Thaddäus-Troll-Preis 2018 an Kai Wieland vergeben

13.12.2018 at 10:16
Auf dem Podium diskurtieren (v.l.n.r): Werner Witt, Kai Wieland, Tom Kraushaar

Auf dem Podium diskurtieren (v.l.n.r): Werner Witt, Kai Wieland, Tom Kraushaar

 

Der Jungautor Kai Wieland (29) erhielt vom Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg am 11. Dezember 2018 in der Stadtbibliothek Stuttgart den mit 10.000 € dotierten Thaddäus-Troll-Preis für seine Erstlingswerk Amerika. Der Vorsitzende des Fördervereins, Werner Witt, überreichte an diesem Abend den Preis an Kai Wieland.

Kai Wieland erhält die Urkunde

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Kai Wieland sinniert in seiner Dankesrede, was er mit dem Preisgeld alles machen könnte: Z. B. in eine Buchhandlung gehen, 500 Bücher kaufen und mit ihnen auf eine einsame Insel fliegen. Für ihn wäre das Traumziel Island. Er hat vorsorglich schon recherchiert, wieviel Kilo Übergepäck und wieviel Gepäckstücke er bei Islandair aufgeben kann, um alle Bücher mitzunehmen. Mit dieser humorvollen Rede zeigt sich Kai Wieland als das, was er ist: ein Geschichtenerzähler.

Anstelle von langen Reden fordert Werner Witt den Autor auf, aus seinem Werk zu lesen, über das die Jury wie folgt geurteilt hat:
„In diesem Kaleidoskop eines verlorenen schwäbischen Dorfes namens Rillingsbach verknüpft der Autor eine Handvoll Schicksale zu einer Chronik, die sich nicht damit brüstet, die einzig wahrhaftige Darstellung der Ereignisse zu sein. Der „Chronist“, der allein mit dieser sperrigen Bezeichnung im Buch auskommen muss, begibt sich aus unbekannten Gründen auf die Jagd nach Typen und Geschichten in dieser gottverlassenen Gegend zwischen Murrhardt und Backnang, und er begibt sich mitten hinein die Brutstätte jeder Legendenbildung, in die Dorfwirtschaft. Hier trifft er auf die oft schon aufgewärmten Erinnerungen an Kriegs- und Nachkriegszeiten, er begegnet Kopfschlächtern, Nazis, Sängern, Dichtern, wilder Dorfschönheit, Rebellen, verpassten Gelegenheiten und unausgelebten Träumen. Kai Wieland gelingt in Amerika eine fein austarierte Melange aus sachlich bilanzierendem Ton, sensiblen Beobachtungen und trockenem Witz und gibt so einer viel erzählten Zeit ein anderes Gesicht.“

In den Textpassagen, die Kai Wieland an diesem Abend liest, wird sehr gut der Sound seines Romans hörbar. Er schreibt in einer ruhigen, etwas antiquierten Sprache aus der Sicht einer namenlosen Person, die „der Chronist“ genannt wird. Über die Entstehung des Romans und wie er zu Klett-Cotta kam, diskutiert er an diesem Abend mit seinem Verleger Tom Kraushaar und Kai Wieland. Interessant, dass sein Versuch, den Roman über den herkömmlichen Weg in einem Verlag unter zu bringen (Versenden des Manuskriptes an die Verlage) gescheitert ist. Aufmerksamkeit hat er bekommen, weil es sein Roman auf die Longlist des Blogbuster-Preises geschafft hat. Das Konzept des Wettbewerbs hatte ihn überzeugt, denn die Marktgängigkeit der Manuskripte für die erste Instanz (die Blogger) spielt eine geringere Rolle als bei der klassischen Verlagssuche. Dass er sein Erstlingswerk bei Klett-Cotta unterbringen konnte, ist ein Glückfall für ihn. Seinen Brotberuf als Redakteur im Verlagsbüro Wais & Partner wird er sicher noch nicht aufgeben.

