Vernissage im Theaterhaus

11.11.2014 at 17:54

katrin_weveringAm neunten November wurde im Theaterhaus die Plakatausstellung „100 Jahre Erster Weltkrieg. Die Waffen nieder! Jetzt!“ eröffnet. Dank für die Teilnahme sprach der Geschäftsführer der Anstifter, Fritz Mielert, allen Teilnehmenden am Plakatwettbewerb aus. Er dankte dem anwesenden Leiter des Theaterhauses, Werner Schretzmeier, für die Möglichkeit, eine Auswahl der eingereichten Entwürfe in seinen Räumen zu zeigen.

Im Juli tagte die Jury, bestehend aus Hans D. Christ, Prof Marcus Wischmann, Peter Boehm und Fritz Mielert, und beriet über die ca. 400 Einsendungen.

Die Entscheidung fiel nicht leicht. Trotzdem hatte sich in stundenlanger Debatte ein eindeutiger Favorit herauskristallisiert: Arms Race – Wettrüsten von Vincenzo Fagnani. Seinen bestechend klaren Entwurf belohnte die Jury mit 1.000 Euro.

Auf den zweiten Platz (600 Euro) kam ein Werk von Kathrin Wevering. Es thematisiert das Leiden der schwächsten Kriegsopfer. Den dritten Platz (400 Euro) belegte Anne Kuper mit ihrer Arbeit War is not… . Sie überzeugte die Jury durch ihren Mut, einen ganz anderen Ansatz zu verfolgen. Ihr Plakat wirkt den Versuchen entgegen, Krieg den Schrecken zu nehmen. Ihre „Ikons“ konterkarieren die herkömmlichen Sehgewohnheiten im Internet.
Gewinnerplakate der Preisträger 1-3 siehe hier.

Die Plätze 4-8 (Burkhardt Hauke, Erik Bölscher, Sandra Gratz, Jan Heerlein und Anne Schäfer) belohnte die Jury mit Buchpreisen.

Hans D. Christ erläuterte in seiner Laudatio die Kriterien, nach denen die Jury die Arbeiten bewertete. Kriterien der Auswahl waren  Zeitlosigkeit und klare Bildsprache. Auf das Plakat der anwesenden 2. Preisträgerin, Kathrin Wevering, ging der Direktor des Württembergischen Kunstvereins näher ein. Sie war als einzige Preisträgerin anwesend. (Vincenzo Fagnani und Anne Kuper konnten aufgrund des Bahnstreiks nicht kommen.)

Welche Bildsprache erreicht den Zuschauer? Wie kann man Kinder ansprechen, um ihnen das Thema näher zu bringen? Kathrin Wevering wählte den versehrten, verstümmelten Körper eines Teddys. Das Plakat zeigt kein Blut, der versehrte Teddy ist mit einem Faden genäht worden. Ihren Plakattext MAMA KOMMEN TEDDIES AUCH IN DEN HIMMEL?, hat sie mit links geschrieben. So empfand sie die kindliche Handschrift nach.

Lucie Billmann von der Rosa-Luxemburg-Stiftung überreichte ihr den Preis. Loop Schrauber sorgte für die musikalische Untermalung der Eröffnungsveranstaltung.

Die Ausstellung ist bis Anfang Dezember für die interessierte Öffentlichkeit im Theaterhaus zu sehen.

Alle Vorbereitungen abgeschlossen

02.11.2014 at 19:50

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Die Plakate sind gerahmt, die Betten für die Künstler der drei Siegerplakate sind gerichtet. Die Vernissage kann am 9. November im Theaterhaus steigen. Der Plakatwettbewerb zum Thema “100 Jahre Erster Weltkrieg: Die Waffen nieder! Jetzt!” wurde ausgewertet und aus der Fülle der vielen Einsender die 8 besten Plakate ausgewählt.

