Stuttgart für Menschrechte – zwei Partner in Aktion

27.07.2018 at 21:19
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Die AnStifter und die Stiftung Geißstraße 7 haben sich vor einigen Monaten zusammengetan, um die Menschrechte in der Stadtgesellschaft breit zu diskutieren. Sie nennen ihre Aktion Vielfalt: 0711 Menschrechte. Denn vor 70 Jahren verkündete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

Derzeit sind in Europa und weltweit Tendenzen wahrzunehmen, dass Menschenrechte missachtet oder gar abgeschafft werden. Angesichts dieser Entwicklungen halten es die Initiatoren für ihre Pflicht, sich verstärkt für die Menschenrechte in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens einzusetzen. Sie sind der Überzeugung, nur auf der Grundlage der Respektierung der Rechte anderer kann sich das gesellschaftliche Zusammenleben entwickeln. Ebenso sind die Menschrechte bedeutungsvoll für den Respekt der Staaten untereinander.

30 Tage – 30 Artikel der Menschenrechte

In 30 Tagen vor dem historischen Datum der Verkündigung (10. Dezember 1948) wollen die Initiatoren mit einem breiten Bündnis von Initiativen und Kulturschaffenden die 30 Artikel der Menschrechte in die Öffentlichkeit bringen. (). Flankiert werden die Aktionen schon im Herbst von Vorträgen und Diskussionen in diversen Bildungseinrichtungen. So beginnt das Evangelische Bildungszentrum Hospitalhof seine Reihe „Auf den Spuren der Menschrecht und ihre aktuellen Bedeutung“ bereits am 21. September.

Über 150 Gruppen und Initiativen der Zivilgesellschaft, Medien, Theater, Galerien und Kinos, öffentliche Einrichtungen unterschiedlichster Art, tragen dieses vielfältige Gemeinschaftsprojekt. Sie alle werden die Bedeutung von Menschenrechten aus ihrer Sicht thematisieren.

Zur Zeit laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Eine Webseite wurde bereits veröffentlicht. Eine Zeitung zum Thema soll Ende Oktober fertig gestellt sein. Banner, Postkarten , Flyer und Buttons werden derzeit entworfen und die an der Aktion Beteiligten konzipieren vielfältige Veranstaltungen.

Yael Deckelbaum bringt politischen Botschaften auf die Bühne

20.07.2018 at 19:46

 

Yael Deckelbaum

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Die Position Israels auf der Weltbühne ist derzeit nicht die einfachste. Daher war es besonders beeindruckend, dass die preisgekrönte israelisch / kanadische Singer-Songwritering Yael Deckelbaum am 19.7.2018 zu Gast beim Sommerfest der Kulturen in Stuttgart auftrat.

Unterstützt von fünf musikalischen Powerfrauen bringt Yael Deckelbaum ihre politische Botschaft in griffigen Songs voller Empathie unters Volk. Yael Deckelbaum ist nicht nur Musikerin sondern auch Aktivistin. Ihre Berufung als Aktivistin fand sie in den Jahren 2015 – 2016. Sie initiierte die soziale, musikalische Reise „The Road Home“ zusammen mit der Protestführerin Daphni Leef. Die beiden Frauen fuhren mit einer Crew von 20 Personen für 45 Tage durchs ganze Land, um die Stimmen der guten Leute von Israel zu dokumentieren. Sie steht mit der Organisation „Frauen wagen den Frieden“ an der Spitze einer Friedensbewegung, die sich über die ethnischen Grenzen hinweg für den Frieden unter alle Menschen in der Region Palästina einsetzt.

Angesichts der Botschaften der Versöhnung und des Ausgleichs aller in Palästina lebenden Menschen und ihrem Ziel, Konflikte zu entschärfen, aufeinander zuzugehen, mutet eine Gruppe Frauen auf dem Marktplatz fast schon anachonistisch an. Auf ihren roten T-Shirts fordern sie den Boykott Israels. Diese Forderung widerspricht den Ansichten der sechs Musikerinnen auf der Bühne und ist sicher auch nicht im Sinne des Veranstalters, der Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen bringen und nicht ausgrenzen will.

