Christa Lippelt in der Stadtbibliothek Bad Cannstatt

17.01.2017 at 15:34
Christa Lippelt

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Wieder einmal stelle ich fest, ich sehe nur das, was mir bekannt ist. Die Bilder von Christa Lippelt hängen schon seit Oktober in der Stadtteilbibliothek und ich habe sie nie wahr genommen. Erst als mich die Künstlerin auf ihre Ausstellung aufmerksam machte, schaute ich mir die Bilder genauer an.

Christa Lippelt, die in Königsberg geborene, ging in Bremen zur Schule und arbeitete als medizinisch-technische Assistentin in Stuttgart, wo sie auch wohnt. Seit ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben hat sie sich ganz der Malerei gewidmet, besuchte verschiedene Kunstakademien und stellt seit 2000 in Einzel- und Gruppenausstellungen ihre Werke dem Publikum vor.

Collagen, Acryl und Ölkreide

Zuerst fiel mir eine Collage auf, in die sie ein Bild ihres vor einiger Zeit verstorbenen Mannes zentral eingebunden hat. Das Bild ist von 2016, entstanden kurz nach dem Tod ihres Mannes. Das Schriftstellerhaus hatte im Dezember 2014 noch eine Lesung mit bereits schwer erkranken Christoph Lippelt veranstaltet und jeder der Anwesenden konnte sich ein Bild von dem feinsinnigen Schriftsteller und Arzt machen, den hier seine Frau in ihrem Bild verewigt hat.

Die hier ausgestellten Bilder stammen aus der Zeit von 2006 bis 2016, viele in kräftigen Acrylfarben gemalt aber auch Ölkreide setzt Christa Lippelt gerne ein, um Akzente zu setzten. Und immer wieder Collagentechnik wie die fünf Tulpenbilder, bei denen sie mit Acryl und Ölkreide Fotos übermalte und einen völlig neuen visuellen Ausdruck schaffte. Schicht für Schicht muss sich der Betrachter diese Bilder erschließen und setzt sie doch anschließend ganz individuell in seinem Kopf wieder zusammen.

Portraits von Romanfiguren aus dem Jahr 2007 öffnen den Blick auf die Chrakterinterpretation der Künstlerin, die man mit seinen eigenen Vorstellungen von Leyla, Yasmin und Sevgi abgleichen kann, so man den Roman von Feridun Zaimoglu gelesen hat, in dem sie vorkommen. Wenn nicht, kann man ihn gleich an Ort und Stelle ausleihen.

Es ist die gekonnte Verteilung von Form und Farben auf dem Papier, die die gemalten Porträts der literarischen Figuren auch hier im Kopf des Betrachters neu entstehen lässt und somit einen anderen Blick auf die vermeintliche Wirklichkeit erlauben, die ja nur eine literarische ist.

Ausruhen nach dem Streifzug in der besucherfreundlichen Stadtteilbibliothek

Neben den vielen „Portraitbildern“ entdeckt man beim Streifzug durch die Stadtbibliothek großflächige Landschaftsbilder der Künstlerin von nächtlichen Inseln oder den Monte Baldo, diesem imposanten Bergmassiv am Gardasees. Hat man sich an all den Farben und Formen der Künstlerin Christa Lippelt satt gesehen, so bietet die Stadtbibliothek dem Besucher in der Leseecke einen Kaffee oder Espresso an, bei dessen Genuss die Eindrücke nachwirken können.

Die im Oktober 2016 eröffnete Ausstellung ist noch bis Anfang April diesen Jahres in der Stadtteilbibliothek Bad Cannstatt, Überkinger Str. 15 in Stuttgart zu sehen.

Die Anstifter zum neuen Jahr

11.01.2017 at 21:24
Dr. Annette Ohme-Reinicke

Dr. Annette Ohme-Reinicke

 

Mit einer Ausstellung politischer Plakate haben die Anstifter das neue Jahr eingeleitet. Die Plakate spiegeln die internationalen Debatten um Fluchtursachen und Fremdenhass. Das ist ein zentrales Thema der Anstifter in diesem Jahr. Dr. Annette Ohme-Reinicke, die neue Vorsitzende der Anstifter, hielt die diesjährige Eröffnungsrede. Darin stellt sie die Frage nach dem, was wir von dem neuen Jahr erwarten und was wir erhoffen dürfen. Sie führt aus:

„Ziemlich sicher ist: Es wird gewählt werden. Die Bundestagswahl im September wird wahrscheinlich – wieder einmal – die Frage nach dem geringsten Übel stellen. Es ist zu befürchten, dass wieder einmal der Streit für Mehrheiten als wichtiger erklärt wird, als eine Auseinandersetzung um die Wahrheit. Gerade in solchen Zeiten braucht es ein Anstiften zum Selber-Denken.“

Sie weist geschickt auf die nächste Veranstaltung „ihres“ Institutes, des Hannah Arendt Instituts hin, indem sie das Thema des Abstands zwischen Arm und Reich erwähnt, der sicher noch größer werden wird. Diese passiven Zuschauer (die Armen) , die Zuschauer des eigenen Lebens, bleiben stets irgendwie im Dunkeln. Man sieht sie nicht, sie sind nicht öffentlich, sie sind arm dran. Dazu führt sie mit Hannah Arendt aus: „Armut liegt nicht nur in materieller Not, sondern auch in der Dunkelheit des Nicht-Gesehen-Werdens, des Nicht-Teil-der-Öffentlichkeit-Seins“. Sie fordert auf, sich der Aufgabe anzunehmen, gesellschaftliche Ausgrenzung, Hierarchien und soziale Ungerechtigkeit ins Licht der Öffentlichkeit zu holen, zu handeln und zum Handeln anzustiften. Denn, die Hopi-Indianer sagen: „Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben.“

Die Ausstellung geht weiter

Noch bis zum 28. Januar sind im Foyer des Willi-Bleicher-Hauses (DGB) eine Auswahl der von einer internationalen Jury ausgezeichneten, eindrucksvollen politischen Plakate zu sehen. Sie sind ein Spiegelbild der internationalen Debatten um Fluchtursachen und Fremdenhass, Terror, Krieg und sozialen Abstieg. Die jurierten Unikate aus 27 Ländern sind Ergebnis der VI. Biennale des Internationalen Jugendbegegnungszentrums Auschwitz. An dieser Arbeit beteiligen sich Die AnStifter seit zehn Jahren.

Speak up for those who cannot – Geben wir jenen eine Stimme, die nicht sprechen können!

An der Finissage am 24. Januar um 17.00 Uhr werden Leszek Schuster, Direktor der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim, und Maria Anna Potocka, Kunsttheoretikerin und Chefin des Museums für Gegenwartskunst in Krakau, teilnehmen – zwei Persönlichkeiten, die auch über die aktuellen Entwicklungen in Polen Auskunft geben können.

Frieden auf Erden

29.12.2016 at 14:57
Frieden Glückwünsche zum neuen Jahr 2017

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Wir leben ohne Krieg im eigenen Land. Schon mehr als 70 Jahre lang. Das ist ein Privileg und sollte von uns als hohes Gut gewürdigt werden. Wenn man die Bilder aus Aleppo sieht, so erinnern uns die Zerstörungen dort an die Zerstörung deutscher Städte im 2. Weltkrieg.

Frieden hat ein Unbekannter gesprüht

PAX hat ein Unbekannter an die Betonumzäunung einer ehemaligen Russenkaserne in Dresden-Hellerau gesprüht. PAX für die Staaten, die im 2. Weltkrieg auf der militärischen „Gegenseite“ gestanden haben. Mit den allermeisten haben wir ein friedliches Verhältnis hinbekommen. Doch um Frieden muss immer wieder gerungen werden, denn es ist ein fragiler. Auch in Europa. Jürgen Grässlin hatte bekürzlich bei der Verleihung des Friedenspreises der Anstifter an ihn gesagt: „Ich bin der festen Überzeugung, dass das stimmt, was da steht: Eine andere Welt ist möglich. Und nicht, weil die Gegenseite sagt, es ist nicht möglich, sondern weil wir fest daran glauben, dass wir diese Welt ändern werden und wir werden sie ändern“.

Wir schaffen eine friedliche Welt, wenn wir uns, Hand in Hand mit Jürgen Grässlin, gegen Waffenexporte engagieren, wenn wir darauf hinwirken, dass die Kriegseinsätze der Bundeswehr im Ausland gestoppt werden.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs ein friedliches und glückliches neues Jahr.