Passend zum Titel des Romans rahmt die Band Michael & the hoes mit ihrem Akustiksound den Abend ein.

Amerika
Roman
240 Seiten, geb. mit Schutzumschlag
Klett-Cotta, Preis 20,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Music is Inclusion

07.12.2018 at 20:00
Music is inclusion

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Am Tag der Inklusion lud der Rotary-Club Stuttgart Rosenstein am 3. Dezember 2018 zu einem Benefizkonzert der besonderen Art ins Theaterhaus Stuttgart ein.

Zwei großartige Inklusionsbands – Groove Inclusion und Social Inclusion Band (Dreams Academy, Istanbul) – stehen an diesem Abend auf der Bühne. Matthias Berg als Moderator führt humorvoll durch den Abend. Er ist selber Rotarier und einer der erfolgreichsten Behindertensportler der Welt, kennt also das Thema Inklusion gut.

Groove lnclusion – das sind 28 Musiker/innen mit und ohne Behinderung im Alter von 20-76 Jahren. Sie spielen Soul & Jazz-Hits der 60er bis heute. Ihrer Spielfreude lassen sie an diesem Abend freien Lauf und stecken das Publikum mit ihrer lebensbejahenden Art regelrecht an. Geleitet wird die Bigband von Hans Fickelscher aus Fellbach und Arne Meerwein.

Arne Meerwein ist in Stuttgart kein Unbekannter: er war am Aufbau diverser Amateurbigbands beteiligt, unter anderem die Mitte-BIG-Band, die schon seit 30 Jahren existiert. Hans Fickelscher ist Mitbegründer von Groove Inclusion und der Überzeugung, dass es immer um die Musik geht, und dass jeder und jede dabei sein kann, egal, welcher Einschränkung seine Bandmitglieder haben.
Nachdem die Bigband das Publikum so richtig eingeheizt haben, kommen zwei Tänzer auf die Bühne, die unterschiedlicher nicht sein können:

Music is inclusion Károly Tóth und Anna Süheyla

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Károly Tóth aus Ungarn wurde für seine Rollstuhl-Tanzperformances preisgekrönt. An seiner Seite tanzt die ebenfalls preisgekrönte Anna Süheyla (Faust Preis 2011 in der Kategorie „beste Tänzerin“). Sie hat lange Zeit in den Produktionen der Gauthier Dance Company getanzt und ist dem Stuttgarter Publikum keine Unbekannte. Die Tanzperformance der beiden verwischt die Grenze zwischen Behinderung und Nichtbehinderung.

Den dritten Teil des Abends bestreiten die Musiker der Dreams Academy aus Istanbul. Wie die Groove lnclusion Band integrieren sie seit Jahren in ihrer Social Inclusion Band Menschen mit Behinderung. An diesem Abendstehen drei blinde, stimmgewaltige Menschen auf der Bühne, die sich mit vollem Elan der Interpretation türkischen Liedguts mit deutlichen Soul/Jazz Einflüssen hingeben.

Für Vollblutmusiker ist es ein Leichtes, zusammen zu spielen und so verwundert es nicht, dass sich alle Musiker gegen Ende des Konzerts zum gemeinsamen Musizieren auf der Bühne einfinden. Und weil es sich um eine Benefizveranstaltung handelt, kann der Rotary Club Rosenstein an diesem Abend den Bandleadern beider Formationen je einen Scheck in Höhe von 2.000 € überreichen.

Leonard Cohen – Seine Lieder in akustischem Gewand

30.11.2018 at 13:33
Leonard-Cohen-Project

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Die Musik von Leonard Cohen ist eine Synthese aus Melodie und Lyrik. Damit stand der im letzten Jahr verstorbene Musiker in der Tradition der antiken Dichter, die ihre Lyrik gesungen haben. Die drei Musiker des „Leonard-Cohn-Projects“ interpretierten seine frühen Lieder am 28. November 2018 auf geniale Weise im Theaterhaus Stuttgart.