Kinder und Frauen sind die Hauptleidtragenden von Krieg, davon singt Yael Deckelbaum

Immer wieder rücken die Musikerinnen die Mütter und die Kinder ins Zentrum ihrer Lieder. Sie sind es, die die Hauptlast der Kriege zu tragen haben, die unter Hass, Gewalt und Ausgrenzung besonders leiden nicht nur in Palästina und Israel sondern weltweit.

Den Song „Prayer of The Mothers“ schrieb Yael Deckelbaum für den „March of Hope“: Tausende von jüdischen und arabischen Frauen marschierten aus dem Norden Israels nach Jerusalem mit der Forderung nach Frieden. Das Lied hat die Botschaft des „Marsches der Hoffnung“ in die ganze Welt getragen und hat viele universelle Frauenbewegungen inspiriert. Diese Hoffnung ist dieses Jahr auch in Stuttgart angekommen.

Die Gruppe La Gâpette eröffnet furios das Festival der Kulturen

19.07.2018 at 15:49
La Gâpette auf dem Festival der Kulturen in Stuttgart

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Am 17. Juli 2018 begann das diesjährige Festival der Kulturen. Der Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart Fritz Kuhn hielt keine lange Begrüßungsrede, alle warten auf den ersten Gig dieses Festivals, das dieses Jahr sein zwanzigjähriges Jubiläum feiert.

Die Band La Gâpette kommt aus der Betagne: Gâpette bezeichnet im Französischen eine kleine Schirmmütze. Sie ist das Markenzeichen der sechs Bretonen und sie spielen eine furiose Mischung aus Musette, Ska und Balkan-Pop. Sie nennen ihren Stil Chanson Muzouche, eine ganz eigene Mischung aus fröhlicher Musette und Manouche (Gypsymusik) mit Texten von Liebe aber auch frechen politischen Aussagen.

La Gâpette bringt das Bistrot auf die Bühne

Auf der Bühne haben die Künstler – wie bei jedem ihrer Konzerte – einen echten Tresen aufgebaut und so die Atmosphäre eines Bistros nachempfunden. Für sie der Inbegriff der Komplizenschaft, Menschlichkeit und Großzügigkeit. Eben genau das, was das Festival der Kulturen auszeichnet. Sie erzeugen dabei eine unverwechselbare Energie, die sich auf das Publikum überträgt. Dabei verstoßen sie mit Vorliebe gegen die Regeln des Chansons und die Gesetze des Akkordeons. Der Kontrabass schlägt voll den Takt, das Akkordeon legt sich in die temperamentvoll melancholischen Melodien, dazu das Banjo, die halbakustische Gitarre, das Schlagzeug, das Saxofon. Die Akkordeonistin mit ihren fünf Begleitern bringen das Publikum vor der Bühne im Handumdrehen zum Tanzen.

Red Baraat aus New York verbindet orientalische Melodien mit Jazzelementen

Nach kurzer Umbaupause kommen Red Baraat aus New York auf die Bühne. Wild werden Trommeln geschlagen, alles wiegt sich, orientalische Melodien kreuzen jazzig traditionelle indische Klänge, gepaart mit modernen Elementen von Funk, Hip-Hop, Jazz und Rock. Sie kreieren verschlungene Rhythmen. Die indische Trommel Dhol wird vom Sänger Sunny Jain gespielt, er wird unterstützt von seinen Bandmitgliedern an Sousaphon, Trompete, Gitarre und Schlagzeug. Eine indisch-amerikanische Gruppe, die ihre Heimat in New York hat. Doch an die unbeschwingte Herzlichkeit der Gruppe La Gâpette können diese sechs Musiker nicht anknüpfen.

Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt

Wer auf dem Festival Hunger bekommt, kann sich durch den Duft der Küchen aus aller Welt zu einem Imbiss inspirieren lassen und bei einem kühlen Bier sich der ungezwungenen Atmosphäre hingeben. Bis einschließlich Sonntag hat man die Gelegenheit, diese kulturelle, kulinarische und musikalische Vielfalt zu erleben.

