Auf den Spuren von Jack London bei minus 40°

04.12.2016 at 19:52
Wolfgang Tischer liest Jack London

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Die winterlichen Temperaturen in Stuttgart sind weit entfernt von denen in Kanada im Februar diesen Jahres, als Wolfgang Tischer auf den Spuren des Schriftstellers Jack London durch den Norden Kanadas reiste und in Dawson City, der legendäre Goldgräberstadt im Yukon das Blockhaus, in dem Jack London seinerzeit lebte, aufsuchte. Bei der Lesung „Ein Feuer machen“ am 1. Dezember 2016 berichtete er davon im gut geheizten Buchcafé der Stuttgarter Buchwochen.

Zum 100. Todestag von Jack London hat Wolfgang Tischer eine bewegende Erzählungen von Jack London in einer Neuübersetzung als E-Book herausgebracht und mit seinen Erlebnissen im kanadischen Yukon ergänzt. Anhand von Bildern erläutert der Gründer des Onlineportals Literaturcafé.de seine Reise mit Propellermaschine, dem Auto und per Hundeschlitten. Das alles bei Temperaturen von minus 40 Grad Celsius. Aber auch aus dem Leben des Abenteurers und Schriftstellers Jack London, der selbst als Goldgräber in den Norden Kanadas gezogen ist. Reich ist er nicht geworden, gerade mal für 4,50 Dollar hat er Gold geschürft in dem einen Winter 1897/98. Aber Erfahrungen und Eindrücke hat Jack London von seiner Reise mitgebracht, die er in ein Stück aufregende Literatur verwandelt hat.

Auf der Jagd nach dem Eishai

04.12.2016 at 18:39
Morten A. Strøksnes

Mark Waschke, Morten A. Strøksnes und Wolfgang Tischer (v.l.n.r)

 

Das Gastland Norwegen präsentierte einmal mehr am Mittwoch, 30. November im Buchcafé auf den Buchwochen in Stuttgart. Der norwegische Sachbuchautor Morten A. Strøksnes saß neben seiner „deutschen Stimme“, Mark Waschke, und dem Moderator des Abends, Wolfgang Tischer vom Literaturcafé.de, auf dem Podium um sein neues Werk Das Buch vom Meer vorzustellen. Da Morten A. Strøksnes kein Deutsch spricht und das Publikum mit wenigen Ausnahmen des Norwegischen nicht mächtig ist, unterhält sich Wolfgang Tischer an diesem Abend mit dem Autor auf Englisch und übersetzt ins Deutsche.

Morten A. Strøksnes wurde 1965 in Kirkenes an der Barentssee geboren. Das ist zwischen Norwegen und Russland, ganz im Norden. Er hat Philosophie, Literaturwissenschaft und Geschichte in Oslo und Cambridge studiert. Heute lebt er als Journalist und Autor in Oslo. Das Buch vom Meer wurde zum Bestseller in seinem Heimatland und ist sein neuntes Buch. Mittlerweile liegt das Buch in 20 Übersetzungen vor und erreicht somit nicht nur 5 Millionen Norweger sondern Leser in aller Welt.

Morten A. Strøksnes liest zu Beginn eine kurze Passage aus seinem Buch und man bekommt ein Gefühl für den ungewöhnlichen Sound der norwegischen Sprache. Als anschließend der Schauspieler Mark Waschke den Text liest, überrascht auch hier der dem Buch eigene Sound, der so gar nichts mit einem trockenen Sachbuch zu tun hat.

Mit Morten A. Strøksnes im Schlauchboot auf Eishaifang

Es geht um zwei Freunde in einem kleinen Boot, der Autor und sein Künstlerfreund Hugo, die sich einen Traum erfüllen: Aus den Tiefen des Nordatlantiks wollen sie einen Eishai ziehen. Eine salzige Abenteuergeschichte über das Glück, den Naturgewalten zu trotzen und die unergründlichen Geheimnisse des Meeres wird vor dem Leser ausgerollt. „Das Buch vom Meer“ ist eine Mischung aus Erzählung und Sachbuch in höchst lyrischer Sprache. Es stellt die Sehnsucht nach Meer, nach Norwegen, nach den Lofoten und Vesterålen in den Mittelpunkt und natürlich das abenteuerliche Unterfangen, den Eishai zu fangen.