 

Als ich ein kleiner Junge war

29.12.2016 at 14:43
Erich Kästner als Junge vor der Villa

Der Junge Erich auf der Mauer vor dem Museum

 

So heißt ein bekanntes Buch von Erich Kästner. Zu besichtigen in der Villa Augustin, ein paar Schritte vom Albertplatz entfernt. Hier, in der ehemaligen Villa seines Onkels Franz Augustin, in seiner Geburtsstadt Dresden, wurde anlässlich des 101. Geburtstages des Schriftstellers das Erich Kästner Museum eröffnet.

Ein ungewöhnliches Architekturprojekt

Der irischer Architekt Ruairí O’Brien hat ein ungewöhnliches Museumskonzept umgesetzt. In zwölf beweglichen Stehlen um einen zentralen Kern sind in vielen Schubladen die Exponate untergebracht, die die Besucher herausnehmen und anschauen können. Sie sind in vier Gruppen farblich geordnet.

In den grünen Schubladen findet man Exponate zu „Erich Kästner, ein Deutscher aus Sachsen: Biografie und Heimat“.

In den roten Schubladen findet man Stücke zu dem Themenkomplex: „… der Mann zwischen den Stühlen. Kästner – ein Außenseiter wider Willen“.

„Sie müssen wieder wie Kinder werden … Kästners Utopien“, finden sich in den gelben Schubladen. Und schließlich in den blauen Schubfächern „Erich Kästner und die Medien“.

Die 13. Säule, der Kern, beinhaltet neben einer multimedialen Ausrüstung Originale (Briefe, seinen Anzug, seinen Hut, seine Schreibmaschine etc.), die sein Leben symbolisieren. Wie der Museumsbau selber, fügen sich die einzelnen Facetten zu einer Gesamtheit zusammen. So kann sich jeder Besucher seine eigenen Schwerpunkte setzten.

Die Bücher von Erich Kästner wurde von den Faschisten verbrannt

Kästner gehörte zu den im Dritten Reich verbrannten Schriftstellern. Während der Nazidiktatur hatte er Schreibverbot. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog Kästner nach München, wo er bis 1948 das Feuilleton der Neuen Zeitung leitete. Er engagierte sich gegen die Wiederbewaffnung und setzte sich für die von der SPD propagierten Schulreformen ein, die er für Kinder förderlicher fand, als das geltende Schulsystem.

Das Literaturhaus Dresden ist bei Erich Kästner in guter Gesellschaft

Über dem Erich Kästner Museum, im ersten Stock, ist ein Café eingerichtet. An den Wänden Bücherregale mit seinen Werken und Büchern Dresdener Autoren bzw. Autoren, die in Dresden leben. In dem Café finden auch die Veranstaltungen des Literaturhauses Dresden statt, das vor sechzehn Jahren gegründet wurde.

Ein neues Diensthandy

21.12.2016 at 20:00
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M. bekam, passend zu Weihnachten, von seinem Arbeitgeber ein neues Diensthandy. Freudig packte er es aus. Ein kleines Gerät, das gut in der Hand liegt. Die Tasten sind ein wenig zu klein geraten, findet M.

Dafür wartet das Handy mit Strahlungswerten auf, die derzeit wohl einzigartig auf dem Markt sind. Spitzengeräte erreichen schon mal SAR-Werte von 0,21 W/kg. Allerdings kommen einige Smartphones mit 1,64 W/kg schon sehr nahe an den Grenzwert. Generell gilt: Um gesundheitliche Schäden auszuschließen, sollte die spezifische Absorptionsrate eines Handys (SAR-Wert) nicht mehr als 2 Watt pro Kilogramm betragen. Das ist die Leistung, die ein Handy während eines Telefonats am Ohr bei maximaler Sendeleistung höchstens in den menschlichen Kopf einstrahlen darf.

Das neue Diensthandy von M. schlägt sie alle. Es hat Strahlungswert von sage und schreibe 0,00 W/kg! Dafür wartet es allerding mit einem Nachteil auf, der zukünftig näher zu betrachten sein wird: Die WSW des Ohres (Wäremestrahlungswerte) können zu einer Beeinträchtigung des Gerätes führen. Einen Tod muss man halt sterben. Entscheiden Sie, ob es den User oder das Gerät erwischen soll.