Sudabeh Mohafez liest im Salon

26.06.2018 at 10:54
Astrid Braun im Gespräch mit Sudabeh Mohafez

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Das Schriftstellerhaus Stuttgart lud am 22. Juni 2018 die Autorin Sudabeh Mohafez ins Haus der pensionierten Architektin Uta. P. in Sillenbuch ein.

Das Konzept der Reihe “Literatur im Salon”: Privatleute stellen ihr Wohnzimmer zu Lesungen zur Verfügung. Schon zum dritten Mal finden diese Veranstaltungen des Schriftstellerhauses statt und erfreuen sich großer Beliebtheit. Dieses Jahr ist die Reihe überschrieben mit „Sie liest“. Ausnahmslos werden Autorinnen vorgestellt. Viele dieser Autorinnen haben als Stipendiatinnen das Schriftstellerhaus als Refugium im Rahmens eines Stipendiums kennen gelernt. Die Salonlesungen sind Teil des diesjährigen Literatursommers der Baden-Württemberg-Stiftung unter dem Titel: Frauen in der Literatur. Das Schriftstellerhaus hat mit seiner Teilnahme den Blick auf die Frau als Schreibende gerichtet.

Sudabeh Mohafez wurde 1963 im Iran geboren. Ihre deutsche Mutter ehelichte einen Iraner und lebte mit der Familie dort bis 1979. Dann zieht sie mit ihren Kindern nach Berlin. Dort studierte Sudabeh Mohafez Musik, Anglistik und Erziehungswissenschaft. Sie war Mitarbeiterin in verschiedenen Nichtregierungsorganisationen im Bereich der Gewaltprävention und leitete ein autonomes Frauenhaus. Seit 2004 ist sie freie Autorin und lebt heute, nach dem Absprung aus Berlin – in dem sie 27 Jahre lebte – und einigen Jahren in Lissabon, in Baden-Württemberg.

10 Zeilen jeden Morgen

In Lissabon hatte sie sich zur Angewohnheit gemacht, morgens jeweils 10 Zeilen zu schreiben und diese Aufschriebe nur einmal zu überarbeiten. Danach entschied sie, ob sie die Kurzprosa auf ihrem Blog veröffentlicht oder nicht. 2010 ist daraus in der Edition AZUR, ansässig in Dresden, das 10-Zeilen-Buch entstanden. Es enthält eine Auswahl aus diesen Texten. An diesem Abend liest sie einige dieser Geschichten. Kurzprosa ist ihre präferierte literarische Form.

Bloggen als Mittel des künstlerischen Austausches

Ebenfalls aus einer über den Blog geführten Korrespondenz ist die Zusammenarbeit mit einem in der Schweiz lebenden Künstler entstanden, der in der Kunstwelt stets als Paar „Rittiner & Gomez“ firmiert. Wie die Schriftstellerin Sudabeh Mohafez ihre Texte ins Netz stellt, stellt Rittiner & Gomez regelmäßig Aquarelle über sein „Logbuch der Insel“, isla volante, ins Netz. Zusammen haben sie ein Buch mit drei Microromanen und Aquarellen in der Edition AZUR herausgebracht. Einige Kapitel aus dem Buch stellt Sudabeh Mohafez vor. Begeistert erzählt die Autorin, dass dieser kleine Verlag sich immer wieder auf aberwitzige Experimente einlässt und so entsteht Literatur abseits des Mainstreams.

Sudabeh Mohafez wurde mit dem Adelbert-von-Chamisso Preis ausgezeichnet

Sudabeh Mohafez liest behalte den Flug im Gedächtnis

Behalte den Flug im Gedächtnis

Ihr neuestes Buch versammelt „Auftragsarbeiten“. Immer wieder, vor allem nachdem sie den renommierten Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis erhalten hatte, wurde sie angefragt, Texte über das Leben im Iran, die Verschleierung der Frau, ihre Erfahrungen mit ihrem Migrationshintergrund zu schreiben (obwohl sie Deutsche war und ist!). Viele Texte wären nie entstanden, hätte es die Aufträge nicht gegeben. Für sie war und ist das eine verlässliche Geldquelle. Mittlerweile sind ihr diese Texte, obwohl sie das Sujet nicht selber ausgesucht hätte, ans Herz gewachsen und gerne trägt sie daraus vor. Abgedruckt sind sie in dem Erzählband Behalte den Flug im Gedächtnis. Der Titel ist entnommen einem persischen Gedicht der iranischen Dichterin Forugh Farrochsad, der die iranische Lyrik des 20. Jahrhunderts viel zu verdanken hat. Die Folgezeile lautet: Der Vogel ist sterblich!