„Der Eishai ist ein Urzeitwesen, das am Grund tiefer norwegischer Fjorde bis hinauf zum Nordpol schwimmt. Er kann größer werden als der weiße Hai und ist damit der größte fleischfressende Hai der Welt“, erklärt Morten A. Strøksnes. Die beiden Freude wollen das Meer mit all ihren Sinnen erfahren. Und Hugo, der Freund des Autors, ist besessen von der Idee, einmal einem seiner gefährlichsten Bewohner Auge in Auge gegenüberstehen. Dazu hat er ausgerechnet ein Schlauchboot ausgesucht, mit der sie auf die Jagd nach dem Urtier gehen. Vielleicht muss man Norweger sein, um auf so eine Idee zu kommen aber man muss keiner sein um den Erzählungen und der Sprache des Autors zu erliegen. Vierhundert Meter Seil, sechs Meter Kette und ein halb verwestes schottisches Hochlandrind nehmen die Freunde Morten und Hugo mit auf das Boot. Das Buch berichtet über das Leben an der rauen Küste, über das Meer und die Fischer aber auch über den Ursprung des Lebens. Die Jagd der zwei Freunde nach dem Eishai rückt immer wieder in den Hintergrund, bildet aber gleichzeitig den roten Faden. Dabei ist dieser Fisch nicht einmal essbar: sein Fleisch ist toxisch, in den Zellen des Fisches ist Aminoxid, auch Angel Dust genannt. Im Krieg hat man das Fleisch in höchster Not gegessen. Der Eishai kann über vierhundert Jahre alt werden. Seine Augen sind von Parasiten zerfressen, und seine Beute erspürt er anhand von elektromagnetischen Schwingungen.

Ein Sachbuch auf hohem sprachlichen Niveau

Die Musikalität des Buches kommt durch die Lesung des Schauspielers Mark Waschke voll zur Geltung. Er erzählt, aufgrund des Titelbildes des Buches hätte er seiner elfjährigen Tochter daraus vorlesen wollen, glaubte es mit einem Kinderbuch zu tun zu haben. Er hat es aber schnell aufgegeben, als er merkte, wie direkt und brutal die beiden Freunde sich mit der Natur konfrontierten. Morten A. Strøksnes liest sich seine Texte immer wieder vor, um ihren Sound zu testen. Er hat drei Jahre an dem Buch geschrieben. Es ist ein Buch ganz ohne Fotos. Die Bilder sollen beim Leser im Kopf entstehen und mit dieser Sprache gelingt das dem Autor.

Der Schutz der Ozeane ist lebenswichtig

Norwegen ist eine Fischfangnation. Früher war der Autor kein Umweltschützer. Aber bei der Arbeit zu diesem Buch ist er dazu geworden. Es hat sich ihm eine völlig unbekannte Welt aufgetan, deren Schutz er für dringend geboten hält. Der Ozean ist ein Klimaregulierer, noch mehr, als es die Urwälder sind und es sei für die Menschheit überlebensnotwendig, diese Ozeane intakt zu halten.

Norwegen würde als „Peace Nation“ tituliert aber leider sei sie keine „Umwelt-Nation“. Der Fischfang in Norwegen sei ein Desaster für die Umwelt. Mit seinem Buch vom Meer will uns Morten A. Strøksnes auch dafür sensibilisieren.

Das Buch vom Meer
Leinen, gebunden, 368 Seiten
Deutsche Verlagsanstalt (DVA), Preis 19,99 €

zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Eine Wasserglaslesung von Thommie Bayer

27.11.2016 at 11:11
Thommie Bayer auf den Stuttgarter Buchwochen

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Einer der meistgelesenen Autoren Deutschlands. Mit dieser Beschreibung Thommie Bayers eröffnet die Moderatorin vom Börsenverein im Literaturcafé der Stuttgarter Buchwochen an einem trüben Novemberabend diesen Jahres die Lesung von Thommie Bayer. Warum immer diese Superlativen? Sie erhöhen nur die Fallhöhe.

Immer von Anfang an

Thommie Bayer fängt seine Lesung dort an, wo er immer seine Lesungen anfangen lässt: Am Anfang des Buches. Seite um Seite liest er mit rauer Stimme und streicht nach dem Umblättern einer jeden Seite akkurat über die Seite. Am Ende seiner Lesung hat er 43 Seiten aus dem Buch gelesen. Diese Angabe macht die Moderatorin, so dass „faule Leser“ sich das Lesen eines Fünftel des Buches sparen können.

Es ist eine dieser berühmt-berüchtigten Wasserglaslesungen. Nur greift Thommie Bayer zwischendurch nicht zu einem Wasserglas sondern zu einem langstieligen Rotweinglas. In Esslingen geboren, lebt Thommie Bayer heute in Staufen im Breisgau. Da ist es verständlich, dass er den Rotwein dem Wasser vorzieht. Wasserlesungen ist eine Art der Literaturvermittlung, bei der ein Autor eine zeitlang liest und anschließend das Publikum mehr oder minder schlaue Fragen stellt. Exakt das passierte an diesem Abend.