Auf der Bühne nur drei Stühle und drei Notenständer, sparsam gesetztes Licht. Mehr brauchen die Gitarristen Manuel Dempfle, Thomas Schmolz und Jürgen Gutmann nicht, um das musikalische Erbe des großen Songwriters im ausverkauften großen Saal dem Publikum darzubieten.

Gitarrenmusik in perfektem Zusammenspiel

Sie nehmen Platz auf diesen Stühlen, die an Barhocker erinnern. Jürgen Gutmann eröffnet den Abend mit der Rezitation eines Cohen Gedichts. Seine sonore Stimme bringt das Publikum zum Schweigen und in die Stille hinein erklingt das erste Lied. Sechs Hände, achtzehn Seiten erschaffen einen ganz eigenen Sound. Ihr Zusammenspiel ist perfekt und auf technisch sehr hohen Niveau. Manuel Dempfe und Thomas Schmolz spielen Stahlseitengitarren. Jürgen Gutmann spielt halbakustische Nylonsaitengitarre und schafft es mit seiner Stimme die Wärme und Ausgewogenheit der Stimme von Cohen lebendig werden zu lassen.

Jürgen Gutmann streut immer wieder biografische Details aus dem Leben des Sängers ein und erklärt Hintergründe zur Entstehung der Songs. So wird das vielseitige Universums dieses Lyrikers, Schriftstellers und Sänges aufgeschlossen.

Leonard Cohen wird von Peter Grohmann übersetzt

Lyrik Flügel verleihen

Lyrik Flügel verleihen

Die drei Musiker habe zur Interpretation der Cohen Lieder Peter Grohmann von den Anstiftern mitgebracht. Er trägt die deutsche Übersetzungen vor. Peter Grohmann wäre nicht Peter Grohmann, wenn er nicht hier und da eigene Einschübe in den Texten unterbringen würde. So ersetzt er zum Beispiel beim Lied „First we take Manhatten, than we take Berlin“ in der letzten Zeile Berlin durch „Villa Reizenstein“.

Leonard Cohen hatte den einzelnen Menschen im Blick

Da Cohen immer wieder die Zerbrechlichkeit des Menschen in seinen Liedern in den Mittelpunkt stellt, ist es nur konsequent, dass dieses Konzert in die Veranstaltungen zu den Aktionswochen zum Gedenken an die Verkündigung der Menschrechte vor 70 Jahren eingereiht wurde. Ein großes Plakat mit dem Logo der Aktion Vielfalt 0711 für Menschrechte hängt vor der Bühne. Peter Grohmann hat diese Aktion maßgeblich angeschoben. Über 220 Organisationen haben sich dem Bündnis angeschlossen, die ihrerseits Veranstaltungen in diesem Rahmen machen. Das Theaterhaus hat sich – wie alle namhaften Theater und Kultureinrichtungen der Stadt – ebenfalls dem Bündnis angeschlossen.

Im zweiten Teil des Konzerts spielen die drei Musiker neben den Cohen-Songs einige Stücke anderer Musiker, die sie genauso gekonnt interpretieren: Dylen darf da ebenso nicht fehlen wie Simon&Garfunkel. Und sie bringen eine Uraufführung zusammen mit Peter Grohmann auf die Bühne: Die Gedanken sind frei. Dieses Lied wurde schon bei der Eröffnungsveranstaltung der Aktionswochen im Rathaus interpretiert und es scheint zu einer Art Hymne der Aktion Vielfalt 0711 für Menschrechte zu werden.

Mit Küchenmesser und Querflöte

23.11.2018 at 17:00
Vincent Klink und Patrick Bebelaar

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Weit über Stuttgart hinaus ist der Koch und Restaurantbetreiber Vincent Klink bekannt. Am 22. November 2018 stellte der Küchenmeister sein neues, schön gestaltetes Buch auf der Stuttgarter Buchwochen vor, das in diesen Tagen beim Klöpfer und Meyer Verlag erschienen ist.