Sudabeh Mohafez erklärt nicht nur die Bedeutung der Dichterin Forugh Farrochsad sondern verrät auch, dass sie mittlerweile selber mit der Zusammenstellung eines Lyrikbandes beschäftigt ist. Einige ihrer Gedichte hat sie bereits in verschiedenen Publikationen veröffentlicht und hört man sie, so bekommt man Lust auf mehr davon. Ein Mitschnitt des Abends ist auf der Homepage des Schriftstellerhauses veröffentlicht.

Wort trifft Wein bei Jaques‘

11.06.2018 at 19:46
Wort trifft Wein bei Jaques

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Jaques’ Weindepot lud am 9 Juni 2018 zu einem literarischen Weinspaziergang in seine Verkaufsräume am Feuersee in Stuttgart ein. Hans Thill hatte die Idee, mit der Gruppe Band 2 aus dem Schriftstellerhaus dort eine Lesung zum Thema Wein zu veranstalten. Die Gruppe trifft sich regelmäßig im Schriftstellerhaus, um Texte der Mitglieder zu diskutieren und Feedback zu geben.

An diesem Abend präsentiert Hans Thill zusammen mit Thomas Werling und seiner Frau von Jaques’ Weindepot acht literarische Streifzüge der Gruppe zum Thema Wein. Hans Thill eröffnet den Abend mit einem Sketch – frei nach Loriot – den er zusammen mit seiner Partnerin Hanni Schäfer vorstellt. Zu jeder Lesung wird von Thomas Werling ein ausgesuchter, passender Wein kredenzt.

Ich selber lese einen Text über die Schattenseiten des Weingenusses. In seinem Mittelpunkt die Begegnung eines Sohnes mit seinem alkoholabhängigen Vater. (Hier nachzulesen). Passend zum Text mit dem Titel „Moselwein“ präsentiert Thomas Werling einen Weißwein von der Mosel.

Peter Schmidt hat eine Geschichte aus der französischen Résistance im Gepäck. Frank Sohler fragt in seinem Text „Wein oder nicht Wein?“. In eine Welt in naher Zukunft, in der die Privatwohnungen der Menschen überwacht werden, entführt der Text von Sarah Dressel, den sie fast szenisch lesend vorträgt.

Zu jedem Text kredenzt Thomas Werling seine Weine, zu denen er ausführlich Hintergründe aus Weinanbau und Gebiet den Zuhörern erzählt. Die etwa 50 Gäste verkosten und genießen sie ebenso wie die Texte.

Claudia Stursberg aus Bad Boll liest einen Romanauszug. Zwei alte russische Freunde treffen sich nach langer Zeit wieder und feiern das mit einem guten Essen. Thomas Werling philosophiert anschließend, ob man einen Wein zu einem Essen empfehlen kann und kommt zu dem Schluss, dass es einfacher sei, zu einem guten Wein, dessen Aromen man kennt, ein passendes Essen zu kreieren.

Die Lesung von Willi Steinfeld lässt erkennen, dass er über Erfahrungen aus Poetry Slam Veranstaltungen verfügt.

Zum Abschluss der Lesung trägt noch einmal Hans Thill einen Text vor, in dem er eine Begegnung mit Bacchus in den Mittelpunkt rückt und Thomas Werling krönt den Abend mit einem guten Tropfen aus einem französischen Weinanbaugebiet, das wie kein anderes für hochwertigen Rotwein steht: Bordeaux.

Viele Worte sind gesprochen und viele Weine getrunken, als dieser laue Sommerabend zu Ende geht.