Thommie Bayer gibt einen wichtigen Hinweis

In seinem neuen Roman Seltene Affären erzählt Thommie Bayer von Peter Vorden, der von Montag bis Donnerstag ein Feinschmecker-Restaurant in dem kleinen Badeort Luxeuil-les-Bains in Lothringen führt. Danach beginnt sein richtiges Leben. Denn dann zieht Vorden sich zurück in seine Wohnung in Deutschland und schreibt Kurzgeschichten. Er tut es für seinen erfolgreichen Bruder Paul, den Schriftsteller, dem er damit immer wieder aus der Klemme hilft. Paul ist sein Zwillingsbruder und hat vor vielen Jahren Anne geheiratet, die einzige Frau, die für Peter je infrage kam. Geldsorgen hat Peter Vorden nicht. Aufgrund einer Erbschaft ist Arbeit für ihn eher eine Beschäftigung denn eine Notwendigkeit.

Während seiner Abwesenheit kommt seine Putzfrau und kümmert sich um die Wohnung. Kleinste Zeichen, die sie in seiner pedantischen Ordnung hinterlässt, einerseits, andererseits sein Angebot an sie, seine Texte zu lesen, die er als Ausdruck offen liegen lässt, lassen so etwas wie ein gegenseitiges Interesse der beiden aneinander durchschimmern. Thommie Bayer verrät in der anschließenden Fragerunde, dass dieses Buch eine Fortsetzung seines Romans Weißer Zug nach Süden ist. Diesen Roman hat er aus der Sicht der Putzfrau geschildert, die bei Peter Vorden putzt, ihn aber nie zu Gesicht bekommt, ihm nur durch das Lesen seiner Kurzgeschichten näher kommt. Damit hat der Autor an diesem Abend einen wichtigen Hinweis gegeben: Lest erst „den weißen Zug“ und dann Seltene Affären

Seltene Affären
192 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Piper Verlag, Preis 18,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Als Blogger auf den Stuttgarter Buchwochen

27.11.2016 at 9:00
Gastland Norwegen auf den Stuttgarter Buchwochen

Gastland Norwegen auf den Stuttgarter Buchwochen

 

Der Börsenverein hatte Literatur-Blogger eingeladen, einen Blick hinter die Kulissen der Stuttgarter Buchwochen zu werfen. Die Elster vom Elsternest war dabei.

Blick auf die Stuttgarter Buchwochen

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Es sind die 66. Stuttgarter Buchwochen, die dieses Jahr vom 10. November bis zum 4. Dezember stattfinden. Veranstalter ist der Landesverband Baden-Württemberg des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden Württembergs.

Begonnen hatte alles mit einer Ausstellung im Nachkriegsjahr 1949. Damals war es noch eine reine Leistungsschau für Verlage. Mittlerweile sind die Buchwochen ein Fest der Kultur für die Region Stuttgart und weit darüber hinaus geworden. Die professionelle Präsentation von rund 25.000 Büchern aus etwa 330 Verlagen, Lesungen namhafter Autoren aus dem In- und Ausland sowie viele andere Veranstaltungs-Höhepunkte bilden jene gute Mischung, die jedes Jahr an die 100.000 Besucher anzieht. Innerhalb von wenigen Tagen baute das Team des Landesverbandes Baden-Württemberg des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels die von den Verlagen in vielen Kisten angelieferten Bücher in ansprechenden Buchständern auf.

Diverse Sonderausstellungen im Rahmen der Buchwochen komplettieren die Ausstellung:

  • Kaufkalender 2017
  • Die schönsten deutschen Bücher
  • Graphic Novels, Comics & Mangas
  • Ihre Buchhändler empfehlen

Besonderes Glanzlicht jedes Jahr ist die Präsentation eines Gastlandes. Dieses Jahr ist es Norwegen, das allein mit 600 Titeln vertreten ist. In diesem Jahr hat den gestalterischen Rahmen eine Werbeagentur übernommen, die den Buchwochen ein ansprechendes, einheitliches Aussehen verliehen hat.

Im Anschluss an den Rundgang und den Einblick hinter die Kulissen las die Autorin Julia Zange aus ihrem neuen Roman Realistätsgewitter exklusiv für die Blogger.

Heinrich Steinfests Spatz ist ein träumender

26.11.2016 at 18:55
Heinrich Steinfest in der Stadtbibliothek Bad Cannstatt

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Heinrich Steinfest ins Elsternest zu tragen ist ein ähnliches Unterfangen, wie Eulen nach Athen zu tragen. Das Team der Stadtbibliothek in Bad Cannstatt hat es am 24. November 2016 gemacht und es ihm auf charmante Art gelungen. In Bad Cannstatt war er zu Gast, las aus seinem neuesten Roman: Das Leben und Sterben der Flugzeuge, der bereits auf die Shortlist für den Bayerischen Buchpreis 2016 gekommen ist.