 

Ein Song kann den Tag beflügeln

21.12.2016 at 13:06

M. hört morgens Deutschlandradio Kultur. Neben den guten Wortbeiträgen bekommt M. auch immer wieder Musik zu hören, die ihn neugierig macht und manchmal entdeckt er darüber Künstler, die ihm die Seele laben. Wie heute, als er die Gruppe „Family of the Year“ hört, die so wunderbar den amerikanischen Traum in diesem Song gegen den Strich bügeln:
 

Let me go
I don’t wanna be your hero
I don’t wanna be your big man
I just wanna fight with everyone else

Den vollständigen Text gibt es hier.

Heinrich Steinfest hat den Bayerischen Buchpreis erhalten

18.12.2016 at 18:17
Heinrich Steinfest

Zeichnung: Heinrich Steinfest

 

Der Schöpfer des kleinen Quimp hat den Bayerischen Buchpreis erhalten. Diese Nachricht übermittelte uns die Leiterin der Bibliothek in Cannstatt. Dort las Heinrich Steinfest vor kurzem.

Die Jury, bestehend aus dem TV-Literaturkritiker Denis Scheck, der Journalistin Franziska Augstein und der Friedenspreisträgerin Carolin Emcke zeichneten damit einen Autor aus, der in seiner Surrealität einer der realistischen Autoren der Gegenwart sei, der in seinen ganz und gar unberechenbaren Romanen der Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts seinen geistreichen Spiegel vorhalte.

Die Elster und die Lerche können sich diesem Urteil voll und ganz anschließen, freuen sich von Herzen und gratulieren dem Kollegen Quimp und seinem Schöpfer für diese Auszeichnung.

Buchcover

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Das Leben und Sterben der Flugzeuge
608 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag,
mit Zeichnungen des Autors
Piper Verlag, Preis 25,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Felicitas Andresen erhält für „Sex mit Hermann Hesse“ Thaddäus-Troll-Preis

18.12.2016 at 14:41
Felicitas Andresen erhält von Ingrid Bussmann den Thaddäus-Troll-Preis

Felicitas Andresen erhält von Ingrid Bussmann den Thaddäus-Troll-Preis

 

Felicitas Andresen erhält den diesjährigen mit 10.000 Euro dotierten Thaddäus-Troll-Preis für ihren Roman Sex mit Hermann Hesse. Am 14. Dezember 2016 wurde ihr der Preis in der Stadtbibliothek der Stadt Stuttgart verliehen.

Frau Christine Brunner, die Leiterin der Stadtbibliothek, erinnert in ihrem Grußwort daran, dass alle Thaddäus-Troll-Preisträgerinnen und -Preisträger einen Platz in der Abteilung Literaturszene Stuttgart und Region in der Stadtbibliothek am Mailänder Platz erhalten. Die diesjährige Preisträgerin wird ganz am Anfang der Werkausstellung stehen und damit zusätzlich geehrt.

Ein Literaturprofessor hält die Laudatio

Peter Blicke hält die Laudatio auf Felicitas Andresen

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Großer Bahnhof für die Preisträgerin: der in den Vereinigten Staaten lehrende Peter Blickle hält die Laudatio auf die 1939 geborene Flelictas Andresen. Der aus dem Schwäbischen stammenden Professor und Autor lobt die direkte Art, über Sex zu schreiben und das in Zusammenhang mit einer Ikone der deutschen Literatur. Peter Blickle lehrt German and Gender and Women’s Studies an der Western Michigan University und ist sicher auch unter diesem Gesichtspunkt eine gute Wahl für die Laudatio. Sex sei ein unzuverlässiger Führer durchs Leben, meint der Professor. Hesse sähe man jenseits von Sex. Und doch hat Felicitas Andresen diese beiden Pole zusammen gebracht und spielt mit zwei Feuern: dem „heiligen Sex“ und dem „Heiligen der Literatur“ Hermann Hesse. Die fiktiver Erzählerin weiß zu gut, was es heißt, wenn Hermann Hesse zum „Sexobjekt“ wird. Wie sie lebt Felicitas Andresen in Gaienhofen, Kultstätte für Hesse-Fans, und arbeitet wie diese im örtlichen Hesse-Museum (als Kassiererin). Und dort kann man erleben, wie weit der Hesse-Kult bei manchen Anhängerinnen gehen kann.