Die Jury (Hans D. Christ, Prof. Marcus Wischmann, Peter Boehm und Fritz Mielert) hatte es nicht leicht. Trotzdem hatte sich in stundenlanger Debatte ein eindeutiger Favorit herauskristallisiert: Arms Race – Wettrüsten von Vincenzo Fagnani. Seinen bestechend klaren Entwurf belohnte die Jury mit 1.000 Euro. Auf den zweiten Platz (600 Euro) kam ein Werk von Kathrin Wevering, welches das Leiden der schwächsten Kriegsopfer thematisiert. Den dritten Platz (400 Euro) belegte Anne Kuper mit ihrer Arbeit “War is not…”. Die Jury überzeugte ihren Mut, einen ganz anderen Ansatz zu verfolgen Mit ihrem Plakat unternimmt sie den Versuchen dem Krieg seinen Schrecken zu nehmen.

Vincenzo Fagnani - Kathrin Wevering - Anne Kuper

1. Preis: Vincenzo Fagnani – 2. Preis: Kathrin Wevering – 3. Preis: Anne Kuper

Die Plätze 4-8 (Burkhardt Hauke, Erik Bölscher, Sandra Gratz, Jan Heerlein und Anne Schäfer) belohnte die Jury mit Buchpreisen. Die Preise werden anlässlich der Vernissage überreicht. Insgesamt werden im Theaterhaus 30 Plakate aus dem Wettbewerb gezeigt.

Und Action! – Für den Frieden!

29.06.2014 at 12:26

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Vor 100 Jahren, am 28. Juni 1914, erschoss der serbische Student Gavrilo Princip den österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Ehefrau Sophie in Sarajevo. Dieses Attentat löste die Julikrise aus, in deren Verlauf Österreich-Ungarn und Deutschland aktiv mobilisierten und Österreich Serbien am 28. Juli den Krieg erklärte.

Das Stuttgarter Netzwerk “100 Jahre Erster Weltkrieg. Die Waffen nieder! Jetzt!”, nahm den Gedenktag zum Anlass, mit Straßenaktionen daran zu erinnern und darüber hinaus das Thema der Waffenproduktion und die Beteiligung der Bundeswehr an weltweiten, kriegerischen Auseinandersetzungen anzuprangern.

frieden2Das schwäbische Unternehmen Heckler & Koch aus Oberndorf am Neckar stellt das Sturmgewehr G3 her, 1959 als Standardgewehr in der Bundeswehr eingeführt, das weltweit millionenfach vertrieben wird. Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFK-VK) wählte ein zerbrochenes G3-Gewehr als ihr Logo. Auf dem Stuttgarter Schlossplatz wurde dieses Gewehr symbolisch zertrümmert.

frieden3Ebenfalls auf dem Schlossplatz führte eine Theatergruppe Rekrutierungsszenen auf. Die anfängliche Begeisterung der jungen Soldaten und die überschwängliche Verabschiedung durch ihre Frauen schlug sehr schnell um, als die Armee in einen mörderischen Stellungskrieg verwickelt wurde. Dieses dramatisierte die Theatergruppe mit Hilfe von Briefen und Postkarten, aus denen die SchauspielerInnen eindrucksvoll vorlasen. Die Kriegsgewinnler und die Rüstungsindustrie kamen in dem kleinen Straßentheaterstück ebenso zur Sprache.

frieden4Einen weiteren Aktionsraum konnte man am Ende der Königsstraße entdecken. Wo die Königsstraße in die Eberhardstraße übergeht, erlebten die Passanten einen ganz anderen Übergang der Aktionskünstlerin Loubna Forer. Einen, der in eine dreckige, mit blutüberströmten Leichen ausgestattete Schützengrabeninstallation führte, aus der die Künstlerin die Passanten direkt über ein Megaphon ansprach. Ein Totentanz durfte dabei nicht fehlen.