Heinrich Steinfest wurde 1961 in Albury /Australien geboren. Aufgewachsen in Wien kam er in den neunziger Jahren nach Stuttgart, wo er heute als Autor und bildender Künstler lebt. Er erfand den einarmigen Detektiv Cheng. Heinrich Steinfest wurde mehrfach mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. Sein Roman Der Allesforscher schaffte es sogar auf die renommierte Shortlist des Deutschen Buchpreises. Im Jahr 2010 erhielt er den Heimito von Doderer-Literaturpreis. Nicht abschließend geklärt werden konnte an diesem Abend in der Stadtteilbibliothek Stuttgart Bad Cannstatt die Frage, wie viele Romane und Erzählungen sein Œuvre umfasst, 23 oder 25.

Heinrich Steinfest hat sein äußeres Erscheinungsbild verändert. Nach wie vor tritt er elegant-gepflegt, ganz in schwarz gekleidet, mit Anzug und Polohemd auf, aber sein Gesicht umrahmt seit neuestem ein Vollbart. Unverändert ist seine Fabulierkunst und sein Hang zu philosophischen Betrachtungen in seiner Geschichte. Wer die Romane Heinrich Steinfests kennt, weiß: In seinen Welten ist alles ein Leichtes. Seine Gratwanderung zwischen Phantastischem und Realität gerät ihm auch diesmal wieder zu einem hochliterarischen Drahtseilakt. Schon nach wenigen Minuten gelingt Heinrich Steinfest das Meisterstück, uns in eine Welt zu entführen, in der man keine Sekunde daran zweifelt, dass alles auch wirklich passiert.

Der komplizierte Plot von Heinrich Steinfest lebendig erzählt

In groben Zügen skizziert er den Plot seines neuen Romans: Der Spatz Quimp lebt im Pariser Bahnhof Montparnasse und ernährt sich von den Krümeln der Reisenden. Tatsächlich gab es für Heinrich Steinfest eine solche Begebenheit in Paris, die den Anfang seines Romanprojektes evozierte. Immer wieder sind philosophischen Betrachtungen des Spatzes eingeflochten, der lieber Fast-Food-Reste isst, als selber zu jagen und zu töten. Er wird mit seiner eigenen Unfähigkeit, sich artgerecht zu ernähren, konfrontiert, er versinkt in trotziger Scham, als er es versucht und versagt. Ein folgenschwerer Zusammenstoß mit einem explodierenden Sperling, schickt ihn auf eine geheime Mission nach Wien. Dort soll er einen uralten Sperling aufsuchen, den legendären Pinesits. Heinrich Steinfest kappt die Grenzen jenseits der Vorstellungen des Zuhörers. Es ist eine bizarre Welt, in die er uns eintauchen lässt. Jedoch verlässt er diese Welt immer wieder an diesem Leseabend, um aus seiner realen Welt zu erzählen, wie er beim Schreiben auf die Vögel vor seinem Fenster aufmerksam geworden ist und wie er sie gefüttert hat. Mit Bionüssen, das sei doch klar, er würde sich doch auch gesund ernähren. Im Gegensatz zu den Spatzen vor seinem Fenster ist Quimp aber keineswegs ein normaler Vogel. Wenn er träumt, verwandelt er sich in einen Kommissar, Blind mit Namen, der in dem Roman den vermeintlichen Unfalltod einer jungen Frau aufklären muss. Blind seinerseits träumt, er sei ein Vogel, der Spatz Quimp. So erschafft Steinfest zwei Ich-Erzählstimmen, die er miteinander verschränkt.

Heinrich Steinfest manipuliert die „bekannte“ Realität

Steinfest geht unabhängig von seinem alles überstrahlenden Humor durchaus ernst an seinen Weltentwurf heran. Mit seinem sympathischen wienerisch gefärbten Sprachstiel verrät Heinrich Steinfest, dass die Realität nur bedingt greift, das Träume höheres Gewicht erhalten können als nackte Fakten. Er klärt uns Zuhörer auf, dass beide Hauptdarsteller, die eigentlich nur einer sind, je auf ihre Weise die Dinge ganz anders angehen und dennoch zu ihrem Ziel gelangen werden. Die Welten sind verschränkt, durchdringen einander. Dabei achtetet Steinfest darauf, dass seine phantasierte Welt eine in sich schlüssige bleibt. Er bezeichnet die doppelte Struktur seines Romans, in dem das Fantastische und das Gewöhnliche untrennbar miteinander verwoben sind, als Spiel zweier Leben. Und immer hat man als Zuhörer an diesem Abend das Gefühl, dass Steinfest seinem „Personal“ liebevoll zugewandt ist.