Peter Blickle möchte den Roman nicht auf ein Genre festlegen, zu vielfältig sei er angelegt, als Schelmenroman geht er aber sicher durch. Felicitas Andresen habe ein feines Gespür für Worte, weiß genau um die Wirkung ordinärer Ausdrücke und feinsinniger Beschreibungen, die sie gezielt einsetzt. Und immer bleibt sie eine „Picara“, eine die stichelt und piekst.

Und im realen Leben? Da hat Felicitas Andresen ein „Slut-Shaming“ erlebt. Slut-Shaming fände immer da statt, wenn Frauen öffentlich oder privat eine Frau beleidigten, weil diese ihre Sexualität auf eine Weise ausgedrückt, die nicht mit den patriarchalischen Erwartungen an Frauen übereinstimmt. In Amerika ein weit verbreitetes Phänomen. Felicitas Andresen wurde in Leserbriefen wegen ihrer frechen Literatur attackiert.

Felicitas Andresen liest aus ihrem Roman und gibt damit Einblicke in ihr Schaffen

Felicitas Andresen

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Einen kurzen Einblick erhält das Festaktpublikum durch die Lesung von Felicitas Andresen im Anschluss an die Laudatio. Dabei werden die Erwartungen der Zuhörer aufs eindrücklichste unterlaufen, als die 77jährige Autorin, in klassischem Kostüm gekleidet, in ihrer frechen Sprache liest. Das Buch erzählt von einer ältere Hausfrau, die ja eigentlich nur auf das Hermann-Hesse-Haus in Gaienhofen auf der Höri aufpassen soll, weil sie mit der Museumsarbeit ihr Budget aufstocken will, obwohl sie von Hesse wenig Ahnung hat. Doch zunehmend stellt sie plötzlich Fragen – an sich und andere: Wer war dieser Hermann Hesse, der gesunden Sauerampferpudding aß, aber ständig brieflich seinen bevorstehenden Selbstmord ankündigte? Der drei Frauen und drei Kinder hatte, aber doch Ekel vor der Wollust? Die geistige Anwesenheit dieses jungen alten Herrn wirkt sich immer mehr auf den Alltag der staunenden Betreuerin aus.

Felicitas Andresen arbeit immer noch im Hermann Hesse Museum. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis (aus Mittel des Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg bereit gestellt) wird ihr mehr Spielraum für ihre schriftstellerischen Ambitionen ermöglichen. Und dann erfährt sie an diesem Abend, dass ihr Verleger, Hubert Klöpfer, ihr anbietet, auch ihr neues Manuskript im neuen Jahr in seinem Verlag heraus zu bringen.

Die Begründung der Jury

Die Begründung der Jury für den Roman trägt die Vorsitzende des Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg vor. Darin heißt es:

„Die Jury hat beeindruckt, dass Felicitas Andresen mit ihrem Roman „Sex mit Hermann Hesse“ die nicht gerade umfangreiche deutsche Literatur humoristischen Charakters bereichert. Ihr Buch, das mit viel Understatement daherkommt und sich auf den ersten Blick nur wie das Tagebuch einer subalternen Museumsangestellten liest, ist ein Schelmenroman, der in einem schnoddrig-respektlosen Ton aus der Dienstbotenperspektive auf den großen Dichterhelden Hermann Hesse schaut und dessen menschlich, allzu menschlichen Seiten besser aufspürt als die meisten akademischen Abhandlungen. Gleichzeitig beleuchtet der Roman auf satirische und selbstironische Weise die Gepflogenheiten des bürgerlichen Literaturbetriebs und seiner Dichterverehrung in Geschichte und Gegenwart.“

Dann überreicht sie Felicitas Andresen den Preis. Die bedankt sich mit herzlich und blickt in ihrer Dankesrede noch einmal auf das, was sie mit diesem Roman losgetreten hat. Hören und sehen Sie selbst:

Sex mit Hermann Hesse
Roman
220 Seiten, geb. mit Schutzumschlag
Klöpfer & Meyer, Preis: 20,00 €

zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Verneigung vor Christoph Lippelt

18.12.2016 at 12:05

 

Christoph Lippelt Gedächtnislesung

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Kolleginnen und Kollegen aus dem Schriftstellerhaus verneigten sich am 13. Dezember 2016 im Schriftstellerhaus vor Christoph Lippelt mit einer Gedenklesung.

