Vernissage im Theaterhaus

11.11.2014 at 17:54

katrin_weveringAm neunten November wurde im Theaterhaus die Plakatausstellung „100 Jahre Erster Weltkrieg. Die Waffen nieder! Jetzt!“ eröffnet. Dank für die Teilnahme sprach der Geschäftsführer der Anstifter, Fritz Mielert, allen Teilnehmenden am Plakatwettbewerb aus. Er dankte dem anwesenden Leiter des Theaterhauses, Werner Schretzmeier, für die Möglichkeit, eine Auswahl der eingereichten Entwürfe in seinen Räumen zu zeigen.

Im Juli tagte die Jury, bestehend aus Hans D. Christ, Prof Marcus Wischmann, Peter Boehm und Fritz Mielert, und beriet über die ca. 400 Einsendungen.

Die Entscheidung fiel nicht leicht. Trotzdem hatte sich in stundenlanger Debatte ein eindeutiger Favorit herauskristallisiert: Arms Race – Wettrüsten von Vincenzo Fagnani. Seinen bestechend klaren Entwurf belohnte die Jury mit 1.000 Euro.

Auf den zweiten Platz (600 Euro) kam ein Werk von Kathrin Wevering. Es thematisiert das Leiden der schwächsten Kriegsopfer. Den dritten Platz (400 Euro) belegte Anne Kuper mit ihrer Arbeit War is not… . Sie überzeugte die Jury durch ihren Mut, einen ganz anderen Ansatz zu verfolgen. Ihr Plakat wirkt den Versuchen entgegen, Krieg den Schrecken zu nehmen. Ihre „Ikons“ konterkarieren die herkömmlichen Sehgewohnheiten im Internet.
Gewinnerplakate der Preisträger 1-3 siehe hier.

Die Plätze 4-8 (Burkhardt Hauke, Erik Bölscher, Sandra Gratz, Jan Heerlein und Anne Schäfer) belohnte die Jury mit Buchpreisen.

Hans D. Christ erläuterte in seiner Laudatio die Kriterien, nach denen die Jury die Arbeiten bewertete. Kriterien der Auswahl waren  Zeitlosigkeit und klare Bildsprache. Auf das Plakat der anwesenden 2. Preisträgerin, Kathrin Wevering, ging der Direktor des Württembergischen Kunstvereins näher ein. Sie war als einzige Preisträgerin anwesend. (Vincenzo Fagnani und Anne Kuper konnten aufgrund des Bahnstreiks nicht kommen.)

Welche Bildsprache erreicht den Zuschauer? Wie kann man Kinder ansprechen, um ihnen das Thema näher zu bringen? Kathrin Wevering wählte den versehrten, verstümmelten Körper eines Teddys. Das Plakat zeigt kein Blut, der versehrte Teddy ist mit einem Faden genäht worden. Ihren Plakattext MAMA KOMMEN TEDDIES AUCH IN DEN HIMMEL?, hat sie mit links geschrieben. So empfand sie die kindliche Handschrift nach.

Lucie Billmann von der Rosa-Luxemburg-Stiftung überreichte ihr den Preis. Loop Schrauber sorgte für die musikalische Untermalung der Eröffnungsveranstaltung.

Die Ausstellung ist bis Anfang Dezember für die interessierte Öffentlichkeit im Theaterhaus zu sehen.

Alle Vorbereitungen abgeschlossen

02.11.2014 at 19:50

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Die Plakate sind gerahmt, die Betten für die Künstler der drei Siegerplakate sind gerichtet. Die Vernissage kann am 9. November im Theaterhaus steigen. Der Plakatwettbewerb zum Thema “100 Jahre Erster Weltkrieg: Die Waffen nieder! Jetzt!” wurde ausgewertet und aus der Fülle der vielen Einsender die 8 besten Plakate ausgewählt.