Wegen seiner ungebremsten Fabulierkunst und seinen bildkräftigen Formulierungen kann man Heinrich Steinfest durchaus mit dem großen amerikanischen Autor John Irving vergleichen. Der hielt sich durch Ringen fit, Steinfest hat in seiner Küche ein Laufband aufgestellt, auf dem er sich schon in der Frühe des herannahenden Tages ertüchtigt und den Vögeln zuschaut.

Ein gastlicher Ort für eine gelungene Lesung

Als perfekte Gastgeber erweist sich das Team der Stadtteilbibliothek Bad Cannstatt als es dem Autor zum Abschluss ein Geschenk überreicht: Ein aufgeblättertes Buch, auf eine stabile Unterlage aufgeklebt. Darin kann er seine vielen neuen Ideen sammeln, die er auf Zettel aufgeschrieben hat. Heinrich Steinfest schaut überrascht bei der Überreichung des Geschenkes. So aufmerksam wurde er wohl noch nicht bei einer Lesung beschenkt. Aber auch für ihn gilt es an diesem Abend, eine neue Welt zu entdecken. Eine, die ihm wohlgesonnen ist, in der nicht geheime Mächte miteinander kämpfen: die der Stadtteilbibliothek in Bad Cannstatt.

Das Leben und Sterben der Flugzeuge
608 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit Zeichnungen des Autors
Piper Verlag, Preis 25,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens, die in Bad Cannstatt die Buchhandlung „Wagner“ in der Marktstraße 34 sein könnte

„Das Schloss“ im Staatstheater Stuttgart

25.11.2016 at 13:54
Bühnenbild "Das Schloss" von David Hohmann (Foto: © David Hohmann)

Bühnenbild „Das Schloss“ von David Hohmann (Foto: © David Hohmann)

 

K., der nie die Regeln der fremden Welt verstehen und nie das begehrte Schloss erreichen wird, wurde zu Hauptfigur von Kafas Werk „Das Schloss“. Die Geschichte von K. beendet Kafka nicht mehr, vielmehr bricht sie mitten im Satz ab und bleibt ein Fragment mit offenem Ausgang. Was geschieht, wenn auf Basis eines Literaturklassikers kreative Köpfe sich des Stoffes annehmen? Es begann 2013 im Literaturhaus Stuttgart mit einer Comic-Ausstellung. (Siehe Bericht dazu hier im Elsternest). Eine siebenköpfige Band formierte sich um den Musiker und Comiczeichner Jaromír 99 und gab sich den Namen „Kafka Band“.

In einer sprachen- und grenzüberschreitenden musikalischen Inszenierung brachten Mitglieder des Bremer Theaterensembles zusammen mit der Prager Kafka Band und Jaroslav Rudiš, dem tschechischen Schriftsteller, Kafkas Welt auf die Bühne. Nach vielen gefeierten Aufführungen kam das Stück auf Einladung des Literaturhauses am 19. November 2016 zurück nach Stuttgart. Die Aufführung war Teil des Festes zum 15. Geburtstag des Literaturhauses Stuttgart.

Ein perfektes Bühnenbild

Eine riesige Kurparkkonzertmuschel wölbte sich über die Bühne. Die Songtexte liefert der Roman, Kafkas deutsche Sprache mischt sich mit tschechischen Refrains. Die Musik: düster und rau, zugleich zart und zerbrechlich. Sie legt die existenziellen Gefühle in Franz Kafkas Romanfragment offen.

Landvermesser K. wird als Fremder von der hermetischen Schlossgemeinschaft engagiert, die behauptet, seine Arbeit würden nicht benötigt. K. wird abgelehnt, bleibt ein Überzähliger. Das ist die Grundsituation. „Der Winter ist bei uns lang und auch im Sommer fällt manchmal Schnee“, heißt es zur düsteren Atmosphäre der Ausweglosigkeit. Die wird mit Kafkas Worten und mit rhythmisch fein ziseliertem, an- und abschwellendem Melancholie-Poprock intoniert, dabei angenehm melodieselig zum Schweben gebracht.