100 Jahre Beginn 1. Weltkrieg – und kein bisschen weise

28.06.2014 at 18:19
Ein Chor, der seinem Dirigenten die Gefolgschaft versagt. Keine nationalverherrlichenden Lieder!

Ein Chor, der seinem Dirigenten die Gefolgschaft versagt. Keine nationalverherrlichenden Lieder!

 

Hochrangige Politiker aus der Bundesrepublik reden wieder von der Verantwortung und vom militärischen Engagement.

  • Bundespräsident Joachim Gauck erklärte anlässlich der Eröffnung der 50. „Sicherheitskonferenz“ in München im Januar 2014:
    „Deutschland drückt sich in sicherheitspolitischen Fragen nicht vor der Verantwortung. Aber es muss auch bereit sein, jetzt international mehr zu tun für jene Sicherheit, die ihm über Jahrzehnte von andern gewährt worden ist. Das Land ist tief verwoben in die internationale Gemeinschaft und profitiert sehr von der offenen Ordnung der Welt. Deshalb ist es auch seine Pflicht, sich gegen etwaige Störungen dieser Ordnung zu engagieren.“
  • Unsere Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte mit Blick auf Afrika:
    „Die Bundeswehr muss sich mit mehr Militäreinsätzen in Afrika engagieren!“
  • Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier reklamierte ebenfalls eine aktive Rolle:
    „Deutschland ist zu groß und mächtig, um Außenpolitik nur zu kommentieren.“
  • UNO-Generalsäkretär Ban Ki Moon stößt ins gleiche Horn:
    „Ich fordere die BRD auf, sich international mehr für den Frieden zu engagieren.“

Diese Zitate läuteten einen Diskussionsabend im Haus der Katholischen Kirche ein, der einen Bogen vom Ausbruch des 1. Weltkrieges, über die Kriegstraumata, über die Vernichtung von Chemiewaffen bis zu den Waffenexporten der Bundesrepublik heute schlug. Der Veranstalter, das Stuttgarter Netzwerk “100 Jahre Erster Weltkrieg. Die Waffen nieder! Jetzt!”, hatte dazu kompetente Referenten eingeladen. Unter Leitung des Journalisten Eggert Blum diskutierten sie die verschiedenen Aspekte der modernen militärischen Konflikte. Am Anfang stand ein Impulsreferat des Autors und Experten für Militär- und Sicherheitspolitik Detlef Bald. Er gab einen historischen Ausblick auf die Ereignisse vor 100 Jahren und setzte sich kritisch mit der derzeitigen Rezeption dieser Ereignisse auseinander.

v.l.r.: Jan van Aken, Jürgen Grässlin, Susanne Grabenhorst, Eggert Blum

v.l.r.: Jan van Aken, Jürgen Grässlin, Susanne Grabenhorst, Eggert Blum

Susanne Grabenhorst, Ärztin und  Vorsitzende der deutschen Sektion des IPPNW (Internationale Vereinigung von Ärzten gegen den Atomkrieg), erläuterte die posttraumatischen Belastungen, die Soldaten in den Kriegen erleiden. Immer wieder kommt es zu Blutbädern, angerichtet von traumatisierten Soldaten.

Zum ersten Mal wurde im ersten Weltkrieg ein Krieg in seiner ganzen Totalität geführt: aus der Luft, mit Panzern und fürchterlichen Massenvernichtungswaffen wie Senfgas. Bei diesem Krieg verloren 17 Millionen Menschen ihr Leben. Jürgen Grässlin, Autor und Bundessprecher der DFG-VK belegte seine These, dass die Waffen der schwäbischen Fabrik Heckler & Koch die heutigen Massenvernichtungswaffen sind: Kleinwaffen töten weltweit. Aufgrund jahrzehntelanger Direktexporte und Lizenzvergaben sind bis heute ca.15 Millionen Schnellfeuergewehre der Firma Heckler & Koch  in nahezu allen Kriegen und Bürgerkriegen im Einsatz. Schätzungsweise wurden durch Kugeln aus den Waffen dieser Firma 2 Millionen Menschen getötet. Kleinwaffen sind quantitativ Massenvernichtungswaffen. Einer der Gründe, warum Jürgen Grässlin die „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ ins Leben rief.