Die Jury (Hans D. Christ, Prof. Marcus Wischmann, Peter Boehm und Fritz Mielert) hatte es nicht leicht. Trotzdem hatte sich in stundenlanger Debatte ein eindeutiger Favorit herauskristallisiert: Arms Race – Wettrüsten von Vincenzo Fagnani. Seinen bestechend klaren Entwurf belohnte die Jury mit 1.000 Euro. Auf den zweiten Platz (600 Euro) kam ein Werk von Kathrin Wevering, welches das Leiden der schwächsten Kriegsopfer thematisiert. Den dritten Platz (400 Euro) belegte Anne Kuper mit ihrer Arbeit “War is not…”. Die Jury überzeugte ihren Mut, einen ganz anderen Ansatz zu verfolgen Mit ihrem Plakat unternimmt sie den Versuchen dem Krieg seinen Schrecken zu nehmen.

Vincenzo Fagnani - Kathrin Wevering - Anne Kuper

1. Preis: Vincenzo Fagnani – 2. Preis: Kathrin Wevering – 3. Preis: Anne Kuper

Die Plätze 4-8 (Burkhardt Hauke, Erik Bölscher, Sandra Gratz, Jan Heerlein und Anne Schäfer) belohnte die Jury mit Buchpreisen. Die Preise werden anlässlich der Vernissage überreicht. Insgesamt werden im Theaterhaus 30 Plakate aus dem Wettbewerb gezeigt.

Und Action! – Für den Frieden!

29.06.2014 at 12:26

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Vor 100 Jahren, am 28. Juni 1914, erschoss der serbische Student Gavrilo Princip den österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Ehefrau Sophie in Sarajevo. Dieses Attentat löste die Julikrise aus, in deren Verlauf Österreich-Ungarn und Deutschland aktiv mobilisierten und Österreich Serbien am 28. Juli den Krieg erklärte.

Das Stuttgarter Netzwerk “100 Jahre Erster Weltkrieg. Die Waffen nieder! Jetzt!”, nahm den Gedenktag zum Anlass, mit Straßenaktionen daran zu erinnern und darüber hinaus das Thema der Waffenproduktion und die Beteiligung der Bundeswehr an weltweiten, kriegerischen Auseinandersetzungen anzuprangern.

frieden2Das schwäbische Unternehmen Heckler & Koch aus Oberndorf am Neckar stellt das Sturmgewehr G3 her, 1959 als Standardgewehr in der Bundeswehr eingeführt, das weltweit millionenfach vertrieben wird. Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFK-VK) wählte ein zerbrochenes G3-Gewehr als ihr Logo. Auf dem Stuttgarter Schlossplatz wurde dieses Gewehr symbolisch zertrümmert.

frieden3Ebenfalls auf dem Schlossplatz führte eine Theatergruppe Rekrutierungsszenen auf. Die anfängliche Begeisterung der jungen Soldaten und die überschwängliche Verabschiedung durch ihre Frauen schlug sehr schnell um, als die Armee in einen mörderischen Stellungskrieg verwickelt wurde. Dieses dramatisierte die Theatergruppe mit Hilfe von Briefen und Postkarten, aus denen die SchauspielerInnen eindrucksvoll vorlasen. Die Kriegsgewinnler und die Rüstungsindustrie kamen in dem kleinen Straßentheaterstück ebenso zur Sprache.

frieden4Einen weiteren Aktionsraum konnte man am Ende der Königsstraße entdecken. Wo die Königsstraße in die Eberhardstraße übergeht, erlebten die Passanten einen ganz anderen Übergang der Aktionskünstlerin Loubna Forer. Einen, der in eine dreckige, mit blutüberströmten Leichen ausgestattete Schützengrabeninstallation führte, aus der die Künstlerin die Passanten direkt über ein Megaphon ansprach. Ein Totentanz durfte dabei nicht fehlen.

100 Jahre Beginn 1. Weltkrieg – und kein bisschen weise

28.06.2014 at 18:19
Ein Chor, der seinem Dirigenten die Gefolgschaft versagt. Keine nationalverherrlichenden Lieder!

Ein Chor, der seinem Dirigenten die Gefolgschaft versagt. Keine nationalverherrlichenden Lieder!

 

Hochrangige Politiker aus der Bundesrepublik reden wieder von der Verantwortung und vom militärischen Engagement.