Das Schloss: Der Autor Jaroslav Rudiš 2013 im Schriftstellerhaus

Der Autor Jaroslav Rudiš 2013 im Schriftstellerhaus

Jaroslav Rudiš führte dazu in einem Interview aus:
„Eigentlich weiß man nicht, warum K. ins Dorf geflüchtet ist. Nur, dass er nicht ankommt und fremd bleibt. Es gibt eine Stelle, die es ganz gut beschreibt. Sinngemäß heißt es da: Du bist nicht aus dem Schloss, du bist nicht aus dem Dorf, du bist nur eins – ein Fremder. Vielleicht ist das deshalb auch so, weil er deutsch spricht und es zwischen ihm und den tschechisch-sprachigen Dorfbewohnern zu Missverständnissen kommt.“

Labyrinthische Architektur der Erzählung

Die Regie verweigert naheliegende Interpretationen, beispielsweise die labyrinthische Architektur der Erzählung als Signatur einer pessimistisch reflektierten Bürokratie-Moderne. Das Bühnenbild von David Hohmann setzt die Ausweglosigkeit mit seiner „Muschel“ perfekt in Szene, die sich über das Geschehen wölbt. Mit ständigen Rollenwechseln des Ensembles wird die Handlung in modellhafte Szenen zerlegt, das Thema Fremdsein variiert in Fragen nach Identität, Erfahrungen der Vereinnahmung und der Ausgrenzung, des Ankommens und Ausgeliefertseins. Das Hamsterrad der Aussichtslosigkeit wird mit Laufbändern dargestellt, auf denen das Schauspielerquartett immer wieder läuft, ohne je voranzukommen: „Wir laufen durch die Nacht und nichts kann uns aufhalten.“

Eine die Sinne ansprechende Aufführung formt alles zu einer existenziellen Grundsituation

Per Videoprojektion verschwimmen die Buchstaben der Kafka-Sätze und purzeln durcheinander. K. versucht vergeblich, das Chaos zu ordnen, Orientierung herzustellen in diesem mysteriösen Dasein. Die projizierten Bilder stammen von Jaromír 99, der seinem holzschnittartigen Comiczeichenstil auch hier treu bleibt, den wir aus der Graphic Novel „Alois Nebel“ kennen.

Regie: Alexander Riemenschneider
Bühnenbearbeitung: Jaroslav Rudiš, Alexander Riemenschneider
Es spielen: Guido Gallmann, Robin Sondermann, Franziska Schubert, Alexander Swoboda
Kafka Band: A.m. Almela, Jiří Hradil, Zdeněk Jurčík, Dušan Neuwerth, Tomáš Neuwerth, Jaroslav Rudiš, Jaromír 99
Künstlerische Gestaltung: Jaromír 99
Dramaturgie: Viktorie Knotková

Bundesregierung hat sich gegen Leiharbeit positioniert

19.11.2016 at 17:07
Gemeinsam gegen Leiharbeit

Gemeinsam gegen Leiharbeit

 

Das Bundeskabinett hat im Sommer den Gesetzentwurf zur Bekämpfung des Missbrauchs bei Leiharbeit und Werkverträgen beschlossen. Die Leiharbeit wird auch zukünftig die nötige Flexibilität für Auftragsspitzen oder Vertretungen bieten, der Verdrängung von Stammbelegschaften wird jedoch entgegengewirkt. Ebenso wird verhindert, dass Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer dauerhaft zu niedrigeren Löhnen als die Stammbeschäftigten in der Einsatzbranche eingesetzt werden. Durch die gesetzliche Klarstellung, wer Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer ist, und die Pflicht, Leiharbeit offenzulegen, werden missbräuchliche Umgehungen des Arbeits- und Sozialrechts durch vermeintliche Werkverträge verhindert. Auch die Stärkung der Betriebsräte durch Klarstellung der Informationsrechte trägt hierzu bei.

Der Bundestag hat das Gesetz Gesetz gegen Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen am 20.10.2016 beschlossen. Nach dem neuen Gesetz zur Leiharbeit gilt künftig eine grundsätzliche Höchstverleihdauer für Arbeitnehmer von 18 Monaten, um missbräuchliche Leiharbeit als Dauerzustand zu verhindern. Leiharbeiter sollen künftig grundsätzlich nach spätestens neun Monaten den gleichen Lohn wie Stammbeschäftigte erhalten.

Nun rollt die Bundesregierung eine groß angelegte Plakataktion zu diesem wichtigen Thema über das Land aus. Am Bahnhof Zuffenhausen ist das Plakat auch zu sehen.

„Einfach mal den Schnabel halten!“,

19.11.2016 at 15:48
Schnabel halten

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zwitschert die Lerche.
„Wieso denn det?“, keckert die Elster.

Kirchberg im Herbst

Kirchberg im Herbst

 

Rückwärtiges Samu

Rückwärtiges Samu

 

Nicht nur an Feiertagen gute Reden halten!