Sein Verleger Hubert Klöpfer ist sichtlich stolz, diesen Tausendsassa für seinen Verlag gewonnen zu haben. Vincent Klink, so erwähnt er beiläufig, ist selbst Verleger. Aber auch als Jazzmusiker hat sich Vincent Klink so ganz nebenbei einen Namen gemacht. An diesem Abend hat er seinen Freund Patrick Bebelaar mitgebracht und so sorgt Vincent Klink mit diesem hervorragenden Jazzpianisten selber für den musikalischen Rahmen. Für ihn sei Kochen wie Jazz: Die Kunst der Improvisation. Bei Klassik fehlt ihm das Spontane. Sie spielen an diesem Abend Jazzstandards. Vincent Klink begleitet Patrick Bebelaar auf seinem letzten, ihm verbliebenen Instrument. Alle anderen Instrumente, Trompeten, Flügelhorn, hat er vor einiger Zeit verkauft, wie er verrät. Diese vergoldete Flöte sei offenbar für potentielle Käufer zu teuer gewesen. Er selber habe sie bei einem Instrumentenbauer vor vielen Jahren gegen sein Motorrad eingetauscht. So launig, wie er von seinen Musikererlebnissen erzählt, liest und führt er an diesem Abend auch durch sein Buch.

Tagesrezpte und Gedanken zur Tagespolitik

Ein Tagebuch im klassischen Sinn, mit persönlichen Gefühlen, wollte er nie schreiben. Aber viele Jahre hat er über seine vielseitigen Tätigkeiten gebloggt und hat sein Ideen von Rezepten und Gerichten in einer Art Tagebuch festgehalten. Er notierte nicht nur Rezepte sondern politisiert und philosophiert, diskutiert und interveniert, nimmt die Lebensmittelindustrie und Stuttgart 21 aufs Korn, gibt Tipps für Bücher und Restaurants, berichtet von Begegnungen mit Prominenten. Daraus ist das Buch Angerichtet, herzhaft und scharf! entstanden, das der Chef des Stuttgarter Restaurants „Wielandshöhe“ auch selber mit Zeichnungen angereichert hat.

Vincent Klink plaudert mehr als das er liest

Vincent Klink

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Die Lesung ist weniger eine Lesung als eine Plauderstunde über die aufgeschriebenen Begegnungen und Gedanken, wobei Vincent Klink auf eine große Schar namhafter Persönlichkeiten zurückgreifen kann, die er in seinem Restaurant verköstigt hat. Von Peter Rühmkorf z. B. weiß er zu berichten, dass er Single-Malt-Whisky nur aus randvollen Wassergläsern trank. Oder er gibt die Anekdote zum Besten, wie beim Catering bei dem berühmten Nagelbildkünstlers Günther Uecker seine Küchencrew ihre Klamotten in der Garage an die Nägel der dort verbrachten Bilder hingen.

Zu seinen Bekannten zählt auch der Dichter F. W. Bernstein. Das Bonmot dieses humorvollen Dichters gibt er an diesem Abend gerne weiter: „Lesen gefährdet die Dummheit“ und Vincent Klink ermuntert die Anwesenden Zuhörer, sein Buch an dem Büchertisch des Verlages zu kaufen.

Angerichtet, herzhaft und scharf!
Aus meinem Tage- und Rezeptebuch

276 Seiten, zweifarbig gedruckt, 27 Originalzeichnungen und über 30 Rezepte, davon 11 in faksimilierter Handschrift, Hardcover mit Lesebändchen und farbigem Vorsatz.
Klöpfer & Meyer, Preis 28  €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

In eigener Sache

19.11.2018 at 13:53
Zentausend voll

Marke geknackt!

 

Seit dem 1. Mai 2016 misst dieser Tacho meine Kilometer. Heute, auf der Fahrt zur Arbeit, ist er auf 10.000 gesprungen.