Wir träumen alle volles Risiko

07.03.2015 at 0:41
Forum der Kulturen Stuttgart - Wir träumen alle volles Risiko

Geldekstase

 

So lautet der Titel einer Theatercollage des Interkulturellen Theaterensembles des Forum der Kulturen Stuttgart e.V. Einundzwanzig Darstellerinnen und Darsteller aus aller Herren Länder setzen in harmonischer Choreografie das Thema um. Dicht gedrängt sitzen die Zuschauer im Laboratorium, das normalerweise hochkarätige Blues-, Jazz und Folkmusiker auf die Bühne bringt.

Alles selbst erarbeitet

Unter Leitung der drei Theaterprofis Boglárka Raiser, Luis Hergón, und Wilfried Alt haben die Ensemblemitglieder seit September letzten Jahres das Stück erarbeitet und eingeprobt. Am Anfang stand die Recherche zu den Begriffen Rausch und Ektase und es war schnell klar, das Feld ist weit und endet nicht beim Rauschgift und der sexuellen Ektase. Rauschhafte Gefühle beim Bungeesprung vom Felsrand, ekstatische Erfahrungen aus anderen Ländern, wie der Todesmythos in Südamerika oder der Derwischtanz in der Türkei, wurden in die Recherche einbezogen. Das Theaterensemble des Forums der Kulturen Stuttgart erforschte das Wesen des Rauschs in seiner Vielfalt und die jungen Leute beschrieben in der Textwerkstatt der Schriftstellerin Sudabeh Mohafez ihre eigenen Erfahrungen, Ideen, Fantasien und Sehnsüchte. So entstanden kurze Texte über den Traum von der Freiheit beim Fliegen, über Euphorie und völlige Wachheit. Texte vom Eintauchen ins Hier und Jetzt bei vollem Bewusstsein, vom Vertrauen in das eigene Können und davon, den Rausch zu beherrschen.

Sudabeh Mohafez schuf aus den Textfragmenten diese Bühnencollage über Rausch und Ekstase in verschiedenen Formen, auch im Sex: „Alle denken ständig drüber nach. Alle machen es dauernd – oder wollen es jedenfalls dauernd machen. Ganze Industrien, ach was!, die ganze Welt dreht sich darum, aber komm bloß nicht auf den Gedanken, darüber reden zu wollen.“

Das Stück treibt zum Höhepunkt

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Ein gut choreographiertes Stück

 

Die Szenen zum Thema „Über Sex reden“ bilden den Höhepunkt dieses anspruchsvollen und höchst unterhaltsamen Theaterabends im Laboratorium. Dabei spielt es keine Rolle, dass der Migrationshintergrund der Schauspielerinnen und Schauspieler herauszuhören ist. Im Gegenteil, es macht den Reiz der Aufführung aus, wenn immer wieder Satzfetzen und Ausdrücke aus dem Spanischen, dem Italienischen und aus anderen Sprachen einfließen.

Sex ist die Klammer um das Stück: In völliger Dunkelheit beginnt das Stück, nur Intimgeräusche sind zu hören. Es endet mit den unterschiedlichen Sexualpraktiken, die zur Ekstase führen können. Sexualität ist eine Universalsprache, auch das wird an diesem Abend deutlich.

Selbst eine lange Nacht geht mal zu ende

21.10.2014 at 9:00
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SCHAUSPIEL „SORUNLU İNSAN KAYNAĞı“

Im Rathaus spielte Theater Lokstoff zusammen mit der Gruppe Sonra Tiyatrosu aus Istanbul. Sie präsentieren Auszüge aus ihrer neuen Gemeinschaftsproduktion SORUNLU İNSAN KAYNAĞı in türkischer Sprache. Ein Mitarbeiter des Theaterhauses übersetzte simultan