16.11.2016 at 13:32
Volkstrauertag

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Wie in den vergangenen Jahren beteiligten sich die Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Klasse der Flattichschule Münchingen an der Ausgestaltung der Feierstunde zum Volkstrauertag. Sie hatte sich im Religions- und Ethikunterricht Gedanken zum Thema Heimat gemacht. Wir gedenken an diesem Tag den Opfern von Krieg und Vertreibung. Vertreibung bedeutet: Verlust der Heimat. Aus den Statements der Schülerinnen und Schüler war herauszuhören, dass viele ihrer Familien aus anderen Ländern zu uns gekommen sind. Die Umstände des Weggangs aus der ehemaligen Heimat blieben in vielen Statements der Jugendlichen ungenannt. Deutlich wurde jedoch, dass sie hier eine neue Heimat gefunden haben, die sie schätzen, wiewohl sie sich weiterhin mit der Heimat ihrer Familien verbunden fühlen. In einem Beitrag kam die Vertreibung durch Krieg zum Ausdruck:
Ich finde meine Heimat sehr spannend, denn sie ist nicht so wie in Deutschland. Bei uns ist alles kaputt – nicht alles – aber vieles! Das kommt vom Krieg! Es ist halt schade, wenn man sein Land verlässt, aber in Deutschland gibt es auch Stadtviertel mit meiner Heimat.“

Am Volkstrauertag werden wichtige Reden gehalten

Dr. Koblinger, Vorsitzender des Sozialverbands VdK (Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands e. V.), ging in seiner Rede ebenfalls auf das Thema Vertreibung ein. Er erinnerte daran, dass der VdK von Überlebenden des Kriegs, von den Beschädigten und Geschädigten, also den Kriegsbehinderten ohne Augen, Arme, Beine, den Witwen und Waisen gegründet wurde. Der VdK hat sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an die Erfahrungen des Krieges wach zu halten. Zunehmend gerät sie in Vergessenheit. An Tagen wie diesem wird daran erinnert. Aber leider ist das noch nicht in unseren Alltag eingeflossen, immer und überall gegen Krieg aufzustehen. So hatte der Bürgermeister von Korntal-Münchingen im letzten Jahr angesichts der anhaltenden Kriegsgräuel im Nahen Osten die Solidarität mir den zu uns Flüchtenden angemahnt. Hatte das positive Engagement vieler Bürger unser Stadt in der Flüchtlingsarbeit hervorgehoben. Aber dann musste er dieses Jahr erleben, dass die Pläne der Stadt Korntal-Münchingen zur Errichtung eines Flüchtlingsheims im Stadtteil Korntal von „besorgten Bürgen“ torpediert wurden. Sie initiierten ein Bürgerbegehren mit dem Ziel, den Bebauungsplan am Friedhof zu kippen.

In seiner Rede hatte Dr. Koblinger ausgeführt:
„Fundamentalismus, Rechts- und Linksradikalismus oder Fanatismus, die Menschen aufgrund ihrer Religion, Herkunft oder Behinderung zu Menschen zweiter Klasse herabstufen, darf kein Nährboden gegeben werden. “

Vorurteile abbauen durch solidarisches Handeln

Der durch das Bürgerbegehren initiierte Bürgerentscheid zur Verhinderung der Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft ist nicht erfolgreich gewesen. Hätte nur der Stadtteil Korntal abgestimmt, wäre er abgelehnt worden. Mit den Stimmen der Münchinger wurde ein Bebauungsstopp verhindert. Nun will der Bürgermeister Dr. Joachim Wolf die aufgerissenen Gräben wieder zuschütten. Es ist davon auszugehen, dass es gar keine Gräben gibt! In persönlichen Gesprächen mit den Münchingern gaben viele unumwunden zu, dass sie den Bürgerentscheid zum Baustopp ablehnen, damit die Suche nach einem geeigneten Bauplatz nicht in Münchingen aufgenommen wird.

Es gibt trotz guter Feiertagsreden fest sitzende Vorurteile und leider haben viele Menschen immer noch nicht begriffen, dass eine wichtige Voraussetzung zur Verhinderung von Krieg und Vertreibung uneingeschränkte Solidarität mit allen Menschen ist. Rufen wir uns in Erinnerung, was Dr. Koblinger in seiner Rede ausführte:
„Lassen Sie uns diesen heutigen Volkstrauertag zum Anlass nehmen, Gedenken, Trauer und Erinnerung in verpflichtendes Nachdenken und aktives Handeln umzusetzen.  Jeder an seiner Stelle.“

Carolin Emcke versucht den Hass zu ergründen und schreibt gegen ihn an

15.11.2016 at 14:39
Carolin Emcke im Gespräch mit Insa Wilke

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Carolin Emcke ist ein gern gesehener Gast im Literaturhaus Stuttgart. Es ist ihr dritter Besuch im Haus der Literatur. Die Moderatorin Insa Wilke gratuliert Carolin Emcke noch einmal herzlich zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und das zahlreiche Publikum spendet großen Beifall. Insa Wilke hebt die Bedeutung des Friedenspreises hervor, gerade heute, am 9. November, der für Pogrom und Mauerfall steht. Und: An diesem Tag haben wir von der Wahl Donald Trumps ins Weiße Haus gehört. Dieser US-amerikanische Populist hat mit Ausgrenzung und Hassbotschaften eine Mehrheit hinter sich bringen können.