  • Bundespräsident Joachim Gauck erklärte anlässlich der Eröffnung der 50. „Sicherheitskonferenz“ in München im Januar 2014:
    „Deutschland drückt sich in sicherheitspolitischen Fragen nicht vor der Verantwortung. Aber es muss auch bereit sein, jetzt international mehr zu tun für jene Sicherheit, die ihm über Jahrzehnte von andern gewährt worden ist. Das Land ist tief verwoben in die internationale Gemeinschaft und profitiert sehr von der offenen Ordnung der Welt. Deshalb ist es auch seine Pflicht, sich gegen etwaige Störungen dieser Ordnung zu engagieren.“
  • Unsere Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte mit Blick auf Afrika:
    „Die Bundeswehr muss sich mit mehr Militäreinsätzen in Afrika engagieren!“
  • Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier reklamierte ebenfalls eine aktive Rolle:
    „Deutschland ist zu groß und mächtig, um Außenpolitik nur zu kommentieren.“
  • UNO-Generalsäkretär Ban Ki Moon stößt ins gleiche Horn:
    „Ich fordere die BRD auf, sich international mehr für den Frieden zu engagieren.“

Diese Zitate läuteten einen Diskussionsabend im Haus der Katholischen Kirche ein, der einen Bogen vom Ausbruch des 1. Weltkrieges, über die Kriegstraumata, über die Vernichtung von Chemiewaffen bis zu den Waffenexporten der Bundesrepublik heute schlug. Der Veranstalter, das Stuttgarter Netzwerk “100 Jahre Erster Weltkrieg. Die Waffen nieder! Jetzt!”, hatte dazu kompetente Referenten eingeladen. Unter Leitung des Journalisten Eggert Blum diskutierten sie die verschiedenen Aspekte der modernen militärischen Konflikte. Am Anfang stand ein Impulsreferat des Autors und Experten für Militär- und Sicherheitspolitik Detlef Bald. Er gab einen historischen Ausblick auf die Ereignisse vor 100 Jahren und setzte sich kritisch mit der derzeitigen Rezeption dieser Ereignisse auseinander.

v.l.r.: Jan van Aken, Jürgen Grässlin, Susanne Grabenhorst, Eggert Blum

v.l.r.: Jan van Aken, Jürgen Grässlin, Susanne Grabenhorst, Eggert Blum

Susanne Grabenhorst, Ärztin und  Vorsitzende der deutschen Sektion des IPPNW (Internationale Vereinigung von Ärzten gegen den Atomkrieg), erläuterte die posttraumatischen Belastungen, die Soldaten in den Kriegen erleiden. Immer wieder kommt es zu Blutbädern, angerichtet von traumatisierten Soldaten.

Zum ersten Mal wurde im ersten Weltkrieg ein Krieg in seiner ganzen Totalität geführt: aus der Luft, mit Panzern und fürchterlichen Massenvernichtungswaffen wie Senfgas. Bei diesem Krieg verloren 17 Millionen Menschen ihr Leben. Jürgen Grässlin, Autor und Bundessprecher der DFG-VK belegte seine These, dass die Waffen der schwäbischen Fabrik Heckler & Koch die heutigen Massenvernichtungswaffen sind: Kleinwaffen töten weltweit. Aufgrund jahrzehntelanger Direktexporte und Lizenzvergaben sind bis heute ca.15 Millionen Schnellfeuergewehre der Firma Heckler & Koch  in nahezu allen Kriegen und Bürgerkriegen im Einsatz. Schätzungsweise wurden durch Kugeln aus den Waffen dieser Firma 2 Millionen Menschen getötet. Kleinwaffen sind quantitativ Massenvernichtungswaffen. Einer der Gründe, warum Jürgen Grässlin die „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ ins Leben rief.

Jan van Aken, Mitglied des Bundestages von der Fraktion „Die Linke“, war jahrelang für die UNO als Waffen-Inspekteur tätig und erläuterte eindrucksvoll, warum seine Partei eine Beteiligung an Militäreinsätzen kategorisch ablehnt und sich für die Auflösung der Bundeswehr in ihrer jetzigen Form einsetzt. Sein konstruktiver Vorschlag für die Transformation der Bundeswehrhochschulen: sie sollen Bildungsstätte für Konfliktmanagement und ziviler Konfliktlösungsmethoden werden.