Jan van Aken, Mitglied des Bundestages von der Fraktion „Die Linke“, war jahrelang für die UNO als Waffen-Inspekteur tätig und erläuterte eindrucksvoll, warum seine Partei eine Beteiligung an Militäreinsätzen kategorisch ablehnt und sich für die Auflösung der Bundeswehr in ihrer jetzigen Form einsetzt. Sein konstruktiver Vorschlag für die Transformation der Bundeswehrhochschulen: sie sollen Bildungsstätte für Konfliktmanagement und ziviler Konfliktlösungsmethoden werden.

Scharf kritisierte Jürgen Grässlin die grün-rote Landesregierung, die, entgegen ihren ursprünglichen Aussagen, bis heute die Aktivitäten der Bundeswehr an den Schulen gestattet und den Kooperationsvertrag mit der Bundeswehr immer noch nicht gekündigt hat.

Untermalt wurde der Abend durch den Chor „Avanti Comuna Kanti“, der gelungene Interpretationen von Liedern aus dem ersten Weltkrieg und der Weimarer Republik darbot.

1914 – Ein literarischer Blick auf die Städte Europas

20.06.2014 at 9:22

1914_literaturhaus

Am 16. Juni lasen A.L. Kennedy und Katrin Seddig im Rahmen der Reihe: August 1914: „Mit dieser Welt muss aufgeräumt werden“. 22 Autoren blicken auf die Städte Europas. Immer zwei AutorenInnen lesen auf Einladung des Netzwerkes der deutschsprachigen Literaturhäuser in diesem Rahmen Texte zum August 2014, bezogen auf ihre Stadt.

Die beiden Autorinnen erforschten, was die Menschen 1914, vor und mit Beginn des Krieges, tatsächlich bewegt hat. Was sie notiert, was sie aufgeschrieben haben und welche Schlagzeilen die lokale Presse bestimmten. Auf die Frage der Moderatorin, Dr. Julika Griem, Professorin am Institut für England und Amerikastudien der Goethe-Universität Frankfurt, warum sie sich entschieden hat, antwortete Katrin Seddig, sie hätte gezögert. Die Recherche sei nicht ihre Sache. Für ihre beiden Romane „Runterkommen“ und „Eheroman“ habe sie nicht recherchiert. Trotzdem hat sie sich der Aufgabe gestellt und umfangreiche Recherchen in den Hamburger Archiven angestellt. Aus all den Zeitungsartikel, Briefen und Tagebuchaufzeichnungen, die sie dabei gesichtet hat, hat sie ein literarisches Destillat gewonnen. Sie legt Wert darauf, dass die Quellen erkennbar bleiben, deshalb hat sie vieles wörtlich zitiert.

A. L. Kennedy hat in ihrem Text Glasgow zum Mittelpunkt gemacht. Sie hat ihn an den einfachen Leuten ausgerichtet, den Jahreswechsel 1913/1914 in den Blick genommen, als noch keiner die drohende Katastrophe erahnte, die acht Monate später über die Menschen in Glasgow kommen sollte. Wobei der Krieg sich ja nicht in Glasgow selber abspielte. Ihre Großmutter erzählte, dass in ihrer Straße alle Männer in den Krieg gezogen sind und eine schmerzhafte Lücke hinterlassen haben. So gut wie keiner ist zurückgekommen und wenn, verstümmelt und verletzt. In England und Wales gibt es 32 „Thankfull Villages“. Dörfer, die vom Krieg verschont geblieben sind, kein männliches Mitglied ist im ersten Weltkrieg gefallen. In Schottland gibt es kein einziges dieser Dörfer. Ein Hinweis darauf, wie sehr die Schotten unter diesem Krieg gelitten haben. A. L. Kennedy hat die kleinen Dinge interessiert, z. B. warum auf einmal als Nachtisch Rhabarber auf den Tisch kam, dieses ungewöhnliche, leicht bittere Gewächs.

