sich in einem Zustand zwischen Blindheit und Bewusstsein und ein erster Satz, der Anfang einer Geschichte kann von ihm geschrieben werden.

Rainer Wochele führt durch Bad Cannstatt

Lerke von Saalfeld kann die Erzählung auch als einen Führer durch Bad Cannstatt lesen. Die Geschichte setzt ein mit dem Katzenkönig, der den Kater „Sauerbruch“ in die Taubenheimstraße zu Frau Doktor Schmückle-Bräuchle bringt. Entlang des Neckars fährt er mit seinem klapprigen Damenfahrrad. Obwohl der Kater nicht der von der Doktorin ist, bringt er ihn zu ihr. Er weiß sehr wohl, ein „frisiertes“ Tier, wenn es sich denn nur einschmeichelnd verhält, wird von der vermeintlichen Besitzerin angenommen. König hat den Kater mit Hilfe seiner Bekannten, einer Frisörin, dem Fahndungsfoto entsprechend herausgeputzt und koloriert. Ihm gelingt, die sehr beschäftigte Frau Dr. Schmückle-Bräuchle zu täuschen, die den Kater Sauerbruch als ihren verlorengeglaubten „Räuber“ annimmt.

Im Gespräch erläutert Rainer Wochele den Plot seiner Erzählung: Der Protagonist, der arbeitslose und sich in ziemlich prekärer Lebenslage befindliche Tierarzt Dr. Karlheinz König, hat sich auf die Rückführung entlaufener Katzen spezialisiert, nachdem er seinen Job aufgegeben hat mit dem er zusehends in Konflikt geraten war. Er wollte nicht weiter in der Forschung arbeiten, die mittels Tierversuchen neue Erkenntnisse zu Tage fördert. Obwohl das Buch ausschließlich in Bad Cannstatt spielt, ist sein Thema alles andere als gemütlich und provinziell. Die Erzählung stellt eine der großen, hochaktuellen ethischen Fragen, die nach der Verantwortbarkeit von Tierversuchen in der medizinischen Forschung. Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit Rainer Wochele über solch ein schwergewichtiges Thema zu schreiben vermag. Streckenweise erzählt er aus der Perspektive der Katzen, die den Untergang der Menschen herbeifabulieren. Dabei schreibt er sich in die Nähe von E.T.A. Hoffmann, der in seiner Erzählung „Die Lebensansichten des Kater Murr“ ebenfalls die Katze zu Wort kommen lässt. Die Tiere gewinnen auch bei Wochele eine Eigenmächtigkeit. Das unterstreicht der Autor, indem er den von Dr. König eingefangenen Katzen Namen berühmter Ärzte und Wissenschaftler gibt: Hyppokrates, Pasteur, Röntgen, Semmelweis und eben Sauerbruch. Dabei war es ihm wichtig, den Katzen ihre Tierhaftigkeit zu belassen. Er zeigt, was die moderne Wissenschaft in ihren Laboratorien mit den Tieren anstellt. So ist diese Erzählung auch ein Ausdruck des Protests dagegen. Für Rainer Wochele haben die Tiere eine Seele und er hält die Quälerei der Tiere für ein dunkles Kapitel der Wissenschaft. Wolfgang Schorlau, der Krimiautor aus Stuttgart, ist mit einem Zitat auf dem Buchrücken abgedruckt. Auch er hat sich in seinem letzten Roman der Frage des Umgangs mit Tieren – bei ihm in der Massentierhaltung – angenommen. Zwei Bücher zur Frage nach dem Verhältnis zu den Tieren, zwei ganz unterschiedliche Werke.

Der Katzenkönig
164 Seiten, geb. mit Schutzumschlag und farbigem Vorsatzblatt
Klöpfer & Meyer, Preis: 20,00 €
zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Aus der Reihe: “Ein wundersamer Ort”

30.09.2014 at 14:00

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Nun gehen die Grabarbeiten für die Tunnel in Bad Cannstatt los. Gut, dass die Bahn eine fleißige Ratte als Helfer hat.

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Auf dem Wasen muss nach dem Volksfest sicher gründlich aufgeräumt werden!

Wessen Stadt? Wessen Straßen?