Vieles erinnert bei dieser Lesung an den Abend vor 2 Jahren, als Christoph Lippelt seinen letzten Roman im Schriftstellerhaus vorstellte. Damals wie heute ist der kleine Saal des Schriftstellerhauses bis auf den letzten Platz besetzt. Von schwerer Krankheit gezeichnet, fehlte Christoph Lippelt bereits die Kraft, eine lange Lesung zu bestreiten. Kurz nach der Lesung im Dezember 2014 verstarb der geschätzte Autor. Seine Weggefährten aus dem Schriftstellerhaus lesen, wie vor zwei Jahren Passagen aus seinen Werken und erinnern an ihn. Ein Bild über den Lesenden zeigt den letzten öffentlichen Auftritt von Christoph Lippelt. Wiewohl absehbar, hat uns sein Tod erschüttert. Carmen Kortaski erinnert sich an die letzten Worte, die Christoph an sie richtete. Er war fest davon überzeugt, dass trotz der Anfeindungen der Menschen untereinander und des gegenseitigen aufeinander Einschlagens, vier Dinge Bestand haben werden: „Liebe, Kunst, Religion und Natur, das bleibt!“

So beginnt Carmen Kotarski auch die Lesung mit einem Langgedicht, das Christoph Lippelt, der Hautarzt und Christ, als Dankesrede 1983 anlässlich der Verleihung des Literaturpreises der Bundesärztekammer hielt. Es ist ein sehr politisches Gedicht in dem aber auch sein christlicher Glaube durchschimmert. Er, der Hautarzt, schreibt angesichts militärischer Bedrohungen, das wir dünnhäutiger werden müssten, nicht dickfellig. Es war die Zeit, als der NATO-Doppelbeschluss um die Stationierung der Pershing II Raketen und die damit einhergehenden atomare Hochrüstung, die außen- und innenpolitischen Debatten bestimmten und die Menschen auf die Straßen gingen.

Rainer Wochele liest an diesem Abend aus dem ersten Kapitel des 2008 erschienen Romans Engelsbühl. Die auf dem Buchumschlag abgebildeten Papageien erinnern ihn immer an die Gelbkopfamazonen, die er beim Schreiben in seiner Schriftstellerklause in Bad Cannstatt hört. In dieser Passage kommt die Bildkraft der Sprache Christoph Lippelts gut zum Ausdruck.

Usch Pfaffinger, langjährige Geschäftsführerin des Schriftstellerhauses, verantwortete lange Zeit die Herausgabe der Anthologien des Hauses. Für die Ausgabe zum zwanzigjährigen Jubiläum hat sie Texte von Christoph Lippelt aufgenommen und sie liest einen Text von ihm aus dieser Anthologie. Sie erinnert sich gut, wie sie mit ihm vor der Veröffentlichung darüber diskutierte.

Eleonore Lindemann hat in ihrer Zeit als Sekretärin von Thaddäus Troll viele Schriftsteller persönlich kennen gelernt, auch Christoph Lippelt. Sie lässt es sie es sich nicht nehmen, an diesem Abend ebenfalls in die Gruppe der Lesenden einzureihen. Den Abschluss der Lesung bestreitet der Lyriker Gilbert Fels, der, wie könnte es anders sein, das lyrische Werk des Christoph Lippelt zum Gegenstand seiner Lesung macht. Ähnlich wie am Abend vor zwei Jahren, kommen Lesende und Zuhörer nach der Lesung bei einem Glas Wein ins Gespräch.

Bob Dylan übersendet Grußbotschaft

12.12.2016 at 14:08
Bob Dylan Nobelpreis Literatur 2016

Bob Dylan in Vitoria Gasteiz
(Foto: © Alberto Cabello – CC BY 2.0)

 

Bob Dylan ist nicht selber nach Stockholm gefahren, um den Nobelpreis für Literatur 2016 entgegen zu nehmen. Stattdessen hat der einen Brief geschrieben, der vorgelesen wurde. Es lohnt, ihn zu lesen.

Ralf Husmann hat im Deutschlandradio Kultur eine „alternative Bob Dylan-Dankesrede zum Nobelpreis geschrieben, die der Schauspieler Reiner Schöne kongenial zu Gehör bringt.

„I’ll know my song well before I start singin’“, heißt es in Dylans Song „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“, den seine langjährige Weggefährtin Patti Smith gesungen hat. Dass sie vor lauter Aufregung vor so hohem Haus den Faden verlor, ist nur verständlich.