Nachdenkzeilen – Warum diese Grenzen?

07.02.2019 at 10:56
Grenzen vor der eigenen Tür

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Donald Trump besteht auf einer Mauer zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten. Das hat er in seiner Rede zur Lage der Nation diese Woche noch einmal vor dem Kongress bestätigt. Wenn ihm das Parlament die notwendigen Gelder dafür nicht bewilligt, will er notfalls den Notstand ausrufen und die Mauer ohne Zustimmung des Kongresses bauen.

In Israel steht schon eine Mauer. Das Bauwerk, mit dem sich Israel von dem seit 1967 besetzten Westjordanland abzuschotten versucht, ist so umstritten, dass allein der Versuch einer Namensgebung verwegen ist. Denn was den einen „eine Mauer“ ist, ist den anderen „ein Zaun“. Und in ihrem Bemühen, unparteiisch zu bleiben, hat die westliche Presse noch einen dritten Namen für die Monstrosität erdacht, die das Heilige Land durchschneidet: die „Sperranlage“.

Auch in Europa gibt es 30 Jahre nach dem Mauerfall wieder Grenzsicherungsanlagen. Sie wurden errichtet, um Flüchtlinge den Weg nach Europa zu verwehren.

Unklar bleibt hingegen die Motivation eines Hausbesitzers in einem kleinen norddeutschen Dorf, quer durch seinen Garten eine Grenze zu markieren.

Nachdenkzeilen – Über soziale Medien

13.01.2019 at 17:53
nachdenkzeilen

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Solange wir uns in sozialen Netzwerken bewegen (Twitter, Facebook, Instagram etc.) geben wir unsere Daten an gewinnorientierte Unternehmen weiter. Wollen wir das? Jüngst hat der Grüne-Politiker Habeck angekündigt, seine Twitter und Facebook-Accounts zu löschen. NB.: Das ist natürlich nicht wirklich möglich, die Unternehmen behalten alle Daten und Aktivitäten von ihm in ihren riesigen Datenspeichern.

Habeck hat erkannt, dass die sozialen Medien die Sprache, die eigene Haltung und Reflexe normieren. Sie konditionieren die Nutzer, damit diese die maximale Resonanz erreichen. Die Betreiber dieser Plattformen sind Unternehmen, die mit einem hochprofessionellen Anreizsystem so viel Interaktion wie möglich erzeugen. Das dient ihrem Geschäftsmodell. Ihr Ziel: möglichst komplexe Nutzerprofile zu erstellen, um diesen ihre maßgeschneiderte Online-Werbung übermitteln zu können. Das unterscheidet sie grundsätzlich von öffentlich-rechtlichen Anbietern, die ohne Gewinninteressen Nachrichten verbreiten.

Die Betreiber der Social-Media-Kanäle haben mit aufwändigen Studien belegt, dass Zwischentöne die geringsten und Extrempositionen die höchsten Interaktionsraten generieren, also für sie die interessantesten sind. Was folgt daraus? Wir haben Debattenkanäle, die für Debatten ungeeignet sind, denn Hysterie wird mit Resonanz belohnt, während Moderates gefiltert wird. Deshalb sind Populisten so erfolgreich in den sozialen Medien. Und der einzelne Nutzer lernt mit der Zeit, was performt und was nicht. Das hat Habeck richtig erkannt, wenn er sein eigenes Verhalten beschreibt:

Twitter desorientiert mich, macht mich unkonzentriert, praktisch, wenn man in Sitzungen verstohlen aufs Handy schaut. Grundsätzlich, weil ich mich dabei ertappt habe, wie ich nach Talkshows oder Parteitagen gierig nachgeschaut habe, wie die Twitter-Welt mich denn gefunden hat. Und das ist die Schere im Kopf. Als wäre Politik eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Dass man so redet, wie es das Medium will. Ich möchte gern wieder konzentrierter sein, fokussierter und auf die lange Distanz geeicht, nicht auf den kurzfristigen Geländegewinn.

Habeck zu seinem Rückzug von Twitter und Facebook

Man sollte den Konflikt zwischen den Gewinninteressen von Social-Media-Services und den Ansprüchen der Demokratie in den Blick nehmen. Und unter diesem Blickwinkel diskutieren, ob ein Abgeordneter Kommunikationskanäle nutzen darf, die ihr Geld mit der gezielten Förderung von Extrempositionen verdienen. Eventuell könnte man damit auch das Anwachsen des Rechtspopulismus eindämmen.

Wohin gehört es?

01.01.2019 at 0:10
Neujahr 2019

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Diese Frage habe ich mir sehr häufig im vergangenen Jahr gestellt, aber leider darauf keine Antwort gefunden. Für mich war es ein Jahr der Leerstellen. Als ich im Sommer zur Hochzeit meiner Tochter in Bremen weilte, sah ich dieses Neon-Kunstwerk des polnischen Künstlers Michał Martychowiec im Weserburg Museum für moderne Kunst. Der Ausstellungskatalog verriet: „Das kritische, eigenständige, urbane Polen präsentiert sich hier stolz“. Ich war das Jahr zuvor in Polen im Urlaub gewesen und hatte das starke Gefühl, tief mit diesem Land verwachsen zu sein. Doch dieses Gefühl wurde in diesem Jahr überlagert von Verlust und Trauer.

In einem Raum des Museums fand ich einen Haftnotiz-Aufkleber, auf dem geschrieben stand: „Genau wie Sie warte ich auf Veränderung; lass es mich wissen, wenn es passiert“. Noch so ein wuchtiger Satz wie der nach dem Ort meines Herzens.

Für 2019 wünsche ich mir und allen Lesern, dass wir den Ort finden und Veränderung passiert.

Nachdenkzeilen – Über Wachstum

31.12.2018 at 16:48
Nachdenkzeilen 1

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Die Grenzen des Wachstums werden deutlicht sichtbar an diesem 31.12.12018 im Edeka in Korntal. M. hat den Eindruck, es sei die letzte Möglichkeit, für viele Monate noch einmal Lebensmittel einzukaufen. An allen Kassen Schlangen bis in die hintersten Winkeln des Ladens. Die Parkplätze alle belegt.
Wie, so fragt sich M., wird sich die Entwicklung des Neubaugebietes in Korntal auswirken, wenn dieses in den kommenden Jahren errichtet wird? Der Straßenverkehr in dem kleinen Städtchen wird noch einmal ansteigen und die Schlangen an den Kassen werden noch einmal länger.

Die Botschaft des Friedens

24.12.2018 at 1:00
Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=821817

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Damit es Frieden in der Welt gibt,
müssen Völker in Frieden leben.
Damit es Frieden zwischen den Völkern gibt,
dürfen sich Städte nicht gegeneinander erheben.
Damit es Frieden in den Städten gibt,
müssen sich Nachbarn verstehen.
Damit es Frieden zwischen Nachbarn gibt,
muss im eigenen Haus Frieden herrschen.
Damit im Haus Frieden herrscht,
muss man ihn im eigenen Herzen finden.

Laotse