04.08.2014 at 13:00

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Ritzel statt Rußpartikel: Dies ist das Motto der Radfahrer, die sich zur Cirical Mass am 1. August zusammen schlossen und durch Stuttgart radelten. Vom Feuersee ging es los.

Etwa 500 Radler traten bei herrlichem Sommerwetter gemeinsam in die Pedalen, fuhren am Wilhelmsplatz vorbei Richtung Theodor-Heuss-Straße, die wir einmal in die eine und dann in die andere Richtung befuhren. Am Bahnhof und der Großbaustelle vorbei, durch die Wolframstraße auf die B 27 zum Pragsattel. Von dort aus konnten wir es „laufen lassen“ über den Neckar, runter nach Bad Cannstatt. Unser Ziel war das Zollamt am alten Güterbahnhof. Dort wartete Speis und Trank auf uns und eine Party zum Erscheinen der Erstausgabe des Übermorgen-Magazins, das im ersten Heft ausführlich über die Critical Mass Stuttgart berichtet.

Aus der Reihe: “Ein wundersamer Ort”

01.08.2014 at 15:01
Wieder ein sehr komplexes Werk von Ayran Brotherhood. Die Lassidose ist geschickt im Bild plaziert (unter dem Fisch)

Wieder ein sehr komplexes Werk von Ayran Brotherhood. Die Lassidose ist geschickt im Bild platziert (unter dem Fisch)

Da braucht man noch nicht einmal einen Zug genommen haben - die Augen spielen schon beim Anschauen verrückt.

Da braucht man noch nicht einmal einen Zug genommen haben – die Augen spielen schon beim Anschauen verrückt.

… da geht noch was

02.07.2014 at 10:08

geburtstag
Als ich heute mit dem Rad zur Arbeit fuhr, war ich doch sehr erstaunt, woher die Sprayerszene in Bad Cannstatt von meinem Geburtstag wusste…

Aus der Reihe: “Ein wundersamer Ort”

10.06.2014 at 15:44

simenon

Von einer Wand der Hall of Fame schaute mich Kommissar Maigret an. Offensichtlich goutiert er die Zeichnungen, ganz anders als der Polizist, der am liebsten die Buchstaben auseinander schieben möchte.

polizei

Doch alles, was er damit bezweckt ist, dass noch mehr Licht aus der Welt der Buchstaben und Wörter auf den Betrachter fällt.

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Ein Kind betrachtet das alles wiederum mit ganz anderen Augen.

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Ob es allerdings diese wunderbaren Buchstaben und Wörter in seinem Alter schon lesen kann, bleibt unbeantwortet.

hello

Aus der Reihe: „Ein wundersamer Ort“

06.03.2014 at 18:18

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Aus der Reihe „Ein wundersamer Ort“

01.03.2014 at 22:08

eisvogel

Ist es nicht merkwürdig? Da wird die Flora und Fauna durch die zwei Infrastrukturprojekte „Stuttgart 21“ und „Rosensteintunnel“ im Rosensteinpark und am angrenzenden Neckarufer radikal dezimiert und die Künstler setzen mit ihren Spraydosen dem Eisvogel – der am Neckar gesichtet wurde – ein Denkmal. Die beiden Bäume rechts und links beziehen sie dabei wie selbstverständlich gleich in ihre Kunst mit ein.

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Dunkle Gestalten kämpfen Kampf gegen die Natur. Sie erweist sich als wandlungsfähig und daher als schwer angreifbar. Diese Gestalten verbreiten den Tod.

dunkel_gestalten

Das wachsame Auge blickt auf die Dämonen des Fortschritts.auge

Aus der Reihe „Ein wundersamer Ort“

19.02.2014 at 9:00

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Ein wundersamer Ort – Hall of Fame

02.01.2014 at 13:30

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Auf meinem Weg zur Arbeit komme ich an den Graffitiflächen der „Hall of Fame“ vorbei und was ich da an Kunstwerken sah und immer wieder neu sehe (regelmäßig grundieren die Sprayer die Flächen für neue Bilder), drängte mich, das zu dokumentieren. Dabei ist der Name für den Blog entstanden: Elsternest. Gleich der diebischen Elster lege ich die hier und da gefundenen Schätze ins (Blog)-Nest. Alle Bilder nun in groß:
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hohesee
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