Und dann die schottische Folklore, die sich erst im 19. Jahrhundert herausgebildet hat. Die Schottenkaros der einzelnen Regionen wurden auf einmal zu Erkennungszeichen der einzelnen Regimenter. Dudelsackmusik wurde als anfeuernde Marschmusik umgedeutet.

Beiden Autorinnen erfüllten ihre Aufgabe auf ganz unterschiedliche Weise und doch sind zwei Texte entstanden, die die Situation vor Ausbruch des 1. Weltkrieges in Glasgow und in Hamburg in sprachlich dichter Weise dem Hörer vor Augen führen.

Die Texte aller Autorinnen und Autoren wurden vom Netzwerk der Literaturhäuser zusammen gestellt. Erschienen sind sie in der Zeitschrift „Die Horen“, Wallstein Verlag, herausgegeben von Jürgen Krätzer.

 

Oh Sibylle!

06.06.2014 at 17:28

Es hätte gut werden können. Der Beitrag in der Sendung „Büchermarkt“ über das neue Buch von Sibylle Lewitscharoff – ein Krimi mit dem Titel „Killmousky“ – überschrieb der Deutschlandfunk mit:
„Luftholen nach dem Skandal“ (gesendet 4.6.2014).

Aber Frau Lewitscharoff hatte es trotz der vielen Schelte nach ihrer Dresdner Rede immer noch nicht gelernt und schwadronierte wie folgt über den Kriminalroman im Allgemeinen und die Krimis von Raymond Chandler im Besonderen:

„Es ist schon Chandler, der mich richtig gereizt hat. Dessen auch so ein bisschen düstere, verhangene Plots, auch die Kriegsatmosphäre, die noch so durchsickert als Nachbeben, das ist schon ganz toll. Nur das kann man nicht nachbauen mit einem deutschen Kommissar, das ist ganz ausgeschlossen. Sie können auch die erotische Magie, die ja bei Chandler wirklich da ist und die ist einfach klasse, die können sie einem deutschen Mann nicht zueignen, weil der hat keinen tollen Krieg gewonnen, der ist nun, mein Alter, gar nicht kriegserfahren im Übrigen. Eros und Männlichkeit sind da nicht ganz so herbeizuzwitschern, wie Chandler es gekonnt hat, das geht nicht.“

Was bitte macht einen Krieg bitte zu einem „tollen Krieg“? Erotisiert Krieg den Mann?
100 Jahre nach Ausbruch des ersten Weltkrieges, mit seinen verheerenden Giftgaseinsätzen, 75 Jahre nach dem von den Faschisten angezettelten Krieg, schüttele ich entsetzt den Kopf ob solcher Äußerungen.

Underground – Ein Kunstprojekt

08.05.2014 at 22:29

undergound

Der Kontur Kunstverein Stuttgart e. V. hat eine beachtenswerte Ausstellung in den Bunkeranlagen des Fort Schoenenbourg in Zusammenarbeit mit der Association des Amis de la Linge Maginot d’Alsace, dem Verein Kunsthalle Wil und dem Centre Européen d’Action Artistiques Contemporaires zusammengestellt. Die Vernissage fand am 1. Mai 2014 statt. Dieser Ort, den sich Kontur Stuttgart für seine Ausstellung mit Werken internationaler Künstler ausgesucht hat, passt perfekt zum Thema:

Unter einem Buchenwald versteckt sich – als Teil der Maginot-Linie – in bis zu 30 Metern Tiefe eine riesige Bunkeranlage, mit der sich Frankreich im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland verteidigte. Schon der Besuch dieser Bunkeranlage vermittelt einen bedrückenden Eindruck des militärischen Komplexes des 2. Weltkrieges. Dieser Ort berührt durch seine Enge, Kälte und Feuchtigkeit, seine Abschottung von der Außenwelt.

Die Ligne Maginot wurde in den dreißiger Jahren zur Abwehr der deutschen Aggression aus dem Osten errichtet, vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Ersten Weltkrieges. Genützt hat diese Verteidigungslinie nichts. Die deutschen Truppen sind einfach um sie herum gelaufen und über Belgien nach Frankreich eingefallen.

Marc Halter, Dr. Raimund Menges

Marc Halter, Dr. Raimund Menges

Zur Eröffnung sprachen unter anderem der Präsident der Association des Amis de la Ligne Maginot d’Alsace und der Vorsitzende des Vereins Kontur, Dr. Raimund Menges.

Die Anstifter zusammen mit dem Bündnis „Die Waffen nieder! Jetzt!“, das Stuttgarter Netzwerk „100 Jahre Erster Weltkrieg“, organisieren bis Ende September monatliche Exkursionen zur Ausstellung in die Bunkeranlage. Die erste Exkursion findet am Samstag, den 31. Mai, statt.

100 Jahre Ausbruch 1. Weltkrieg, 75 Jahre Ausbruch 2. Weltkrieg. Zeit, der Ursache von Krieg auf die Spur zu kommen. Die beteiligten Künstler versuchen es auf ihre Weise. Arbeiten von vierunddreißig Künstlern sind in der weit verzweigten Bunkeranlage ausgestellt und sie berühren in dieser Umgebung viel stärker als es in einer normalen Galerie.
Drei Kunstwerke möchte ich, stellvertretend für die ausgestellten Arbeiten, vorstellen.

Glaser/Glunz "Aton & Amen"

Glaser/Glunz
„Aton & Amen“

Aton und Amen: Zwei Flüchtlinge ihren Öljacken. Sind es Bootsflüchtlinge, sind es Obdachlose? Sie sitzen auf großen Plastiktüren und unterhalten sich. Daniel Glaser und Magdalena Kunz haben eine besondere Form der animierten Plastik entwickelt: Auf den Gesichtern ist die Videoprojektion aufgebracht. Die beiden Figuren unterhalten sich. Aton, eine altägyptische Gottheit, die in ihrer Erscheinung als Sonnenscheibe verehrt wurde und Amen, das in der Bibel so viel wie „so sei es“ bedeutet.

Rainer Ganahl zeigt eine Gasmasken-Marmorskulptur. Das nebenstehende Schild verweist auf Fritz Haber, der Senfgas entwickelte.

Rainer Ganahl "DADALENIN HABER C. IMMERWAHR"

Rainer Ganahl
„DADALENIN HABER C. IMMERWAHR“

Es wurde als fürchterliche Waffe im ersten Weltkrieg eingesetzt. Die Zahl der Toten durch diese Waffe erreichte die 100.000, eine halbe Millionen wurde verletzt. Habers Frau Clara Immerwahr, ebenfalls Chemikerin und eine engagierte Frauenrechtlerin wie Kriegsgegnerin, protestierte gegen die Arbeit ihres Mannes und wählte 1915 den Freitod, wenige Tage nach dem ersten Einsatz des Gases.

Auf der Stirnwand eines mit Wasser gefüllten Bassins, ein Löschwasser-Reservoir, tauchen als Projektion die Köpfe von Tauchern auf. Die Köpfe schließen mit der Wasseroberfläche ab, so dass der Eindruck entsteht, die Personen würden aus dem realen Wasser auftauchen. Die glucksenden Geräusche unterstreichen die Illusion:

Anna Anders "Submarines"

Anna Anders
„Submarines“

Wenn die Taucher auftauchen ohne dass das Wasser auch nur eine Welle schlägt, stockt dem Betrachter der Atem.

Kunstwerke im Bunker, dreißig Meter unter der Erde. Sie bringen Erkenntnisse an die Oberfläche.

 

Vor hundert Jahren …

25.03.2014 at 10:34

tardi… begriffen die Kinder auch nicht, was Krieg bedeutet.
Aus der Jugend des Comic-Zeichners Tardi.

August 1914. Literatur und Krieg – Eine Annäherung

05.03.2014 at 22:40

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Nie wurde Krieg so vielschichtig aus der Sicht der Betroffenen beschrieben wie 1914. Nichts scheint (außer vielleicht die Liebe) das Schreiben so notwendig zu machen wie der Krieg:
28,7 Milliarden Briefe und Postkarten wurden in der Zeit zwischen 1914 und 1918 geschrieben.

Die Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne zeigt Briefe und Tagebuchauszüge aus dem riesigen Fundus des Deutschen Literatur Archivs Marbach. Dieser Fundus umfasst etwa 18.500 Texte. Die Anstifter luden zu einer Führung durch diese, aus literarischer Sicht höchst interessante Ausstellung, ein. Renate Brunner führte uns durch die Ausstellung und las aus Tagebüchern und Briefen einiger Schriftsteller und Schriftstellerinnen und stellte die Frage: Was ist der August 1914 für die einzelnen Menschen? Wie verhält sich die private Zeit zur historischen Zeit? Was wird in diesen vier Wochen geschrieben?

Sie stellte uns u. a. den Elsässer Dichter Ernst Stadler vor. Er ist dreißig Jahre alt, als der erste Weltkrieg begann. Stadler, der in Oxford studiert und in Brüssel deutsche Literatur unterrichtet hat, beginnt am 31. Juli ein Kriegstagebuch: „Morgens Einkäufe: Revolver“. Am selben Tag, einem Freitag, nimmt der gleichaltrige Franz Kafka in Prag sein Tagebuch in die Hand: „Ich habe keine Zeit. Es ist allgemeine Mobilmachung. K. und P. sind einberufen. Jetzt bekomme ich den Lohn des Alleinseins. Alleinsein bringt nur Strafen.“

Stadler und Kafka sind nur zwei Autoren, deren Tagebücher oder tagebuchähnlichen Briefwechsel in der Ausstellung wiederholt aufgeschlagen werden – der August 1914 wird Tag für Tag aus dem Archiv geholt, der Zeitraum danach stichprobenartig. „Zeit“ lässt sich aus diesen meist kleinformatigen Büchern und Briefen sehr persönlich und konkret entfalten. Jedes Tagebuch, jeder Brief ist für sich ein eigener historischer Erfahrungsraum, alle zusammen sind sie eine Begegnung mit den vielen Stimmen dieses ungeheuren Krieges, der 9,5 Millionen Soldaten das Leben kostete.

Die Ausstellung wird ergänzt durch eine Truppenbücherei. 10 Millionen Bücher wurden über mobile Büchereien den lesehungrigen Soldaten in den Schützengräben zugänglich gemacht. Wir  erfuhren in der exemplarischen Bücherei, was die Soldaten lasen. Anspruchsvolle Literatur, philosophische Bücher aber auch Sachbücher und Unterhaltungsliteratur. Eine propagandistische Ausrichtung, wie sie im 2. Weltkrieg erfolgte, gab es im ersten Weltkrieg noch nicht. Hermann Hesse, wegen seiner Kurzsichtigkeit „kriegsuntauglich“, widmete sich z. B. der Zusammenstellung von Soldatenbüchereien.

Die Anstifter haben sich mit einem halben Dutzend Initiativen zu einem Netzwerk zusammen geschlossen, um die Ereignisse von 1914 zu reflektieren, gleichzeitig aber auch die heutigen Kriegsgefahren in den Blick zu nehmen. Deswegen ist auch heute der Titel des Buches der Friedensaktivistin Bertha von Suttner aktuell wie 1898: „Die Waffen nieder!“lit_museum_3