Scharf kritisierte Jürgen Grässlin die grün-rote Landesregierung, die, entgegen ihren ursprünglichen Aussagen, bis heute die Aktivitäten der Bundeswehr an den Schulen gestattet und den Kooperationsvertrag mit der Bundeswehr immer noch nicht gekündigt hat.

Untermalt wurde der Abend durch den Chor „Avanti Comuna Kanti“, der gelungene Interpretationen von Liedern aus dem ersten Weltkrieg und der Weimarer Republik darbot.

1914 – Ein literarischer Blick auf die Städte Europas

20.06.2014 at 9:22

1914_literaturhaus

Am 16. Juni lasen A.L. Kennedy und Katrin Seddig im Rahmen der Reihe: August 1914: „Mit dieser Welt muss aufgeräumt werden“. 22 Autoren blicken auf die Städte Europas. Immer zwei AutorenInnen lesen auf Einladung des Netzwerkes der deutschsprachigen Literaturhäuser in diesem Rahmen Texte zum August 2014, bezogen auf ihre Stadt.

Die beiden Autorinnen erforschten, was die Menschen 1914, vor und mit Beginn des Krieges, tatsächlich bewegt hat. Was sie notiert, was sie aufgeschrieben haben und welche Schlagzeilen die lokale Presse bestimmten. Auf die Frage der Moderatorin, Dr. Julika Griem, Professorin am Institut für England und Amerikastudien der Goethe-Universität Frankfurt, warum sie sich entschieden hat, antwortete Katrin Seddig, sie hätte gezögert. Die Recherche sei nicht ihre Sache. Für ihre beiden Romane „Runterkommen“ und „Eheroman“ habe sie nicht recherchiert. Trotzdem hat sie sich der Aufgabe gestellt und umfangreiche Recherchen in den Hamburger Archiven angestellt. Aus all den Zeitungsartikel, Briefen und Tagebuchaufzeichnungen, die sie dabei gesichtet hat, hat sie ein literarisches Destillat gewonnen. Sie legt Wert darauf, dass die Quellen erkennbar bleiben, deshalb hat sie vieles wörtlich zitiert.

A. L. Kennedy hat in ihrem Text Glasgow zum Mittelpunkt gemacht. Sie hat ihn an den einfachen Leuten ausgerichtet, den Jahreswechsel 1913/1914 in den Blick genommen, als noch keiner die drohende Katastrophe erahnte, die acht Monate später über die Menschen in Glasgow kommen sollte. Wobei der Krieg sich ja nicht in Glasgow selber abspielte. Ihre Großmutter erzählte, dass in ihrer Straße alle Männer in den Krieg gezogen sind und eine schmerzhafte Lücke hinterlassen haben. So gut wie keiner ist zurückgekommen und wenn, verstümmelt und verletzt. In England und Wales gibt es 32 „Thankfull Villages“. Dörfer, die vom Krieg verschont geblieben sind, kein männliches Mitglied ist im ersten Weltkrieg gefallen. In Schottland gibt es kein einziges dieser Dörfer. Ein Hinweis darauf, wie sehr die Schotten unter diesem Krieg gelitten haben. A. L. Kennedy hat die kleinen Dinge interessiert, z. B. warum auf einmal als Nachtisch Rhabarber auf den Tisch kam, dieses ungewöhnliche, leicht bittere Gewächs.

Und dann die schottische Folklore, die sich erst im 19. Jahrhundert herausgebildet hat. Die Schottenkaros der einzelnen Regionen wurden auf einmal zu Erkennungszeichen der einzelnen Regimenter. Dudelsackmusik wurde als anfeuernde Marschmusik umgedeutet.

Beiden Autorinnen erfüllten ihre Aufgabe auf ganz unterschiedliche Weise und doch sind zwei Texte entstanden, die die Situation vor Ausbruch des 1. Weltkrieges in Glasgow und in Hamburg in sprachlich dichter Weise dem Hörer vor Augen führen.

Die Texte aller Autorinnen und Autoren wurden vom Netzwerk der Literaturhäuser zusammen gestellt. Erschienen sind sie in der Zeitschrift „Die Horen“, Wallstein Verlag, herausgegeben von Jürgen Krätzer.