Beeindruckend die Aufführung im FITZ

„UND PLÖTZLICH STAND DIE SONNE STILL“

„UND PLÖTZLICH STAND DIE SONNE STILL“

Eine Frau auf der Bühne, auf ihrem weißen Kostüm Lichtprojektionen. Wir wurden ins Weltall entführt, als sie mit einem Ball auf der Bühne jonglierte, auf dem der blaue Planet projiziert war. Es zeigt, wie vor 500 Jahren der Mensch in Bewegung geraten ist. Plötzlich befand sich der Mensch nicht mehr in der behaglichen Mitte des Seins, wurde in die Umlaufbahn der Sonne gestoßen, unablässig den Mittelpunkt des eigenen Planeten umkreisend und Teil einer so zeitlupenhaften wie rasenden Expansion weg vom Zentrum des Urknalls geworfen.

Lange Stuttgartnacht: Michael Seehoff und Hans Thill in "Buch und Plakat"

Letzte Vorbereitungen von Hans und mir für unsere Lesungen

Im Antiquariat Buch & Plakat war ich an den Lesungen beteiligt, die jeweils zu vollen Stunde begannen. Ich las Kurzgeschichten und Lyrik, die auf meiner Irlandreise entstanden ist.

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LIVE-CROSSOVER “SIDNEY BECHET UND FLEURE BLEUE”

In der Kiste, einem der kleinsten aber traditionsreichsten Liveclubs Stuttgarts spielte eine Jazzband, dessen Pianist, Benedikt Moser, der Sohn meines Hausarztes ist . Tom Waits, Sidney Bechet und Jeanne Moreau wundern sich, dass sie hier und heute im Mittelpunkt der Band um den Saxophonisten Manni Schütt standen. Die Band wagt ein Rendezvous der besonderen Art: Amerikanischer Abgrund trifft französische Chansons und kreolischen Swing.

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ETHIO-JAZZ „ARAT KILO“

Die Pariser Ethno-Jazz-Gruppe Arat Kilo eroberte das Publikum im Institute Francaise mit ihrem groovigen Sound und ließ Einflüsse aus Jazz und Funk einfließen.

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Der Saxofonist Michaël Havard

Die fünfköpfige Gruppe fühlt sich musikalisch in Äthiopien zu Hause, bedient sich klassischer Instrumente wie Trompete, Klarinette, Saxofon und Bass. Die ausgefallenen Klänge aus ihrem neuen Programm „12 days in Addis“ waren voller Elan und Tempo.

Aus der Reihe: “Ein wundersamer Ort”

30.09.2014 at 14:00

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Nun gehen die Grabarbeiten für die Tunnel in Bad Cannstatt los. Gut, dass die Bahn eine fleißige Ratte als Helfer hat.

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Auf dem Wasen muss nach dem Volksfest sicher gründlich aufgeräumt werden!

Aus der Reihe: “Ein wundersamer Ort”

01.08.2014 at 15:01
Wieder ein sehr komplexes Werk von Ayran Brotherhood. Die Lassidose ist geschickt im Bild plaziert (unter dem Fisch)

Wieder ein sehr komplexes Werk von Ayran Brotherhood. Die Lassidose ist geschickt im Bild platziert (unter dem Fisch)

Da braucht man noch nicht einmal einen Zug genommen haben - die Augen spielen schon beim Anschauen verrückt.

Da braucht man noch nicht einmal einen Zug genommen haben – die Augen spielen schon beim Anschauen verrückt.

Aus der Reihe: “Ein wundersamer Ort”

10.06.2014 at 15:44

simenon

Von einer Wand der Hall of Fame schaute mich Kommissar Maigret an. Offensichtlich goutiert er die Zeichnungen, ganz anders als der Polizist, der am liebsten die Buchstaben auseinander schieben möchte.

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Doch alles, was er damit bezweckt ist, dass noch mehr Licht aus der Welt der Buchstaben und Wörter auf den Betrachter fällt.

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Ein Kind betrachtet das alles wiederum mit ganz anderen Augen.

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Ob es allerdings diese wunderbaren Buchstaben und Wörter in seinem Alter schon lesen kann, bleibt unbeantwortet.

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Aus der Reihe: „Ein wundersamer Ort“

06.03.2014 at 18:18

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Aus der Reihe „Ein wundersamer Ort“

01.03.2014 at 22:08

eisvogel

Ist es nicht merkwürdig? Da wird die Flora und Fauna durch die zwei Infrastrukturprojekte „Stuttgart 21“ und „Rosensteintunnel“ im Rosensteinpark und am angrenzenden Neckarufer radikal dezimiert und die Künstler setzen mit ihren Spraydosen dem Eisvogel – der am Neckar gesichtet wurde – ein Denkmal. Die beiden Bäume rechts und links beziehen sie dabei wie selbstverständlich gleich in ihre Kunst mit ein.

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Dunkle Gestalten kämpfen Kampf gegen die Natur. Sie erweist sich als wandlungsfähig und daher als schwer angreifbar. Diese Gestalten verbreiten den Tod.

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Das wachsame Auge blickt auf die Dämonen des Fortschritts.auge

Aus der Reihe „Ein wundersamer Ort“

19.02.2014 at 9:00

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Ein wundersamer Ort – Hall of Fame

02.01.2014 at 13:30

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Auf meinem Weg zur Arbeit komme ich an den Graffitiflächen der „Hall of Fame“ vorbei und was ich da an Kunstwerken sah und immer wieder neu sehe (regelmäßig grundieren die Sprayer die Flächen für neue Bilder), drängte mich, das zu dokumentieren. Dabei ist der Name für den Blog entstanden: Elsternest. Gleich der diebischen Elster lege ich die hier und da gefundenen Schätze ins (Blog)-Nest. Alle Bilder nun in groß:
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Ringelnatz – Eine Annäherung

20.12.2013 at 13:25

Lesung Ringelnatz_Buch und Plakat

Am 13. Dezember 2013 las ich Gedichte aus dem Werk von Ringelnatz im Antiquariat
„Buch & Plakat“. Dabei schlug ich einen weiten Bogen von den Anfängen bis hin zu den politisch-anarchistischen Gesängen des Franz Josef Degenhardt. Hintergründe zum Leben von Ringelnatz, seine Verfolgung und Bücherverbrennung durch die Faschisten kamen ebenso zur Sprache wie seine Leidenschaft für die Seefahrt, der er mit seinen Gedichten um den Seefahrer Kuddel Daddeldu ein Denkmal gesetzt hat.

mikrofonSabine Gärttling vom Freien Radio Stuttgart hat einen Mitschnitt der Lesung gemacht. Ausschnitte daraus sind am Samstag, 21.12.2013, ab 15 Uhr in der Sendung Kulturpalast zu hören. Über Antenne ist FRS  auf der Frequenz 99,2 MHz zu empfangen, über Kabel auf der Frequenz 102,1 Mhz. Im Internet wird die Sendung ebenfalls verfügbar sein, über den Lifestream (rechts auf der FRS-Seite).

 

Ausschnitte mit Sprachdateien aus dem Programm gibt es auf meiner Seite Lerchenflug.de unter der Rubrik Prosa.

Im Wein liegt Wahrheit

03.11.2013 at 20:42

Lesung Buch & PlakatEine Weinprobe ganz besonderer Art gestern im Bohnenviertel: Die kleine, sympathische Buchhandlung „Buch und Plakat“ lud zur literarischen Weinverkostung ein. Die Inhaber Monika Lange-Tetzlaff und Robert Tetzlaff lasen heitere, besinnliche und auch hinterlistige Texte zur Verkostung der ökologisch angebauten Weine. Gerrit Brust-Bader von der Agentur „People to People“ hatte eine wunderbare Auswahl von Weiß- und Rotweinen dabei, die er den literarisch interessierten Weinliebhabern ausführlich erklärte. Nicht nur die Frage nach der Bodenbeschaffenheit, die dem Wein seinen spezifischen Geschmack gibt, wurden beantwortet, auch Traubennamen wurden erklärt. Besonders hat die Elster gefreut, dass der Merlot eine Anspielung auf das französischen Wort Merle ist, auf Deutsch Amsel. Ein Verweis auf die Vorliebe der Amseln auf die rote Rebsorte, die besonders früh reift. Die Lerche machte gleich den Vorschlag, ob man nicht die Merle mitnehmen solle, eine Skatrunde wäre zusammen.

Weder die Leche noch die Elster wussten, dass der Österreichische Wein „Tirolinger“ der Großvater ihres geliebten Trollingers ist. Böse Zungen behaupten, Trollinger sei eine Verballhornung des Wortes Tirolinger. Hört man den Schwaben nach dem vierten Glas Trollinger das fünfte Viertele bestellen, erschließt sich einem diese Lautverschiebung.

Auch geschichtlich konnten wir Weintrinker einiges erfahren:
Die Reblaus wurde aus Amerika eingeschleppt und vernichtete im 19. Jahrhundert in Europa große Teile des Weinbaus. Sie wurde in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts durch Rebstöcke von der Ostküste Amerikas über London ins südliche Frankreich eingeschleppt und breitete sich in der Reblausinvasion rasant von dort über sämtliche europäische Weinbaugebiete aus. Damit war sie der zweite Schädling, der den Europäern große Verluste bereitete. Schon die großen Hungersnöte in Irland waren aus Amerika durch die „Kartoffelfäule“, einem Pilz ausgelöst worden. Heute werden wir durch Trojaner und Geheimdienste aus Amerika beschädigt.

Im Bohnenviertel wohnten damals Tagelöhner, die sich in den umliegenden Weinbergen verdingten. Die Bezahlung war miserabel, sie zogen in ihren kleinen Hinterhöfen Bohnen. Eine bekanntlich platzsparende Gemüsesorte mit hohem Sättigungswert. Heute sind die meisten Weinberge der Erschließung lukrativer Immobilien gewichen und die Tagelöhner einer quirligen Szene von kleinen Handwerkern, Kneipen, Galerien und literarischen Kleinoden. T he Times They Are A-Changin“, wie der alte Bob schon vor knapp 50 Jahren sang.

A Dieu!

16.09.2013 at 18:00

wilhelmspalaisAm Sonntag in den frühen Morgenstunden ging eine wunderbare Zeit zu Ende. Das Wilhelmspalais konnte über 15 Monate für Konzerte, Ausstellungen und Tanzpartys genutzt werden. Ermöglicht haben das die die Stadt Stuttgart und die Betreiber der Wagenhallen. Sie hatten an die Stadt geschrieben und angeboten, in der ehemaligen Stadtbücherei Veranstaltungen auszurichten. Die Stadt gab das Gebäude zur Zwischennutzung frei.  Stefan Mellmann und sein Partner Thorsten Gutbrod präsentierten ein Programm, das es so in Stuttgart noch nicht gegeben hat. Es zeigte sich, wenn man freie Hand hat, gelingt vieles mit Leichtigkeit. Vor allem im Sommer wurden die Konzerte auf der Freitreppe zum Erlebnis vor der „Skyline“ Stuttgarts. Ich berichtetet bereits über das Konzert von Ralf Illenberger und Peter Autschbach, die zwei Hexer auf ihren akustischen Gitarren, die von den Wurzeln des Duos „Kolbe-Illenberger“ kommend, eigene Kompositionen entwickelt haben.

dralexUnvergesslich auch das Konzert von „Dr. Aleks & The Fuckers“:
eine wilde, ungezähmte Balkanpunkband. Ihre Musik ist anarchistisch im besten Sinne des Wortes, die Performance eine sexy, gypsy Balkanaction. Bei ihre Version von „Bella Ciao“ lief es mir kalt und heiß den Rücken runter. Spielfreude pur drücke sich in ihren Songs aus. Hier als Appetitanreger ein Video von ihnen.

Demnächst wird in dem ehrwürdigen Gebäude gehämmert und gemeißelt. Der Umbau für das neue Stadtmuseum beginnt. Ich wünsche mir weiterhin lebendige Kultur in Stuttgart.