Die AfD setzt zum Sprung in den Bundestag an, mit Ressentiments und Fremdenhass. In Landesparlamenten hat sie längst mit ihren Abgeordneten Platz genommen.

Carolin Emcke hat ein wichtiges Buch vorgelegt

Da ist Carolin Emckes Buch „Gegen den Hass“ eine wertvolle Lektüre. Die ehemalige Kriegsreporterin wollte ein Buch schreiben, das dieses Phänomen beschreibt und klar benennt ohne dass sie sich selber aus dem Spiel nimmt.

Mit ihrem Lektor Peter Sillem vom S. Fischer Verlag hat sie viele Gespräche geführt, hat gerätselt, was und warum sich um uns herum politisch und in der Öffentlichkeit so viel verändert. Hat den Zustand der zunehmenden Verrohung (nicht nur der Sprache) in den Blick genommen.

Ausgrenzung hat uralte Wurzeln

Schon als Journalistin hat sie auf ihre Artikel abwertende Leserbriefe bekommen. Oft anonym, mit der Maschine geschrieben. Heute schreiben die Leute ihre Hassbotschaften mit Klarnamen. Das sei eine neue Qualität. Es wird nicht mehr in der Anonymität gehasst, sondern öffentlich. Für die Philosophin und Autorin ist Schreiben eine Form der Reflexion aber  trotz intensiven Nachdenkens hat sie bis heute keine schlüssige Theorie entwickeln könne, woher der Hass kommt. Doch während sie  auf der Suche nach einer Antwort auf das Phänomen ist, läuft die Zeit davon, gegen den Hass etwas zu unternehmen, merkt sie selbstkritisch an..

Hass ist von Angst grundverschieden. Hass braucht ein Objekt und hat vor diesem keine Angst. Hass sucht die Nähe zum Objekt des Hasses. Angst sucht die Distanz, zeichnet sich durch Flucht, auch Ekel aus. Der Hass wird systematisch vorbereitet, wird geformt, so ihre These. Nicht in erster Linie auf der Straße sondern auf Foren im Internet, in sozialen Netzwerken, durch einschlägige rechte Lieder etc.

Die Beispiele der Ausgrenzung sind willkürlich. Carolin Emcke greift auf einen alttestamentarischen Text zurück. Im Buch der Richter wird beschrieben, wie Menschen ausgegrenzt werden, die das Wort „Shibbolet“ nicht richtig betont aussprechen. Nur durch eine andere Sprechweise werden Menschen stigmatisiert und in Folge getötet. (Siehe hier Buch der Richter 12. 5,6)

Gefühle sind keine Argumente

Ungefilterte Gefühle der „besorgten“ Bürger sollen wir ernst nehmen, sie als Pack zu beschimpfen ändert nichts. Jedoch sind ihre Handlungen und Sprechweisen als Personen zu verurteilen, wenn sie sich „hassend“ in der Öffentlichkeit zeigen. Dabei sollten Gefühle nicht als Argument dienen. Das Gefühl „wir schaffen das nicht“ ist angesichts der Tatsachen und Umstände völlig „irre“ und zeugt von Selbstmitleid, aus der Brutalität erwachsen kann.
Carolin Emcke appelliert an gegenseitige Milde und dass wir uns in der Auseinandersetzung Zeit nehmen müssen.

Ein Wort zu Donald Trump

Zum Schluss des Abends kommt der Wahlsieg von Donald Trump zur Sprache. Sein Wahlkampf war geprägt von Hass und Verunglimpfung. Carolin Emcke war viel weniger überrascht, dass er die Wahl gewonnen hat, ganz anders als beim Referendum zum Brexit. Sie hätte sich nicht vorgestellt, dass die Briten für den Austritt stimmen würden. Dass Donald Trump zum Präsidenten gewählt würde, hat sie als reale Möglichkeit gesehen. Erstaunt sei sie von seiner allersten Rede, in der er die ausgrenzende Rhetorik nicht verwendet hätte. Sie sei sehr gespannt, wie dieser Mann das Amt ausfüllen wird, der Schwierigkeiten hat, sich länger als zwei Minuten auf ein Thema zu fokussieren.

Gegen den Hass
240 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
S. Fischer, Preis 20,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens